Der Einfluss des Elternwunsches auf die Berufsfindung

Der Elternwunsch spielt eine wichtige Rolle im Prozess der Berufsfindung, wie aus dem Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz hervorgeht. Oftmals haben Eltern klare Vorstellungen davon, welchen Beruf ihr Kind ergreifen soll. Diese Vorstellungen können aus verschiedenen Motiven entstehen:

  • Streben nach sozialem Aufstieg: Eltern wünschen sich oft für ihre Kinder einen höheren sozialen Status und bessere Karrierechancen als sie selbst hatten.
  • Projektion eigener unerfüllter Wünsche: Eltern projizieren manchmal ihre eigenen unerfüllten Berufswünsche auf ihre Kinder.
  • Sorge um die finanzielle Sicherheit: Eltern möchten sicherstellen, dass ihr Kind einen Beruf erlernt, der ihm ein gutes Einkommen und finanzielle Sicherheit bietet.

Auswirkungen des Elternwunsches auf das Kind

Der Einfluss des Elternwunsches kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Kind haben:

  • Positive Auswirkungen:
    • Motivation und Unterstützung: Wenn der Elternwunsch mit den Interessen und Fähigkeiten des Kindes übereinstimmt, kann er motivierend wirken und dem Kind wertvolle Unterstützung bieten.
    • Realitätsbezug: Eltern können durch ihre Lebenserfahrung einen realistischen Blick auf die Berufswelt vermitteln und das Kind bei der Entscheidungsfindung unterstützen.
  • Negative Auswirkungen:
    • Druck und Überforderung: Ein zu starker Elternwunsch kann Druck auf das Kind ausüben und zu Überforderung führen. Das Kind fühlt sich möglicherweise gezwungen, den Erwartungen der Eltern zu entsprechen, anstatt seinen eigenen Interessen zu folgen.
    • Selbstverleugnung und Frustration: Wenn das Kind den Elternwunsch erfüllt, obwohl der Beruf nicht seinen eigenen Neigungen entspricht, kann dies zu Frustration, Unzufriedenheit und einem verminderten Selbstwertgefühl führen.
    • Konflikte in der Familie: Ein starker Elternwunsch, der den Wünschen des Kindes entgegensteht, kann zu Konflikten und Spannungen innerhalb der Familie führen.
    • Psychische Probleme: In extremen Fällen kann ein unerfüllter Elternwunsch oder die Entscheidung für einen Beruf, der nicht zur eigenen Persönlichkeit passt, zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angststörungen oder sogar Suchterkrankungen beitragen.

Umgang mit dem Elternwunsch

Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, den Elternwunsch wahrzunehmen und ernst zu nehmen, aber gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse und Interessen nicht zu vernachlässigen. Eltern sollten ihre Kinder bei der Berufsfindung unterstützen, ohne Druck auszuüben.

Empfehlungen für Eltern:

  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Wünsche und Interessen. Hören Sie ihm aufmerksam zu und nehmen Sie seine Bedürfnisse ernst.
  • Akzeptanz und Respekt: Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind möglicherweise andere Berufswünsche hat als Sie. Respektieren Sie seine Entscheidung und unterstützen Sie ihn auf seinem Weg.
  • Beratung und Information: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich über verschiedene Berufe zu informieren und professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel bei Berufsberatern oder Lehrpersonen.

Empfehlungen für Jugendliche:

  • Reflexion der eigenen Wünsche: Was sind Ihre Interessen, Talente und Stärken? Welche Berufe kommen für Sie in Frage?
  • Abgrenzung vom Elternwunsch: Was wünschen sich Ihre Eltern für Sie? Stimmt das mit Ihren eigenen Wünschen überein?
  • Offene Kommunikation mit den Eltern: Sprechen Sie mit Ihren Eltern über Ihre Berufswünsche und begründen Sie Ihre Entscheidung.

Fazit

Der Elternwunsch kann ein wichtiger Faktor in der Berufsfindung sein, sollte aber nicht zum bestimmenden Element werden. Ein offener und respektvoller Dialog zwischen Eltern und Kind, die Wahrnehmung der eigenen Wünsche und die professionelle Beratung durch Dritte sind entscheidend für eine gelungene Berufswahl, die sowohl den Bedürfnissen des Kindes als auch den realen Anforderungen der Arbeitswelt gerecht wird.

https://ganglion.ch/pdf/Selbstwert_Selbstvertrauen_im_Kontext_der_Berufsfindung.pdf

Umgang mit Kränkungen im beruflichen Kontext

Dr.med. Ursula Davatz‘ Vortrag fokussiert sich zwar nicht explizit auf den beruflichen Kontext, aber ihre Erkenntnisse und die vorgestellten Fallbeispiele lassen sich durchaus auf diesen Bereich übertragen.

Im Beruf sind Kränkungen leider keine Seltenheit. Sie können durch verschiedene Situationen ausgelöst werden, wie z.B. ungerechte Behandlung, Nicht-Wertschätzung, Mobbing, öffentliche Bloßstellung, Versprechen, die nicht eingehalten werden, oder Überforderung.

Wie kann man nun mit Kränkungen im beruflichen Kontext umgehen?

Hier einige Ansätze, die sich aus Dr. Davatz‘ Vortrag ableiten lassen:

  • Wahrnehmen und Benennen: Wie im allgemeinen Umgang mit Kränkungen ist es auch im beruflichen Kontext zentral, die Kränkung und die damit verbundenen Gefühle zunächst einmal bewusst wahrzunehmen und zu benennen. Was genau hat mich gekränkt? Welche Gefühle löst die Situation in mir aus?
  • Hinterfragen der eigenen Erwartungshaltung: Oftmals spielen enttäuschte Erwartungen eine Rolle bei Kränkungen. Es ist hilfreich, die eigene Erwartungshaltung zu hinterfragen und zu überprüfen, ob diese realistisch und angemessen ist.
  • Kommunikation: In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gespräch mit der Person zu suchen, die die Kränkung verursacht hat. Dabei sollte man die eigenen Bedürfnisse und Gefühle klar und deutlich in der Ich-Sprache formulieren, ohne den anderen anzugreifen.
  • Grenzen setzen: Manchmal ist es notwendig, klare Grenzen zu setzen und dem anderen zu signalisieren, dass man sich in seiner Persönlichkeit verletzt fühlt.
  • Unterstützung suchen: Wenn es einem alleine schwerfällt, mit der Kränkung umzugehen, sollte man sich Unterstützung suchen, sei es bei Kollegen, Freunden, einem Coach oder einem Therapeuten.
  • Fokus auf die Zukunft: Es ist wichtig, sich nicht in der Vergangenheit und der Kränkung zu verlieren, sondern den Fokus auf die Gegenwart und die Zukunft zu richten. Was kann ich aus der Situation lernen? Wie kann ich in Zukunft ähnliche Situationen vermeiden oder anders damit umgehen?

Zusätzliche Anmerkungen zum beruflichen Kontext:

  • Arbeitsrechtliche Möglichkeiten: Bei schwerwiegenden Kränkungen, wie z.B. Mobbing oder Diskriminierung, sollten auch die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten geprüft werden.
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement: Viele Unternehmen bieten im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements auch Unterstützung und Beratung bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz an.

Es ist wichtig zu betonen, dass jeder Mensch anders auf Kränkungen reagiert und es keine pauschalen Lösungen gibt. Die vorgestellten Ansätze können jedoch als Orientierung dienen und helfen, mit Kränkungen im beruflichen Kontext konstruktiv umzugehen.

Information ausserhalb der Quellen: Die Punkte „Arbeitsrechtliche Möglichkeiten“ und „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ werden in den Quellen nicht explizit erwähnt und sollten ggf. unabhängig verifiziert werden.

https://ganglion.ch/pdf/Kraenkung_Verbitterung.pdf

Vorteile von ADHS/ADS-Eigenschaften im Beruf

Obwohl ADHS/ADS oft mit Schwierigkeiten im Alltag und im Beruf in Verbindung gebracht wird, können einige der damit verbundenen Eigenschaften auch Vorteile im Arbeitsleben bieten.

Dr.med. Ursula Davatz hebt in ihrem Vortrag zwei Haupteigenschaften hervor, die sich positiv auswirken können:

1. Starke Sensitivität:

  • „Grenzüberschreitende Aufmerksamkeit“ und „Sucherinstinkt“: Menschen mit ADHS/ADS nehmen Dinge oft schneller wahr und suchen aktiv nach neuen Informationen und Reizen. Dies kann in Berufen, die ein hohes Maß an Kreativität und Innovation erfordern, von grossem Vorteil sein. ADHS/ADS-Betroffene denken oft „outside the box“ und hinterfragen bestehende Strukturen und Regeln.
  • Schnelle Auffassungsgabe: Die schnelle Auffassungsgabe ermöglicht es ADHS/ADS-Menschen, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und komplexe Zusammenhänge zu erfassen. In schnelllebigen Arbeitsumgebungen, in denen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefragt sind, kann diese Eigenschaft sehr nützlich sein.
  • Hochsensibilität: Als eine Form der Sensitivität kann Hochsensibilität zwar auch eine Herausforderung sein, aber in Berufen, die ein feines Gespür für Details und zwischenmenschliche Nuancen erfordern, kann sie sich als wertvoll erweisen.

2. Hohe Reaktivität:

  • Rasche Handlungsbereitschaft: Menschen mit ADHS/ADS sind oft handlungsorientiert und zögern nicht lange, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. In Situationen, die schnelles Handeln erfordern, kann dies ein entscheidender Vorteil sein.
  • Energie und Tatkraft: ADHS/ADS-Betroffene verfügen oft über ein hohes Energielevel und sind begeisterungsfähig. Diese Energie kann in Berufe eingebracht werden, die Engagement und Eigeninitiative voraussetzen.

Zusätzliche Punkte, die im Vortrag von Dr. Davatz angesprochen werden und für den Beruf relevant sein können:

  • Intrinsische Motivation: Menschen mit ADHS/ADS brauchen intrinsische Motivation, um ihr Potential voll auszuschöpfen. Sie wollen selbstbestimmt arbeiten und eigene Ideen einbringen. In Berufen, die Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten bieten, können sie hervorragende Leistungen erbringen.
  • Fokussierung auf Interessen: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren persönlichen Fokus gefunden haben, können sie sich hochkonzentriert einer Aufgabe widmen . In Berufen, die ihren Interessen entsprechen, können sie ihre Stärken voll ausspielen und überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Wichtig ist:

  • Die Ausprägung der ADHS/ADS-Symptome ist individuell verschieden.
  • Nicht alle ADHS/ADS-Betroffenen profitieren in gleichem Masse von den genannten Vorteilen.
  • Die Arbeitsumgebung und die Art der Tätigkeit spielen eine wichtige Rolle.

ADHS/ADS-Betroffene können ihre Stärken am besten in Berufen einsetzen, die ihren individuellen Bedürfnissen und Eigenschaften entsprechen. Ein unterstützendes Arbeitsumfeld, das Flexibilität und Eigenverantwortung fördert, kann massgeblich zum beruflichen Erfolg beitragen.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

Auswirkungen von ADHS/ADS auf Beruf und Psyche

Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS als Neurotyp und nicht als Krankheit. Sie hebt die Sensitivität und hohe Reaktivität von ADHS/ADS-Betroffenen hervor, die sich sowohl positiv als auch negativ auf Beruf und Psyche auswirken können.

Auswirkungen auf den Beruf:

  • Schwierigkeiten in Anstellungen: ADHS/ADS-Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich in traditionelle Arbeitsstrukturen einzufügen, da sie intrinsisch motiviert sein müssen und nicht blind gehorchen können. Hieraus resultiert der Wunsch vieler Betroffener, selbstständig zu arbeiten.
  • Erfolg als Unternehmer: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus finden, können sie als Unternehmer sehr erfolgreich sein. Ihre Kreativität und ihr Sucherinstinkt ermöglichen es ihnen, Grenzen zu überschreiten und neue Dinge zu entdecken. Beispiele hierfür sind Erfinder, Business-Leute und Künstler.
  • Einfluss der Medikation auf die Karriere: Medikamente wie Ritalin können die intellektuelle Leistung und Konzentration steigern, was sich positiv auf die Karriere auswirken kann. Dr. Davatz betont jedoch, dass Medikamente nicht bei der Fokusfindung helfen und die Selbstwahrnehmung sogar beeinträchtigen können.

Auswirkungen auf die Psyche:

  • Folgekrankheiten: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus nicht finden oder in ihrer Entwicklung gestört werden, können Folgekrankheiten entstehen. Dr.med. Ursula Davatz nennt Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie und Suchtkrankheiten als Beispiele. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und diesen Krankheiten, der durch genetische Studien gestützt wird. Sie betont aber auch, dass diese Sichtweise in der Medizin und Psychiatrie noch nicht allgemein anerkannt ist.
  • Störbarkeit und Überforderung: Die hohe Sensitivität führt zu erhöhter Störbarkeit und Überforderung. ADHS-Typen reagieren mit Aggression, ADS-Typen mit Rückzug, der im Extremfall bis zum Autismus führen kann.
  • Schwierigkeiten in der Pubertät: Die Pubertät ist eine kritische Phase für die Persönlichkeitsentwicklung von ADHS/ADS-Betroffenen. Wenn sie in dieser Zeit stark gestört werden oder keine Unterstützung erhalten, kann dies die Entstehung von Folgekrankheiten begünstigen.
  • Hochsensibilität: Manche ADHS/ADS-Betroffene sind hochsensibel, was sich auf verschiedene Sinne auswirken kann. Dies kann zu weiteren Herausforderungen im Alltag führen.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass ein persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen wichtig ist, um die Entstehung von Folgekrankheiten zu verhindern. Dazu gehören intrinsische Motivation, Unterstützung bei der Fokusfindung und Verzicht auf Bestrafung. Sie plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seines sozialen Umfelds und kritisiert die einseitige Fokussierung auf Kognition im Schulsystem.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf