Die Diskussion der Folgekrankheiten ist zentral für das Verständnis des ADHS/ADS-Neurotyps in den vorliegenden Quellen. Dr. Davatz stellt klar, dass ADHS/ADS selbst keine Krankheit ist, sondern ein spezifischer sensibler Neurotyp [69, 53:49.220]. Folgeerkrankungen entstehen, wenn dieser genetisch determinierte Typ starkem Stress ausgesetzt ist oder nicht artgerecht behandelt wird.
Hier ist eine detaillierte Darstellung der Folgeerkrankungen, deren Mechanismen und der Unterscheidung von gängigen psychiatrischen Konzepten:
1. Definition und Abgrenzung von Komorbidität
Dr. Davatz vertritt die Position, dass die in der Psychiatrie oft verwendete Bezeichnung Komorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer unabhängiger Krankheiten) im Zusammenhang mit ADHS/ADS unzutreffend ist.
- Folgekrankheit vs. Komorbidität: Sie argumentiert, dass andere psychische Störungen, die bei diesem Menschentyp auftreten, immer eine Folgekrankheit sind.
- Hierarchie der Störungen: Der genetisch vererbte ADHS/ADS-Typ ist übergeordnet, während die daraufhin auftretenden Krankheiten als untergeordnet betrachtet werden.
- Auslösender Mechanismus: Wird ein Mensch mit diesem Neurotyp stark gestresst oder wird nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentsgerecht oder artgerecht mit ihm umgegangen, kann er mit der Zeit körperliche und psychische Folgeerkrankungen entwickeln [4, 6, 43:1:1].
Der ADHS/ADS-Mensch ist aufgrund seiner genetischen Disposition und seiner hohen Sensibilität vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.
2. Spezifische psychische und soziale Folgeerkrankungen
Folgekrankheiten können sich in der Blutlinie über Generationen manifestieren, bevor in der jüngeren Generation ADHS/ADS diagnostiziert wird.
A. Schwerwiegende psychische Störungen
Zu den Folgekrankheiten, die aus der Belastung des ADHS/ADS-Typs entstehen können, zählen:
- Schizophrenie (Fälle in der Familie sind ein Risikoindikator).
- Bipolare Störung.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Essstörungen.
B. Suchterkrankungen
Suchterkrankungen sind bei ADHS/ADSlern viel häufiger anzutreffen.
- Alkoholismus taucht oft in den vorherigen Generationen auf, wenn man die drei Generationen umfassende Familiengeschichte analysiert.
- Drogenkonsum (wie Kiffen) sollte vermieden werden, da psychoaktive Substanzen etwas im Gehirn bewirken können.
C. Verhaltensauffälligkeiten und Delinquenz
Ein ungeeigneter Umgang kann zur Zerstörung des Potenzials und zu kriminellen Entwicklungen führen:
- Aggressivität und Delinquenz: Knaben (im Gegensatz zu Mädchen, die sich eher anpassen) wehren sich mehr, werden aggressiv und können delinquent werden.
- Misslungene ADHS/ADSler: In Gefängnissen sind viele „misslungene ADHS/ADSler“ zu finden.
D. Soziale und gesundheitliche Folgen
Der Umgang mit dem ADHS/ADS-Typ führt in Familien häufiger zu Konflikten, Scheidungen und Jobabbrüchen [60, 44:45.560].
Besonders hervorzuheben ist der Unterschied in der Lebenserwartung:
- Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher.
- Männer sterben 7 Jahre früher.
Dies wird dadurch erklärt, dass Frauen die Tendenz haben, sich mit ihrer Sensibilität immer anzupassen und sich ausbeuten zu lassen. Sie geben anderen viel Unterstützung und Empathie, kommen aber selber zu kurz.
3. Prävention von Folgeerkrankungen
Die Entwicklung von Folgekrankheiten kann verhindert werden, indem man den ADHS/ADS-Neurotyp adäquat behandelt.
- Frühzeitige Unterstützung: Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher – nicht erst, wenn der Patient krank ist. Das erzieherische Umfeld (Eltern, Lehrpersonen) muss so früh wie möglich, idealerweise schon im Kindergarten, unterstützt werden, damit sich gar keine Krankheit entwickelt.
- Ganzheitlicher Ansatz: Man muss immer den ganzen Menschen und das ganze System unterstützen, wenn man bei ADHS/ADSlern etwas erreichen möchte.
- Vermeidung von Überlastung: ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und übernehmen oft zu viel emotionale Verantwortung für dysfunktionierende Eltern oder das soziale System. Wenn dies zu viel wird, explodieren sie oder werden krank.
4. Die Rolle von Medikamenten
Obwohl Medikamente in Akutsituationen hilfreich sind, um die Stimmung zu regulieren, führen sie allein nicht zur Verhinderung von Folgekrankheiten. Medikamente verändern das Umfeld nicht, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen, was die Ursache für die Entwicklung von Krankheiten sein kann. Das therapeutische Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
