Die Zusammenarbeit mit Schulen bei Schulverweigerung stellt Fachpersonen vor diverse Herausforderungen.
- Ein zentrales Problem ist der Machtkampf, der oft zwischen Schule und Kind entsteht. Schulen haben den Auftrag, Kinder zu beschulen, und sehen sich verpflichtet, die Schulpflicht durchzusetzen. Dies führt häufig dazu, dass Druck auf schulverweigernde Kinder ausgeübt wird, was aber bei mutistischen Kindern oder Kindern mit Trotzverhalten kontraproduktiv ist. Zwang und Gewalt verstärken die Verweigerungshaltung und führen zu Misserfolg.
- Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verständnis für die Ursachen der Schulverweigerung. Oftmals liegt die Ursache nicht in der Schule selbst, sondern in familiären Problemen oder psychischen Belastungen des Kindes. Kinder, die zu Hause Verantwortung für ein krankes Elternteil oder Geschwister übernehmen, können die Schule verweigern, um diese Person nicht allein zu lassen.
- Mangelndes Wissen über Autismus und andere psychische Besonderheiten bei Lehrpersonen und Schulleitungen stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.
- Häufig besteht eine Konkurrenzsituation zwischen Schule und Eltern. Lehrer werfen Eltern oft die Schuld am Verhalten des Kindes zu, was die Zusammenarbeit erschwert.
- Bürokratische Hürden und die Finanzierung von Unterstützungsmassnahmen können ebenfalls zu Problemen führen.
- Systemische Fehler von Fachpersonen, wie z. B. das Übergehen der Schulleitung bei der Suche nach einer neuen Schule, können die Situation zusätzlich verkomplizieren.
Erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert:
- Anerkennung der Schulpflicht, aber gleichzeitig Verständnis für die Situation des Kindes und die Vermeidung von Zwang und Druck.
- Offene Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Fachpersonen.
- Systemisches Vorgehen, das das gesamte Umfeld des Kindes berücksichtigt und die Interaktion zwischen Kind und Umfeld analysiert.
- Geduld und Zeit, um eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufzubauen und die Ursachen der Schulverweigerung zu verstehen.
Es ist wichtig, den intrinsischen Neugierfaktor und die Lernbereitschaft der Kinder wieder zu erwecken und ihnen in einem sicheren und unterstützenden Umfeld die Möglichkeit zu geben, ihre Potenziale zu entfalten.
https://ganglion.ch/pdf/Selektiver-Mutismus-und-Schulverweigerung.pdf
