Dr.med. Ursula Davatz übt scharfe Kritik an den heutigen Schulmethoden für ADHS/ADS-Kinder. Sie sieht die gängigen Praktiken als unangemessen und schädlich für Kinder mit dieser Neurodiversität an.
Ihre Hauptkritikpunkte:
- Methoden aus dem Mittelalter: Dr. Davatz vergleicht die heutige Schule mit Methoden aus dem Mittelalter und dem Alten Testament. Sie kritisiert das System der Belohnung und Bestrafung, das ihrer Meinung nach bei ADHS/ADS-Kindern vollkommen wirkungslos ist. Sie betont, dass diese Kinder nicht durch Bestrafung lernen und dass diese Methode lediglich ihr Selbstwertgefühl schädigt und negative Verhaltensmuster verstärkt.
- Fokus auf Gleichbehandlung statt Individualität: Dr. Davatz kritisiert die „Gleichmacherei“ im Schulsystem und bemängelt, dass die individuellen Bedürfnisse von ADHS/ADS-Kindern nicht ausreichend berücksichtigt werden. Sie erzählt die Geschichte eines hochintelligenten Jungen mit ADHS/ADS, der in Mathematik unterfordert war und deshalb Selbstmordgedanken entwickelte. Ihr Vorschlag, dem Jungen zusätzliche Aufgaben zu geben, wurde von den Lehrern mit dem Argument abgelehnt, alle Kinder müssten gleich behandelt werden.
- Mangelndes Verständnis und Unterstützung: Dr. Davatz stellt fest, dass viele Lehrer nicht ausreichend über ADHS/ADS informiert sind und daher die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder nicht erkennen. Sie wünscht sich eine bessere Ausbildung von Lehrern im Umgang mit ADHS/ADS und eine engere Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Therapeuten.
- Überforderung durch „individuellen Lernstil“: Die zunehmende Betonung des individuellen Lernens und der Selbstständigkeit überfordert viele ADHS/ADS-Kinder, die dadurch den Anschluss verlieren.
- Druck statt Förderung: Statt die Kreativität und die individuellen Talente von ADHS/ADS-Kindern zu fördern, werden sie durch den Leistungsdruck und die starren Strukturen des Schulsystems eingeengt.
- Einfluss der Lehrer auf die medikamentöse Behandlung: Dr. Davatz kritisiert, dass Lehrer oft Druck auf die Eltern ausüben, ihre Kinder mit Medikamenten zu behandeln. Sie betont, dass die Entscheidung über eine medikamentöse Behandlung allein bei den Eltern und dem Kind liegen sollte.
Dr.med. Ursula Davatz plädiert für eine grundlegende Reform des Schulsystems, die die Neurodiversität von ADHS/ADS-Kindern respektiert und fördert. Sie fordert „persönlichkeitsgerechte“ Lernumgebungen, in denen diese Kinder ihre individuellen Stärken entfalten können.
Statt auf Bestrafung und Gleichbehandlung sollte die Schule auf individuelle Förderung, positive Verstärkung und den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Lehrern und Schülern setzen.
