Dr.med. Ursula Davatz verwendet den Begriff „Seele“, obwohl sie anerkennt, dass es sich dabei um ein wissenschaftlich nicht exakt definiertes Konstrukt handelt. Sie rechtfertigt die Verwendung des Begriffs damit, dass er im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert ist und somit für die Patienten verständlich ist.
Verankerung der Seele im Emotionalen:
Dr. Davatz sieht die Seele als im emotionalen Bereich verankert, insbesondere im limbischen System, dem Teil des Gehirns, der für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Sie betont aber auch die enge Verbindung zwischen dem Grosshirn (kognitiven Bereich) und dem emotionalen Hirn, die für eine ganzheitliche Wahrnehmung und Verarbeitung von Erfahrungen essentiell ist.
Die Seele spricht durch den Körper:
Die zentrale Aussage von Dr. Davatz ist, dass die Seele den Körper sprechen lässt, wenn sie keine Worte mehr findet. Dies geschieht, wenn ein Mensch mit seinen erlernten Anpassungsmechanismen an seine Grenzen stösst und sich nicht mehr adäquat ausdrücken kann.
Der Weg der Energie:
Dr. Davatz beschreibt einen „Energiestau“ im emotionalen Hirn, der entsteht, wenn ein Mensch unterdrückte Emotionen nicht verarbeiten kann. Diese Energie sucht sich dann einen Ausweg und manifestiert sich entweder in psychosomatischen Symptomen oder in psychotischen Zuständen, wenn die Energie ins Grosshirn abgeleitet wird.
Konsequenzen der Unfähigkeit sich auszudrücken:
Wenn die Seele sich nicht mehr durch Sprache und soziale Interaktion ausdrücken kann, sucht sie sich andere Wege der Kommunikation. Diese können sein:
- Psychosomatische Symptome: Der Körper wird zum Sprachrohr der Seele und drückt das unverarbeitete emotionale Leid durch körperliche Beschwerden aus.
- Regression: Der Mensch fällt in kindliche Verhaltensmuster zurück, die nonverbal und oft impulsiv sind.
- Schizophrenie: In extremen Fällen kann die gestaute Energie ins Grosshirn abgeleitet werden, was zu psychotischen Symptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen führt.
Die Rolle der Therapie:
Die Aufgabe der Therapie sieht Dr. Davatz darin, den Menschen zu helfen, neue Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Seele zu finden und gesunde Anpassungsstrategien zu entwickeln. Dies beinhaltet unter anderem:
- Emotionsregulation: Die Patienten lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu benennen und zu regulieren.
- Differenzierung von der Herkunftsfamilie: Die Patienten setzen sich mit den erlernten Verhaltensmustern aus ihrer Herkunftsfamilie auseinander und lernen, sich von ungesunden Prägungen zu lösen.
- Entwicklung der eigenen Mitte: Die Patienten lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Werte zu erkennen und authentisch zu leben, ohne sich von den Erwartungen anderer bestimmen zu lassen.
Zusammenfassend:
Dr. Davatz verwendet den Begriff „Seele“, um den emotionalen Kern des Menschen zu beschreiben, der durch den Körper spricht, wenn er sich nicht adäquat ausdrücken kann. Ihre Therapie zielt darauf ab, den Patienten zu helfen, neue Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Seele zu finden und gesunde Anpassungsstrategien zu entwickeln.
https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf
