Arten von Medikamenten und deren Wirkung:
Die Medikamente, die bei ADHS/ADS eingesetzt werden, sind Stimulantien oder Uppers (wie Concerta, Focalin und Ritalin). Diese Medikamente stimulieren das Gehirn, wodurch eine Fokussierung erreicht wird.
ADHS/ADS-Menschen werden als neurodivergent betrachtet, deren Gehirne etwas anders funktionieren, charakterisiert durch eine breite Aufmerksamkeit. Diese breite Aufmerksamkeit führt dazu, dass sie ständig nach neuen Reizen suchen, besonders wenn der offizielle Input (z. B. der Unterricht) nicht spannend ist.
Das Ritalin wirkt, indem es stimuliert, wodurch der Fokus eingeschränkt wird und man besser aufpasst. Alle diese Amphetamine, die bei ADHS/ADS gegeben werden, sind fokussierend.
Gründe für den Einsatz der Medikation:
- Leistungssteigerung: Das Medikament kann sehr hilfreich sein, insbesondere in einer auf geistige und intellektuelle Erziehung ausgerichteten Gesellschaft (z. B. Gymnasium). Ritalin kann die schulischen Leistungen um eine Note oder mehr herauftreiben.
- Ausschöpfen des Potenzials: In einer Gesellschaft, die stark auf intellektuelle Erziehung ausgerichtet ist, können ADHS/ADS-Kinder oft ihr Potenzial ohne Medikamente nicht ausleben und geraten in eine Abwärtsspirale, wobei das Selbstvertrauen leidet. In solchen Fällen kann die Gabe von Medikamenten durchaus sinnvoll sein.
- Berufliche Anforderungen: Erwachsene nehmen die Medikamente oft, wenn sie ein Nachstudium absolvieren oder für ihren Master lernen müssen. Wenn man hohe akademische Ambitionen hat, kann der Einsatz absolut sinnvoll sein.
Nachteile und Nebenwirkungen der Medikation:
- Verlust des Selbstgefühls und der Kreativität: Viele Betroffene geben an, sich mit Medikamenten nicht mehr so sehr als sie selbst zu fühlen oder sich selbst nicht mehr so zu spüren.
- Kreativitätseinschränkung: ADHS/ADSler sind meistens kreative Leute und können Grenzen sprengen (was ihre breite Aufmerksamkeit ausmacht). Wenn sie Ritalin oder Ähnliches nehmen, fühlen sie sich nicht mehr so kreativ.
- Psychische Abhängigkeit: Ein Betroffener merkt an, dass diese Mittel psychisch abhängig machen können, da man das Gefühl hat, ohne dieses Mittel nicht mehr in dieser Welt existieren und nicht mehr leisten zu können.
Medizinische Haltung und Entscheidungshoheit:
Dr. Davatz selbst verschreibt Ritalin, Concerta und andere Stimulantien. Allerdings überlässt sie die Entscheidung immer den Eltern. Sie würde nie sagen, dass Eltern das Medikament ihrem Kind geben müssen, sonst würde es nicht gut gehen. Die Entscheidung, ob man Medikamente nimmt oder nicht, muss jeder, insbesondere die Eltern, selbst treffen [86, 19:43.640].
Es ist nicht die Haltung von Dr. Davatz, dass ADHS/ADS-Menschen nicht ohne Medikamente durchs Leben kommen können oder dass sie diese immer nehmen müssen.
Umgang mit Medikamenten und Stress:
- Absetzen am Wochenende: Dr. Davatz rät Eltern, das Medikament über das Wochenende abzusetzen, es sei denn, das Kind muss am Wochenende lernen.
- Medikamente als Stressmedikament: Das ADHS-Medikament wird auch als Stressmedikament bezeichnet.
- Gefahr der Psychose bei Überdosierung: ADHS/ADS-Medikamente können suchtbildend sein und auf der Gasse gehandelt werden. Wenn Erwachsene, die diese Medikamente verschrieben bekommen, zu viel davon nehmen, können sie psychotisch werden.
- Dopamin und Stress: ADHS-Medikamente können eine Psychose auslösen, wenn sie unter starkem Stress eingenommen werden, da dies zu einer zu hohen Ausschüttung von Dopamin führen kann. Medikamente, die gegen Psychosen gegeben werden, sind im Gegensatz dazu Antidopamin-Medikamente.
Medikamente und Suchtpotenzial:
Menschen mit ADHS/ADS haben viel mehr Suchtprobleme. Sie nutzen beruhigende Suchtmittel wie Heroin, Alkohol oder Haschisch, um ihr Temperament herunterzubremsen.
Es gibt die Ansicht, dass man lieber die legale Droge (ADHS-Medikamente) verschreiben solle, damit Betroffene keine Drogen von der Gasse brauchen. Es existieren Statistiken aus England, die besagen, dass Kinder mit ADHS/ADS-Medikation weniger drogensüchtig wurden. Ein Betroffener merkt jedoch an, dass die Einnahme von ADHS-Medikamenten keine Alternative ist, um Drogen zu vermeiden, und dass diese Mittel selbst Betäubungsmittel sind und abhängig machen können [82, 116:31.300]. Dr. Davatz stellt klar, dass es nicht so ist, dass man eher drogensüchtig wird oder nicht drogensüchtig wird, wenn man die Medikamente nimmt.
Alternative Ansätze:
Dr. Davatz versucht immer, auf andere Methoden zurückzugreifen. Sie betont, dass ADHS/ADS-Kinder mehr Bewegung benötigen. Alternative Ansätze zur Fokussierung oder Beruhigung umfassen:
- Körperliche Aktivität (z. B. dreimal ums Schulhaus springen, Trampolin).
- Klare Strukturen und wenige, klare Regeln (wichtig bei diesem Neurotyp).
- Konflikt-Lösungsstrategien für die Familien.
- Reflex-Integrations-Therapien zur Stressreduzierung.
- Neurofeedback, um das Fokussieren zu lernen, wobei dies nicht für alle geeignet ist.
- Physiotherapeutische Ansätze oder sportliche Betätigung (wie Michael Phelps als Beispiel).
- Traumatherapie-Methoden wie EMDR oder Yoga.
Der Umgang mit neurodivergenten Menschen erfordert Einfühlungsvermögen, Beobachtungskraft, Sensibilität und eigene Zurückhaltung. Das Ziel sollte es sein, das erzieherische Umfeld zu sensibilisieren, um Fehlentwicklungen vorzubeugen, da die Krankheit, die aus ADHS/ADS entsteht, die eigentliche Fehlentwicklung ist – nicht die Neurodivergenz selbst.
Zusammenfassendes Bild: Die medikamentöse Behandlung bei ADHS/ADS, hauptsächlich durch Stimulantien, ist ein Werkzeug, das in einer leistungsorientierten Gesellschaft helfen kann, das Potenzial des neurodivergenten Gehirns im akademischen oder beruflichen Kontext auszuschöpfen, indem es die breite Aufmerksamkeit einschränkt und Fokussierung ermöglicht. Gleichzeitig birgt sie Risiken wie den Verlust der Kreativität, das Gefühl, sich selbst zu entfremden, und die Gefahr der Psychose bei Überdosierung oder Einnahme unter hohem Stress (aufgrund der Dopamin-Ausschüttung). Die Entscheidung für oder gegen Medikamente sollte stets bei den Eltern liegen und im Kontext des individuellen Kindes und seiner Bedürfnisse betrachtet werden, wobei alternative, nicht-pharmakologische Methoden wie Struktur und Bewegung essenziell sind.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/11/Buchvernissage_Ursula_Davatz_11.11.2025.m4a.pdf
