Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät, Teil 2

Vortrag 2:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

6.9.2014
Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS/ADS in der Pubertät
Audio

[00:00:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte mich als Erstes entschuldigen.

[00:00:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Toilette gesucht und mich auf dem Rückweg verirrt.

[00:00:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, die ist von der Bezirksschule im Kanton Aargau in die
Kantonsschule gegangen und hat am ersten Tag die Toilette nicht gefunden. Dann hat
sie so eine Panik gemacht, dass sie psychotisch geworden ist und nie mehr die
Kantonsschule besuchen konnte.

[00:00:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine andere Geschichte.

[00:00:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Delinquenter, der gerade aus dem Gefängnis gekommen ist, in New York, der ging
in eine Bar und wollte dort die Toilette benutzen.

[00:00:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Barbesitzer hat gesagt, nein, das darfst du nicht.

[00:00:59.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ging er in den nächsten Waffenladen, hat eine Pistole gekauft, ist
zurückgegangen, hat den erschossen.

[00:01:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe weder die Kantonsschule nicht gemacht, noch habe ich jemanden erschossen,
aber ich bin zu spät gekommen.

[00:01:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Schweiz natürlich etwas ganz Schlimmes.

[00:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder machen nicht immer alles so ganz richtig.

[00:01:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gehört, man darf Ausnahmen haben und alles ist okay.

[00:01:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch etwas zu meiner Person.

[00:01:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:01:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Erwachsenenpsychiatrie gelernt.

[00:01:38.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich berate sehr viele Eltern von ADHS/ADS Kindern, Eltern von Pubertierenden.

[00:01:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite schon lange mit der ELPOS zusammen

[00:01:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
[ Die ADHS-Organisation elpos Schweiz. unterstützt. berät. vernetzt. informiert ]

[00:01:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin eine Spezialistin im Gebiet ADHS/ADS, auch bei den Kindern.

[00:01:56.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich führe im Kanton Aargau eine Gruppe für Eltern von ADHS Kindern. Die findet jeweils
einmal pro Monat am Donnerstag statt. Man findet die Kurse auch auf https://ganglion.ch

[00:02:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde diesen Vortrag aufnehmen und dann auf meine Webseite laden.

[00:02:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin verheiratet, habe drei erwachsene Kinder und bin viermal Großmutter.

[00:02:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt aber zum Thema.

[00:02:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Zeiten von Sigmund Freud haben er und seine Nachfolger gesagt: die wichtigste
Zeit der Entwicklung sind die ersten drei Jahre.

[00:02:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Während diesen drei Jahren werden alle möglichen Traumatas gesetzt und das macht
dann die psychiatrische Krankheit.

[00:03:03.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Teil von dem wird noch verwendet, aber nicht mehr so viel.

[00:03:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, eine ganz wichtige Zeit, in der sich psychiatrische Krankheiten entwickeln, ist
die Pubertät.

[00:03:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät, das ist die Zeit, wo die Eltern schwierig werden.

[00:03:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, die Eltern werden vom Sockel gestoßen, das Kind, der Jugendliche, die
Jugendlichen müssen ihre eigenen Wertvorstellungen finden, ihre eigene
Verantwortung übernehmen.

[00:03:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht natürlich nicht so ohne weiteres. Das ist eine Umwandlungsphase, eine ganz
wichtige Entwicklungsphase.

[00:03:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der psychiatrischen Krankheiten nehmen dort ihren Anfang.

[00:03:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum ist es so wichtig, dass man in der Pubertät mit den Kindern gut umgeht.

[00:03:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss etwas Kompetenz habe, wie Jugendliche zu handhaben sind während der
Pubertät.

[00:03:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas ganz Wichtiges, während dieser Phase ist die Kontrolle, die Handhabung der
eigenen Gefühlswelt.

[00:04:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sie auch der Titel von diesem Referat.

[00:04:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lerne ich mit meinen Emotionen umzugehen?

[00:04:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus der Neurobiologie weiß man heutzutage, dass in dieser Phase sich auch das
Gehirn umgestaltet.

[00:04:21.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein komplexes Organ.

[00:04:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige es das Gehirn mittels meiner Hand.

[00:04:26.206] – Dr.med. Ursula Davatz
[ https://www.youtube.com/watch?v=gm9CIJ74Oxw ]

[00:04:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ganz einfaches Hirnmodell, das habe ich vom Amerikaner, Dr. Daniel Siegel gelernt.

[00:04:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Großhirn, die Hirnrinde wären meine Finger, der Daumen ist das limbische System,
das ist für das Emotionale, ist für die Emotionen zuständig. Mein Handgelenk und
dahinter wäre das Motorische Gehirn, das sind die Gehirnzentren, die automatisch
funktionieren und die zuständig sind für alle unsere Körperfunktionen. Das limbische
System, der Daumen, ist da mitten im Hirn.

[00:05:01.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist sehr vernetzt mit allen anderen Hirnteilen und über dieses
läuft die Regulation der Gefühle und natürlich dann auch die Regulation der
Wahrnehmung.

[00:05:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in schlechter Laune bin, dann sehe ich alles negativ.

[00:05:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich negative Gefühle habe, dann färbt sich meine Wahrnehmung negativ.

[00:05:23.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich positive Gefühle habe, dann färbt sich meine Wahrnehmung eher positiv.

[00:05:30.930] – Dr.med. Ursula Davatz
So ganz einfach ausgedrückt.

[00:05:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen, ihre Gefühle zu regulieren, das sind so integrative
Zentren, die sind alle miteinander verbunden.

[00:05:45.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System, das Emotionshirn, ist verbunden mit dem Denken.

[00:05:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Denken und Fühlen geht ineinander.

[00:05:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In Lenzburg im Stapferhaus war vor kurzem eine Ausstellung über Entscheiden.

[00:06:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie irgendjemand gesehen?

[00:06:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man auch sehen können oder lesen können: die Entscheidung läuft
schlussendlich immer über das Gefühl.

[00:06:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich gern, nein, das stoße ich ab.

[00:06:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System etwas abstoßt, dann wird nichts mehr gelernt.

[00:06:22.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht nur kognitiv im Großhirn lernen.

[00:06:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man braucht dieses limbische System für die Motivation, man braucht es für die
Energie.

[00:06:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man depressiv ist, ist das runtergefahren.

[00:06:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, dass sie lernen,
ihre Gefühle zu handhaben und auch immer wieder zu regulieren, sind sie angewiesen
auf ein gutes, tragfähiges Umfeld.

[00:06:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht sehr tragfähig ist, wenn im Umfeld schon viele Probleme
vorhanden sind, die Mutter instabil, der Vater instabil, arbeitslos und so weiter, dann
getraut sich dieses junge Individuum nicht, seine Emotionen zu leben.

[00:07:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zu leben, nicht auszuleben.

[00:07:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind ja dadurch gekennzeichnet: Himmel hoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[00:07:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Gefühlsregionen ausloten, um zu wissen, wo man steht.

[00:07:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo steht man eigentlich? Was fühlt man?

[00:07:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass diese jungen Menschen ihre Gefühle in der Interaktion mit
ihrem Umfeld: Eltern, Geschwister, Lehrer und Lehrmeister ausleben dürfen.

[00:07:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehören alle zum Umfeld.

[00:07:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen kann man nicht einfach in einem Vakuum regulieren lernen.

[00:07:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen spielen eine ganz wichtige Rolle.

[00:07:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System spielt eine wichtige Rolle in der Beziehungshandhabung, in der
Bindung, also von Mutter/Kind und natürlich auch Kind zum übrigen Umfeld.

[00:08:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen modernen Medizin und auch Psychiatrie hat man die Tendenz zu
Schnelllösungen.

[00:08:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wenn die Emotionen nicht gut reguliert sind, Medikamente.

[00:08:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann dann dämpfende Medikamente geben, man kann stimulierende Medikamente
geben.

[00:08:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht die Emotionen chemisch zu regulieren.

[00:08:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende auch Medikamente.

[00:08:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jungen Menschen habe ich die Haltung, man sollte denen keine Medikamente
geben.

[00:08:43.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Ritalin reden wir dann noch extra.

[00:08:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Psychopharmaka geben, die einfach die Emotionen runter dämpfen.

[00:08:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann lernen diese Jugendlichen nicht selbst ihre Emotionen zu regulieren.

[00:08:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder der Psychopharmaka nimmt oder schon genommen hat, seien dies
Antidepressiva oder auch Neuroleptika, weiß, wenn er sich gut beobachtet, dass er
nicht ganz sich selbst ist.

[00:09:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen die Jungen auch, ich fühle mich nicht mehr richtig. Ich bin nicht ich. Ich
erkenne mich gar nicht mehr. Es ändert die Persönlichkeit.

[00:09:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Persönlichkeitsentwicklungsphase schon Medikamente gibt, dann
werden quasi die Regulative der Medikamente, werden in die Persönlichkeit eingebaut.

[00:09:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann es aus meiner Sicht nicht sein.

[00:09:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich nicht so gut.

[00:09:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Credo.

[00:09:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychopharmaka können die Entwicklung auch nicht beschleunigen.

[00:09:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Entwicklungsphase braucht immer ihre Zeit.

[00:09:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Guter Ding will Weile haben.

[00:09:56.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sich die Jugendlichen gut entwickeln, braucht es Zeit.

[00:10:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Zeit sollte man sich nehmen als Eltern.

[00:10:07.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich mit den Jugendlichen auseinandersetzen, ist es wichtig, dass sie sich
auch diese Zeit nehmen.

[00:10:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nicht so schnell nebenbei machen.

[00:10:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine vergeudete Zeit. Es ist wirklich gut investierte Zeit.

[00:10:28.101] – Dr.med. Ursula Davatz
[ TEACCH steht für Treatment and Education of Autistic and related Communication
handicapped Children. ]

[00:10:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in der Auseinandersetzung sind mit dem Kind, nicht mehr dem Kind
persönlich sagen, du sollst, du darfst nicht, mach doch endlich, also keine Befehle
mehr, sondern nur, für mich ist das wichtig.

[00:10:50.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln geben.

[00:10:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wertvorstellungen, Prinzipien, welche das Kind dann selbst anschauen kann und selber
merken kann, was es für sich nimmt.

[00:11:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mehr direkt sagen: Mach das, mach das, mach das.

[00:11:06.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul, der sagt eigentlich schon beim Kleinkind, man muss das Kind auf
Augenhöhe, gleichwürdig behandeln, aber nicht gleichwertig.

[00:11:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Man ist natürlich älter, weiß mehr, deshalb gleichwürdig.

[00:11:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul bringt das schon bei den Kleinkindern.

[00:11:25.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern lohnt sich das sehr, also zahlt sich das aus.

[00:11:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man nicht direkt den Hals runterbläst und sagt: mach jetzt endlich, sondern die
Situation benennt und dann mit der Regel arbeitet.

[00:11:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Jugendlichen ist das noch viel, viel wichtiger.

[00:11:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sie ihrem Jugendlichen gegenüber einen klaren Standpunkt beziehen können,
müssen sie zuerst wissen, was eigentlich wichtig ist für sie.

[00:11:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig lebt man einfach seine Ethik, seine Moral, seine Wertvorstellungen und denkt
gar nicht groß darüber nach.

[00:12:06.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es oft hilfreich, wenn man überlegt.

[00:12:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in der ersten Stunde immer die Eltern der Kinder: was wollte ihr Vater ihnen
weitergeben, was wollte ihre Mutter ihnen weitergeben?

[00:12:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie haben sie es weitergegeben, auf welche Art und Weise?

[00:12:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie auch weitergeführt bei ihren Kindern?

[00:12:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo haben sie die Erziehungsmethoden ihrer Eltern korrigiert?

[00:12:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo war es ihnen gar nicht wohl und wo haben sie darum korrigiert?

[00:12:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich in dem Moment sich nochmals mit den eigenen Eltern
auseinanderzusetzen und zu schauen, was findet man gut und was will man etwas
ändern?

[00:12:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich bewusst zu werden, was sind eigentlich meine
Wertvorstellungen?

[00:12:47.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist mir wichtig?

[00:12:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann das dem Kind präsentieren.

[00:12:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll seine Wertvorstellungen darstellen und gut bei sich bleiben.

[00:13:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Überzeugungsarbeit, keine Überredungsarbeit, keine Missionierungsarbeit.

[00:13:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
All das setzt Druck auf das Gegenüber auf.

[00:13:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sie sehr gut wissen, sind ADHS/ADS Kinder sehr sensibel auf Druck und
Emotionalität.

[00:13:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwischen ihren Inhalt, indem sie zu viel emotionalen Druck aufsetzen.

[00:13:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige bildlich: wenn das meine Wertvorstellungen sind und die will ich jetzt dem
Jugendlichen beibringen, dann sag ich genau, was ich finde und dann leg ich's auf den
Tisch, aber ich sag nicht: Sieh doch endlich ein, sei doch endlich vernünftig!

[00:13:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das setzt Druck auf und da sind ADHS/ADS Kinder sehr sensibel und sie wehren sich
dagegen.

[00:13:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden nicht einfach sagen: ja, du hast recht.

[00:13:58.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden sagen: du bist hinter dem Mond zu Hause, du kommst
überhaupt nicht raus, du bist von gestern, heute geht das ganz anders.

[00:14:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort darauf: ja, dann bin ich halt von gestern, aber es ist mir trotzdem wichtig.

[00:14:12.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann ist wieder der Moment, dass man nicht Druck aufsetzt.

[00:14:16.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selbst überzeugt sein von dem, was man sagt und nicht die Jugendlichen
überzeugen wollen.

[00:14:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles nur Druck und Öl ins Feuer.

[00:14:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von Gefühlen.

[00:14:38.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen sie mit dem Kind zusammen, über Gefühle zu reden.

[00:14:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn irgendetwas schief gelaufen ist und alles ist aus dem Ruder gelaufen, man ist
wütend geworden, Tränen sind geflossen, vielleicht sind noch Dinge zerstört worden.

[00:14:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in dem Augenblick, wo es so heiß ist, mit seiner Moral kommen.

[00:15:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sturm muss sich zuerst legen.

[00:15:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man selbst nicht ruhig ist, sollte man überhaupt nichts durchsetzen wollen.

[00:15:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sollte man eher einfach warten, bis alles abgeflaut ist, und dann wieder
zurückkommen auf die Situation.

[00:15:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal geht es erst nach einem Tag, manchmal geht es schon nach einem halben
Tag, manchmal erst nach einer Woche.

[00:15:28.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nicht vergessen, was da war.

[00:15:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Situation beschreiben.

[00:15:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast das gemacht, ich habe das gesagt, du bist dann wütend geworden, du hast
etwas kaputt gemacht.

[00:15:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ablauf, den Prozess etwas miteinander analysieren.

[00:15:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Höflichkeit halber, und weil wir Erwachsene die bessere Kontrolle über uns haben:
zuerst den Jugendlichen oder die Jugendliche fragen.

[00:15:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist in dir vorgegangen?

[00:16:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat dich wütend gemacht?

[00:16:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat dich verletzt?

[00:16:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hast du gedacht?

[00:16:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss über seine Gefühle reden.

[00:16:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene muss Verständnis zeigen.

[00:16:12.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ich sehe, aus welcher Ecke du gekommen bist.

[00:16:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich "aber" man müsste es eigentlich so machen.

[00:16:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht wieder der Kampf los.

[00:16:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst validieren, wertschätzen, was das Kind sagt auch wenn man nicht damit
einverstanden ist oder es komisch findet.

[00:16:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann zur eigenen Situation übergehen.

[00:16:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen, was einem nicht gepasst hat, was einem als Eltern verletzt hat, was einem
unsicher gemacht hat, erschreckt hat oder was auch immer.

[00:16:49.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Jugendlichen und dann kommen die Erwachsenen.

[00:16:54.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle in Worte zu fassen ist etwas ganz Wichtiges.

[00:17:00.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen das alle in der Therapie.

[00:17:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden ja nur mit den Leuten. Es gibt auch noch ein paar andere Therapien, aber ich
bin hauptsächlich am Reden.

[00:17:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass die Leute lernen, ihre Gefühle in Worte zu fassen.

[00:17:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand zum Beispiel sagt, es geht mir schlecht, dann antworte ich: das sagt mir
nichts.

[00:17:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie?

[00:17:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss nach den Gefühlen fragen.

[00:17:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem die Jugendlichen ihre Gefühle benennen, beschreiben müssen, möglichst genau,
und auch die Eltern ihre Gefühle, ihre Empfindungen, ihre Wahrnehmungen
beschreiben, passiert eine Differenzierung im Gehirn.

[00:17:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man Gefühle, die da im limbischen System aufwallen, in Worte fassen kann,
dann kann man die Gefühle besser ablegen in der Hirnrinde und dann wird die Energie
wieder frei.

[00:17:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Gefühle immer im Kreis drehen, dann ist sehr viel seelische Energie absorbiert
und der Arbeitsspeicher funktioniert nicht so gut.

[00:18:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, seine Gefühle in Wort zu fassen, damit das Gehirn wieder frei wird und
man besser ins Lot kommt.

[00:18:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt natürlich nicht, dass sie tagelang, nächtelang nur immer über Gefühle reden
müssen.

[00:18:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann mal hat das auch wieder seine Grenze und der Alltag oder die Nacht muss
weitergehen.

[00:18:42.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat festgestellt, wenn Menschen lernen, ihre Gefühle auszudrücken, sind sie
weniger davon belastet.

[00:18:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz
So sagt man, geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:18:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man darüber reden.

[00:18:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Ausstellung über Entscheidungen im Stapferhaus in Lenzburg wurde das auch
gezeigt.

[00:18:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch gestresst ist, dann werden Hormone ausgeschüttet bei den Frauen
und bei den Männern. Bei den Frauen etwas mehr. Das ist das Oxytocin.

[00:19:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin ist ein Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn man Kinder stillt.

[00:19:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja stillen, das heisst, man wird dann still. Man wird ruhig. Auch die
Großmutter, die ein Kind auf dem Arm hält und das Fläschchen gibt, wird still.

[00:19:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem Oxytocin auch Kuschelhormon.

[00:19:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können das Kuschelhormon auch ausschütten, wenn sie nichts dagegen
haben, wenn sie solche pflegenden Aufgaben übernehmen.

[00:19:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch unter Stress ist, schüttet er einerseits Adrenalin und Dopamin aus,
das sind so mehr die aggressiven Hormone, die man braucht in der Wirtschaft, um
kämpfen und die beste Firma zu sein.

[00:19:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schüttet aber auch Oxytocin aus, das heißt, man rückt näher, man will reden, man
will austauschen.

[00:20:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kennen sie wahrscheinlich alle, dass wenn man unter etwas leidet, möchte man mit
jemandem darüber reden.

[00:20:11.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell die Frauen.

[00:20:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer haben etwas mehr Mühe.

[00:20:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft ehrenrührig für Männer, über ihre Gefühle zu reden.

[00:20:25.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es oft als etwas Schwaches an.

[00:20:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein, es ist eine Stärke.

[00:20:33.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht den Frauen großen Eindruck, wenn Männer über Gefühle reden können.

[00:20:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her dürfen sie auch ihren Jungen beibringen, über Gefühle zu reden.

[00:20:43.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts ehrenrühriges.

[00:20:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht nur die Mädchen, die das lernen müssen.

[00:20:50.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie kommen in das Argumentieren hinein.

[00:20:55.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche sind sehr gut im Argumentieren.

[00:20:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas von ihnen verlangt, das sie nicht wollen, dann wechseln sie das
Thema. Ja, aber du hast auch und der hat auch nicht usw.

[00:21:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen finden immer eine Ausrede, warum sie nicht mitmachen müssen.

[00:21:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich nicht ablenken von diesem wilden Gang.

[00:21:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich nicht in jede Verästelung hineinziehen und in Argumente hineinziehen,
sondern kommen sie immer wieder zurück zu ihrem roten Faden.

[00:21:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich sehe, was du da alles sagst, aber ich will wieder zu dem zurückkommen.

[00:21:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommen sie zurück zu ihrem roten Faden und versuchen dort wieder ihr Prinzip
darzulegen, ihre Regeln.

[00:21:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prinzipien nicht durchsetzen in der Hitze des Gefechts, sondern warten, bis alles
etwas ruhiger geworden ist.

[00:22:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine weitere Regel für die Frauen:

[00:22:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Setzen sie ihre Prinzipien nicht durch mit ihrem eigenen Leiden.

[00:22:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du dich so benimmst, bekomme ich eine Herzattacke oder ich bekomme einen
Asthmaanfall oder ich bekomme eine Migräne.

[00:22:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon sehr stark, da macht man es dann mit psychosomatischen Symptomen.

[00:22:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann aber nur sagen, das enttäuscht mich sehr, dass du das so gemacht hast. Das
verletzt mich wahnsinnig, dass du da nicht das gemacht hast.

[00:22:40.090] – Dr.med. Ursula Davatz
All das sind emotionale Methoden, um die Kinder auf die richtige Schiene zu bringen. Ist
aus meiner Sicht nicht so gut.

[00:22:51.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, das enttäuscht mich, dass du das gemacht hast, da hört man ja raus,
man hat eine Erwartungshaltung gehabt an das Kind.

[00:22:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat diese Erwartung nicht erfüllt und jetzt ist man enttäuscht.

[00:23:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, eigentlich haben wir gar kein Recht darauf, das Kind muss nicht unsere
Wünsche erfüllen. Das Kind muss erwachsen werden und Eigenverantwortung
übernehmen.

[00:23:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die sich nur nach dem Wohlbefinden der Eltern benehmen, damit es denen
möglichst gut geht, die sind später sehr aufgeschmissen.

[00:23:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann einen launischen Chef haben, dann überleben sie nicht.

[00:23:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was sie machen, befriedigt den nicht und ihnen geht es auch nicht gut.

[00:23:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Setzen sie keine emotionalen Druckmittel auf, um das Kind auf den richtigen Weg zu
bringen.

[00:23:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Bringen sie ihr Anliegen eher neutral.

[00:23:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind ohnehin schon sehr, sehr sensibel.

[00:23:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter frage, wer von ihren Kindern merkt am ehesten, wenn es ihnen
schlecht geht? Das ADHS/ADS Kind.

[00:23:56.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder merken diese Zustände sehr gut.

[00:23:58.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da noch Druck drauf setzt, dann wirft es die ADHS/ADS Kinder eher aus der
Bahn.

[00:24:04.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ruhige Dinge sagen.

[00:24:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind ausrastet, dann kann es böse Dinge sagen.

[00:24:17.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Was nicht heisst, dass wenn man gleich böse Dinge zurück sagt, dass es dann das gut
erträgt.

[00:24:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Er teilt aus, aber er kann überhaupt nicht einstecken.

[00:24:26.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz normal für ADHS/ADS Kinder.

[00:24:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wut teilen die ADHS/ADS Kinder aus, aber sie sind hochsensibel wie Mimosen.

[00:24:35.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück.

[00:24:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man noch nicht anwenden bei den Teenagern, sondern man muss das
abdämpfen.

[00:24:48.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer den Begriff Welpenschutz.

[00:24:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den ADHS/ADS Kindern Welpenschutz zugestehen.

[00:24:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Hundemutter mit kleinen sehen, die kommen und beißen und machen,
die haben so spitzige Milchzähne, die können recht weh tun. Mutter hat natürlich ein
Fell, wir haben nur Haut, dann tut es etwas mehr weh.

[00:25:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lernen zu beißen, die üben. Das ist alles Übungsverhalten.

[00:25:18.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hundemutter macht nur so oder läuft vielleicht weg.

[00:25:21.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hundemutter beißt nie zurück.

[00:25:25.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Welpenschutz.

[00:25:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten überhaupt nicht zurückbeißen.

[00:25:30.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen vielleicht Grenzen setzen, das dürfen wir, aber wir sollten nicht in gleichem
Masse zurückbeißen.

[00:25:41.410] – Bemerkung 1
Was ist, wenn der Jugendliche aggressiv auf einem loskommt? Das ist noch schwierig.

[00:26:00.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Konrad Lorenz, Arzt und Verhaltensforscher bei den Tieren spricht vom sogenannten
Bösen.

[00:26:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Also aus meiner Sicht ist Aggression nie etwas Primäres.

[00:26:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Aggression ist immer eine Verteidigung.

[00:26:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja: Aggression ist die beste Verteidigung.

[00:26:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind aggressiv auf einem loskommt, dann hat man es vermutlich vorher in
eine enge oder Ecke gedrückt.

[00:26:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man wieder auf Flucht-Abstand gehen, mental und körperlich.

[00:26:32.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fluchtdistanz sind zwei Armlängen.

[00:26:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht waren noch andere Dinge, die das Kind in eine Ecke gedrückt hat.

[00:26:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendetwas in der Schule oder am Arbeitsplatz und dann kommt die Mutter noch und
will etwas: Du hast deinen Schulsack noch nicht aufgeräumt.

[00:26:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann knallt es und dann wird er aggressiv.

[00:26:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Da muss man beobachten und schauen, was war vorne dran und was hat die Explosion
ausgelöst.

[00:27:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Akutzustand nicht erziehen wollen, höchstens auf Distanz gehen, beruhigen lassen.

[00:27:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nicht erziehen.

[00:27:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nicht kognitiv erziehen.

[00:27:18.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nur beruhigen.

[00:27:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit einem ADHS/ADS Kind eine Auseinandersetzung haben oder nur einen
Kontakt haben, ist es wichtig, dass sie ruhiger sind als ihr Kind.

[00:27:32.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor sie nur den Mund aufmachen und irgendetwas sagen, müssen sie sich zuerst,
zentrieren, beruhigen, dass sie von ihrem Mittelpunkt her dann etwas ruhig sagen
können und vorher lieber nichts sagen.

[00:27:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche die Emotionen mit Turbulenzen in fluiden Medien, wie in der Luft oder im
Wasser

[00:28:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede von emotionalen Monsterwellen.

[00:28:05.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen emotionale Monsterwellen eine Wand aufbaut, dann gibt es eine
Springflut. Tsunami.

[00:28:12.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle rein und raus gehen kann, dann ebbt sie irgendwann mal aus.

[00:28:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen dann nicht Wand spielen, sonst geht die Springflut gegen sie.

[00:28:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Springflut hat grosse zerstörerische Kraft.

[00:28:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie eher auf Distanz, beruhigen lassen.

[00:28:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihren Regeln können sie erst wieder kommen, wenn sich alles gesetzt hat.

[00:28:39.700] – Bemerkung 2
Viele Eltern berichten mir, dass sie lange drei, vier Mal versuchen ruhig zu bleiben,
irgendwann explodieren sie selber.

[00:28:49.880] – Bemerkung 2
Ich finde es wichtig, dass man seine Bedürfnisse auch sagt, was man möchte. Wenn
man immer ruhig bleibt und dann explodiert…

[00:29:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht auch nicht.

[00:29:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss etwas sagen, wenn man das Wasser bei der Brust hat, nicht erst wenn man
das Wasser bei der Nase hat.

[00:29:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern merken, dass sie es nicht vertragen, was der/die macht, dann muss man
schon das Gespräch suchen und dann seine Bedürfnisse nennen.

[00:29:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle müssen formuliert werden und nicht aus agiert werden.

[00:29:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind verpflichtet unsere Gefühle zu formulieren, aber diese nicht einfach
auszuagieren.

[00:29:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir explodieren, agieren wir natürlich aus.

[00:29:42.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man verletzt wurde durch das Kind, darf man schon sagen: das was du da
gesagt hast, hat mich verletzt, oder was du gemacht hast, hat mich verletzt.

[00:29:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zusammenbrechen und einen Herzinfarkt machen oder irgendetwas somatisches,
wirklich nur benennen.

[00:30:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage dann immer: Kannst Du das nachvollziehen?

[00:30:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich mal an einem Workshop zwischen den Ehepartnern gebracht, dass man
immer das Gegenüber fragt: kannst du das nachvollziehen, dass mich das verletzt hat?

[00:30:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer ruhiger Phase kann das Kind das sehr wohl nachvollziehen.

[00:30:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder kommen sich auch entschuldigen.

[00:30:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alles aufstauen lassen und einfach immer tolerant sein und gar nichts machen.

[00:30:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Früh genug etwas sagen aber auf ruhige Weise.

[00:30:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wütend wird man auch manchmal.

[00:30:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht auf das Kind schiessen und sagen: Du unmöglicher Typ, du bringst es nie
zum etwas. Keine persönlichen Argumente, keine Tiefschläge.

[00:30:36.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das Kind in seiner Persönlichkeit vernichten.

[00:30:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher in die Luft schiessen und sagen: ich bin so wütend, ich bin so rasend, es macht
mich wahnsinnig verrückt.

[00:31:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wieder seine Gefühle benennen, man kann sich auch etwas zeigen, aber nicht mit
auf das Kind losgehen.

[00:31:13.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald man auf das Kind los geht, dann erwartet man Unterwerfungsverhalten und
Machtkonflikt.

[00:31:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will ja siegen.

[00:31:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig macht man dann Zweiten. Dann ist man verrückt, dass man verloren hat und
dann geht man wieder los.

[00:31:27.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gut.

[00:31:30.220] – Bemerkung 3
Was macht man, wenn ein Kind dauernd Wutausbrüche hat und sich nicht regulieren
kann und man es selbst vielleicht ein, zwei Mal schafft, das Kind zu beruhigen, aber das
dritte Mal man es einfach nicht mehr schafft und man selbst einfach auch Mitgerissen
wird mit den Emotionen und der Wut?

[00:31:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder die viele Wutausbrüche haben, die haben sich noch nicht so gut reguliert.

[00:32:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Kind versuchen wir zu regulieren.

[00:32:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind fragen: was gibt es in seinem Leben, das ihn beruhigt?

[00:32:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche machen Sport, manche spielen ein Instrument. Manche schreiben Gedichte.

[00:32:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss irgendetwas finden, das zum Kind gehört.

[00:32:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, was das Kind gerne macht.

[00:32:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Wut da ist, kann man Klavier spielen gehen.

[00:32:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ludwig van Beethoven hat wahrscheinlich auch viele Wutausbrüche gehabt. Die sind
sehr schön musikalisch umgesetzt worden.

[00:32:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jedes ADHS/ADS Kind ist so begabt wie Ludwig van Beethoven.

[00:32:38.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es andere Dinge. Man muss auch gar nicht so begabt sein.

[00:32:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es einfach machen.

[00:32:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man etwas anderes macht und etwas Motorisches macht, wird auch wieder
Energie von da abgeleitet in die Motorik.

[00:32:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Naturvölker machen das auch, wenn die Angst haben vor dem Regen, dann haben die
irgendein Ritual gemacht.

[00:33:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Etwas regelmäßig machen ist wie ein Ritual.

[00:33:06.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene gehen Joggen, wenn sie eine wahnsinnige Wut haben auf das
Geschäft.

[00:33:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss jetzt abarbeiten und dann springen sie da durch die Gegend.

[00:33:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einem Kind muss man schauen, was könnte es machen, um seine Energie
etwas abfliessen zu lassen.

[00:33:23.520] – Bemerkung 4
Was macht man, wenn es nur ganz kleine Kleinigkeiten sind, welche das Kind zum
Ausrasten bringen?

[00:33:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

[00:33:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wissen nicht, was im Kind noch alles vorgeht. Das reguliert sich dann mit der Zeit.

[00:33:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur ein Wort oder nur ein Blick zum Kind und es rastet sofort aus.

[00:33:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht dieser Blick oder das Wort.

[00:33:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ein Rolle spielt, ist was vorher war.

[00:33:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder müssen lernen, sich selber zu regulieren.

[00:34:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Neuropsychologie und Psychotherapie das Wort der Achtsamkeit.

[00:34:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt, achtsam in sich hineinzuhören.

[00:34:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die japanische Teezeremonie ist so etwas, das man ganz langsam macht.

[00:34:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Tai-Chi ist so etwas. Die Kampfbewegungen sind ganz langsam.

[00:34:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man sich so langsam bewegt, beruhigt es sich da innen.

[00:34:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man beobachtet, beruhigt es sich.

[00:34:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, wenn Kinder so Achtsamkeitstraining machen, wenn die da mitmachen.

[00:34:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinesiologie geht auch ein wenig in diese Richtung.

[00:34:51.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind das lernt, dann strukturiert sich das Hirn um, anders, und dann lernt es
besser, seine Emotionen zu regulieren.

[00:34:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert alles während der Pubertät.

[00:35:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen etwas Geduld haben.

[00:35:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen uns nicht darüber aufregen, dass das Kind über eine kleine
Nebensächlichkeit ausgeflippt ist.

[00:35:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach immer wieder diese Selbstregulationsmechanismen dem Kind nahe legen und
schauen, was es machen könnte.

[00:35:21.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die ganz einfache Übung: EMDR (Eye Movement Desensitization
Reprocessing).

[00:35:30.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft bei der Angst verwendet.

[00:35:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch Angst hat, wenn er traumatisiert ist, dann kommen alle diese
Angstbilder, dann geht man auf Motorik.

[00:35:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Übung ist: ich schaue mit dem Kopf gerade aus, meine Augen muss ich bewegen,
und ich bewege meine Hand.

[00:35:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich muss immer meinen Augen nachschauen.

[00:35:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann reden, aber ich kann nicht mehr denken.

[00:35:57.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Da holt man die ganze Energie im limbischen System weg in die Motorik.

[00:35:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte auch Seilhüpfen, balancieren. Im Yoga macht man den Einbeinstand.

[00:36:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Lauter solcher Dinge.

[00:36:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht man in die Motorik, da muss man sich beruhigen.

[00:36:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch in die Sauna gehen, da kann man auch nicht mehr verrückt sein, sonst
explodiert man.

[00:36:21.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt verursache ich noch einen Unfall. Lieber nicht. Kein Schenkelhalsbruch.

[00:36:38.030] – Bemerkung 5
Mein Sohn rastet sofort aus, wenn er etwas nicht darf. Dann muss er immer etwas
kaputt machen.

[00:37:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben nicht gerne, wenn man Nein sagt.

[00:37:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Im TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication
handicapped Children) wurde das auch erwähnt.

[00:37:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen, was das Kind nicht tun darf, sondern sagen was das Kind tun soll.

[00:37:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nein sagen und das Kind ist emotional geladen, dann machen sie eine Wand,
dann gibt es einen Tsunami.

[00:37:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind macht etwas, das er nicht soll. Dann müssen sie etwas herausfinden, was ihr
Kind machen darf.

[00:37:23.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Weisst du, mit dem sollte man eher das machen. Das eignet sich besser zum das
machen. Austauschen.

[00:37:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sanft hineingehen, nicht so abrupt und stopp, sonst macht das Kind den
Tsunami.

[00:37:56.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind verwendet vielleicht ein falsches Instrument für etwas, was sie nicht wollen.
Vielleicht hat das Kind eine Gabel und kratzt auf dem Tisch und sie wollen das nicht.
Dann sagen sie: Ah, du willst malen, ich gebe Dir ein Blatt Papier und eine ganz schöne
Farbe. Das ist viel interessanter als die Gabel auf dem Tisch. Dann kannst Du viele
Zeichnungen machen und nicht nur ein paar Kratzer.

[00:38:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Umleiten in eine andere Beschäftigung.

[00:38:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie einfach nur "Nein" sagen.

[00:38:37.720] – Bemerkung 6
Die eigenen Emotionen von den Eltern zum Kind sind noch steuerbar.

[00:38:39.200] – Bemerkung 6
Ich habe zwei pubertierende ADHS/ADS Kinder zu Hause. Diese beiden zusammen,
das geht gar nicht. Das ist sehr sehr belastend für mich.

[00:38:43.740] – Bemerkung 6
Ich fordere die Kinder dazu auf, dass sie sich gegenseitig beschreiben, wie das
Gegenüber etwas erlebt hat.

[00:39:16.700] – Bemerkung 6
Wir versuchen es mit Trampolin, mit Musik. Ich würde am liebsten eines meiner Kinder
nehmen und ausziehen.

[00:39:17.350] – Bemerkung 6
Es ist ganz ganz schwierig, weil ich einfach noch keine gute Lösung gefunden habe. Es
sind zwei Jungs.

[00:39:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschwisterstreit ist etwas schwieriges, das wird schon in der Bibel beschrieben.
Die haben es auch nicht gut gelöst.

[00:39:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ihnen jetzt zuerst, weil sie erwachsen sind, was sie nicht tun sollen. Beim Kind
dürfte ich das nicht.

[00:39:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle oft fest, dass die Mutter den sogenannt Schwächeren geschützt hat gegen
den Stärkeren.

[00:39:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Was geschieht dann?

[00:40:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stärkere kriegt dann eine grosse Wut auf das sogenannt Schwächere. Das geht bis
ins Erwachsenenalter. Die sind feindselig miteinander und es geht gar nicht.

[00:40:15.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in der Täter/Opfer Rolle denken, sondern vom Prozess her denken.

[00:40:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ihr habt da ein Problem, was ist das Problem?

[00:40:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Kinder sollen ihnen das Problem schildern. Ihre Kinder sollen sich nicht gegenseitig
das Problem schildern.

[00:40:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schauen: wie könnte ich eine Lösung finden.

[00:40:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können da noch nicht so vernünftig miteinander verhandeln, das sehen sie ja in der
Politik, da sind die erwachsenen Leute auch nicht sehr gut.

[00:41:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen: was ist das Problem?

[00:41:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Dritte überlegen dann: wie könnte man da den Prozess wieder auflösen?
Überhaupt nicht juristisch denken, Täter/Opfer, böse/gut; wirklich nur Prozessdenken.

[00:41:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit lernen sie dann das etwas und verhandeln dann selber.

[00:41:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es keine Lösung gibt, dann machen sie es wie Julius Cäsar: Divide et Impera.
Teilen und dann regieren. Dann muss jeder in sein Zimmer gehen.

[00:41:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind meistens weniger nachtragend als wir Erwachsene.

[00:41:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder streiten miteinander und dann sind sie wieder dicke Freunde. Den Kindern
macht das Streiten gar nichts aus.

[00:41:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Streiten ist soziales Lernen.

[00:42:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hunde, die rennen einander nach. Die Katzen die spielen.

[00:42:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Streiten gehört zum sozialen Lernprozess.

[00:42:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wollen wir das Streiten zu früh abbrechen.

[00:42:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz

An sich dürfen wir den Streit nur abbrechen, wenn es um Leben und Tod geht oder ihre
Möbel zertrümmert werden.

[00:42:16.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. med. Burkhard Voss ein Drogentherapeut sagt immer: mir ist es lieber, dass in
einem Haushalt die Möbel Ecken abhaben, als die Kinder.

[00:42:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagt auch etwas.

[00:42:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es nicht ertragen, dann trennen.

[00:42:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher den Prozess anschauen und was für eine Lösung hätten die Kinder?

[00:42:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch nur sagen: das ist schwierig, da weiss ich jetzt auch nicht wie.
Verlangsamen. Nicht so schnell die Lösung haben wollen.

[00:42:55.660] – Bemerkung 7
Ich habe es schon mit "Stopp" versucht.

[00:42:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das geht nicht.

[00:43:03.140] – Bemerkung 7
Es geht immer so weit, bis der eine weint. Nicht immer derselber, aber immer einer.

[00:43:06.620] – Dr.med. Ursula Davatz
"Stopp" geht auch nicht. Das ist wieder die Wand.

[00:43:10.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher den Prozess anschauen. Jetzt soll der eine mir seine Sicht erklären und dann der
andere. Dann müssen die schon etwas lernen zu beschreiben.

[00:43:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was läuft da eigentlich ab?

[00:43:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beruhigt schon. Da geht Energie vom limbischen System ins große Hirn.

[00:43:28.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es schon etwas ruhiger.

[00:43:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch sagen: Oh, ich weiß auch nicht, wie das lösen.

[00:43:35.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Kinder vielleicht: Die Mutter ist dumm, jetzt machen wir es selber.

[00:43:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich immer erlebe, dann sagen die Eltern, das sind dann meistens schon
Erwachsene: Oh, kann ich in die Ferien gehen, wird das Haus nicht abgebrannt? Ist
alles zerschlagen?

[00:43:49.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder kommen besser miteinander aus, wenn sie nicht da sind. Dann sind die
Kinder aufeinander angewiesen.

[00:43:49.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Als die Eltern weg waren, gingen die Kinder zusammen Joggen. Als die Eltern zu Hause
waren, hiess es: der andere muss ausziehen, ich halte es sonst nicht aus.

[00:44:09.560] – Bemerkung 8
Ich habe mich früher immer ein bisschen zu früh eingemischt in den Streit. Jetzt mache
ich einen Elternbildungskurs und halte mich bewusst raus, solange die Kinder nicht
handgreiflich werden. Ich gehe in die Küche, nehme einen Kaffee und lass die Kinder
streiten. Die streiten wirklich weniger. Es ist wirklich ruhiger geworden. Früher habe ich
immer die Kleine mehr in den Schutz genommen.

[00:44:59.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich mehr rausnimmt, muss man es als Kind selber irgendwie an die Hand
nehmen.

[00:44:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist wenn die Kinder handgreiflich werden?

[00:44:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Jungen, jeder Boxkampf ist handgreiflich, beim Tennis spielen ist halt ein Ball
dazwischen, aber da geht es ziemlich hart zu und her.

[00:45:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört natürlich auch zu den Buben, dass die miteinander kämpfen.

[00:45:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen aus den Knaben keine Mädchen machen.

[00:45:25.530] – Bemerkung 9
Es gab auch schon einen Armbruch, weil der eine irgendwo runtergefallen ist.

[00:45:46.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen irgendwo so einen Boxraum einrichten. Geht auf die Wiese und streitet
Euch dort. Dort kann man nicht runterfallen.

[00:46:09.270] – Bemerkung 10
Ich habe meinen Sohn oft gefragt, was ist den passiert, kannst Du das nicht erklären?
Das hat er immer abgeblockt, er wollte nicht darüber sprechen.

[00:46:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät?

[00:46:29.600] – Bemerkung 10
Auch schon vorher.

[00:46:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ganz generell fällt es jungen Männern schwerer, über ihre Gefühle zu reden.

[00:46:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer darauf an, wie wir fragen.

[00:46:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie "Warum" fragen.

[00:46:44.220] – Dr.med. Ursula Davatz
TEACCH spricht von: Was, wie, wann, wo, wie lange?

[00:46:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie lernt man das auch.

[00:46:53.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind systemische Fragen, den Ablauf.

[00:46:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mütter fragen oft zu direkt, zu konkret.

[00:46:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht fragen, was hast du gefühlt.

[00:47:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht überhaupt nicht.

[00:47:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Kinder zum Beschreiben bringen.

[00:47:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Was war denn da, was hat denn der andere gesagt? Also sehr konkret.

[00:47:10.590] – Bemerkung 10
Die Antwort war immer: ich weiß es nicht.

[00:47:13.150] – Bemerkung 10
Dann habe ich gesagt: was heißt jetzt das? Du willst nicht darüber reden?

[00:47:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat gemerkt, die Mutter will da etwas rausholen, dann hat er blockiert.

[00:47:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der geneigte Leser merkt die Absicht.

[00:47:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner geben Medikamente.

[00:47:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Kinder haben die Tendenz ihre Emotionen mit Drogen zu beruhigen.

[00:47:57.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehört das Haschisch dazu, es beruhigt auch tatsächlich.

[00:48:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Haschisch birgt in sich die Gefahr, dass es eine zusätzliche Krankheit gibt.

[00:48:07.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele in der Psychiatrie, die über Haschisch psychotisch geworden sind, also
eine schizophrene Phase gemacht haben.

[00:48:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man lange negiert, dementiert, aber ist für mich absolut klar.

[00:48:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir sicher nicht.

[00:48:24.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn der Pubertierenden ist noch etwas empfindlicher auf diese Drogen.

[00:48:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was brauchen denn die ADHS/ADS Kinder in der Jugend, damit sie zu gesunden
Personen heranwachsen können?

[00:48:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen nach Möglichkeit ein stabiles Umfeld, damit sie sich getrauen, sich selbst
zu sein.

[00:48:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir hatten in der vorhergehenden Gruppe eine Betroffene, die hat das sehr schön
beschrieben.

[00:48:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter war sehr emotional und sie hat sich dann nicht getraut, sich selber zu sein.

[00:49:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat sich stark zurückgenommen.

[00:49:06.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die Jugendlichen sich entwickeln können, braucht es ein möglichst stabiles
Umfeld.

[00:49:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts zu ihrem ADHS/ADS Jugendlichen sagen, bevor sie sich nicht selbst
einigermaßen ins Lot gebracht haben.

[00:49:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können immer den Einbeinstand üben. Wenn sie balancieren können, dann sind sie
nicht so schlecht dran.

[00:49:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler nehmen sich sonst zurück, haben ein schlechtes Gewissen, sie
haben Schuldgefühle, sie denken, sie seien schuld, wenn es ihnen schlecht geht.

[00:49:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich gar nicht gut.

[00:49:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Verwenden sie keine emotionalen Erpressungsmethoden wie z.B.: das verletzt mich
sehr, jetzt bin ich aber ganz traurig, jetzt bin ich aber ganz schwer enttäuscht.

[00:49:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen sie, was sie erwarten. Positiv.

[00:50:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das und das ist mir wichtig.

[00:50:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du solltest, du müsstest.

[00:50:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es wichtig, dass meine Kinder das und das lernen. Das hat sich für mich bewährt.
Es liegt mir am Herzen, das ist meine Moral

[00:50:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das, was ihnen wichtig ist, in allgemeine Regeln formulieren.

[00:50:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen von ihrem Standpunkt überzeugt sein, nicht allzu ambivalent.

[00:50:36.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Kinder überzeugen wollen.

[00:50:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht missionieren, nicht überzeugen wollen, nicht überreden wollen.

[00:50:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach selbst gut bei sich sein.

[00:50:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Turbulenzen gibt kann man gleich wie die Piloten handeln.

[00:50:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Notfall überlässt man das Flugzeug am besten sich selbst.

[00:51:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen ADHS/ADS Eltern habe ich gesagt: wenn man nicht ruhig ist und nicht weiss was
machen, lieber nichts machen.

[00:51:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Falsch reinhauen, Öl ins Feuer gießen, übersteuern, bringt das Familiengefährt auf
einen Schleuderkurs.

[00:51:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:51:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Auto auf Eis, sollte man mit einem Finger steuern, ganz locker, damit man sich gut
anpassen kann. Wenn man am Steuer reisst, dann schleudert man und das Auto
überschlägt sich.

[00:51:27.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In manchen Situationen lieber nichts machen, als noch die ganze Situation aufheizen.

[00:52:03.230] – Bemerkung 11
Was ist ihre Meinung zu Ritalin?

[00:52:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist eine stimulierende Droge, ein Upper, ein Amphetamin.

[00:52:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin wirkt im Motivationszentrum, zwischen dem limbischen System und der
Grosshirnrinde.

[00:52:27.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin hilft fokussieren.

[00:52:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr leicht abgelenkt.

[00:52:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Ritalin fokussieren die ADHS/ADS Kinder besser und können besser lernen,
besser sich auf die Prüfungen vorbereiten. Vielleicht sind sie auch ruhiger.

[00:52:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Kinder mit Ritalin sagen: ich bin dann nicht mehr mich selbst und haben es nicht
so gerne.

[00:52:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es die Eltern wünschen, verschreibe ich es auch.

[00:52:57.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern "Nein" sagen, ich will es anders versuchen, dann erlaube ich das den
Eltern.

[00:53:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer sagt, ich nehme das Kind nicht in die Schule, wenn es nicht Ritalin
nimmt, dann sage ich, das ist nicht erlaubt.

[00:53:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Dinge werden gesagt.

[00:53:16.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Außer Ritalin gibt es auch Neurofeedback, Achtsamkeitsübungsmethoden womit man
sich auch zentrieren kann, wie man diese Zentren im Hirn zwischen dem limbischem
System und dem Cortex verstärken kann.

[00:53:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man da Autobahnen machen kann.

[00:53:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich eher für solche Methoden, die nicht sonst im Körper eingreifen.

[00:53:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch Erwachsene, die studieren. Die nehmen das Ritalin immer für die
Prüfung oder zum lernen.

[00:53:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse sie das Ritalin immer wieder absetzen, dann wenn sie es nicht brauchen.

[00:54:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie genügend Stimulation haben von außen her, dann sind sie so aktiviert, dass
sie sich selbst genügend fokussieren können.

[00:54:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Privatschule wollte man sehr soziales Lernen stimulieren.

[00:54:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben alle Kinder sich so im Kreis gesehen.

[00:54:22.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sie natürlich wahnsinnig abgelenkt.

[00:54:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe dann gesagt, dass die Kinder sich umdrehen und zur Wand schauen müssen.

[00:54:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur für bestimmte Dinge dürfen sich alle sehen, sonst macht jeder Faxen und keiner
macht seine Aufgaben.

[00:54:38.840] – Bemerkung 12
Wie verhält es sich Ritalin und der Pubertät?

[00:54:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss noch nicht, wie Ritalin auf lange Zeit wirkt.

[00:54:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt zum Teil, dass Ritalin einen verfrühten Parkinson machen kann.

[00:54:55.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimuliert die Dopaminbahnen. Im Kleinhirn hat es auch viele Dopaminbahnen.

[00:54:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das zu sehr ausgeschöpft wird, ja…

[00:55:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Valium hat man auch gesagt, es macht nicht süchtig und jetzt weiss man, dass es
süchtig macht.

[00:55:15.920] – Bemerkung 13
Was geschieht wenn ein Kind Ritalin nimmt, dass kein ADHS/ADS hat?

[00:55:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden im Moment keine direkten Schäden erwähnt, das ist eher langfristig.

[00:55:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird dann unnötig stimuliert und es beutet sich natürlich etwas aus.

[00:55:42.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben immer noch sehr viele Ressourcen, alle Organe funktionieren noch gut.

[00:55:45.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man älter ist, wird es etwas schwieriger.

[00:55:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passiert in dem Sinne kein Schaden.

[00:55:52.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht seine Persönlichkeit haben, das ist nicht gut.

[00:55:58.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Langzeitschäden kennt man noch nicht so genau.

[00:56:03.720] – Bemerkung 14
Ich möchte etwas zu Parkinson und Ritalin sagen. Das war eine Studie in den 1990er
Jahren. Das hat sich nie in andere Studien bestätigt.

[00:56:31.000] – Bemerkung 15
Ritalin wird seit 50-60 Jahren verschrieben.

[00:56:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, aber nicht von alle Personen 50 Jahre lang.

[00:56:46.480] – Bemerkung 15
Wenn es solche Schäden gebe, wäre Ritalin nicht auf dem Markt.

[00:56:46.680] – Bemerkung 15
Die anderen Psychopharmaka, die nur ein paar Jahre dabei sind, die machen ganz
andere Schäden.

[00:57:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Psychopharmaka mache gewisse Schäden.

[00:57:14.720] – Bemerkung 16
Basierend auf welchen Studien machen sie diese Aussagen?

[00:57:17.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht.

[00:57:18.750] – Bemerkung 17
Wenn es nicht lukrativ ist, wenn es keinen Sinn macht, darüber zu forschen, dann gibt
es keinen Zusammenhang zwischen Ritalin und Parkinson.

[00:57:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wäre da nicht so gutgläubig. Ich weiss es nicht. Im Kleinhirn hat es viel Dopamin.

[00:57:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen nicht Angst machen. Wir nehmen noch alle möglichen Stoffe zu uns mit
den Nahrungsmitteln. Wir wissen nicht, was die alles für Schäden machen.

[00:57:57.120] – Bemerkung 18
Es ist besser wenn ein Kind ohne psychischen Schaden durch die Jugend kommt und
Ritalin nimmt. Ob es dann fünf Jahre früher oder später Parkinson bekommt spielt keine
Rolle. Hauptsache es hatte davor ein qualitativ besseres Leben.

[00:58:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das können sie sagen.

[00:58:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man Ritalin mit 16 Jahren aufgehört. Heute gibt man es auch bei den
Erwachsenen.

[00:58:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche machen da ganz große Schritte, die konnten sich vorher überhaupt nie
eingliedern und jetzt mit Ritalin auf einmal geht es.

[00:58:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bin ich sicher nicht dagegen.

[00:58:45.000] – Bemerkung 19
Ich bedauere, dass dieser Satz gefallen ist, dass Ritalin Parkinson auslösen kann.

[00:59:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine Studie und es ist sicher auch nicht bewiesen worden. Es ist aber ein
Gerücht, dass Ritalin Parkinson auslösen kann.

[00:59:21.660] – Bemerkung 20
Ein Junge von mir nimmt Ritalin. Vorher war er immer sehr aggressiv. Seit er Ritalin
nimmt, sagt er, dass es ihm besser geht.

[01:00:03.670] – Bemerkung 20
Ich nehme auch Ritalin und für mich ist es Lebensqualität.

[01:00:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke Ritalin kann zum Teil Wunder wirken, man sieht auch die starke Veränderung.

[01:00:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich will einfach nicht, dass Lehrer verlangen, dass die Eltern ihrem Kind Ritalin geben
müssen, wenn sie es nicht wollen.

[01:00:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Familie muss das selber wissen.

[01:00:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Bitte noch den Fragebogen ausfüllen.

Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät, Teil 1

Vortrag 1:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

6.9.2014
Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät
Audio

[00:00:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät zeichnet sich dadurch aus, dass der junge Mensch lernen muss, mit den
Emotionen umzugehen.

[00:00:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kindesalter kann die Mutter, der Vater noch dem Kind helfen, seine Emotionen zu
regulieren.

[00:00:19.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kann das Kind trösten, sie kann das Kind aufmuntern.

[00:00:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater kann das Kind korrigieren, zurückbinden. Ich mache jetzt die traditionellen
Rollen.

[00:00:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss die Person, der junge Mensch selbst lernen, sollte lernen, mit
seinen Emotionen umzugehen.

[00:00:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zusätzlich Emotionen aus dem Umfeld kommen oder ein Umfeld besteht, das
keine Emotionen erlaubt, dann hat das Kind kein Lernfeld.

[00:00:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen abgespalten, die dann später wieder in allen möglichen
psychiatrischen Diagnosen zum Vorschein kommen.

[00:01:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen aufgeheizt, die dann das System zum Dekompensieren, also
zum Zusammenbrechen führen.

[00:01:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine allgemeine Regel, wenn das Gehirn als integratives System zu sehr
überflutet wird von Emotionen, dann funktioniert es nicht mehr.

[00:01:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn auch keine Struktur entwickeln.

[00:01:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zug habe ich ein Buch gelesen, wie sich das Gehirn umbaut.

[00:01:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel Forschung betrieben, auch in der Neuropsychologie, wie sich das Gehirn
umbaut, wie das funktioniert.

[00:01:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden nur die kognitiven Funktionen des Gehirns sehr hoch gewertet.

[00:01:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Gehirn funktioniert nur, wenn es kognitiv und emotional zusammenarbeitet.

[00:01:55.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstregulation der Emotionen, das ist eine dieser Funktionen, die in einem
gewissen Bereich des Gehirns stattfindet und die eine strukturelle Repräsentanz findet
während der Pubertät.

[00:02:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so etwas Theorie.

[00:02:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt versuche ich gleich zum Praktischen zu gehen.

[00:02:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Später können sie dann noch Fragen stellen.

[00:02:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Emotionsregulation wird in der heutigen Psychiatrie an erster Stelle über
Psychopharmaka gemacht.

[00:02:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht ist das nicht akzeptabel.

[00:02:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Jugendliche Gehirn, das Kindergehirn, ist im Wachstum, daran sich zu entwickeln.

[00:02:51.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da sofort Psychopharmaka einsetzt, dann werden die Psychopharmaka in
die Persönlichkeit des Kindes eingebaut.

[00:03:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind bekommt das Gefühl, ich bin nicht ok, so wie ich bin, ich muss immer noch
etwas hinzufügen.

[00:03:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Abgesehen davon wird auch das Lernen etwas geschwächt.

[00:03:14.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka haben es immer an sich zu dämpfen oder nur ein bestimmtes Gebiet
zu aktivieren.

[00:03:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird nicht so flexibel.

[00:03:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Not darf man aus meiner Sicht schon Psychopharmaka verwenden.

[00:03:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regellösung ist es nicht sehr gescheit.

[00:03:43.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder und Jugendliche verwenden ihre eigenen Pharmaka.

[00:03:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann die Drogen.

[00:03:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist besser? Die Psychopharmaka oder die Drogen?

[00:03:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides ist nicht sehr gut, weil es die Entwicklung des jugendlichen Gehirns stört.

[00:04:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychopharmaka sind schnelle Problemlösungen.

[00:04:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben heutzutage die Tendenz, alles schnell lösen zu wollen.

[00:04:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gescheit.

[00:04:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher wurde auch gesagt, die Integration braucht einen langen Atem.

[00:04:21.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierende brauchen von den Eltern einen langen Atem.

[00:04:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen sich den Jugendlichen zur Verfügung stellen als Gegenüber, als
Partner, auf Augenhöhe und selbst stabil sein.

[00:04:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich viel verlangt.

[00:04:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht stabil sind, dann kann das Kind nicht so gut pubertieren, dann
nimmt das Kind seine Emotionen zurück, aus Rücksicht auf die Eltern und schädigt sich
dadurch selbst, weil es nicht die gleichen Erfahrungen machen kann.

[00:05:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Entwicklungsprozesse können nicht mit Psychopharmaka beschleunigt werden.

[00:05:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende dann jeweils den Bauernspruch: das Gras wächst nicht schneller, wenn
man daran zieht.

[00:05:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb braucht es einen langen Atem.

[00:05:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie sich mit ihrem pubertierenden Kind emotional auseinandersetzen, geht es
nicht darum sich gegenseitig zu belehren und zu argumentieren, wer ist der beste
Argumentator.

[00:05:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens sind die Jugendlichen sehr gut im Argumentieren und haben auch andere
Argumente als wir.

[00:05:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass sie einen klaren Standpunkt beziehen.

[00:05:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überzeugen wollen, sondern selbst überzeugt sein, das möglichst ruhig
präsentieren.

[00:05:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer Mutter habe ich gesagt: sagen sie ruhig ihre Dinge, auch wenn ihr Junge nicht
gehorcht. Das heißt nicht, dass er nicht hört, was sie sagen.

[00:06:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In fünf Jahren hat er vielleicht sämtliche ihrer Wertvorstellungen übernommen und sie
sind ganz erstaunt.

[00:06:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kam fünf Jahre später und hat gesagt, es stimmt. Damals hat sie mir nicht
geglaubt.

[00:06:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wichtig, dass sie gehorsam fordern.

[00:06:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie einen klaren Standpunkt relativ selbstsicher beziehen können.

[00:06:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Pubertät auch braucht, ist Zeit.

[00:06:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Zeit zur Auseinandersetzung.

[00:06:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht nur einfach schnell sagen, wie sie finden, dass es gehen muss.

[00:06:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche wird natürlich zurück argumentieren.

[00:06:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer wichtig, dass sie gewisse Ruhe bewahren.

[00:06:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich die Zeit nehmen.

[00:06:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich auch die Zeit nehmen, zuzuhören, aus welcher Warte denn der
Jugendliche spricht.

[00:07:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie es noch so verkehrt finden, nicht gleich abtun mit einer Wegwerf
Bewegung, sondern das ernsthaft reflektieren.

[00:07:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychotherapie wird heutzutage die Idee der Achtsamkeit sehr hoch gehalten.

[00:07:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Achtsamkeit bedeutet, dass man sich Zeit nimmt, Ruhe nimmt, sich selbst
wahrzunehmen und die anderen wahrzunehmen.

[00:07:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man 1000 Wahrnehmungsübungen gleichzeitig hat, iPhone, Telefon, dort
Fernseh schauen, das ist alles andere als achtsam.

[00:07:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Neuropsychologisch wurde festgestellt, dass wenn man sich selbst gegenüber achtsam
ist, indem man sich beruhigt und schaut, was empfinde ich eigentlich, was geht in mir
vor und dann auch den anderen gegenüber achtsamer sein kann, dann strukturiert sich
das Gehirn im vorderen Bereich, präfrontalen Cortex, strukturiert sich besser.

[00:08:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit investiert in die Jugendlichen ist sehr gut investierte Zeit, Präventivzeit.

[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Thema, das man in der Therapie auch immer verwendet.

[00:08:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Gefühle einfach aus agieren, dann gibt es Streit, Schlägereien und so weiter oder
emotional beleidigter Rückzug.

[00:08:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Gefühle reden.

[00:08:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben einige Männer unter uns.

[00:08:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, die reden oft gerne über Gefühle.

[00:08:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In Paartherapien realisiere ich immer wieder, wie schwierig es für die Männer ist, über
ihre Gefühle zu reden.

[00:08:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann für Männer schon in der Pubertät gelernt werden.

[00:08:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Schande über Gefühle zu sprechen.

[00:09:03.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Qualität, wenn Männer lernen, über Gefühle zu reden.

[00:09:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Deswegen sind Männer keine Weichlinge.

[00:09:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Stärke, über Gefühle reden zu können.

[00:09:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das muss man auch mit den Teenagern üben, dass man über seine eigenen
Gefühle redet und achtsam auf die Gefühle des Teenagers ist.

[00:09:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teenager ist sehr sensibel.

[00:09:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Sohn hat mal gesagt, im Teenageralter ist man wie ein rohes Ei.

[00:09:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:09:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsam sein dem Teenager gegenüber und achtsam sein sich selber gegenüber.

[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man eigentlich empfindet, was man bei sich wahrnimmt.

[00:09:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach ausagieren oder unterdrücken mit Autorität.

[00:09:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach autoritär, patriarchal, die Gefühle einfach unterdrücken, die kann man
nicht brauchen, die sind nur im Weg.

[00:10:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich die Zeit nehmen, über die Gefühle zu reden.

[00:10:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle in Worte fassen zu können, das hilft auch wieder das Gehirn
umzustrukturieren, sodass es komplexer wird und anpassungsfähiger wird.

[00:10:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum geht es ja.

[00:10:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, Gefühle mitzuteilen, Gefühle genau zu beobachten und genau zu
beschreiben.

[00:10:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche sind oft sehr gut im Argumentieren.

[00:10:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben immer nochmal ein anderes Argument.

[00:10:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind da sehr weitschweifig.

[00:10:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das nicht geht, geht das vielleicht. Sie gehen hin und her und wechseln den
Fokus und sie als Eltern/Erzieher werden da mitgenommen.

[00:10:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss wissen sie nicht mehr, wo sie sind.

[00:10:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf alle die Detailargumente eingehen, sondern die so etwas vorbeiziehen lassen.

[00:11:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass man ignorant ist.

[00:11:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wieder versuchen, zum roten Faden zu kommen und seine Position zu beziehen.

[00:11:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Jugendlichen überreden, überzeugen, sondern nur eine Position beziehen,
anhand von der sich der Jugendliche dann absetzen kann oder mit der sie/er sich
auseinandersetzen kann.

[00:11:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Prinzipien, ihre Wertvorstellungen nicht dann vorbringen, wenn ein Streit herrscht.

[00:11:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Hitze des Gefechts die Position beziehen, da wird nichts gehört. Da funktioniert
das Gehirn nicht. Da ist der Mensch nur auf Abwehr oder Aggression, je nachdem, wie
die Person drauf ist.

[00:11:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein ADS ist, das zieht sich eher zurück.

[00:12:02.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS geht eher drauf los.

[00:12:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment wird gar nichts mehr aufgenommen.

[00:12:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie bei der Prüfungsangst. Wenn man zu sehr emotional ist, dann weiß man
nichts mehr. Man hört auch nicht mehr zu. Die Kanäle gehen alle zu, System Overflow.

[00:12:17.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her warten, bis sich die Situation beruhigt hat, bei einem selbst und natürlich
auch beim Jugendlichen.

[00:12:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann wieder das Thema aufgreifen.

[00:12:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich in medias res gehen.

[00:12:34.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich seine Position beziehen.

[00:12:37.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Zuerst die Situation, also den Prozess beschreiben, wie das alles war.

[00:12:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so ruhig sein kann, das Gegenüber fragen, was hat dich da dazu veranlasst,
was hast du dabei gedacht, was ging in dir vor, dass der auch seine Situation
beschreiben muss, also seine Gefühle beschreiben muss.

[00:13:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man das Gegenüber ernst genommen hat, dann die eigenen Prinzipien
anbringen.

[00:13:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich mit den Prinzipien überfahren, sondern erst an zweiter Stelle.

[00:13:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man das Gegenüber ernst genommen, wahrgenommen, wertgeschätzt, war
achtsam dem Gegenüber.

[00:13:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man mehr Chancen, dass man selbst auch ernst genommen wird.

[00:13:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind immer noch die Eltern, also wir sollten etwas mehr Kontrolle über unsere
Gefühle und Aggressionen haben.

[00:13:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind und böse Dinge sagen, in der Not machen
sie das. Dann sage ich immer, da müssen die Eltern ihren Jugendlichen gegenüber
Welpenschutz walten lassen.

[00:13:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heißt, der Jugendliche darf härter beißen, als wir das dürfen und wir sollen nicht
zurückrufen, wie es in den Wald hinein ruft.

[00:14:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn wir das gerne täten.

[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten da etwas mehr persönliche Kontrolle unserer Emotionen haben.

[00:14:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man das selbst vorlebt, können die Jugendlichen auch wieder von einem lernen.

[00:14:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gilt wieder das Gleiche, wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind, zuerst warten
bis sich alles beruhigt hat und dann wieder mit seinen Prinzipien kommen.

[00:14:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ja heutzutage bekannt, dass es genetisch vererbt wird.

[00:14:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter ADHS/ADS läuft eine grosse Agglomeration läuft.

[00:14:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat viele verschiedene Gene, die da mitspielen.

[00:14:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer die gleiche Gewürzmischung.

[00:14:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wir wissen, dass ADHS/ADS genetisch vererbt wird, wissen wir auch, dass in den
Familien andere Menschen ADHS/ADS haben.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens haben die Eltern auch ein ADHS/ADS.

[00:15:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Schande, das ist einfach die Natur.

[00:15:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns vorstellen, dass der jugendliche Mensch da in Aufruhr gerät und die
Eltern haben auch ADHS/ADS, dann müssen wir uns natürlich sehr am Riemen reißen
und aufpassen, dass wir nicht Öl ins Feuer gießen.

[00:15:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät unserer Kinder verlangt mehr Selbstkontrolle als sonst.

[00:15:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es eskaliert, dann brennen die Leitungen durch das Kind haut ab, die gehen dann
zu früh aus dem Haus und haben dann ihre Ablösungsproblematik bis 60 nicht gelöst,
weil sie einfach weggegangen sind.

[00:16:08.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns nicht genügend im Griff haben, dann geht das Kind entweder weg, es
wird aggressiv oder es gibt eine innere Monsterwelle.

[00:16:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beschreibe ich in meinem Buch: "ADHS und Schizophrenie – Wie emotionale
Monsterwellen entstehen und wie sie behandelt werden"

[00:16:21.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:16:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden die Gefühle dann alle nach innen behalten und irgendwann mal gibt es eine
Überflutung und dann funktioniert das Hirn überhaupt nicht mehr.

[00:16:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So entstehen die Krankheiten.

[00:16:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADS Kinder und Jugendliche nehmen Drogen, auch in der Pubertät.

[00:16:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade für ADHS/ADS Kinder ist die Droge etwas noch Schlimmeres.

[00:16:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reagieren sensibler auf Drogen.

[00:17:02.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist auch eine Droge.

[00:17:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sieht man auch den Zusammenhang zwischen Haschisch, Cannabis und
Schizophrenie.

[00:17:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Jugendliche zur Droge greift, dann dämpft er sich zwar, ist nicht so aggressiv
und an einer Weiterbildung oder einem Vortrag in Zürich bei der ELPOS, da hat sogar
eine Mutter gesagt: mir ist es lieb, wenn er Haschisch raucht, dann ist er viel
erträglicher zu Hause.

[00:17:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es nicht so lieb.

[00:17:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte lieber, dass er nicht Haschisch raucht und dass die Eltern ihn aushalten
oder die Situation aushandeln.

[00:17:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist tatsächlich ein Schizophrenie Risiko.

[00:17:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde lange verneint oder einfach gar nicht angeschaut.

[00:17:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen ist das ziemlich klar herausgekommen.

[00:18:04.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bei Haschischkonsumenten der Fall ist, dass sie sich nicht mehr so stark mit der
Umwelt auseinandersetzen und von dort her auch nicht mehr lernen.

[00:18:15.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer, von Haschisch stirbt man nicht.

[00:18:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man stirbt nicht, aber man bleibt einfach dumm oder man verblödet.

[00:18:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man reift nicht emotional, weil man sich nicht gleich mit dem Umfeld und all den
Schwierigkeiten auseinandersetzt.

[00:18:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn nicht diese flexiblen Strukturen, diese komplexen Strukturen
entwickeln, die dann das Gehirn wieder anpassungsfähiger machen.

[00:18:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche passiert mit dem Psychopharmaka.

[00:18:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch über längere Zeit chronisch schizophren ist, dann baut quasi das
Gehirn ab, weil er sich nicht mehr richtig auseinandersetzt mit dem Umfeld.

[00:19:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er hohe Dosen Neuroleptika, also Medikamente nimmt, die gegen die
Schizophrenie sind, dann baut das Gehirn auch ab.

[00:19:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb sollte man so wenig wie möglich geben.

[00:19:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diejenigen, welche schon Erfahrung haben mit Psychopharmaka, die können einem
sagen, ich bin nicht ganz mich selbst.

[00:19:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind die Antidepressiva, es sind natürlich die Neuroleptika.

[00:19:27.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb stellen die meisten Jugendlichen die Medikamente wieder ab, weil sie sich
nicht mehr spüren.

[00:19:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich müsste der junge Mensch sich spüren dürfen, achtsam sein mit sich.

[00:19:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Er braucht natürlich auch ein achtsames Umfeld, das ihm dies ermöglicht.

[00:19:46.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für ein Umfeld brauchen Jugendliche mit einem ADHS/ADS, damit sie möglichst
optimal lernen können, mit ihrer Gefühlswelt umzugehen?

[00:20:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche brauchen ein emotional möglichst stabiles Umfeld, damit ihnen
erlaubt ist, dass sie ihre Wellenbewegungen, also das „Himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt“ etwas ausleben dürfen.

[00:20:29.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn sie mit einem ADHS/ADS Jugendlichen, natürlich auch mit den
kleinen Kindern, wir reden jetzt von den Jugendlichen, umgehen und sich mit dem Kind
auseinandersetzen, dass sie sich zuerst ins Lot bringen.

[00:20:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind verhandeln.

[00:20:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beispiel aus dem Flugzeug: ziehen sie zuerst ihre Sauerstoffmaske an, nur dann
können sie dem Kind helfen.

[00:20:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ziehen sie ihre Sauerstoffmaske an, beruhigen sie sich, wie immer das bei ihnen dann
geht.

[00:21:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind interagieren.

[00:21:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nichts machen, als zu früh und zu stark reinschießen, ausagieren.

[00:21:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann oft gesagt, dann meint der Jugendliche, er dürfe alles und ich muss ihm
doch sagen, das geht doch nicht.

[00:21:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist pädagogisch, das ist nicht psychologisch.

[00:21:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er weiß genau, was die Regeln sind.

[00:21:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo er so im Zeugs drinnen ist, da kann er sich gar nicht kontrollieren.

[00:21:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie da noch reinkommen mit irgendwelchen Erziehungsmethoden, geht gar
nichts.

[00:21:41.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sagen einem das auch immer: ich kann doch das nicht alles tolerieren.

[00:21:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sag ich: sie müssen es tolerieren.

[00:21:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dem Hund das Bellen nicht verbieten.

[00:21:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern sag ich: man muss sie totschlagen, damit sie gehorchen.

[00:21:55.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht natürlich nicht.

[00:21:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie mit ihnen interagieren, wenn sie nicht selbst einigermaßen im Lot sind.

[00:22:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Bringen sie sich selbst ins Lot und erst dann interagieren sie.

[00:22:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zwei Piloten reden hören miteinander. Die haben gesagt, im Zweifelsfalle,
wenn das Flugzeug in Turbulenzen hinein kommt, das Steuer dem Flugzeug selbst
überlassen. Es steuert sich dann besser durch die Turbulenzen hindurch, als wenn man
übersteuert.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erzieher haben die Tendenz zu übersteuern.

[00:22:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stürzt das Flugzeug ganz ab.

[00:22:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
So war es mit dieser französischen Maschine.

[00:22:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/das_raetsel_von_af_447-ld.883336

[00:22:50.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Auseinandersetzung keine emotionalen Erpressungsmethoden verwenden.

[00:23:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verstehe ich unter emotionalen Erpressungsmethoden?

[00:23:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sein eigenes Leiden höher stellt als das Kind.

[00:23:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht mich ganz fest traurig.

[00:23:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder sehr sensibel sind, wenn man dann ganz traurig ist, dann
bekommt das ADHS/ADS Kind ein Schuldgefühl.

[00:23:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schuldgefühle, das sind wieder Emotionen, die müssen nach innen.

[00:23:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen zum Teil auch Selbstzerstörungstendenzen.

[00:23:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann auch das Ritzen und all diese Dinge.

[00:23:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: das enttäuscht mich.

[00:23:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Da steckt eine Erwartungshaltung dahinter.

[00:23:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von dir erwartet, dass du das schon kannst.

[00:23:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hast du es nicht gekonnt, jetzt bin ich enttäuscht.

[00:23:57.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche, muss nicht mehr für die Eltern so und so und so sein.

[00:24:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der jugendliche Mensch sollte lernen, eben sich selbst zu regulieren und
Eigenverantwortung übernehmen.

[00:24:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Eltern zu lieb diese Haltung einnehmen oder eine andere.

[00:24:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre das immer wieder von Erwachsenen, von den Eltern, wie sie emotionale
Erpressungsmethoden verwenden.

[00:24:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin, wenn ich dann mit solchen Jugendlichen arbeite, muss ich auch
unglaublich aufpassen, dass ich überhaupt nicht in dieses Gebiet reinkomme.

[00:24:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind keine Maschinen. Sie sind Menschen. Vielleicht werden sie auch mal
aggressiv. Ich sage immer: wenn sie wütend werden, eher über die Gefühle reden, als
die Gefühle ausagieren.

[00:24:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Gefühle ausagieren müssen, das kann auch manchmal der Fall sein,
dann nicht aufs Kind schießen, sondern in die Luft.

[00:25:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So: ich bin so wütend, ich könnte jetzt, weiß ich nicht was.

[00:25:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht: du bist so unmöglich, aus dir wird nie was.

[00:25:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: argumentum ad personam.

[00:25:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die Person des Kindes vorgehen.

[00:25:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Hochzeiten schießt man auch in die Luft, im Gazastreifen, und nicht auf die
anderen.

[00:25:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Ausdruck der eigenen Emotionen.

[00:25:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen: ich bin so wütend, ich ertrage es nicht mehr, ich muss jetzt etwas
weggehen.

[00:25:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist unmöglich und schrecklich und weiß ich nicht was.

[00:25:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch traurig sein, man darf sagen, es hat mich verletzt und ich muss mich jetzt
zuerst finden.

[00:26:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss mich wieder ins Lot bringen und dann reden wir wieder.

[00:26:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist schuld, dass es mir jetzt so schlecht geht.

[00:26:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind von den schrecklichsten Gefühlen.

[00:26:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle stecken oft hinter ganz komischen Handlungen.

[00:26:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte keine schuldinduktiven Sätze verwenden.

[00:26:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich schwierig.

[00:26:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wieder seine Regeln sagt, seine Ethik, seine Wertvorstellungen, dann kann
man Sätze verwenden wie: Es ist mir wichtig, dass du, mein Sohn, das lernst von mir
oder von mir als Mutter.

[00:26:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Ethik, das sind meine Wertvorstellungen.

[00:26:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regel, als Wertvorstellung darstellen und nicht: Du solltest, du musst, mach jetzt
endlich, hast du es immer noch nicht gelernt.

[00:27:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mehr erziehen.

[00:27:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss man mit den Kindern, also den Jugendlichen die Beziehung
pflegen, aber nicht mehr erziehen.

[00:27:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat oft Streit mit den Pädagogen und den Lehrpersonen.

[00:27:19.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in der Schule würde es so gehen.

[00:27:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule hat man ein Kollektiv, da kann man noch andere Dinge anwenden als in
der Familie, wo alles individualisiert ist.

[00:27:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar ihre Wertvorstellungen sagen.

[00:27:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind den Jugendlichen die Wertvorstellungen gar nicht so gut bewusst.

[00:27:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lebt einfach danach und weiß gar nicht recht, was es ist.

[00:27:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn jemand dagegen verstößt, dann kommt es einem in den Sinn: ah, das wäre
mir wichtig.

[00:27:47.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr hilfreich, dass sie in der Pubertät sich klar werden über ihre eigenen
Wertvorstellungen.

[00:27:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapiestunde frage ich oft die Eltern, was war ihren Eltern wichtig, was haben
sie versucht an sie weiterzugeben?

[00:28:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie übernommen und was haben sie 180 Grad anders gemacht,
versucht zu ändern?

[00:28:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will nicht immer gleich sein wie die Eltern.

[00:28:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft korrigiert man. Manchmal tut man über korrigieren und dann muss man wieder
etwas zurück in die Mitte kommen.

[00:28:45.000] – Bemerkung 1
Das mit den Schuldgefühlen habe mir ganz fest rot angestrichen. Für mich ist es
schwierig. Auf der einen Seite soll das Kind oder der Jugendliche lernen, was löse ich
mit dem, was ich mache, bei anderen aus? Um Empathie zu entwickeln und so weiter.
Wenn ich als Mutter sage: Ich bin total wütend, ich bin verletzt, dann löse ich
Schuldgefühle aus. Das ist ein Gratwanderung. Ich habe ja auch das Recht auf meine
Gefühle.

[00:29:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das haben sie, aber das Kind hat mehr Recht und zuerst Recht.

[00:29:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Interaktion läuft, die nicht zufriedenstellend ist für uns als Eltern, muss man
zuerst den Prozess anschauen.

[00:29:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das gemacht, du hast das gemacht. In welcher Stimmung warst du? In
welcher Stimmung war ich?

[00:29:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man den Prozess etwas anschaut. Die ganze Geschichte etwas anschaut.

[00:29:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann darf das Kind sagen, woher es gekommen ist und warum es so überreagiert hat.

[00:29:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann emotional, dann muss das Kind auch seine Emotionen reflektieren. Das ist
schon therapeutisch.

[00:30:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind das gezeigt hat, dann kann man dann sagen: weißt du, ich hab an sich
nicht so gerne, wenn du das und das zu mir sagst oder dich so und so benimmst, denn
ich gehe von der Regel aus, dass man, weiß ich nicht was, sympathisch miteinander
umgeht.

[00:30:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal ist einer meiner Lieblinge unter den Affenforschern.

[00:30:29.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal hat sich mit Primatenforschung beschäftigt.

[00:30:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn ich beim Menschen nicht mehr weiter kam, ging ich zu den Tieren um zu
schauen, wie die sich sozial verhalten.

[00:30:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche sozialen Arten, der Mensch gehört dazu, die Affen auch, die haben soziale
Gene, das wird vererbt, sonst hätten wir gar nicht überlebt.

[00:31:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist empathisch, auch ohne dass er belehrt wird.

[00:31:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben Mitleid mit dem, dem es schlecht geht.

[00:31:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder noch viel mehr.

[00:31:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Eltern streiten, dann will das Kind den beschützen, den es denkt, das sei
der Ärmere.

[00:31:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Mutter, als arm erscheinen, dann geht das Kind die Mutter beschützen,
wenn der Vater der Arme ist, dann geht das Kind den Vater beschützen.

[00:31:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hunde machen das übrigens auch so, sind auch in Herden aufgewachsen.

[00:31:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben soziale Gene, man muss nur das Gehirn wieder beruhigen und dann
kommen die von alleine wieder hervor.

[00:32:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Glauben sie das oder nicht?

[00:32:07.280] – Bemerkung 2
Es ist wirklich eine Gratwanderung. Ich finde es wirklich spannend mir das vorzustellen.
Was löse ich bei den Jugendlichen aus? Ich finde es sehr hilfreich, den Prozess
anzuschauen. Wie ist es dir ergangen, was hast du gedacht, als du das gemacht hast,
was hast du gefühlt? Ich würde dir gerne sagen, wie es mir dabei ergangen ist.

[00:32:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Genau, ganz genau und das ist absolut in Ordnung.

[00:32:44.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal, die wilden Diplomaten: https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3423303735

[00:32:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Affe in uns: https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:32:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist lustig zum lesen.

[00:32:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bonobo und der Atheist. https://www.amazon.de/Bonobo-Atheist-Search-Humanism-Primates/dp/0393347796

[00:32:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch kulturhistorisch noch interessant.

[00:34:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass wir unsere Gefühle beschreiben, dass das Kind seine Gefühle
beschreiben darf. Dann kann man sagen, wie man es gerne hätte.

[00:34:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf schon verletzt sein, man soll es aber nicht ausagieren, man soll es
beschreiben. Mann kann es auch ausagieren und hinterher noch beschreiben.

[00:34:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Besser ist, wenn man sich unter Kontrolle hat.

[00:34:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das ADHS/ADS Kind aufgeregt ist, kann es das nicht.

[00:34:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reifen etwas später.

[00:34:44.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Menschen im Erwachsenenalter können auch nicht dezentrieren.

[00:34:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, dass 40% der Menschen lernen nie zu dezentrieren, die gehen immer
nur von sich aus.

[00:34:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Da braucht es immer wieder Geduld und Zeit, dass man fragt: was war bei dir, was hast
du gedacht, was ist in dir vorgefallen, was deine Motivation?

[00:34:55.260] – Bemerkung 3
Was soll man tun, wenn das Kind schweigt?

[00:34:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite ab und zu, mit geistig Behinderten. Da kann ich gar nichts mehr fragen. Da
kann ich nur beobachten.

[00:35:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann ich mich mit meinem Partner unterhalten und fragen, was denkst du, was
das wohl war?

[00:35:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte vor kurzem ein Kind, das war glaube ich zwölf, das hat Schulverweigerungen
gemacht und hat nichts mehr geredet.

[00:35:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da konnte man gar nichts fragen.

[00:35:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Kindern kann man oft nicht fragen, bei Teenagern oft auch nicht.

[00:35:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man versuchen zu beobachten und schauen, was es wohl war.

[00:35:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man vielleicht ein Ratespiel machen und sagen, hat dich das verletzt? Hat
dich das geärgert?

[00:35:51.320] – Dr.med. Ursula Davatz
War das peinlich für dich? Alles so Gefühlswelten. Vielleicht gibt das Kind dann eine
Antwort. Man muss viel mehr beobachten, man kann dann nicht mehr so viel Reden.

[00:35:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Familientherapeuten, wir stellen die Sprache ab, wenn wir nicht weiterkommen,
damit wir besser beobachten müssen.

[00:36:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder die Achtsamkeit.

[00:36:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man genauer hinschauen muss und nicht reden kann und nicht nach Worten
fragen, hat man auch nicht so viele Vorurteile.

[00:36:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beobachten, schauen und überlegen, mit Partner reden, mit Lehrerin reden, was
denken sie, was es sein könnte? Das?

[00:36:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Kind, das nicht mehr geredet hat, habe ich dann wieder in die Schule gebracht.
Vorher war das Kind im Spital, man hat auf das Kind eingeredet, es hat nur verweigert.

[00:36:42.740] – Bemerkung 4
Ich bin nicht die Mutter eines ADHS/ADS Teenagers, das bin ich selber der Teenager
mit ADHS/ADS. Ich habe eine sehr impulsive Mutter, die selber auch ADHS/ADS hatte.

[00:37:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist gestellt, wir sind damit einverstanden.

[00:37:03.570] – Bemerkung 4
Ich bin heute noch sehr impulsiv, auch emotional sensibel, alles. Wenn dann so eine
Bombe zurückgeworfen wird zu mir, sprich jetzt von meiner Mutter, das mich noch viel
unsicherer macht. Das wirft mich total aus der Bahn. Eigentlich sind meine Eltern dafür
da, dass ich mich sicher fühle. Ein sicheres zu Hause.

[00:37:48.960] – Bemerkung 4
Wenn ich nach Hause komme und Probleme habe, und diese werden dann vielleicht
noch mehr runter gedrückt, auch von den Wertvorstellungen meiner Mutter oder meines
Vaters, die ich nicht unterstütze. Gibt es Probleme, wirft das Ganze nochmals auf.
Wenn ich mich dann wehre und so ein Schwall zurückkommt, weiss ich nicht mehr, an
was ich mich orientieren soll.

[00:38:13.400] – Bemerkung 4
Es ist nicht fair, dass Kinder mehr sagen dürfen, mehr angreifen dürfen, als die Eltern,
das habe ich heute erkannt, nur…

[00:38:22.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, es ist fair. Das ist der Welpenschutz.

[00:38:26.950] – Bemerkung 4
Es war sehr schwierig für mich, mich in meinem eigenen Charakter zu definieren,
Selbstsicherheit zu finden, wenn alles um mich herum auch labil ist. Wenn alles sehr
emotional ist.

[00:38:43.760] – Bemerkung 4
Dass man sich dann den Eltern nicht mehr öffnet, dass man schweigt, ist das Gefühl,
dass man nicht verstanden oder nicht erhört wird.

[00:38:53.540] – Bemerkung 4
Dass man anfängt zu blockieren und dort keine Hilfe, keine Sicherheit findet. Darum
öffne ich mich gegenüber meinen Eltern nicht.

[00:39:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank, das ist ein sehr gutes Votum, das erlebe ich natürlich immer wieder. Ich
bin froh, dass sie das so direkt aus eigener Erfahrung sagen können. Es stimmt.

[00:39:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, alle Kinder haben das Anrecht auf starke Eltern.

[00:39:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich auch wieder eine Asymptote.

[00:39:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so, wie sie sagen, dann fühlt man sich nicht mehr sicher, dann kann man die
eigene Person nicht entwickeln. Man nimmt sich zurück und das sollte eigentlich nicht
so sein.

[00:39:36.180] – Bemerkung 5
Für meine Ordnung: im Umgang mit dem Konflikt, meinen sie das Konzept von der
gewaltfreien Kommunikation? Man nimmt es war, man beschreibt, man benennt das
Gefühl.

[00:39:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der gewaltfreien Kommunikation läuft es auch so, dass man wahrnimmt, beschreibt,
möglichst seine Gefühle, sein Absichten, seine Werte sagt, ohne dass man anderen
erdrückt.

[00:39:53.450] – Bemerkung 5
Ich-Botschaften und Du-Botschaften.

[00:39:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[00:40:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem die Gefühle durchbrennen, dann in die Luft schiessen, oder etwas Auszeit
nehmen und sich wieder zentrieren, also wieder in die Mitte kommen.

[00:40:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Leute können so gut beherrscht sein. Die müssen dann vielleicht eine kurze
Volte reiten, also eine kurze Auszeit für sich nehmen.

[00:40:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur das Kind in die Auszeit schicken.

[00:40:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch selbst sagen, ich brauche jetzt eine Auszeit, sonst kann ich mich nicht mehr
kontrollieren.

[00:40:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man klar sagt, es ist kein Beziehungsabbruch, ich bestrafe dich jetzt
nicht mit Liebesentzug, sondern ich brauche für mich eine Auszeit, damit ich mich
beruhige. Sonst bin ich außer mir und dann sage ich dummes Zeug, das ich nachher
nicht mehr zurücknehmen kann.

[00:41:16.720] – Bemerkung 6
Was ist wenn das Kind sich selbst Schuldgefühle auferlegt? Es kommt nach Hause und
sagt, ich habe das und das gemacht.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder so sensibel sind, wollen sie auch alles selber gut regeln, sehr
empathisch.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress schüttet man Oxytocin aus, das was die Frauen ausschütten, wenn sie
Kinder stillen.

[00:41:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress ist man von dort her auch empathischer.

[00:41:41.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann nicht helfen kann, dann denkt man man ist schuldig.

[00:41:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich fragen, was hättest du gerne gemacht, um zu helfen?

[00:41:50.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hätte man es handhaben müssen in der Schule, damit es allen gut gegangen
wäre?

[00:41:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass das schon eine sekundäre Reaktion ist darauf, dass das Kind nicht
helfen kann.

[00:42:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt nichts Schlimmeres als der hilflose Helfer.

[00:42:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte merken ja das. Die Pflegenden merken das.

[00:42:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht helfen kann, kann man sadistisch werden.

[00:42:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist beim Kind natürlich noch nicht so.

[00:42:14.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind fühlt sich schuldig, dass es nicht helfen kann.

[00:42:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viele Kinder als Erwachsene erzählen mir dann, ich hab mich schuldig gefühlt
dafür, dass die Eltern gestritten haben.

[00:42:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern sagen dann auch, wir streiten nur wegen dir.

[00:42:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht richtig. Der Streit zwischen den Eltern ist nie nur wegen dem Kind.

[00:42:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen ihre Dinge aushandeln. Das Kind ist nie schuld am Streit zwischen
den Eltern.

[00:42:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achten sie darauf, was sozial gelaufen ist.

[00:42:46.300] – Bemerkung 6
Auch Dinge die er tut, von denen er denkt, dass er sie nicht tun sollte, dann fühlt er sich
schuldig.

[00:42:51.640] – Bemerkung 6
Wenn er es mir erzählt, dann sagt er: jetzt bin ich erleichtert.

[00:42:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist ja gut. Anhören.

[00:43:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern, denen passieren oft Fehler.

[00:43:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie korrigieren über zwanghaft korrekt sein. Wenn das nicht gelingt, dann
fühlt er sich schuldig.

[00:43:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es zu Hause erzählen kann, fühlt er sich erleichtert, dann ist es gut.

[00:43:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da reguliert die Mutter jetzt noch die Gefühlswelt. Das ist ok.

[00:43:41.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu stark dagegen reden, sonst fühlt er sich wieder schuldig, dass er das nicht
normal findet.

[00:43:42.360] – Bemerkung 7
Ich bin seit vier Jahren in einem Zwiespalt. Mein Sohn ist in psychologischer Betreuung,
also musste dann Ritalin nehmen, weil er von der Schule flog.

[00:43:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel zum Thema: Schule für alle.

[00:43:57.190] – Bemerkung 7
Der Druck ist wieder da. Es geht mir gegen den Strich. Das Ritalin geht gegen die
eigenen Entwicklungen. Mein Sohn merkt, dass er neben sich steht.

[00:44:13.030] – Bemerkung 7
Wir versuchen immer so viel wie möglich wieder von dem Ritual wegzukommen.

[00:44:16.360] – Bemerkung 7
Ich habe dann das schlechte Gewissen vom Psychologen, weil ich weiss, und das war
jetzt auch der Fall, seit einem Jahr nimmt er jetzt Cannabis. Ich befinde mich in einem
enormen Zwiespalt. Jetzt geht es in die Berufswahl. Er muss schnuppern und er hat
wirklich eine Schnupperlehre jetzt mit Cannabis, einfach versaut.

[00:44:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kenne ich.

[00:44:42.600] – Bemerkung 7
Wir haben nicht immer Möglichkeiten. Es wäre auch für seine Stabilität gut, wenn er
jetzt mal einen Ort finden würde, wo es gut ist.

[00:44:55.770] – Bemerkung 7
Soll ich ihn wieder losschicken mit Ritalin, in der Hoffnung, dass er dann weniger kifft?
Das ist enorm schwierig.

[00:45:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist er?

[00:45:04.130] – Bemerkung 7

15 Jahre alt.

[00:45:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er noch Zeit.

[00:45:08.380] – Bemerkung 7
Wir verbringt er seine Zeit? Mit Cannabis, mit Diskussionen in die Richtung?

[00:45:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, die verwendet werden kann, ist Neurofeedback.

[00:45:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback lernt man auch Achtsamkeit, natürlich elektrisch vernetzt.

[00:45:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann seine Aufregung auf dem Bildschirm oder hört es an einen Ton.

[00:45:39.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neurofeedback Lehrerinnen, die bringen einem bei, achtsamer zu werden.

[00:45:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch in den Ferien Achtsamkeitstrainings.

[00:45:55.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beruhigt. Dann braucht es kein Ritalin, kein Neuroleptikum, kein Haschisch, man
lernt es selbst.

[00:46:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm reden und sagen, ich will, dass du das lernen darfst und man müsste
mal schauen, was für Programme es gibt.

[00:46:19.060] – Bemerkung 7
Vielleicht ist er jetzt schon wieder bereit. Für Kinesiologie war er auch offen. Irgendwann
kann ich wieder mit etwas neuem kommen. Das wäre das neue.

[00:46:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gute Erfahrung gemacht mit dem Neurofeedback oder einem
Achtsamkeitstraining.

[00:46:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennt jemand hier so etwas?

[00:46:37.220] – Bemerkung 8
Ich mache Kommunikationstrainings für junge Erwachsene, neuro-psychotherapeutisch
und verhaltenstherapeutisch aufgebaut. Als erstes lernen alle zuerst einmal die
Neurobiologie ihres Gehirns, ihre unterschiedlichen Aufmerksamkeitsfokussierungen
ihre Entwicklungsstufen. Wenn sie das kapiert haben, dann sind sie bereit etwas zu
ändern, sonst nicht. Wenn man in den Emotionen ist, ist hinten alles abgeschaltet, man
hat keinen Zugriff auf sein Altwissen, auf seinen Intellekt. Man reagiert nur auf seinen
sehr verminderten Arbeitsspeicher und macht irgendetwas. Man weiss hinterher auch
nicht mehr, was man gemacht hat. Man hat keine Erinnerungen.

[00:47:28.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsamkeitstraining, Kommunikationstraining, das geht alles in die gleiche Richtung.

[00:47:45.000] – Bemerkung 7
Die Psychologen haben immer rein geredet.

[00:47:45.260] – Bemerkung 8
Es gibt kein rein Reden. Es gibt nur Ratschläge.

[00:47:59.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:48:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Psychologen können mit ADHS/ADS Kindern umgehen. Man tendiert
heutzutag sehr schnell zu Ritalin.

[00:48:17.840] – Bemerkung 7
Er ist Spezialist für ADHS/ADS. Auf der Gefühlsebene hat es zwischen dem
Psychologen und dem Jugendlichen nicht geklappt. Er wollte nicht auf die Couch liegen.
Dann war gleich fertig.

[00:48:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es nicht, dann kann man es vergessen.

[00:48:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Er könnte auch in ein Trainingslager gehen, so wie Summer Camp. Dann ist er nicht
krank, dann lernt er einfach etwas. Das ist ja gut.

[00:48:44.340] – Bemerkung 7
Die Motivation muss ja kommen. Kann er was verdienen bei Euch?

[00:48:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann etwas lernen. Das verdienen kommt erst später zurück. Das ist eine langfristige
Investition.

[00:49:07.980] – Bemerkung 8
Sie können ihm sagen: das geht über zwei Tage, das ist Kurzurlaub für dich, mit noch
anderen tollen jungen Leuten, die alle gleich drauf sind wie du. Junge Gruppen sind
immer besonders anstrengend, aber spannend.

[00:49:49.580] – Bemerkung 9

Der ELPOS Regionalverein Aargau/Solothurn bietet dazu eine Info an von Frau Elena
Arici, https://www.linkedin.com/in/elena-arici-16822634/ zum Thema Neurofeedback, in
Rothrist.

[00:49:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wie sagen: ja, die Vernunft, dann sind sie schon zu sehr wieder auf dem
Überreden wollen.

[00:49:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen überzeugt sein, das ruhig platzieren, und dann geht's schon rein.

[00:50:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jeweils: das ist jetzt mein Argument.

[00:50:07.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sag nicht: friss es, also, versteh endlich.

[00:50:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Argument, ich leg's hier her und jetzt kannst du es nehmen, wenn du bereit
bist.

[00:50:17.400] – Bemerkung 7
Das warten, bis er dann bereit ist, das kostet viele Nerven. Das ist wie auf der
Rutschbahn, ich sehe ihn wie auf der Rutschbahn.

[00:50:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Es lohnt sich zu warten. Drängen braucht schlussendlich länger, als wenn sie in
Ruhe warten. Sie müssen sich wieder ins Lot bringen, aushalten, dran glauben.

[00:50:44.020] – Bemerkung 7
Ja, jetzt ist er am dealen mit Cannabis. Muss ich das noch weiter aushalten?

[00:50:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Es geht mindestens zwei Jahre.

[00:50:50.120] – Bemerkung 7
Ich hänge alles auf die Toilette, mein Regeln usw.

[00:51:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zu viel. Zurücknehmen. Weniger ist mehr. Wir wollen keine Numbing Effect.

[00:51:27.320] – Bemerkung 10
Achtsamkeit finde man auch beim Mindfulness-Verband: https://www.mindfulness.swiss/

[00:51:27.620] – Bemerkung 10
MBSR steht für: Mindfulness Based Stress Reduction.

[00:52:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Mindfulness bedeutet Achtsamkeit auf English. Das ist das gleiche.

[00:52:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird das auch bei geistig Behinderten und bei alten Leuten
verwendet.

[00:52:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Depression auch. Da muss man lernen wieder auf sich zu achten und nicht sich
zu zerstören.

[00:52:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke, super.

[00:52:34.640] – Bemerkung 11

In der Region Basel gibt es auch Kurse zum Thema Neurofeedback. Das findet man in
der ELPOS Broschüre. Christina Anaheim und Jan Massner.

[00:53:18.330] – Bemerkung 11
https://www.neurofeedback-basel.ch/janmassner

[00:53:34.180] – Bemerkung 12
Stimulanzien sind nicht Psychopharmaka?

[00:53:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, doch. Alles. Die verändern das Gehirn. Alles, was das Gehirn verändert, sind
Psychopharmaka.

[00:53:58.920] – Bemerkung 12
Sind sie gegen sämtliche Medikamente?

[00:53:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Ärztin, ich bin Psychiaterin, ich verwende auch Medikamente.

[00:54:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch manchen Leuten Ritalin.

[00:54:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird sehr viel Ritalin auch Erwachsenen verschrieben.

[00:54:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sagen, nein, ich will es nicht, wenn das Kind sagt, nein, ich will es
nicht, dann überrede ich niemandem dazu, dass er/sie Ritalin nehmen muss.

[00:54:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, man muss selbst dahinterstehen.

[00:54:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergewaltige niemanden zu dem Psychopharmaka.

[00:54:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich nicht in Ordnung. Das geht gegen meine Ethik.

[00:54:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende es auch. Ich bin nicht ein absoluter Feind von Medikamenten.

[00:54:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, dass Psychopharmaka zuviel verwendet werden.

[00:54:46.570] – Bemerkung 13
Medikamente können diesen Kindern auch helfen sich selber zu spüren und sich selber
zu reflektieren.

[00:54:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist schon möglich, weil die Psychopharmaka im Gehirn eingreifen.

[00:54:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann es auch anders lernen. Das andere Lernen hat keine Nebenwirkungen.
Das Ritalin kann Nebenwirkungen haben. Ich mag die nicht chemischen Methoden
besser.

[00:55:20.710] – Bemerkung 14
Je nachdem wie stark ausgeprägt es ist. Es ist ein grosses Spektrum. Gewisse können
ihren Arbeitsalltag ohne Ritalin gar nicht mehr bewältigen.

[00:55:37.400] – Bemerkung 14

In gewissen Jobs ist es nicht so wichtig, dass man am roten Faden bleibt, zum Beispiel
in der Kreativität. Es kommt auf den Kontext an.

[00:55:53.770] – Bemerkung 14
Die Schule hat bei der Ritalin Verschreibung nicht dreinzureden.

[00:56:01.430] – Bemerkung 14
Eltern und Kinder müssen sich entscheiden, wie sie vorgehen wollen im Umgang mit
Ritalin. Darin muss man sie unterstützen.

[00:56:26.870] – Bemerkung 15
Ein Jugendlicher nimmt schon lange Ritalin. Jetzt in der Pubertät möchte er kein Ritalin
mehr nehmen. Er ist auch schon sehr therapiemüde, dass er sagt: ich will keine
Therapie mehr.

[00:56:33.560] – Bemerkung 15
Was soll man machen als Eltern, wenn man sieht, dass Ritalin klar in der Schule hilft,
mit der Berufswahl usw.

[00:56:33.860] – Bemerkung 15
Das Kind weiss es selber auch: mit Ritalin schaffe ich die Schule viel besser.

[00:56:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die folgende Haltung. Sie dürfen entscheiden wie sie wollen.

[00:56:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sagt, ich will nicht mehr, dass ich dann sage, okay, wir probieren es.

[00:57:02.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen, wie es geht.

[00:57:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls ich finde, es ist ganz schrecklich, dann sag ich es dir. Dann diskutieren wir es
wieder.

[00:57:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nie sagen, nein, du darfst nicht.

[00:57:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Jugendlichen das versuchen lassen. Denn er will ja erwachsen werden
ohne chemische Unterstützung. Manchmal machen die ADHS/ADS Jugendlichen auch
ganz schnelle Schritte, sie werden auf einmal sehr viel vernünftiger in der Pubertät.

[00:57:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es nicht von vorweg ausschliessen.

[00:57:35.960] – Bemerkung 16
Ich möchte an die Eltern einen Gedanken legen. Erinnert euch zurück an euren ersten
Schultag in der Oberstufe.

[00:57:53.580] – Bemerkung 16
Was einfach klar ist: sicher durch die Pubertät zu gehen, ist so einfach, wie auf zwei
Bergspitzen ein gespanntes Seil zu überqueren, währenddessen ein Hurrikan wütet.

[00:58:07.690] – Bemerkung 16
Ich habe selber, über zwei Jahre Cannabis konsumiert.

[00:58:21.180] – Bemerkung 16
Ich war immer sehr emotional, immer ständig unterwegs und hatte auch eine innere
Unruhe. Vielleicht auch eben, wenn man diese Medikamente nicht nimmt. Darum greift
man oft zu Drogen, um sich zu betäuben. Dann ist man ruhig.

[00:58:33.260] – Bemerkung 16

Mütter sagen, ich möchte eigentlich, dass der eine raucht, dann ist er aushaltbar, weil er
sich selbst aushaltet.

[00:58:43.490] – Bemerkung 16
Die Kinder wissen weder nach links noch nach rechts. Es lastet so viel Druck auf ihnen.
Man muss ihnen Stabilität und Sicherheit geben, sie nicht versuchen einzuschränken
oder ihnen Regeln zu geben. Sie machen es ohnehin ganz anders. So wie sie bei ihren
Eltern auch etwas ganz anderes gemacht haben, als sie gerne möchten.

[00:58:52.120] – Bemerkung 16
Wenn sie den Jugendlichen ständig unterstützen, dann merkt das auch der Jugendliche
und entwickelt selber Selbstbewusstsein und merkt auch was er will, was er kann und
was nicht und greift vielleicht dann weniger zu Drogen, um sich selber zu betäuben.

[00:59:27.400] – Bemerkung 16
Die Entscheidung nicht mehr Ritalin zu nehmen, ist eine gute Entscheidung, finde ich
persönlich, wenn man immer noch gut leisten kann. Es ist eine Frage der
Notwendigkeit. Also für Schule, Arbeit, volle Konzentration, es geht um ein Geschäft,
man ist irgendwo angestellt, da muss man Verantwortung übernehmen können und
somit auch 100% gute Leistungen erbringen, also muss man sich selber überlegen, ob
man dazu fähig ist mit Medikamenten oder nicht.

[00:59:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank für das Schlusswort. Ich hoffe sie konnten etwas mitnehmen.