Dr. med. Ursula Davatz beschreibt den „Grenzzerfall“ als einen Zusammenbruch der Funktionsstrukturen des Großhirns, der bei Menschen mit ADHS/ADS auftreten kann, wenn das emotionale System überlastet wird. Dies führt dazu, dass die betroffene Person „den Verstand verliert“ und eine Kognition entwickelt, die für Durchschnittsmenschen nicht mehr verständlich ist.
- ADHS/ADS wird als ein genetisch vererbter Neurotyp beschrieben, der vulnerabler ist als der Normotyp, was bedeutet, dass Betroffene anfälliger für die Entwicklung psychiatrischer und somatischer Krankheiten sind.
- Die hohe Sensitivität von ADHS/ADSlern führt dazu, dass sie mehr Reize wahrnehmen und intensiver erleben als Normotypen, was sie anfälliger für Reizüberflutung macht.
- Dr. Davatz verwendet die Begriffe „System Overload“ und „System Overflow“, um die Überlastung des emotionalen Systems zu beschreiben.
- Bei ADHS führt der „System Overload“ zu einer nach außen gerichteten Reaktion, wie z. B. Aggression oder Wut.
- Bei ADS hingegen führt die Überlastung zu einer nach innen gerichteten Reaktion, bei der die Betroffenen in einen inneren Kreislauf geraten und im Extremfall in autistischen Reaktionen oder Katatonie verfallen können.
- Wenn die Energie des „System Overloads“ nicht über die vier Stressverhaltensreaktionen (Kampf, Flucht, Todstellreflex und Spielreflex) abgeführt werden kann, kommt es zusätzlich zu einem „System Overflow“ ins Großhirn, was zum Grenzzerfall führt.
- In diesem Moment der akuten Psychose ist das Gehirn übererregt und hat zu viel Dopamin.
- Neuroleptika, die die Wirkung von Dopamin hemmen, werden eingesetzt, um die Person zu beruhigen, führen aber oft zu Abgestumpftheit und Antriebslosigkeit, was dazu führt, dass viele Patienten die Medikamente absetzen.
Dr. Davatz betont, dass nicht alle ADHS/ADSler zwangsläufig eine Schizophrenie oder andere Krankheiten entwickeln. Sie weist darauf hin, dass viele ADHS/ADSler erfolgreich sind und in Führungspositionen, im Sport oder in der Forschung tätig sind. Sie plädiert für einen neurogerechten Umgang mit ADHS/ADSlern, der ihren Bedürfnissen entspricht, um die Entwicklung von Folgekrankheiten zu verhindern.
- Dazu gehören eine angepasste Erziehung, die wenige, aber konsequente Regeln und viel Freiraum für Bewegung und Entfaltung bietet.
- Offene Kommunikation in der Familie und ein Bewusstsein für den eigenen Erziehungsstil sind ebenfalls wichtige Faktoren, um Stress und Konflikte zu vermeiden, die zu einem „System Overload“ führen können.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/12/ADHS_ADS_Grenzzerfall_29.11.2024.mp4.pdf
