Gemäss Dr.med. Davatz beeinflusst ADHS/ADS die Aufmerksamkeitsspanne nicht im Sinne einer generellen Störung, sondern vielmehr durch eine „breite Aufmerksamkeit“. Anstatt eines Aufmerksamkeitsdefizits sehen ADHS/ADS-Kinder die Welt mit einem sehr weiten Fokus.
Hier sind die zentralen Punkte, wie ADHS/ADS die Aufmerksamkeit beeinflusst:
- Breite statt eingeschränkte Aufmerksamkeit: Dr. Davatz argumentiert, dass Kinder mit ADHS/ADS nicht unter einem Mangel an Aufmerksamkeit leiden, sondern eine sehr breite Aufmerksamkeit haben. Sie sind neugierig und interessieren sich für alles.
- Abhängigkeit von Interesse: Wenn der Lehrer oder der Unterrichtsstoff nicht genügend interessant ist oder wenn die Kinder das Gefühl haben, das Thema bereits zu kennen (möglicherweise durch Informationen aus dem Internet), dann wandert ihre Aufmerksamkeit ab. Sie schauen aus dem Fenster, beobachten ihre Nachbarn oder nehmen kleine Details wahr.
- Leichte Ablenkbarkeit im Unterricht: In diesem Sinne lassen sich ADHS/ADS-Kinder im Unterricht leicht ablenken. Dr. Davatz betont jedoch, dass dies nur eine Störung in Bezug auf den Unterricht und nicht eine allgemeine Störung der Aufmerksamkeit ist.
- Vergleich mit Hunden: Sie vergleicht die Aufmerksamkeit von ADHS/ADS-Kindern mit der eines Hundes, der einen neuen Raum betritt und alles abschnuppert und erkundet.
- Schnelle Auffassungsgabe und Langeweile: Oft geht die breite Aufmerksamkeit mit einer schnellen Auffassungsgabe einher. Wenn Kinder mit ADHS/ADS Dinge schnell verstehen, wird ihnen schnell langweilig, was wiederum zu einer Abnahme der Aufmerksamkeit führen kann.
- Unter- oder Überforderung: Die Aufmerksamkeit kann auch beeinflusst werden, wenn Kinder mit ADHS/ADS unterfordert sind, weil ihnen der Stoff zu einfach ist, oder wenn sie überfordert werden.
- Gedankliche Hyperaktivität (bei ADS): Bei Kindern mit ADS äussert sich die „Hyperaktivität“ oft als gedankliche Hyperaktivität. Sie schweifen ab und beginnen zu träumen, wenn das Thema nicht interessant ist.
- Emotionale Verletzungen: Bei emotionalen Verletzungen ziehen sich ADS-Kinder eher zurück, was ebenfalls ihre Aufmerksamkeit nach innen lenken kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS/ADS gemäss Dr.med. Davatz nicht zu einer verminderten Aufmerksamkeitsfähigkeit führt, sondern zu einer Aufmerksamkeit, die sehr leicht von uninteressanten oder bereits bekannten Inhalten abgelenkt wird und sich stattdessen neuen oder fesselnden Reizen zuwendet. Die Herausforderung besteht darin, diese breite Aufmerksamkeit im Lernkontext zu nutzen und die intrinsische Motivation der Kinder zu wecken.
