Teilnahme an medizinischer Forschung bei AD(H)S-Betroffenen

Ablauf: Für die Teilnahme am Forschungsprojekt erhalten Sie bei Ihrer nächsten Konsultation vier projektspezifische Fragebögen, in denen Sie nach Ihren ADHS-Symptomen und Ihrem sozialen Umfeld sowie auch Ihrer Lebenszufriedenheit gefragt werden.

In einem weiteren Schritt werden Ihnen in der PDAG Rheinfelden, Baslerstrasse 8, 4310 Rheinfelden, eine Blut- oder Speichelprobe entnommen, die wir für die DNA-Isolierung benötigen. Dies wird ca. 10 Min. in Anspruch nehmen.

Falls Sie interessiert sind, an dieser Studie teilzunehmn, wird Ihnen Frau Dr. Davatz bei Ihrer nächsten Konsultation die wichtigsten Punkte erklären und Ihre Fragen beantworten.

Wir freuen uns auf möglichst viele Teilnehmer an dieser Studie.

Folgekrankheiten von ADHS und ADS

Dr. med. Ursula Davatz betont in ihren Ausführungen, dass viele der psychiatrischen und körperlichen Diagnosen, die bei Menschen mit ADHS/ADS festgestellt werden, aus ihrer Sicht Folgekrankheiten sind. Diese entwickeln sich, wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht und neurotypgerecht mit diesen Menschen umgegangen wird. Druck und ein nicht-verständnisvolles Umfeld können dabei eine zentrale Rolle spielen.

Folgende Folgekrankheiten und Probleme im Zusammenhang mit ADHS werden von Dr. Davatz im Audiomaterial diskutiert:

  • Psychiatrische Folgekrankheiten:
    • Persönlichkeitsstörungen bei Frauen: Insbesondere bei hyperaktiven Frauen mit ADHS, die zurückgebremst werden, kann sich eine Persönlichkeitsstörung entwickeln.
    • Borderline Persönlichkeitsstörung: Diese Diagnose ist laut Dr. Davatz häufig bei Frauen mit ADHS anzutreffen, die in ihrer Entwicklung eingeschränkt wurden.
    • Depression: Depressionen treten häufiger bei Frauen mit ADHS auf, insbesondere wenn die Diagnose erst spät gestellt wird und sie zuvor viel Energie in die Anpassung gesteckt haben.
    • Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Bei Männern mit ADHS beobachtet Dr. Davatz eher diese Entwicklung, die bis hin zu Delinquenz führen kann.
    • Suchtstörungen: Menschen mit ADHS/ADS neigen dazu, Suchtmittel zu verwenden, um ihr starkes Temperament zu regulieren. Dies kann alle Arten von Suchtmitteln umfassen, aber auch den Gebrauch von Beruhigungsmitteln bis hin zur Abhängigkeit.
    • Schizophrenie: ADHS/ADS-Betroffene können in einen schizophrenen Zustand übergehen, wenn ihr emotionales Gehirn über längere Zeit völlig überlastet ist. Dies ist ein Resultat eines „System Overload“ im emotionalen Hirn.
    • Bipolare Störung: Tritt bei ADHS/ADSlern auf, möglicherweise als Befreiung von zu engstirniger Erziehung durch manische Schübe.
  • Körperliche Folgekrankheiten:
    • Fibromyalgie und Schmerzen: Frauen mit ADHS entwickeln tendenziell häufiger Fibromyalgie und chronische Schmerzen.
    • Herzinfarkte: Männer mit ADHS scheinen anfälliger für Herzinfarkte und ähnliche Erkrankungen zu sein.
    • Muskel-Skelett-System-Probleme und Schmerzen am ganzen Körper: Dr. Davatz beobachtet diese Probleme häufig bei Frauen mit ADHS.
  • Soziale und verhaltensbezogene Probleme:
    • Selbstverletzendes Verhalten (Ritzen) und Essstörungen: Kommt bei Frauen mit ADHS vor.
    • Rückzug und Kommunikationsverweigerung: Insbesondere bei ADS-Betroffenen kann es bei negativen Erfahrungen zu einem kompletten Rückzug und Verweigerung der Kommunikation kommen. Dies kann fälschlicherweise als Autismus wahrgenommen werden.
    • Schulverweigerung: Kinder mit ADHS/ADS können die Schule verweigern, wenn ihre Bedürfnisse im schulischen Umfeld nicht erfüllt werden.
    • Delinquenz: In extremen Fällen können insbesondere ADHS-Betroffene delinquent werden, wenn sie im erzieherischen Umfeld ständig Kritik erfahren und ausscheren.

Dr. Davatz betont, dass diese Folgekrankheiten nicht zwangsläufig auftreten müssen und durch einen verständnisvollen, geduldigen und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Umgang oft vermieden oder gemildert werden könnten. Ihrer Meinung nach liegt das eigentliche Problem oft nicht in der genetischen Veranlagung selbst, sondern in der mangelnden Anpassung des Umfelds an die Besonderheiten neurodivergenter Menschen. Sie plädiert daher für Prävention durch frühe Aufklärung und Unterstützung des Umfelds

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Umfeld Interaktion

Im Hinblick auf die Umfeld-Interaktion bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetischem-Syndrom (ADHS) betont Dr. med. Ursula Davatz die entscheidende Rolle des Umfelds für die Entwicklung und das Wohlbefinden dieser Menschen.

Hier sind die wichtigsten Aspekte der Umfeld-Interaktion, die in den Quellen hervorgehoben werden:

  • Das Gehirn als soziales Anpassungsorgan: Dr. Davatz beschreibt das Gehirn als ein soziales Anpassungsorgan, das immer in Aktion mit dem Umfeld steht. Obwohl eine genetische Veranlagung für ASS, ADS und ADHS besteht, wird das Gehirn kontinuierlich durch die Interaktion mit der Umwelt beeinflusst, bestimmt und verändert.
  • Epigenetische Einflüsse: Dank der Epigenese kann sich das Hirn verändern, und auch unsere Gene können sich in ihrer Ausprägung verändern in Abhängigkeit von der Interaktion mit dem Umfeld. Die Gene bringen Anlagen mit sich, die dann durch das Umfeld eingeschränkt und bestimmt werden.
  • Wichtigkeit eines verstehenden Umfelds: Es ist äusserst wichtig, dass das Umfeld mit diesen Menschen umgehen kann. Die genetische Veranlagung spielt hier eine wichtige Rolle, aber die Art und Weise, wie das Umfeld reagiert, ist entscheidend.
  • Persönlichkeitsgerechter und neurotypgerechter Umgang: Dr. Davatz betont die Notwendigkeit eines persönlichkeitsgerechten Umgangs mit Individuen mit ASS, ADS oder ADHS, ähnlich dem Konzept der „artgerechten Tierhaltung“. Man muss lernen, auf diese Menschen einzugehen und mit ihnen umzugehen, da ein erzieherisches Umfeld, das vom Normotyp ausgeht, oft nicht funktioniert.
  • Negative Auswirkungen von Druck und Ungeduld: Druck ist absolutes Gift für diese Menschen. Wenn Bezugspersonen ungeduldig sind und auf Kinder mit ASS/ADS einreden, können diese sich zurückziehen und am Schluss gar nicht mehr reden. Es ist wichtig, Geduld zu haben, abwarten zu können und nicht sofort wieder Druck zu machen. Kinder mit stark vernetzten Gehirnen brauchen Zeit, um zu antworten und intrinsisch zu entscheiden.
  • Kommunikation im Zustand von „low arousal“: Da diese Menschen oft stark erregt sind, sollte man immer in einem Zustand von „low arousal“ mit ihnen kommunizieren. Man muss sich zuerst selbst beruhigen, bevor man etwas sagt.
  • Folgekrankheiten durch nicht neurotypgerechten Umgang: Viele psychiatrische und körperliche Diagnosen bei Menschen mit ADHS/ADS/ASS sind aus der Sicht von Dr. Davatz Folgekrankheiten, die entstehen, wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht und neurotypgerecht mit ihnen umgegangen wird. Zum Beispiel können Frauen mit ADHS, die ständig zurückgebremst werden, eine Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickeln.
  • Wichtigkeit der Prävention und frühen Unterstützung: Dr. Davatz plädiert für eine möglichst frühe Unterstützung des Umfelds (Eltern, Lehrer, Kindergärten), um zu lernen, kompetent und neurodivers-adäquat mit diesen Kindern umzugehen. Prävention ist entscheidend, da es oft schon sehr spät ist, wenn diese Menschen psychiatrische Diagnosen erhalten.
  • Lernen vom Gegenüber: In der Interaktion mit neurodiversen Menschen lernt man immer auch von seinem Gegenüber, was Dr. Davatz mit dem Sokratischen Lernen vergleicht.

Zusammenfassend ist die Interaktion mit dem Umfeld ein zentraler Faktor in der Entwicklung und im Leben von Menschen mit ASS, ADS und ADHS. Ein verständnisvolles, geduldiges und persönlichkeitsgerechtes Umfeld, das die neurodivergenten Eigenschaften berücksichtigt, ist entscheidend für eine positive Entwicklung und zur Vermeidung von Folgeerkrankungen. Dr. Davatz betont die Notwendigkeit, dass das Umfeld lernt, wie man effektiv mit diesen Menschen umgeht, anstatt von ihnen zu erwarten, dass sie sich an ein nicht passendes Umfeld anpassen.

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Genetische Veranlagung

Im Hinblick auf die genetische Veranlagung bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetischem-Syndrom (ADHS) betont Dr. med. Ursula Davatz, dass alle drei genetisch vererbt sind. Sie spricht von einem neurodivergenten Menschentyp im Vergleich zu Durchschnittsmenschen.

Hier sind die wichtigsten Punkte zur genetischen Veranlagung, die in den Quellen genannt werden:

  • Starker Erblichkeitsfaktor: Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist am stärksten genetisch vererbt, mit etwa 90%. ADS und ADHS sind ungefähr zu 80% vererbt.
  • Epigenetische Einflüsse: Obwohl die Veranlagung genetisch ist, spielt die Epigenese eine viel größere Rolle beim Gehirn. Die Epigenetik beschreibt die Interaktion unter den Genen. Das Gehirn ist ein plastisches Organ und epigenetischen Prozessen unterworfen. Die genetische Veranlagung kann in der Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst werden, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Die Gene können wir nicht verändern, aber ihre Ausprägung wird über die Interaktion mit dem Umfeld eingeschränkt und bestimmt.
  • Gemeinsame genetische Grundlagen: Studien im Bereich der GWAS (Genomweite Assoziationsstudien) haben gezeigt, dass ADHS, Autismus, Schizophrenie, manisch-depressiv und schwere Depression den gleichen geänderten Gen-Lokus aufweisen. Für Dr. Davatz ist es daher klar, dass diese Zustände alle zusammenhängen.
  • Nicht den Genen ausgeliefert: Trotz der starken genetischen Komponente betont Dr. Davatz, dass wir nicht den Genen ausgeliefert sind. Das Gehirn ist flexibel, und es gibt viele Möglichkeiten der Einflussnahme.
  • Vererbung über Generationen: Die genetische Veranlagung kann über alle Generationen weitergegeben werden. Dr. Davatz nimmt bei der Anamnese oft drei oder mehr Generationen auf und beobachtet, wie sich die Symptomatik in verschiedenen Formen weitervererben kann. Es ist möglich, dass eine Generation gelernt hat, besser mit bestimmten Eigenschaften umzugehen, sodass sie erst in späteren Generationen wieder stärker zum Vorschein kommen. Es werden 20 bis 100 Gene gemischt weitergegeben, sodass jede Fortpflanzung eine neue Kombination ergibt.
  • Geburtsgebrechen: Dr. Davatz betont, dass die Diagnose (z.B. ADHS/ADS) als ein Geburtsgebrechen angesehen werden kann, da sie genetisch bedingt ist und mit der Geburt vorhanden ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ASS, ADS und ADHS eine starke genetische Grundlage haben, wobei ASS die höchste Erblichkeit aufweist. Allerdings betont Dr. Davatz die wichtige Rolle der Epigenetik und der Interaktion mit dem Umfeld, die die Ausprägung dieser genetischen Veranlagung maßgeblich beeinflussen können. Zudem deutet die Forschung auf gemeinsame genetische Faktoren bei verschiedenen neurodivergenten Zuständen hin. Trotz der genetischen Veranlagung sieht Dr. Davatz Menschen mit diesen Eigenschaften nicht als ihren Genen ausgeliefert, sondern betont die Flexibilität des Gehirns und die Möglichkeiten der positiven Beeinflussung durch das Umfeld und individuelle Strategien.

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Neurologische Ebene

Im Rahmen der Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene betont Dr. med. Ursula Davatz, dass das Gehirn eine ganzheitliche Funktion hat. Im Gegensatz zur Medizin, wo in verschiedene Körperorgane aufgeteilt und unterschiedliche Diagnosen gestellt werden, funktioniert das beim Gehirn nicht so gut. Sie kommt immer weiter weg von starren Diagnosestellungen in der Psychiatrie.

Das Gehirn als Anpassungs- und soziales Organ: Dr. Davatz beschreibt das Gehirn als ein Anpassungsorgan und insbesondere als ein soziales Anpassungsorgan, das immer in Aktion mit dem Umfeld steht. Obwohl Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) eine genetische Veranlagung haben, wird das Gehirn auch durch das Umfeld beeinflusst, bestimmt und verändert. Die Epigenese spielt hier eine wichtige Rolle, indem sie die Interaktion zwischen Genen und Umwelt beschreibt, wodurch sich das Gehirn und die Genexpression verändern können. Die genetischen Anlagen werden durch die Interaktion mit dem Umfeld eingeschränkt und bestimmt.

Synaptisches Pruning und Entwicklung: In der Pubertät findet eine Umstrukturierung des Gehirns statt, die als Synaptic Pruning bezeichnet wird. Dabei werden viele Vernetzungen im Gehirn gekappt, um funktionale Netzwerke zu entwickeln, die für tägliche Aufgaben wichtig sind. Bei Menschen mit ADHS/ADS (und somit auch ASS) kann dieser Prozess verlangsamt sein, da sie mehr Eindrücke zur Verarbeitung aufnehmen. Das emotionale Gehirn bleibt bei ihnen stärker mit dem ganzen Hirn vernetzt.

Breite Aufmerksamkeit und Reaktivität: Menschen mit ASS, ADHS und ADS weisen eine breite Aufmerksamkeit auf, die sie leicht störbar und ablenkbar macht. Emotional sind sie hochreaktiv, und kleine Reize können sie durcheinanderbringen. Sie sind oft ungeduldig und können Verzögerungen schlecht tolerieren. Ihr Hirn mit der starken Vernetzung benötigt Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu einer Entscheidung zu kommen.

Kritik an Diagnosen aus neurologischer Sicht: Dr. Davatz sieht psychiatrische Diagnosen als konzeptuelle Konzepte, die funktionelle Zustände des Gehirns einfrieren, obwohl die Funktion flexibel bleibt. Für den einzelnen Patienten bringen diese starren Diagnosen oft nicht viel, da jeder Mensch anders ist.

Genetische Veranlagung und Interkonnektivität: ASS, ADS und ADHS sind genetisch vererbt. ASS weist dabei die stärkste genetische Vererbung auf. Studien deuten darauf hin, dass diese und andere psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie auf ähnlichen genetischen Veränderungen beruhen, was für Dr. Davatz zeigt, dass alles zusammenhängt. Die genetische Veranlagung kann jedoch durch die Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst werden.

Folgen von nicht neurotypgerechtem Umgang: Wenn nicht persönlichkeitsgerecht und neurotypgerecht mit diesen Menschen umgegangen wird, können sich verschiedene psychische und körperliche Folgekrankheiten entwickeln. Druck erachtet sie als schädlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neurologische Ebene in der Autismusdiagnostik von Dr. Davatz als ein dynamisches Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen verstanden wird, das die Entwicklung und Funktion des Gehirns prägt. Starre Diagnosen werden kritisiert, und ein individuelles, verständnisvolles Eingehen auf die neurodivergenten Eigenschaften der Betroffenen wird als entscheidend für deren positive Entwicklung und die Vermeidung von Folgeerkrankungen betrachtet.

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Autismus Diagnostik

Dr. med. Ursula Davatz hält einen Vortrag zum Thema Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene. Als Psychiaterin und Familientherapeutin betont sie, dass das Gehirn ganzheitlich funktioniert und es beim Gehirn nicht so einfach ist, starre Diagnosen zu stellen, wie in anderen Bereichen der Medizin. Sie distanziert sich zunehmend von diesen starren Diagnosen.

Das Gehirn als Anpassungsorgan: Dr. Davatz beschreibt das Gehirn als ein soziales Anpassungsorgan, das immer in Aktion mit dem Umfeld steht. Obwohl Autismus (ASS, Autismus-Spektrum-Störung) eine genetische Veranlagung hat, wird das Gehirn immer auch durch das Umfeld beeinflusst, bestimmt und verändert. Die Epigenese spielt hier eine viel größere Rolle als früher angenommen, was bedeutet, dass sich das Gehirn und sogar unsere Gene in ihrer Expression verändern können in Interaktion mit dem Umfeld. Genetische Anlagen werden durch die Interaktion mit dem Umfeld eingeschränkt und bestimmt.

Kritik an starren Diagnosen: Dr. Davatz kritisiert, dass psychiatrische Diagnosen oft funktionelle Zustände des Gehirns einfrieren und in einer Diagnose zusammenfassen. Sie betont, dass die Funktion des Gehirns flexibel bleibt. Obwohl Diagnosen für Ärzte wichtig sein können, um eine gemeinsame Sprache zu haben, bringen sie für den einzelnen Patienten oft nicht so viel, da jeder Patient anders ist. Sie zitiert Frau Hedi Wallmüller mit dem Satz: „jeder Autist ist anders“.

Genetische Grundlagen und Neurodivergenz: ASS ist stark genetisch vererbt (ca. 90%), ebenso wie ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom) (ca. 80%). Es handelt sich um neurodivergente Menschentypen im Vergleich zu Durchschnittsmenschen. Diese Menschen sind oft hochsensibel und leicht störbar aufgrund ihrer breiten Wahrnehmung.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ADHS/ADS: ASS, ADS und ADHS haben einige gemeinsame Reaktionstypen und Verhaltensweisen, wie Hochsensibilität, leichte Störbarkeit, emotionale Reaktivität und Ungeduld. In der Pubertät sind Menschen mit ASS, ADHS/ADS verlangsamt beim Lernen der notwendigen funktionalen Netzwerke im Gehirn aufgrund des Synaptic Pruning. Dr. Davatz sieht die Unterschiede zwischen ADHS und ADS als nicht sehr groß und betont, dass ADHS in ADS wechseln kann und umgekehrt. Genetisch scheinen diese Störungen ebenfalls zusammenzuhängen, da Studien gleiche Gen-Loci bei ADHS, Autismus, Schizophrenie und anderen psychiatrischen Erkrankungen gefunden haben.

Folgekrankheiten und Umfeld: Dr. Davatz betont, dass viele psychiatrische und körperliche Diagnosen bei Menschen mit ADHS/ADS/ASS Folgekrankheiten sind, die entstehen, wenn nicht neurotypgerecht mit ihnen umgegangen wird. Ein persönlichkeitsgerechter Umgang ist entscheidend. Druck ist absolutes Gift für diese Menschen. Bezugspersonen müssen lernen, geduldig zu sein, Zeit zu lassen und in einem Zustand von „low arousal“ zu kommunizieren.

Diagnostischer Prozess und Herausforderungen: Dr. Davatz nimmt eine Anamnese über drei Generationen auf und verlässt sich auch auf ihr Gespür. Sie kritisiert die langen Wartezeiten für Abklärungen und den Mangel an Unterstützung nach der Diagnose. Sie plädiert für eine frühe Unterstützung des Umfelds (Eltern, Lehrer, Kindergärten), um kompetent mit neurodiversen Kindern umzugehen und Prävention zu betreiben. Sie betont, dass es nie zu spät ist, zu lernen, wie man mit diesen Menschen umgeht. Bei der Einschätzung von Diagnosen, auch bei sich selbst, rät sie dazu, auf den gesunden Menschenverstand und das natürliche Gefühl zu hören und Fachleute zu hinterfragen. Es geht immer um die menschliche Beziehung.

Zusammenfassend plädiert Dr. Davatz für eine flexible und individuelle Betrachtung in der Autismusdiagnostik, die den neurologischen Grundlagen, der genetischen Veranlagung und insbesondere der Interaktion mit dem Umfeld Rechnung trägt. Sie betont die Wichtigkeit eines persönlichkeitsgerechten Umgangs und kritisiert starre diagnostische Kategorien sowie mangelnde Unterstützungssysteme.

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Inwiefern prägen Stigmatisierung und vorherrschende Krankheitsbilder das Verständnis und die Lebensqualität von Menschen mit ADHS/ADS?

Die Stigmatisierung und das vorherrschende Krankheitsbild prägen das Verständnis und die Lebensqualität von Menschen mit ADHS/ADS in mehrfacher Hinsicht, wie die Quellen verdeutlichen.

Stigmatisierung durch das Krankheitsbild:

  • Dr. med. Ursula Davatz betont, dass ADHS/ADS nach wie vor als Krankheit angesehen wird. Sie stellt dem entgegen, dass es sich um einen genetisch vererbten Genotyp und vererbte Eigenschaften handelt. Diese Sichtweise als Krankheit führt dazu, dass Betroffene sich möglicherweise stigmatisiert fühlen, da niemand gerne krank ist.
  • Die Diagnose ADHS/ADS kann Angst auslösen und dazu führen, dass sich Menschen verschliessen. Wenn man es als Krankheit ansieht, macht man zu.
  • Einige Kinder mit ADHS/ADS lehnen einen Nachteilsausgleich in der Schule ab, weil sie ihn als stigmatisierend empfinden und nicht aus der Gruppe ausgegrenzt werden wollen.

Auswirkungen auf das Verständnis:

  • Die Fokussierung auf das Krankheitsbild führt dazu, dass die positiven Eigenschaften von Menschen mit ADHS/ADS, wie ihre breite Aufmerksamkeit, Neugier und schnelle Auffassungsgabe, oft übersehen werden. Stattdessen wird der Fokus auf die „Störung“ gelegt.
  • Die Tendenz, ADHS/ADS als reine medizinische Angelegenheit zu betrachten, führt dazu, dass vorrangig mit Medikamenten gearbeitet wird. Dies kann den emotionalen Hirnteil und das soziale Lernen vernachlässigen.
  • Die Stigmatisierung kann zu Unverständnis im Umfeld führen, sowohl bei Lehrpersonen als auch bei Eltern. Es wird oft die Haltung vertreten, dass ADHS/ADS „abgeschafft“ werden müsse, anstatt die besonderen Bedürfnisse der Kinder zu verstehen und darauf einzugehen.
  • Die mangelnde Unterstützung für Lehrpersonen im Umgang mit ADHS/ADS verstärkt das Unverständnis und die Stigmatisierung. Wenn Lehrkräfte sich überfordert fühlen, kann dies zu negativen Reaktionen und einer Ablehnung der betroffenen Kinder führen.

Auswirkungen auf die Lebensqualität:

  • Kaputttherapieren: Ein Betroffener berichtet, dass sein Sohn durch falsche therapeutische Ansätze „kaputt therapiert“ wurde, was die langfristigen negativen Folgen der Stigmatisierung und des defizitorientierten Blicks auf ADHS/ADS verdeutlicht.
  • Soziale Ausgrenzung: Die Stigmatisierung kann zur sozialen Ausgrenzung führen, sowohl in der Schule als auch im privaten Umfeld.
  • Psychische Probleme: Durch Stigmatisierung und Unverständnis können sekundäre psychische Probleme wie Depressionen entstehen. Ein Beispiel ist der intelligente Schüler, der aufgrund von Langeweile in der Schule Selbstmordgedanken entwickelte. Auch die Entwicklung einer Depression bei medikamentöser Überdosierung zeigt die negativen Auswirkungen eines rein medizinischen Ansatzes ohne Berücksichtigung des individuellen Wohlbefindens.
  • Belastung für Familien: Eltern von Kindern mit ADHS/ADS erleben oft eine hohe Belastung durch den Kampf gegen Stigmatisierung und Unverständnis.
  • Verpasste Chancen: Wenn ADHS/ADS erst spät erkannt wird, insbesondere bei Mädchen, können wertvolle Jahre der Unterstützung und Förderung verpasst werden. Dies kann sich negativ auf die schulische und berufliche Entwicklung auswirken.
  • Negative Erfahrungen mit Institutionen: Der Bericht über den Jungen, der aufgrund von Überreaktionen im Kindergarten und der Schule in ein Heim kam, zeigt auf drastische Weise, wie Stigmatisierung und mangelndes Wissen zu völlig unangemessenen Interventionen führen können.

Dr. Davatz plädiert dafür, ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als Persönlichkeitstyp zu betrachten. Dies könnte helfen, die Stigmatisierung zu reduzieren und ein positiveres und ressourcenorientierteres Verständnis zu fördern. Sie betont die Wichtigkeit, die individuellen Bedürfnisse zu erkennen und zu fördern, anstatt auf Gehorsam und Bestrafung zu setzen, was bei Kindern mit ADHS/ADS ohnehin schlecht funktioniert. Die intrinsische Motivation und die Neugier der Kinder müssen geweckt und erhalten werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stigmatisierung und das vorherrschende Krankheitsbild von ADHS/ADS zu einem defizitorientierten Blick, Unverständnis im Umfeld, sozialer Ausgrenzung und einer Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen führen können. Ein Wandel hin zu einem ressourcenorientierten Verständnis, das ADHS/ADS als Persönlichkeitstyp betrachtet und die individuellen Bedürfnisse in den Vordergrund stellt, ist notwendig, um die Lebensqualität von Menschen mit ADHS/ADS nachhaltig zu verbessern.

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Inwiefern beeinflusst ADHS/ADS die Aufmerksamkeitsspanne?

Gemäss Dr.med. Davatz beeinflusst ADHS/ADS die Aufmerksamkeitsspanne nicht im Sinne einer generellen Störung, sondern vielmehr durch eine „breite Aufmerksamkeit“. Anstatt eines Aufmerksamkeitsdefizits sehen ADHS/ADS-Kinder die Welt mit einem sehr weiten Fokus.

Hier sind die zentralen Punkte, wie ADHS/ADS die Aufmerksamkeit beeinflusst:

  • Breite statt eingeschränkte Aufmerksamkeit: Dr. Davatz argumentiert, dass Kinder mit ADHS/ADS nicht unter einem Mangel an Aufmerksamkeit leiden, sondern eine sehr breite Aufmerksamkeit haben. Sie sind neugierig und interessieren sich für alles.
  • Abhängigkeit von Interesse: Wenn der Lehrer oder der Unterrichtsstoff nicht genügend interessant ist oder wenn die Kinder das Gefühl haben, das Thema bereits zu kennen (möglicherweise durch Informationen aus dem Internet), dann wandert ihre Aufmerksamkeit ab. Sie schauen aus dem Fenster, beobachten ihre Nachbarn oder nehmen kleine Details wahr.
  • Leichte Ablenkbarkeit im Unterricht: In diesem Sinne lassen sich ADHS/ADS-Kinder im Unterricht leicht ablenken. Dr. Davatz betont jedoch, dass dies nur eine Störung in Bezug auf den Unterricht und nicht eine allgemeine Störung der Aufmerksamkeit ist.
  • Vergleich mit Hunden: Sie vergleicht die Aufmerksamkeit von ADHS/ADS-Kindern mit der eines Hundes, der einen neuen Raum betritt und alles abschnuppert und erkundet.
  • Schnelle Auffassungsgabe und Langeweile: Oft geht die breite Aufmerksamkeit mit einer schnellen Auffassungsgabe einher. Wenn Kinder mit ADHS/ADS Dinge schnell verstehen, wird ihnen schnell langweilig, was wiederum zu einer Abnahme der Aufmerksamkeit führen kann.
  • Unter- oder Überforderung: Die Aufmerksamkeit kann auch beeinflusst werden, wenn Kinder mit ADHS/ADS unterfordert sind, weil ihnen der Stoff zu einfach ist, oder wenn sie überfordert werden.
  • Gedankliche Hyperaktivität (bei ADS): Bei Kindern mit ADS äussert sich die „Hyperaktivität“ oft als gedankliche Hyperaktivität. Sie schweifen ab und beginnen zu träumen, wenn das Thema nicht interessant ist.
  • Emotionale Verletzungen: Bei emotionalen Verletzungen ziehen sich ADS-Kinder eher zurück, was ebenfalls ihre Aufmerksamkeit nach innen lenken kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS/ADS gemäss Dr.med. Davatz nicht zu einer verminderten Aufmerksamkeitsfähigkeit führt, sondern zu einer Aufmerksamkeit, die sehr leicht von uninteressanten oder bereits bekannten Inhalten abgelenkt wird und sich stattdessen neuen oder fesselnden Reizen zuwendet. Die Herausforderung besteht darin, diese breite Aufmerksamkeit im Lernkontext zu nutzen und die intrinsische Motivation der Kinder zu wecken.

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Welche Rolle spielen elektronische Medien bei der Erziehung?

Die elektronischen Medien spielen in der heutigen Zeit eine bedeutende Rolle in der Erziehung, indem sie eine riesige Konkurrenz für Eltern und Lehrer darstellen. Dr. Davatz betont, dass es heutzutage sehr schwierig ist, Jugendliche zu erziehen, und dass dies eine grosse Herausforderung darstellt. Sie zollt Lehrern und Eltern ihren Respekt für diese Aufgabe, die sicher schwieriger geworden ist als früher.

Die Konkurrenz durch die elektronischen Medien und die gesamte Unterhaltungsindustrie ist enorm. Eltern und Lehrer müssen sich irgendwie mit diesen Medien messen bzw. den Unterricht und die Erziehung interessanter gestalten als das, was „büchsenmässig vorfabriziert“ und verbreitet wird.

Dr.med. Davatz beobachtet, dass die Aufmerksamkeit von Kindern tendenziell abnimmt. Kinder scheinen eher auf kurze Aufmerksamkeitsspannen ausgerichtet zu sein, und für längere Aufmerksamkeitsphasen braucht es mehr Interaktion und immer wieder neue Akzente.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Wissen heutzutage vom Internet abgerufen werden kann. Man kann Fragen stellen und erhält schnell eine Antwort. Obwohl Dr. Davatz anmerkt, dass die Richtigkeit dieser Informationen nicht immer kontrolliert werden kann, ist eine sehr grosse Menge an Wissen im Internet vorhanden, was in gewisser Weise zu einer Demokratisierung des Wissens geführt hat. Früher waren Lehrer, Pfarrer und Ärzte die zentralen Wissensvermittler, während heute Informationen aus dem Internet zugänglich sind.

Allerdings merkt Dr.med. Davatz an, dass das, was man nicht vom Internet holen kann, die Persönlichkeitsentwicklung ist. Sie betont, dass es heutzutage enorm wichtig ist, dass sowohl die Schule als auch die Eltern dem einzelnen Kind helfen, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Die Persönlichkeit könne durch „Konservendenken, Konservenbilder, Konserveninformation“ sogar kaputt gemacht werden. Dr. Davatz möchte Eltern Mut machen, ihre Kinder in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die elektronischen Medien gemäss Dr.med. Davatz eine zwiespältige Rolle in der Erziehung spielen. Einerseits bieten sie einen einfachen Zugang zu Wissen, andererseits stellen sie eine grosse Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen dar und können die Persönlichkeitsentwicklung nicht ersetzen. Eltern und Lehrer stehen vor der Herausforderung, interessanter zu sein als diese Medien und den Fokus auf die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit zu legen.

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Wie beeinflussen die genetischen Grundlagen von ADHS/ADS das Verhalten und die Entwicklung betroffener Personen über die Lebensspanne?

Die genetischen Grundlagen von ADHS/ADS haben einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten und die Entwicklung betroffener Personen über die gesamte Lebensspanne. Dr. Davatz betont, dass ADHS/ADS keine Krankheit, sondern ein genetisch vererbter Genotyp ist. Statistisch gesehen sind 80 bis 85% der Fälle auf Vererbung zurückzuführen. Aus diesem Grund könne man ADHS/ADS nicht einfach umerziehen oder wegbehandeln.

Diese genetische Veranlagung äussert sich in bestimmten vererbten Eigenschaften:

  • Breite Aufmerksamkeit und Neugier: Kinder mit ADHS/ADS haben oft eine breite Aufmerksamkeit und sind neugierig, sie interessieren sich für vieles. Wenn sie jedoch nicht genügend interessiert sind, kann ihre Aufmerksamkeit leicht abgelenkt werden.
  • Impulsivität und Hyperaktivität: ADHS kann sich nach aussen durch Aggressivität und Hyperaktivität zeigen, während sich ADS eher nach innen richtet als gedankliche Hyperaktivität. Die motorische Unruhe bei ADHS kann jedoch helfen, das Gehirn zu aktivieren.
  • Schnelle Auffassungsgabe und Langeweile: Häufig geht die breite Aufmerksamkeit mit einer schnellen Auffassungsgabe einher, was dazu führen kann, dass sich Betroffene schnell langweilen, wenn sie unterfordert sind.
  • Hohe sensible Wahrnehmung: ADHS/ADS-Personen haben oft eine hohe sensible Wahrnehmung und nehmen Stimmungen und kleine Veränderungen schnell wahr, was sie aber auch verletzlicher machen kann.
  • Empathie und Gerechtigkeitssinn: Viele ADHS/ADSler sind sehr empathisch und haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ungerechtigkeit können sie nur schwer ertragen.
  • Mangelnde Impulskontrolle: Dies führt dazu, dass Betroffene schnell aggressiv reagieren können, wenn sie verletzt werden. Diese Aggressivität wird jedoch oft als Selbstverteidigung gesehen.

Über die Lebensspanne hinweg bleiben diese genetisch bedingten Eigenschaften bestehen, aber ihre Auswirkungen und die Art und Weise, wie sie sich äussern, können sich verändern.

  • Kindheit und Jugend: In der Schulzeit können die Herausforderungen besonders deutlich werden, da die Anforderungen an Aufmerksamkeit und Konzentration hoch sind. Unverständnis in der Schule kann zu negativen Erfahrungen führen.
  • Erwachsenenalter: Im Erwachsenenalter können sich die Auswirkungen im Beruf und in Beziehungen zeigen. Dr. Davatz erwähnt, dass sich ADHS/ADS-Partner häufig finden, aber es auch zu mehr Konflikten und Scheidungen kommen kann.
  • Geschlechterunterschiede: Bei Mädchen wird ADHS/ADS oft später erkannt als bei Jungen, da Mädchen tendenziell ein stärkeres Anpassungsverhalten zeigen und ihre Symptome unterdrücken. Ihre soziale Kompetenz kann die ADHS/ADS überdecken. Frauen erhalten ihre Diagnose oft erst im späteren Erwachsenenalter.

Es ist wichtig zu betonen, dass obwohl die genetische Grundlage fest ist, der Umgang mit ADHS/ADS gelernt werden kann. Dr. Davatz rät dazu, Freundschaft mit den Symptomen zu schliessen, anstatt dagegen anzukämpfen. Frühzeitige Aufklärung und Unterstützung des Umfelds (Eltern, Lehrer) sind entscheidend, um negative Entwicklungen zu verhindern. Anstatt einer reinen medikamentösen Behandlung des Kindes brauche es mehr Beratung und Unterstützung für alle Beteiligten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die genetischen Grundlagen von ADHS/ADS das Verhalten und die Entwicklung von Betroffenen über die Lebensspanne prägen, indem sie bestimmte charakteristische Neigungen und Reaktionsmuster bedingen. Während diese genetische Veranlagung nicht verändert werden kann, beeinflussen das Umfeld, das Verständnis für die Symptome und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien massgeblich den Lebensweg von Menschen mit ADHS/ADS.

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