Vortrag 1:

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Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

6.9.2014
Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät
Audio

[00:00:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät zeichnet sich dadurch aus, dass der junge Mensch lernen muss, mit den
Emotionen umzugehen.

[00:00:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kindesalter kann die Mutter, der Vater noch dem Kind helfen, seine Emotionen zu
regulieren.

[00:00:19.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kann das Kind trösten, sie kann das Kind aufmuntern.

[00:00:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater kann das Kind korrigieren, zurückbinden. Ich mache jetzt die traditionellen
Rollen.

[00:00:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss die Person, der junge Mensch selbst lernen, sollte lernen, mit
seinen Emotionen umzugehen.

[00:00:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zusätzlich Emotionen aus dem Umfeld kommen oder ein Umfeld besteht, das
keine Emotionen erlaubt, dann hat das Kind kein Lernfeld.

[00:00:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen abgespalten, die dann später wieder in allen möglichen
psychiatrischen Diagnosen zum Vorschein kommen.

[00:01:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen aufgeheizt, die dann das System zum Dekompensieren, also
zum Zusammenbrechen führen.

[00:01:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine allgemeine Regel, wenn das Gehirn als integratives System zu sehr
überflutet wird von Emotionen, dann funktioniert es nicht mehr.

[00:01:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn auch keine Struktur entwickeln.

[00:01:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zug habe ich ein Buch gelesen, wie sich das Gehirn umbaut.

[00:01:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel Forschung betrieben, auch in der Neuropsychologie, wie sich das Gehirn
umbaut, wie das funktioniert.

[00:01:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden nur die kognitiven Funktionen des Gehirns sehr hoch gewertet.

[00:01:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Gehirn funktioniert nur, wenn es kognitiv und emotional zusammenarbeitet.

[00:01:55.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstregulation der Emotionen, das ist eine dieser Funktionen, die in einem
gewissen Bereich des Gehirns stattfindet und die eine strukturelle Repräsentanz findet
während der Pubertät.

[00:02:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so etwas Theorie.

[00:02:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt versuche ich gleich zum Praktischen zu gehen.

[00:02:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Später können sie dann noch Fragen stellen.

[00:02:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Emotionsregulation wird in der heutigen Psychiatrie an erster Stelle über
Psychopharmaka gemacht.

[00:02:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht ist das nicht akzeptabel.

[00:02:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Jugendliche Gehirn, das Kindergehirn, ist im Wachstum, daran sich zu entwickeln.

[00:02:51.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da sofort Psychopharmaka einsetzt, dann werden die Psychopharmaka in
die Persönlichkeit des Kindes eingebaut.

[00:03:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind bekommt das Gefühl, ich bin nicht ok, so wie ich bin, ich muss immer noch
etwas hinzufügen.

[00:03:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Abgesehen davon wird auch das Lernen etwas geschwächt.

[00:03:14.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka haben es immer an sich zu dämpfen oder nur ein bestimmtes Gebiet
zu aktivieren.

[00:03:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird nicht so flexibel.

[00:03:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Not darf man aus meiner Sicht schon Psychopharmaka verwenden.

[00:03:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regellösung ist es nicht sehr gescheit.

[00:03:43.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder und Jugendliche verwenden ihre eigenen Pharmaka.

[00:03:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann die Drogen.

[00:03:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist besser? Die Psychopharmaka oder die Drogen?

[00:03:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides ist nicht sehr gut, weil es die Entwicklung des jugendlichen Gehirns stört.

[00:04:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychopharmaka sind schnelle Problemlösungen.

[00:04:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben heutzutage die Tendenz, alles schnell lösen zu wollen.

[00:04:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gescheit.

[00:04:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher wurde auch gesagt, die Integration braucht einen langen Atem.

[00:04:21.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierende brauchen von den Eltern einen langen Atem.

[00:04:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen sich den Jugendlichen zur Verfügung stellen als Gegenüber, als
Partner, auf Augenhöhe und selbst stabil sein.

[00:04:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich viel verlangt.

[00:04:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht stabil sind, dann kann das Kind nicht so gut pubertieren, dann
nimmt das Kind seine Emotionen zurück, aus Rücksicht auf die Eltern und schädigt sich
dadurch selbst, weil es nicht die gleichen Erfahrungen machen kann.

[00:05:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Entwicklungsprozesse können nicht mit Psychopharmaka beschleunigt werden.

[00:05:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende dann jeweils den Bauernspruch: das Gras wächst nicht schneller, wenn
man daran zieht.

[00:05:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb braucht es einen langen Atem.

[00:05:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie sich mit ihrem pubertierenden Kind emotional auseinandersetzen, geht es
nicht darum sich gegenseitig zu belehren und zu argumentieren, wer ist der beste
Argumentator.

[00:05:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens sind die Jugendlichen sehr gut im Argumentieren und haben auch andere
Argumente als wir.

[00:05:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass sie einen klaren Standpunkt beziehen.

[00:05:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überzeugen wollen, sondern selbst überzeugt sein, das möglichst ruhig
präsentieren.

[00:05:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer Mutter habe ich gesagt: sagen sie ruhig ihre Dinge, auch wenn ihr Junge nicht
gehorcht. Das heißt nicht, dass er nicht hört, was sie sagen.

[00:06:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In fünf Jahren hat er vielleicht sämtliche ihrer Wertvorstellungen übernommen und sie
sind ganz erstaunt.

[00:06:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kam fünf Jahre später und hat gesagt, es stimmt. Damals hat sie mir nicht
geglaubt.

[00:06:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wichtig, dass sie gehorsam fordern.

[00:06:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie einen klaren Standpunkt relativ selbstsicher beziehen können.

[00:06:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Pubertät auch braucht, ist Zeit.

[00:06:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Zeit zur Auseinandersetzung.

[00:06:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht nur einfach schnell sagen, wie sie finden, dass es gehen muss.

[00:06:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche wird natürlich zurück argumentieren.

[00:06:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer wichtig, dass sie gewisse Ruhe bewahren.

[00:06:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich die Zeit nehmen.

[00:06:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich auch die Zeit nehmen, zuzuhören, aus welcher Warte denn der
Jugendliche spricht.

[00:07:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie es noch so verkehrt finden, nicht gleich abtun mit einer Wegwerf
Bewegung, sondern das ernsthaft reflektieren.

[00:07:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychotherapie wird heutzutage die Idee der Achtsamkeit sehr hoch gehalten.

[00:07:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Achtsamkeit bedeutet, dass man sich Zeit nimmt, Ruhe nimmt, sich selbst
wahrzunehmen und die anderen wahrzunehmen.

[00:07:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man 1000 Wahrnehmungsübungen gleichzeitig hat, iPhone, Telefon, dort
Fernseh schauen, das ist alles andere als achtsam.

[00:07:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Neuropsychologisch wurde festgestellt, dass wenn man sich selbst gegenüber achtsam
ist, indem man sich beruhigt und schaut, was empfinde ich eigentlich, was geht in mir
vor und dann auch den anderen gegenüber achtsamer sein kann, dann strukturiert sich
das Gehirn im vorderen Bereich, präfrontalen Cortex, strukturiert sich besser.

[00:08:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit investiert in die Jugendlichen ist sehr gut investierte Zeit, Präventivzeit.

[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Thema, das man in der Therapie auch immer verwendet.

[00:08:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Gefühle einfach aus agieren, dann gibt es Streit, Schlägereien und so weiter oder
emotional beleidigter Rückzug.

[00:08:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Gefühle reden.

[00:08:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben einige Männer unter uns.

[00:08:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, die reden oft gerne über Gefühle.

[00:08:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In Paartherapien realisiere ich immer wieder, wie schwierig es für die Männer ist, über
ihre Gefühle zu reden.

[00:08:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann für Männer schon in der Pubertät gelernt werden.

[00:08:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Schande über Gefühle zu sprechen.

[00:09:03.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Qualität, wenn Männer lernen, über Gefühle zu reden.

[00:09:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Deswegen sind Männer keine Weichlinge.

[00:09:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Stärke, über Gefühle reden zu können.

[00:09:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das muss man auch mit den Teenagern üben, dass man über seine eigenen
Gefühle redet und achtsam auf die Gefühle des Teenagers ist.

[00:09:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teenager ist sehr sensibel.

[00:09:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Sohn hat mal gesagt, im Teenageralter ist man wie ein rohes Ei.

[00:09:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:09:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsam sein dem Teenager gegenüber und achtsam sein sich selber gegenüber.

[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man eigentlich empfindet, was man bei sich wahrnimmt.

[00:09:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach ausagieren oder unterdrücken mit Autorität.

[00:09:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach autoritär, patriarchal, die Gefühle einfach unterdrücken, die kann man
nicht brauchen, die sind nur im Weg.

[00:10:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich die Zeit nehmen, über die Gefühle zu reden.

[00:10:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle in Worte fassen zu können, das hilft auch wieder das Gehirn
umzustrukturieren, sodass es komplexer wird und anpassungsfähiger wird.

[00:10:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum geht es ja.

[00:10:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, Gefühle mitzuteilen, Gefühle genau zu beobachten und genau zu
beschreiben.

[00:10:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche sind oft sehr gut im Argumentieren.

[00:10:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben immer nochmal ein anderes Argument.

[00:10:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind da sehr weitschweifig.

[00:10:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das nicht geht, geht das vielleicht. Sie gehen hin und her und wechseln den
Fokus und sie als Eltern/Erzieher werden da mitgenommen.

[00:10:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss wissen sie nicht mehr, wo sie sind.

[00:10:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf alle die Detailargumente eingehen, sondern die so etwas vorbeiziehen lassen.

[00:11:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass man ignorant ist.

[00:11:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wieder versuchen, zum roten Faden zu kommen und seine Position zu beziehen.

[00:11:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Jugendlichen überreden, überzeugen, sondern nur eine Position beziehen,
anhand von der sich der Jugendliche dann absetzen kann oder mit der sie/er sich
auseinandersetzen kann.

[00:11:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Prinzipien, ihre Wertvorstellungen nicht dann vorbringen, wenn ein Streit herrscht.

[00:11:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Hitze des Gefechts die Position beziehen, da wird nichts gehört. Da funktioniert
das Gehirn nicht. Da ist der Mensch nur auf Abwehr oder Aggression, je nachdem, wie
die Person drauf ist.

[00:11:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein ADS ist, das zieht sich eher zurück.

[00:12:02.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS geht eher drauf los.

[00:12:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment wird gar nichts mehr aufgenommen.

[00:12:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie bei der Prüfungsangst. Wenn man zu sehr emotional ist, dann weiß man
nichts mehr. Man hört auch nicht mehr zu. Die Kanäle gehen alle zu, System Overflow.

[00:12:17.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her warten, bis sich die Situation beruhigt hat, bei einem selbst und natürlich
auch beim Jugendlichen.

[00:12:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann wieder das Thema aufgreifen.

[00:12:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich in medias res gehen.

[00:12:34.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich seine Position beziehen.

[00:12:37.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Zuerst die Situation, also den Prozess beschreiben, wie das alles war.

[00:12:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so ruhig sein kann, das Gegenüber fragen, was hat dich da dazu veranlasst,
was hast du dabei gedacht, was ging in dir vor, dass der auch seine Situation
beschreiben muss, also seine Gefühle beschreiben muss.

[00:13:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man das Gegenüber ernst genommen hat, dann die eigenen Prinzipien
anbringen.

[00:13:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich mit den Prinzipien überfahren, sondern erst an zweiter Stelle.

[00:13:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man das Gegenüber ernst genommen, wahrgenommen, wertgeschätzt, war
achtsam dem Gegenüber.

[00:13:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man mehr Chancen, dass man selbst auch ernst genommen wird.

[00:13:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind immer noch die Eltern, also wir sollten etwas mehr Kontrolle über unsere
Gefühle und Aggressionen haben.

[00:13:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind und böse Dinge sagen, in der Not machen
sie das. Dann sage ich immer, da müssen die Eltern ihren Jugendlichen gegenüber
Welpenschutz walten lassen.

[00:13:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heißt, der Jugendliche darf härter beißen, als wir das dürfen und wir sollen nicht
zurückrufen, wie es in den Wald hinein ruft.

[00:14:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn wir das gerne täten.

[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten da etwas mehr persönliche Kontrolle unserer Emotionen haben.

[00:14:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man das selbst vorlebt, können die Jugendlichen auch wieder von einem lernen.

[00:14:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gilt wieder das Gleiche, wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind, zuerst warten
bis sich alles beruhigt hat und dann wieder mit seinen Prinzipien kommen.

[00:14:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ja heutzutage bekannt, dass es genetisch vererbt wird.

[00:14:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter ADHS/ADS läuft eine grosse Agglomeration läuft.

[00:14:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat viele verschiedene Gene, die da mitspielen.

[00:14:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer die gleiche Gewürzmischung.

[00:14:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wir wissen, dass ADHS/ADS genetisch vererbt wird, wissen wir auch, dass in den
Familien andere Menschen ADHS/ADS haben.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens haben die Eltern auch ein ADHS/ADS.

[00:15:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Schande, das ist einfach die Natur.

[00:15:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns vorstellen, dass der jugendliche Mensch da in Aufruhr gerät und die
Eltern haben auch ADHS/ADS, dann müssen wir uns natürlich sehr am Riemen reißen
und aufpassen, dass wir nicht Öl ins Feuer gießen.

[00:15:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät unserer Kinder verlangt mehr Selbstkontrolle als sonst.

[00:15:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es eskaliert, dann brennen die Leitungen durch das Kind haut ab, die gehen dann
zu früh aus dem Haus und haben dann ihre Ablösungsproblematik bis 60 nicht gelöst,
weil sie einfach weggegangen sind.

[00:16:08.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns nicht genügend im Griff haben, dann geht das Kind entweder weg, es
wird aggressiv oder es gibt eine innere Monsterwelle.

[00:16:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beschreibe ich in meinem Buch: "ADHS und Schizophrenie – Wie emotionale
Monsterwellen entstehen und wie sie behandelt werden"

[00:16:21.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:16:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden die Gefühle dann alle nach innen behalten und irgendwann mal gibt es eine
Überflutung und dann funktioniert das Hirn überhaupt nicht mehr.

[00:16:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So entstehen die Krankheiten.

[00:16:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADS Kinder und Jugendliche nehmen Drogen, auch in der Pubertät.

[00:16:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade für ADHS/ADS Kinder ist die Droge etwas noch Schlimmeres.

[00:16:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reagieren sensibler auf Drogen.

[00:17:02.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist auch eine Droge.

[00:17:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sieht man auch den Zusammenhang zwischen Haschisch, Cannabis und
Schizophrenie.

[00:17:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Jugendliche zur Droge greift, dann dämpft er sich zwar, ist nicht so aggressiv
und an einer Weiterbildung oder einem Vortrag in Zürich bei der ELPOS, da hat sogar
eine Mutter gesagt: mir ist es lieb, wenn er Haschisch raucht, dann ist er viel
erträglicher zu Hause.

[00:17:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es nicht so lieb.

[00:17:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte lieber, dass er nicht Haschisch raucht und dass die Eltern ihn aushalten
oder die Situation aushandeln.

[00:17:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist tatsächlich ein Schizophrenie Risiko.

[00:17:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde lange verneint oder einfach gar nicht angeschaut.

[00:17:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen ist das ziemlich klar herausgekommen.

[00:18:04.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bei Haschischkonsumenten der Fall ist, dass sie sich nicht mehr so stark mit der
Umwelt auseinandersetzen und von dort her auch nicht mehr lernen.

[00:18:15.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer, von Haschisch stirbt man nicht.

[00:18:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man stirbt nicht, aber man bleibt einfach dumm oder man verblödet.

[00:18:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man reift nicht emotional, weil man sich nicht gleich mit dem Umfeld und all den
Schwierigkeiten auseinandersetzt.

[00:18:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn nicht diese flexiblen Strukturen, diese komplexen Strukturen
entwickeln, die dann das Gehirn wieder anpassungsfähiger machen.

[00:18:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche passiert mit dem Psychopharmaka.

[00:18:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch über längere Zeit chronisch schizophren ist, dann baut quasi das
Gehirn ab, weil er sich nicht mehr richtig auseinandersetzt mit dem Umfeld.

[00:19:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er hohe Dosen Neuroleptika, also Medikamente nimmt, die gegen die
Schizophrenie sind, dann baut das Gehirn auch ab.

[00:19:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb sollte man so wenig wie möglich geben.

[00:19:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diejenigen, welche schon Erfahrung haben mit Psychopharmaka, die können einem
sagen, ich bin nicht ganz mich selbst.

[00:19:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind die Antidepressiva, es sind natürlich die Neuroleptika.

[00:19:27.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb stellen die meisten Jugendlichen die Medikamente wieder ab, weil sie sich
nicht mehr spüren.

[00:19:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich müsste der junge Mensch sich spüren dürfen, achtsam sein mit sich.

[00:19:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Er braucht natürlich auch ein achtsames Umfeld, das ihm dies ermöglicht.

[00:19:46.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für ein Umfeld brauchen Jugendliche mit einem ADHS/ADS, damit sie möglichst
optimal lernen können, mit ihrer Gefühlswelt umzugehen?

[00:20:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche brauchen ein emotional möglichst stabiles Umfeld, damit ihnen
erlaubt ist, dass sie ihre Wellenbewegungen, also das „Himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt“ etwas ausleben dürfen.

[00:20:29.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn sie mit einem ADHS/ADS Jugendlichen, natürlich auch mit den
kleinen Kindern, wir reden jetzt von den Jugendlichen, umgehen und sich mit dem Kind
auseinandersetzen, dass sie sich zuerst ins Lot bringen.

[00:20:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind verhandeln.

[00:20:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beispiel aus dem Flugzeug: ziehen sie zuerst ihre Sauerstoffmaske an, nur dann
können sie dem Kind helfen.

[00:20:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ziehen sie ihre Sauerstoffmaske an, beruhigen sie sich, wie immer das bei ihnen dann
geht.

[00:21:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind interagieren.

[00:21:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nichts machen, als zu früh und zu stark reinschießen, ausagieren.

[00:21:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann oft gesagt, dann meint der Jugendliche, er dürfe alles und ich muss ihm
doch sagen, das geht doch nicht.

[00:21:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist pädagogisch, das ist nicht psychologisch.

[00:21:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er weiß genau, was die Regeln sind.

[00:21:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo er so im Zeugs drinnen ist, da kann er sich gar nicht kontrollieren.

[00:21:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie da noch reinkommen mit irgendwelchen Erziehungsmethoden, geht gar
nichts.

[00:21:41.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sagen einem das auch immer: ich kann doch das nicht alles tolerieren.

[00:21:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sag ich: sie müssen es tolerieren.

[00:21:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dem Hund das Bellen nicht verbieten.

[00:21:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern sag ich: man muss sie totschlagen, damit sie gehorchen.

[00:21:55.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht natürlich nicht.

[00:21:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie mit ihnen interagieren, wenn sie nicht selbst einigermaßen im Lot sind.

[00:22:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Bringen sie sich selbst ins Lot und erst dann interagieren sie.

[00:22:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zwei Piloten reden hören miteinander. Die haben gesagt, im Zweifelsfalle,
wenn das Flugzeug in Turbulenzen hinein kommt, das Steuer dem Flugzeug selbst
überlassen. Es steuert sich dann besser durch die Turbulenzen hindurch, als wenn man
übersteuert.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erzieher haben die Tendenz zu übersteuern.

[00:22:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stürzt das Flugzeug ganz ab.

[00:22:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
So war es mit dieser französischen Maschine.

[00:22:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/das_raetsel_von_af_447-ld.883336

[00:22:50.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Auseinandersetzung keine emotionalen Erpressungsmethoden verwenden.

[00:23:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verstehe ich unter emotionalen Erpressungsmethoden?

[00:23:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sein eigenes Leiden höher stellt als das Kind.

[00:23:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht mich ganz fest traurig.

[00:23:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder sehr sensibel sind, wenn man dann ganz traurig ist, dann
bekommt das ADHS/ADS Kind ein Schuldgefühl.

[00:23:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schuldgefühle, das sind wieder Emotionen, die müssen nach innen.

[00:23:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen zum Teil auch Selbstzerstörungstendenzen.

[00:23:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann auch das Ritzen und all diese Dinge.

[00:23:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: das enttäuscht mich.

[00:23:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Da steckt eine Erwartungshaltung dahinter.

[00:23:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von dir erwartet, dass du das schon kannst.

[00:23:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hast du es nicht gekonnt, jetzt bin ich enttäuscht.

[00:23:57.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche, muss nicht mehr für die Eltern so und so und so sein.

[00:24:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der jugendliche Mensch sollte lernen, eben sich selbst zu regulieren und
Eigenverantwortung übernehmen.

[00:24:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Eltern zu lieb diese Haltung einnehmen oder eine andere.

[00:24:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre das immer wieder von Erwachsenen, von den Eltern, wie sie emotionale
Erpressungsmethoden verwenden.

[00:24:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin, wenn ich dann mit solchen Jugendlichen arbeite, muss ich auch
unglaublich aufpassen, dass ich überhaupt nicht in dieses Gebiet reinkomme.

[00:24:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind keine Maschinen. Sie sind Menschen. Vielleicht werden sie auch mal
aggressiv. Ich sage immer: wenn sie wütend werden, eher über die Gefühle reden, als
die Gefühle ausagieren.

[00:24:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Gefühle ausagieren müssen, das kann auch manchmal der Fall sein,
dann nicht aufs Kind schießen, sondern in die Luft.

[00:25:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So: ich bin so wütend, ich könnte jetzt, weiß ich nicht was.

[00:25:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht: du bist so unmöglich, aus dir wird nie was.

[00:25:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: argumentum ad personam.

[00:25:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die Person des Kindes vorgehen.

[00:25:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Hochzeiten schießt man auch in die Luft, im Gazastreifen, und nicht auf die
anderen.

[00:25:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Ausdruck der eigenen Emotionen.

[00:25:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen: ich bin so wütend, ich ertrage es nicht mehr, ich muss jetzt etwas
weggehen.

[00:25:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist unmöglich und schrecklich und weiß ich nicht was.

[00:25:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch traurig sein, man darf sagen, es hat mich verletzt und ich muss mich jetzt
zuerst finden.

[00:26:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss mich wieder ins Lot bringen und dann reden wir wieder.

[00:26:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist schuld, dass es mir jetzt so schlecht geht.

[00:26:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind von den schrecklichsten Gefühlen.

[00:26:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle stecken oft hinter ganz komischen Handlungen.

[00:26:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte keine schuldinduktiven Sätze verwenden.

[00:26:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich schwierig.

[00:26:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wieder seine Regeln sagt, seine Ethik, seine Wertvorstellungen, dann kann
man Sätze verwenden wie: Es ist mir wichtig, dass du, mein Sohn, das lernst von mir
oder von mir als Mutter.

[00:26:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Ethik, das sind meine Wertvorstellungen.

[00:26:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regel, als Wertvorstellung darstellen und nicht: Du solltest, du musst, mach jetzt
endlich, hast du es immer noch nicht gelernt.

[00:27:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mehr erziehen.

[00:27:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss man mit den Kindern, also den Jugendlichen die Beziehung
pflegen, aber nicht mehr erziehen.

[00:27:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat oft Streit mit den Pädagogen und den Lehrpersonen.

[00:27:19.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in der Schule würde es so gehen.

[00:27:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule hat man ein Kollektiv, da kann man noch andere Dinge anwenden als in
der Familie, wo alles individualisiert ist.

[00:27:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar ihre Wertvorstellungen sagen.

[00:27:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind den Jugendlichen die Wertvorstellungen gar nicht so gut bewusst.

[00:27:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lebt einfach danach und weiß gar nicht recht, was es ist.

[00:27:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn jemand dagegen verstößt, dann kommt es einem in den Sinn: ah, das wäre
mir wichtig.

[00:27:47.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr hilfreich, dass sie in der Pubertät sich klar werden über ihre eigenen
Wertvorstellungen.

[00:27:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapiestunde frage ich oft die Eltern, was war ihren Eltern wichtig, was haben
sie versucht an sie weiterzugeben?

[00:28:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie übernommen und was haben sie 180 Grad anders gemacht,
versucht zu ändern?

[00:28:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will nicht immer gleich sein wie die Eltern.

[00:28:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft korrigiert man. Manchmal tut man über korrigieren und dann muss man wieder
etwas zurück in die Mitte kommen.

[00:28:45.000] – Bemerkung 1
Das mit den Schuldgefühlen habe mir ganz fest rot angestrichen. Für mich ist es
schwierig. Auf der einen Seite soll das Kind oder der Jugendliche lernen, was löse ich
mit dem, was ich mache, bei anderen aus? Um Empathie zu entwickeln und so weiter.
Wenn ich als Mutter sage: Ich bin total wütend, ich bin verletzt, dann löse ich
Schuldgefühle aus. Das ist ein Gratwanderung. Ich habe ja auch das Recht auf meine
Gefühle.

[00:29:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das haben sie, aber das Kind hat mehr Recht und zuerst Recht.

[00:29:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Interaktion läuft, die nicht zufriedenstellend ist für uns als Eltern, muss man
zuerst den Prozess anschauen.

[00:29:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das gemacht, du hast das gemacht. In welcher Stimmung warst du? In
welcher Stimmung war ich?

[00:29:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man den Prozess etwas anschaut. Die ganze Geschichte etwas anschaut.

[00:29:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann darf das Kind sagen, woher es gekommen ist und warum es so überreagiert hat.

[00:29:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann emotional, dann muss das Kind auch seine Emotionen reflektieren. Das ist
schon therapeutisch.

[00:30:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind das gezeigt hat, dann kann man dann sagen: weißt du, ich hab an sich
nicht so gerne, wenn du das und das zu mir sagst oder dich so und so benimmst, denn
ich gehe von der Regel aus, dass man, weiß ich nicht was, sympathisch miteinander
umgeht.

[00:30:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal ist einer meiner Lieblinge unter den Affenforschern.

[00:30:29.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal hat sich mit Primatenforschung beschäftigt.

[00:30:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn ich beim Menschen nicht mehr weiter kam, ging ich zu den Tieren um zu
schauen, wie die sich sozial verhalten.

[00:30:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche sozialen Arten, der Mensch gehört dazu, die Affen auch, die haben soziale
Gene, das wird vererbt, sonst hätten wir gar nicht überlebt.

[00:31:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist empathisch, auch ohne dass er belehrt wird.

[00:31:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben Mitleid mit dem, dem es schlecht geht.

[00:31:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder noch viel mehr.

[00:31:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Eltern streiten, dann will das Kind den beschützen, den es denkt, das sei
der Ärmere.

[00:31:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Mutter, als arm erscheinen, dann geht das Kind die Mutter beschützen,
wenn der Vater der Arme ist, dann geht das Kind den Vater beschützen.

[00:31:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hunde machen das übrigens auch so, sind auch in Herden aufgewachsen.

[00:31:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben soziale Gene, man muss nur das Gehirn wieder beruhigen und dann
kommen die von alleine wieder hervor.

[00:32:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Glauben sie das oder nicht?

[00:32:07.280] – Bemerkung 2
Es ist wirklich eine Gratwanderung. Ich finde es wirklich spannend mir das vorzustellen.
Was löse ich bei den Jugendlichen aus? Ich finde es sehr hilfreich, den Prozess
anzuschauen. Wie ist es dir ergangen, was hast du gedacht, als du das gemacht hast,
was hast du gefühlt? Ich würde dir gerne sagen, wie es mir dabei ergangen ist.

[00:32:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Genau, ganz genau und das ist absolut in Ordnung.

[00:32:44.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal, die wilden Diplomaten: https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3423303735

[00:32:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Affe in uns: https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:32:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist lustig zum lesen.

[00:32:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bonobo und der Atheist. https://www.amazon.de/Bonobo-Atheist-Search-Humanism-Primates/dp/0393347796

[00:32:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch kulturhistorisch noch interessant.

[00:34:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass wir unsere Gefühle beschreiben, dass das Kind seine Gefühle
beschreiben darf. Dann kann man sagen, wie man es gerne hätte.

[00:34:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf schon verletzt sein, man soll es aber nicht ausagieren, man soll es
beschreiben. Mann kann es auch ausagieren und hinterher noch beschreiben.

[00:34:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Besser ist, wenn man sich unter Kontrolle hat.

[00:34:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das ADHS/ADS Kind aufgeregt ist, kann es das nicht.

[00:34:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reifen etwas später.

[00:34:44.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Menschen im Erwachsenenalter können auch nicht dezentrieren.

[00:34:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, dass 40% der Menschen lernen nie zu dezentrieren, die gehen immer
nur von sich aus.

[00:34:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Da braucht es immer wieder Geduld und Zeit, dass man fragt: was war bei dir, was hast
du gedacht, was ist in dir vorgefallen, was deine Motivation?

[00:34:55.260] – Bemerkung 3
Was soll man tun, wenn das Kind schweigt?

[00:34:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite ab und zu, mit geistig Behinderten. Da kann ich gar nichts mehr fragen. Da
kann ich nur beobachten.

[00:35:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann ich mich mit meinem Partner unterhalten und fragen, was denkst du, was
das wohl war?

[00:35:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte vor kurzem ein Kind, das war glaube ich zwölf, das hat Schulverweigerungen
gemacht und hat nichts mehr geredet.

[00:35:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da konnte man gar nichts fragen.

[00:35:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Kindern kann man oft nicht fragen, bei Teenagern oft auch nicht.

[00:35:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man versuchen zu beobachten und schauen, was es wohl war.

[00:35:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man vielleicht ein Ratespiel machen und sagen, hat dich das verletzt? Hat
dich das geärgert?

[00:35:51.320] – Dr.med. Ursula Davatz
War das peinlich für dich? Alles so Gefühlswelten. Vielleicht gibt das Kind dann eine
Antwort. Man muss viel mehr beobachten, man kann dann nicht mehr so viel Reden.

[00:35:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Familientherapeuten, wir stellen die Sprache ab, wenn wir nicht weiterkommen,
damit wir besser beobachten müssen.

[00:36:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder die Achtsamkeit.

[00:36:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man genauer hinschauen muss und nicht reden kann und nicht nach Worten
fragen, hat man auch nicht so viele Vorurteile.

[00:36:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beobachten, schauen und überlegen, mit Partner reden, mit Lehrerin reden, was
denken sie, was es sein könnte? Das?

[00:36:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Kind, das nicht mehr geredet hat, habe ich dann wieder in die Schule gebracht.
Vorher war das Kind im Spital, man hat auf das Kind eingeredet, es hat nur verweigert.

[00:36:42.740] – Bemerkung 4
Ich bin nicht die Mutter eines ADHS/ADS Teenagers, das bin ich selber der Teenager
mit ADHS/ADS. Ich habe eine sehr impulsive Mutter, die selber auch ADHS/ADS hatte.

[00:37:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist gestellt, wir sind damit einverstanden.

[00:37:03.570] – Bemerkung 4
Ich bin heute noch sehr impulsiv, auch emotional sensibel, alles. Wenn dann so eine
Bombe zurückgeworfen wird zu mir, sprich jetzt von meiner Mutter, das mich noch viel
unsicherer macht. Das wirft mich total aus der Bahn. Eigentlich sind meine Eltern dafür
da, dass ich mich sicher fühle. Ein sicheres zu Hause.

[00:37:48.960] – Bemerkung 4
Wenn ich nach Hause komme und Probleme habe, und diese werden dann vielleicht
noch mehr runter gedrückt, auch von den Wertvorstellungen meiner Mutter oder meines
Vaters, die ich nicht unterstütze. Gibt es Probleme, wirft das Ganze nochmals auf.
Wenn ich mich dann wehre und so ein Schwall zurückkommt, weiss ich nicht mehr, an
was ich mich orientieren soll.

[00:38:13.400] – Bemerkung 4
Es ist nicht fair, dass Kinder mehr sagen dürfen, mehr angreifen dürfen, als die Eltern,
das habe ich heute erkannt, nur…

[00:38:22.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, es ist fair. Das ist der Welpenschutz.

[00:38:26.950] – Bemerkung 4
Es war sehr schwierig für mich, mich in meinem eigenen Charakter zu definieren,
Selbstsicherheit zu finden, wenn alles um mich herum auch labil ist. Wenn alles sehr
emotional ist.

[00:38:43.760] – Bemerkung 4
Dass man sich dann den Eltern nicht mehr öffnet, dass man schweigt, ist das Gefühl,
dass man nicht verstanden oder nicht erhört wird.

[00:38:53.540] – Bemerkung 4
Dass man anfängt zu blockieren und dort keine Hilfe, keine Sicherheit findet. Darum
öffne ich mich gegenüber meinen Eltern nicht.

[00:39:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank, das ist ein sehr gutes Votum, das erlebe ich natürlich immer wieder. Ich
bin froh, dass sie das so direkt aus eigener Erfahrung sagen können. Es stimmt.

[00:39:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, alle Kinder haben das Anrecht auf starke Eltern.

[00:39:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich auch wieder eine Asymptote.

[00:39:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so, wie sie sagen, dann fühlt man sich nicht mehr sicher, dann kann man die
eigene Person nicht entwickeln. Man nimmt sich zurück und das sollte eigentlich nicht
so sein.

[00:39:36.180] – Bemerkung 5
Für meine Ordnung: im Umgang mit dem Konflikt, meinen sie das Konzept von der
gewaltfreien Kommunikation? Man nimmt es war, man beschreibt, man benennt das
Gefühl.

[00:39:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der gewaltfreien Kommunikation läuft es auch so, dass man wahrnimmt, beschreibt,
möglichst seine Gefühle, sein Absichten, seine Werte sagt, ohne dass man anderen
erdrückt.

[00:39:53.450] – Bemerkung 5
Ich-Botschaften und Du-Botschaften.

[00:39:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[00:40:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem die Gefühle durchbrennen, dann in die Luft schiessen, oder etwas Auszeit
nehmen und sich wieder zentrieren, also wieder in die Mitte kommen.

[00:40:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Leute können so gut beherrscht sein. Die müssen dann vielleicht eine kurze
Volte reiten, also eine kurze Auszeit für sich nehmen.

[00:40:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur das Kind in die Auszeit schicken.

[00:40:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch selbst sagen, ich brauche jetzt eine Auszeit, sonst kann ich mich nicht mehr
kontrollieren.

[00:40:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man klar sagt, es ist kein Beziehungsabbruch, ich bestrafe dich jetzt
nicht mit Liebesentzug, sondern ich brauche für mich eine Auszeit, damit ich mich
beruhige. Sonst bin ich außer mir und dann sage ich dummes Zeug, das ich nachher
nicht mehr zurücknehmen kann.

[00:41:16.720] – Bemerkung 6
Was ist wenn das Kind sich selbst Schuldgefühle auferlegt? Es kommt nach Hause und
sagt, ich habe das und das gemacht.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder so sensibel sind, wollen sie auch alles selber gut regeln, sehr
empathisch.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress schüttet man Oxytocin aus, das was die Frauen ausschütten, wenn sie
Kinder stillen.

[00:41:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress ist man von dort her auch empathischer.

[00:41:41.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann nicht helfen kann, dann denkt man man ist schuldig.

[00:41:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich fragen, was hättest du gerne gemacht, um zu helfen?

[00:41:50.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hätte man es handhaben müssen in der Schule, damit es allen gut gegangen
wäre?

[00:41:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass das schon eine sekundäre Reaktion ist darauf, dass das Kind nicht
helfen kann.

[00:42:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt nichts Schlimmeres als der hilflose Helfer.

[00:42:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte merken ja das. Die Pflegenden merken das.

[00:42:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht helfen kann, kann man sadistisch werden.

[00:42:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist beim Kind natürlich noch nicht so.

[00:42:14.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind fühlt sich schuldig, dass es nicht helfen kann.

[00:42:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viele Kinder als Erwachsene erzählen mir dann, ich hab mich schuldig gefühlt
dafür, dass die Eltern gestritten haben.

[00:42:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern sagen dann auch, wir streiten nur wegen dir.

[00:42:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht richtig. Der Streit zwischen den Eltern ist nie nur wegen dem Kind.

[00:42:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen ihre Dinge aushandeln. Das Kind ist nie schuld am Streit zwischen
den Eltern.

[00:42:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achten sie darauf, was sozial gelaufen ist.

[00:42:46.300] – Bemerkung 6
Auch Dinge die er tut, von denen er denkt, dass er sie nicht tun sollte, dann fühlt er sich
schuldig.

[00:42:51.640] – Bemerkung 6
Wenn er es mir erzählt, dann sagt er: jetzt bin ich erleichtert.

[00:42:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist ja gut. Anhören.

[00:43:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern, denen passieren oft Fehler.

[00:43:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie korrigieren über zwanghaft korrekt sein. Wenn das nicht gelingt, dann
fühlt er sich schuldig.

[00:43:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es zu Hause erzählen kann, fühlt er sich erleichtert, dann ist es gut.

[00:43:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da reguliert die Mutter jetzt noch die Gefühlswelt. Das ist ok.

[00:43:41.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu stark dagegen reden, sonst fühlt er sich wieder schuldig, dass er das nicht
normal findet.

[00:43:42.360] – Bemerkung 7
Ich bin seit vier Jahren in einem Zwiespalt. Mein Sohn ist in psychologischer Betreuung,
also musste dann Ritalin nehmen, weil er von der Schule flog.

[00:43:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel zum Thema: Schule für alle.

[00:43:57.190] – Bemerkung 7
Der Druck ist wieder da. Es geht mir gegen den Strich. Das Ritalin geht gegen die
eigenen Entwicklungen. Mein Sohn merkt, dass er neben sich steht.

[00:44:13.030] – Bemerkung 7
Wir versuchen immer so viel wie möglich wieder von dem Ritual wegzukommen.

[00:44:16.360] – Bemerkung 7
Ich habe dann das schlechte Gewissen vom Psychologen, weil ich weiss, und das war
jetzt auch der Fall, seit einem Jahr nimmt er jetzt Cannabis. Ich befinde mich in einem
enormen Zwiespalt. Jetzt geht es in die Berufswahl. Er muss schnuppern und er hat
wirklich eine Schnupperlehre jetzt mit Cannabis, einfach versaut.

[00:44:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kenne ich.

[00:44:42.600] – Bemerkung 7
Wir haben nicht immer Möglichkeiten. Es wäre auch für seine Stabilität gut, wenn er
jetzt mal einen Ort finden würde, wo es gut ist.

[00:44:55.770] – Bemerkung 7
Soll ich ihn wieder losschicken mit Ritalin, in der Hoffnung, dass er dann weniger kifft?
Das ist enorm schwierig.

[00:45:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist er?

[00:45:04.130] – Bemerkung 7

15 Jahre alt.

[00:45:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er noch Zeit.

[00:45:08.380] – Bemerkung 7
Wir verbringt er seine Zeit? Mit Cannabis, mit Diskussionen in die Richtung?

[00:45:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, die verwendet werden kann, ist Neurofeedback.

[00:45:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback lernt man auch Achtsamkeit, natürlich elektrisch vernetzt.

[00:45:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann seine Aufregung auf dem Bildschirm oder hört es an einen Ton.

[00:45:39.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neurofeedback Lehrerinnen, die bringen einem bei, achtsamer zu werden.

[00:45:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch in den Ferien Achtsamkeitstrainings.

[00:45:55.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beruhigt. Dann braucht es kein Ritalin, kein Neuroleptikum, kein Haschisch, man
lernt es selbst.

[00:46:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm reden und sagen, ich will, dass du das lernen darfst und man müsste
mal schauen, was für Programme es gibt.

[00:46:19.060] – Bemerkung 7
Vielleicht ist er jetzt schon wieder bereit. Für Kinesiologie war er auch offen. Irgendwann
kann ich wieder mit etwas neuem kommen. Das wäre das neue.

[00:46:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gute Erfahrung gemacht mit dem Neurofeedback oder einem
Achtsamkeitstraining.

[00:46:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennt jemand hier so etwas?

[00:46:37.220] – Bemerkung 8
Ich mache Kommunikationstrainings für junge Erwachsene, neuro-psychotherapeutisch
und verhaltenstherapeutisch aufgebaut. Als erstes lernen alle zuerst einmal die
Neurobiologie ihres Gehirns, ihre unterschiedlichen Aufmerksamkeitsfokussierungen
ihre Entwicklungsstufen. Wenn sie das kapiert haben, dann sind sie bereit etwas zu
ändern, sonst nicht. Wenn man in den Emotionen ist, ist hinten alles abgeschaltet, man
hat keinen Zugriff auf sein Altwissen, auf seinen Intellekt. Man reagiert nur auf seinen
sehr verminderten Arbeitsspeicher und macht irgendetwas. Man weiss hinterher auch
nicht mehr, was man gemacht hat. Man hat keine Erinnerungen.

[00:47:28.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsamkeitstraining, Kommunikationstraining, das geht alles in die gleiche Richtung.

[00:47:45.000] – Bemerkung 7
Die Psychologen haben immer rein geredet.

[00:47:45.260] – Bemerkung 8
Es gibt kein rein Reden. Es gibt nur Ratschläge.

[00:47:59.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:48:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Psychologen können mit ADHS/ADS Kindern umgehen. Man tendiert
heutzutag sehr schnell zu Ritalin.

[00:48:17.840] – Bemerkung 7
Er ist Spezialist für ADHS/ADS. Auf der Gefühlsebene hat es zwischen dem
Psychologen und dem Jugendlichen nicht geklappt. Er wollte nicht auf die Couch liegen.
Dann war gleich fertig.

[00:48:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es nicht, dann kann man es vergessen.

[00:48:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Er könnte auch in ein Trainingslager gehen, so wie Summer Camp. Dann ist er nicht
krank, dann lernt er einfach etwas. Das ist ja gut.

[00:48:44.340] – Bemerkung 7
Die Motivation muss ja kommen. Kann er was verdienen bei Euch?

[00:48:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann etwas lernen. Das verdienen kommt erst später zurück. Das ist eine langfristige
Investition.

[00:49:07.980] – Bemerkung 8
Sie können ihm sagen: das geht über zwei Tage, das ist Kurzurlaub für dich, mit noch
anderen tollen jungen Leuten, die alle gleich drauf sind wie du. Junge Gruppen sind
immer besonders anstrengend, aber spannend.

[00:49:49.580] – Bemerkung 9

Der ELPOS Regionalverein Aargau/Solothurn bietet dazu eine Info an von Frau Elena
Arici, https://www.linkedin.com/in/elena-arici-16822634/ zum Thema Neurofeedback, in
Rothrist.

[00:49:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wie sagen: ja, die Vernunft, dann sind sie schon zu sehr wieder auf dem
Überreden wollen.

[00:49:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen überzeugt sein, das ruhig platzieren, und dann geht's schon rein.

[00:50:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jeweils: das ist jetzt mein Argument.

[00:50:07.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sag nicht: friss es, also, versteh endlich.

[00:50:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Argument, ich leg's hier her und jetzt kannst du es nehmen, wenn du bereit
bist.

[00:50:17.400] – Bemerkung 7
Das warten, bis er dann bereit ist, das kostet viele Nerven. Das ist wie auf der
Rutschbahn, ich sehe ihn wie auf der Rutschbahn.

[00:50:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Es lohnt sich zu warten. Drängen braucht schlussendlich länger, als wenn sie in
Ruhe warten. Sie müssen sich wieder ins Lot bringen, aushalten, dran glauben.

[00:50:44.020] – Bemerkung 7
Ja, jetzt ist er am dealen mit Cannabis. Muss ich das noch weiter aushalten?

[00:50:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Es geht mindestens zwei Jahre.

[00:50:50.120] – Bemerkung 7
Ich hänge alles auf die Toilette, mein Regeln usw.

[00:51:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zu viel. Zurücknehmen. Weniger ist mehr. Wir wollen keine Numbing Effect.

[00:51:27.320] – Bemerkung 10
Achtsamkeit finde man auch beim Mindfulness-Verband: https://www.mindfulness.swiss/

[00:51:27.620] – Bemerkung 10
MBSR steht für: Mindfulness Based Stress Reduction.

[00:52:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Mindfulness bedeutet Achtsamkeit auf English. Das ist das gleiche.

[00:52:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird das auch bei geistig Behinderten und bei alten Leuten
verwendet.

[00:52:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Depression auch. Da muss man lernen wieder auf sich zu achten und nicht sich
zu zerstören.

[00:52:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke, super.

[00:52:34.640] – Bemerkung 11

In der Region Basel gibt es auch Kurse zum Thema Neurofeedback. Das findet man in
der ELPOS Broschüre. Christina Anaheim und Jan Massner.

[00:53:18.330] – Bemerkung 11
https://www.neurofeedback-basel.ch/janmassner

[00:53:34.180] – Bemerkung 12
Stimulanzien sind nicht Psychopharmaka?

[00:53:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, doch. Alles. Die verändern das Gehirn. Alles, was das Gehirn verändert, sind
Psychopharmaka.

[00:53:58.920] – Bemerkung 12
Sind sie gegen sämtliche Medikamente?

[00:53:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Ärztin, ich bin Psychiaterin, ich verwende auch Medikamente.

[00:54:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch manchen Leuten Ritalin.

[00:54:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird sehr viel Ritalin auch Erwachsenen verschrieben.

[00:54:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sagen, nein, ich will es nicht, wenn das Kind sagt, nein, ich will es
nicht, dann überrede ich niemandem dazu, dass er/sie Ritalin nehmen muss.

[00:54:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, man muss selbst dahinterstehen.

[00:54:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergewaltige niemanden zu dem Psychopharmaka.

[00:54:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich nicht in Ordnung. Das geht gegen meine Ethik.

[00:54:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende es auch. Ich bin nicht ein absoluter Feind von Medikamenten.

[00:54:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, dass Psychopharmaka zuviel verwendet werden.

[00:54:46.570] – Bemerkung 13
Medikamente können diesen Kindern auch helfen sich selber zu spüren und sich selber
zu reflektieren.

[00:54:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist schon möglich, weil die Psychopharmaka im Gehirn eingreifen.

[00:54:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann es auch anders lernen. Das andere Lernen hat keine Nebenwirkungen.
Das Ritalin kann Nebenwirkungen haben. Ich mag die nicht chemischen Methoden
besser.

[00:55:20.710] – Bemerkung 14
Je nachdem wie stark ausgeprägt es ist. Es ist ein grosses Spektrum. Gewisse können
ihren Arbeitsalltag ohne Ritalin gar nicht mehr bewältigen.

[00:55:37.400] – Bemerkung 14

In gewissen Jobs ist es nicht so wichtig, dass man am roten Faden bleibt, zum Beispiel
in der Kreativität. Es kommt auf den Kontext an.

[00:55:53.770] – Bemerkung 14
Die Schule hat bei der Ritalin Verschreibung nicht dreinzureden.

[00:56:01.430] – Bemerkung 14
Eltern und Kinder müssen sich entscheiden, wie sie vorgehen wollen im Umgang mit
Ritalin. Darin muss man sie unterstützen.

[00:56:26.870] – Bemerkung 15
Ein Jugendlicher nimmt schon lange Ritalin. Jetzt in der Pubertät möchte er kein Ritalin
mehr nehmen. Er ist auch schon sehr therapiemüde, dass er sagt: ich will keine
Therapie mehr.

[00:56:33.560] – Bemerkung 15
Was soll man machen als Eltern, wenn man sieht, dass Ritalin klar in der Schule hilft,
mit der Berufswahl usw.

[00:56:33.860] – Bemerkung 15
Das Kind weiss es selber auch: mit Ritalin schaffe ich die Schule viel besser.

[00:56:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die folgende Haltung. Sie dürfen entscheiden wie sie wollen.

[00:56:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sagt, ich will nicht mehr, dass ich dann sage, okay, wir probieren es.

[00:57:02.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen, wie es geht.

[00:57:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls ich finde, es ist ganz schrecklich, dann sag ich es dir. Dann diskutieren wir es
wieder.

[00:57:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nie sagen, nein, du darfst nicht.

[00:57:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Jugendlichen das versuchen lassen. Denn er will ja erwachsen werden
ohne chemische Unterstützung. Manchmal machen die ADHS/ADS Jugendlichen auch
ganz schnelle Schritte, sie werden auf einmal sehr viel vernünftiger in der Pubertät.

[00:57:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es nicht von vorweg ausschliessen.

[00:57:35.960] – Bemerkung 16
Ich möchte an die Eltern einen Gedanken legen. Erinnert euch zurück an euren ersten
Schultag in der Oberstufe.

[00:57:53.580] – Bemerkung 16
Was einfach klar ist: sicher durch die Pubertät zu gehen, ist so einfach, wie auf zwei
Bergspitzen ein gespanntes Seil zu überqueren, währenddessen ein Hurrikan wütet.

[00:58:07.690] – Bemerkung 16
Ich habe selber, über zwei Jahre Cannabis konsumiert.

[00:58:21.180] – Bemerkung 16
Ich war immer sehr emotional, immer ständig unterwegs und hatte auch eine innere
Unruhe. Vielleicht auch eben, wenn man diese Medikamente nicht nimmt. Darum greift
man oft zu Drogen, um sich zu betäuben. Dann ist man ruhig.

[00:58:33.260] – Bemerkung 16

Mütter sagen, ich möchte eigentlich, dass der eine raucht, dann ist er aushaltbar, weil er
sich selbst aushaltet.

[00:58:43.490] – Bemerkung 16
Die Kinder wissen weder nach links noch nach rechts. Es lastet so viel Druck auf ihnen.
Man muss ihnen Stabilität und Sicherheit geben, sie nicht versuchen einzuschränken
oder ihnen Regeln zu geben. Sie machen es ohnehin ganz anders. So wie sie bei ihren
Eltern auch etwas ganz anderes gemacht haben, als sie gerne möchten.

[00:58:52.120] – Bemerkung 16
Wenn sie den Jugendlichen ständig unterstützen, dann merkt das auch der Jugendliche
und entwickelt selber Selbstbewusstsein und merkt auch was er will, was er kann und
was nicht und greift vielleicht dann weniger zu Drogen, um sich selber zu betäuben.

[00:59:27.400] – Bemerkung 16
Die Entscheidung nicht mehr Ritalin zu nehmen, ist eine gute Entscheidung, finde ich
persönlich, wenn man immer noch gut leisten kann. Es ist eine Frage der
Notwendigkeit. Also für Schule, Arbeit, volle Konzentration, es geht um ein Geschäft,
man ist irgendwo angestellt, da muss man Verantwortung übernehmen können und
somit auch 100% gute Leistungen erbringen, also muss man sich selber überlegen, ob
man dazu fähig ist mit Medikamenten oder nicht.

[00:59:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank für das Schlusswort. Ich hoffe sie konnten etwas mitnehmen.