Umgang mit hochsensiblen Kindern: Tipps für Eltern und Lehrer

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einsichten für Eltern und Lehrer im Umgang mit hochsensiblen Kindern.

Grundlegendes Verständnis:

  • Hochsensibilität als Wesensmerkmal: Es ist wichtig zu verstehen, dass Hochsensibilität kein Defizit oder eine Krankheit ist, sondern ein Wesensmerkmal. Hochsensible Kinder nehmen ihre Umgebung intensiver wahr und verarbeiten Reize tiefer, was sowohl zu besonderen Stärken als auch zu Herausforderungen führen kann.
  • System-Overload vermeiden: Die intensive Wahrnehmung hochsensibler Kinder führt schneller zu Überforderung und einem sogenannten System-Overload, der sich in verschiedenen Symptomen wie Rückzug, Aggression, Konzentrationsproblemen oder emotionalen Ausbrüchen äußern kann. Das Ziel im Umgang mit hochsensiblen Kindern ist es daher, Überforderung zu vermeiden und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen.

Konkrete Empfehlungen für Eltern:

  • Wahrnehmung und Bedürfnisse respektieren: Anstatt zu versuchen, das Kind an die Norm anzupassen, sollten Eltern seine individuelle Wahrnehmung und Bedürfnisse respektieren. Jedes Kind ist anders und was für das eine Kind angenehm ist, kann für das andere Kind eine Überforderung darstellen.
  • Ruhe und Geduld bewahren: Gerade in Situationen, in denen das Kind emotional wird, ist es wichtig, dass Eltern Ruhe und Geduld bewahren. Hektik und laute Reaktionen verstärken den Stress des Kindes nur.
  • Kommunikation anpassen: Statt zu belehren oder zu kritisieren, sollten Eltern ruhig und verständnisvoll mit dem Kind kommunizieren und ihm aktives Zuhören signalisieren.
  • Reize reduzieren: Eltern können versuchen, Reize im Alltag zu reduzieren, die das Kind zusätzlich belasten. Dies kann z.B. bedeuten, feste Ruhezeiten einzuplanen, laute Umgebungen zu meiden oder dem Kind Rückzugsmöglichkeiten zu bieten.
  • Beziehung aufrechterhalten: Beziehungsabbrüche, wie z.B. das Kind zu ignorieren, es in sein Zimmer zu schicken oder ihm die Liebe zu entziehen, sind besonders schädlich. Stattdessen sollten Eltern präsent bleiben und dem Kind verbale Angebote machen, auch wenn es im Moment nicht darauf reagieren kann. Dr. Davatz empfiehlt, im gleichen Raum zu bleiben und seine eigenen Tätigkeiten fortzusetzen, während das Kind sich beruhigt.
  • Grenzen setzen: Auch wenn es wichtig ist, die Bedürfnisse des Kindes zu respektieren, müssen Eltern trotzdem klare Grenzen setzen. Ein Kind, das keine Grenzen kennt, kann sich schnell überfordert fühlen und tyrannisch werden. Dr. Davatz betont, dass antiautoritäre Erziehung nicht bedeutet, dass das Kind immer das Sagen hat.
  • Professionelle Unterstützung suchen: Wenn Eltern sich unsicher fühlen oder das Gefühl haben, dass sie mit der Situation alleine nicht zurechtkommen, sollten sie professionelle Unterstützung suchen.

Konkrete Empfehlungen für Lehrer:

  • Individuelle Bedürfnisse erkennen: In einer Schulklasse mit vielen Kindern ist es eine Herausforderung, auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes einzugehen. Dennoch sollten Lehrer versuchen, die besonderen Bedürfnisse hochsensibler Kinder zu erkennen und bestmöglich zu berücksichtigen.
  • Gerechtigkeit und Fairness: Hochsensible Kinder reagieren besonders empfindlich auf Ungerechtigkeiten. Lehrer sollten daher im Umgang mit allen Kindern auf Gerechtigkeit und Fairness achten.
  • Spannungen vermeiden: Spannungen und Konflikte im Klassenzimmer können hochsensible Kinder stark belasten. Lehrer sollten versuchen, ein positives und respektvolles Klassenklima zu schaffen.
  • Kommunikation und Kooperation: Offene Kommunikation mit den Eltern ist besonders wichtig. Lehrer sollten die Eltern über die Bedürfnisse des Kindes informieren und gemeinsam Strategien entwickeln, wie sie das Kind bestmöglich unterstützen können. Dr. Davatz schlägt vor, Eltern zu einem Schulbesuch einzuladen, bei dem sie die Situation des Kindes im Unterricht beobachten können.
  • Fortbildungen nutzen: Es gibt spezielle Fortbildungen für Lehrer zum Thema Hochsensibilität, die wertvolle Informationen und praktische Tipps für den Umgang mit hochsensiblen Kindern im Schulalltag bieten.

Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern:

  • Gemeinsames Ziel: Eltern und Lehrer haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das Kind bestmöglich unterstützen und ihm helfen, seine Potenziale zu entfalten.
  • Verständnis und Respekt: Gegenseitiges Verständnis und Respekt sind die Grundlage für eine gelingende Zusammenarbeit.
  • Offene Kommunikation: Regelmäßiger Austausch und offene Kommunikation über die Bedürfnisse und Fortschritte des Kindes sind wichtig.
  • Konfliktlösung: Wenn es zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern kommt, sollten diese konstruktiv und lösungsorientiert angegangen werden.

Zusammenfassung: Der Umgang mit hochsensiblen Kindern stellt sowohl für Eltern als auch für Lehrer eine Herausforderung dar. Durch Verständnis, Respekt, Geduld und die Bereitschaft zur Kooperation können sie jedoch ein Umfeld schaffen, in dem sich hochsensible Kinder wohlfühlen und ihre Potenziale voll entfalten können.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf

Erfolgreiche Eltern-Lehrer-Kommunikation: Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die Komplexität der Eltern-Lehrer-Kommunikation, insbesondere wenn es um hochsensible Kinder geht. Oftmals entstehen Missverständnisse und Spannungen, die das Kind zusätzlich belasten. Umso wichtiger ist es, konstruktive Kommunikationswege zu finden, die allen Beteiligten dienen.

Herausforderungen:

  • Verschiedene Perspektiven und Prioritäten: Eltern konzentrieren sich naturgemäss auf das Wohl ihres eigenen Kindes, während Lehrer die Bedürfnisse einer ganzen Klasse im Blick haben müssen.
  • Angst und Misstrauen: Lehrer haben oft Angst vor Beschwerden von Eltern, die nur die Perspektive ihres Kindes sehen. Eltern wiederum erleben Lehrer manchmal als unzugänglich und wenig verständnisvoll.
  • Mangelnde Wertschätzung: Oftmals fehlt es an gegenseitiger Wertschätzung zwischen Eltern und Lehrern.
  • Kommunikationsdefizite: Es mangelt an Gelegenheiten für einen offenen und respektvollen Austausch zwischen Eltern und Lehrern.

Konsequenzen für das Kind:

  • Loyalitätskonflikte: Spannungen zwischen Eltern und Lehrern führen dazu, dass sich das Kind in einem Loyalitätskonflikt befindet.
  • Emotionale Belastung: Das Kind spürt den Konflikt zwischen seinen Bezugspersonen und leidet unter der angespannten Atmosphäre.
  • Beeinträchtigung des Lernprozesses: Die emotionale Belastung und der Loyalitätskonflikt wirken sich negativ auf die Konzentration und Lernfähigkeit des Kindes aus.

Lösungsansätze:

  • Schaffung von Verständnis und Perspektivenwechsel:
    • Validierung aller Beteiligten: Sowohl die Eltern als auch der Lehrer sollten in ihren Wahrnehmungen und Bedürfnissen ernst genommen werden.
    • Schulbesuche: Eltern können durch Schulbesuche die Situation im Klassenzimmer aus der Perspektive des Lehrers besser verstehen.
  • Verbesserung der Kommunikation:
    • Regelmäßige Gesprächsmöglichkeiten: Elternsprechtage, Elternabende oder informelle Treffen bieten Raum für Austausch und Klärung von Missverständnissen.
    • Offene und respektvolle Kommunikation: Eltern und Lehrer sollten ihre Anliegen klar und wertschätzend formulieren.
    • Konstruktive Konfliktlösung: Statt in Schuldzuweisungen zu verharren, sollten gemeinsam Lösungen für Probleme gesucht werden.
  • Stärkung der Zusammenarbeit:
    • Gemeinsames Ziel: Eltern und Lehrer verfolgen das gleiche Ziel, nämlich das Wohl des Kindes. Dieses gemeinsame Ziel sollte im Mittelpunkt der Kommunikation stehen.
    • Ressourcenorientierte Herangehensweise: Statt sich auf Defizite zu fokussieren, sollten die Stärken des Kindes und die Ressourcen im System (Eltern, Lehrer, Fachpersonen) genutzt werden.
    • Transparenz und Information: Eltern und Lehrer sollten sich gegenseitig über wichtige Entwicklungen und Ereignisse informieren.

Beispiel aus den Quellen:

Dr. Davatz erzählt von einer Schule, in der ein Stammtisch für Eltern und Lehrer eingeführt wurde. Dort konnten Probleme und Konflikte in einer entspannten Atmosphäre besprochen werden. Dies führte zu einer deutlichen Verbesserung der Eltern-Lehrer-Kommunikation und einem Rückgang von Beschwerden.

Fazit:

Eine gelingende Eltern-Lehrer-Kommunikation ist entscheidend für das Wohlbefinden und den Lernerfolg von Kindern, insbesondere von hochsensiblen Kindern. Durch Verständnis, Wertschätzung und eine offene Kommunikation können Konflikte gelöst und eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes aufgebaut werden.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf

Mehr Unterstützung für Lehrer im Umgang mit ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz betont in ihren Ausführungen die Notwendigkeit, Lehrkräfte im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern stärker zu unterstützen. Sie zeigt auf, dass viele Lehrer im Schweizer Schulsystem unzureichend auf die Herausforderungen vorbereitet sind, die diese Kinder mit sich bringen.

Fortbildung und Schulung:

Lehrkräfte benötigen eine fundierte Ausbildung im Bereich ADHS/ADS, um die Besonderheiten dieser Kinder zu verstehen und adäquat auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können.

  • Verständnis für die Wesensart: Es ist wichtig, dass Lehrer die neurobiologischen Grundlagen von ADHS/ADS verstehen und lernen, die Kinder in ihrer individuellen Wesensart zu erkennen und anzunehmen.
  • Abkehr von überholten Methoden: Die gängige Pädagogik der Bestrafung und Belohnung ist bei ADHS/ADS-Kindern wirkungslos und sollte durch alternative Ansätze ersetzt werden, die auf positive Verstärkung und individuelle Förderung setzen.
  • Umgang mit herausforderndem Verhalten: Lehrkräfte sollten Strategien erlernen, um mit dem oft herausfordernden Verhalten von ADHS/ADS-Kindern umzugehen, ohne dabei die Kinder zu beschämen oder zu bestrafen.

Kollegiale Beratung und Austausch:

Der Austausch mit Kollegen und Expertinnen ist unerlässlich, um Unsicherheiten zu überwinden und von den Erfahrungen anderer zu lernen.

  • Tutorensystem: Die Einführung eines Tutorensystems, bei dem erfahrene Lehrkräfte ihre jüngeren Kollegen im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern unterstützen, kann wertvolle Hilfe leisten.
  • Schulbesuche: Gegenseitige Schulbesuche bieten die Möglichkeit, verschiedene Umgangsformen mit ADHS/ADS-Kindern kennenzulernen und sich neue Ideen zu holen.
  • Supervision: Regelmäßige Supervision durch Fachpersonen mit ADHS/ADS-Expertise kann Lehrkräften helfen, ihre eigene Arbeit zu reflektieren und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Strukturelle Veränderungen:

Neben Fortbildungen und Austauschmöglichkeiten sind auch strukturelle Veränderungen notwendig, um Lehrkräfte im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern zu entlasten und ihnen mehr Zeit und Ressourcen für die individuelle Förderung der Kinder zur Verfügung zu stellen.

  • Zwei Lehrkräfte pro Klasse: Der Vorschlag von Dagmar Rösler, dass jede Klasse zwei Lehrkräfte haben sollte, würde den Lehrkräften mehr Raum für individuelle Betreuung und gegenseitige Unterstützung bieten.
  • Kleingruppen und Teamteaching: Durch die Arbeit in Kleingruppen und Teamteaching-Modellen können die Lehrkräfte individueller auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und sich gegenseitig ergänzen.
  • Entlastung von administrativen Aufgaben: Durch die Reduktion von administrativen Aufgaben könnten Lehrkräfte mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern gewinnen.

Zusammenarbeit mit Eltern und Fachpersonen:

Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und externen Fachpersonen wie Kinderpsychologen oder Heilpädagogen ist unerlässlich, um ADHS/ADS-Kinder optimal zu unterstützen.

  • Austausch von Informationen: Regelmäßiger Austausch über den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse des Kindes ermöglicht ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten.
  • Entwicklung individueller Förderpläne: Gemeinsam können Eltern, Lehrkräfte und Fachpersonen individuelle Förderpläne entwickeln, die auf die Stärken und Schwächen des Kindes abgestimmt sind.

Fazit:

Die Unterstützung von Lehrkräften im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern ist eine zentrale Aufgabe, um diesen Kindern eine erfolgreiche Schulzeit zu ermöglichen. Durch Fortbildungen, Austauschmöglichkeiten, strukturelle Veränderungen und eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und Fachpersonen können die Herausforderungen im Umgang mit ADHS/ADS gemeistert und die Potenziale dieser Kinder gefördert werden.

https://ganglion.ch/pdf/Dagmar%20Roesler%20Replik%2025.2.2024.pdf

Die Rolle von Eltern und Lehrern

Dr.med. Ursula Davatz sieht sowohl Eltern als auch Lehrer in einer wichtigen Rolle, wenn es um den Umgang mit ADHS/ADS geht. Sie betont die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien, um den Kindern ein optimales Umfeld zu bieten.

Eltern

Eltern spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung und Entfaltung von Kindern mit ADHS/ADS.

  • Verständnis und Akzeptanz: Dr. Davatz ermutigt Eltern, ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als Neurotyp zu betrachten. Sie sollten ihr Kind mit seinen Stärken und Schwächen akzeptieren und lernen, mit den besonderen Herausforderungen umzugehen.
  • Beziehungsaufbau und emotionale Unterstützung: Eine starke und liebevolle Eltern-Kind-Beziehung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Erziehung. Eltern sollten ihrem Kind emotionale Unterstützung bieten und ihm das Gefühl geben, verstanden und akzeptiert zu werden.
  • Klare Regeln und liebevolle Konsequenzen: ADHS/ADS-Kinder brauchen klare Regeln und Grenzen, um sich orientieren zu können. Eltern sollten diese Regeln konsequent, aber liebevoll durchsetzen und dabei auf Bestrafung verzichten.
  • Intrinsische Motivation fördern: Anstatt Befehle zu erteilen und Druck auszuüben, sollten Eltern die intrinsische Motivation ihres Kindes fördern. Sie sollten versuchen, die Neugier und den Entdeckergeist des Kindes zu wecken und ihm sinnvolle Aufgaben geben, die seinen Interessen entsprechen.
  • Beratung und Unterstützung: Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Elternberatung. Sie ermutigt Eltern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um zu lernen, wie sie am besten mit den Herausforderungen von ADHS/ADS umgehen können.

Lehrer

Auch Lehrern kommt eine entscheidende Rolle im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern zu.

  • Fortbildung und Sensibilisierung: Dr. Davatz kritisiert das mangelnde Wissen und Verständnis vieler Lehrer für ADHS/ADS. Sie fordert eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte, um sie für die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder zu sensibilisieren.
  • Individuelle Förderung: Lehrer sollten von dem starren System der Belohnung und Bestrafung abrücken und stattdessen individuelle Lernmethoden entwickeln, die den Stärken und Bedürfnissen jedes Kindes gerecht werden.
  • Alternative Lernmethoden: Anstatt sich auf Frontalunterricht zu beschränken, sollten Lehrer abwechslungsreiche und interaktive Lernformen anbieten, die die Aufmerksamkeit und Motivation der ADHS/ADS-Kinder fördern.
  • Zusammenarbeit mit Eltern: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern ist essenziell, um den Kindern ein optimales Lernumfeld zu bieten. Lehrer sollten regelmäßig mit den Eltern kommunizieren, um sich über die Fortschritte des Kindes auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze für auftretende Probleme zu entwickeln.

Zusammenfassend erwartet Dr.med. Ursula Davatz von Eltern und Lehrern eine aktive Auseinandersetzung mit ADHS/ADS. Sie sollten die Diagnose nicht stigmatisieren, sondern als Chance begreifen, die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und zu fördern. Verständnis, Geduld, Flexibilität und eine enge Zusammenarbeit sind die Schlüssel für eine erfolgreiche Begleitung von Kindern mit ADHS/ADS.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf

Umgang mit Kindern mit ADHS/ADS: Empfehlungen für Eltern und Lehrer

Dr.med. Ursula Davatz bietet wertvolle Einblicke, wie Eltern und Lehrer mit Kindern umgehen sollten, die ADHS/ADS haben. Dr.med. Ursula Davatz betont die Wichtigkeit eines verständnisvollen und unterstützenden Umfelds, um diesen Kindern zu helfen, ihre Herausforderungen zu meistern und ihr Potenzial zu entfalten.

Wichtige Punkte für Eltern und Lehrer:

  • Akzeptanz und Toleranz: Anstatt zu versuchen, das Kind zu verändern oder in eine Norm zu pressen, sollten Eltern und Lehrer den Neurotyp ADHS/ADS akzeptieren und das Kind so annehmen, wie es ist.
  • Verständnis für die besonderen Bedürfnisse: ADHS/ADS-Kinder haben besondere Bedürfnisse, die sich von denen anderer Kinder unterscheiden. Sie benötigen oft mehr Struktur, klare Regeln und Unterstützung bei der Organisation.
    • Eltern können zu Hause feste Routinen einführen und dem Kind helfen, seinen Alltag zu strukturieren.
    • Lehrer können klare Anweisungen geben, Aufgaben in kleinere Schritte unterteilen und visuelle Hilfen einsetzen.
  • Kommunikation und positive Verstärkung: Offene und ehrliche Kommunikation ist essentiell, um das Kind zu verstehen und ihm zu helfen, mit seinen Schwierigkeiten umzugehen.
    • Eltern und Lehrer sollten geduldig zuhören, auf die Gefühle des Kindes eingehen und Verständnis zeigen.
    • Positive Verstärkung ist wichtiger als Bestrafung. Loben Sie das Kind für seine Erfolge und konzentrieren Sie sich auf seine Stärken.
  • Stressreduktion: Die heutige Leistungsgesellschaft mit ihrem ständigen Stress und Druck ist für ADHS/ADS-Kinder besonders belastend.
    • Eltern und Lehrer sollten darauf achten, dass das Kind genügend Zeit zum Entspannen und Abschalten hat.
    • Ruhige Aktivitäten wie Lesen, Malen oder Zeit in der Natur können helfen, Stress abzubauen.
  • Förderung der individuellen Stärken: Jedes Kind mit ADHS/ADS hat einzigartige Talente und Stärken.
    • Eltern und Lehrer sollten diese erkennen und fördern.
    • Indem man dem Kind die Möglichkeit gibt, seine Stärken auszuleben, kann man sein Selbstwertgefühl stärken und ihm helfen, Erfolgserlebnisse zu sammeln.
  • Zusammenarbeit mit Experten: Bei Bedarf sollten Eltern und Lehrer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
    • Kinderpsychiater, Psychologen und spezialisierte Therapeuten können wertvolle Unterstützung bieten und bei der Entwicklung individueller Strategien helfen.
    • Dr. Davatz empfiehlt auch die Beratung durch Laienorganisationen wie ADHS20+, die Erfahrung im Umgang mit ADHS/ADS haben und nicht-pathologisierende Ansätze verfolgen.

Zusätzliche Punkte:

  • Vermeiden Sie die Pathologisierung: Dr. Davatz kritisiert die Tendenz, ADHS/ADS als Krankheit zu betrachten.
    • Sie plädiert dafür, ADHS/ADS als „Neurotyp“ zu sehen und die individuellen Unterschiede zu respektieren.
  • Seien Sie geduldig: Der Umgang mit Kindern mit ADHS/ADS kann herausfordernd sein.
    • Eltern und Lehrer brauchen Geduld, Einfühlungsvermögen und Ausdauer, um dem Kind die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eltern und Lehrer eine entscheidende Rolle im Leben von Kindern mit ADHS/ADS spielen. Indem sie ein verständnisvolles, unterstützendes und förderndes Umfeld schaffen, können sie diesen Kindern helfen, ihre Herausforderungen zu bewältigen, ihre Stärken zu entwickeln und ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/nebelspalterinnen_ADHS_ADS_23.9.2024.mp3.pdf

NERVENPROBE PUBERTÄT – ADHS im Spannungsfeld zwischen Schule und Beruf

Vortrag zum Anhören:

ELPOS – Familie+Begegnung Lenzburg, Walkenweg 19, 5600 Lenzburg, Donnerstag, 26.April 2012 / 19.30 – 21.00 Uhr

Der Übergang vom Kindesalter ins Erwachsenenalter ist für Eltern und Jugendliche stets eine nervliche Zerreissprobe. Kommt dann noch die Berufswahl dazu, wird es noch schwieriger. Eltern wie Lehrer, aber vor allem die jungen Menschen mit oder ohne ADHS können dabei fachliches Coaching gut gebrauchen in der heutigen Zeit, damit die Weichen nicht falsch gestellt werden. Die Pubertätsphase ist ohnehin eine Zerreissprobe, nicht nur für die Nerven der Eltern, sondern auch für die Eltern-Kind Beziehung. Besteht beim Kind zusätzlich ein ADHS, haben Eltern häufig besondere Angst, denn alles ist extremer bei diesen Kindern, inklusive die Pubertät. Sie können aber plötzlich auch ganz vernünftig sein, dies zum grossen Erstaunen der Eltern.

Einige Grundregeln für das elterliche Verhalten von ADHS-Kindern in der Pubertät

–  Man darf die Kinder in dieser Entwicklungsphase nicht mehr erziehen wollen, Eltern sollen die Beziehung pflegen.

– Die eigene Emotionalität muss gut unter Kontrolle gehalten werden.

– ADHS-Kinder haben ohnehin Probleme mit Ihrer Impulskontrolle.

– Während der Pubertät sollten sie sich eine bessere Kontrolle über ihre Emotionen erarbeiten.

– In der Pubertät ist die Emotionalität aber ohnehin aufgewühlt, auch bei Jugendlichen ohne ADHS.

– Versuchen die Eltern nun, ihre pubertierenden Kinder mit starker eigener Emotionalität auf den richtigen Weg zu bringen, giessen sie Öl ins Feuer, die Situation eskaliert und das Eltern-Kind Verhältnis geht in Brüche, die Beziehung reisst oder das Kind wird krank.

– Im Zweifelsfalle sollen die Eltern das Steuer eher loslassen und dem Kind das Steuer überlassen anstatt zu übersteuern und über einen vernichtenden Machtkampf in einen Schleuderkurs zu geraten.

– Eltern sollen im Machtkampf mit ihrem pubertierenden Kind nicht unbedingt gewinnen wollen. Eltern sollen auch verlieren können. Sie tragen dadurch zum Selbstwertgefühl ihres Kindes bei.

– In der Pubertät geht es um die Übernahme der eigenen Verantwortung, um Selbstkontrolle und Eigenverantwortung und nicht um Fremdkontrolle durch die Eltern.

– Eigenverantwortung muss aber gelernt und geübt werden, sie kann nicht befohlen werden.

Die Berufsfindung

 – Berufs- und Partnerwahl sind zwei wichtige Entscheidungen im Leben eines Menschen.

– Die Berufsfindung beginnt meistens in der Pubertät, die Partnerwahl sollte eher später stattfinden.

– Bei der Berufswahl spielt die schulische Leistung, sprich die Noten, eine nicht unwesentliche Rolle.

– Noch wichtiger ist aber die Persönlichkeitsentwicklung des pubertierenden Kindes.

– Setzen die Eltern zu sehr nur auf schulische Leistungen – bei ADHS-Kindern bestehen ohnehin häufig Lernstörungen – kommt die Persönlichkeitsentwicklung zu kurz.

– Bei ADHS-Kindern sollte deshalb ganz besonders vermehrt auf die Persönlichkeitsentwicklung geachtet werden und weniger auf die schulische Leistung.

– Die Persönlichkeitswicklung findet nur während der Pubertätsphase statt. Lernen kann hingegen noch das ganze Leben lang nachgeholt werden.

– Noten sind in dieser Phase also weniger wichtig, als Eigenverantwortung und Persönlichkeitsentwicklung.

– ADHS-Kinder sind häufig eigensinnig und speziell. Sie haben oft auch besondere Berufswünsche.

– Diese Berufswünsche sollten unbedingt ernst genommen werden und, falls ADHS-Kinder noch nicht wissen was sie wollen, muss man auch zuwarten können bis sie fündig geworden sind.

– Drängen macht sich nicht bezahlt bei ADHS-Kindern, es lohnt sich warten zu können, bis die Entwicklung soweit ist. Ein Zwischenjahr, eine sinnvolle neue Erfahrung ohne bestimmte Berufsabsicht, kann helfen.

Probleme in und mit der Schule

– Viele Lehrer haben Probleme mit pubertierenden Schülern, ganz besonders auch mit ADHS-Pubertierenden.

– Sie neigen dann zum Erziehen durch strafen und ziehen die Eltern mit hinein in diese “negative Motivation“.

– Eltern sollten sich nicht durch die strafende Haltung der Lehrer anstecken lassen.

– Eltern sollen aber auch nicht unablässig gegen die “bösen Lehrer“ kämpfen, um ihr armes Kind zu beschützen, auch dieses Verhalten ist nicht hilfreich für das Kind.

– Die Lehrer sind für die Kinder ein Teil des Lebens, mit dem Eltern wie Kinder umzugehen lernen müssen. Eltern sollen das Gespräch mit dem Lehrer suchen, aber nicht mit der Einstellung, ihn verändern zu wollen.

Schlussbemerkung

Lassen sie sich viel Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung mit ihrem pubertierenden ADHS-Kind, auch für die Berufsfindung. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht und auch nicht höher. Nehmen Sie sich auch immer wieder viel Zeit für sich selbst und tragen Sie ihrem Nervenkostüm Sorge, damit Sie für ihr Kind ein Fels in der Brandung sein können.

Alle Vorträge in einem Überblick findet man hier:

https://docs.google.com/leaf?id=0B5IKCk-WPk46NWVkZGM0MTUtMDk3My00YjE3LWJhZDQtOTdmZjM1YWIxMzRi&hl