Basierend auf den Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle aus verschiedenen, miteinander verbundenen Gründen:
- Gehirnentwicklung und -vernetzung: In der Pubertät findet eine massive Neuvernetzung des Gehirns statt, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bekannt ist. Während dieser Zeit werden viele angelegte neuronale Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke wie Autobahnen. Dr. Davatz betont, dass deshalb die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle spielt. Diese Phase ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit für das menschliche Gehirn.
- Soziales Lernen und Kooperation: Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche lernen müssen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Dr. Davatz unterstreicht, dass sie lernen müssen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Interaktion mit Gleichaltrigen und Erwachsenen ist unerlässlich für die Entwicklung dieser sozialen Kompetenzen. Sie betont, dass man immer zusammenarbeiten muss.
- Entwicklung der Perspektivenübernahme (Dezentrieren): Jean Piaget beschreibt das Dezentrieren als eine Fähigkeit, die man idealerweise in der Pubertät lernt. Das bedeutet, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und zu erkennen, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Auseinandersetzung und Interaktion mit anderen. Dr. Davatz merkt an, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann.
- Emotionale Entwicklung und Regulation: Während der Pubertät erleben Jugendliche oft ein intensiveres emotionales Auf und Ab. Interaktion mit ihrem Umfeld, insbesondere mit unterstützenden Erwachsenen, hilft ihnen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu lernen, damit umzugehen. Dr. Davatz betont, dass junge Menschen ein Gegenüber brauchen, mit dem sie sich auseinandersetzen können, um den Umgang mit ihren Emotionen zu lernen.
- Konfliktbewältigung und soziales Lernen: Konflikte sind in der Pubertät nicht unüblich. Interaktion in Konfliktsituationen, wenn sie konstruktiv begleitet wird, bietet wichtige Lernmöglichkeiten für die Konfliktlösung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, Ungleichheiten, die stören, im Gruppenprozess zu bearbeiten, was ein wichtiger Aspekt des sozialen Lernens ist.
- Autonomieentwicklung: In der Pubertät streben Jugendliche nach mehr Selbstständigkeit. Interaktion mit Erwachsenen, die ihnen Raum für eigene Meinungen und Entscheidungen geben, während sie gleichzeitig Orientierung bieten, ist entscheidend für die Entwicklung ihrer Autonomie.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase der Umstrukturierung auf neurologischer, sozialer und emotionaler Ebene ist. Interaktion mit der Umwelt und mit anderen Menschen ist in dieser Zeit unerlässlich, da sie den Reifungsprozess des Gehirns massgeblich beeinflusst, die Entwicklung wichtiger sozialer und emotionaler Fähigkeiten fördert und zur Herausbildung einer eigenständigen Persönlichkeit beiträgt.
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