Wie verändert sich das Gehirn in der Pubertät?

In der Pubertät verändert sich das Gehirn in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase. Dr. Davatz erklärt, dass das Gehirn in dieser Zeit neu vernetzt wird. Dieser Prozess wird als Synaptic Pruning bezeichnet. Dabei werden viele angelegte Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke, die mit Autobahnen verglichen werden können.

Aus diesem Grund spielt die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle. Jean Piaget hat das Konzept des Dezentrierens entwickelt, welches besagt, dass man in der Pubertät lernen kann, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Laut Piaget lernen 60% der Jugendlichen in der Pubertät zu dezentrieren, während 40% dies nie lernen. Jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, kann auch nicht richtig zusammenarbeiten. Es ist also eine Zeit, in der die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum Perspektivenwechsel massgeblich geprägt wird.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Weshalb spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle?

Basierend auf den Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle aus verschiedenen, miteinander verbundenen Gründen:

  • Gehirnentwicklung und -vernetzung: In der Pubertät findet eine massive Neuvernetzung des Gehirns statt, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bekannt ist. Während dieser Zeit werden viele angelegte neuronale Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke wie Autobahnen. Dr. Davatz betont, dass deshalb die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle spielt. Diese Phase ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit für das menschliche Gehirn.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche lernen müssen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Dr. Davatz unterstreicht, dass sie lernen müssen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Interaktion mit Gleichaltrigen und Erwachsenen ist unerlässlich für die Entwicklung dieser sozialen Kompetenzen. Sie betont, dass man immer zusammenarbeiten muss.
  • Entwicklung der Perspektivenübernahme (Dezentrieren): Jean Piaget beschreibt das Dezentrieren als eine Fähigkeit, die man idealerweise in der Pubertät lernt. Das bedeutet, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und zu erkennen, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Auseinandersetzung und Interaktion mit anderen. Dr. Davatz merkt an, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann.
  • Emotionale Entwicklung und Regulation: Während der Pubertät erleben Jugendliche oft ein intensiveres emotionales Auf und Ab. Interaktion mit ihrem Umfeld, insbesondere mit unterstützenden Erwachsenen, hilft ihnen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu lernen, damit umzugehen. Dr. Davatz betont, dass junge Menschen ein Gegenüber brauchen, mit dem sie sich auseinandersetzen können, um den Umgang mit ihren Emotionen zu lernen.
  • Konfliktbewältigung und soziales Lernen: Konflikte sind in der Pubertät nicht unüblich. Interaktion in Konfliktsituationen, wenn sie konstruktiv begleitet wird, bietet wichtige Lernmöglichkeiten für die Konfliktlösung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, Ungleichheiten, die stören, im Gruppenprozess zu bearbeiten, was ein wichtiger Aspekt des sozialen Lernens ist.
  • Autonomieentwicklung: In der Pubertät streben Jugendliche nach mehr Selbstständigkeit. Interaktion mit Erwachsenen, die ihnen Raum für eigene Meinungen und Entscheidungen geben, während sie gleichzeitig Orientierung bieten, ist entscheidend für die Entwicklung ihrer Autonomie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase der Umstrukturierung auf neurologischer, sozialer und emotionaler Ebene ist. Interaktion mit der Umwelt und mit anderen Menschen ist in dieser Zeit unerlässlich, da sie den Reifungsprozess des Gehirns massgeblich beeinflusst, die Entwicklung wichtiger sozialer und emotionaler Fähigkeiten fördert und zur Herausbildung einer eigenständigen Persönlichkeit beiträgt.

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Was versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät?

Dr. med. Ursula Davatz erklärt, dass Jean Piaget das Konzept vom Dezentrieren entwickelt hat. In der Pubertät bedeutet dies, dass man lernen kann, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Man erkennt, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist.

Dr. Davatz führt aus, dass man in der Pubertät lernen kann zu verstehen: „du siehst das so, ja, ich kann das nachvollziehen. Ich sehe es so. Es muss niemand Recht haben. Beide Blickwinkel sind absolut in Ordnung„. Sie vergleicht dies mit dem physikalischen Phänomen, dass Licht sowohl als Welle als auch als Korpuskel gesehen werden kann. Selbst in den harten Wissenschaften können Dinge unterschiedlich betrachtet werden.

Wenn jemand jedoch darauf besteht, Recht haben zu müssen, ist eine unterschiedliche Betrachtung der Dinge nicht möglich. Laut Piaget lernen etwa 60% der Menschen in der Pubertät, sich zu dezentrieren, während die restlichen 40% dies nie lernen.

Dr. Davatz betont, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann. Im emotionalen Zustand ist Dezentrieren ohnehin nicht möglich. Man muss sich zuerst beruhigen, um wieder das Grosshirn einschalten und die Sache mental betrachten zu können. Dezentrieren bedeutet, sich von der intellektuellen und emotionalen Bindung zu lösen und die Sache mental anzuschauen, den anderen wahrzunehmen und seine Perspektive zu erkennen.

Zusammenfassend versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät die Fähigkeit, sich von der eigenen egozentrischen Sichtweise zu lösen und die Perspektive anderer zu erkennen und zu verstehen, ohne dabei auf dem eigenen Recht zu beharren. Dies ist eine wichtige Entwicklung für die soziale Interaktion und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit.

Die Pubertät als kritisches Entwicklungsfenster bei ADHS

Die Pubertät ist eine entscheidende Phase im Leben eines jeden Menschen, insbesondere aber für Jugendliche mit ADHS. In dieser Zeit finden tiefgreifende Veränderungen im Gehirn statt, die sie anfälliger für psychische Erkrankungen machen. Gleichzeitig sind Jugendliche mit ADHS aufgrund ihrer charakteristischen Merkmale wie hohe Sensitivität und Impulsivität besonders herausgefordert, mit den Anforderungen dieser Entwicklungsphase umzugehen.

Neurobiologische Veränderungen und erhöhte Vulnerabilität

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt die Pubertät als eine Phase des „strukturellen Umbaus“ im Gehirn. Durch den Prozess des „synaptic pruning“, bei dem ungenutzte Synapsen abgebaut und wichtige Verbindungen gestärkt werden, wird das Gehirn effizienter. Dieser Umbau macht das Gehirn jedoch auch temporär instabiler und anfälliger für negative Einflüsse.

In dieser sensiblen Phase können ungünstige Umweltbedingungen wie starker Stress, andauernde Kritik oder fehlende Unterstützung die Hirnentwicklung negativ beeinflussen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Dr.med. Ursula Davatz vergleicht das Gehirn in der Pubertät mit einem „rohen Ei“, das besonders empfindlich auf äussere Einflüsse reagiert.

Besondere Herausforderungen für Jugendliche mit ADHS

Jugendliche mit ADHS haben in der Pubertät mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen. Sie müssen lernen, ihre Emotionen zu regulieren, eine eigene Identität zu entwickeln und sich von ihren Eltern abzulösen.

1. Emotionsregulation: Die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, ist für Jugendliche mit ADHS oft eine grosse Hürde. Aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Impulsivität reagieren sie empfindlicher auf Kritik und Stress. Sie können Schwierigkeiten haben, ihre Impulse zu kontrollieren und angemessen auf emotionale Herausforderungen zu reagieren. Fehlende Unterstützung und ein negatives Umfeld können diese Schwierigkeiten verstärken und die Entstehung von Angststörungen, Depressionen oder aggressivem Verhalten begünstigen.

2. Identitätsfindung: Die Pubertät ist die Zeit, in der Jugendliche ihre eigene Identität entwickeln und ihren Platz in der Welt finden. Für Jugendliche mit ADHS kann dieser Prozess durch negative Selbstwahrnehmung und geringes Selbstwertgefühl erschwert werden.

Häufige Kritik und die Erfahrung, anders zu sein als Gleichaltrige, tragen dazu bei, dass sie sich „ungenügend“ und „nicht zugehörig“ fühlen . Sie können Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Stärken und Bedürfnisse zu erkennen und ein positives Selbstbild zu entwickeln.

3. Ablösung von den Eltern: Der Ablösungsprozess von den Eltern ist ein wichtiger Schritt in der Pubertät. Jugendliche mit ADHS können aufgrund ihrer starken Impulsivität und mangelnden Frustrationstoleranz Schwierigkeiten haben, Konflikte mit den Eltern konstruktiv zu lösen.

Ein übermässig kontrollierendes Umfeld, das den Jugendlichen wenig Freiraum für Selbstbestimmung lässt, kann die Ablösung zusätzlich erschweren und zu Widerstand und Rebellion führen.

Das Zusammenspiel von ADHS und Pubertät

Die Kombination aus neurobiologischen Veränderungen, besonderen Herausforderungen und ungünstigen Umweltbedingungen macht die Pubertät zu einem kritischen Entwicklungsfenster für Jugendliche mit ADHS. In dieser Phase ist das Risiko für die Entstehung psychischer Erkrankungen besonders hoch.

Dr.med. Ursula Davatz kritisiert den Umgang mit Jugendlichen mit ADHS in Institutionen, die oft auf Kontrolle, Anpassung und die Unterdrückung von Symptomen fokussieren. Sie plädiert für eine verständnisvolle und unterstützende Begleitung, die den Jugendlichen hilft, ihre Emotionen zu regulieren, ihre Stärken zu erkennen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Prävention und Unterstützung

Die wichtigste Präventionsmassnahme ist laut Dr.med. Ursula Davatz die Anleitung des Umfeldes im „persönlichkeitsgerechten“ Umgang mit Jugendlichen mit ADHS. Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen sollten über die Besonderheiten von ADHS aufgeklärt und im Umgang mit den Jugendlichen geschult werden. Ein verständnisvolles, akzeptierendes und unterstützendes Umfeld kann dazu beitragen, dass Jugendliche mit ADHS die Pubertät erfolgreich meistern und ihr volles Potenzial entfalten.

https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf

Die Rolle der Emotionsregulation in der Pubertät bei ADHS

Die Quellen betonen, dass die Pubertät eine entscheidende Phase in der Entwicklung von Jugendlichen ist, besonders für diejenigen mit ADHS. In dieser Zeit durchläuft das Gehirn einen Umbauprozess, der es anfälliger für äussere Einflüsse macht. Gleichzeitig stehen Jugendliche vor der Herausforderung, ihre Emotionen zu regulieren, ihre Identität zu finden und sich von ihren Eltern abzulösen.

Gerade für Jugendliche mit ADHS, die durch eine hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet sind, ist die Emotionsregulation in der Pubertät eine besondere Herausforderung. Sie reagieren empfindlicher auf Kritik und Stress und haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren.

Ein nicht unterstützendes Umfeld kann diese Schwierigkeiten verstärken. Wenn Jugendliche mit ADHS in dieser sensiblen Phase ständiger Kritik und Kontrolle ausgesetzt sind, kann dies ihre Fähigkeit zur Emotionsregulation beeinträchtigen und die Entstehung psychischer Probleme begünstigen.

Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass die Unfähigkeit, Emotionen adäquat zu regulieren, oft zu negativen Bewältigungsstrategien führt. Jungen mit ADHS neigen eher zu aggressiven Verhaltensweisen und Delinquenz, während Mädchen sich eher zurückziehen und Essstörungen entwickeln können. Diese Verhaltensweisen sind als Abwehrmechanismen zu verstehen, die den Jugendlichen helfen sollen, mit ihren Emotionen umzugehen.

Eine gesunde Emotionsregulation ist jedoch essentiell für die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls und die Fähigkeit, gesunde Beziehungen aufzubauen. Jugendliche mit ADHS brauchen daher Unterstützung, um ihre Emotionen zu verstehen und konstruktiv damit umzugehen.

Statt auf Kontrolle und Bestrafung sollte die Unterstützung von Jugendlichen mit ADHS in der Pubertät auf Verständnis, Akzeptanz und die Förderung von Selbststeuerung und Selbstverwirklichung ausgerichtet sein. Ein unterstützendes Umfeld kann den Jugendlichen helfen, ihre Emotionen zu regulieren, ihre Identität zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Massnahmen, die die Emotionsregulation fördern können:

  • Schaffung eines sicheren und verständnisvollen Umfelds, in dem Jugendliche ihre Emotionen offen zeigen können, ohne Angst vor Kritik oder Ablehnung.
  • Vermittlung von Techniken zur Emotionsregulation, wie z.B. Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen oder kognitive Verhaltenstherapie.
  • Förderung von Selbstreflexion, um den Jugendlichen zu helfen, ihre eigenen Emotionen besser zu verstehen und die Auslöser für emotionale Reaktionen zu erkennen.
  • Stärkung des Selbstwertgefühls durch positive Bestätigung und Wertschätzung.
  • Anleitung zur konstruktiven Konfliktlösung.

Indem man Jugendlichen mit ADHS hilft, ihre Emotionen zu regulieren, kann man ihnen ermöglichen, die Herausforderungen der Pubertät erfolgreich zu meistern und ein gesundes und erfülltes Leben zu führen.

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Die Rolle der Pubertät bei der Entstehung psychischer Erkrankungen bei ADHS

Die Pubertät spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen mit ADHS. Dies liegt zum einen an den neurobiologischen Veränderungen, die das Gehirn in dieser Phase durchläuft, zum anderen an den besonderen Herausforderungen, denen Jugendliche in dieser Zeit ausgesetzt sind.

Die Quellen betonen, dass das Gehirn in der Pubertät einen strukturellen Umbau erfährt. Es kommt zu einem Prozess, den Dr.med. Ursula Davatz als „synaptic pruning“ bezeichnet, bei dem Synapsen abgebaut und neue neuronale Verbindungen gebildet werden. Das Gehirn wird effizienter, indem es ungenutzte Verbindungen kappt und wichtige Verbindungen stärkt. Dieser Umbau macht das Gehirn in der Pubertät besonders anfällig für negative Einflüsse.

Gleichzeitig stellt die Pubertät Jugendliche vor grosse Herausforderungen: Sie müssen lernen, mit ihren Emotionen umzugehen, ihre eigene Identität zu entwickeln und sich von den Eltern abzulösen. Jugendliche mit ADHS haben aufgrund ihrer hohen Sensitivität und starken Reaktivität oft besondere Schwierigkeiten, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Sie reagieren empfindlicher auf Kritik und Stress und haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren.

Kommt es in dieser sensiblen Phase zu negativen Erfahrungen im Umfeld, kann dies die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen. Ein übermässig kontrollierendes Umfeld, das den Jugendlichen wenig Freiraum für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit lässt, kann zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen führen. Mädchen mit ADHS neigen eher dazu, sich anzupassen und ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, was zu einem Anpassungssyndrom führen kann. Jungen mit ADHS reagieren auf restriktive Erziehung eher mit Aggression und oppositionellem Verhalten.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass psychische Erkrankungen bei Jugendlichen mit ADHS oft eine Folge von fehlgeleiteten Interaktionen mit dem Umfeld sind. Sie kritisiert, dass in Institutionen häufig versucht wird, die Jugendlichen an die Norm anzupassen, anstatt ihnen zu helfen, ihre individuellen Stärken zu entwickeln und ihre Herausforderungen zu bewältigen. Statt auf Kontrolle und Bestrafung sollte die Unterstützung von Jugendlichen mit ADHS in der Pubertät auf Verständnis, Akzeptanz und die Förderung von Selbststeuerung und Selbstverwirklichung ausgerichtet sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine kritische Phase für die Entstehung psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen mit ADHS darstellt. Die neurobiologischen Veränderungen des Gehirns und die besonderen Herausforderungen, denen Jugendliche in dieser Zeit ausgesetzt sind, machen sie besonders anfällig für negative Einflüsse. Ein unterstützendes Umfeld, das den Jugendlichen hilft, mit ihren Emotionen umzugehen, ihre Identität zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, kann dazu beitragen, die Entstehung psychischer Erkrankungen zu verhindern.

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Psychische Erkrankungen im Kontext von ADHS und Pubertät

Die Quellen beleuchten den Zusammenhang zwischen ungünstigen Umweltbedingungen, insbesondere während der sensiblen Phase der Pubertät, und der Entstehung von psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen, besonders bei jenen mit ADHS.

  • ADHS als Risikofaktor: ADHS selbst wird in den Quellen als Neurotyp beschrieben, der durch eine breite Aufmerksamkeit, hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet ist. Diese Eigenschaften machen Jugendliche mit ADHS anfälliger für negative Einflüsse aus dem Umfeld, die die Entwicklung psychischer Erkrankungen begünstigen können.
  • Die Rolle des Umfelds: Ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld ist in der Pubertät besonders wichtig, um den Jugendlichen den nötigen Halt und die Sicherheit zu geben, sich mit den Herausforderungen dieser Phase auseinanderzusetzen. Fehlt diese Unterstützung, kann dies zu Stress, Konflikten und einem Mangel an Selbstwertgefühl führen, was das Risiko für psychische Probleme erhöht.
  • Pubertät als sensible Phase: Während der Pubertät erfährt das Gehirn einen tiefgreifenden Umbau, der es anfälliger für negative Einflüsse macht. Negative Erfahrungen und Konflikte können diesen Umbauprozess stören und die Entwicklung von psychischen Problemen wie Suchtverhalten, Essstörungen oder Delinquenz begünstigen.
  • Fehlende Selbststeuerung: Ein übermässig kontrollierendes Umfeld, das wenig Raum für Eigeninitiative und Selbstbestimmung lässt, kann zu fehlender Selbststeuerung führen. Jugendliche mit ADHS passen sich dann den Erwartungen anderer an und verlieren den Bezug zu ihrer eigenen inneren Steuerung. Dies kann zu Suchtverhalten als Kompensationsstrategie führen, um Emotionen zu regulieren und die fehlende Selbstkontrolle auszugleichen.
  • Psychische Erkrankungen als Folge von Überforderung: Die Quellen beschreiben, wie Jugendliche mit ADHS auf Überforderung durch das Umfeld reagieren. Mädchen neigen eher zu Essstörungen und Rückzug, während Jungen eher mit Aggression und Delinquenz reagieren. Diese Verhaltensweisen sind als Abwehrmechanismen zu verstehen, die den Jugendlichen helfen sollen, mit den Anforderungen des Umfelds umzugehen.
  • Die Rolle der Psychiatrie: Die zunehmende Anzahl von Jugendlichen in psychiatrischen Kliniken wird in den Quellen kritisch hinterfragt. Anstatt die Ursachen im Umfeld zu suchen, werde die „Krankheit“ im Individuum verortet und mit Medikamenten und Therapien behandelt. Dies führe oft zu Widerstand und Verweigerung bei den Jugendlichen, die sich gegen die Fremdbestimmung wehren.
  • Alternativen zur Pathologisierung: Die Quellen plädieren für einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die individuellen Bedürfnisse als auch die Interaktion mit dem Umfeld berücksichtigt. Anstatt die „Symptome“ wegzutherapieren, sollte das Umfeld angeleitet und unterstützt werden, um einen „artgerechten“ Umgang mit Jugendlichen mit ADHS zu erlernen.

Fazit: Prävention durch ein unterstützendes Umfeld

Die Quellen betonen, dass psychische Erkrankungen bei Jugendlichen mit ADHS oft die Folge von ungünstigen Umweltbedingungen und fehlender Unterstützung sind. Ein frühzeitiges Erkennen der Risikofaktoren und die Schaffung eines unterstützenden Umfelds sind daher die wirksamsten Massnahmen zur Prävention.

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Synaptic Pruning und ADHS/ADS in der Pubertät

Synaptic Pruning, auch bekannt als synaptisches Beschneiden, ist ein natürlicher Prozess der Gehirnentwicklung, der in der Pubertät stattfindet. Dabei werden Synapsen, die Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn, die nicht genutzt werden, abgebaut, während wichtige Verbindungen gestärkt werden. Dies dient der Optimierung der Gehirnfunktion, ähnlich wie beim Bau einer Autobahn, wo Nebenstraßen zugunsten schnellerer Hauptverkehrsachsen entfernt werden.

Bei Menschen mit ADHS/ADS kann dieser Prozess problematisch verlaufen. Dr. Davatz erklärt, dass ADHS/ADS-Betroffene eine erhöhte Sensibilität und Reaktivität aufweisen, was zu Störungen und Stress führen kann. Wenn Jugendliche in dieser Phase stark gestört werden, kann das Synaptic Pruning beeinträchtigt werden. Die Folge kann eine Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung und die Entstehung von psychischen Krankheiten sein.

Hier sind einige Punkte, wie Synaptic Pruning bei Menschen mit ADHS/ADS in der Pubertät zu Problemen führen kann:

  • Überforderung durch Reize: ADHS/ADS-Betroffene reagieren empfindlicher auf Reize und sind leichter ablenkbar. Die Pubertät ist eine Zeit voller neuer Erfahrungen und Herausforderungen, die diese Jugendlichen zusätzlich stressen können. Dieser Stress kann den natürlichen Prozess des Synaptic Pruning stören und die Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit erschweren.
  • Schwierigkeiten bei der Fokussierung: In der Pubertät ist die Fokusfindung, also die Suche nach der eigenen Identität und den eigenen Interessen, zentral. ADHS/ADS-Betroffene haben oft Schwierigkeiten, ihren Fokus zu finden und zu halten. Wenn sie ständig abgelenkt werden und keine Unterstützung bei der Fokusfindung erfahren, kann dies die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit negativ beeinflussen.
  • Negative Reaktionsmuster: Typische ADHS/ADS-Symptome wie Impulsivität, Aggression oder Rückzug können soziale Interaktionen erschweren und zu Konflikten führen. Dies kann die Persönlichkeitsentwicklung zusätzlich belasten und den Prozess des Synaptic Pruning beeinträchtigen.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

Einfluss von ADHS/ADS-Symptomen auf die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät

Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für die Persönlichkeitsentwicklung, in der das Gehirn grundlegend umstrukturiert wird. Dieser Prozess, Synaptic Pruning genannt, verläuft bei Jugendlichen mit ADHS/ADS-Symptomen oft anders als bei neurotypischen Jugendlichen, was die Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit erschweren und zu psychischen Problemen führen kann.

Besonders die hohe Sensitivität und Reaktivität, die für Menschen mit ADHS/ADS charakteristisch sind, spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle. .

  • Störungen und Stress: Die erhöhte Störbarkeit von ADHS/ADS-Betroffenen, die durch die enge Verknüpfung des emotionalen und kognitiven Gehirns entsteht, kann den Synaptic Pruning negativ beeinflussen. In der Pubertät sind Jugendliche ohnehin vielen neuen Reizen und Herausforderungen ausgesetzt. Für ADHS/ADS-Betroffene kann dies schnell zu Überforderung und Stress führen.
  • Fokusfindung: In der Pubertät beginnt die Suche nach der eigenen Identität und dem Platz in der Welt. ADHS/ADS-Betroffenen fällt es oft schwer, ihren eigenen Fokus zu finden. Sie brauchen Unterstützung und Freiräume, um ihre Interessen und Stärken zu entdecken und zu entwickeln.
  • Reaktionsmuster: Die typischen Reaktionsmuster von ADHS/ADS-Betroffenen, wie Impulsivität, Aggression (ADHS-Typ) oder Rückzug (ADS-Typ), können die Interaktion mit dem sozialen Umfeld erschweren und zu Konflikten führen. Dies kann die Persönlichkeitsentwicklung zusätzlich belasten.
  • Emotionale Unterernährung: Dr. Davatz sieht einen Zusammenhang zwischen der emotionalen Unterernährung in unserer Gesellschaft und der Zunahme psychischer Probleme bei Jugendlichen. . Der Fokus auf Leistung und die ständige Verfügbarkeit von „verbalem Junkfood“ über digitale Medien erschweren es, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Gerade für ADHS/ADS-Betroffene, die ohnehin sensibler auf Reize reagieren, ist dies eine zusätzliche Belastung.
  • Schulsystem: Das Schulsystem ist laut Dr. Davatz oft zu stark auf die kognitive Leistung ausgerichtet und vernachlässigt die emotionale Entwicklung. ADHS/ADS-Kinder brauchen aber intrinsische Motivation und persönlichkeitsgerechten Umgang , um ihren Platz zu finden. Strafen und Druck führen eher zu Widerstand und Abwehr.

Fazit:

Die ADHS/ADS-Symptome können die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät massgeblich beeinflussen. Die erhöhte Sensibilität und Reaktivität, Schwierigkeiten bei der Fokusfindung und ungünstige Umweltfaktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung psychischer Probleme. Eine unterstützende Umgebung, die die individuellen Bedürfnisse von ADHS/ADS-Betroffenen berücksichtigt, ist daher besonders in dieser Phase wichtig.

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Die Rolle der Pubertät in der Entwicklung psychischer Krankheiten

Die Pubertät spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten. 50% der psychiatrischen Krankheiten entstehen in der Pubertät, 75% bis zum 25. Lebensjahr. In dieser Phase wird das Gehirn umgestaltet, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bezeichnet wird. Als Kinder haben wir viel mehr Synapsen (Verbindungen zwischen Nervenzellen) im Gehirn. Während der Pubertät werden einige dieser Verbindungen gekappt, um eine effizientere Informationsverarbeitung zu ermöglichen – vergleichbar mit dem Bau einer Autobahn.

Wenn ein Mensch mit ADHS/ADS-Genen in der Pubertät stark gestört wird, kann es sein, dass dieser Prozess nicht richtig abläuft und sich keine gesunde Persönlichkeit entwickeln kann. Die Folge können psychische Erkrankungen sein. Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Jugendliche in dieser wichtigen Entwicklungsphase Unterstützung bei der Fokusfindung brauchen. Wenn sie zu stark abgelenkt oder in eine Richtung gedrängt werden, die nicht ihrer Persönlichkeit entspricht, können sie Folgekrankheiten entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz nennt emotionale Unterernährung als ein Problem unserer Zeit. Jugendliche kompensieren dies oft mit „verbalem Junkfood“, das sie über digitale Medien konsumieren. Sie plädiert für eine ganzheitliche Förderung, die neben der Kognition auch die emotionale Entwicklung berücksichtigt.

Im Schulsystem, so Dr.med. Ursula Davatz, liegt der Fokus oft zu stark auf der kognitiven Leistung. Gerade für ADHS/ADS-Kinder, die intrinsisch motiviert und nicht durch Belohnung und Bestrafung geführt werden können, ist dies problematisch. Sie brauchen Unterstützung, um ihren eigenen Fokus zu finden. Wenn dies nicht gelingt, steigt das Risiko für Folgekrankheiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase für die Entwicklung psychischer Krankheiten ist, insbesondere bei ADHS/ADS-Betroffenen. Eine unterstützende Umgebung, die emotionale Bedürfnisse berücksichtigt und individuelle Fokusfindung fördert, kann dazu beitragen, das Risiko für Folgekrankheiten zu minimieren.

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