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Systemische Psychiatrie und Neurodivergenz

ADHS/ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung / Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) wird in den Quellen umfassend als angeborene neurologische Eigenschaft und Neurodivergenz diskutiert. Dr. med. Ursula Davatz hat sich über 40 Jahre mit diesen sogenannten neurodivergenten Menschen befasst.

Dr. Davatz vertritt die Ansicht, dass ADHS/ADS keine Krankheit ist, sondern ein anderer Neurotyp. Früher wurde es auch als frühkindliches POS (Psycho-Organisches-Syndrom) bezeichnet.

Wesen und Merkmale von ADHS/ADS

ADHS/ADS ist genetisch vererbt, kommt in Familien vor und gilt als die meist vererbte psychiatrische Kondition. Das Gehirn dieser Menschen funktioniert etwas anders als das Durchschnittsgehirn.

Zu den Kernmerkmalen des ADHS/ADS-Neurotyps gehören:

Unterschiede zwischen ADHS und ADS:

Folgekrankheiten und Komorbiditäten

Wenn Betroffene nicht lernen, mit ihrem neurodivergenten Neurotyp umzugehen, können sich Folgekrankheiten entwickeln, die sowohl psychischer als auch körperlicher Natur sein können. Die Krankheit, die daraus entsteht, wird als Fehlentwicklung betrachtet, nicht die ADHS/ADS selbst.

Folgekrankheiten und assoziierte Probleme:

Umgang, Therapie und Erziehung

Als Psychiaterin mit über 50 Jahren Erfahrung verwendet Dr. Davatz eine systemische Therapie, die sie in Amerika gelernt hat. Ihre Aufgabe ist es, Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten und zu unterstützen, wobei dies stets den Patienten und die Angehörigen betrifft. Die Therapie zielt auf persönliche Entwicklung und Wachstum ab.

Wichtige Prinzipien im Umgang mit ADHS/ADS:

  1. Akzeptanz statt Umerziehung: Die Neurodivergenz darf nicht ab erzogen werden. Die Betroffenen müssen akzeptiert werden, damit sie selbst lernen können, mit ihrem Temperament umzugehen. Eine persönlichkeitsgerechte Erziehung ist notwendig, vergleichbar mit einer artgerechten Tierhaltung.
  2. Struktur und Validierung: Klare, wenige Strukturen und Regeln sind hilfreich, aber man sollte die Fünfe auch mal gerade sein lassen. Bei Regelübertretungen sollte nicht bestraft werden, da diese meist auf mangelnder Impulskontrolle beruhen. Stattdessen müssen emotionale Überbordungen validiert und gewertschätzt werden, um die Ursache der Überforderung zu verstehen.
  3. Geduld und Beziehung: Psychiater müssen viel Geduld lernen. Das Wachstum der Patienten geht nicht schneller voran, wenn man sie häufig sieht. Dr. Davatz arbeitet nach dem Prinzip: Keine Erziehung ohne Beziehung.
  4. Umfeldunterstützung: Die Lehrer, Eltern und das erzieherische Umfeld müssen besser unterstützt und sensibilisiert werden, um geschickter mit neurodivergenten Menschen umzugehen. Schulen sollten Lehrkräfte unterstützen, anstatt nur Kinder zu disziplinieren.
  5. Bewegung und Alternativen: ADHSler brauchen mehr Bewegung. Natürliche Bewegung (wie Springen) hilft, sich zu fokussieren. Alternative Methoden wie Neurofeedback (zum Fokussieren lernen) und körperliche Therapien wie Yoga oder EMDR können ebenfalls hilfreich sein, wobei die individuelle Eignung stets geprüft werden muss.

Dr. Davatz betont, dass sie nicht das Symptom beseitigen will (denn das Symptom ist ein Warnsignal: „es läuft irgendetwas schief“), sondern das System wieder auf eine gute Bahn bringen möchte, sodass die Symptome nicht mehr notwendig sind.

Medikamentöse Behandlung (Stimulanzien)

Medikamente wie Ritalin, Concerta oder Focalin sind Stimulanzien („Uppers“). Sie wirken fokussierend, indem sie die breite Aufmerksamkeit einschränken.

Obwohl es für ADHS/ADS-Kinder in einer stark intellektuell ausgerichteten Gesellschaft oft sinnvoll sein kann, Medikamente zu nehmen, um ihr Potenzial auszuschöpfen, muss die emotionale Entwicklung dabei nicht vergessen werden.

Als Analogie für den therapeutischen Umgang betont Dr. Davatz die Notwendigkeit der Geduld und der Akzeptanz des natürlichen Wachstums: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/11/Buchvernissage_Ursula_Davatz_11.11.2025.m4a.pdf

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