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STERBEBEGLEITUNG – Intensivbehandlung der letzten Stunde

Wir Ärzte haben uns verpflichtet, Leben zu erhalten, Leiden zu mindern und als Erstes nicht zu schaden (primum nihil nocere). Doch was ist Leben? Ein Herz, das schlägt? Eine Lunge, die atmet? Oder eine Seele, die ihren Frieden sucht?

Als Psychiaterin und Seelendoktor setze ich mich für die Seele ein, die ihren Frieden sucht.

Sterben

Intensivbehandlung vor dem Tod

Fallbeispiel: Eine MS-Patientin konnte nicht sterben, weil ihre Geschwister noch zu sehr abhängig von ihr waren, denn sie war stets die Schwester, die am meisten Verantwortung getragen hatte in der Familie. So musste sie – obwohl ihre Kräfte dies längst nicht mehr erlaubten – auf Anordnung ihrer Geschwister mit der Spitex-Schwester täglich in der Stube auf und ab gehen. Die Spitex-Schwester war wütend auf die Geschwister, sie fand es unmenschlich, was man von ihr verlangte. Sie konnte die Situation fast nicht mehr ertragen. In einer Supervision kam diese Geschichte zur Sprache und ich riet ihr, das Gespräch mit ihnen zu suchen. Der Ausgangspunkt dabei sollte die Angst vor dem Sterben der Schwester sein und die Folgen des Todes für jedes Einzelne der Geschwister. Die Spitex-Schwester befolgte meinen Rat. Die Situation entspannte sich, die Patientin musste die Stube nicht mehr durchqueren. Die Patientin durfte sich nun um ihren nahenden Tod kümmern. Sie wollte ein Gedicht für ihr Begräbnis verfassen. Alle zusammen brauchten teilweise einen ganzen Tag, um ein Wort der Patientin zu verstehen, da sie fast nicht mehr reden konnte. Als das letzte Wort aufgeschrieben und das Gedicht vollendet war, starb die Patientin. Es war ein tiefbewegendes, unvergessliches Erlebnis für die Spitex-Schwester, als sie an der Beerdigung teilnehmen durfte, und die Familie war ihr sehr dankbar für ihre Sterbebegleitung.

Das starke und mutige, professionelle Gegenüber

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