Dr.med. Ursula Davatz legt in ihren Ausführungen einen besonderen Schwerpunkt auf die Bedeutung von Interaktionsmustern für das Verständnis und den Umgang mit Kindern, insbesondere Pflegekindern, die schwierige Erfahrungen in ihrem Herkunftssystem gemacht haben. Sie betont, dass die Analyse dieser Muster wichtiger ist als die Fokussierung auf Diagnosen.
Interaktionsmuster als Ausdruck von Bedürfnissen:
- Hinter den Symptomen schauen: Dr. Davatz ermutigt die Zuhörer, nicht bei der oberflächlichen Betrachtung von Symptomen stehen zu bleiben, sondern zu hinterfragen, welche Bedürfnisse und ungelösten Konflikte sich in den Verhaltensweisen des Kindes ausdrücken.
- Kommunikation verstehen: Jedes Verhalten, auch aggressives oder destruktives, wird als eine Form der Kommunikation betrachtet.
- Validierung statt Verurteilung: Anstatt das Verhalten des Kindes zu verurteilen, sollte man versuchen, die dahinterliegenden Emotionen und Bedürfnisse zu verstehen und zu validieren.
Analyse der Interaktionsmuster:
- Beobachtung des Kindes: Aufmerksames Beobachten des Kindes in verschiedenen Situationen kann wertvolle Hinweise auf die Interaktionsmuster liefern.
- Beobachtung des eigenen Verhaltens: Gleichzeitig ist es wichtig, das eigene Verhalten und die eigenen Reaktionen auf das Kind zu reflektieren.
- Fragen nach der Geschichte: Um die Interaktionsmuster im Herkunftssystem zu verstehen, sollte man das Kind, wenn möglich, nach seinen Erfahrungen und Erlebnissen in seiner Familie befragen.
- Empathie und Neutralität: Bei der Exploration der Familiengeschichte ist es wichtig, dem Kind mit Empathie und Wertschätzung zu begegnen und gleichzeitig eine neutrale Haltung gegenüber den Eltern einzunehmen, um die Loyalität des Kindes nicht zu gefährden.
Veränderung der Interaktionsmuster:
- Beziehungsgestaltung: Eine tragfähige und vertrauensvolle Beziehung zwischen Pflegeeltern und Kind ist die Grundlage für eine positive Veränderung der Interaktionsmuster.
- Zeit und Geduld: Veränderungsprozesse brauchen Zeit und Geduld. Es ist wichtig, dem Kind den Raum und die Zeit zu geben, neue, positive Erfahrungen in der Pflegefamilie zu machen.
- Klare Regeln und Rituale: Klare Regeln und Rituale, wie z.B. ein strukturiertes Abendritual, geben dem Kind Orientierung und Sicherheit.
- Konsequenz und Verlässlichkeit: Konsequentes und verlässliches Handeln der Pflegeeltern stärkt das Vertrauen des Kindes und fördert die Entwicklung von Sicherheit und Selbständigkeit.
- Problemlösungsstrategien entwickeln: Gemeinsam mit dem Kind sollten Problemlösungsstrategien entwickelt werden, die ihm helfen, mit schwierigen Situationen und Emotionen umzugehen.
Zusammenfassend: Die Analyse der Interaktionsmuster in der Pflegefamilie und im Herkunftssystem des Kindes bietet einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis des Verhaltens und der Bedürfnisse des Kindes. Durch eine wertschätzende und unterstützende Beziehungsgestaltung, klare Regeln und Rituale, sowie die Entwicklung von positiven Problemlösungsstrategien können negative Muster aufgebrochen und positive Veränderungen ermöglicht werden.
