Im Hinblick auf die genetische Veranlagung bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetischem-Syndrom (ADHS) betont Dr. med. Ursula Davatz, dass alle drei genetisch vererbt sind. Sie spricht von einem neurodivergenten Menschentyp im Vergleich zu Durchschnittsmenschen.
Hier sind die wichtigsten Punkte zur genetischen Veranlagung, die in den Quellen genannt werden:
- Starker Erblichkeitsfaktor: Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist am stärksten genetisch vererbt, mit etwa 90%. ADS und ADHS sind ungefähr zu 80% vererbt.
- Epigenetische Einflüsse: Obwohl die Veranlagung genetisch ist, spielt die Epigenese eine viel größere Rolle beim Gehirn. Die Epigenetik beschreibt die Interaktion unter den Genen. Das Gehirn ist ein plastisches Organ und epigenetischen Prozessen unterworfen. Die genetische Veranlagung kann in der Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst werden, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Die Gene können wir nicht verändern, aber ihre Ausprägung wird über die Interaktion mit dem Umfeld eingeschränkt und bestimmt.
- Gemeinsame genetische Grundlagen: Studien im Bereich der GWAS (Genomweite Assoziationsstudien) haben gezeigt, dass ADHS, Autismus, Schizophrenie, manisch-depressiv und schwere Depression den gleichen geänderten Gen-Lokus aufweisen. Für Dr. Davatz ist es daher klar, dass diese Zustände alle zusammenhängen.
- Nicht den Genen ausgeliefert: Trotz der starken genetischen Komponente betont Dr. Davatz, dass wir nicht den Genen ausgeliefert sind. Das Gehirn ist flexibel, und es gibt viele Möglichkeiten der Einflussnahme.
- Vererbung über Generationen: Die genetische Veranlagung kann über alle Generationen weitergegeben werden. Dr. Davatz nimmt bei der Anamnese oft drei oder mehr Generationen auf und beobachtet, wie sich die Symptomatik in verschiedenen Formen weitervererben kann. Es ist möglich, dass eine Generation gelernt hat, besser mit bestimmten Eigenschaften umzugehen, sodass sie erst in späteren Generationen wieder stärker zum Vorschein kommen. Es werden 20 bis 100 Gene gemischt weitergegeben, sodass jede Fortpflanzung eine neue Kombination ergibt.
- Geburtsgebrechen: Dr. Davatz betont, dass die Diagnose (z.B. ADHS/ADS) als ein Geburtsgebrechen angesehen werden kann, da sie genetisch bedingt ist und mit der Geburt vorhanden ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ASS, ADS und ADHS eine starke genetische Grundlage haben, wobei ASS die höchste Erblichkeit aufweist. Allerdings betont Dr. Davatz die wichtige Rolle der Epigenetik und der Interaktion mit dem Umfeld, die die Ausprägung dieser genetischen Veranlagung maßgeblich beeinflussen können. Zudem deutet die Forschung auf gemeinsame genetische Faktoren bei verschiedenen neurodivergenten Zuständen hin. Trotz der genetischen Veranlagung sieht Dr. Davatz Menschen mit diesen Eigenschaften nicht als ihren Genen ausgeliefert, sondern betont die Flexibilität des Gehirns und die Möglichkeiten der positiven Beeinflussung durch das Umfeld und individuelle Strategien.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/03/autismus-diagnostik-25.3.2025.m4a.pdf
