Die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten Einblicke in die Beweggründe psychotischer Mütter, ihre Kinder umzubringen.
Schutz vor Leid:
- Verzerrte Realitätswahrnehmung: Psychotische Mütter können die Realität verzerrt wahrnehmen und aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr in der Lage sein, adäquat auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu reagieren.
- Wahnvorstellungen und Halluzinationen: Sie könnten unter Wahnvorstellungen und Halluzinationen leiden, die sie glauben lassen, ihre Kinder müssten vor einem schlimmen Schicksal bewahrt werden.
- Fehlende Ressourcen und Unterstützung: Oftmals fühlen sich diese Mütter alleingelassen und überfordert und sehen keinen anderen Ausweg, als ihre Kinder vor dem vermeintlichen Leid zu „retten“.
- Vergleich mit Einschläfern eines Hundes: Dr. Davatz vergleicht diese Situation mit dem Einschläfern eines Hundes, der schwer leidet. Die Mütter sehen den Kindesmord als „Erlösung“ für ihre Kinder an, um sie vor weiterem Schmerz zu bewahren.
Überforderung und Kontrollverlust:
- Angst vor dem Wegnehmen der Kinder: Psychotische Mütter haben oft große Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden.
- Kontrollverlust über die Situation: Diese Angst kann in Verbindung mit der verzerrten Realitätswahrnehmung und dem Gefühl der Überforderung zu impulsivem Handeln führen.
- „Verschleppen der Brut“: Dr. Davatz beschreibt das Phänomen des „Verschleppens der Brut“, bei dem Mütter mit ihren Kindern in einen anderen Bezirk umziehen, um der Kontrolle durch Behörden zu entgehen.
Weitere Aspekte:
- Alleinherrschaft der Mutter: Viele Mütter, insbesondere solche mit psychischen Erkrankungen, haben die Vorstellung, alles alleine bewältigen zu müssen. Sie schämen sich, Hilfe zu suchen, und wollen nach außen hin den Schein wahren, alles im Griff zu haben.
- Stigmatisierung und Scham: Die gesellschaftliche Stigmatisierung psychischer Erkrankungen verstärkt die Angst der Mütter, verurteilt und abgelehnt zu werden. Dies kann sie davon abhalten, sich Hilfe zu suchen und ihre Situation offen zu kommunizieren.
Wichtig ist, dass Fachleute, die mit psychotischen Müttern arbeiten, die Anzeichen von Gefahr erkennen und frühzeitig eingreifen. Dazu gehört:
- Sensibilität im Umgang mit den Müttern: Es ist wichtig, den Müttern mit Verständnis und Empathie zu begegnen und ihnen die Angst vor Verurteilung zu nehmen.
- Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung: Eine stabile und vertrauensvolle Beziehung zu einer Fachperson kann den Müttern helfen, sich zu öffnen und Unterstützung anzunehmen.
- Stärkung des sozialen Netzwerks: Die Isolation der Mütter muss durchbrochen werden. Die Einbindung von Familienmitgliedern, Freunden oder professionellen Helfern kann die Situation entlasten.
- Frühe Intervention: Je früher die Mütter Hilfe erhalten, desto besser sind die Chancen, eine Eskalation der Situation zu verhindern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kindesmord durch psychotische Mütter eine komplexe Problematik ist, die durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Die Motive der Mütter sind oft nicht böswillig, sondern basieren auf einer verzerrten Realitätswahrnehmung, Angst und Überforderung.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf
