Dr.med. Ursula Davatz beschreibt die heutige Sichtweise auf ADHS/ADS in der Medizin als zwiespältig. Während in der Psychiatrie ADHS/ADS weiterhin als Krankheit gesehen wird, plädiert sie selbst für ein Verständnis von ADHS/ADS als Neurotyp und Neurodiversität.
Die vorherrschende Meinung in der Medizin:
- ADHS/ADS als Krankheit: Die meisten Ärzte und Psychiater betrachten ADHS/ADS als eine psychiatrische Erkrankung, die behandelt werden muss.
- Medikamentöse Behandlung: Die Standardbehandlung besteht in der Verschreibung von Medikamenten, in der Regel Amphetaminen wie Ritalin, Concerta oder Elvanse.
- Fokus auf Defizite: Die medizinische Sichtweise konzentriert sich oft auf die Defizite und Probleme, die mit ADHS/ADS einhergehen, wie z.B. Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität und Hyperaktivität.
- Diagnose durch Fachleute: Die Diagnose von ADHS/ADS wird in der Regel von Ärzten oder Psychologen gestellt, oft mithilfe von neuropsychologischen Tests.
Dr.med. Ursula Davatz‘ alternative Perspektive:
- ADHS/ADS als Neurotyp: Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als Neurotyp, also eine natürliche Variation des menschlichen Gehirns.
- Neurodiversität als Vorteil: Sie argumentiert, dass eine heterogene Gesellschaft mit unterschiedlichen Veranlagungen und Denkweisen besser überleben kann.
- Kreativität als Stärke: Sie betont die Kreativität von Menschen mit ADHS/ADS und sieht diese als wertvolles Potenzial, das gefördert werden sollte.
- Ablehnung der Pathologisierung: Sie kritisiert die Pathologisierung von ADHS/ADS und die damit verbundene Stigmatisierung der Betroffenen.
- Bedeutung der Umwelt: Sie betont den Einfluss der Umwelt und des Erziehungsstils auf die Entwicklung von ADHS/ADS und plädiert für eine persönlichkeitsgerechte Erziehung.
- Individuelle Behandlung: Sie spricht sich gegen eine „One size fits all“-Behandlung aus und fordert massgeschneiderte Lösungen für jedes Kind.
Dr.med. Ursula Davatz steht mit ihrer Sichtweise eher alleine unter den medizinischen Fachleuten. Sie sieht aber eine zunehmende Bewegung von Menschen, die sich mit ADHS/ADS beschäftigen und die Diagnose nicht mehr als Stigma empfinden.
Sie kritisiert das Monopol der Ärzte auf die Diagnose und Behandlung von ADHS/ADS und findet es positiv, dass viele Menschen sich selbst im Internet informieren und ihre eigene Diagnose stellen.
Dennoch räumt sie ein, dass die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung oft nur übernehmen, wenn eine ärztliche Diagnose vorliegt.
https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf
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