Selbstvertrauen – Die Bedeutung im Kontext der Berufsfindung

Selbstvertrauen, eng verknüpft mit dem Selbstwertgefühl, ist ein entscheidender Faktor im Prozess der Berufsfindung und der erfolgreichen Berufsausübung. Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag, wie Selbstvertrauen aufgebaut und gestärkt werden kann und welche Rolle es im Berufsleben spielt.

Selbstvertrauen durch Erfolgserlebnisse

  • Kompetenzerfahrung im Beruf: Ein Beruf, der den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht, ermöglicht Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstvertrauen. Menschen fühlen sich kompetent und selbstsicher, wenn sie ihre Aufgaben erfolgreich bewältigen können.
  • Kompetition als Motivation: Selbstvertrauen kann auch durch Kompetition und den Ehrgeiz, der Beste zu sein, entstehen. Gesunder Wettbewerb kann motivieren und zu Bestleistungen anspornen, was wiederum das Selbstvertrauen steigert.
  • Realistische Herausforderungen: Wichtig ist, dass die Herausforderungen realistisch und erreichbar sind. Überforderung führt zu Misserfolgserlebnissen und kann das Selbstvertrauen schwächen.

Selbstvertrauen stärken durch die Auseinandersetzung mit Wünschen und Bedürfnissen

  • Wünsche ernst nehmen: Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, die eigenen Wünsche und Träume wahrzunehmen und ernst zu nehmen, um Selbstvertrauen zu entwickeln. Dies gilt auch für Berufswünsche, die vielleicht nicht realisierbar sind.
  • Offene Kommunikation: Ein offener Dialog mit Eltern, Berufsberatern und anderen Vertrauenspersonen hilft, die eigenen Bedürfnisse und Ziele zu erkennen und realistische Wege zu finden.
  • Loslösung von elterlichen Erwartungen: Oftmals projizieren Eltern ihre eigenen Wünsche auf ihre Kinder. Es ist wichtig, sich von diesen Erwartungen zu lösen und den eigenen Weg zu finden. Dies erfordert Selbstreflexion und den Mut, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren.

Selbstvertrauen und psychische Gesundheit

  • Selbstverleugnung vermeiden: Wenn Menschen ihre Wünsche und Bedürfnisse ignorieren, um den Erwartungen anderer zu entsprechen, kann dies zu Selbstverleugnung und psychischen Problemen führen. Ein Beruf, der nicht zur eigenen Persönlichkeit passt, kann Frustration, Angst und Depressionen auslösen.
  • Resilienz stärken: Selbstvertrauen ist eng mit Resilienz verbunden, also der Fähigkeit, mit Herausforderungen und Rückschlägen umzugehen. Ein starkes Selbstvertrauen hilft, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

Zusammenfassung

Selbstvertrauen ist ein wichtiger Baustein für eine gelungene Berufsfindung und ein erfülltes Berufsleben. Es entsteht durch Erfolgserlebnisse, die Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen. Ein starkes Selbstvertrauen schützt vor Selbstverleugnung und fördert die psychische Gesundheit.

https://ganglion.ch/pdf/Selbstwert_Selbstvertrauen_im_Kontext_der_Berufsfindung.pdf

Selbstwert und Selbstvertrauen im beruflichen Alltag

Transkription

Also ich möchte sie auch alle ganz herzlich begrüssen zum Thema „Selbstwert und Selbstvertrauen im beruflichen Alltag“. Ich denke, das Thema schliesst sehr gut an, an das frühere Thema der Berufsfindung und ich habe mir wieder ein paar Gedanken dazu gemacht, die ich ihnen sagen will und dann tue ich gerne mit ihnen wieder in Interaktion treten. In unserer westlichen Gesellschaft in unserer westlichen Welt verbringen wir mehr Zeit am Arbeitsplatz als in der Familie und mit Freunden. Also der Arbeitsplatz hat eine ganz eine wichtige Funktion. Die Arbeit ist ein wichtiges soziales Umfeld und man meint jeweils, das könnte die Familie ersetzen, aber das kann es nicht. Er ist nicht mit der Familie gleichzusetzen, obwohl viele Menschen manchmal Arbeitsfeld und Familienumfeld miteinander vermischen und speziell solche Menschen, wo zuhause kein gutes Familienumfeld gehabt haben. Die haben die Tendenz dann am Arbeitsplatz ein Familienumfeld zu suchen und erwarten Sachen, wo sie eigentlich von der Familie her hätten müssen bekommen also diese Sicherheit. Das Urvertrauen, man redet ja manchmal vom Urvertrauen beim Menschen, das sollte an sich in der Familie entstehen können und zwar über Beziehung zu den primären Bezugspersonen, also Vater, Mutter, Geschwister, vielleicht noch erweiterte Familie, wenn das Urvertrauen aber aus verschiedenen Gründen nicht entwickelt hat werden können, weil die Eltern ausgefallen sind, Streit gehabt haben, weil ein anderes Geschwister, mehr emotionale Energie absorbiert hat, dann ist der Mensch, der zu kurz gekommen ist in seiner Familie mit seinem Urvertrauen.

Selbstwert und Selbstvertrauen im Kontext der Berufsfindung und Berufsausübung

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
10.2.2023
Selbstwert und Selbstvertrauen im Kontext der Berufsfindung und
Berufsausübung
Audio

Dr.med. Ursula Davatz (00:00)
Ich begrüsse Sie alle herzlich zu dieser Weiterbildung. Das Thema heisst, ich halte es
mir vor Augen, oder in den Ohren: "Selbstwert und Selbstvertrauen im Kontext der
Berufsfindung und Berufsausübung". Der Beruf ist in den westlichen Industrieländern,
Produktionsländern, Serviceländern, eine ganz wichtige Angelegenheit. Wir definieren
uns sehr stark über den Beruf. Wir verbringen auch sehr viel Zeit in unserem Beruf.
Was wollte ich sagen? Zwei Drittel zum Teil. Auf jeden Fall ist es eine ganz wichtige
Angelegenheit. Wir definieren uns über das, und andere definieren uns auch über den
Beruf. Früher hat man mich immer in der Schule gefragt, was macht dein Vater? Nach
der Mutter hat man mich in der Regel nicht gefragt. Heute müsste man beides fragen.
Und dann wird das Kind nach dem Beruf eingestuft. Wir stufen uns auch nach dem
Beruf hierarchisch, also schichtmässig ein. Und in unserer westlichen Welt ist der
intellektuelle Beruf, also das Studieren, höher gewertet als der handwerkliche Beruf.
Das führt zum Teil so weit, dass es gar keine Handwerker mehr gibt. Oder dass sie für
den schlechten Lohn nicht arbeiten wollen und dass es sehr viele Arbeitslose
Intellektuelle gibt. In Spanien zum Beispiel, wahrscheinlich in Südamerika, in England
zum Teil und das ist ein Trend, der nicht nur gesund ist. Man sieht, dass die universitäre
Weiterbildung, auch sehr stark hoch gewertet wird. Heutzutage gibt es nicht nur Unis,
sondern auch Fachhochschulen. Und die sind aus dem Boden geschossen wie Pilze im
Regen. Und manchmal finde ich, dass wir das Intellektuelle viel zu hoch werten und das
Handwerkliche nicht mehr genügend werten. Sie sind alle mehr im handwerklichen
Bereich tätig. Ich möchte das hochwerten, denn das ist etwas ganz Wichtiges. Rein
psychologisch sehen wir auch, dass die heutigen Kinder nur noch am iPhone oder am
Tögglen sind. Handwerklich oder motorisch sind sie dann oft hinten drein. Und zum
Mensch gehört sowohl der Körper, seine Beweglichkeit und nicht nur das Hirn. Aber das
ist ein Trend, der läuft, dem ich immer wieder versuche, entgegenzuwirken. Jetzt
Berufsfindung ist ein ganz heikler Moment, denn wie gesagt, man definiert sich dann
über den Beruf. Früher lief es so, dass man den Beruf des Vaters als Bub einfach
übernommen hat. Oder man ist ins väterliche Geschäft eingestiegen. Dann wusste
man, was man machen muss. Die Tradition ist schon da, man kennt schon alles. Das ist
relativ einfach. Es gab immer Aussteiger, die nicht eingestiegen sind und dann etwas
ganz anderes gemacht haben. Während der Berufsfindung, wenn die Eltern etwas vom
Kind wünschen, was es lernt. In der Regel haben Eltern die Haltung, das Kind müsse
mehr sein, als sie sind. Also möglichst auf der gleichen Stufe oder noch aufsteigen.
Aber das geht nicht immer. Man kann nicht immer aufsteigen. Vielleicht passt auch der
Beruf, den die Eltern haben, gar nicht zum Kind. Wenn das Kind sensibel ist, nimmt es
wahr, was die Eltern wollen. Dann kann es dagegen oppositionieren. Also einfach das
nicht übernehmen und verweigern. Oder es kann etwas ganz anderes wählen. Ich habe
mich viel mit Schizophrenie befasst. Hier sieht man den Anfang einer psychischen

Krankheit. Es dekompensieren, es zusammenbrechen, oft im Rahmen der
Berufsfindung. Wenn die Kinder eine verpasste Berufsfindung haben, wenn der junge
Mensch nicht das machen kann, was sich die Eltern vorstellen, oder wenn die Eltern
kein Vorbild sind für das, was er oder sie möchte, dann sind sie so wie im No Man's
Land. Und wenn man in diesem No Man's Land landet, kann man einfach alles
verweigern und gar nichts machen, denn kann niemand mit einem verrückt sein, dass
man das Falsche gemacht hat. Aber nichts zu machen ist natürlich das Schlimmste.
Aber häufig haben sie Angst davor, dass sie verurteilt werden oder Angst davor, dass
sie nicht erfolgreich sein werden, weil sie die Eltern nicht unterstützen. Es gibt auch
solche, die das machen, was die Eltern ihnen vorschlagen oder denken. Kinder sind
sehr sensibel, die merken, was der Wunsch der Eltern ist. Dann machen sie das, was
die Eltern wollen, und denken, die Eltern seien zufrieden. Wenn das zu dem Wesen
passt, ist das alles okay. Wenn es aber nicht passt, läuft das Kind in eine
Selbstverleugnung hinein. Also der Jugendliche natürlich. Also geht gegen sich selber
vor und will den Eltern gefallen. Und wir haben, vielleicht nicht mit Ihnen, aber in diesem
Raum schon mehrmals hatten wir es vom ADHS. Und die ADHS Kinder sind ganz
speziell sensibel auf das, was das Umfeld wünscht und möchte und denkt. Und die
laufen eher in der Gefahr, dass sie das machen, was man von ihnen wünscht und nicht
das, was sie eigentlich selber wollen. Und im Augenblick, wo man sich verleugnen
muss, um seinem Umfeld, seinem nächsten Umfeld zu gefallen, oder wo man einfach
macht, was die Kollegen machen, weil man dann so schön in der Schafherde mitlaufen
kann, dann passiert eine Selbstverleugnung. Und sobald man sich selbst verleugnet,
respektive sich selbst gar nicht wahrnimmt, dann kann man keinen Selbstwert
entwickeln. Denn wenn man etwas «contrecœur» macht, was eigentlich nicht zu einem
passt, dann weiss man gar nicht recht, wer man ist. Also es wäre Anpassung versus
Selbstverwirklichung. Und die, die sich dann eher anpassen an die Wünsche des
Umfeldes oder an die Situation; früher haben die Berufsberater gesagt, ja, dort hat es
noch Stellen frei, dort haben sie die Chance. Und dann wurde nicht nach der Fähigkeit,
nach der Eignung und Neigung des Kindes gewählt. Und wenn man brav und gehorsam
erzogen wird, dann folgt man dem und später findet man dann eine schlechte Situation
vor. Ich hatte einen Patienten, ich weiss nicht mehr genau, was der eigentlich machen
wollte, aber er hat das gelernt, was seine Mutter ihn vorgeschlagen hat, weil sie dachte,
er hätte er einen guten Job und eine Staatsstelle, dann könnte er immer gut überleben.
Er hat die Stelle fertig, also die Lehre fertig gemacht und dann nie auf den Beruf
gekommen. Er wurde drogensüchtig, und invalid und hat nie gearbeitet. Ich kenne eine
andere Geschichte. Einer wollte immer Gärtner werden. Die Mutter sagte, das bringe
nichts. "Da kannst du nicht leben, da verdienst du nichts." Er hat dann irgendetwas
anderes gelernt. Und jetzt kommt eine verrückte Geschichte. Er beging dann eine
Straftat. Ich glaube sogar einen Mord oder eine schlimmere Straftat. Er kam ins
Gefängnis und lernte da den Gärtner. Er musste über diesen Umweg zu seiner
Berufsfindung kommen. Das ist natürlich kein guter Weg. In diesem Sinne ist es wichtig,
wenn ich mit Eltern von jungen Menschen arbeite, die ihre Berufswahl treffen sollten,
dass ich sage, haltet euch zurück, ihr dürft Eure Meinung sagen, aber setzt keinen
Druck auf. Wenn von aussen her auf die jungen Menschen Druck aufgesetzt wird, dann
wissen sie gar nicht recht, was sie wollen und am Schluss enden sie irgendwo im
Dschungel und haben dann gar nichts. Jetzt läuft es natürlich nicht immer so ideal.

Nicht alle Eltern können das, sie meinen es ja immer nur gut. Sie wollen dem Kind
einen guten Weg zeigen. Und dann enden die jungen Menschen irgendwo im
Niemandsland. Und sie haben wahrscheinlich eher mit denen zu tun. Nehme ich jetzt
an. Dass sie viele Leute haben, die ihren Fokus nicht gefunden haben, ihre Berufswahl
nicht richtig gefunden haben. Und dann ist die Frage, wo gehen wir jetzt hin? Und klar,
sie kommen von ihrer Erfahrung her, sie haben ein gewisses Angebot und vielleicht
finden dann ihre Klienten, nein, das will ich eigentlich nicht, aber sie müssen, weil man
ja berufliche Eingliederung macht. Und dann ist man wieder auf Kriegsfuss.

Dr.med. Ursula Davatz (09:38)
Da denke ich, lohnt es sich, dass sie ihre Klienten fragen, wo du noch in der Pubertät
warst, oder von 12 bis 16 oder bis 18 oder bis 20. Was hättest du gerne werden wollen?
Was war dein Traumberuf? Teile wissen es nicht, aber viele haben eine Vorstellung,
was sie gerne werden wollen. Und dann, die zweite Frage wäre, was hat dein Vater
wollen, dass du wirst? Ich weiss es nicht. Du hast sicher eine Ahnung. Also das man
nach der Erwartungshaltung der Eltern fragt. Der Vater. Und was hat deine Mutter
gewollt? Und zum Teil ist das überhaupt nicht kongruent. Die Mutter will vielleicht, dass
man irgendeinen sozialen Beruf nimmt. Und der Vater will, dass man einen technischen
Beruf wählt. Dann kann man sehen, was die Einflüsse von hinterher sind. Und dann
kann man wieder zurückgehen. Und dann kann man natürlich hören, was der junge
Mensch oder bei ihm schon der Erwachsene oder vielleicht schon ältere Mensch
wollen. Und dann kann man wieder fragen, und wenn du jetzt überlegst, was du gerne
möchtest. Es ist gut, wenn man die Einflüsse, die von hinterher gewirkt haben, von
hinten her abfragt und dann vergleicht mit dem, was die Person bei ihnen möchte. Sie
müssen ein wenig Geduld haben, dass sie sich getraut, das zu sagen.

Dr.med. Ursula Davatz (11:10)
Ich schreibe oft in der Anamnese auf, wenn ich die Geschichte aufnehme von den
Leuten: was war ihr Berufswunsch? Und da erkenne ich die Leute auch, was sie für
Träume haben. Jetzt die Träume, die sie hatten, das können natürlich auch
Kinderträume sein. Es können vielleicht Sachen sein, die diese Person nie erreichen
konnte, aber es ist dennoch wichtig, welche Träume sie hatten. Die Jungs wollten oft
Pilot werden, ich weiss nicht, was die Frauen werden wollten. Krankenschwester? Es
gibt auch noch andere Berufe. In dem sie diesen Traum erfragen, lernen sie den
Menschen ein bisschen besser kennen. Man sagt ja auch: "sage mir, mit wem du gehst,
und ich sage dir, wer du bist". Man könnte sagen: "sage mir, was du dir wünschst, und
ich weiss, wer du bist". So lernt man persönlich jemand kennen. Es ist nicht immer
möglich, dass man das noch werden kann, was man als Kindertraum hatte. Aber es ist
hilfreich, zu schauen, was in die Nähe kommt. Ich hatte letztens eine Patientin, die
sagte, sie wolle immer schon als Kind Tierärztin werden. Aber da muss man eine Matur
haben, die habe ich nicht. Und da haben sie mich gefragt, was wäre jetzt noch möglich?
Und jetzt sagen sie, vielleicht kann ich Tierpflegerin werden oder bei einem Tierarzt
arbeiten.

Dr.med. Ursula Davatz (12:44)

Also, dass man einen Beruf im ähnlichen Gebiet sucht und schaut, ob dort noch eine
Möglichkeit wäre. Wenn das alles schon vorbei ist, dass man nichts mehr lernen kann,
sondern es ist nur noch eine Beschäftigung, wenn sie schon ältere Leute haben, dann
kann man dennoch fragen, was sie gerne gemacht hätten. Und dann kann man
schauen, ob man das in Form eines Hobbys noch verwirklichen kann. Wenn man gerne
Musiker geworden wäre, kann man vielleicht noch sein Instrument spielen lernen.
Berufsmusiker wird man nicht mehr mit 50, aber man kann mit 50 noch etwas lernen.
Also, dass man die Wünsche, die in diesen Menschen stecken, nicht einfach abtut,
sondern dass man die in einer einfacheren Ausformung angeht. Denn immer, wenn der
Mensch sich ernst genommen fühlt in seinen Wünschen, dann stärkt das sein
Selbstwertgefühl. Wenn das Thema Selbstvertrauen und Selbstwert heisst, wenn man
den Beruf ausüben kann, den man gerne macht, oder mindestens davon reden kann,
den man gerne gemacht hat, dann empfindet man mehr Selbstwert. Ideal sind die
Leute, die einen Beruf finden, der ihnen wirklich entspricht, den sie lieben. Dann haben
sie einen guten Selbstwert. Dann sind sie nicht so leicht erschütterbar. Und auch ein
gutes Selbstvertrauen.

Dr.med. Ursula Davatz (14:25)
Aber sie haben sicher nicht die Leute unter sich. Sie können bei sich schauen, ob den
Beruf gewählt haben, den sie mögen. Das ist auch eine Möglichkeit. Aber die Leute, die
sie begleiten, sind wahrscheinlich eben. Wenn man das wählen konnte, was man immer
wollte und dann sogar noch erfolgreich ist, das ist ganz klar. Das gibt den grössten
Selbstwert. Aber die Leute, die sie betreuen haben, konnten sich in der Regel nicht
verwirklichen. Deshalb muss man eine Eingliederung mit ihnen machen. Dort muss man
wahrscheinlich schauen, welche Berufe sie als Traum im Kopf hatten, die sie nicht
verwirklichen konnten, sie auf den Boden runterholen. Man kann das Leben lang
träumen von einem Beruf, der nie möglich gewesen wäre und dann verhindert man,
dass man hier noch etwas macht. Und das ist nicht sehr hilfreich. Aber Sie können Ihre
Klienten dennoch abholen in dem Gebiet, in dem Sie gerne hätten arbeiten wollen. Und
indem man über diese Träume spricht, verlieren sie an Behinderung oder an Virulenz,
also an Störfaktoren. Ich mache das sogar bei den ganz alten Leuten, die schon am
Adieu sagen sind. Wenn sie unzufrieden sind, frage ich, was sie gerne hätten werden
wollen oder wenn hätten Sie gerne heiraten wollen?. Oft ist das auch ein Problem.

Dr.med. Ursula Davatz (16:23)
Indem man die enttäuschten Wünsche abfragt, sind sie nicht mehr so störend. Also
verlieren sie an pathologischer Wirklichkeit. Darum frage ich auch. Hier kann ich
vielleicht etwas sagen. Ich habe ein paar Broschüren mitgebracht, hier heisst es: Wenn
aus der Kränkung Verbitterung wird. Und wenn man nicht das wählen kann, was man
eigentlich gerne möchte, dann kann man sein Leben lang dem nachhängen, ich hätte
doch können, ich hätte doch wollen, ich hätte doch dürfen. Und wenn das einem bleibt,
dann ist man immer unzufrieden mit dem, was man hat. Das ist die Geschichte von
Hans im Schneckenloch. Er hat alles, was er will. Und was er will, hat er nicht. Und was
er hat, will er nicht. Man ist immer auf Doppelgleis. Man ist immer ein bisschen neben
den Schuhen. Sie haben wahrscheinlich einige von diesen Leuten, die ein wenig neben
ihren Schuhen sind. Und entweder muss man die anderen Schuhe aufgeben und

sagen, das war einmal, aber nein, jetzt muss ich muss akzeptieren, dass das nicht geht.
Was mache ich aus dem, was jetzt hier noch möglich ist? Ich denke, das ist die grosse
Kunst, dass Sie diesen Leuten helfen, zu schauen, was noch möglich ist. Ein bisschen
weg von diesen hohen Erwartungen.

Dr.med. Ursula Davatz (17:44)
Sensible Menschen spüren, was ihre Eltern wollen und auch, was sie wollen oder
finden. Es ist wichtig, dass sie das herausholen. Sie müssen das herausholen. Sie
müssen offen darüber sprechen. Sie dürfen auch ihre Meinung sagen, was sie finden
und was zu dem Menschen passt. Sie erleben ja auch ihre Kunden auch. Das ist
absolut in Ordnung. Auch wenn es überhaupt nicht übereinstimmt mit dem, was diese
Person möchte. Je nachdem kann man miteinander einen Weg finden. Ich habe einmal
einem Klienten, er müsse künden. Weil ich fand, er sei überhaupt nicht in seinem Beruf.
Manchmal hat man so Intuitionen. Er lief dann raus, das war nur eine einzige Stunde. Er
lief raus und dachte die spinnt, was fällt ihr ein, das einfach so zu sagen. Aber er hat
einen Prozess durchgemacht. Er kündigte dann. Er begann einen anderen Beruf
angefangen, hat noch die Matur gemacht, hat studiert und hat jetzt den Beruf, der zu
ihm passt. Wenn sie eine Intuition haben bei einem Kunden, ich denke, sie dürfen das
sagen. Sie dürfen es nur nicht als Dogma sagen: "du musst unbedingt das machen".
Aber sie sind ja auch nicht die Eltern. Von daher können sie ruhig ihre Ideen sagen. In
dem man den Menschen wahrnimmt und dem irgendetwas attribuiert, also zuordnet, hat
man das Gefühl, man nimmt ihn ernst und denkt über ihn nach.

Dr.med. Ursula Davatz (19:28)
Ich frage häufig, wenn Jugendliche nicht wissen, wo sie hingehen sollten. Das heisst,
wenn sie psychisch krank sind. Man will ja dann immer, dass etwas gemacht wird. Wir
sind ja eine geschäftige Gesellschaft. Ich frage jeweils den Vater: "Was finden Sie, dass
zu Ihrem Sohn oder Tochter passen würde?" Und ich frage die Mutter. Also, ich
animiere sie auch, dass sie etwas sagen. Und sie kennen ja, das Kind. Und so, denke
ich, dürften auch sie ihre Intuition walten lassen und sagen, "Ich finde, zu Ihnen würde
das passen." Ich denke, das ist nicht vermessen. Sie dürfen nur nicht erwarten, dass er
dann genau das macht. Aber es gibt eine Interaktion. Sie nehmen die Person wahr, sie
sagen etwas und vielleicht fragt dann die Person zurück, warum sie das so findet. Wie
kamst du jetzt auf das? Und dann gibt es wieder eine Diskussion. Und vielleicht geht
man dann weiter mit dieser Diskussion und landet irgendwo anders. Damit ein Mensch
seinen Berufsfokus findet, braucht er genügend Raum zum Überlegen. Er braucht
genügend Raum, um sich überhaupt zu wahrzunehmen. Wenn man ständig auf jemand
einredet und drückt, dann kann er sich nicht so gut wahrnehmen. Sie sind natürlich
verpflichtet, mit jemandem zu arbeiten. Dann könnte man sagen, ich weiss nicht, was
dein Beruf ist oder was zu Dir passt, aber jetzt machen wir halt mal das. Lieber das
machen, als nichts zu tun und vielleicht kommt es dann schon hinten hervor, was du
eigentlich wirklich möchtest. Also zu Hause zu sitzen und zu studieren, was der beste
Beruf für mich wäre, da kommt man in der Regel nicht weit. Und da habe ich einige
Jugendliche, die das machen und sagen, solange ich noch nicht genau weiss, was ich
machen möchte, mache ich einfach nichts. Und da kann man sagen, nein, und dann
bringe ich wieder ein Sprichwort: "Probieren geht über studieren". Also, indem man

dann irgendetwas macht, findet man, was man nicht will, und vielleicht kommt dann
eher die Idee, was man will. Aber zu Hause im Bett studieren, was eigentlich das Töllste
wäre für einen, bringt einem überhaupt nicht weiter. Wenn sie zu Hause sind, dürfen sie
mit den Leuten auch das machen, was sie anbieten können, und sagen, vielleicht siehst
du schon etwas, vielleicht kommt dir etwas in den Sinn. Aber es ist sicher besser, wenn
du jetzt etwas machst, als wenn du einfach nichts machst. Und das gerade bei den
psychisch Kranken, da habe ich viele von denen, gerade bei den Jugendlichen, die
dann einfach zu Hause rumliegen und studieren oder sich mit Gamen ablenken.

Dr.med. Ursula Davatz (22:28)
Über das Gamen lernt man keine Berufsfindung. Respektive da werden alle
supergescheit und der Schnellste und der Beste. Sie lernen Shooter Games oder
Ausspielgames. Aber da lernen sie eigentlich nur das, was das Game ihnen vorschreibt.
Mit dem Gamen aktivieren sie ihr Hirn nicht auf eine individuelle Art und Weise. Ich
möchte natürlich für jeden Menschen individuell das Beste aus ihm rausholen, oder aus
ihr, was sie für Neigungen und Eignungen hat. Und eine gelungene Berufswahl, ein
eigener Fokus auf etwas, was man gerne macht, ist etwas ganz Tolles. Das gibt
Selbstwertgefühl, das gibt Selbstsicherheit und nicht nur das, es gibt auch Gesundheit.
Und da bringe ich immer wieder das Konzept der Eudaimonic Happiness und Hedonic
Happiness. Eudaimonic Glücklichkeit ist, dass man Freude an dem, was man macht.
Und indem man Freude hat an dem, was man macht, das regt das Immunsystem gut
an. Dann wird man weniger krank. Wenn man etwas macht, bei dem man eine hohe
Einschaltquote hat, also lauter Ups, das macht das Immunsystem nicht gesund. Das
reagiert überhaupt nicht darauf. Das ist eine kurze Freude, ein kurzer Erfolg, aber der
Körper reagiert nicht darauf. Und in dem Sinn bringt, wenn man das machen kann, was
man gerne macht, oder man Freude an dem bekommt, was man macht, das ist auch
möglich, dann tut das nicht nur etwas für den Selbstwert und für das Selbstwertgefühl
und die Selbstsicherheit, sondern es tut auch etwas für die Gesundheit. Und ich denke,
das ist dann ganzheitlich und in dem Sinne ist es natürlich hilfreich, wenn Sie gewissen
Leuten helfen können, auf dem Weg, wo Sie etwas gerne machen, wo Sie Freude
daran haben, tun Sie nicht nur etwas für das Selbstwertgefühl, sondern auch für die
Selbstgesundheit. Das wären so meine Gedanken. Und jetzt möchte ich Ihnen die
Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Ist das gut? Ich frage zuerst diese Runde. Sie
sind näher bei mir. Wer hat etwas zu fragen oder auch ergänzen, bemerken? Ihre Frage
stellen dürfen sie auch. Wer hat eine Situation von jemandem, den sie beruflich
eingeliedern möchten und es funktioniert nicht recht? Wir können immer an schwierigen
Fällen lernen. Oder sind Sie alle erfolgreich? Können Sie alle in die Arbeitswelt
integrieren?

Bemerkung 1 (25:55)
Wir haben einen Jugendlichen.

Dr.med. Ursula Davatz (25:58)
Wie alt ist er?

Bemerkung 1 (26:01)

16 Jahre.

Dr.med. Ursula Davatz (26:02)
Sehr jung noch.

Bemerkung 1 (26:03)
Er ist sehr von seinem Mobile abhängig. Sehr, sehr. Wenn wir ihm das Mobile nicht
wegnehmen, ist er zu nichts fähig. Er hat eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Er
hat ADHS und Autismus.

Dr.med. Ursula Davatz (26:44)
Ich erkläre es dann.

Bemerkung 1 (26:44)
Wir haben jetzt die Schwierigkeit ihn für etwas zu motivieren, für eine Tätigkeit selber.
Ihn zur Selbständikeit zu motivieren.

Dr.med. Ursula Davatz (27:00)
Ich würde vielleicht Ietwas zu ADHS und Autismus sagen? ADHS Menschen und der
Jugendliche ist 16 Jahre alt. Und ist immer am Handy und am Gamen.

Bemerkung 1 (27:15)
Ausserhalb der Arbeitszeit ist er immer am Mobile. Während der Arbeitszeit muss er
sein Handy abgeben. Aber er macht es mittlerweile etwas freiwilliger. Es gab auch
Zeiten, wo es bis zum 10 Uhr nicht abgegeben hat.

Dr.med. Ursula Davatz (27:34)
Schon mal ein Erfolg.

Bemerkung 1 (27:34)
Bitte nochmals wiederholen.

Dr.med. Ursula Davatz (27:41)
Der Jugendliche gibt sein Mobile nicht ab, aber jetzt gibt es schon mehr freiwillig ab.
Vorher gab es nur immer erst um 10 Uhr ab. Und jetzt gibt er es schon am Anfang ab.
Am Morgen, wenn sie anfangen.

Bemerkung 1 (27:55)
In den ersten 10 Minuten.

Dr.med. Ursula Davatz (27:55)
In den ersten 10 Minuten. Ist ein Erfolg. Jetzt etwas zu ADHS. ADHSler zeichnen sich ja
aus durch hohe Sensibilität. Das sagt man oft eben nicht. Aber die sind sehr empfindlich
auf negative Sachen. Sie nehmen alles gerade wahr. Sie nehmen auch wahr, wenn sie
schlecht auf ihn gestimmt sind usw. Sie nehmen ihr Umfeld sehr stark wahr. Stärker als
Normotypen. Von daher sind sie sehr verletzlich. Früher hat man sogar gesagt,

ADHSler sollen eher mit dem Computer lernen. Denn der Computer wird nie verrückt.
Der flucht nicht. Der sagt nur, does not compute. Probier es. Try it again. Mach es
nochmals. Der Computer ist emotional neutral. Es geht einfach nicht weiter. Wir
Menschen haben die Tendenz, zu reagieren. Das konntest du schon beim dritten Mal
nicht. Wann begreifst Du es endlich? So haben sie es meistens zu Hause erlebt oder
vielleicht auch in der Schule. Und mit dem Handy oder mit dem Computer ist die
Antwort vorhersehbar. Und mit der Zeit lernt man das System und dann kann man den
genau handhaben. Aber sie sind halt nicht wie ein Computer. Sie reagieren emotional,
Gott sei Dank. Und er muss lernen, mit dem umzugehen. Und wenn man dem jetzt
sagt, er sei autistisch, sie sagen es richtig, es sind ja eigentlich zwei Gegensätze. Bei
ADHS sagt man extrovertiert, redet immer, geht auf einen los, wird aggressiv. Der Autist
ist genau das Gegenteil, der zieht sich zurück, der flüchtet nach innen. Und diese Flucht
nach innen ist eine Reaktion auf das, dass man sehr häufig angelaufen ist. Also viel
kritisiert worden ist, nicht recht gewesen war, so wie man war. Und dann ist das
natürlich eine Abwehrstrategie, ich flüchte nach innen. Dann kann mir niemand mehr
etwas sagen. Dann werde ich nicht mehr kritisiert. Jetzt. Der ist jung, erst 16, der muss
ja noch etwas lernen. Und von dort her können sie ruhig als Vorgesetzte sagen: Du bist
mir wichtig und ich will, dass Du etwas lernst. Das Mobile trimmt dich nur auf die
Algorithmen, die in der Software sind. Dann bist du ein Schemamensch, Du wirst zum
Computer. Das ist nicht interessant. Der Mensch ist immer noch besser als jegliche gute
künstliche Intelligenz. Ich will aus dir einen kompetenten Menschen machen. Darum
nehme ich dir das Mobile weg. Das ist nicht, dass ich böse bin auf dich und dir etwas
nicht gönne. Ich nehme es dir weg, damit du lernen kannst. Und ich will, dass du lernst.
Und dann, was willst du ihm beibringen? Was wollen Sie ihm beibringen?

Bemerkung 1 (31:03)
Ich bin im Allround Service tätig. Aber ich nehme nicht an, dass er einen Job in unserem
Fachbereich oder im allgemeinen handwerklichen Bereich für ihn geeignet ist.

Dr.med. Ursula Davatz (31:15)
Was wäre für ihn geeignet?

Bemerkung 1 (31:19)
Er ist sehr in der IT Branche tätig. Er hat auch bei der ABB geschnuppert. Alstom auch.
Er geht mehr in diese Richtung, was wir in unserem Bereich noch nicht anbieten
können.

Dr.med. Ursula Davatz (31:32)
Da würde ich sagen, Du bist zwar sehr begabt in der IT Branche, aber du bist noch
nicht lebensfähig. Was wir hier machen, ist dich lebensfähig zu machen. Es gibt so viele
IT Nerds, die gar nicht lebensfähig sind. Das findest du auch keine gute Frau. Ja, man
kann ja mit dem locken. Und darum wollen wir dich jetzt ein wenig lebenstauglich
machen. Denn du hast die Tendenz, dich zurückzuziehen, wenn etwas neu ist und dir
nicht gerade passt und du kennst es noch nicht. Du musst jetzt hier lernen. Und zum
Beispiel, wenn man einen sensiblen Hund hat, dann geht man auch mit ihm auf die
Strasse, man geht Zug fahren etc. Das Gleiche mit dem Pferd. Also auch Tiere müssen

lernen, mit all diesen Dingen umzugehen. Sie sind der Meister, der ihm eine
Lebenstauglichkeit beibringt. Er muss überhaupt nicht auf dem bleiben, aber er kann
etwas lernen. So sind sie ein guter Coach. Sie sind mehr ein Lebenscoach als ein
Berufscoach. Und dann in der IT Branche hat er vielleicht einen Chef, der dann ein
bisschen unangenehm ist. Und nachher bricht er zusammen und kann nichts mehr
machen. Da gibt die Geschichte von Linus Torwalds. Sie wissen, wer es ist. Der Finn,
der das Linux System erfunden hat. Und die haben eine offene Community, es ist Open
Source. Und da dürfen alle immer sagen, was sie finden und wie man es verbessern
kann. Also es arbeiten alle immer an diesen Programmen. Linus Torvalds hatte selber
kein gutes Benehmen. Er hat seine Leute zusammengestaucht, wie weiss ich nicht was,
sodass Frauen gesagt haben, da schaffe ich nicht mehr. Mit dem arbeite ich nicht mehr,
das will ich nicht. Und dann, eines schönen Tages, hat er gefunden, er müsse jetzt in
sich gehen. Das war vor zwei, drei Jahren. Und dann ist er aus der Community
ausgestiegen und hat, weiss ich nicht, was, Psychotherapie gemacht. Auf jeden Fall hat
er gesagt, er wolle in sich gehen. Denn es sei nicht in Ordnung, wie er die Leute
behandelt hat. Und das war richtig. Aber solche kann man auch sonst antreffen in der IT
Welt. Oder andere Vorgesetzte. Es ist kein Honigfleck, auch wenn man im IT Bereich
ist. Er muss ein wenig resistent werden. Dafür sind sie gut dafür. Ich kann noch ein
Beispiel aus der Allergologie bringen. Man sagt, wenn Kinder sehr hygienisch
aufgezogen werden, sind sie viel mehr allergisch später. Wir müssen lernen, mit
Bakterien und Viren umzugehen, unser Körper muss das lernen. Und Sie sagen jetzt
dem, dass sie ihn resistent machen wollen im Leben. Wenn du noch so gut bist als IT
Mensch, dann überlebst du nicht. Macht das Sinn?

Bemerkung 1 (34:48)
Ja!

Dr.med. Ursula Davatz (34:48)
Sind sie so ein wenig motiviert, den an der Hand zu nehmen?

Bemerkung 1 (35:00)
Heute Abend nicht mehr. Morgen wieder.

Dr.med. Ursula Davatz (35:00)
Aber ja, denn da haben sie eine ganz tolle Aufgabe. Der verschlauft sich einfach in
seinen Autismus, hat eine schöne Diagnose. Ich bin halt autistisch, darum kann ich
nicht. Nein, das ist überhaupt nicht erlaubt. Eine psychiatrische Diagnose ist kein
Freipass, um nicht mehr mitzumachen. Im Gegenteil, daran wird gearbeitet.

Bemerkung 1 (35:21)
Heute konnte ich mich ausruhen.

Dr.med. Ursula Davatz (35:21)
Da kommen sie Morgen frisch und motiviert und sagen, sie ziehen ihn ein wenig mit. Ja,
dass sie sagen, sie seien sehr motiviert, ihnen das Leben beizubringen. Und solche
Leute muss man auch anstecken. Wenn sie selber motiviert sind, spürt er das, dann

macht er eher mit. Wenn es ihnen stinkt, ist er gerade angesteckt, dann bremst er noch
mehr. Sie können jeden Tag wieder überlegen, wie sie ihn motivieren. Es ist wirklich ein
Einführen ins Leben. Damit er dann im Beruf taugt. Ja.

Bemerkung 2 (36:28)
Wir haben einen Klienten, einen Lernenden. Er hat die richtige Berufswahl getätigt. Er
fühlt sich wohl in dem Beruf.

Dr.med. Ursula Davatz (36:49)
Okay. Was ist es?

Bemerkung 2 (36:51)
Gartenbau. Die Person hat auch autistische Züge und wurde in der Vergangenheit
oftmals fallengelassen. Wir haben gesagt, dass wir alles investieren und wir wollen für
dich da sein und zusammen kriegen wir das hin. Es war dann so, dass der Lernenden
sich immer mehr zurückzieht und wir gar nicht mehr an ihn herankommen. Er hat auch
abgehängt hat, gar nicht mehr kommt. Obwohl wir mit verschiedenen Sachen
versuchen, ihn dabei zu behalten, ist es von ihm aus, dass er sich einschachtelt, gar
nicht mehr aus dem Zimmer kommt. Selbst die Eltern kommen nicht mehr rein, obwohl
sie uns unterstützen. Der Lernende hängt ab. Was kann man da machen? Er tut sich
immer wieder selbst ins Aus stellen, in dem er zu viel nachdenkt. Er denkt ich will
nachher noch das und das lernen und dann kommt noch das Militär und und und.
Anstatt dass er sich auf dem Moment konzentriert.

Dr.med. Ursula Davatz (38:21)
Okay, ich sage vielleicht zuerst wieder etwas Allgemeines. Aber der junge Mann hat
Gartenbau gelernt. Er sagt, das sei der Beruf, den er gerne hätte. Das stimmt. Er hat
den richtigen Beruf. Wir sind ein wenig ähnlich wie beim vorhergehenden Beispiel.
Wenn Leute gerne im Garten mit Pflanzen arbeiten, sage ich immer, sie seien so ruhig,
die fluchen nicht. Die gehen vielleicht ein, wenn man etwas falsch macht. Aber sie
sprechen nicht zurück. Und er hat das gewählt, weil Pflanzen so tolerant sind. Aber es
gibt nicht nur Garten, es gibt auch Menschen. Und der muss jetzt noch lernen, dasselbe
wie bei dem anderen, den wir vorher hatten, der muss auch noch lernen, mit Menschen
umzugehen. Und mit Menschen zieht er sich einfach zurück und denkt, er könne seinen
Beruf ausüben ohne Menschen. Auch er muss lernen, mit Menschen umzugehen. Und
von dort her müsste man fragen, wie kann dich ein Mensch oder wie könnte dich der
Mensch am meisten beleidigen, verletzen. Also das Worst Case Szenario. Und dann
langsam, also da geht es auch wieder um eine Desensibilisierung, dass er als soziale
Verhaltensweise nicht nur Rückzug macht, sondern auch lernt, mit etwas umzugehen.
Da sind sie fast so ein wenig Therapeuten. Da müssen sie ihn wirklich fragen, wo wurde
er beleidigt, was hat ihn gekränkt und wie können wir jetzt wieder an das hingehen. Ich
weiss nicht, Sie haben gesagt, die Eltern kommen auch nicht mehr an ihn ran. Falls die
Eltern viel an ihm herummachen, weil sie ihm ja helfen wollen, müsste man die Eltern
eher zurückbinden und ihnen überlassen, wie sie diesen jungen Mann ins Leben
herausführen. Von den Eltern sollte man sich ja eigentlich loslösen. Und wenn die
einem helfen wollen beim Loslösen, das ist ein Paradoxon, also das ist ein Double Bind.

Wenn Eltern sagen, ich will, dass du unabhängig wirst, sobald man sagt, ich will, dass
du unabhängig wirst, bindet man sie schon wieder an. Und letztens hat mir eine
Patientin gesagt, ja, sie gehe jetzt dort arbeiten, aber es störe sie, dass der Vater
Freude hat, dass sie arbeiten geht. Es störe sie, dass sie es nicht für sich macht. Da
sagte ich, sie müsse mit dem Vater darüber reden und sich darüber lustig machen. Der
Vater hat selber auch schon gesagt, gell Du hast nicht gerne wenn ich Freude habe,
wenn Du arbeiten gehst. Das haben ein bisschen erlickt. Das war eine Patientin, die
jahrelang nicht mehr mit dem Vater gesprochen haben, weil sie so verrückt war. Aber
jetzt kann sie mindestens sprechen mit ihm. Ich denke, mit dem müssen sie auch
wieder an dem menschlichen Kontakt arbeiten. Und fragen, vor was hat er Angst? Wo
wurde er am meisten gekränkt? Da sind Sie eher Lebensbegleiter als Berufsbegleiter.
Macht das Sinn für sie?

Bemerkung 2 (41:32)
Das macht durchaus Sinn für mich. Für mich ist mehr die Frage, ob man gar nicht mehr
die Chance hat, zu solchen Prozessen zu gehen. Müssen wir versuchen,
aufrechtzuerhalten oder erst recht reinzugehen? Oder machen wir dann noch kaputt.

Dr.med. Ursula Davatz (41:48)
Nein, kaputt machen sie nichts. Alles, was sie wohlwollend machen, aber möglichst
ohne Druck. Also einfach im Sinne von Begegnung, Berührung. Ohne "Du musst, du
sollst". Ist gut. Aber schauen Sie mal, wie fest die Eltern hinten dran sind. Und die muss
man ein wenig rausnehmen können. Wenn die Eltern das machen und sie kommen
auch noch, dann denkt er nur, sie seien die rechte Hand der Eltern. Und das bringt es
nicht. Wahrscheinlich sind die Eltern auch noch stark hinten dran. Die muss man eher
zurücknehmen. Das ist oft meine Aufgabe, dass ich die Eltern sehr zurücknehmen
muss. Haben Sie eine Ahnugn wie stakr die Eltern hinten dran sind?

Bemerkung 2 (42:36)
Das kann ich so gar nicht beurteilen.

Dr.med. Ursula Davatz (42:41)
Fragen Sie das die Eltern mal! Sie dürfen auf sich hören. Intuition. Sie können nichts
kaputt machen, wenn Widerstand kommt, dann haben sie wieder ein wenig Geduld und
dann versuchen sie wieder. Sie machen nichts kaputt. Einfach nicht forcieren.

Bemerkung 3 (43:03)
Sie haben gesagt, wenn man leidenschaftlich etwas im Beruf machen kann, dann wirkt
sich das positiv auf die Gesundheit aus.

Dr.med. Ursula Davatz (43:15)
Jawohl.

Bemerkung 3 (43:18)
Wenn jemand jetzt leidenschaftlich Gamer ist, wirkt sich das nicht auch positiv aus?

Dr.med. Ursula Davatz (43:22)
Nein.

Bemerkung 3 (43:25)
Aber man macht es ja aus derselben Emotion, Überzeugung und Freude? Dann kriegt
man zusätzlich noch die Likes.

Dr.med. Ursula Davatz (43:35)
Wenn man leidenschaftlich gamen tut, wieso ist man dann nicht auch gesund? Wenn
man leidenschaftlich gerne gamen tut, geht alles immer nach einem Schema. Man
gewinnt oder man ist der Gescheitste. Also es ist immer Kompetition und es gibt mehr
Punkte, wenn man nach diesem Schema geht. Man lernt mit der Zeit das Schema
dieses Games gut kennen und dann kann man das machen. Aber es kommt gar nichts
Neues dazu. Es kommt nichts Neues dazu, es ist mehr vom Gleichen. Und in dem Sinn
ist es absolut suchtbildend. Man wird zwar immer besser, aber es ist immer die gleiche
Schiene. Und das ist das Suchtbildende und das ist nicht gesund. Denn wir sind nicht
Roboter. Ich weiss nur, ich habe einen Film angeschaut, der heisst «Anomalia». Das
war ein Film, in dem alle Personen Puppen waren, die gesprochen haben. Roboter. Und
das war so anstrengend. Ich habe immer darauf gewartet, wann der Mensch endlich
kommt. Wann kommt eine normale Person? Bis zum Ende des Films waren alles nur
Puppen. Und es war wirklich anstrengend. Und das immer gleiche, also anhand von
Gegenständen. Wenn ein Gegenstand maschinell gemacht ist, ist er so schön exakt,
wenn ein Gegenstand von Hand gemacht ist, hat es Fehler drin und wirkt lebendig. Und
das Gleiche jetzt hier bei der Interaktion. Die Interaktion ist immer die gleiche. Und ich
habe letztens etwas gelesen über Tiere. Ich weiss nicht mehr genau, was es war, über
Tiere. Alle Tiere, die ganze lebende Welt, lernen gerne. Wir lernen auch gerne, Kinder
lernen gerne. Und von dort her hat man immer die Tendenz, etwas Neues
anzuschauen. Und da hat man gesehen, Tiere haben eher etwas, das sie nicht gekannt
haben, aufgesucht, als das, was sie gekannt haben. Und ich bringe ein Beispiel. Mein
Mann hat einmal ein Experiment gemacht. Er hat in einem Buch mit einem Stift vor
Eseln oder Geissen gezeichnet. Nebenbei war Rüebli, die sie hätten fressen können.
Aber sie interessierten sich nicht für die Rüebli, sondern für den Stift. Das ist das
Novelty Seeking. Menschen wollen lernen und wollen Neues. Wenn sie nur gamen,
lernen sie nichts Neues. Das ist, das verdummt. Ist das so beantwortet? Okay.

Bemerkung 3 (46:37)
Danke.

Dr.med. Ursula Davatz (46:37)
Sie sind schnell mit ihren Daumen, aber sie benutzen nur einen kleinen Teil des Hirns
und nur nach einem gewissen Schema. Es kommt nichts Neues dazu. Es kann nur
immer schneller werden, aber nichts Neues. Durch den Mangel an Neuigkeiten ist es
nicht befriedigend.

Bemerkung 4 (47:00)

Ich hätte eine ergänzende Frage dazu. Ich hatte gerade einen Flüchtling in einer
Potentialabklärung, um zu schauen, was für eine Lehre er machen könnte. Sie kommen
ja schon mit einer Vorstellung, aber die Vorstellung zu erfüllen ist schwierig zum Teil.
Dann habe ich gefragt, wie wäre es, wenn es etwas anderes wäre? Wir haben das
zusammen ein bisschen angeschaut und gesagt, dass es nichts bringt, wenn ich
irgendetwas mache und ich bin dann immer unglücklich. Ich habe aus eigener
Erfahrung meiner Familie ein Beispiel erzählt und gesagt, dass es auch sein kann, dass
sie eine andere Motivation einbringen können. Ich muss ja nicht in diesem Beruf die
absolute Erfüllung finden. Aber ich kann mir die Kompetition, ich kann sagen, ich will der
Beste sein in diesem Klasse, ich will zeigen, dass ich das schaffe. Das kann auch
Motivation sein. Geht es dann in eine Richtung, wie beim Gamen, dass die Kompetition
uns im Prinzip nicht gesund hält?

Dr.med. Ursula Davatz (48:09)
Nein, finde ich nicht. Die Kompetition ist etwas absolut Natürliches. Wir Menschen sind
kompetitive Wesen. Wir wetteifern. Das ist durchaus eine Möglichkeit. Was hätte gerne
werden wollen? Elektriker. Und was haben Sie ihm angeboten?

Bemerkung 4 (48:32)
Ich habe ihn dann gefragt, was sonst noch in Frage kommt. Er hat gesagt, er sei offen
für alles. Logistik wäre auch okay. Einfach nicht im Garten. Es hat jetzt mit dem
Elektriker geklappt, aber vorerst mal für das Schnuppern.

Dr.med. Ursula Davatz (48:57)
Aus welchem Land?

Bemerkung 4 (49:03)
Afghanistan.

Dr.med. Ursula Davatz (49:04)
Also jemand, der aus einem solchen Land kommt, hat eine ganz andere Beziehung zur
Natur. Wir, die schon überstädtert sind, finden die Natur wieder ein Oase und schön.
Die, die Natur und Wild haben, wollen immer etwas, was man in einer Stadt macht.
Dass man den Berufswunsch auch immer aus dem Hintergrund seiner Herkunft
anschaut. Und schauen sich den Hintergrund ihrer Herkunft an. Da haben die Berufe
andere Wertstellungen, andere Stellungen im Wertesystem. Kompetition ist schon in
Ordnung. Wenn es etwas ist wo er auch begabt ist und das lernen kann, dass er
ehrgeizig wird und das gut lernen will, das ist durchaus eine Möglichkeit.

Bemerkung 4 (49:52)
Das stärkt auch das Selbstvertrauen.

Dr.med. Ursula Davatz (49:52)
Auf jeden Fall. Nein, nein, die Kompetition an sich ist nichts Schlechtes. Aber wenn man
nur mit dem Verkauf der Games, also die, die die Games machen, wenn man nur dort in
der Kompetition ist, dann ist man einfach auf einer Spur. In einem Beruf ist es etwas

anderes. Das ist ja nicht immer gleich. Nein, nein, die Kompetition ist schon recht. Das
haben wir alle. Das ist eine Eigenschaft, die uns auch vorwärts bringt. Die westliche
Welt, speziell in Amerika, ist natürlich sehr, sehr gefördert worden. Und manchmal muss
man dann auch wieder sagen, man gehe nicht mit der Herde, sondern schau, was du
brauchst und was für dich gut ist. Und schlussendlich wird man natürlich noch besser,
wenn man auf sich achtet. Und sonst haben wir dann all diese Zivilisationskrankheiten
und dann hat man auch wieder nichts davon. Aber ich bin nicht gegen Kompetition.

Bemerkung 5 (50:59)
Könnte es sein, dass diese Computergames weil sie so unrealistisch sind, also im
Pyjama kann man mit zwei Fingern eine Armee besiegen. Hat es so einen
Zusammenhang. Weil es von der reelen Arbeit ablenkt.

Dr.med. Ursula Davatz (51:17)
Das stimmt, von dort her ist ein solches Game viel weniger komplex. Wenn man im
Pyjama anfängt, ist man schon der Held. Und in der Realität ist das nicht so. Man hat
z.B. Untersuchungen vom Hirn von Kindern gemacht. Wir haben im Hirn ein Netzwerk.
Unser Hirn ist sehr vernetzt. Wenn man die Kinder Games spielen lässt, wurde wenig
von diesem Netzwerk aktiviert worden. Wenn das Kind mit der Mutter interagiert hat,
dann wurde das ganze Netzwerk aktiviert. Von daher verdummt man schon.

Bemerkung 6 (52:11)
Es kommt auf das Mass darauf an. Alles mit Mass ist ok.

Dr.med. Ursula Davatz (52:21)
Klar. Es gibt komplexe Spiele aber sie laufen immer gleich.

Bemerkung 6 (52:21)
Nein heute nicht mehr.

Dr.med. Ursula Davatz (52:38)
Sie meinen wohl Games mit Deep Learning.

Bemerkung 6 (52:48)
Es ist nicht so schlimm, wie man immer sagt. Ich komme sehr stark aus dem Bereich
Games. Ich hatte den Eindruck, dass sie auch sehr stark von Singleplayer Games
reden. Also wo wirklich eine Person alleine das Game spielt. Und das halt relativ
einfach programmiert ist. Aber auch heutzutage ist es fast die Minderheit, kann man fast
sagen, von Games, die gespielt werden, viel grösser und stärker gespielt werden
Multiplayer Games, wo die stetig, die ganze Zeit wird das Game verändert, neu
gemacht. Es werden Sachen im Game angepasst, was natürlich mit der Intention ist,
das Game wieder interessanter zu machen, dass man nicht plötzlich Langweile
verspürt, aber Multiplayer, man spielt mit und gegen andere Menschen, was es dann
wieder unberechenbar macht. Ich stimme nicht zu 100% mit darüber ein, dass es nichts
neues gibt.

Dr.med. Ursula Davatz (54:21)
Wir haben hier zwei Plädoyers für Games. Ich mache jetzt eine Replik. Ich frage meine
Patienten auch immer. Ich weiss, dass sie Multiplayer Games haben. Die künstliche
Intelligenz, da macht man das Deep Learning, man macht extra Fehler, damit der
Computer lernt. Aber unser Hirn wurde über Millionen von Jahren entwickelt. Der
Mensch hat so einen Hybris, dass er denkt, dass wir in ein paar Jahren etwas
Gescheiteres entwickeln können als das Hirn. Das stimmt für mich nicht. Was in diesen
Games ist, ja, es kommen neue Dinge rein, aber es ist immer auf der ähnlichen
Interaktion. Das Emotionale ist nicht drin. Es ist immer eine Strategie. Strategisch
können wir sehr gut sein. Wir westlichen Menschen sind wahnsinnig gut. Aber wir
werden dann zum Teil von denen, die emotionalen Strategien fahren, völlig auf den
Leim geführt. Das sieht man jetzt in der Politik. Das sieht man auf der ganzen Welt. Und
in diesem Sinne spricht nicht nur von IQ, sondern EQ, also Emotional Intelligence. Und
ich denke, die emotionale Intelligenz wird nicht entwickelt beim Gamen. Und darum
plädiere ich natürlich für das Lebige. Google hat Untersuchungen gemacht, was für ein
Team am besten funktioniert, und sie haben x Algorithmen darüber laufen lassen, wie
das Team zusammengestellt sein muss, und man hat lauter Harvard Abgänger, und gibt
es jetzt das beste Team, weil die alle so intelligent sind? Nein, überhaupt nicht, das hat
gar nicht funktioniert. Und wissen Sie, womit die am Schluss herausgekommen sind?
Etwas, was ich von Anfang an gesagt hätte. Das Team funktioniert am besten, wenn sie
equal speaking time haben. Also wenn jeder jedem Platz lässt. Und nicht der Beste
spricht die ganze Zeit, sondern alles wird reinkommen. Und Empathie. Also wenn man
sieht, wenn man die Emotionen vom Gegenüber lesen kann. Und wenn Frauen drin
sind. Weil die da drin nicht schlecht sind. Respektive das nicht unterdrücken. Hingegen,
Männer können auch gut sein drin. Aber sie haben in der Tendenz das zu unterdrücken.
Weil das jahrelang natürlich immer belohnt worden ist. Also in diesem Sinne, nichts
gegen die Games. Und das ist ganz klar. Die Medizin liegt in der Dosis. Und das ist
ganz klar. Es ist nicht schädlich, wenn man ein bisschen gamet. Aber wenn man den
ganzen Tag gamet, dann fällt einfach etwas weg. Und ich habe natürlich Jugendliche
erlebt, das war ein intelligenter junger Mann. Der wollte nicht auffallen, mit seiner
Intelligenz. Er war absichtlich schlecht in der Schule. Und schlussendlich ist er nur noch
zu Hause gehockt und hat gamed und hat IV Rente und die ganze Familie war frustriert.
Das Suchtbildende ist schon noch schwierig. Und heutzutage entzieht man auch von
Gamesucht. Aber Sie dürfen gerne dafür plädieren.

Bemerkung 6 (57:54)
Gamesucht ist ein ernst zu nehmendes Problem.

Bemerkung 7 (58:15)
Was ich für mich heute nochmals mitnehme, ist einfach ein schlichter Satz, den sie
gesagt haben, der für mich eine grosse Bedeutung hat: "Der Selbstwert wird gestärkt
durch das, dass wir Wünsche wahrnehmen und ernst nehmen." Das heisst nicht, dass
wir sie erfüllen, aber wir nehmen sie wahr und ernst. Und das können wir jeden Tag
machen. Das ist umsetzbar.

Dr.med. Ursula Davatz (58:42)

Schön, dass sie das aufgenommen haben, das ist typisch weiblich.

(58:45)
Danke, dass sie heute gekommen sind.