Die Seele-Körper-Beziehung: Wenn die Psyche den Körper sprechen lässt

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihren Ausführungen die komplexe Wechselwirkung zwischen Seele und Körper. Sie betont, dass der Mensch nicht nur ein denkendes Wesen ist, sondern dass Emotionen und unbewusste Prozesse eine entscheidende Rolle für unser körperliches Wohlbefinden spielen.

Das dreieinige Gehirn als Grundlage

Dr.med. Ursula Davatz stützt sich auf das Modell des dreieinigen Gehirns von Paul D. MacLean, das drei miteinander verbundene Hirnareale unterscheidet:

  • Grosshirn (Neocortex): Verantwortlich für Sprache, Denken, Planung und bewusstes Verhalten.
  • Mittelhirn (limbisches System): Sitz der Emotionen, Motivation, Bindung und Sozialverhalten.
  • Stammhirn: Steuert vegetative Funktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung sowie motorische Funktionen.

Dieses Modell verdeutlicht, dass Körper und Psyche untrennbar miteinander verbunden sind. Emotionale Prozesse im Mittelhirn wirken sich direkt auf das Stammhirn und damit auf körperliche Funktionen aus.

Wenn die Seele keine Worte mehr findet

Besonders deutlich wird die Seele-Körper-Beziehung laut Dr.med. Ursula Davatz dann, wenn Menschen nicht in der Lage sind, ihre Emotionen und Bedürfnisse adäquat auszudrücken. Wenn wir uns nicht verstanden, gehört oder akzeptiert fühlen, staut sich Energie im emotionalen Hirn an.

Findet diese Energie keinen gesunden Ausdruck, kann sie sich in körperlichen Symptomen manifestieren. Dr.med. Ursula Davatz spricht in diesem Zusammenhang von psychosomatischen Erkrankungen, bei denen die Psyche den Körper „sprechen lässt“.

Beispiele für psychosomatische Erkrankungen

Dr.med. Ursula Davatz schildert verschiedene Beispiele aus ihrer Praxis, die die Seele-Körper-Beziehung verdeutlichen:

  • Beinbeschwerden nach einer Auseinandersetzung: Dr. Davatz selbst erlitt einen Hautausschlag an den Beinen nach einem Konflikt, den sie als psychosomatische Reaktion deutet.
  • Asthmaanfälle: Kinder, deren Mütter unter Asthma leiden, entwickeln häufiger selbst Asthma, was auf soziale Vererbung und unbewusste Nachahmung hindeutet.
  • Magen-Darm-Probleme bei Scheidung: Eine Teilnehmerin berichtet von Magen-Darm-Beschwerden während ihrer Scheidung, obwohl ihre Eltern die Trennung befürworteten. Dies verdeutlicht, wie tief verankerte Wertvorstellungen und Rollenerwartungen sich auf den Körper auswirken können.

Prägungen aus der Herkunftsfamilie

Dr.med. Ursula Davatz betont den Einfluss der Herkunftsfamilie auf die Entstehung psychosomatischer Erkrankungen. Die Wertvorstellungen, Verhaltensmuster und Durchsetzungsmuster unserer Eltern prägen uns und beeinflussen, wie wir mit Stress und Konflikten umgehen.

Oft sind es unbewusste, tief verankerte Regeln und Erwartungen, die uns daran hindern, unsere eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken. Dies führt zu inneren Konflikten und Spannungen, die sich dann auf den Körper auswirken können.

Wege aus dem Dilemma

Dr.med. Ursula Davatz sieht in der Auseinandersetzung mit den Prägungen der Herkunftsfamilie und der Entwicklung einer eigenständigen Identität einen wichtigen Schritt zur Lösung psychosomatischer Probleme. Sie ermutigt dazu, die eigenen Bedürfnisse und Werte zu erkennen und sich von unangemessenen Erwartungen und Regeln zu lösen.

Dabei ist es wichtig, die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen und sich nicht von den Erwartungen anderer abhängig zu machen.

Konkrete Tipps für den Umgang mit psychosomatischen Beschwerden

Dr.med. Ursula Davatz gibt in ihren Ausführungen auch konkrete Tipps, wie man mit psychosomatischen Beschwerden umgehen kann:

  • Bewusstwerdung der eigenen Bedürfnisse und Emotionen: Es ist wichtig, die Signale des Körpers ernst zu nehmen und sich zu fragen, welche Emotionen und Bedürfnisse dahinter stecken.
  • Hinterfragen von alten Regeln und Erwartungen: Welche Wertvorstellungen und Verhaltensmuster habe ich von meinen Eltern übernommen? Sind diese noch angemessen für mein heutiges Leben?
  • Entwicklung einer eigenständigen Identität: Was sind meine eigenen Werte und Ziele? Was ist mir wirklich wichtig?
  • Aushalten von Konflikten und unangenehmen Emotionen: Konflikte und unangenehme Emotionen gehören zum Leben dazu. Es ist wichtig, zu lernen, diese auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen.
  • Suchen von Unterstützung: Im Gespräch mit einem Therapeuten, Coach oder einer anderen Vertrauensperson kann man die eigenen Muster erkennen und neue Wege finden, mit Stress und Konflikten umzugehen.

Die Seele- Körper-Beziehung ist komplex und vielschichtig. Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen machen deutlich, dass es wichtig ist, die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper zu verstehen und die Signale des Körpers ernst zu nehmen. Nur so können wir unser Wohlbefinden fördern und ein gesundes und erfülltes Leben führen.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

Trauma – ein psychisches oder körperliches Ereignis

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt Trauma als ein psychisches oder körperliches Ereignis, das tiefe Wunden hinterlässt, vor allem in der Seele. Diese Ereignisse sind tiefgreifend und können nicht einfach vergessen werden. Sie tauchen oft in der Nacht wieder auf, verfolgen die Betroffenen in ihren Träumen und führen zu Schlafstörungen.

Ein zentrales Element in Dr. Davatz‘ Verständnis von Trauma ist die Rolle des limbischen Systems, auch bekannt als das emotionale Gehirn. Traumatische Erlebnisse werden im emotionalen Gedächtnis des limbischen Systems gespeichert. Diese ständige Präsenz traumatischer Erinnerungen verringert die Verarbeitungskapazität des Gehirns, was zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und einem Gefühl der Abwesenheit führt. Das limbische System ist durch das Trauma „besetzt“ und verhindert, dass das Gehirn neue Erfahrungen frei verarbeiten kann.

Die Verarbeitung von Traumata vergleicht Dr.med. Ursula Davatz mit dem Wiederkäuen bei Kühen. Durch wiederholtes „Durchkauen“ des Traumas, sei es durch Gespräche, Schreiben oder andere Formen der Auseinandersetzung, kann es verarbeitet und schließlich „verdaut“ werden.

Ein entscheidender Schritt in der Traumaverarbeitung ist das Benennen des Traumas. Indem man das Erlebte in Worte fasst, kann der emotionale Stress reduziert werden. Idealerweise wird das Trauma im Grosshirn, dem intellektuellen Teil des Gehirns, abgelegt, wo es zwar nicht vergessen wird, aber emotional nicht mehr belastend ist.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass nicht alle Menschen gleich auf Traumata reagieren. Manche Menschen können Traumata gut verdrängen, während andere ständig damit kämpfen. Sie weist auch darauf hin, dass es wichtig ist, die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu respektieren und ihn nicht zu zwingen, über das Trauma zu sprechen, wenn er noch nicht bereit dazu ist.

Besonders Kinder sind sehr verletzlich und können durch unbedachte Äusserungen oder Handlungen von Erwachsenen traumatisiert werden. Diese Traumata können sich später im Leben in Form von psychosomatischen Beschwerden oder psychischen Problemen manifestieren.

Dr.med. Ursula Davatz räumt auch mit dem Irrglauben auf, dass ADHS/ADS eine Folge von Traumata sei. Sie betont, dass ADHS/ADS genetisch bedingt ist. Allerdings sind Menschen mit ADHS/ADS aufgrund ihrer Sensibilität und Andersartigkeit anfälliger für Traumata.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz Trauma als ein tiefgreifendes Ereignis versteht, das sich auf das emotionale Gehirn auswirkt und die Verarbeitungskapazität des Gehirns beeinträchtigt. Die Verarbeitung von Traumata erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Erlebten, um es schließlich im Grosshirn abzulegen und emotional zu „entschärfen“.

https://ganglion.ch/pdf/PTBS-20.6.2024.m4a.pdf

Auswirkungen von ADHS/ADS auf Beruf und Psyche

Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS als Neurotyp und nicht als Krankheit. Sie hebt die Sensitivität und hohe Reaktivität von ADHS/ADS-Betroffenen hervor, die sich sowohl positiv als auch negativ auf Beruf und Psyche auswirken können.

Auswirkungen auf den Beruf:

  • Schwierigkeiten in Anstellungen: ADHS/ADS-Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich in traditionelle Arbeitsstrukturen einzufügen, da sie intrinsisch motiviert sein müssen und nicht blind gehorchen können. Hieraus resultiert der Wunsch vieler Betroffener, selbstständig zu arbeiten.
  • Erfolg als Unternehmer: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus finden, können sie als Unternehmer sehr erfolgreich sein. Ihre Kreativität und ihr Sucherinstinkt ermöglichen es ihnen, Grenzen zu überschreiten und neue Dinge zu entdecken. Beispiele hierfür sind Erfinder, Business-Leute und Künstler.
  • Einfluss der Medikation auf die Karriere: Medikamente wie Ritalin können die intellektuelle Leistung und Konzentration steigern, was sich positiv auf die Karriere auswirken kann. Dr. Davatz betont jedoch, dass Medikamente nicht bei der Fokusfindung helfen und die Selbstwahrnehmung sogar beeinträchtigen können.

Auswirkungen auf die Psyche:

  • Folgekrankheiten: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus nicht finden oder in ihrer Entwicklung gestört werden, können Folgekrankheiten entstehen. Dr.med. Ursula Davatz nennt Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie und Suchtkrankheiten als Beispiele. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und diesen Krankheiten, der durch genetische Studien gestützt wird. Sie betont aber auch, dass diese Sichtweise in der Medizin und Psychiatrie noch nicht allgemein anerkannt ist.
  • Störbarkeit und Überforderung: Die hohe Sensitivität führt zu erhöhter Störbarkeit und Überforderung. ADHS-Typen reagieren mit Aggression, ADS-Typen mit Rückzug, der im Extremfall bis zum Autismus führen kann.
  • Schwierigkeiten in der Pubertät: Die Pubertät ist eine kritische Phase für die Persönlichkeitsentwicklung von ADHS/ADS-Betroffenen. Wenn sie in dieser Zeit stark gestört werden oder keine Unterstützung erhalten, kann dies die Entstehung von Folgekrankheiten begünstigen.
  • Hochsensibilität: Manche ADHS/ADS-Betroffene sind hochsensibel, was sich auf verschiedene Sinne auswirken kann. Dies kann zu weiteren Herausforderungen im Alltag führen.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass ein persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen wichtig ist, um die Entstehung von Folgekrankheiten zu verhindern. Dazu gehören intrinsische Motivation, Unterstützung bei der Fokusfindung und Verzicht auf Bestrafung. Sie plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seines sozialen Umfelds und kritisiert die einseitige Fokussierung auf Kognition im Schulsystem.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

 

Zusammenhang zwischen Psyche und Körper

Dr.med. Ursula Davatz erklärt den Zusammenhang zwischen Psyche und Körper anhand des Modells des „dreieinigen Gehirns“ und des Konzepts der psychosomatischen Erkrankungen.

Das dreieinige Gehirn:

  • Sie beschreibt das Gehirn als ein System aus drei miteinander verbundenen Teilen: dem Grosshirn (Kognition), dem Mittelhirn (Emotionen) und dem Stammhirn (Instinkte und vegetative Funktionen).
  • Das Grosshirn ist für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Planen und Lernen zuständig, während das Mittelhirn unsere Emotionen, Motivation und Bindungsverhalten steuert.
  • Das Stammhirn ist für lebenswichtige Funktionen und instinktive Überlebensreaktionen verantwortlich.
  • Dr. Davatz betont, dass die drei Gehirnteile eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen.

Psychosomatische Erkrankungen:

  • Nach Dr. Davatz entstehen psychosomatische Erkrankungen, wenn das emotionale Hirn (Mittelhirn) durch Stress, Konflikte oder unterdrückte Emotionen überlastet wird.
  • Die gestaute emotionale Energie kann nicht adäquat verarbeitet oder ausgedrückt werden und wird ins Stammhirn und von dort in den Körper weitergeleitet.
  • Im Körper manifestiert sich diese Energie dann in Form von Symptomen, die je nach individueller Prägung, familiären Vorbildern und Art der Belastung unterschiedlich ausfallen können.
  • Dr. Davatz nennt das „Die Psyche lässt den Körper sprechen“, wenn sie sich nicht mehr anders ausdrücken kann.

Beispiele aus den Quellen:

  • Dr. Davatz schildert den Fall einer Frau, die nach einem Konflikt psychosomatische Beinbeschwerden in Form eines Ausschlags entwickelte.
  • Sie erwähnt auch, dass Hautkrankheiten, Asthma, hoher Blutdruck und Verdauungsprobleme psychosomatische Ursachen haben können.
  • Dr. Davatz erklärt, dass in der Neuroimmunologie der Zusammenhang zwischen Gehirn und Immunsystem untersucht wird, da Stress und Emotionen die Immunabwehr beeinflussen können.
  • Sie weist darauf hin, dass viele Signale vom Darm ins Gehirn gesendet werden und Stress die Verdauung negativ beeinflussen kann, was zu Darmerkrankungen führen kann.

Behandlung:

  • Dr. Davatz plädiert für einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, der die Verbindung zwischen Psyche und Körper berücksichtigt.
  • Neben Psychotherapie zur Bearbeitung emotionaler Konflikte empfiehlt sie auch Körpertherapie, Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken, um den Körper in den Heilungsprozess einzubeziehen.
  • Sie betont die Wichtigkeit, die Sprache des Körpers zu verstehen und die Botschaften der Seele ernst zu nehmen.

Zusammenfassend:

Dr. Davatz sieht den Körper und die Psyche als untrennbar miteinander verbunden. Emotionale Belastungen und ungelöste Konflikte können sich im Körper manifestieren, wenn sie nicht adäquat verarbeitet werden können. Sie plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Psyche als auch den Körper in den Heilungsprozess einbezieht.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf