Die ambulante Behandlung war ein zentrales Anliegen des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SPD) Königsfelden von Beginn an. Das Hauptziel des SPD war es, Langzeitpatienten mit chronischer Psychose aus der Klinik Königsfelden zu entlassen und dies durch konsequente ambulante Nachbetreuung zu ermöglichen. Diese Nachbetreuung sollte unter anderem mit DEPO-Neuroleptika eine funktionierende Rückfallprophylaxe gewährleisten. Der SPD wurde als Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Behandlung konzipiert und entwickelte sich zu einer Nahtstelle.
Dr. Saameli betont die Bedeutung der Dezentralisation von ambulanten Einrichtungen, was 1981 jedoch noch schwierig war. Die konziliarischen Dienstleistungen des SPD waren über den ganzen Kanton verstreut, was die Teilnahme an Programmen wie der Tagesklinik für Patienten ausserhalb der näheren Umgebung erschwerte.
Methoden der ambulanten Behandlung, die im SPD angewandt wurden:
- Medikamentöse Behandlung mit Fokus auf Rückfallprophylaxe durch DEPO-Neuroleptika.
- Systemisch orientierte Therapie, eingeführt in Verbindung mit dem Institut für Ehe und Familie in Zürich.
- Berufliche Integration in der freien Wirtschaft, beispielsweise bei der Firma Möbel Pfister, was dem späteren Konzept des „Supported Employment“ entsprach.
- Substitutionsbehandlungen mit Methadon für Heroinabhängige ab 1976.
- Tagesklinik, die 1980 im alten Spital in Königsfelden eröffnet wurde und laut Dr. Saameli die erste an einer nichtuniversitären psychiatrischen Institution in der Schweiz war.
Dr. Davatz betont, dass der Slogan „ambulant vor stationär“ bereits in den 1980er Jahren aktuell war [20:51]. Sie führte eine einfache Kostenberechnung durch, die zeigte, dass die ambulante Behandlung deutlich kostengünstiger war als die stationäre (CHF 50’000 gegenüber CHF 200’000 für zehn Patienten).
Herausforderungen und Perspektiven der ambulanten Behandlung:
- Anfangs gab es Vorbehalte gegenüber der Dezentralisierung ambulanter psychiatrischer Institutionen.
- Es gab unterschiedliche Ansichten über die Priorisierung eines zentralen Klinikneubaus gegenüber der Dezentralisation ambulanter Dienste.
- Hausärzte hatten anfangs Schwierigkeiten, Patienten an den richtigen Dienst (SPD oder AMBI) zu überweisen.
- Dr. Davatz kritisiert, dass die Psychiatrie zu stark im medizinischen Modell verortet ist und plädiert für einen systemischeren Ansatz, der das Umfeld der Patienten einbezieht. Sie sieht den Beginn der Psychiatrie bereits in der Schule und fordert mehr Unterstützung für Lehrer.
Entwicklung der ambulanten Strukturen (EPD):
Später, unter der Leitung von Dr. Urs Fromm (ab 1995), wurde das Einzugsgebiet des EPD (Erwachsenenpsychiatrischer Dienst, der den SPD umfasste) regionalisiert, mit Standorten in Baden, Aarau, Wohlen und im Fricktal. Die Teams in diesen Aussenstandorten bestanden aus Sekretärinnen, Assistenzärzten, Sozialarbeitern/Sozialpädagogen und Psychiatriepflegern. Dr. Davatz übernahm die Leitung in Baden. Diese Regionalisierung sollte die Zugänglichkeit ambulanter Angebote verbessern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ambulante Behandlung ein Kernstück der sozialpsychiatrischen Reformbestrebungen war und der SPD Königsfelden eine Pionierrolle in der Entwicklung und Umsetzung ambulanter Versorgungsstrukturen im Kanton Aargau spielte. Trotz anfänglicher Widerstände und Herausforderungen wurde die ambulante Versorgung kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt, hin zu einer regionalisierten und spezialisierten Struktur.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/30-Jahre-Sozialpsychiatrie-Koenigsfelden.m4a.pdf
