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Substanzmissbrauch: Ein tiefes Eintauchen in Ursachen, Folgen und den Umgang im Arbeitskontext

Dr. med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin und Familientherapeutin mit über 40 Jahren Erfahrung im Bereich Sucht, beleuchtet in ihrem Vortrag das Thema Substanzmissbrauch aus einer ganzheitlichen Perspektive. Sie geht dabei insbesondere auf die Ursachen und Folgen von Suchtverhalten ein und gibt wertvolle Ratschläge für den Umgang mit Substanzmissbrauch im Arbeitskontext.

Substanzmissbrauch als Bewältigungsmechanismus

Dr. Davatz betont, dass alle Suchtmittel, ob legal oder illegal, die Funktion haben, Emotionen zu regulieren. Sie dienen als schnelle Emotionsregler, die uns helfen, unangenehme Gefühle wie Schuld, Angst oder Aggression zu unterdrücken und ein Gefühl der Pseudo-Sicherheit und Zufriedenheit zu erzeugen.

Die Rolle des Gehirns

Die erfahrene Psychiaterin erklärt, dass alle äußeren Einflüsse und Reize über unser emotionales Hirn, das limbische System, verarbeitet werden. Bei starkem Stress reagieren wir mit vier automatischen Reflexen: Kampf, Flucht, Totstellreflex und Teasing (Spiel- oder Neckreflex). Diese Reflexe dienen dazu, Stress abzubauen und die Emotionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn diese Mechanismen jedoch nicht mehr funktionieren, greifen wir zu Suchtmitteln, um uns schnell und effektiv aus dem unangenehmen Gefühlszustand zu befreien.

Substanzmissbrauch als Lernhindernis

Dr. Davatz weist darauf hin, dass Substanzmissbrauch das Lernen verhindert. Anstatt uns mit den Ursachen unserer negativen Emotionen auseinanderzusetzen und daraus zu lernen, betäuben wir sie mit Suchtmitteln. Dadurch wird unser Gehirn nicht mehr herausgefordert, neue neuronale Verbindungen zu knüpfen und komplexere Lösungen für unsere Probleme zu finden.

Die Bedeutung des sozialen Lernens

Um Suchtverhalten effektiv zu überwinden, ist es laut Dr. Davatz entscheidend, das soziale Lernen zu fördern. Statt Süchtige zu bestrafen oder zu verurteilen, sollten wir sie dazu ermutigen, über ihr Verhalten und die dahinterliegenden Ursachen zu reflektieren. Indem wir ihnen Fragen stellen wie „Was ist vorgefallen?“, „Was hast du daraus gelernt?“ oder „Wie hast du das Suchtmittel eingesetzt?“, können wir ihnen helfen, ihre emotionalen Verletzungen zu verarbeiten und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Umgang mit Substanzmissbrauch im Arbeitskontext

Dr. Davatz ermutigt Arbeitgeber, bei Verdacht auf Substanzmissbrauch das Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeiter zu suchen. Wichtig ist dabei eine explorative und nicht-verurteilende Haltung. Statt Vorwürfe zu machen oder zu bestrafen, sollten Arbeitgeber ihre Beobachtungen ansprechen und den Mitarbeiter dazu anregen, über sein Verhalten und die zugrundeliegenden Ursachen nachzudenken.

Konkrete Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber

Substanzmissbrauch als Ausdruck von Scham

Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass Scham ein zentrales Element im Kontext von Sucht ist. Süchtige schämen sich oft für ihren Kontrollverlust und genieren sich, über ihr Problem zu sprechen. Dieses Schamgefühl kann dazu führen, dass sie sich zurückziehen, lügen oder ihr Suchtverhalten verheimlichen. Arbeitgeber sollten daher besonders sensibel mit diesem Thema umgehen und dem Mitarbeiter signalisieren, dass sie ihn nicht verurteilen.

Zusammenfassung

Substanzmissbrauch ist ein komplexes Problem mit vielfältigen Ursachen und Folgen. Dr. Davatz‘ Vortrag bietet wertvolle Einblicke in die Hintergründe von Suchtverhalten und zeigt auf, wie Arbeitgeber mit diesem Thema im Arbeitskontext respektvoll und effektiv umgehen können.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch.m4a.pdf

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