Dr.med. Ursula Davatz betont in ihren Ausführungen die Bedeutung der Differenzierung in der Familientherapie, insbesondere bei der Arbeit mit hochstrittigen Eltern.
Was bedeutet Differenzierung in diesem Kontext?
Differenzierung bedeutet, dass die unterschiedlichen Perspektiven, Bedürfnisse und Erziehungsstile der Eltern anerkannt, respektiert und herausgearbeitet werden, anstatt zu versuchen, sie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Warum ist Differenzierung wichtig?
- Unterschiedliche Herkünfte und Erfahrungen: Eltern kommen aus unterschiedlichen Familiensystemen mit unterschiedlichen Werten und Erziehungspraktiken. Es ist unrealistisch und kontraproduktiv zu erwarten, dass sie in allen Punkten übereinstimmen.
- Individuelle Stärken und Schwächen: Jeder Elternteil hat seine eigenen Stärken und Schwächen in der Erziehung. Differenzierung ermöglicht es, diese zu erkennen und gezielt zu fördern.
- Vermeidung von Machtkämpfen: Der Versuch, einen Konsens zu erzwingen, führt oft zu Machtkämpfen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Differenzierung hingegen fördert den Respekt vor dem jeweils anderen und ermöglicht eine konstruktive Zusammenarbeit.
- Entlastung des Kindes: In einem Klima der ständigen Konfliktaustragung und des Versuchs, die Eltern auf eine Linie zu bringen, fühlen sich Kinder oft unter Druck gesetzt und überfordert. Differenzierung schafft hingegen Klarheit und Entspannung für alle Beteiligten.
Wie setzt man Differenzierung in der Praxis um?
- Aktives Zuhören und Verstehen: Der Therapeut hört jedem Elternteil aufmerksam zu und versucht, seine Perspektive und seine Beweggründe zu verstehen.
- Herausarbeitung der Unterschiede: Der Therapeut fragt gezielt nach den unterschiedlichen Wertvorstellungen, Erziehungspraktiken und Erfahrungen der Eltern.
- Wertschätzung und Validierung: Der Therapeut wertschätzt die unterschiedlichen Perspektiven und betont, dass es kein Richtig oder Falsch gibt.
- Entwicklung individueller Strategien: Gemeinsam mit den Eltern werden Strategien entwickelt, die ihren individuellen Stärken und Bedürfnissen entsprechen.
- Stärkung der Eigenverantwortung: Die Eltern werden ermutigt, eigenständig Entscheidungen zu treffen und ihre eigene Rolle in der Erziehung zu finden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Differenzierung ein zentrales Prinzip der Familientherapie nach Dr.med. Ursula Davatz ist. Es geht darum, die Einzigartigkeit jedes Elternteils und seine individuelle Art der Erziehung zu respektieren und zu fördern, anstatt einen künstlichen Konsens zu erzwingen. Dies schafft ein entspannteres und klareres Klima in der Familie, das allen Beteiligten, insbesondere dem Kind, zugutekommt.
