Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag über die Bedeutung der Akzeptanz der eigenen „Uneigenschaften“, insbesondere im Kontext von ADHS. Sie verwendet den Begriff „Uneigenschaften“ für Persönlichkeitsmerkmale, die im gesellschaftlichen Leben als schwierig oder störend empfunden werden können.
Anstatt diese „Uneigenschaften“ zu bekämpfen, plädiert Dr. Davatz dafür, zuerst Freundschaft mit ihnen zu schliessen. Das bedeutet, sie als Teil der eigenen Persönlichkeit anzunehmen und zu verstehen, wie sie sich im Alltag auswirken. Erst wenn man seine „Uneigenschaften“ akzeptiert hat, kann man lernen, besser mit ihnen umzugehen und sie gegebenenfalls zu verändern.
Dr. Davatz vergleicht diesen Prozess mit der Behandlung von Symptomen in der Medizin: „Man kann ein Symptom nur verändern, wenn man das Symptom akzeptiert.“ Dieser Ansatz lässt sich auch auf die „Uneigenschaften“ übertragen. Anstatt sie zu verleugnen oder zu bekämpfen, sollte man sie zunächst anerkennen und ihre Auswirkungen auf das eigene Leben verstehen.
Dr. Davatz betont, dass es oft viel Zeit und Energie kostet, wenn man versucht, zuerst seine „Uneigenschaften“ zu verändern. Vielmehr sollte man sich zunächst auf seine Stärken und positiven Eigenschaften konzentrieren. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist und seine Persönlichkeit akzeptiert hat, fällt es leichter, an den Aspekten zu arbeiten, die Schwierigkeiten bereiten.
Sie verwendet das Beispiel einer Mutter, die sich ständig um ihre Familie und ihr Umfeld kümmert. Diese fürsorgliche Haltung mag zwar positiv erscheinen, kann aber dazu führen, dass die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt werden. Dr. Davatz verweist in diesem Zusammenhang auf die Anweisung im Flugzeug, zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufzusetzen, bevor man dem Kind hilft. Genauso wichtig ist es, sich zuerst um die eigene „Sauerstoffversorgung“ zu kümmern, also die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, bevor man sich um die Bedürfnisse anderer kümmert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz für einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit den eigenen „Uneigenschaften“ plädiert. Anstatt sie als Makel zu betrachten, sollte man sie als Teil der eigenen Persönlichkeit akzeptieren und lernen, mit ihnen umzugehen. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist, kann man seine „Uneigenschaften“ gezielt angehen und positive Veränderungen bewirken.
https://ganglion.ch/pdf/selbsterz.m4a.pdf
