Dr.med. Ursula Davatz, eine Psychiaterin, Familientherapeutin und Mutter, lehnt in ihrem Vortrag vom 13.6.2024 an der Schule am Wasser bestimmte Erziehungsmethoden für Kinder mit ADHS/ADS entschieden ab. Ihrer Meinung nach sind diese kontraproduktiv und können die Kinder sogar schädigen. Sie plädiert stattdessen für einen verständnisvollen und respektvollen Umgang, der die Besonderheiten des Neurotyps ADHS/ADS berücksichtigt.
Hier sind die Erziehungsmethoden, die sie ablehnt:
- Autoritärer Erziehungsstil: Ein autoritärer Erziehungsstil, der auf strikten Regeln, Befehlen und blindem Gehorsam basiert, ist laut Dr. Davatz für ADHS/ADS Kinder ungeeignet. Sie betont, dass diese Kinder eine starke Führungspersönlichkeit brauchen, die jedoch Verständnis und Einfühlungsvermögen zeigt. Befehle und Gehorsam allein funktionieren nicht. Stattdessen sollten Eltern und Erzieher versuchen, eine Beziehung zum Kind aufzubauen und ihm Vertrauen entgegenzubringen.
- Bestrafung: Dr. Davatz warnt ausdrücklich vor der Anwendung von Bestrafung bei ADHS/ADS Kindern. Bestrafung sei nicht nur wirkungslos, sondern führe zu Machtkämpfen, die das Kind im schlimmsten Fall mit Krankheit, sei es psychisch oder somatisch, gewinnt. Anstatt zu bestrafen, sollten Eltern und Lehrer versuchen, das Kind zu führen und ihm zu helfen, sich selbst zu kontrollieren.
- Belohnungssysteme: Belohnungssysteme, wie zum Beispiel Sticker oder Smileys, lehnt Dr. Davatz ebenfalls ab. Sie sind ihrer Meinung nach keine nachhaltige Lösung, da sie die intrinsische Motivation des Kindes untergraben. Kinder mit ADHS/ADS sollten dazu ermutigt werden, Dinge aus eigenem Antrieb zu tun, nicht weil sie dafür eine Belohnung erwarten.
- Liebesentzug: Liebesentzug als Erziehungsmethode ist für alle Kinder schädlich, aber besonders für ADHS/ADS Kinder, die sehr sensibel sind und stark auf emotionale Signale reagieren. Dr. Davatz rät Eltern dringend davon ab, die Beziehung zum Kind als Druckmittel einzusetzen. Stattdessen sollten sie versuchen, dem Kind unabhängig von seinem Verhalten ihre Liebe und Unterstützung zu zeigen.
- Übermässiges Erklären und „Im Genick sitzen“: Dr. Davatz weist darauf hin, dass ADHS/ADS Kinder oft ein schlechtes serielles Gedächtnis haben. Lange Erklärungen und ständige Ermahnungen überfordern sie und führen zu Widerstand. Sie brauchen klare, kurze Anweisungen und Freiraum, um eigene Entscheidungen zu treffen.
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die genannten Methoden zwar häufig in der Erziehung eingesetzt werden, bei ADHS/ADS Kindern aber meist kontraproduktiv sind. Sie appelliert an Eltern und Erzieher, sich über die Besonderheiten des Neurotyps zu informieren und ihre Erziehungsmethoden entsprechend anzupassen.
https://ganglion.ch/pdf/Schule%20am%20Wasser%2013.6.2024.m4a.pdf
