Laut Dr.med. Ursula Davatz spielt Scham eine zentrale Rolle im Suchtverhalten. Süchtige schämen sich oft für ihren Kontrollverlust und genieren sich, über ihr Problem zu sprechen. Das führt dazu, dass sie ihr Suchtverhalten verstecken und sich nicht abmelden, wenn sie aufgrund ihrer Sucht nicht zur Arbeit kommen können.
Die Sucht wird als Makel empfunden, im Gegensatz zu anderen Erkrankungen wie Krebs, die gesellschaftlich akzeptierter sind. Suchtkranke fühlen sich oft moralisch verwerflich, weil sie nicht die Kontrolle über ihr Verhalten haben. Dieses Gefühl der Scham verhindert, dass Süchtige Hilfe suchen und sich ihren Problemen stellen.
Arbeitgeber sollten im Umgang mit Suchtverhalten sensibel auf das Thema Scham eingehen und dem Mitarbeiter signalisieren, dass er mit seinem Problem nicht allein ist. Offene Fragen, die die Scham thematisieren, können dem Mitarbeiter helfen, sich zu öffnen:
- „Genieren Sie sich, sich abzumelden, weil Sie Angst vor negativen Konsequenzen haben?“
- „Ist es Ihnen unangenehm, über Ihre Situation zu sprechen?“
Ziel ist es, dem Mitarbeiter zu zeigen, dass sein Verhalten verstanden wird und dass er Unterstützung bekommen kann.
Indem Arbeitgeber die Scham des Mitarbeiters anerkennen, können sie ihm helfen, aus der Isolation herauszukommen und den ersten Schritt in Richtung Genesung zu machen.
