Dr.med Ursula. Davatz betont die Wichtigkeit der leiblichen Mutter als primäre Bezugsperson, selbst wenn die Mutter an einer psychischen Krankheit leidet. Diese Position begründet sie mit folgenden Argumenten:
- Biologische Bindung: Dr. Davatz verweist auf eine „biologische Bindung“ zwischen Mutter und Kind, die nicht zu leugnen sei. Diese Bindung sei von grosser Bedeutung und müsse ernst genommen werden.
- Verantwortlichkeit der Mutter: Dr. Davatz sieht die Mutter, unabhängig von ihrem Alter oder ihren Fähigkeiten, als die hauptverantwortliche Person für das Kind. Sie ist der Ansicht, dass die Mutter ernst genommen und in ihrer Rolle unterstützt werden muss, selbst wenn sie „noch so unfähig“ erscheint.
- Schädlichkeit von Loyalitätskonflikten: Die Ablösung des Kindes von der Mutter, sei es durch eine Fremdunterbringung oder die Übernahme der Mutterrolle durch eine andere Person, birgt laut Dr. Davatz die Gefahr von Loyalitätskonflikten, die für das Kind schizophrenogen wirken können. Das Kind wird in eine Dreiecksbeziehung gezwungen und leidet unter den Spannungen zwischen den Bezugspersonen.
- Stärkung der Mutter-Kind-Bindung: Dr. Davatz ermutigt Mütterberaterinnen, die Mutter-Kind-Bindung zu stärken, selbst bei psychisch kranken Müttern. Sie rät dazu, die Stärken der Mutter zu erkennen und sie in ihren Fähigkeiten zu bestärken.
- Einbezug des Umfelds als Ressourcen: Dr. Davatz plädiert dafür, das Umfeld der Familie als Ressourcen zu nutzen, um die Mutter zu entlasten und dem Kind zusätzliche Bezugspersonen zu bieten. Dazu gehören Nachbarn, Verwandte, Lehrer und andere Fachpersonen. So kann das Kind die Unterstützung erhalten, die die Mutter aufgrund ihrer Erkrankung möglicherweise nicht in vollem Umfang geben kann.
- Temporäre Fremdunterbringung als Option: In extremen Fällen, wenn die Mutter aufgrund ihrer Erkrankung das Kind nicht adäquat versorgen kann, befürwortet Dr. Davatz eine temporäre Fremdunterbringung. Sie betont aber, dass die Mutter auch in diesem Fall die leibliche Mutter bleibt und ihre Entscheidung, das Kind wegzugeben, als Zeichen guter Mutterschaft gewertet werden sollte.
Dr.med. Ursula Davatz‘ Fokus liegt auf dem Wohl des Kindes und der Förderung einer gesunden Entwicklung. Sie sieht die Mutter-Kind-Beziehung als grundlegend an und plädiert dafür, die Mutter in ihrer Rolle zu unterstützen und zu stärken, anstatt sie zu ersetzen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Dr. Davatz‘ Aussagen im Kontext ihrer Rolle als Familientherapeutin zu verstehen sind. Die Entscheidung über die Unterbringung eines Kindes und die Gestaltung der Eltern-Kind-Beziehung sollte immer im individuellen Fall und in Zusammenarbeit mit Fachleuten getroffen werden.
