Transkript
Dr.med. Ursula Davatz
14.11.2023
Temperament gerechter Umgang
Audio
[00:00:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Temperamentgerechter Umgang.
[00:00:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir ein paar Gedanken als erstes gemacht, und zwar eine Banalität, ein paar allgemeine
Gedanken.
[00:00:12.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, der Mensch ist ein soziales Wesen und das muss man berücksichtigen.
[00:00:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine gesunde Erziehung, eine gesunde Entwicklung eines Kindes hängt von einer gelungenen sozialen
Beziehung mit seinem Umfeld ab.
[00:00:31.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, die Erziehungsverantwortlichen müssen eine Beziehung zum Kind herstellen können.
[00:00:39.670] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung wird häufig von der Haltung ausgegangen, wir müssen die Kinder in eine gewisse
Richtung lenken. Das heißt, wir ziehen sie irgendwo hin.
[00:00:52.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder nach unseren Vorstellungen erziehen, damit sie dann sich gut bewähren können
im erwachsenen sozialen Umfeld.
[00:01:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt oft nicht.
[00:01:07.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind, wenn es nicht klappt mit der Erziehung, zum Beispiel in der Schule, im Kindergarten und so
weiter, wenn es da nicht klappt, dann wird das Kind häufig uns Psychiatern übergeben und wir sollen
dann das Kind so richten, dass es sich in unserem gängigen System bewegen kann, anpassen kann und
so weiterentwickeln kann.
[00:01:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald Psychiater reinkommen, dann kommt ein medizinisches Modell zur Sprache. Das heißt, man
versucht an diesem einzelnen Kind rum zu machen, dass es dann reinpasst.
[00:01:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin sage natürlich, wir Erwachsene müssen uns auch dem Kind anpassen, damit
da irgendetwas funktioniert.
[00:02:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.
[00:02:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Erziehung ist nie nur eine Einbahnstrasse, als von mir zum Kind, ich erziehe, sondern das Kind
erzieht auch mich.
[00:02:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen an den Kindern verschiedene Lebenssituationen kennen, verschiedene Temperamente etc.
[00:02:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen immer auch von den Kindern lernen.
[00:02:36.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist an sich ein altes Prinzip. Sokrates hat schon gesagt, man lernt von seinen Schülern.
[00:02:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn gilt die Regel keine Erziehung ohne Beziehung.
[00:02:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum Titel: Was ist Temperament gerecht?
[00:02:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich natürlich viel mit ADHS-Kindern befasst.
[00:03:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Um ADHS-Kinder erfolgreich erziehen zu können, müssen wir zuerst verstehen, wie ihr Temperament ist,
wie ihr Wesen ist, wie sie die Welt wahrnehmen und wie sie auf die Welt reagieren.
[00:03:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können nicht einfach unsere Erziehungsvorstellung dem Kind auf doktrinieren.
[00:03:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich jeder Dompteur im Zirkus, der muss sich der Wesensart des Tieres bewusst werden, damit
er das Tier möglichst erfolgreich dressieren kann.
[00:03:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern sagt man das nicht. In dem Sinn sage ich ADHS Kinder brauchen eine
temperamentgerechte, eine persönlichkeitsgerechte Erziehung und Behandlung und Umgang mit ihnen.
[00:04:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist ADHS in aller Munde und es wird viel darüber diskutiert.
[00:04:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird auch gesagt, es ist nur eine Mode Krankheit, gibt es gar nicht, stimmt natürlich nicht. Es ist
ein genetisch angeborener Neurotyp, also Persönlichkeitstyp.
[00:04:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht alle Dinge erwähnen, aber ich hole drei Eigenschaften dieser Art von Kindes heraus.
[00:04:30.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist die sehr hohe Sensitivität. Das zweite ist eine starke impulsive Reaktivität.
[00:04:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wenn diese Kinder verletzt werden, sie werden leichter und schneller verletzt. Wenn sie
verletzt werden, dann reagieren sie entweder mit impulsiver, aggressiver Abwehr, sind dann sogenannte
böse Kinder, oder sie ziehen sich zurück und entziehen sich der Beziehung und dann kann man auch
nicht mehr erziehen.
[00:05:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dritte Eigenschaft des ADHS Kindes ist eine leichte Ablenkbarkeit. Man nennt dann das
Aufmerksamkeitsstörung. Aber ich sage, es ist eine breite Aufmerksamkeit. Das heißt, das Kind nimmt
viel mehr Reize im Umfeld wahr als ein Durchschnittskind.
[00:05:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn hinten ein Papier raschelt und vorne redet die Lehrerin oder die Kindergärtnerin, dann hört es auf
das Papier und nicht mehr auf den Lehrer oder die Lehrerin.
[00:05:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lassen sich sehr, sehr schnell ablenken.
[00:05:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her braucht es eine gewisse Fähigkeit, um die Aufmerksamkeit immer wieder reinzuholen von
diesen Kindern.
[00:06:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Typen sind schnell verletzt, das ADHS-Kind, wenn es verletzt ist, wird es aggressiv. Das ADS-Kind,
wenn es verletzt wird, zieht es sich eher zurück in seine Fantasiewelt.
[00:06:15.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das aggressive Kind erreicht man nicht mehr. Das Kind, das in die Fantasiewelt entschlüpft ist, erreicht
man auch nicht mehr.
[00:06:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her sage ich, wenn ein ADHS Kind, alles was ich sage, könnte man natürlich auf alle Kinder
anwenden.
[00:06:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS Kindern ist es noch wichtiger.
[00:06:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS Kind aggressiv, impulsiv reagiert, darf man es nicht für diese Aggressivität, für die
aggressive Abwehr bestrafen.
[00:06:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Moment der aggressiven Reaktion darf man es nicht bestrafen, nicht erziehen.
[00:07:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst nach der Verletzung suchen und sagen: Was hat dich jetzt so geärgert, dass du
so aggressiv geworden bist?
[00:07:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganz kleinen Kinder können das noch nicht sagen. Die größeren können es etwas.
[00:07:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den kleinen muss man beobachten: Was hätte es sein können? Und dann kann man fragen War es
das oder war es das?
[00:07:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man helfen. Man darf nie die Aggressivität sofort erzieherisch unterdrücken, sonst hat man den
Kontakt zu dem Kind verloren.
[00:07:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss also rausfinden, was hat dieses Kind verletzt? Wenn man etwas ein Bild hat, was das Kind
verletzt hat, dann muss man mit dem Kind zusammen gemeinsam erarbeiten, wenn dir das wieder
passiert, was könntest du anderes machen oder was wäre sozial verträglicher?
[00:08:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Also man muss die Konfliktlösung mit dem Kind zusammen erarbeiten.
[00:08:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald das Kind mitarbeitet an der Konfliktlösung und am Verhalten, dann steht es auch hinter diesem
Verhalten. Dann ist es nicht einfach aufgepfropft, aufgesetzt, sondern dann kann es das besser
übernehmen.
[00:08:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS-Kindern, die müssen intrinsisch motiviert werden, also von sich aus und nicht extrinsisch, also
nicht von außen.
[00:08:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie zur Kooperation bringen und nicht zum Gehorsam. Denn der Gehorsam, der funktioniert
nicht. Die haben sehr viel Widerstand. Die haben einen Dickkopf, im Kampf mit diesem Dickkopf macht
man meistens zweiten, also verliert man.
[00:09:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiter noch zur Aufmerksamkeit.
[00:09:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hunden sagt man, man muss zuerst den Appell des Hundes haben und erst dann darf der Befehl
durchgegeben werden.
[00:09:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht, ob ein Kind aufmerksam ist an den Augen.
[00:09:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Befehl quer durchs Zimmer gibt und in den Rücken des Kindes, dann kann es sehr wohl
sein, dass es diesen einfach ignoriert.
[00:09:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es etwas wichtiges ist, dann muss man zum Kind hingehen, Augenkontakt schaffen, je nachdem,
und das kommt auf das Kind drauf an, darf man auch noch Schulterkontakt, also die Hand auf die
Schulter legen.
[00:10:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es da diesbezüglich sehr empfindlich ist und nicht gern Berührung hat, dann geht das nicht.
[00:10:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Über den Augenkontakt, wenn man das Gefühl hat, man hat den Augenkontakt, dann kann man seinen
Wunsch, seinen Befehl sagen.
[00:10:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass dieser Befehl oder dieser Wunsch, dass der relativ kurz ist, klar ist und nicht 100'000
Erklärungen noch hinterher schieben.
[00:10:34.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verwirrt man das Kind und am Schluss weiß es nicht mehr, was man eigentlich wollte.
[00:10:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zum Teil auch mit einer, ich sage jetzt auditiven Diskriminierungsfähigkeit verbunden.
[00:10:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder können oft nicht lange Sätze sich merken.
[00:10:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das serielle Gedächtnis ist noch nicht so gut.
[00:10:58.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann viel zu viel aufs Kind einredet, geht der Anfang verloren und das Kind weiß nicht mehr,
was man von ihm wollte.
[00:11:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zuschaue, wie Eltern auf ihre Kinder einreden, auch auf die kleinen, dann denke ich Oh, redet
doch nicht zu viel, ist viel zu viel.
[00:11:18.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Kurze Sätze und dann schauen, ob es beim Kind angekommen ist.
[00:11:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das Appell.
[00:11:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADS Kindern, die haben eine Hyperaktivität im Kopf, die prüfen alles zuerst sehr sorgfältig durch in
ihrem Inneren, im Gehirn und erst dann entscheiden sie.
[00:11:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen unter einer Gruppe in einer Klasse oft leicht verloren.
[00:11:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, sie schweifen dann ab in Träumereien und bekommen gar nicht mehr mit, was läuft.
[00:11:59.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Träumer Kinder, die werden in einer Gruppe leicht zum Fokus von Mobbing.
[00:12:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig sind es eben scheue Kinder und wenn man die aggressiv angeht, dann wehren sich die nicht oder
können das nicht.
[00:12:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her muss man als Erziehungsperson die etwas im Auge haben und wenn da eine Mobbing
Situation in der Gruppe entsteht; man muss die Kinder in die Gruppe reinholen, bevor sie ganz
abgeglitten sind, ganz weg sind. Man muss sie aktiv reinholen.
[00:12:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Was früher von den Lehrern oft gemacht wurde, wenn die Kinder sich nicht richtig ausgedrückt haben
oder nicht gemeldet haben, dann bekamen sie schlechte Noten oder der Lehrer hat jemand aufgerufen
und das Kind weiß dann nicht was sagen und dann wird es vor der ganzen Klasse blamiert.
[00:13:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man natürlich nicht.
[00:13:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie reinholt, darf man sie nicht bloßstellen, sondern man muss sie begleiten.
[00:13:17.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder brauchen mehr Zeit. Man muss Geduld haben. Die sind nicht so schnell wie die ADHS
Kinder, die alles überrennen.
[00:13:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man den ganzen Prozess etwas verlangsamen.
[00:13:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gehe ich noch schnell auf das Wort ein: innovative Begleitung.
[00:13:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war bei Ihnen nicht dabei, aber ich nehme es jetzt trotzdem.
[00:13:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Innovativ ist alles, wenn wir mit den Kindern zusammen eine Lösung suchen.
[00:13:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ein Problem, z.B. mit einem einzelnen Kind. Ich will, dass das Kind jetzt seine Schuhe anzieht
und alle warten schon.
[00:14:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: zieh doch schnell deine Schuhe an und dann macht es das Kind einfach nicht. Dann kann
man sagen: Oh, jetzt habe ich ein Problem.
[00:14:15.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen warten schon, die laufen uns davon. Du wirst die Schuhe nicht anziehen. Was mache ich
jetzt?
[00:14:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Also, dass man das Problem schildert und dann schaut, ob das Kind mit irgendeiner Lösung kommt.
Wenn man die Kinder mit einbezieht in die Problemlösung, dann machen die eher mit.
[00:14:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das intrinsische Lernen und das selbst motivierte Mitmachen.
[00:14:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel Familien habe mit Kindern und die Eltern haben Probleme mit einem Kind, dann
schauen wir das Problem an.
[00:14:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich benenne das Problem und dann sage ich: Jetzt haben wir das Problem. Was schlägst du vor?
[00:15:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Natürlich, Dreijährige können das vielleicht noch nicht so gut, aber vielleicht können sie es sogar. Ich
frage das Kind: Was schlägst du vor und ich bin als erstaunt, was die Kinder für gute Vorschläge haben.
[00:15:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken immer wir Erwachsenen, die schon so viel Wissen vom Leben, die müssen dem Kind zeigen,
wie es geht.
[00:15:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kreativ, innovativ wäre das Kind mit Einbeziehen in die Lösung, in die Problemlösung, in die
Konfliktlösung.
[00:15:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe letztens einen Film angeschaut, das ist die Schule von Bratsch. Hat ihn irgendjemand gesehen?
Nein, ist in Wallis.
[00:15:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist ein junger Lehrer und der hat gesagt, er hat schlechte Schulerfahrung gemacht. Er will eine ganz
andere Schule machen. Die haben dann ein leeres Schulhaus, das nicht mehr verwendet wurde, haben
die gefragt, ob sie das verwenden können und haben dann dort eine Schule gemacht.
[00:16:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstaunlich. Ich kann nicht mehr alles sagen.
[00:16:10.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Damian Gsponer und Natascha Würsten sind die Lehrer. Damian Gsponer hat den Kindern drei Projekte
gegeben, also drei Bereiche, wo sie sich betätigen können. Eines war der Garten, das andere war, sie
mussten ein Lager vorbereiten und als drittes durften sie den Spielplatz gestalten.
[00:16:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich nicht alles gesehen, aber es war unglaublich, wie die Kinder mitgemacht haben.
[00:16:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben echte Problemlösungen miteinander erarbeitet und eines war eine Sitzung, da war ein
Gemeindepräsident dabei, aber die Kinder haben die Sitzung geführt und die haben dem
Gemeindepräsident gesagt, wenn sie da Einwände haben gegen unsere Schule, dann müssen sie jetzt
das bringen.
[00:17:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben sehr erwachsen geredet miteinander. Erstaunlich.
[00:17:09.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bringe ich jetzt noch mal ein Wort rein, der Stress.
[00:17:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress gibt es vier verschiedene automatisierte Stressverhalten bei Tieren und bei Menschen.
[00:17:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erste ist Fight, also Kampf.
[00:17:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder, wenn die verletzt werden, kämpfen die, Fight.
[00:17:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Flight, das ist die Flucht. Wenn ADS Kinder verletzt werden, flüchten die.
[00:17:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen flüchten auch eher, Männer neigen eher zu Kampf, Frauen eher zu Flucht nach innen.
[00:17:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dritte ist Freeze, auf Englisch reimt sich das sehr gut. Auf Deutsch heisst das: Totstellreflex.
[00:17:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Totstellreflex zum Beispiel muss man anwenden, wenn ein Silberback, also ein Gorilla einem im
Urwald als Feind sieht, dann muss man so tun, als ob man ein Fels sei, also dass er sich nicht gestört
oder angegriffen fühlt. Man darf nicht davon rennen, sonst geht er einem nach.
[00:18:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Freeze, so wie der Igel, der sich einigelt, wenn ein Feind kommt, so ist er geschützt.
[00:18:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können das auch, Freeze, dass wir gar nichts mehr sagen.
[00:18:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS Kinder machen eher Freeze, die ziehen sich zurück. Das Hirn läuft zwar noch, aber nach außen
sieht man gar nichts. Also die sogenannte Totenstarre.
[00:18:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir erschreckt werden von einem Einbrecher, dann können wir auch in die Totenstarre verfallen.
[00:18:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vierte Muster ist Teasing. Teasing, auch wieder Englisch, heißt eigentlich provokatives
Spielverhalten.
[00:19:03.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie jungen Hunden, auch jungen Geissen zuschauen, die Hunde, die kann man eher beobachten,
wenn sie denen zuschauen, die teasen sich gegenseitig, die springen sich an, die zwicken sich, die
machen alle möglichen Dinge und schauen dann, wie der andere reagiert.
[00:19:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder machen das auch. Die testen einen und wollen schauen, wie man reagiert.
[00:19:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man das Teasing nicht bestrafen, sondern wahrnehmen: aha, du willst mich in ein Spiel
reinholen? Je nachdem kann man sogar in ein Spiel reingehen und dann wird der Konflikt entschärft.
[00:19:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Teasing, also Teasing ist Spielverhalten, provokatives Spielverhalten, es ist aber auch
Lernverhalten und über Teasing entstehen kreative Problemlösungen.
[00:20:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schaut in der Wissenschaft, wer hat, also in welchem Alter wurden neue Dinge erfunden, dann
ist das häufig viel mehr bei jungen Menschen, weil die noch besser teasen können. Also die sind noch
nicht so eingespurt.
[00:20:28.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler von denen sagt man auch, die akzeptieren die Grenzen nicht. Die gehen immer über die
Grenzen raus und wollen schauen, wie reagiert wird.
[00:20:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann natürlich wissenschaftlich über die Grenzen rausgeht, dann erfindet man neue Dinge
und das ist dann kreativ.
[00:20:46.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADHS Kind, Steve Jobs war ein ADHS Kind, der Elon Musk ist sicher eines, der
von Microsoft Bill Gates und so weiter. Von Mozart sagt man es auch.
[00:21:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder können besser Grenzen überschreiten, also sie halten sich eben nicht so gut an die
Regeln. Das ist in der Schule vielleicht oder im Kindergarten nicht so angenehm.
[00:21:16.430] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Fähigkeit stecken immer auch innovative Kräfte.
[00:21:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn lande ich wieder beim Lernen. Wir müssen auch von den Kindern lernen, nicht nur die Kinder
von uns.
[00:21:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit gelernt wird und damit erzogen wird, braucht es eine ernsthafte Beziehung und eine ernsthafte
Auseinandersetzung mit dem Kind.
[00:21:48.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe häufig, dass Leute zu schnell wollen, dass das Kind schon gut erzogen ist und von dort her
dann, wie soll ich sagen einfach brav alles macht wie ein Erwachsener.
[00:22:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Titel war noch das Wort Balance, stärken der psychischen Balance
[00:22:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychische Balance.
[00:22:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe am Anfang gesagt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und er ist ständig am Balancieren
zwischen Anpassung und sich selber durchsetzen.
[00:22:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen neigen eher zur Anpassung, Jungs neigen eher zum sich durchsetzen, also
Dominanzverhalten. Das hängt mit den Hormonen zusammen und mit unseren Genen.
[00:22:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir als Mädchen, als Frauen uns zu viel anpassen, dann verlieren wir unser eigenes Ich und dann
bekommen wir eine Depression und funktionieren nicht mehr gut.
[00:23:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns zu viel durchsetzen, sind wir vielleicht unbeliebt, aber wir können uns doch besser
verwirklichen.
[00:23:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können das besser. Bei den Männern ist mehr bekannt, dass die sich halt durchsetzen und
bei den Männern, bei den Buben akzeptiert man es auch.
[00:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne muss ein Mensch immer in der Balance sein zwischen wie viel passe ich mich an, damit ich
in der Gruppe akzeptiert werde? Wie viel setze ich mich durch, damit ich mich selber sein darf?
[00:23:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wenn ich mich durchsetze als Führerfigur, als Alphatier, dann habe ich dann viele Followers, was
aber auch nicht das Mass aller Dinge ist.
[00:24:07.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist es ganz wichtig, dass man da immer wieder seine Balance findet.
[00:24:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Moment findet man, ich muss mich jetzt anpassen, in einem anderen findet man, man muss sich
mehr für sich selber einsetzen und durchsetzen.
[00:24:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist es wichtig, dass man den verschieden gearteten Kindern, also eben die ADHSler, die setzen sich
mehr durch. Wegen der hohen Sensibilität verlieren sie auch eher das Gleichgewicht.
[00:24:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich nicht durchsetzen können, sind sie verletzt und dann geht gar nichts mehr.
[00:24:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS Kinder verlieren wahrscheinlich schneller ihre Balance.
[00:24:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, da ist es unsere Aufgabe als Erzieher, dass wenn man sieht, jemand hat die Balance verloren,
dass man wieder schaut, wie kommt er zu seiner Balance?
[00:25:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem Anpassen und sich durchsetzen, also dominieren, da gibt es auch wieder eine Begrifflichkeit von
Jean Piaget.
[00:25:21.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Der redet von Adaptation, das wäre anpassen und Assimilation. Assimilation ist eigentlich, man nimmt
andere Dinge und integriert die in sich und setzt sich dann mit diesen neuen Dingen durch.
[00:25:40.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wenn ich mit Lehrern zu tun habe und wenn ich mit der Schule zu tun habe, dann denkt man
oft zu viel nur an die Skills, also die Kompetenzen zu erwerben, so wie Lernen, also Lesen, Schreiben,
Rechnen und so weiter.
[00:26:01.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Social Skills, also die Sozialkompetenz in der Gruppe, die kann sehr leicht schief laufen.
[00:26:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heißt es, das ist auf dem Pausenplatz, das geht uns nichts an, aber der Pausenplatz gehört zur
Schule. Von dort her ist es sehr wichtig heutzutage, dass wir den Kindern viel Sozialkompetenz
beibringen mit unterschiedlichen Kindern, unterschiedlichen Gebräuchlichkeiten, unterschiedlichen
Religionen und so weiter.
[00:26:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und wir müssen mit ganz vielen verschiedenen Kulturen
umgehen lernen und keine ist besser und keine ist schlechter. Jede hat ihre Vorteile, jeder hat ihre
Nachteile und wir müssen lernen, mit Unterschieden umzugehen.
[00:26:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Menschen zu kommunizieren, die eine andere Meinung haben, eine andere Haltung haben, ist
absolut notwendig, um die Kinder auf das moderne Leben vorzubereiten.
[00:27:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sehen, was jetzt da alles läuft an Krieg, dann sieht man, wie der Mensch noch nicht so weit ist,
mit unterschiedlichen Einstellungen umzugehen.
[00:27:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will recht haben und jeder will das bessere System haben.
[00:27:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer globalisierten Welt mit globalisiertem Handel, müssen wir mit allem umgehen können.
[00:27:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Wichtiges, wenn nicht das Wichtigste in der Erziehung ist die Sozialkompetenz.
[00:27:43.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären so meine Ausführungen und jetzt will ich Fragen von Ihnen.
[00:28:16.100] – Bemerkung 1
Also meine Tochter ist dreieinhalb. Die Tageskinder sind zwischen acht Monaten und zehn Jahren alt.
[00:28:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben sie eine große Varianz, ganz kleine Kinder und ein großes Kind. Das sind schon sehr viele
Unterschiede und da ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Stufen miteinander lernen umzugehen. Da
ist natürlich das große Kind, das mit dem kleinen lernen muss umzugehen.
[00:29:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Können Sie irgendwelche Probleme schildern? Anhand von den Problemen können wir Sachen lösen.
[00:29:27.150] – Bemerkung 2
Ich mache aktuell ein Praktikum an einer Privatschule, Kinder gemischten Alters miteinander lernen. Das
sind zehn Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren und da kommt es oft vor, dass die älteren Jungen,
die sind im Alter zwischen zehn bis zwölf, immer auf einem Mädchen rumhacken, was sieben ist.
[00:29:52.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, jetzt haben wir ein gutes Problem. Wie hacken die rum auf dem Mädchen? Was machen die?
[00:29:59.880] – Bemerkung 2
Sie sagen Beleidigung oder Tuscheln über sie.
[00:30:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht dann die Lehrerin?
[00:30:10.400] – Bemerkung 2
Sie sagt den Jungs, dass es nicht in Ordnung ist.
[00:30:13.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt schon die Erzieherin.
[00:30:20.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt bringe ich das Konzept des Teasing rein. Sie kennen wahrscheinlich auch den Spruch: Was ich lieb,
das neckt sich.
[00:30:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Werbeverhalten bei uns erwachsenen Menschen ist auch Teasing drin.
[00:30:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstatt dass wir sagen Ich interessiere mich für dich, mache ich einen blöden Witz. Da könnte ich, ich
kenne die Jungen nicht, aber da könnte ich jetzt sagen: vielleicht wollen die ja irgendwie Kontakt mit dem
anderen Geschlecht, mit diesem Mädchen.
[00:30:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist es für ein Mädchen? Ist sie scheu? Ist sie laut?
[00:31:07.510] – Bemerkung 2
Weder scheu, noch extrovertiert, also weder noch. Sie ist sehr kontaktfreudig, kommt eigentlich mit jedem
gut klar.
[00:31:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontaktfreudig? Was kann sie gut?
[00:31:25.640] – Bemerkung 2
Sachen erklären. Sie erklärt ganz viel, auch den Älteren.
[00:31:29.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, die ist gescheit. Kann sie es besser als die Jungen? Können die weniger?
[00:31:39.250] – Bemerkung 2
Ja
[00:31:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, okay, da ist eine Rivalität. Die kann etwas besser, ist kleiner und ist ein Mädchen.
[00:31:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ja klar, der Mann weiß immer alles besser als die Frauen, also das ist so etwas Tradition. Wenn
man die Heiraten ansieht, dann heiraten Akademiker, heiraten eine nicht Akademikerin. Das ist eine
traditionelle Beziehung zwischen Mann und Frau.
[00:32:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann alles gut erklären. Das ist schwierig für die Jungs. Dann tuscheln die blöd.
[00:32:15.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich jetzt reingehen und sagen und ich würde zuerst einen nehmen, nicht sagen, dass das nicht
okay ist, also nicht einfach verbieten, sondern ich würde den Frechsten nehmen und ich würde jetzt
wahrscheinlich fragen: Was findest du gut an ihr? Was findest du, dass die gut kann?
[00:32:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja sofort gesagt, sie kann gut erklären.
[00:32:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er das nicht sagt, können sie sagen: Ich finde, sie kann gut erklären. Was meinst du dazu?
[00:32:48.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir jetzt einen Wettkampf. Hier können wir sagen: Kann sie besser erklären als du, obwohl sie
jünger ist? Stört dich das?
[00:32:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man die Spannung, die sich da aufbaut zwischen diesen, dass man die etwas rausholt.
[00:33:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal auch, als ich eine Weiterbildung gemacht habe, da war ein Junge, der hat immer
irgendjemand angestoßen. Dann habe ich gesagt, der versucht Kontakt aufzunehmen auf ungeschickte
Weise.
[00:33:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen die, die tun blöd, die nehmen auf ungeschickte Weise mit ihr Kontakt auf.
[00:33:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haben die sogar Angst, dass sie ihnen über den Mund fährt oder die Dinge besser weiß als sie. Ja,
dass man das alles anschaut und dann schaut, wie können die anders miteinander kommunizieren,
spielerisch.
[00:33:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf etwas erklären und der Junge darf irgendetwas vorzeigen, was er ganz speziell toll kann, zum
Beispiel was sportliches oder irgendetwas.
[00:33:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sofort sagen können, die kann gut erklären.
[00:34:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wirkt dann altklug auf die und ja, das stört das Männer-Frauen-Bild.
[00:34:13.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war mal an einem Ärztinnen Workshop. Da hat die, die uns den Workshop gegeben hat, hat gesagt,
als Frau darf man schön sein, aber man muss dumm sein. Wenn man gescheit ist, muss man mindestens
hässlich sein. Aber attraktiv und gescheit, sehr gefährlich. Wenn ich mit Frauen geredet habe, die
intellektuell waren und auch noch attraktiv, die hatten Mühe Männer zu finden, weil da die Hierarchie nicht
stimmt und es beginnt schon da in der Schule. Macht das Sinn für sie?
[00:35:06.120] – Bemerkung 2
Ja, durchaus.
[00:35:08.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Reden Sie mit der Lehrerin und empfehlen sie nicht zuerst zu kritisieren und zu sagen: "Das gehört sich
nicht. Das ist einfach eine Anstandsregel". Das funktioniert überhaupt nicht.
[00:35:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Vermitteln zwischen diesen beiden Lagern.
[00:35:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich das, Ihrer Chefin zu sagen?
[00:35:34.560] – Bemerkung 2
Ja, doch.
[00:35:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Super. Dann müssen Sie rückmelden, wie es gegangen ist.
[00:35:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehen Sie, das ist Teasing. Provokationsverhalten.
[00:35:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich ist das immer Lernverhalten. Man könnte auch mal in eine Tierfarm schauen gehen, also wo
Hunde gezüchtet werden.
[00:36:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz
In Allschwil in Basel-Land, da züchten die Blindenhunde.
[00:36:06.160] – Bemerkung 3
Da war ich zufälligerweise auch schon einmal.
[00:36:10.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sieht man, wie die spielen miteinander. Wir reden ja dann auch von Welpenschutz. Wenn der
Junghund die Erwachsenen beißt oder zwickt oder was, dann reagieren die Erwachsenen nicht mit Nein,
das geht nicht, sondern die haben den Welpenschutz.
[00:36:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unseren Kindern auch den Welpenschutz gewähren, aber dann beibringen, wie könnte man
es anders machen?
[00:36:41.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben diese jungen Hunde auch gesehen, wie die gespielt haben. Super. Ja. Toll.
[00:37:02.110] – Bemerkung 4
Ein Junge wurde vier Jahre alt im September. Dann habe ich noch meine dreieinhalbjährige Tochter zu
Hause und ein anderer Junge, der auch vier Jahre alt ist.
[00:37:28.080] – Bemerkung 4
Häufig geht es dann so ein bisschen um den einen Jungen und meine Tochter und den Bub, dass sich so
ein bisschen Grüppchen bildet.
[00:37:35.610] – Bemerkung 4
Er fühlt sich ausgeschlossen, wenn es um das Teilen von Bauklötzen geht. Er sagt dann ganz viel mal, ja,
ihr seit jetzt nicht mehr meine Freunde, du darfst jetzt nicht zu mir nach Hause kommen, mein Papa tut
dich ins Gefängnis. Der Vater arbeitet im Gefängnis.
[00:38:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, das sagt der Junge, der vier Jahre alt ist.
[00:38:10.580] – Bemerkung 4
Der Junge hat zwei ältere Schwester und ich habe wie das Gefühl, dass er das von diesen Schwestern
aufgeschnappt hat.
[00:38:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man jetzt den Bub interpretiert, also wenn man sagt: Okay, ich sehe, du bist nicht zufrieden, wie es
läuft. Darum hast du jetzt deinen Vater hervor geholt und die anderen eingesperrt.
[00:38:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schauen wir noch nach einer anderen Lösung. Bist du nicht zufrieden, dass du nicht so gut
mitspielen kannst mit denen?
[00:38:48.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich fragen: Bei was würdest du gerne mitspielen? Dann würde ich die anderen Kinder fragen
und sagen: Wie seht ihr das? Was schlägt ihr vor, dass ihr miteinander spielen könnt, dass er auch
mitspielen kann.
[00:39:04.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die großen Kinder sagen ja dann immer, ja er macht mir alles kaputt und darum will man ihn nicht haben.
Dann tut man ihn ausschliessen.
[00:39:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man ihn ausschließt umso mehr macht er kaputt. Darum muss man mit den Großen dann reden
und fragen, was denkt ihr, was könntet ihr mit ihm zusammenspielen? Dass er mitspielen kann, dass er
mit beteiligt ist, weißt du, er will auch dabei sein, er will dort nicht in der Ecke sitzen.
[00:39:36.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen, was man spielen kann.
[00:39:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie beschrieben zuerst du bist unzufrieden, weil du nicht mitspielen kannst. Jetzt hast du Papa hinein
geholt aber es gibt noch andere Wege und wir tun jetzt das besprechen.
[00:39:56.000] – Bemerkung 4
Dann würden sie gar nicht gross auf seinen Vater eingehen?
[00:40:00.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.
[00:40:01.840] – Bemerkung 4
Der andere Bub hat dann gesagt, ich habe gar keine Angst vor deinem Papa. Dann hat der andere Junge
erwidert: ja du kennst ihn ja gar nicht.
[00:40:08.900] – Bemerkung 4
Ich habe dann gefragt: Willst du ein bisschen mehr erzählen von deinem Vater, was Dein Vater genau
macht im Gefängnis?
[00:40:16.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das will. Er hat ihn nur rein geholt um eigentlich spielen zu können.
[00:40:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde eher wieder auf das Spielen gehen, aber vielleicht danach sagen, okay, willst du ein bisschen
wissen von meinem Papa, dann soll er von seinem Vater erzählen.
[00:40:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich dann eine Horizont-Erweiterung, wenn man darüber spricht, was man im Gefängnis
macht, was für Leute dort sind.
[00:40:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ja dann alles Leute, die in der Gesellschaft nicht bestanden haben und darum dort eingesperrt
worden sind. Ursprünglich verwendet der Sohn das um ihnen Angst zu machen.
[00:41:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann hinterher sagen okay, willst Du ein bisschen wissen und dann darf er erzählen und das ist dann
die Horizonterweiterung.
[00:41:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben verstanden, wie es geht. Es ist auch ziemlich offensichtlich.
[00:41:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist typisch in der Psychologie in der Fachsprache sagt man triangulieren. Er ist nicht stark genug
gewesen und hat dann einen anderen hinein geholt, seinen Papa, die Kraft von seinem Papa.
[00:42:05.200] – Bemerkung 5
Ich hatte letzte Woche eine Situation auch mit einem Jungen aus der Lerngruppe. Wir waren dabei ein
Arbeitsblatt zu lösen. Es hatte auf diesem Arbeitsblatt einen Fehler. Das Arbeitsblatt hatte einen Fehler in
der Fragestellung. Dann hat ihn das so getriggert, dass er nicht mehr weitermachen konnte. Ich habe ihm
dann gesagt, er soll halt den Fehler in der Fragestellung berichtigen, wenn ihm das hilft. Die Wortglieder
waren falsch aneinandergereiht.
[00:42:41.680] – Bemerkung 5
Dann war die Aufgabe, man soll diese Satzglieder in der richtigen Reihenfolge wieder aneinanderreihen
und das so aufschreiben. Dann hat in der Aufgabenstellung ein Wort gefehlt und unter dieses Wort hat
der Satz keinen Sinn gemacht, egal wie man ihn angeordnet hat. Ich habe ihm gesagt, er soll das Wort,
was fehlt, in die Aufgabenstellung dazu schreiben.
[00:43:04.410] – Bemerkung 5
Er hat den Satz dann genau aufgeschrieben und hat die Satzglieder wieder aneinandergereiht, bis es zu
diesem Punkt kam, wo dieses Verbindungswort gefehlt hat.
[00:43:15.350] – Bemerkung 5
Dann konnte er nicht mehr weiter schreiben. Ich habe gemerkt, vorher ist es gut gelaufen. Er konnte
jeden Satz sehr schnell aufschreiben. Dann hat er mit wirklich mit jedem Wort gekämpft und dann
aufgehört, als dieses Wort hat dann das Aufgabenblatt direkt weggerissen und weggepackt.
[00:43:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ihm gleich die Lösung gesagt.
[00:43:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt ein Kind und es gibt solche Kinder und das sind eher autistische Kinder. Wenn etwas falsch
läuft, dann können die nicht mehr weitermachen.
[00:43:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein ganzes Buch gelesen über Autisten, die selber über sich geschrieben haben.
[00:43:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat einer zum Beispiel gesagt, wenn der Kellner mir den Kaffee serviert mit dem Löffel vorne, dann
kann ich den nicht trinken, denn es ist falsch.
[00:44:09.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer alles gleich und richtig sein.
[00:44:13.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Croissant nicht am richtigen Ort liegt, dann geht die Welt unter.
[00:44:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem solchen Jungen müsste man dann zuerst ihn validieren in seinem Schreck, in seiner Störung,
was ihn gerade stört.
[00:44:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, für dich ist es ganz schlimm, wenn da ein Blatt kommt mit einem Fehler drin.
[00:44:35.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Du erwartest, dass ein Blatt, ein Aufgabenblatt, das dir gegeben wird vom Lehrer, dass das 100 Prozentig
korrekt ist, oder? Ja.
[00:44:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihn validieren in seiner Wahrnehmung. Ja, okay, verstehe ich. Sollte eigentlich so sein.
[00:44:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss etwas verharren bei dem, dass ihn das stört, dass da ein Fehler ist.
[00:45:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: Weißt du, selbst Menschen, selbst Lehrer machen Fehler. Es gibt ja dann den lateinischen
Spruch: Errare humanum est, also irren ist menschlich.
[00:45:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann als wenn man einen maschinengemachten Gegenstand mit einem handgemachten
Gegenstand vergleicht, dann ist der handgemachte Gegenstand lebendiger, also weicher und der
Maschinen gemachte hart.
[00:45:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist das zu viel bei diesem Kind, aber ich gehe da jetzt einfach etwas weiter.
[00:45:41.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sagen Okay, wie lösen wir jetzt das? Muss ich es der Lehrerin zurückgeben? Muss die
das neu drucken und dir dann fehlerfrei geben? Oder denkst du, du kannst korrigieren?
[00:45:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind fast zu schnell zur Lösung gegangen.
[00:46:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehen Sie den Unterschied?
[00:46:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er fühlt sich nicht validiert, sagt man dem. Er fühlt sich nicht wertgeschätzt, nicht validiert, in dem, dass
ihn das stört.
[00:46:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns kann ein Haar stören bei der Frisur.
[00:46:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja auch ein Haar in der Suppe.
[00:46:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesem Jungen ist jetzt der Fehler ein Haar in der Suppe. Er kann die Suppe nicht mehr weiter essen.
[00:46:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man ihn da validiert und dann sagt Was machen wir? Müssen wir es zurückgeben? Oder Du
machst einfach nur bis da. Da validieren wir ihn in seiner Fehlerablehnung.
[00:46:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder denkst du, du kannst mit Tusche reinschreiben oder mit Füllfeder oder wie?
[00:46:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist er mit einbezogen in die Fehlerkorrektur.
[00:46:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn zu schnell überrannt. Mach es doch einfach so!
[00:47:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fühlt er sich nicht verstanden. Aber mich regt das auf.
[00:47:09.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die sagen, es muss alles am richtigen Ort sein. Und das ist auch typisch bei den ADHSlern.
Es muss alles am richtigen Ort sein und sonst geht die Welt unter.
[00:47:24.520] – Bemerkung 5
Danke!
[00:47:26.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Gern geschehen. So sind wir verschiedene Typen.
[00:47:32.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich noch mal etwas.
[00:47:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten brauchen Regelmäßigkeiten, immer zur gleichen Zeit das Gleiche, immer am gleichen Ort das
Gleiche.
[00:47:46.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe letztens einen Vortrag gehalten, dort habe ich gesagt: Elefanten sind auch so.
[00:47:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja Elefantengedächtnis und es gibt Geschichten von Elefanten, dass ein Elefant, der von
seinem Wärter nicht immer zur gleichen Zeit gefüttert wurde, der wurde vom Elefant an die Wand
gedrückt.
[00:48:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Elefant ist offensichtlich, punkto Zeiteinteilung, sehr genau.
[00:48:17.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht richtig macht, dann denkt der, der wollte mich klagen und dann wird der bestraft.
[00:48:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist autistisches Verhalten.
[00:48:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer sind ja punkto der Zeit sehr genau.
[00:48:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorhin alles ganz falsch gemacht, weil ich mich nicht einloggen konnte.
[00:48:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind exakt. Andere Kulturen sind nicht so exakt punkto Zeit.
[00:48:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel jemanden im Wartezimmer warten lasse, weil ich noch einen Notfall oder was
habe, manche fühlen sich total gekränkt, narzisstisch gekränkt. Ich habe die extra warten lassen. Da
muss ich sagen: Oh nein, tut mir leid, und dann geht es wieder. Annderen, denen ist das gleich.
[00:49:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Junge fühlte sich vom Lehrer gekränkt, dass da ein Fehler drin ist.
[00:49:15.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Er würde es wahrscheinlich nicht so benennen, aber es hat ihn gestört.
[00:49:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist es ein exakter Junge?
[00:49:29.370] – Bemerkung 5
Ja, doch schon.
[00:49:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er zu Hause bei seinen Schulsachen ganz gut Ordnung? Fragen sie ihn mal, wie er es zu Hause hat.
Sie können ihn auch fragen, ist seine Mutter sehr ordentlich, macht die nie Fehler. Sein Vater macht der
nie Fehler?
[00:49:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater Fehler macht, was macht er dann?
[00:49:55.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang mit Fehlern. Das ist auch wieder ein wichtiges soziales Thema. Die Fehlerkultur.
[00:50:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz haben wir an sich keine so gute Fehlerkultur.
[00:50:09.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Multikulturellen gehört auch gute Fehlerkultur. An Fehlern kann man lernen.
[00:50:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe wieder in die Wissenschaft.
[00:50:21.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden, weil er seine Agarplatte draußen stehen lassen hat.
[00:50:28.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der Pilz drauf gewachsen und so ist das Penicillin entstanden.
[00:50:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern kommen auch neue Dinge.
[00:50:36.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wären wir schon fast wieder beim Teasing.
[00:50:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler bringen ja andere Dinge in Umlauf und unsere ganze biologische, also genetische Entwicklung, da
wird auch mit Fehlern gearbeitet.
[00:50:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler sind Veränderungen.
[00:50:59.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Junge hat auch nicht gern Veränderungen.
[00:51:06.450] – Bemerkung 5
Das habe ich noch nicht beobachten können.
[00:51:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen Sie mal.
[00:51:09.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könnten ihn fragen. Vielleicht merkt er das gar nicht. Vielleicht macht seine Mutter immer alles richtig
oder gleich.
[00:51:17.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte dann sagen, welche Veränderung kannst du am ehesten akzeptieren? Fünf Minuten zu spät,
anderes Essen oder so? Damit er mit seiner Fehleraversion etwas konfrontiert wird.
[00:51:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal einen Psychologen gekannt, der hat extra einen Bewerbungsbrief geschrieben mit ganz
vielen Fehlern drin. Der wollte provozieren.
[00:51:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang waren viele Reklamen mit Fehlern drin, mit L und R verwechselt, weil die Japaner kein R
sagen können.
[00:52:07.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler fallen natürlich auch auf.
[00:52:09.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie unsere Mode an. Früher hat man die Hosen schnell zum Reparieren gebracht. Heute kauft
man sie für teures Geld mit Löchern und Fetzen und weiß ich nicht.
[00:52:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler sind in der Kleidung sogar Mode.
[00:52:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein interessantes Thema. Sie haben viele interessante Kinder in dieser Schule.
[00:52:46.440] – Bemerkung 6
Mich beschäftigt zur Zeit das Thema Trennung und Abschied von meiner Tochter sehr. Sie im Sommer in
die Spielgruppe gekommen. Am Anfang ist es recht gut gegangen. Also so am dritten Tag habe ich dann
wirklich nach einer Viertelstunde gehen können.
[00:53:12.050] – Bemerkung 6
Das hat eigentlich geklappt und dann sind drei Wochen Herbstferien dazwischen gewesen und seitdem
ist es wirklich schwierig.
[00:53:20.280] – Bemerkung 6
Sie klammert sich an mir fest, sie schreit sie will nicht, ich darf nicht gehen. Ich habe dann am Anfang ihr
probiert zu erklären, ich bleibe noch bis zum Kreis und nach dem Kreis geben ich dir einen grossen Kuss
und dann gehe ich.
[00:53:32.400] – Bemerkung 6
Ich habe ihr Plüschtiere mitgegeben und Sachen auf die Hand gemalt und so probiert. Ja ist gut, wenn
dann der Kreis gekommen ist, ist es dann trotzdem schwierig für sie gewesen. Da habe ich gemerkt, ich
glaube, sie kann das zeitlich gar nicht verarbeiten. Das ist der falsche Weg.
[00:53:54.610] – Bemerkung 6
Einmal bin ich gegangen, wo sie sich wirklich so festgehalten hat und das hat sich für mich richtig falsch
angefühlt. Ich bin dann zurück zu der Spielgruppenleiterin und habe gesagt, das fühlt sich für mich falsch
an.
[00:54:06.490] – Bemerkung 6
Die Spielgruppenleiterin hat dann im ersten Moment gefunden, ja, beim nächsten Mal mal muss ich
schneller gehen. Es bringt nichts, wenn ich so lange bleibe.
[00:54:12.970] – Bemerkung 6
Mein Gefühl hat eher gesagt, sie braucht noch mehr Begleitung. Ich möchte noch länger für sie da sein
und ihr wie die Möglichkeit für das Vertrauen gegeben und für mich stimmt das so nicht.
[00:54:25.640] – Bemerkung 6
Ich habe dann mit der Spielgruppenleiterin ein Gespräch gesucht. Sie hat das verstanden und ist auf
mich eingegangen.
[00:54:32.490] – Bemerkung 6
Jetzt seit etwa drei Mal, begleite ich sie immer bis zum Schluss. Ich ziehe mich einfach zurück. Ich bin
auch noch draussen und warte auf sie.
[00:54:40.450] – Bemerkung 6
Das geht gut. Ich habe gemerkt, es ist wirklich einfach der Moment vom Tschüss sagen. Es ist auch zu
Hause im Moment das grosse Thema.
[00:54:48.050] – Bemerkung 6
Danach fühlt sie sich wohl dort. Sie hat das Vertrauen und es gefällt ihr. Ich frage mich jetzt einfach: wie
lange kann ich das noch so machen?
[00:54:56.550] – Bemerkung 6
Macht es Sinn oder ist sie einfach wirklich im Moment noch nicht bereit, also noch nicht reif dafür?
[00:55:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar nach den Ferien ist es wieder ungewohnt gewesen und sie hat wieder neu angewöhnt werden
müssen. Das ist normal.
[00:55:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es richtig, dass sie bis mit hinein gegangen sind. Unterwegs einen Unterbruch zu machen, das
geht nicht. Das ist zu intellektuell.
[00:55:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, es ist richtig, dass sie mit rein gegangen sind.
[00:55:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Betreuerinnen sagen meistens, die Mutter soll schneller weggehen, sonst gibt es das Theater.
[00:55:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist ja dann immer, wie soll ich sagen, in einer Konkurrenz. Da ist die Mutter und dort ist die andere
Autoritätsperson.
[00:55:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hätte jetzt fast noch gesagt, doch, ja, halt noch eine Weile bleiben, also mit ihr bis hin gehen, bis sie
das Gefühl hat, jetzt kann sie es.
[00:55:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich dann immer, man muss dann miteinander planen.
[00:56:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen als Mutter ein bisschen herausfinden, was liegt drin, was nicht und dann sagen und jetzt
kommt wieder Zusammenarbeit. Du bist jetzt langsam ein großes Mädchen. Was denkst du, wann du das
kannst?
[00:56:16.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann einen Zeitpunkt wählen, eben nach den Ferien oder nach Weihnachten oder am nächsten Montag.
[00:56:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen normalen Rhythmus wählen, wo man es dann ändert.
[00:56:29.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Nikolaus Tag oder irgend so etwas.
[00:56:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben jetzt auf das hin und sie kann sich darauf einstellen und dann machen wir es dann.
[00:56:46.440] – Bemerkung 6
Wenn wir einen Tag vereinbaren, dann habe ich das Gefühl ich muss ja fast gehen, weil man hat es ja
dann abgemacht.
[00:56:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da müssen sie ein bisschen auf ihr Gefühl hören, ob sie es können.
[00:57:01.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wenn sie es abgemacht haben und sie sind klar und nicht ambivalent, dann machen sie es dann nach
dem Nikolaus Tag und dann gehen sie auch.
[00:57:11.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie schreit und dann muss halt dann die Spielgruppeleiterin übernehmen.
[00:57:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen innerlich klar sein. Sobald sie innerlich ambivalent sind, merkt es das Kind und dann geht es
nicht.
[00:57:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst müssen sie einschätzen, wann könnte ich es hinbringen. Dann besprechen sie das mit ihrer
Tochter, dann machen sie etwas ab und dann ist schon richtig, wenn sie bei dem bleiben und nicht
zurückgehen.
[00:57:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss sie es aushalten, dass sie dann ein bisschen weint.
[00:57:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss es aushalten und das Kind muss es aushalten.
[00:57:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Einschätzen und man kann nicht sagen so machen oder so machen.
[00:57:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss einschätzen, wie sie ihr Kind sieht und sich selber einschätzen, was sie hinbringt.
[00:58:03.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, wenn man abmacht, dann kann man es nicht durchziehen. Das ist natürlich nicht
so gut.
[00:58:08.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat mir mal eine Mutter von einem ADHS Jungen gesagt: Ich bin konsequent inkonsequent gewesen.
Das bringt es nicht.
[00:58:21.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man immer sich fragen: Was denke ich, was geht? Was spüre ich mit dem Kind zusammen
natürlich.
[00:58:31.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann okay, also gut, ich mach's. Dann dem Kind auch sagen dann machen wir es und das können wir.
Wir zwei können das.
[00:58:43.330] – Bemerkung 6
Ich versuche ihr das wie zu zutrauen. Es hat ja auch schon geklappt.
[00:58:53.190] – Bemerkung 6
Ich habe ihr auch schon gesagt, wenn du bereit bist und mir sagst, gut Mami, du darfst gehen, dann gehe
ich und ich komme dich wieder holen.
[00:58:59.280] – Bemerkung 6
Ich weiß halt nicht, ob der Moment wirklich kommen wird, wo sie sagt, dass ich jetzt gehen darf.
[00:59:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das kann sein, dass der nie kommt, denn es ist bequemer, wenn die Mutter hier bleibt.
[00:59:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum müssen sie da auch eine gewisse Führung übernehmen, einschätzen und auf dann machen wir
es und dann ziehen sie es durch.
[00:59:22.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es ein bisschen Tränen, aber das macht dann nichts. Sie dürfen dann nicht zerschmelzen an
einem schlechten Gewissen.
[00:59:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Haltung haben. Wir können das, du kannst das, auch wenn es ein bisschen weh tut, aber
du kannst das. Ich traue dir das zu.
[00:59:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihr eine Sicherheit vermitteln.
[00:59:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer das Beispiel von Pferde in einen Transportwagen hineinführen.
[00:59:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Pferde in einen Transportwagen hineinführen ist eine große Kunst.
[00:59:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Pferde sind Fluchttiere und die gehen nicht gerne dort hinein und wenn sie es nicht kennen nochmals
nicht. Dann muss es einer machen, der absolut sicher ist und das Vertrauen ausstrahlt und dann geht es
auch.
[01:00:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So müssen sie sie in Spielgruppe führen und Vertrauen haben. Doch, das geht, auch wenn es ein
bisschen Tränen gibt, es geht.
[01:00:19.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie noch nicht sicher sind, dann noch nicht machen. Sie müssen in sich in Sicherheit spüren.
[01:02:22.230] – Bemerkung 7
Ich habe ein Kind, das immer laut rechnet. So stört es die anderen Kinder. Es zählt immer laut, wenn es
etwas ausrechnet.
[01:02:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja er muss laut reden.
[01:02:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Satz von Franca Parianen, einer deutsche Neurowissenschaftlerin, die sagt: Woher soll ich
wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?
[01:02:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das trifft zu für unser Gehirn.
[01:02:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche müssen die Dinge laut aussprechen, damit sie wissen, was sie denken.
[01:02:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann noch nicht das für sich behalten.
[01:03:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinen Kinder dürfen ja auch noch mit den Fingern zählen.
[01:03:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie groß sind, dann dürfen sie nicht mehr. Viele machen es dann noch unter dem Tisch.
[01:03:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Jean Piage ist das das konkrete Lernen. Da würde ich jetzt sagen, der kann das nicht anders. Der
müsste in ein einzelnes Zimmer gehen dürfen.
[01:03:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann das noch nicht. Nein.
[01:03:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von dem verlangt, dass er das nicht machen darf (laut rechnen), kann er nicht so gut lernen.
Der braucht das noch.
[01:03:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Erwachsenen Leuten und vielen ADHS Leuten, die immer das Gefühl gehabt haben, sie
waren falsch, die haben sich immer angepasst an ihr Umfeld und dann haben sie den Kritiker in sich
integriert und kritisieren sich dauernd oder sie studieren im Kreis herum, es dreht sich immer im Kreis.
[01:04:16.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, man darf auch Selbstgespräche führen.
[01:04:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann den Erwachsenen, sie sollen Selbstgespräche mit sich führen.
[01:04:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ganz schwierige Situationen hat, dann ist das hilfreich, wenn man ein Selbstgespräch führt.
[01:04:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist noch nicht in der Lage, nicht ein Selbstgespräch zu führen.
[01:04:38.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde wirklich schauen, dass er in ein anderes Zimmer gehen darf.
[01:04:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat diese Impulskontrolle noch nicht. Nein, der hat die noch nicht.
[01:04:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich noch weiter gehe. In der Psychiatrie haben wir ja Patienten, also die Schizophrenie Patienten,
die führen Selbstgespräche und die haben sogar Stimmen im Kopf.
[01:05:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen die Selbstgespräche innerlich im Hirn ab.
[01:05:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei denen immer ein Prozess, dass die gestaute Energie haben und nicht wissen, was mit der
machen und im normalen Umfeld das nicht üben können.
[01:05:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ein Mensch geht zurück auf diese Methode, wenn er nicht richtig zu Gange kommt.
[01:05:53.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das diesen Jungen wegnehmen, dann lernt er nicht so gut mit sich umgehen.
[01:05:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir ihm diesen Impuls zu früh abwürgen, dann empfindet er sich nur als falsch und dann, dann
stoppen wir seine Lernmöglichkeit.
[01:06:13.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das irgendwie Sinn?
[01:06:16.160] – Bemerkung 7
Ja, macht es.
[01:06:16.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir Schizophrenie Patienten erzählen, sie sehen Gespenster und weiß ich nicht was, oder hören
böse Stimmen, dann frage ich immer nach: haben sie ein schlechtes Gewissen, dass sie das und das
nicht gut gemacht haben?
[01:06:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ganze Zeit.
[01:06:35.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwandle dann die Stimmen, die laut gewordenen Selbstgespräche, die sie dann auf jemand anders
projizieren, verwandle ich dann in ihr Gewissen.
[01:06:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es zu interpretieren.
[01:06:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich dann rückwärts gehen.
[01:06:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Jungen, den müssen wir noch lassen.
[01:06:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sogar eine Theorie, da sagt man, jede Psychose ist quasi wieder ein Entwicklungsschub.
[01:07:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man sogar eine Therapie entwickelt, dass man die Selbstgespräche führt.
[01:07:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Voice Dialoge sagen die dann.
[01:07:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, den muss man noch lassen, sonst stören wir seine Hirnentwicklung.
[01:07:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann es noch nicht besser.
[01:07:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.
[01:07:47.730] – Bemerkung 8
Egal ob wir jetzt rausgehen und etwas Freudevolles machen oder ob wir jetzt aus der Mittagspause
zurückkommen oder ob wir in die Pause gehen wollen, er sagt immer aus Prinzip, sagt immer direkt nein,
also komplette Gegenwehr.
[01:08:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder typisch. Das trifft man auch sehr viel an bei ADHS-Kindern.
[01:08:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es um den Wechsel. Sie machen etwas und dann kommt was Neues.
[01:08:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann nicht so schnell wechseln.
[01:08:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS-Kindern sagt man auch in zehn Minuten müssen wir dann weggehen. Du musst langsam
runterfahren oder aufhören mit deinem Spiel.
[01:08:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Arzt oder Zahnarzt gehen muss, da muss man überlegen, wie bereitet man vor? Es geht
immer Wechsel und er hat gar nicht gerne Wechsel.
[01:08:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Er merkt das wahrscheinlich nicht selbst, dass er gar nicht gerne Wechsel hat. Wie alt ist er?
[01:09:05.630] – Bemerkung 8
10 Jahre alt.
[01:09:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie sich angewöhnen: sie waren beim Spielen. Sie gehen auf den Heimweg. Sie schätzen
ungefähr ein. In zehn Minuten sind wir daheim und dann machen wir dann das.
[01:09:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie ihn vorbereiten auf den Wechsel.
[01:09:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er irgendetwas am machen ist, gehen sie vorbei und sagen in fünf Minuten oder was auch immer,
machen wir dann das, kannst du langsam runterfahren?
[01:09:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat nicht gerne Wechsel.
[01:09:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder unsere Gesellschaft anschaue, wir leben in einer Gegend der Jahreswechsel, also
Jahreszeitenwechsel, und wir haben lauter Rituale zu Jahreszeitenwechsel.
[01:10:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich glaube in Afrika, wenn da ein Machtwechsel ist, dann wird Ausgangsverbot verhängt. Man darf dann
nicht ausgehen, denn Wechsel sind immer Gefahren behaftet, Risiko behaftet.
[01:10:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann das noch nicht recht, diese Wechsel.
[01:10:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, man muss ihn immer darauf vorbereiten.
[01:10:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mal mit ihm reden und sagen, ich habe den Eindruck, du hast nicht gerne Wechsel. Ich
verstehe das. Das geht noch vielen Menschen so.
[01:10:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wechseln auch nicht gerne, wenn wir von den Ferien nach Hause kommen müssen, würden wir auch
so gerne noch etwas bleiben oder was auch immer.
[01:11:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wechsel sind für uns alle speziell.
[01:11:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber für diesen Jungen ist es ganz speziell schwierig.
[01:11:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie das mit ihm generell anschauen und dann sagen von jetzt an sage ich dir es immer, damit du
dich innerlich darauf vorbereiten kannst.
[01:11:22.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Nein ist einfach: ich habe nicht gerne Wechsel.
[01:11:27.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es auch Kinder, die wechseln ihre Kleider nicht gerne. Die wollen immer die gleichen Kleider
anhaben.
[01:11:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss die Mutter zwei Paar Hosen kaufen vom gleichen und dann nachts schnell wechseln.
[01:11:46.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es alle Formen von Wechselvermeidung.
[01:11:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mit ihm noch andere Wechsel anschauen.
[01:11:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zum Essen geht, sagt er da auch Nein?
[01:12:08.410] – Bemerkung 8
Da nicht.
[01:12:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, wenn es zur Futterkriese geht.
[01:12:13.980] – Bemerkung 8
Wenn es darum geht, vom Essen wegzukommen, um nachher wieder in den Unterricht zu starten, das ist
ganz schwierig.
[01:12:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da kann man ihn auch ja darauf aufmerksam machen. Man kann sogar eine Sanduhr nehmen, die
zehn Minuten oder sieben Minuten oder was auch immer braucht.
[01:12:37.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle jetzt da die Sanduhr hin und wenn alles unten ist, dann kommt das Neue.
[01:12:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir einfach den Wechsel sorgfältiger gestalten.
[01:12:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wechsel ist so wie eine zeitliche Lötstelle. Da kann alles auseinanderbrechen.
[01:12:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt das paar Ideen?
[01:13:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihn auch mal fragen, ob er gerne Kleider wechselt, ob er gern neue anzieht oder nicht.
[01:13:20.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es dem Patienten ganz schlecht geht, dann gehen die mit den Kleidern ins Bett, dann können die
nicht wechseln von Tagkleidung auf Pyjama.
[01:13:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat er wahrscheinlich nicht. Er wechselt nicht gerne.
[01:13:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden sie Wechsel-Expertin, indem sie ihn vorbereiten. Wir lernen das jetzt.
[01:13:50.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist für alle Menschen schwierig, für manche halt noch schwieriger. Wechsel, Veränderungen.
[01:13:59.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht der gleiche, der den Fehler nicht akzeptieren konnte. Das ist ein anderer. Da kann man
sagen, der eine hat nicht gerne Fehler, der andere hat nicht gerne Wechsel. Wir sind alle verschieden.
Wir haben alle irgendwo anders, eine gewisse Schwierigkeit.
[01:14:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Spannend. Haben sie noch ein Mädchen mit Schwierigkeiten?
[01:14:29.600] – Bemerkung 9
Ja, ein Mädchen kommt einfach immer komplett demotiviert zur Schule. Sie hat immer die Null-Bock-
Einstellung.
[01:14:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist die?
[01:14:44.970] – Bemerkung 9
12 Jahre alt.
[01:14:47.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Beginnender Teenager?
[01:15:02.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist sie gekleidet?
[01:15:08.330] – Bemerkung 9
Modern.
[01:15:09.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die würde ich mal fragen, du scheinst den totalen Ablöscher zu haben. Wo wärst du lieber jetzt anstelle in
der Schule zu sein? Wo wärst du lieber?
[01:15:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man nach einer Alternativwelt fragt und dann Aha und dann dem Unterschied anschaut.
[01:15:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, was ist da toll? Ich kenne natürlich Erwachsene, die gesagt haben, ich bin keinen einzigen Tag gerne
in die Schule gegangen.
[01:15:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde fragen: Wo wärst du lieber? Was ist dort toll?
[01:15:54.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann vergleicht man.
[01:15:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dann hier an der Schule nicht so gut?
[01:15:59.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann könnte man natürlich schauen, was könnte man von dem, was am anderen Ort gut ist, könnte man
in der Schule auch etwas kreieren?
[01:16:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte sie sich die Schule etwas spannender gestalten?
[01:16:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt die Kreativität. Was könnte sie machen? Es kann alles interessant sein, wenn man etwas
damit macht.
[01:16:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist jetzt jegliche Fantasie möglich.
[01:16:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie sich mal den Film von der Schule Bratsch an: Ein Dorf macht Schule.
[01:16:47.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer heißt Damian Gsponer.
[01:16:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es st sehr interessant, wie die Kinder da miteinander umgehen.
[01:17:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich das Idealumfeld, in dem sie lieber sein würden, würde ich vergleichen mit dem Schulumfeld
und schauen, was beim anderen besser ist und schauen, was man in die Schule holen könnte.
[01:17:22.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir haben, wir haben Schulpflicht in der Schweiz und wenn ein Kind nicht in die Schule geht, dann
wird das bestraft. Oder Kinder werden sogar mit der Polizei dann in die Schule abgeführt. Will man
natürlich alles nicht.
[01:17:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit ihnen kooperiert, dann kann das wieder interessant werden.
[01:17:45.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann sich an sich für jeden Tag etwas ausdenken, was sie Kreatives machen kann in der Schule.
[01:17:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt macht sie auf Widerstand.
[01:18:00.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihre Kreativität etwas stimulieren, etwas reizen, dass sie sich für jeden Tag etwas Lustiges
ausdenkt.
[01:18:12.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann irgendetwas sein.
[01:18:15.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sie am Morgen begrüßen, dann fragen sie: Was hast du dir für heute ausgedacht? Weißt du
schon was?
[01:18:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Teasing.
[01:18:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fordern sie sie heraus.
[01:18:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist eben Schule dann wieder nicht einfach die Lehrer sagen dem Kind, was es machen muss, sondern
das Kind kann auch etwas aus der Schule machen.
[01:18:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann sie irgendein Projekt vorschlagen.
[01:18:57.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In was ist sie gut?
[01:19:09.190] – Bemerkung 10
Im Kreativen.
[01:19:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Also, gut.
[01:19:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann würde ich dir reinholen über kreative Ideen.
[01:19:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist auch wieder das ADHS Kind.
[01:19:30.368] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen die Eltern?
[01:19:30.890] – Bemerkung 10
Die familiäre Situation ist schwierig. Die Eltern sind getrennt.
[01:19:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Arbeiter, Akademiker, Mittelschicht?
[01:19:43.000] – Bemerkung 10
Mittelschicht. Keine Akademiker.
[01:19:46.230] – Bemerkung 10
Es kann sein, dass die Eltern hintendran erwarten, dass das Kind mehr leistet und dass es auch
Widerstand macht gegen die Erwartungshaltung der Eltern.
[01:19:59.000] – Bemerkung 10
Dieser Widerstand, der trifft natürlich dann auch die Schule.
[01:20:03.850] – Bemerkung 10
Holen sie sie im Kreativen ab.
[01:20:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sie jedes Mal, wenn sie in die Schule kommt, fragen: Was hast du dir ausgedacht?
[01:20:13.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihr sogar den Auftrag geben. Denk dir was Interessantes aus für den nächsten Schultag.
[01:20:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen auch etwas davon haben. Sie wollen auch davon profitieren.
[01:20:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, sie dürfen nicht den ganzen Schulunterricht stören, aber so kleine Projekte kann man sicher
machen.
[01:20:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann in allen Gebieten sein.
[01:20:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Isst man da auch in der Schule?
[01:20:57.630] – Bemerkung 10
Ja, die essen miteinander, die kochen sogar miteinander.
[01:21:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, die Kinder kochen miteinander. Ja. Wer hat die Führung beim Kochen?
[01:21:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Nachbarin. Ah, okay. Cool.
[01:21:17.030] – Bemerkung 10
Es gehen immer zwei verschiedene Kinder zusammen zur Nachbarin und kochen mit ihr.
[01:21:19.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Also drei kochen dann miteinander.
[01:21:24.120] – Bemerkung 10
Ja.
[01:21:24.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann kreative Ideen haben in allen Bereichen. Auch beim Essen.
[01:21:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es noch ein anderes Kind, das wir dann nehmen können? Oder haben Sie noch etwas?
[01:21:52.590] – Bemerkung 11
Ein Tagesbub. Ich noch eine Katze zu Hause. Eigentlich immer am Morgen, wenn er kommt, hat er recht
Angst vor ihr, wirklich panische Angst. Bei der Eingewöhnung hat es sich recht schwierig gestaltet, weil er
so Angst vor der Katze gehabt hat. Es ist nie was vorgefallen. Am Nachmittag, wenn er dann da ist, dann
beginnt der die Katze zu plagen. Dann provoziert er die Katze.
[01:22:27.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist der Junge?
[01:22:45.090] – Bemerkung 11
Vier Jahre alt. Er ist ein sehr offener Junge, ich sage jetzt mal so ein Wildfang, ein lauter, hier bin ich, ein
Rowdy. Am Anfang ist er meistens zurückhaltend.
[01:23:03.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, der hat Angst vor der Katze gehabt, weil er nicht weiß, wie sie ist.
[01:23:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat nicht voraus sagen können, wie sich die Katze benimmt. Man sagt ja bei Katzen, die sind
eigenwillig und machen ihre eigene Sache.
[01:23:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß noch, unser Enkelkind, da habe ich so ein Spielzeug gehabt, wo man unten drücken konnte und
dann ist der Kopf runtergefallen.
[01:23:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat den Zusammenhang noch nicht sehen können, dass wenn ich drücke, dass der Kopf runterfällt.
Er hat das nicht voraussagen können.
[01:23:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist so, es will eigentlich alles voraussagen können und bei der Katze kann man es nicht
voraussagen.
[01:23:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist ja am Anfang ruhig, er schaut also immer noch ein bisschen schüchtern und dann wird er wild.
[01:24:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mal mit ihm über die Katze sprechen und sagen, er hat am Anfang Angst gehabt vor dieser
Katze, vor was hat er dann eigentlich Angst gehabt?
[01:24:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde echt mal mit dem Reden darüber.
[01:24:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich schauen ob meine Theorie aufgeht und sagen: Nicht wahr, Katzen kann man nicht
bestimmen, die sind eigenwillig.
[01:24:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du die Fantasie gehabt, dass die Katze dir etwas macht?
[01:24:38.890] – Bemerkung 11
Ja, ich habe schon mit ihm so ein bisschen drüber geredet.
[01:24:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat er dann gesagt?
[01:24:46.290] – Bemerkung 11
Ja, er will einfach nicht, dass die Katze zu ihm kommt.
[01:24:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben, er kann sie nicht bestimmen.
[01:24:51.370] – Bemerkung 11
Ich habe noch die Wieso-Weshalb-Warum-Bücher von einer Katze zu Hause und habe wirklich mit den
Kinder mal geschaut, was machen Katzen, wie sind sie, was haben sie gerne und was haben sie nicht
gerne.
[01:25:05.140] – Bemerkung 11
Allgemein bei Tieren, hat er eigentlich eher Angst. Mich wundert es einfach, wieso er am Nachmittag
dann so auf sie zugeht und sie sogar hänselt.
[01:25:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Da will er sie eigentlich testen, das wäre wieder Teasing. Da will er herausfinden wie sie reagiert.
[01:25:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich sagen, wir tun jetzt miteinander schauen und ich zeig dir wie wir umgehen mit der Katze.
[01:25:31.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Du die Katze hänselst, wenn sie Angst bekommt oder verrückt wird, dann kratzt sie dich, dann
macht sie dir weh. Das willst Du nicht.
[01:25:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kannst einen Ball rumwerfen, dann kann die Katze mit dem spielen, oder mit einer Nuss, wie mit einer
Maus.
[01:25:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihm beibringen, wie man mit der Katze interagiert.
[01:25:55.720] – Bemerkung 11
Ja, das haben wir auch schon. Wir haben auch schon miteinander der Katze Leckerli gegeben. Ein
zeitlang hat es dann wie aufgehört, aber es hat jetzt wieder angefangen, dass er am Morgen wenn er
kommt, dann einfach so reagiert.
[01:26:09.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie streichelt er sie? Getraut er sich nicht, sie zu streicheln?
[01:26:14.030] – Bemerkung 11
Ab und zu getraut er sich aber dann wirklich mit viel Abstand und auch nur einmal so und dann ist er aber
auch sehr stolz.
[01:26:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, der hat Angst vor ihr, weil sie nicht berechenbar ist.
[01:26:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man einüben. Dann sagt man, wo streicheln? Hier am Hals, den Rücken runter. Er denkt, sie
kann ihn jederzeit angreifen.
[01:26:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will eigentlich lernen mit ihr umzugehen, aber auf eine ungeschickte Art.
[01:26:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Spielen müsste er mit der Katze, indem er ein Bällchen wirft oder so etwas.
[01:26:51.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sohn schickt uns immer so Tierfilme. Unterschiedliche Rassen können auch miteinander spielen.
Das sind alles kleine Tiere und die können das noch.
[01:27:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihm sagen, du verwendest eine falsche Taktik um mit dieser Katze zu spielen.
[01:27:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss lernen mit dieser Katze zu spielen.
[01:27:35.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das braucht ein bisschen Zeit. Er muss üben.
[01:27:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihm zeigen, da können sie mit der Katz spielen und es geht. Dann fragen: was habe ich
jetzt gemacht? Dann muss er sie beobachten, wie sie es gemacht haben.
[01:27:50.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Also jetzt machst du es. Dann beobachten sie ihn und sagen: du hast jetzt so und so gemacht und das
geht nicht.
[01:27:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie eine Katze-Spiel-Lernstunde. Er kann sie beobachten und sie beobachten ihn.
[01:28:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig lernen wir beide besser zu beobachten. Wir müssen ohnehin heute lernen, besser zu
beobachten.
[01:28:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist im Gegensatz zu der ganzen IT Welt, die künstliche Intelligenz, da muss man nicht mehr
beobachten, da wird nur noch gerechnet und alles ist flach.
[01:28:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze weiche Intelligenz geht verloren.
[01:28:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort ist das ein interessantes Spiel. Sie spielen mit der Katze und er muss sie beobachten und dann
erzählen, was sie gemacht haben.
[01:29:00.830] – Bemerkung 12
Es gibt zwei Mädchen, die Jüngsten. Die eine ist sechs und die andere ist jetzt gerade sieben geworden.
Die sind sehr gut miteinander befreundet und haben sich sehr gerne, die umarmen sich auch oft.
[01:29:13.920] – Bemerkung 12
In der letzten Mittagspause ist mir aufgefallen, wie das siebenjährige Mädchen das sechsjährige
Mädchen immer wieder so stichelt mit dem Finger und das siebenjährige Mädchen sagt "Nein". Es dreht
dann so den Rücken zu, aber geht nicht weg und bleibt halt so.
[01:29:30.730] – Bemerkung 12
Das andere Mädchen, das findet das lustig, aber das ist dann wahrscheinlich auch Teasing.
[01:29:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch Teasing. Da kann man, wenn man sieht, dass sie das macht, kann man sagen: Ist dir
langweilig geworden mit dem anderen Mädchen? Aha.
[01:29:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber weißt du, sie da so sticheln, die sagt, da wird es nicht interessanter. Was gäbe es noch anderes um
wieder was Interessantes reinzubringen?
[01:29:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ja, das ist Teasing. Der ist langweilig geworden. Die findet die auf einmal langweilig, aber sie weiß
nicht, was anderes zu machen.
[01:30:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man die aus diesem rausholen. Was könnte man jetzt machen, was spannend ist?
[01:30:16.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ja so, wenn Ehepaare scheiden, dann wird immer gesagt: Ja, mit der Zeit lebt sich die Beziehung
etwas aus und es wird langweilig. Müsste überhaupt nicht so sein. Man muss halt immer wieder was
Neues finden.
[01:30:33.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind so eng, die haben es gut miteinander.
[01:30:36.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu viel Enge macht es manchmal etwas langweilig.
[01:30:41.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt die zu teasen, hänseln, sticheln.
[01:30:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gäbe es da eine interessantere Form als nur so stupfen.
[01:30:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich einen Tierfilm gesehen, da hat ein Hund, ein riesen dickes Schwein, der wollte immer mit
dem spielen und der ist auf dem rumgehüpft und hat immer wieder das Schwein aktiviert zum Spielen.
[01:31:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber das hat einfach nichts gemacht.
[01:31:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss ist so eine Riesensau aufgestanden, ist sie davongelaufen und dann ist der Hund davon
gesprungen.
[01:31:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war unglaublich, wie dieser Hund dieses Schwein aktivieren wollte um mit ihm zu spielen.
[01:31:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Behaviour, wenn sie das mal so im Kopf haben, können sie es überall sehen. Es ist so
lustig, was da alles gemacht wird.
[01:31:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, dann darf ich sie hier verlassen. Danke, dass sie so Nachsicht mit mir hatten, weil ich das nicht
konnte, ich war nicht in der Lage, das zu aktivieren, aber wir haben es jetzt doch noch geschafft.
[01:31:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß beim rausfinden von neuen Lösungen.
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