Die Quellen beleuchten den Zusammenhang zwischen ungünstigen Umweltbedingungen, insbesondere während der sensiblen Phase der Pubertät, und der Entstehung von psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen, besonders bei jenen mit ADHS.
- ADHS als Risikofaktor: ADHS selbst wird in den Quellen als Neurotyp beschrieben, der durch eine breite Aufmerksamkeit, hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet ist. Diese Eigenschaften machen Jugendliche mit ADHS anfälliger für negative Einflüsse aus dem Umfeld, die die Entwicklung psychischer Erkrankungen begünstigen können.
- Die Rolle des Umfelds: Ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld ist in der Pubertät besonders wichtig, um den Jugendlichen den nötigen Halt und die Sicherheit zu geben, sich mit den Herausforderungen dieser Phase auseinanderzusetzen. Fehlt diese Unterstützung, kann dies zu Stress, Konflikten und einem Mangel an Selbstwertgefühl führen, was das Risiko für psychische Probleme erhöht.
- Pubertät als sensible Phase: Während der Pubertät erfährt das Gehirn einen tiefgreifenden Umbau, der es anfälliger für negative Einflüsse macht. Negative Erfahrungen und Konflikte können diesen Umbauprozess stören und die Entwicklung von psychischen Problemen wie Suchtverhalten, Essstörungen oder Delinquenz begünstigen.
- Fehlende Selbststeuerung: Ein übermässig kontrollierendes Umfeld, das wenig Raum für Eigeninitiative und Selbstbestimmung lässt, kann zu fehlender Selbststeuerung führen. Jugendliche mit ADHS passen sich dann den Erwartungen anderer an und verlieren den Bezug zu ihrer eigenen inneren Steuerung. Dies kann zu Suchtverhalten als Kompensationsstrategie führen, um Emotionen zu regulieren und die fehlende Selbstkontrolle auszugleichen.
- Psychische Erkrankungen als Folge von Überforderung: Die Quellen beschreiben, wie Jugendliche mit ADHS auf Überforderung durch das Umfeld reagieren. Mädchen neigen eher zu Essstörungen und Rückzug, während Jungen eher mit Aggression und Delinquenz reagieren. Diese Verhaltensweisen sind als Abwehrmechanismen zu verstehen, die den Jugendlichen helfen sollen, mit den Anforderungen des Umfelds umzugehen.
- Die Rolle der Psychiatrie: Die zunehmende Anzahl von Jugendlichen in psychiatrischen Kliniken wird in den Quellen kritisch hinterfragt. Anstatt die Ursachen im Umfeld zu suchen, werde die „Krankheit“ im Individuum verortet und mit Medikamenten und Therapien behandelt. Dies führe oft zu Widerstand und Verweigerung bei den Jugendlichen, die sich gegen die Fremdbestimmung wehren.
- Alternativen zur Pathologisierung: Die Quellen plädieren für einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die individuellen Bedürfnisse als auch die Interaktion mit dem Umfeld berücksichtigt. Anstatt die „Symptome“ wegzutherapieren, sollte das Umfeld angeleitet und unterstützt werden, um einen „artgerechten“ Umgang mit Jugendlichen mit ADHS zu erlernen.
Fazit: Prävention durch ein unterstützendes Umfeld
Die Quellen betonen, dass psychische Erkrankungen bei Jugendlichen mit ADHS oft die Folge von ungünstigen Umweltbedingungen und fehlender Unterstützung sind. Ein frühzeitiges Erkennen der Risikofaktoren und die Schaffung eines unterstützenden Umfelds sind daher die wirksamsten Massnahmen zur Prävention.
https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf
