Dr.med. Ursula Davatz rät im Allgemeinen davon ab, eine ADHS/ADS-Diagnose am Arbeitsplatz offenzulegen, insbesondere bei der Einstellung oder in der Anfangsphase eines Arbeitsverhältnisses. Sie nennt mehrere Gründe für diese Empfehlung:
1. Unvorhersehbare Reaktion des Arbeitgebers:
- Dr. Davatz betont, dass man die Reaktion des Arbeitgebers auf die Offenlegung einer ADHS/ADS-Diagnose nicht einschätzen kann.
- Es bestehe die Gefahr, dass der Arbeitgeber wenig Verständnis zeigt und die Diagnose als „faule Ausrede“ oder „Modekrankheit“ abtut.
- Dies könnte zu negativen Konsequenzen für die betroffene Person führen, z. B. zu Diskriminierung oder schlechteren Karrierechancen.
2. Mögliche Vorurteile und Stigmatisierung:
- Die Offenlegung der Diagnose kann zu Vorurteilen und Stigmatisierung führen.
- Der Arbeitgeber könnte die Person mit ADHS/ADS als weniger leistungsfähig oder zuverlässig einschätzen.
- Dies könnte dazu führen, dass die Person benachteiligt wird oder weniger anspruchsvolle Aufgaben erhält.
3. Fokus auf die Diagnose statt auf die individuellen Fähigkeiten:
- Dr.med. Ursula Davatz betont, dass es wichtiger ist, die individuellen Fähigkeiten und Stärken hervorzuheben, als sich auf die Diagnose zu fokussieren.
- Statt zu sagen: „Ich habe ADHS/ADS“, empfiehlt sie, konkrete Bedürfnisse zu kommunizieren, z. B.: „Ich kann nicht gut arbeiten, wenn ich unter Druck stehe“ oder „Ich brauche klare Anweisungen“.
- Dies ermöglicht eine konstruktive Zusammenarbeit und fördert das Verständnis, ohne die Person auf ihre Diagnose zu reduzieren.
4. Vertrauensverhältnis als Grundlage:
- Dr.med. Ursula Davatz räumt ein, dass es in einzelnen Fällen sinnvoll sein kann, die Diagnose offenzulegen, wenn bereits ein gutes Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber besteht.
- Dies ermöglicht es, gemeinsam Lösungen für Schwierigkeiten zu finden, die durch ADHS/ADS am Arbeitsplatz entstehen können.
- Entscheidend ist, die Situation individuell zu beurteilen und abzuwägen, ob die Offenlegung der Diagnose mehr Vor- oder Nachteile bringt.
Zusammenfassend ist Dr.med. Ursula Davatz der Meinung, dass es im Allgemeinen nicht sinnvoll ist, eine ADHS/ADS-Diagnose am Arbeitsplatz offenzulegen. Sie rät dazu, vorsichtig zu sein und die Reaktion des Arbeitgebers sowie die möglichen Konsequenzen abzuwägen. Stattdessen empfiehlt sie, konkrete Bedürfnisse zu kommunizieren und sich auf die individuellen Fähigkeiten zu konzentrieren.
https://ganglion.ch/pdf/nebelspalterinnen_ADHS_ADS_23.9.2024.mp3.pdf
