Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

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Dr.med. Ursula Davatz

16.3.2024
Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen.
Audio

[00:00:00.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie alle ganz herzlich begrüßen zu dieser Weiterbildung. Es ist eine wichtige
Weiterbildung aus meiner Sicht.

[00:00:09.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heißt: Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen.

[00:00:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte sagen: No Bock, No Future Generation.

[00:00:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr negative Beschreibung von diesen jungen Menschen.

[00:00:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man diese Menschen so negativ beschreiben kann, ist schon ganz viel
schiefgelaufen.

[00:00:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugend, ist eigentlich unsere Zukunft.

[00:00:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugend sollte unsere Welt verbessern, wir wollen ja immer alles verbessern.

[00:00:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Jugend sollte nicht die gleichen Fehler machen, wie wir sie gemacht haben.

[00:00:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unsere Zukunft.

[00:00:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wird gemacht mit den Jugendlichen?

[00:01:00.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe alle die Gescheiterten Jugendlichen.

[00:01:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, dass unser Schulsystem nicht zeitgemäß ist.

[00:01:16.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem kann Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen nicht richtig
abholen.

[00:01:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist eigentlich die Aufgabe vom Schulsystem?

[00:01:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sozialkompetenz, gewisse Grundkompetenzen beibringen, damit sie sich dann gut
durchsetzen und gut leben können in unser Gesellschaft.

[00:01:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem hinkt hinten nach und ist nicht zeitgemäss.

[00:01:41.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer holt dann die Jugendlichen ab? Die Wirtschaft. Mit allen IT Sachen, mit den
Spielen, etc.

[00:02:10.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Jugendlichen kommen dann zu ihnen.

[00:02:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin relativ kritisch dem Schulsystem gegenüber.

[00:02:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige gescheiterte Jugendliche, die bei mir landen.

[00:02:32.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich am Anfang sondern nachdem viele Sachen schief gelaufen sind.

[00:02:37.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kann ich es nicht lassen, unser Schulsystem zu kritisieren.

[00:02:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich saga unser Schulsystem ist veraltet.

[00:02:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem hinkt hinterher. Die Wirtschaft läuft unserem Schulsystem den Rang
ab, mit den Games, mit Tiktok, mit allem was auf dem Internet läuft.

[00:02:44.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen müssen doch noch durch unser Schulsystem durch. Wenn sie dort
nicht durchkommen, dann haben sie nicht so viele Chancen, in der Erwachsenenwelt
erfolgreich zu werden.

[00:03:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen weitere schwierige Situationen.

[00:03:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man viel mehr Kinder pro Familie.

[00:03:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere hatten keine Kinder. Die Geschwister haben sich gegenseitig erzogen, haben
miteinander sich auseinandergesetzt etc.

[00:03:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat man weniger Kinder pro Familie, vielleicht zwei, vielleicht nur eines.

[00:03:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur ein Kind hat, dann geschieht die Abreibung zwischen den Geschwistern
nicht.

[00:03:40.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann sehr viel elterliche Energie auf das Kind fokussiert werden und in dem Sinne
werden sie zum Teil auch verwöhnt und bekommen lauter Sonderbedingungen.

[00:03:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder werden herumchauffiert.

[00:04:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sogenannten Helikoptermütter, die anz viel, alles gut gemeint für ihre Kinder
machen wollen.

[00:04:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne werden die Jugendlichen verwöhnt und verweichlicht.

[00:04:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sollten präpariert werden für die kompetitive Welt.

[00:04:22.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein sehr grosser Gegensatz.

[00:04:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden über das Internet angegangen mit allen möglichen
suchtbildenden Verhaltensweisen.

[00:04:36.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gab es nur die Drogensucht.

[00:04:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es auch die Internetsucht.

[00:04:38.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spiele und die Aktivitäten sind alle so ausgerichtet, dass die Aufmerksamkeit
gepackt wird, ohne dass man etwas tun muss.

[00:04:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne wird man auch faul, man lässt sich füttern.

[00:04:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist alles präpariert.

[00:05:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie Fast Food, kann man sich schnellstens alles reinziehen über das Internet, zu
jeder Zeit.

[00:05:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jungendlichen werden sehr umworben. Es geht immer um den Verkauf. Je mehr
Einschaltquoten, umso mehr wird verdient.

[00:05:18.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier fährt unser Schulsystem oft hinter, es fällt ab.

[00:05:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört zum Teil schon in der Schulklasse, dass der Lehrer einfach seine Sachen
bringt.

[00:05:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche es nicht interessiert, die haben ihren Laptop dabei, gehen auf eine
andere Seite und machen irgendetwas und dem Lehrer ist es relativ egal.

[00:05:37.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer sitzt ja seine Zeit ab.

[00:05:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer probiert seinen Stoff zu bringen.

[00:05:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer erfüllt seinen Lehrplan.

[00:05:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehung zu den Schülen wird in dem Sinne somit nicht so fest gefördert.

[00:05:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.

[00:05:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Überangebot.

[00:05:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist die Schule interessant gewesen.

[00:06:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hatte nicht so viel Medienkommunikation. Überhaupt nicht.

[00:06:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß noch, wie ich als Kind am Mittwochnachmittag die Turnachkinder gehört habe.

[00:06:11.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Riesenereignis.

[00:06:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle so am Radio gehockt. Jeden Mittwoch hat man sich wieder drauf gefreut.

[00:06:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommen X Sachen auf dem Internet. Auf dem Internet kann man von einem
reichen Angebot auswählen.

[00:06:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz viel Ablenkbarkeit vorhanden.

[00:06:37.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von Jugendlichen.

[00:06:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist eine Übergangsphase, wo die jungen Menschen ihre Persönlichkeit
bilden sollten.

[00:06:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Persönlichkeit der Jugend vor allen Dingen gefüttert wird mit Werbung,
sensationelle, tolle Spiele, die einem verführen, die einem süchtig macht, dann werden
die Jugendlichen sehr stark abgelenkt, sie werden abgelenkt von sich selber.

[00:07:09.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen müssen sich in dem Sinne gar nicht mehr so mit sich selber
auseinandersetzen.

[00:07:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer gleich etwas anklicken und dann ist man wieder unterhalten.

[00:07:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind ganz stark fremden Einflüssen ausgesetzt.

[00:07:26.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer, auch die Eltern, haben eine riesige Kompetition, um die Kinder noch packen
zu können und in eine menschliche Interaktion zu bringen.

[00:07:43.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Erziehungssystem ist nicht mehr so persönlichkeitsgerecht.

[00:07:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass man individualisierten Unterricht haben möchte.

[00:07:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben integrativen Unterricht, das ist auf dem Papier alles sehr gut.

[00:08:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Realität ist das sehr schwierig.

[00:08:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Autorität, eine natürliche Autorität, welche die Kinder packen kann, all
die verschiedenen Kinder packen kann.

[00:08:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht auch eine individuelle Aufmerksamkeit für die verschiedenen Kinder und
differenzierte Programme.

[00:08:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Schulsystem an den Anschlag kommt, dann sehe ich wieder und wieder,
dass immer noch alte Erziehungsmethoden verwendet werden, so wie Belohnung und
Bestrafung.

[00:08:39.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schliesst die Jugendliche aus dem Kollektiv aus, man schickt sie vor die Türe oder
man schickt die Jugendlichen in eine Auszeit.

[00:08:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt natürlich nicht, dass die Jugendlichen sich dann besser entwickeln können.

[00:08:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem haben sie Glück und kommen dann an einen guten Ort und es läuft weiter.

[00:08:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder die Jugendlichen haben nicht Glück.

[00:08:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder mit speziellen Bedürfnissen, Kinder mit ADHS/ADS nicht abgeholt werden,
dann laufen sie in eine gescheiterte Pubertät hinein, eine gescheiterte
Entwicklungsphase der Persönlichkeitsbildung, von der Pubertät.

[00:09:29.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es schwierig.

[00:09:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz

In der gescheiterten Pubertät verweigern die ADHS/ADS Kinder alles oder sie gehen
über die Grenzen hinaus und kreieren ihre eigene Welt und sind immer noch abgelenkt
von der Wirtschaft, von all den Verführungen, welche im IT laufen.

[00:09:53.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen alles verweigern, es ist ihnen alles egal, es interessiert sie
nichts mehr, dann haben wir die No bock, No future Generation.

[00:10:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben erst eine kleine Abteilung für Jugendliche.

[00:10:10.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer wieder: Wie läuft es?

[00:10:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das folgende Problem.

[00:10:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo die Kinder aus dem normalen System, dem Schulsystem, dem
Sozialsystem rausfallen, was macht man?

[00:10:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zur Medizin, zur Psychiatrie.

[00:10:30.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man holt sich Hilfe bei der Psychiatrie.

[00:10:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, dass die Psychiatrie eine medizinische Fakultät ist.

[00:10:41.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Medizin ist an erster Stelle defizitorientiert.

[00:10:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will das Defizit wegbringen.

[00:10:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen kommen in die Psychiatrie, in die Jugendpsychiatrie und werden dort
in einer großen Gruppe behandelt.

[00:10:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Einblick in die Jugendpsychiatrie.

[00:11:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stehen mir die Haare zu Berge.

[00:11:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss das leider sagen.

[00:11:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele schwierige Jugendliche auf einem Haufen und dann noch junge
Psychologinnen, die noch keine Lebenserfahrung haben, die vielleicht noch nicht
einmal Kinder haben, sollen dann diese Jugendlichen auf den rechten Weg bringen mit
irgendwelchen Methoden, die normierend sind, welche das einzelne Kind gar nicht
abholt.

[00:11:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was lernen die Jugendlichen dann? Einfach noch mehr Krankheit und krankes
Verhalten.

[00:11:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder zum ADHS/ADS zurückkehre, man spricht vom
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:11:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort Defizit ist enthalten.

[00:11:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der breiten Aufmerksamkeit, nicht Defizit.

[00:11:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder haben eine breite Aufmerksamkeit, die alles anschaut. Wenn
etwas nicht interessant ist, dann gehen sie zum nächsten.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder nicht faszinieren kann, als Lehrer, als Persönlichkeit mit
dem Stoff den man bringt, dann sind sie weg.

[00:12:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann suchen die ADHS/ADS Kinder etwas Interessantes.

[00:12:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann wieder die Wirtschaft rein, welche ihnen sogenannt sensationelle
Sachen anbietet, wo die Reizschwelle dann immer tiefer ist.

[00:12:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet es nur noch interessant, wenn Blut fließt, wenn ganz schreckliche Sachen
passieren.

[00:12:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird abgestumpft in Bezug auf spannende Sachen.

[00:12:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht sehr hilfreich.

[00:12:42.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist nicht nur sensationell, das Leben besteht auch aus zum Teil eintönigen
Sachen.

[00:12:49.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit denen umzugehen und die durchzustehen.

[00:12:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Unterhaltungsindustrie sind die Jugendlichen natürlich abgestumpft in Bezug
auf Sensationen.

[00:12:59.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sensation seeking.

[00:13:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS suchen immer nach etwas Interessanterem.

[00:13:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit findet man bei den Tieren wieder.

[00:13:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund schnüffelt am neuen Ort überall herum, wenn sie sehr interessant sind, dann
geht er auch zu ihnen.

[00:13:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist in der Schule nicht hilfreich.

[00:13:34.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Urwald ist die breite Aufmerksamkeit hilfreich oder auch schon in unserem Wald oder
vielleicht auf einem Marktplatz.

[00:13:40.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ist das Wichtigste, wo kann ich was finden?

[00:13:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Untersuchung von Studenten mit ADHS/ADS und Studenten ohne ADHS/
ADS.

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.theguardian.com/science/2024/feb/21/adhd-may-have-been-an-evolutionary-advantage-research-suggests

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHD may have been an evolutionary advantage, research suggests. Traits associated
with the neurodevelopmental disorder could have helped early humans when foraging
for food.

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Probanden mussten Früchte pflücken.

[00:14:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen hatten viel schneller ihren Korb voll mit Früchten, weil sie
geschaut haben, wo es am meisten Früchte gibt. Hatten sie genug von einem Busch
gepflückt, sind sie gleich zum nächsten Busch gegangen usw.

[00:14:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nicht ADHS/ADSler, das waren die braven Schüler, die haben nur einen Busch ganz
abgepflückt.

[00:14:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler evolutionstechnisch, in der freien Wildbahn, haben die natürlich in
kürzerer Zeit mehr Sachen abgepflückt und waren in diesem Sinne erfolgreich.

[00:14:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auf die Wirtschaft übertragen.

[00:14:47.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wirtschaft gibt es auch sehr erfolgreiche ADHS/ADS Menschen, welche überall
die Vorteile finden und dann Geld daraus machen, während die Braven brav an ihrer
Arbeit bleiben und länger brauchen.

[00:15:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Situation, ist eine Eigenschaft wie die breite Aufmerksamkeit sehr hilfreich,
überlebenstechnisch gut.

[00:15:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einer Fleissarbeit ist diese Eigenschaft nicht sehr hilfreich.

[00:15:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diese Eigenschaften das sind nicht immer nur schlecht oder immer nur gut sondern
immer kontextabhängig.

[00:15:29.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS waren auf einem gewissen Gebiet evolutionstechnisch im
Vorteil.

[00:15:42.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Menschen.

[00:15:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Deutschschweizer sprechen wir vom südländischen Temperament.

[00:16:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Schon im Tessin ist es anders.

[00:16:02.812] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/zuerich/im-tessin-wird-ritalin-weniger-oft-verschrieben-als-in-der-deutschschweiz-ld.621181

[00:16:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird in den südlichen Länder weniger diagnostiziert, weil es
dort mehr dazu gehört.

[00:16:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich einen Markt vorstellen, eine Handelssituation, wenn man dort eine breite
Aufmerksamkeit hat, macht man wahrscheinlich schnellere Deals und mehr Deals, als
wenn man immer nur auf etwas fokussiert ist.

[00:16:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um eine wissenschaftliche Angelegenheit geht, dann muss man nur auf etwas
fokussiert sein und dann dort in die Tiefe gehen.

[00:16:36.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann mehr die ADHS/ADS Menschen, die nach innen schauen und Dinge
ganz genau anschauen.

[00:16:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht haben sie Jugendliche oder vielleicht auch schon Erwachsene, die gescheitert
sind in der Pubertät.

[00:16:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gescheiterte Pubertät führt am meisten zu psychischen Krankheiten.

[00:17:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Die meisten psychische Krankheiten beginnen in der Pubertät, 50% von 15 bis 20
Jährigen, 75% bis 25 Jahre, ein hoher Prozentsatz.

[00:17:22.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist eine absolut risikoreiche Entwicklung für den Menschen.

[00:17:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum spielt es eine Rolle, wie man mit den Jugendlichen umgeht.

[00:17:29.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sollen sie tun, was wäre hilfreich im Umgang mit ADHS/ADS Jugendlichen?

[00:17:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes müssen sie vergessen, irgendetwas vorantreiben zu wollen, irgendetwas
erreichen wollen, was sie denken wäre gut für den Jugendlichen.

[00:17:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als allererstes müssen sie probieren, den Jugendlichen wahrzunehmen.

[00:18:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen versuchen den ADHS/ADS Jugendlichen in seiner Persönlichkeit
wahrzunehmen, natürlich auch seine Umgebung und Herkunft wahrnehmen.

[00:18:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Versuchen zu verstehen: wie ist der AHDS/ADS Jugendliche geprägt worden?

[00:18:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Probieren zu verstehen wie ist sie/er geprägt worden ist, was ist das Umfeld gewesen,
wie gut hat das Umfeld zu seiner Persönlichkeit gepasst oder wie schlecht?

[00:18:24.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind heutzutage sehr lösungsorientiert, alles muss schnell gehen, Zeit ist Geld.

[00:18:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Tendenz schon im voraus zu verstehen wie der Jugendliche ist und sagt
dann gleich, wo es durch gehen muss.

[00:18:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gefährlich.

[00:18:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss auch den Therapeuten, ich muss den Eltern das auch sagen: nicht so schnell
zur Lösung gehen.

[00:18:48.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst einmal genauer wahrnehmen.

[00:18:53.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sie die jungen Pubertierenden genauer wahrnehmen können, müssen sie ihnen
auf Augenhöhe begegnen und nicht allwissend sein.

[00:19:03.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen überhaupt keinen Druck auf aufsetzen.

[00:19:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen überhaupt nicht ehrgeizig sein.

[00:19:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich genügend Zeit lassen, die jungen Menschen kennenzulernen.

[00:19:17.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Junge Menschen kann man nicht nur kennenlernen in dem man sie ausfragt wer sie
sind und was sie wollen.

[00:19:22.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Menschen kann man auch indirekt kennenlernen in dem man sie fragt, was für
Musik sie hören, was ihre Idole sind, was für Filme sie schauen, was für TikTok Filme
sie schauen, was für Freunde sie haben.

[00:19:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Jugendlichen direkt fragt: Wie geht es dir?

[00:19:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt nichts.

[00:19:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe wieder und wieder, dass ich so Jugendliche, die mit der Psychiatrie in
Kontakt gekommen sind, dass sie das Gefühl haben, man hat sie überhaupt nicht
verstanden, man hat sie überhaupt nicht abgeholt.

[00:20:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Jugendlichen arbeitet gilt immer: You never have a second chance to
make a first impression.

[00:20:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der erste Eindruck, den man bei den Jugendlichen macht, sie sind sehr kritisch, ist
ausschlaggebend.

[00:20:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es bei der ersten Kontaktaufnahme nicht geschafft hat, dann kann man es
vergessen, man wird auf den Abfallhaufen geworfen.

[00:20:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist ganz wichtig, wie man rüberkommt.

[00:20:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht zögerlich sein.

[00:20:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch nicht meinen, gleich alles zu wissen und dem Jugendlichen gleich den
Weg aufzeigen wo es durchgeht.

[00:20:34.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier haben wir Mediziner natürlich einen schweren Stand. Wir Mediziner wissen immer
gleich alles. Wir haben alles gelernt.v

[00:20:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir meinen, es dann zu wissen.

[00:20:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendpsychiatrie ist etwas sehr Schwieriges.

[00:20:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendpsychiatrie ist eine sehr feine Angelegenheit, man darf nicht zu zögerliche
auftreten und auch nicht zu allwissend.

[00:20:56.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch nicht unsicher auftreten. Sobald die Jugendlichen merken, dass man
unsicher ist, ist der Zug auch schon wieder abgefahren.

[00:21:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche wollen ein klares Gegenüber, das offen ist.

[00:21:15.239] – Dr.med. Ursula Davatz

Jugendliche wollen kein Gegenüber, das schon in irgendeine Richtung eingespurt ist.

[00:21:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Um die Jugendlichen kennenzulernen, muss man die Jugendlichen wahrnehmen aber
nicht nur sie wahrnehmen, denn die starke Fokussierung mögen die Jugendlichen auch
nicht.

[00:21:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser wenn man mit den Jugendlichen über irgendein Thema spricht.

[00:21:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man weiß, was die Jugendlichen interessiert, sollte man über das Thema
sprechen wovon man selber auch eine Ahnung hat.

[00:21:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche wollen auch gefragt werden, dass sie einem auch informieren können.

[00:21:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und versuchen sie
kennenzulernen.

[00:21:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe wieder in die Tierwelt.

[00:21:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem Tier kann man auch nicht sagen, du musst jetzt das machen und jetzt das
machen. Damit man ein Tier führen oder dressieren kann, muss man sein Wesen
kennenlernen.

[00:21:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Wesen von einem Tier nicht kennt, dann kann man es auch nicht
dressieren.

[00:22:13.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen versuchen das Wesen des Jugendlichen zu erkennen. Jeder ist wieder
anders.

[00:22:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Wesen erkennen, gehört auch das Umfeld dazu; woher kommen sie und wie war
die Interaktion in ihrer Herkunftsfamilie.

[00:22:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Möglichkeit sollte man nicht mit pathologischen Begriffen operieren.

[00:22:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre oft: meine Tochter hat eine Depression. Der Jugendliche selber sagt schon: ich
glaube ich habe eine Depression.

[00:23:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird mit psychopathologischen Begriffen aus der Psychiatrie operiert, das bringt
überhaupt nichts.

[00:23:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Depression ist immer der Anfang zur Selbstfindung.

[00:23:15.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden aus welchem Grund man in das tiefe Tal gerutscht ist.

[00:23:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kennzeichnung mit dem Begriff Depression, bringt einem Menschen gar nichts.

[00:23:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss besser verstehen, woher die Menschen kommen.

[00:23:33.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen oder die medizinischen Diagnose, werden oft auch als Feigenblatt,
als Schutzschild verwendet.

[00:23:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Depression, darum kann ich das nicht.

[00:23:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch heissen ich habe ein ADHS/ADS, darum kann ich das nicht.

[00:23:50.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man fragen: was hiesst denn das, was verstehst du darunter? Wie erklärst
du dir das?

[00:23:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wieder auf die menschliche Kontaktebene kommen und von dort her dann
weitergehen.

[00:24:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die reellen Probleme anschauen, welche zu diesem Zustand geführt haben.

[00:24:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist auch, wenn man mit Jugendlichen arbeitet, dass man selber authentisch ist.

[00:24:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann gar nichts vormachen, die Jugendlichen merken das sofort.

[00:24:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Jugendlichen etwas vormacht, dann werden die Jugendlichen sofort in
diese Achillesferse hineinstechen.

[00:24:34.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch Probleme haben, man darf auch sagen: das macht mir Schwierigkeiten,
das ertrage ich nicht so gut.

[00:24:41.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht autoritär vorgehen.

[00:24:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen etwas tun, das einem wirklich gegen den Strich geht, darf man
auch sagen: nein, das mag ich nicht, in dieser Situation möchte ich gerne das.

[00:24:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig dass man sagt: Ich will zusammen mit dir diesen Weg gehen.

[00:25:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass wir das zusammen lernen.

[00:25:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer auf Augenhöhe sein.

[00:25:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Augenhöhe kommt jetzt sogar in der Medizin.

[00:25:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Arzt muss man auch mit dem Patienten auf Augenhöhe sprechen, damit der Patient
mitentscheiden kann.

[00:25:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei den Jugendlichen ganz speziell wichtig.

[00:25:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dort einen Fehler macht, ist man ganz schnell abserviert.

[00:25:26.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivation ist etwas Schwieriges.

[00:25:35.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Jugendlichen zu etwas motivieren wollen und sie die Jugendlichen
motivieren, indem sie die Jugendlichen stossen oder ihnen zuviel anbieten, dann lernen
sie eigentlich nur Widerstand machen.

[00:25:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man probiert, irgendetwas herauszufinden, was die Jugendlichen interessieren
könnte, das einem auch ein bisschen interessiert und wo vielleicht der Jugendliche
einem etwas erklären kann, dann läuft man auf einer besseren Schiene.

[00:26:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man in einen besseren Prozess rein.

[00:26:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig in dem Augenblick ist, dass es eine Kooperation ist.

[00:26:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt das. Ich möchte dich bitten, mir zu helfen.

[00:26:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche in die Kooperation reinholen und nicht zur Gehorsamkeit zwingen.

[00:26:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche in der Pubertät sind oppositionell, sie sind rebellierend.

[00:26:34.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man den Jugendlichen befiehlt umso mehr rebellieren sie.

[00:26:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Jugendliche etwas tun, dass man nicht möchte, dann darf man auch sagen: nein,
das will ich nicht.

[00:26:50.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei sich bleiben.

[00:26:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das nicht in diesem Atelier oder in dieser Situation.

[00:26:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: nein, das darfst du nicht machen.

[00:26:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Keinen Befehl geben, sondern eine eigene Meinungsäusserung, eine Standhaftigkeit
tätigen.

[00:27:08.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das geht bei mir nicht.

[00:27:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Energie bei sich behalten.

[00:27:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht die Energie auf den Jugendlichen übertragen, du darfst nicht, du solltest
nicht.

[00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn Probleme auftreten, wenn man nicht vom Fleck kommt, dann nicht gleich zur
Lösung schreiten und sagen: das läuft jetzt falsch, jetzt müssen wir es so machen,
sondern dort sich auch Zeit nehmen, das Problem zu validieren.

[00:27:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben hier jetzt ein Problem zusammen.

[00:27:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen wir hier jetzt aus dem Loch?

[00:27:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Familie mit Jugendlichen haben und die Eltern sind im Clinch mit dem
Jugendlichen, dann schildere ich zuerst das Problem.

[00:27:53.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter will das, der Vater will das, das passt nicht zusammen.

[00:27:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen wir jetzt?

[00:28:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jugendlichen auch um die Lösung fragen.

[00:28:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die fertige Lösung präsentieren, sondern den Jugendlichen mit an der
Problemlösung beteiligen.

[00:28:09.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen.

[00:28:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Oft sagt der Jugendliche: keine Ahnung.

[00:28:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss man Geduld haben, sitzen bleiben und nicht gleich mit den eigenen
Fertiglösungen einfahren.

[00:28:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Stillstand der Entwicklung auch ein wenig aushalten können.

[00:28:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle habe ich oft Probleme mit der IV.

[00:28:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Jugendliche habe, die komplett aus ihrer Rolle gefallen sind, dann kommt die
IV und sagt: jetzt haben wir schon so viel gemacht und es geht immer noch nicht.

[00:28:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich sagen: halt, stopp, der ist noch nicht so weit.

[00:28:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Ärztin wehre mich dann wahnsinnig gegen die IV, dass sie mich nicht drängt.

[00:28:59.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine junge Klientin, seit sie 17 Jahre alt war, heute ist sie 21 Jahre alt.

[00:28:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat zwei oder drei Lehrstellen angefangen.

[00:29:05.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat nie funktioniert, weil das alles nicht zu ihr gepasst hat, einfach nicht gepasst hat.

[00:29:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich wirklich die Zeit nehmen und sagen: ja, wir sind noch nicht so weit.

[00:29:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bauern sagen: das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

[00:29:23.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an den Jugendlichen reisst oder sie stosst, entwickeln sie ihre Persönlichkeit
nicht und sie sind dann auch nicht selbstmotiviert.

[00:29:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Jugendlichen, welche Schwierigkeiten machen, müssen eigentlich selbstmotiviert
sein.

[00:29:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Um seine Selbstmotivation zu finden, braucht es eine gewisse Zeit.

[00:29:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Probleme hat, muss man nach Problemlösungen suchen, den Jugendlichen
mit einbeziehen. Nicht selber schon das Fertigmenü präsentieren. Das macht nur
Widerstand und Rückzug.

[00:30:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Fortschritte geben.

[00:30:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte jemand, die ist immer zu spät gekommen. Die Therapeutin wurde dann immer
ungehalten. Du bist schon wieder zu spät, was ist los mit dir? Das geht nicht. Du musst
trotzdem bezahlen. Ich habe die Person dann übernommen.

[00:30:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Patientin kam dann fünf Minuten vor dem Ende ihrer Sitzung. Meine Reaktion war
dann: schön, dass sie noch kommen.

[00:30:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinsten Fortschritte wahrnehmen und daran Freude haben.

[00:30:43.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort der Patientin war: sie sind die erste, welche mich lobt, dass ich überhaupt
noch komme.

[00:30:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinsten Fortschritte sehen und mit denen gehen, das motiviert. Wenn man immer
kritisiert, dann wird es nur negativ.

[00:30:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas nicht funktioniert, wenn man versagt, wenn Symptome auftreten, dann soll
man nicht wie die Mediziner die Symptome bekämpfen.

[00:30:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner bekämpfen die Symptome mit Medikamenten, die entweder aufheitern
oder runter dämpfen.

[00:31:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Symptome bekämpfen sondern immer wieder auf die Situation eingehen, auf
den Jugendlichen eingehen, auf die menschliche Interaktion eingehen

[00:31:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Störungsmomenten suchen in der Interaktion. Was hat die Interaktion des
Jugendlichen gestört?

[00:31:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wasser.

[00:31:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den körperlichen Krankheiten kann man die Symptome bekämpfen, bei den
psychiatrischen Krankheiten bringt es nichts wenn man die Symptome bekämpft.

[00:31:40.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen und steht immer in der Interaktion mit seinem
Umfeld.

[00:31:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: wo die Interaktionsfehler sind und wie könnte man die beheben?

[00:31:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktionsfehler können bei ihnen liegen, bei einem selber oder bei einem
anderen Mitarbeiter.

[00:31:58.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktionsfehler können auch zu Hause liegen, mit dem Vater oder der Mutter
oder mit anderen Mitarbeitern.

[00:32:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Interaktionsfehler finden.

[00:32:22.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen helfen, wie sie selber den Interaktionsfehler korrigieren
können.

[00:32:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel hat man die Haltung: man will sein Umfeld ändern, damit man selber gleich
bleiben kann.

[00:32:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem
Auge bemerkst du nicht? “ (Matthäus 7,3)

[00:32:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf psychiatrisch sagt man dem: externalisieren.

[00:32:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche haben die Tendenz zu externalisieren.

[00:32:54.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir geht es schlecht, weil der andere sich so komisch benimmt. Der andere soll sich
bitte ändern.

[00:32:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Eltern beraten kann, dann lernen die vielleicht etwas und dann läuft es
auch besser.

[00:33:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man am Umfeld nichts ändern kann, dann muss man mit dem Jungendlichen
schauen, was der anders machen könnte.

[00:33:10.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen unterstützen in diesem anders machen.

[00:33:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft können die Jugendlichen das nicht so gut und man muss die Jugendlichen in
mehreren Dingen unterstützen.

[00:33:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die Jugendlichen merken, dass etwas anderes zurück kommt, wenn sie sich
anders benehmen: Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück.

[00:33:35.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich anders in den Wald rufe, dann kommt etwas anderes zurück.

[00:33:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft steckt hinter dem Fehlverhalten der Jugendlichen eine grosse Scheu.

[00:33:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen trauen es sich nicht zu.

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Systemfehler, den Interaktionsfehler suchen und überlegen wie man den
Jugendlichen den Rücken stärken kann.

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man die Jugendlichen stützen, damit sie leicht anders vorgehen und es auch
ein anderes Resultat gibt?

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen helfen standhaft zu bleiben und vielleicht schauen, dass
sie leicht andere Verhaltensweisen lernen.

[00:34:06.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Menschen sind soziale Wesen, die müssen in die Welt hinaus.

[00:34:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben die jungen Menschen sehr Angst vor dieser Welt, sie haben Angst nicht
bestehen zu können und verweigern sich deshalb oder benehmen sich ganz extrem.

[00:34:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meine Gedanken zu den Jugendlichen und jetzt haben wir noch Zeit zum
diskutieren.

[00:35:15.700] – Bemerkung 1
Was sie gesagt haben, erinnert mich an die neue Autorität von Haim Omer. Bei Haim
Omer geht es um die Präsenz. Es geht nicht um die Gehorsamkeit sondern um die
Kooperation. Es geht um die gemeinsame Kooperation auf Augenhöhe.

[00:35:58.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[00:35:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Haim Omer spricht von der gewaltfreien Kommunikation.

[00:36:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe vom psychologischen her einen Schritt weiter und sage: bedürfnisorientierte
Kommunikation.

[00:36:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich für meine Bedürfnisse einstehe, wenn die gehört werden, dann muss ich gar
nicht gewalttätig werden.

[00:36:20.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch wird dann gewalttätig, wenn er sich nicht gehört fühlt.

[00:36:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann gewaltfrei kommunizieren, indem man früher sagt, was man will.

[00:36:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie können die Jugendlichen stützen, indem sie die Jugendlichen fragen: was brauchst
du eigentlich? Was willst du? Was beschäftigt dich? Wo kommst du unter die Räder?

[00:36:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Jugendlichen beibringen: wie kann seine Bedürfnisse sagen?
Jeder hat das Recht seine Bedürfnisse zu sagen.

[00:36:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache das folgende Bild: Sie müssen sprechen, wenn sie das Wasser auf der
Brustebene haben, nicht wenn sie das Wasser auf Nasenhöhe haben.

[00:36:43.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Wasser über dem Maul und über der Nase steht, dann kann man nur noch
schreien und zappeln und machen.

[00:37:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versteht kein Mensch etwas.

[00:37:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter der gewaltfreien Kommunikation steckt die bedürfnisorientierte Kommunikation.

[00:37:21.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kleinkind kann man seine Bedürfnisse nicht sagen, das muss die Mutter merken
und der Vater muss merken, was mit einem ist.

[00:37:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene können es auch nicht, weil Bedürfnisse so schnell überfahren
werden.

[00:37:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beobachten, schauen und herausfinden und dann den Jugendlichen helfen,
dass sie ihre Bedürfnisse auf eine sozialverträgliche Art melden.

[00:37:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann niemand etwas sagen gegen das Bedürfnis, welches der andere sagt.

[00:37:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Bedürfnisse sind nicht: du bist ein blöder Affe und benimm dich ein wenig besser,
sondern Bedürfnisse sind: ich ertrage das nicht.

[00:38:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine junge Frau, welche die KV Lehre angefangen hat. Sie hat sich vom Chef
falsch behandelt gefühlt und wollte nicht mehr zur Arbeit gehen.

[00:38:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sie dann zu mir geschickt und wir haben besprochen, wie sie es dem
Chef sagen kann.

[00:38:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es dann dem Chef gesagt und der Chef hat sich dann bei ihr bedankt und sie
hat ihre Lehre dort fertig gemacht.

[00:38:31.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Hätte ich sie einfach davon laufen lassen, wäre das nicht möglich gewesen.

[00:38:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewaltfreie Kommunikation ist bedürfnisorientierte Kommunikation, dass man lernt
seine Anliegen zu kommunizieren.

[00:38:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Gehirn Ebene kann man sagen: wenn man seine Gefühle in Worte fasst, dann geht
50% vom Stress im Kopf geht weg.

[00:38:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man: If you name it, you tame it.

[00:39:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Probleme benennt, dann zähmt man seine eigenen Emotionen.

[00:39:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen haben noch keine so gute Impulskontrolle, speziell diejenigen, welche
Probleme haben.

[00:39:23.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren, zu benennen, dann
zähmen die Jugendlichen gleichzeitig ihre Bedürfnisse.

[00:39:31.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das emotionale Gehirn die Erlebnisse in Worte fassen und beschreiben kann,
dann kann man das besser ablegen im Großhirn und dann hat man das wieder zur
Verfügung.

[00:39:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsene die schon weiter sind und unsere impulsiven Gefühle besser im Griff
haben, müssen den Jugendlichen helfen. Eine Art wie eine Hebammenleistung.

[00:40:05.770] – Bemerkung 2
Die digitalen Medien sind für die Jugendlichen mit einer breiten Aufmerksamkeit sehr
befriedigend. Es kommt immer wieder ein neuer Reiz und eine neue Belohnung. Wie
kommt man dagegen an?

[00:40:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Frage, welche ich mir auch immer wieder überlegen muss.

[00:41:09.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Die schnellen Reize und die schnelle Belohnung, das bleibt immer an der Oberfläche.

[00:41:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt keine Sozialkompetenz.

[00:41:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt nur schneller die Knöpfe zu drücken, erfolgreicher sein und Punkte sammeln.

[00:41:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) ist es umso wichtiger, dass wir unsere
menschlichen Fähigkeiten trainieren.

[00:41:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der KI kann man heute alles holen, man muss nicht mehr so viel lernen.

[00:41:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Menschen wahrnehmen, die Mimik wahrnehmen, alle Zwischentöne
wahrnehmen, das kann der Computer nicht.

[00:42:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer kann nur das, was man ihm gefüttert hat.

[00:42:01.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Röntgenologin gefragt ob sie auch mit KI arbeitet? Sie hat gesagt: ja.

[00:42:01.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo die KI sehr gut trainiert ist, ist die Diagnose sogar besser. Bei Diagnosen für
Hauterkrankungen ist die KI zum Teil sogar besser.

[00:42:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas ein bisschen anders ist, dann ist das Resultat der KI unbrauchbar.

[00:42:28.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist noch hundertmal besser.

[00:42:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können die Computerprogramme für das verwenden.

[00:42:34.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass sich die Jugendlichen menschlich entwickeln. Das brauchen wir in der
Zukunft.

[00:42:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen einen Fokus auf das rein menschliche legen, was der Computer nicht kann.

[00:42:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht davon, dass der Computer das menschliche Gehirn überholt.

[00:42:49.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, der Computer überholt das menschliche Gehirn nicht.

[00:42:49.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss gegen diesen Glauben reden.

[00:42:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Vertiefung.

[00:42:59.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind alle Reklamen sehr flach, nur zweidimensional, nicht mehrdimensional.

[00:43:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es war noch nie so wichtig, dass der Mensch seine Mehrdimensionalität, seine
Menschlichkeit entwickelt.

[00:43:29.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wichtigste ist die Sozialkompetenz.

[00:43:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sehe, was unsere Politiker und Lehrer an Sozialkompetenz an den Tag legen,
ist das nicht so toll.

[00:43:46.990] – Bemerkung 3
Hinter der Oberflächlichkeit herrscht eben trotzdem noch ein tieferes Bedürfnis.

[00:44:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr differenziert über menschliche Situationen zu sprechen, ist etwas sehr
befriedigendes.

[00:44:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie siehst du das? Wie hast du den interpretiert? Wie war diese Mimik?

[00:44:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Unterhaltung gibt eine menschliche Tiefe.

[00:44:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht mehr nur Dichter und Denker die das machen.

[00:44:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss zu einem kleinen Philosoph werden.

[00:44:30.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die automatisierten Dingen, können immer mehr von Maschinen übernommen werden.

[00:44:31.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es den Jugendlichen glaubhaft rüberbringen und muss selber davon
begeistert sein. Man darf nicht gegen das andere kämpfen. Man muss sagen: ich habe
hier etwas viel besseres.

[00:44:56.600] – Bemerkung 4
Die Jugendlichen müssen erfahren, dass das besser ist, damit sie es abkaufen.

[00:45:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule werden jedem Schüler Techniken beigebracht. Die Gruppendynamik hat
man überhaupt nicht im Griff. Weder auf dem Pausenplatz noch in der Schule.

[00:45:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr ein Auge entwickeln für die Gruppendynamik, für was alles läuft.

[00:45:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier braucht es wieder die breite Aufmerksamkeit.

[00:45:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind wieder die Interaktionen.

[00:45:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der Jugendlichen, die ich in Thearpie habe, sagen: ich wurde dort gemobbt.

[00:45:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre eigentlich Aufgabe der Schule gewesen, das zu verhindern.

[00:45:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, da wird darüber hinweg geschaut.

[00:45:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle Eltern in die Schule gehen und sagen: mein Kind wird gemobbt und jeder tritt
nur für das Einzelne ein, dann hat man die Gruppendynamik wieder nicht im Griff.

[00:45:56.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppendynamik ist etwas hochinteressantes, die muss man studieren.

[00:46:11.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat versucht herauszufinden, welches Team am besten funktioniert.

[00:46:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte denken, wenn man lauter Harvard Absolventen hat, dann funktioniert das
Team am besten. Das wäre ein Kuchen nur aus Rosinen. Das hält überhaupt nicht
zusammen.

[00:46:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat lange untersucht, das Resultat ist eine Banalität.

[00:46:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein bisschen Sozialkompetenz hat, kann man das sofort sagen.

[00:46:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Teams wo alle gleich viel Zeit zum reden hatten und wo die Mitglieder
Empathiefähigkeit hatten, also gemerkt haben, wie es dem anderen geht, diese Teams
haben am besten funktioniert.

[00:47:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen spielen hier eine grosse Rolle, die schauen mehr darauf.

[00:47:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind oft zielgerichteter und Resultat orientiert.

[00:47:11.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Equal speaking time, gleich viel Zeit um sprechen, gleich viel Sozialpräsenz und
merken wie es dem andern geht.

[00:47:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht lauter Beste, lauter Alphatiere.

[00:47:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Pflegen. Wir dürfen uns nicht davontragen lassen von dem Hype, alles
technische ist am besten, wer mathematisch am besten ist, ist der Tollste.

[00:47:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt alles nicht.

[00:47:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen auch die menschliche Kompetenz.

[00:47:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder macht es wieder ein wenig auf eine andere Art und Weise.

[00:48:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen dafür einstehen.

[00:48:00.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde es von der Religion her gesagt, der Pfarrer hat es gesagt.

[00:48:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage müssen wir selber für die Sozialkompetenz einstehen, auch ohne Religion.

[00:48:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann die Religion zu Hilfe nehmen, aber nicht alle sprechen darauf an.

[00:48:24.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wirklich selber sagen.

[00:48:24.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethik und Moral ist etwas absolut persönliches und kann nicht über ein Gesetz
weitergegeben werden.

[00:48:24.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethik und Moral müssen empfunden werden.

[00:48:26.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sprechen hört man die gefühlte Realität. Hier arbeitet man mit seiner ethischen
Empfindung.

[00:48:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn man es so rüberbringt, dann wird es vom Gegenüber auch
entgegengenommen.

[00:48:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nur als Dogma rüber kommt, dann funktioniert es nicht.

[00:49:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden alle Philosophen, Priester, ohne dass sie die Welt missionieren wollen.

[00:49:13.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung sagen sie, was für sie wichtig ist.

[00:49:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht: das macht man nicht, das gehört sich nicht.

[00:49:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist: ich will das nicht.

[00:49:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist: mir ist das wichtig.

[00:50:49.870] – Bemerkung 5
In Basel spricht man von Menschen mit Beeinträchtigungen, sei dies psychisch oder
geistig. Von diesem Menschen sagt man sie seien beeinträchtigt im Denken, Fühlen
und Handeln. Das mussten wir auswendig lernen als Arbeitsagogen.

[00:51:15.310] – Bemerkung 5
Ich will die Menschen immer auf der Herzensebene erwischen, auf der emotionalen
Ebene. Sie haben das sehr gut gesagt.

[00:51:25.390] – Bemerkung 5
Die Herzensebene ist die Form der Kommunikation.

[00:51:30.070] – Bemerkung 5
Wenn wir Jugendliche auf eine spielerische und auf eine klare Art auf der
Herzensebene erfassen, dann kann der Draht entstehen.

[00:52:21.880] – Bemerkung 5
Meinen Weg, den ich gehe, ist der richtige.

[00:52:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Super das freut mich.

[00:52:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere immer Antoine de Saint-Exupéry.

[00:52:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein intelligenter Pilot, Schriftsteller vom Petit Prince.

[00:52:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry sagt: Man sieht nur mit dem Herzen gut.

[00:52:24.687] – Dr.med. Ursula Davatz
On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.

[00:52:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das. Auf Herzensebene angehen.

[00:52:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut consulter votre coeur.

[00:52:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Herz fragen, was das empfindet in der Situation.

[00:52:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man es auf die intellektuelle Ebene, auf die verbale Ebene hinaufholen. Das
Herz muss miteinbezogen sein.

[00:53:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Herz mit einbezogen ist, dann stimmt es, dann ist es ganzheitlich.

[00:53:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nur auf intellektueller Ebene ist, da kann man das Blaue vom Himmel lügen,
es klingt logisch gut, aber es ist falsch.

[00:53:22.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss von der Herzensebene her kommen und das integrieren.

[00:53:30.130] – Bemerkung 6
Wir haben einen sozialen Hintergrund. Wir arbeiten gerne mit Menschen, sonst hätten
wir nicht diesen Beruf. Ich habe oft erlebt, dass man über einen Menschen in der dritten
Person gesprochen hat. Das war am Anfang von meiner Karriere. Ich habe mir gesagt:
genauso will ich nicht werden. Das war ein Spiegel für mich.

[00:53:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:54:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gesagt von der Herzensebene her kommen und auf eine spielerische Art und
Weise.

[00:54:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut.

[00:54:22.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich achte auf die vier Stressverhaltensmuster: Fight, Flight Freeze und Tease.

[00:54:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist spielerisch.

[00:54:38.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche Jungtiere, junge Menschen können spielen und machen das auch.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Spielverhalten, das Spielerische erlaubt lernen.

[00:54:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn wir mit unserem Gegenüber spielerisch in Kontakt sind, dann lernen wir und der
andere lernt.

[00:55:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es bei allen Jungtieren beobachten, wie die miteinander spielen.

[00:55:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere spielen auch artübergreifend.

[00:55:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Katze spielt mit einem Huhn.

[00:55:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Tiere in der Lage sind artübergreifend spielerisch zu sein, sollten wir auch
menschenübergreifend in der Lage sein, spielerisch zu sein.

[00:55:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spielerische macht frei und hilft beiden Seiten zu lernen.

[00:55:47.520] – Bemerkung 7
Sie haben einmal gesagt: Diagnosen sind etwas für Krankenkassen und Menschen,
welche das für den Moment brauchen aber sonst sollte man nicht damit arbeiten.

[00:55:54.450] – Bemerkung 7
Die Krankheit ist sehr defizitorientiert, man wird gestempelt.

[00:56:06.150] – Bemerkung 7
Wir leben alle in der Spannung der IV, es muss vorwärts gehen, es geht um Geld, keine
Zeit.

[00:56:06.330] – Bemerkung 7

Ich erlebe es immer mehr, dass die Zeit der wichtige Schlüssel ist, das Zuhören.

[00:56:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür muss man sich wehren.

[00:56:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht diese Zeit lässt, dann sind alle Interventionen: ausser Spesen
nichts gewesen.

[00:56:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich hier am Anfang mehr zu investieren, anstatt immer etwas neues
anzufangen.

[00:56:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Patienten: ausser Spesen nichts gewesen.

[00:57:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:57:03.470] – Bemerkung 7
Es kostet langfristig nur mehr.

[00:57:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wehre mich wie eine Löwenmutter, dass von der IV nicht gedrängt wird. Das bringt
nichts.

[00:57:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Klientin lernt jetzt selber. Sie kann das Lernen verwenden, damit sie nicht mehr
über alle ihre Probleme nachdenken muss. Davor hatte sie sehr viele Diagnosen. Die
hat alles nichts gebracht.

[00:57:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Defizitorientierte bringt gar nichts, das hilft nicht dabei, die Persönlichkeit weiter zu
entwickeln, das hilft nur sich selber abzulehnen.

[00:57:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sehr viel Geld sparen, wenn wir mehr entwicklungsorientiert mit diesen
jungen Leute arbeiten, anstatt defizitorientiert.

[00:57:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Medizinerin, hier bin ich sehr, sehr kritisch, je länger je mehr.

[00:57:49.920] – Bemerkung 7
Ja das denke ich auch.

[00:57:50.270] – Bemerkung 7
Das war sehr spannend.

Frust und Enttäuschung

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
7.2.2024
Frust und Enttäuschung
Audio

[00:00:03.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz herzlichen Dank für die Einladung.

[00:00:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es stimmt. Wir haben das Thema heute zum ersten Mal.

[00:00:12.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Thema, wo es um die Jugend geht.

[00:00:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer interessiert für Jugendpsychiatrie.

[00:00:20.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema lautet: Kritik, Frust, Enttäuschung, Motivationslosigkeit bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen.

[00:00:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erst sage ich, wenn die Jugendliche an dem Punkt sind und wenn sie wahrscheinlich zu ihnen
kommen, dann ist das häufig eine gescheiterte Pubertät.

[00:00:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, die Jugendlichen haben es heute relativ schwierig, also schon die Kinder haben es schwierig.

[00:00:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ständig mit Schulen und frustrierten Eltern und frustrierten Kindern zu tun.

[00:00:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heutige Leben verlangt von unserer jungen Generation ganz viel.

[00:01:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits haben die Eltern eine Vorstellung, was die Jugendlichen machen sollten.

[00:01:13.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Andererseits fallen heute relativ wenig Kinder auf zwei Erwachsene.

[00:01:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatten wir noch zwölf Geschwister in der Familie, zehn und so weiter.

[00:01:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist vieles untergegangen und die Kinder haben sich untereinander erzogen.

[00:01:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage haben die Kinder und die Jugendlichen sehr viel Aufmerksamkeit.

[00:01:36.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann mit sich bringen, dass sie sehr verwöhnt werden.

[00:01:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein riesiges Serviceangebot.

[00:01:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Andererseits sind sie stark im Fokus. Das heisst, man tut alle seine Wünsche und Hoffnungen auf eins
oder zwei Kinder projizieren.

[00:01:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das verteilt sich nicht so gut und das ist ein Stress.

[00:01:58.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es ist schwierig für die Jugendlichen.

[00:02:02.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Andererseits ist die Jugend, schon die Kinder, sind sie ganz vielen Medien ausgesetzt.

[00:02:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle ständig mit dem Internet vernetzt und immer in Kontakt mit online.

[00:02:20.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, in der Erziehung muss man recht viel aufwenden.

[00:02:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss interessant sein, man muss sie faszinieren können.

[00:02:30.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medien sind natürlich so darauf ausgerichtet, dass das die Jugendlichen fasziniert, also dass sie
quasi süchtig werden.

[00:02:40.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsenen, die denen etwas bieten wollen, sind dann schnell mal langweilig und kämpfen gegen
die Ablenkung von den Medien.

[00:02:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht einfach.

[00:02:52.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Überangebot an Informationen und Ablenkung für die Jugendlichen.

[00:03:02.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Jugendlichen dann aber in der Übergangsphase vom Kind zum Erwachsen sind, also in der
Pubertät, eigentlich ihre Persönlichkeit ausbilden sollten.

[00:03:15.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann werden sie sehr stark programmiert von den Medien.

[00:03:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir stehen in Konkurrenz zu dem.

[00:03:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind abgelenkt, sie haben ganz viele fremde Einflüsse und man muss sich relativ viele interessante
Sachen überlegen, dass man sie wegholen kann.

[00:03:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann verbieten etc.

[00:03:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
In allen Familien ist das heutzutage ein Kampf.

[00:03:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich erlebe im Erziehungssystem, wie viele Kinder zur Schule raus fallen oder Eltern, die frustriert sind.

[00:03:48.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite zum Teil mit Lehrer.

[00:03:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht ist das Schulsystem der ganzen digitalen Entwicklung hinten drin.

[00:03:57.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben jetzt schon Computer und alles und die arbeiten dann mit dem.

[00:04:01.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom interessanten Stoff her bieten sie natürlich lange nicht so viel.

[00:04:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kämpft da mit etwas.

[00:04:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist unser Erziehungssystem nicht mehr so kindergerecht oder nicht mehr zeitgemäss.

[00:04:19.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu ihnen kommen dann die, die irgendwie schon rausgefallen sind, ein bisschen schlecht raus
gekommen sind, eben eine gescheiterte Pubertät.

[00:04:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist noch weiter: Damit man einen Jugendlichen erfassen kann, damit man ihn motivieren kann zu
etwas, muss man als erstes sein Wesen, sein Temperament, seine Art und Weise wie sie/er lernt, muss
man verstehen.

[00:04:52.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht versteht, dann kann man noch so gute Sachen anbieten und es wird nicht darauf
reagiert.

[00:05:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat keinen Erfolg.

[00:05:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich rede dann immer von persönlichkeitsgerechter Erziehung und vergleich es dann mit artgerechter
Tierhaltung.

[00:05:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Tierdresseur könnte irgendein Tier dressieren, wenn er nicht sein Wesen verstehen würde.

[00:05:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen denken oft: die Menschen sind alle gleich.

[00:05:22.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Angebote: One size fits all.

[00:05:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man tut jetzt individualisieren, man redet von integrierter Schule, aber wenn das Kind nicht in
einen regulären Lehrplan reinpasst, dann holt man sofort Zusatzkräfte rein, Heilpädagogen,
Ergotherapeuten, weiss nicht was, Physiotherapeuten.

[00:05:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kriege ich Kinder, wo ungefähr vier Leute dran sind und dann soll es auch noch in die Schule
gehen.

[00:05:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich eine riesige Überforderung für das Kind.

[00:05:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man so viele Fachleute reinholt, hängt damit zusammen, dass man in der Medizin viele, viele
Fachgebiete macht und dann, sobald irgendwas nicht funktioniert mit dem Kind, schickt man es zu so
einer Fachperson.

[00:06:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Eltern machen das.

[00:06:17.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Haltung ist: Nicht X Fachpersonen reinholen, sondern die Lehrer ausbilden, die
Kindergärtnerinnen, die Lehrmeister ausbilden.

[00:06:27.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind jetzt Lehrmeister.

[00:06:30.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man die Lehrmeister ausbildet, dass sie besser mit verschiedenen Kindern umgehen können und
mit verschiedenen Jugendlichen.

[00:06:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ständig eine neue Lehrpersonen reinzuholen, macht einen Unruhe, macht eine Unruhe in der Klasse.

[00:06:49.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind fühlt sich ausgestellt, es muss da jemanden extra haben. Es ist quasi abnormal. Das hat kein
Kind gerne.

[00:06:58.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau in dieser Altersstufe, wo man sich eigentlich mit den Peers zusammentut, wenn da jeder noch
seinen Therapeut bei sich hat, dann kann man sich auch lustig machen und ja, da passiert eine
Beschämung.

[00:07:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ach wieder mit den heutigen modernen Medien, das hört man jetzt immer mehr, wird dann das alles auf
das Internet getan.

[00:07:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sich lustig machen über ein Kind. Das geht viral, wie man so schön sagt.

[00:07:31.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird ja auch gesagt, es passieren dann Selbstmorde und schlimme Sachen.

[00:07:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder sie haben Phobien, sie wollen nicht mehr rausgehen.

[00:07:41.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bekommen Angst vor der Welt und das kann es nicht sein.

[00:07:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn bleibt ihnen dann nichts anderes übrig, den Jugendlichen, wenn alles nicht recht passt, wenn
man sie nicht richtig abholen kann, bei dem was begeistert, dann haben wir die kein Bock, keine Zukunft
Generation.

[00:07:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, dann bleibt ihnen nicht mehr anderes übrig, als sich abzuwehren, einigeln, Todstellreflex und
alles verweigern.

[00:08:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Schlimmsten, wenn dann Fachleute herantreten, wenn sich jemand verweigert, keine
Hilfe will, dann werden wir auch verzweifelt.

[00:08:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen Film über Königsfelden, wo die Helfer dann sadistisch und aggressiv werden, böse Dinge
tun, obwohl sie das gar nicht wollen.

[00:08:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Ausgangslage. Sie können mir später selber sagen, was sie für Jugendliche haben und wo sie
anstehen.

[00:08:39.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach, heutzutage eine Pubertät durch zu machen.

[00:08:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch nicht einfach für die Erwachsenen, welche die Jungen anleiten müssen, noch interessant für
die zu sein.

[00:08:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können Sie für die Jugendlichen tun?

[00:09:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie können Sie eine Wendezeit einleiten?

[00:09:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie heissen ja Stiftung Wendepunkt

[00:09:10.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beziehe mich auf ihr Logo.

[00:09:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie an die gestrandeten Jugendlichen heran? Wie können sie einen Reset bei diesen
Jugendlichen bewirken?

[00:09:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Erstes dürfen sie keinen Ehrgeiz haben.

[00:09:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie Ehrgeiz haben, dann spürt das der Jugendliche, sie wollen etwas vom Jugendlichen und er
will nichts. Sobald man etwas will, stosst man und macht und es geht nichts. Dann entstehen nur lauter
sture Esel.

[00:09:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schon mit Eseln gearbeitet hat, wenn man die in eine Richtung drücken möchte, dann geht
gar nichts.

[00:09:50.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen müssen sich selber orientieren. Erst wenn sie sich orientiert haben, dann können sie
mitmachen.

[00:10:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, muss sich der Jugendliche, wenn er zu innen kommt, zuerst orientieren, wer sind sie
und was machen sie und was denken sie?

[00:10:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich orientieren über den Jugendlichen, wie tickt er, was interessiert ihn etc.

[00:10:23.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, wenn ich mit Jugendlichen zu tun habe, bei mir kommen sie in die Stunde, dann probiere ich
den Jugendlichen zuerst kennenzulernen.

[00:10:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterhalte mich über irgendetwas, was den Jugendlichen interessieren könnte.

[00:10:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage nach den Lieblingsfilmen, der Lieblingsmusik. Dann muss mich mir viel erklären lassen, weil ich
selber nicht so viel darüber weiss.

[00:10:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche ein gemeinsames Interesse, ein gemeinsames Objekt.

[00:10:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Gemeinsamkeit gefunden hat, kann man schon mal mit den Jugendlichen in Kontakt
kommen und an sie ran kommen.

[00:11:08.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Jugendlichen stosst, blockieren sie nur.

[00:11:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man: „You never have a second chance to make a first impression."

[00:11:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei den Jugendlichen so.

[00:11:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich junge Schizophrene zum ersten Mal bei mir habe, muss ich probieren, einfach einen Kontakt
herzustellen und nicht irgendetwas von ihnen wollen.

[00:11:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen auf eine Interaktion auf Augenhöhe kommen.

[00:11:32.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spielt eine Rolle.

[00:11:39.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man belehrend rein kommt, dann machen sie einem Widerstand und zeigen, wie dumm man ist.

[00:11:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bringen dann etwas, wovon man nichts weiss.

[00:11:46.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eigentlich nicht als Lehrer reinkommen, sondern auf Augenhöhe.

[00:11:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass man nur kumpelhaft reinkommen muss, aber man muss sie ernst nehmen.

[00:12:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wahrnehmen, wer sie sind.

[00:12:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Kontakt aufnehmen und allenfalls Expertise von den Jugendlichen holen.

[00:12:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
In was sind sie gut? Man kann sich von mir aus auch ein Spiel erklären lassen oder was sie sonst so
machen.

[00:12:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine Expertise bei ihnen rausholen, dass sie einem können sagen, was sie interessant finden
und mit was sie sich beschäftigen.

[00:12:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich sagen: „Du musst jetzt lernen, in die Erwachsene Welt zu kommen und ich sage dir, wie es
geht."

[00:12:41.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch nicht mit pathologisierenden Begriffen um sich werfen.

[00:12:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagen die Jugendliche schon: Ich habe dort eine Depression gehabt. Ich habe eine Phobie. Ich
habe, weiss nicht was, Angst.

[00:12:54.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Begriffe der Psychiatrie sind alle auf dem Markt und sie werden verwendet.

[00:13:00.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: Das interessiert mich nicht. Ich verstehe nichts von dem.

[00:13:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Begriff, das sagt mir nichts.

[00:13:05.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht dich verrückt? Was verletzt dich? Was beleidigt Dich? Was beschämt dich?

[00:13:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche wollen stolz und stark erscheinen.

[00:13:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinen Tierchen, die plustern die ihre Federn auf, sie stellen den Kamm. Da passt eine Beschämung
nicht dazu. Sie wollen imponieren.

[00:13:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel und können sehr leicht beschämt werden.

[00:13:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder Kinder, Jugendliche, die in der Schule beschämt worden sind. Früher hat man
das noch gemacht als Erziehungsmethode.

[00:13:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte jemanden, der hatte 40 Fehler in seinem Aufsatz.

[00:13:57.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann musste er nach vorne stehen und man hat sich quasi lustig gemacht über seine vielen Fehler.

[00:13:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hatte eine Legasthenie.

[00:14:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich nicht in Ordnung.

[00:14:14.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch noch heutzutage passiert in der Schule noch viel Beschämung.

[00:14:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung passiert von den Erwachsenen zu den Jugendlichen und untereinander. Sie machen sich
lustig übereinander.

[00:14:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung, die geht dann auch wieder aufs Internet.

[00:14:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich gar nicht gut.

[00:14:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Internetfirmen kommen jetzt ein bisschen dran, man kritisiert sie.

[00:14:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mark Zuckerberg hat sich einfach entschuldigt.

[00:14:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind Selbstmorde geschehen, anhand von Beschämungen und Mobbing im Internet.

[00:14:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Internetfirma kann da eigentlich gar nicht so viel machen.

[00:15:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Erstens mal merkt sie es nicht so schnell, wenn so komische Sachen herumgehen. Eigentlich wollen wir
unsere Jugendlichen stärken, dass es ihnen nichts ausmacht.

[00:15:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die menschliche Aufgabe.

[00:15:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle reden von künstlicher Intelligenz und wie die uns jetzt überholen wird und alles toll macht und wie
man dann viel Arbeitskräfte sparen kann und so weiter.

[00:15:20.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Hype.

[00:15:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr mit dem Computer läuft und mit künstlicher Intelligenz, umso mehr sind wir als Menschen
gefragt, dass wir den Jugendlichen noch Menschlichkeit beibringen und uns mit den Jugendlichen
menschlich auseinandersetzen.

[00:15:39.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben hier eine stärkere Aufgabe, eine wichtigere.

[00:15:39.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen Diagnosen, die werden dann oft verwendet, so wie ein Schutzschild.

[00:15:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe halt eine Depression, ich habe ein ADHS, darum kann ich das jetzt nicht tun.

[00:15:55.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Von diesen Schutzschildern dürfen sie sich natürlich auch nicht ablenken lassen.

[00:16:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sagen: Jetzt arbeite ich mit dir. Du musst mir sagen, was du gerne machst, was du nicht
gerne machst, was für dich schwierig ist, etc.

[00:16:13.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen diese Leute kennenlernen.

[00:16:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Jugendlichen ein bisschen kennengelernt haben und das Gefühl haben, sie verstehen, was
das für eine Person ist, dann ist wichtig, dass auch sie sich zeigen.

[00:16:33.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass sie nur so brüderlich schülterlen, sondern einfach ein bisschen einen Begriff von
sich abgeben, was ist ihnen wichtig, was können sie anbieten, was kann der Jugendliche oder die
Jugendliche bei ihnen lernen.

[00:16:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es dann heisst: Das interessiert mich nicht. Ich wollte etwas anderes, dann muss man sagen: Aber
wir sind jetzt hier zusammen. Aus irgendeinem Grund bist du hierhin geschickt worden und wir können
uns jetzt gegenseitig anöden oder wir können irgendwas Interessantes daraus machen.

[00:17:11.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn du das jetzt nicht so gerne hast oder nicht interessiert findest.

[00:17:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kannst du etwas lernen dabei.

[00:17:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kommen ganz neue Sachen raus, wenn man sich mit etwas abgibt, was man noch nicht kennt.

[00:17:25.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass sie dann den Jugendlichen nicht stossen zu etwas, also ehrgeizig in irgendeine Richtung stossen,
sondern dass sie den Jugendlichen eher neugierig machen.

[00:17:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne sage ich, man sollte dann die motivieren können.

[00:17:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Motivieren nicht Drücken und stossen wollen, das geht beim Esel auch nicht, sondern locken.

[00:17:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivieren, locker, interessiert machen.

[00:17:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie ist ja oft das Problem mit: Wie bringe ich die Leute wieder zur Arbeit?

[00:18:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man ein Kaffeehaus eingerichtet und nebenher einen Arbeitsraum, wo man irgendetwas hat
machen können.

[00:18:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Leute ins Kaffee gegangen und haben dann nebenher gesehen: Ah da könnte man was
anderes machen und haben angefangen, Dinge zu tun.

[00:18:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wurden nicht gestossen. Man hat sie mit Angeboten gelockt.

[00:18:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
So müssen sie wahrscheinlich auch die Jugendlichen eher locken, versuchen zu etwas hinzuführen,

[00:18:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort spielt eine riesige Rolle wie fest sie begeistert sind von ihrem Job und dem was sie machen.

[00:18:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen gewissen Enthusiasmus haben mit dem, was sie machen, dann steckt das je nachdem
ein bisschen an.

[00:18:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Heute hat mir eine junge Handarbeitslehrerin die Zeichnen gelernt hat, erzählt, dass alles was man in
der Handarbeit bastelt, kann man sofort wieder wegschmeissen.

[00:18:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
So eine Einstellung motiviert kein Kind.

[00:19:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme jetzt nicht an, dass sie solche Haltungen haben.

[00:19:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie Freude haben an dem, was sie machen und Freude haben an dem, was sie da
den Jugendlichen beibringen wollen.

[00:19:22.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen selber authentisch sein. Sie dürfen nichts vorspielen.

[00:19:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen einem schon auseinander.

[00:19:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Jugendlichen einen schwachen Punkt, eine Achillesferse finden, dann wird dort reingebohrt.

[00:19:35.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es einem dann persönlich ein bisschen verletzt, soll man nicht so tun, als ob man wahnsinnig stark
wäre und das ganz gut könnte.

[00:19:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist sogar besser, wenn man sagt: Jetzt hast du mich getroffen.

[00:19:55.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen wollen einem treffen.

[00:19:58.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen sehen, dass sie auch stark sind und nicht nur wir ältere Generation.

[00:20:05.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vergleiche ich dann wieder mit dem Dominanzverhalten unter den Wölfen.

[00:20:12.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Wolf sich schwach fühlt, dann zeigt er seine schwache Seite und dann beisst der andere nicht
mehr drein.

[00:20:20.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Judo, wenn man sich unterlegen fühlt, klopft man zwei Mal ab. Dann darf der andere nicht mehr weiter
machen.

[00:20:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind keine Unmenschen, aber sie die wollen Wettkämpfen.

[00:20:32.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verwende ich in letzter Zeit immer mehr den Begriff: Teasing.

[00:20:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben vier automatisierte Stressreflexe: Fight/Kampf, Flight/Flucht, Freeze/Totellreflex und Tease/
Necken.

[00:21:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle sozialen Tierarten, tun sich in der Pubertät gegenseitig necken.

[00:22:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Hündchen, mit denen haben wir am meisten Erfahrung, die gehen aufeinander los und tun sich
necken, beissen sich in den Schwanz oder ins Ohr oder irgendwo und so wird gespielt miteinander.

[00:22:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist in diesem Sinne auch bis zu einem gewissen Grad ein Spielverhalten, es ist ein provokatives
Spielverhalten.

[00:22:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das ist eine Methode, die man verwenden kann, die sicher die Jugendlichen mit einem
verwenden.

[00:22:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ganz verschiedene Arten.

[00:22:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können einem auch ärgern mit gar nichts machen.

[00:22:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing passiert sogar artübergreifend.

[00:22:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund probiert ein Stinkschwein oder irgendein Tier, das eigentlich nicht so spielt, probiert er zu
aktivieren, sodass es spielt.

[00:23:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil kommt dann halt gar nichts. Wenn die Jugendlichen einem da Teasen tun, dann muss man
schauen, wie kann man einsteigen kann und wie kann man auch etwas zurückgegeben oder ihn ein
bisschen teasen.

[00:23:16.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man aufpassen.

[00:23:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sarkastisch mit den Jugendlichen wird, dann verletzt man sie sehr, dann beschämt man sie
und dann hat man sie wieder verloren.

[00:23:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen teasen sicher uns.

[00:23:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört zu den Jugendlichen. Sie necken uns, sie schieben uns auf die Rollen, sie machen Blödsinn.

[00:23:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist es wichtig, dass sie in eine Interaktion kommen und dann mit ihnen schlussendlich
dann zur Arbeit kommen und sagen: „Jetzt will ich dir das beibringen".

[00:23:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle ist es wichtig, dass man nicht einfach sagt: „Mach das, mach das, mach das".

[00:24:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Jugendlichen sind sie empfindlich auf Befehle. Hingegen, wenn man sagt: „Ich will dir jetzt
beibringen, wie man das und das macht, dann ist die Eigenmotivation dabei. Es ist das Teaching. Man will
ihnen etwas beibringen.

[00:24:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach ein Befehl.

[00:24:20.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch schon über ADHS geredet. Bei den Jugendlichen kommt das ganz stark raus.

[00:24:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben nicht gern, wenn man einfach einen Befehl gibt.

[00:24:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf persönlich sein: „Ich wollte dir das beibringen und dann kann man sagen: „Wenn man das macht,
macht man es so und so und so".

[00:24:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: Du musst, du musst, du musst.

[00:24:45.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann es sein, dass sie sehr empfindlich auf das sind.

[00:24:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle, aber viele.

[00:24:51.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen keinen Befehl mehr empfangen, sondern sie wollen schon alles können, was unmöglich ist.

[00:24:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beim Prozess, wo sie lernen und dann automatisieren sollten, wenn dort Probleme auftreten, dann
ist wichtig, dass man nicht verrückt wird, dass es Probleme gegeben hat.

[00:25:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden sie selber mit sich verrückt. Das wird natürlich nicht gezeigt.

[00:25:19.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Man will ja eigentlich alles schon können.

[00:25:21.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man anschaut, wie das Problem aufgetreten ist?

[00:25:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist der Fehler aufgetreten? Wie kann man den Fehler das nächste Mal verhindern?

[00:25:31.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja, an Fehlern lernt man. Wenn sie pedantische Persönlichkeiten haben, die nicht gerne Fehler
machen und dann alles rumschmeissen, wenn ein Fehler passiert, dann muss man sagen, das gehört
zum Lernen.

[00:25:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Fehler lernt man eigentlich am meisten.

[00:25:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann, wo es daneben gegangen ist.

[00:25:51.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen Sie nach, probieren herauszufinden, wie der Fehler passiert ist, sodass er/sie es dann aufnehmen
kann in sein Programm im Hirn.

[00:26:02.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Freuen sie sich über kleine Fortschritte.

[00:26:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Seien sie nicht zu ehrgeizig und zeigen natürlich auch dem Jugendlichen, dass da etwas
vorwärtsgegangen ist.

[00:26:14.310] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sage ich, das Glas ist halb voll, es ist nicht halb leer.

[00:26:18.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles Motivation.

[00:26:23.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es ein Versagen gibt, dann nicht das Versagen bekämpfen wollen.

[00:26:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte sind alle darauf ausgerichtet, die Symptomen zu bekämpfen.

[00:26:37.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann nicht so eine gute Annäherung an die Jugendlichen.

[00:26:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie überwinde ich es?

[00:26:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Besser verstehen, wie das Symptom entstanden ist.

[00:26:47.110] – Dr.med. Ursula Davatz
So gibt das eine gute menschliche Interaktion.

[00:26:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch als Lernende auftreten und sagen: „Ich muss mit jedem Lehrling auch wieder lernen, das
ist auch interessant".

[00:27:07.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen miteinander. Du lernst von mir und ich lerne von dir.

[00:27:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen brauchen die menschliche Interaktion, mit allen Schattierungen als Gegensatz zur
reinen Internet Interaktion.

[00:27:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sie schauen, wenn man heutzutage Reklamen anschaut, sind die alle zweidimensional.

[00:27:31.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist zum Teil kein richtiges Foto mehr, sondern nur absolut plakativ.

[00:27:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Internet ist natürlich auch alles so ein bisschen plakativ, also sehr flach.

[00:27:42.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bieten diesen Jugendliche eine menschlichen Beziehung an und Skills, also etwas, was sie ihnen
beibringen wollen.

[00:27:50.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wenn sie diese Begeisterung behalten können, dann springt auch etwas rüber.

[00:28:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Jugendliche fragt, was sie gelernt haben von ihrem Lehrmeister, dann ist es die
Persönlichkeit.

[00:28:10.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich daran denke an meine Professoren, die ich gehabt habe, weiss ich noch alle Witze, welche die
erzählt haben und so Sachen.

[00:28:18.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit spielt eine ganz wichtige Rolle und von daher kommen sie raus als persönlicher
Lehrmeister, der etwas erreichen möchte mit seinen Jugendlichen.

[00:28:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der die Zeit hat und Geduld.

[00:28:34.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären ein paar Ausführungen.

[00:28:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt müssen Sie mir Fragen stellen oder Korrekturen anbringen.

[00:28:46.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat eine Frage?

[00:29:05.030] – Bemerkung 1
Wir haben ein sehr spannendes Step-up-Projekt, wo Jugendliche kommen, die sehr niederschwellig sind.

[00:29:15.070] – Bemerkung 1
Die Jugendlichen müssen sich das erste Mal mit dem Alltag auseinandersetzen.

[00:29:20.260] – Bemerkung 1
Es geht noch nicht in den Arbeitsbereich.

[00:29:23.830] – Bemerkung 1
Sie haben so geschildert eben, was ist so der erste Schritt, den man macht im Zusammenhang mit ihnen
und wie geht man vorwärts, bis sie sich einlassen.

[00:29:31.060] – Bemerkung 1
Aus der Erfahrung, wie lange kann so ein Prozess dauren?

[00:29:38.900] – Bemerkung 1
Die IV spricht von drei bis sechs Monaten.

[00:29:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben da immer die IV im Hintergrund, welche drückt und pressiert.

[00:29:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagegen wehre ich mich wie eine Löwenmutter.

[00:29:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich merke, ich komme in den Kontakt mit dem Jugendlichen oder auch mit dem Erwachsenen und
es läuft ein Prozess, aber wir sind einfach noch nicht so weit, dann wehre ich mich mit den Händen und
Füssen, dass die IV drängt und sage: „Nein, wir sind noch nicht so weit. Wir machen zwar Fortschritt, wir
sind nicht an einem Fliessband, wo man sagen kann, dieser Prozess braucht so und so lange".

[00:30:20.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es eigentlich nie sagen.

[00:30:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich noch im Sozialpsychiatrischen Dienst gearbeitet habe, habe ich immer so über den Daumen
gepeilt gesagt, die Rehabilitationsphase ist zwei Jahre.

[00:30:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann schneller gehen bei Jugendlichen, aber manchmal ist es sehr lange.

[00:30:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich zu warten.

[00:30:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Integrationsprozess abzuklemmen und dann einfach Rente zu geben, das ist dann ein ganzes Leben
lang.

[00:30:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch ein bisschen länger zu brauchen für die Integration, das zahlt sich längstens aus, wenn man es
hinbringt.

[00:31:02.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Gefühl haben, ich habe einen Faden, ich habe den Kontakt und wir bringen etwas hin.

[00:31:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gespürt ja auch, was der kann und was er nicht kann.

[00:31:11.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ein bisschen das Feeling, was da möglich ist. Wenn man spürt, er macht mit und es ist eine
kleine Entwicklung.

[00:31:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Entwicklung auch nur klein ist, würde ich immer sagen: Verlängere, verlängern, verlängern.

[00:31:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie spüren das, ob der nur Widerstand macht oder auch ein bisschen mitmacht. Das merkt man.

[00:31:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich alles daran setzen, zu verlängren.

[00:31:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich so argumentieren: „Wenn wir jetzt abbrechen, dann haben Sie einfach einen lebenslangen,
IV-Fall, ein Patienten-Fall.

[00:31:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dann oft nicht nur einfach das Geld, sondern rein und raus in die Psychiatrie usw, eine Katastrophe.

[00:31:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit erkämpfen.

[00:31:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sie natürlich an sich glauben, dass sie da etwas erreichen und an den Jugendlichen glauben,
dass aus dem etwas zu machen ist.

[00:32:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, nicht pressieren. Geht nicht.

[00:32:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das effiziente Denken und das Effektive, das bringt hier gar nichts.

[00:32:22.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche merkt sofort, wenn man drängt.

[00:32:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir den Esel, also Widerstand.

[00:32:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat mal zwei Essel gegeben, die haben sich gegenseitig nicht in den Stahl reingelassen, weil beide
ungefähr gleich stark waren und da musste man eine zweite Türe machen, damit sie beide in den Stall
rein gekommen sind.

[00:32:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche ist passiert zwischen dem geistlichen und dem weltlichen Herrscher in Russland bei der
Kirche. Da hat man auch hinten die Türe gemacht. Zwei Esel.

[00:33:23.760] – Bemerkung 2
Die Stellvertretung ist hier.

[00:33:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann die Stellvertretung etwas sagen.

[00:33:44.510] – Bemerkung 2
Ja, es braucht viel Zeit und manchmal fragt man sich auch warum sich nicht mehr viel verändert? Wie
lange macht man so eine Phase?

[00:33:44.690] – Bemerkung 2
Ein Beispiel: Jemand nimmt immer ihr Mittagessen mit, die Smilies, welche man in den Ofen tun kann.
Sie isst nie etwas, was wir in der Gruppe kochen. Sie beteiligt sich nicht an der Menüplanung. Sie könnte

auch selber ein Menu wählen, welches sie gerne essen würde. Dort beisst man voll auf Granit. Diese
Person ist schon länger hier. Richten die sich ein Stück weit auch eine Komfortzone ein?

[00:34:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist kein gutes Sozialverhalten. Hier stellt sich die Frage: Was bedeutet das für dich, dass Du nicht mit
den anderen mitessen kannst? Ist das Essen vergiftet? Hast Du Angst vor zu vielen Kalorien? Hier muss
man das Denken hinten dran heraus finden. Mann kann sie nicht zu Mitessen zwingen.

[00:34:58.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt auch die Interaktion.

[00:35:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Du immer mit deinem Mittagessen nebenan sitzt, das ist ein Affront für mich. Ich fühle mich als
Aussätzige.

[00:35:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht man in ein Teasing rein, dass man sagt, wie es auf einem wirkt. Willst du mir das so sagen,
oder willst Du das nicht?

[00:36:04.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man in eine Interaktion rein kommen. Nicht gleich die Haltung haben, dass die Person seine
Komfortzone verlassen muss aber man darf auch die Haltung rein bringen: Ich fühle mich brüskiert.

[00:36:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man natürlich auch weitergehen und fragen: Was bräuchte es, dass du mal von unserem
Essen probierst?

[00:36:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kaisern und Königen, da hat immer der beste Diener das Essen zuerst probieren müssen, um zu
sehen, dass er nicht stirbt, dass es nicht vergiftet ist.

[00:36:55.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sogar so etwas machen. Also okay, ich probiere jetzt, ich überlebe. Wirst du dich jetzt
getrauen, auch zu essen?

[00:37:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendein Theater machen.

[00:37:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wieder eine Interaktion. Es ist eher eine lockere Interaktion, es ist nicht: Du musst jetzt das essen.

[00:37:09.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kennt man ja von den Kindern. Früher ist man noch stundenlang am Tisch gesessen, bis man nicht
ausgegessen hat.

[00:37:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird das nicht mehr gemacht.

[00:37:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es eher so, dass jeder gerade isst was er will oder aus dem Kühlschrank holt. Das ist ein
bisschen asozial. Das gemeinsame Essen ist etwas wichtiges. Essen teilen ist etwas ganz wichtiges.
Wölfe teilen, die Affen teilen.

[00:37:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Älteste kommt dann immer zuerst dran, die Hierarchie. Hier kann man sagen: das machen wir bei
uns anders. Du darfst zuerst haben.

[00:37:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kann man verschiedene Varianten versuchen, dass man in eine Interaktion reinkommt, ein
Interaktion ohne Befehl.

[00:37:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles schon durch. Das haben schon viele ausprobiert und es hat nicht funktioniert.

[00:38:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat noch Jugendliche oder auch Erwachsene?

[00:38:22.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann diese Sachen auch mit den Erwachsenen haben.

[00:38:29.000] – Bemerkung 3
Ich habe einen Jugendlichen in einem Praktikum, sehr niederschwellig. Er hat immer allen erzählt: Ich
macht jetzt die PRA, dann einen EBA und dann einen EFZ. In diesem Jahr hat sich ein bisschen heraus
kristallisiert, dass er knapp den PRA schafft. Das ist ein kritischer Punkt für ihn, dass er sich nicht einfach
völlig entmutigen lässt und sagt: ach es bringt alles nichts. Er war viel krank, hat verschlafen und hat sich

in das Gamen reingeflüchtet. Er hat Nächte lang Computerspiele gespielt und konnte dann nicht
aufstehen.

[00:39:41.390] – Bemerkung 3
Wie kann ich ihn wieder zurück in die Begeisterung holen, die Begeisterung, welche er am Anfang hatte
aber trotzdem seine Ansprüche an sich zurückstellen.

[00:40:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen, er schafft es nicht. Wegen was schafft er es nicht?

[00:40:08.140] – Bemerkung 3
Schulisch und auch leistungsmässig. Es fehlt an beiden Orten.

[00:40:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt jetzt die Beschämung rein. Er hatte ein hohes Ziel und hat gemerkt, dass es nicht geht und
jetzt würde er am liebsten alles wieder hinschmeissen.

[00:40:20.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier darf man ihn ansprechen: Du hattest die Vorstellung, dass Du das alles kannst, du hast das auch
erzählt. Jetzt geht das nicht.

[00:40:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das ein bisschen schwierig für Dich?

[00:40:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Genierst du dich für das?

[00:40:41.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: Ja, das ist sehr verständlich. So geht es uns allen. Wir haben manchmal hochfliegende
Ziele und wir erreichen nicht alles.

[00:40:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann aber sagen: Es ist schon toll, dass du so weit gekommen bist.

[00:40:54.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man jetzt eine andere Richtung einschlagen, als das, was er im Kopf gehabt hat?

[00:41:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man ihm hilft, oben runterzukommen von den hohen Zielen.

[00:41:04.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles ist gut, er strengt sich an und wenn etwas nicht geht, dann geht es halt nicht und dann muss man
das auch akzeptieren.

[00:41:13.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man ihm hilft sanft zu landen von seinen hohen Ansprüchen.

[00:41:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so das Bild vom Icarus.

[00:41:21.320] – Bemerkung 4
Dass er nicht alles hinschmeisst, was er alles erreicht hat.

[00:41:21.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre jammerschade, wenn er alles hinschmeissen würde, was er alles erreicht hat.

[00:41:32.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ja diesen Spruch: Der Weg ist das Ziel.

[00:41:38.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht, dass er jetzt die oberste Stufe erreicht hat, sondern dass er etwas erreicht hat, ist gut.

[00:41:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man ihn lobt für das und dass man Freude hat an dem.

[00:41:49.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir stecken uns oft sehr hohe Ziele und können die nicht erreichen, dann können wir depressiv
werden, aber das bringt uns gar nichts.

[00:41:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sie ihm helfen, sanft zu landen, auf der Stufe, wo er jetzt angekommen ist, dass man da auch
Wertschätzung gibt.

[00:42:12.340] – Bemerkung 4

Ja, ich glaube, das ist der Weg, der ihm helfen kann.

[00:42:15.350] – Bemerkung 4
Depression ist ein Thema.

[00:42:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der wird depressiv. Ich sage, die Leute werden depressiv, wenn sie in einer Beziehung kämpfen und nicht
bestehen können, aber sie werden auch depressiv, wenn sie sich zu hohe Ziele gesetzt haben und die
nicht erreichen.

[00:42:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei dem jetzt der Fall.

[00:42:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum muss man ihm helfen zu landen, sonst ist er depressiv und dann macht alles keinen Sinn.

[00:42:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gar nichts macht, dann erlebt man auch sein Scheitern nicht. Dann muss man das Scheitern
auch nicht erleben. Dann muss man nichts verarbeiten.

[00:42:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Helfen sie ihm, auf diesem Niveau zufrieden zu sein.

[00:42:56.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unsere Grenzen akzeptieren. Das ist wichtig. Sonst laufen wir gegen die Wand.

[00:43:20.400] – Bemerkung 5
Sie haben viel über die 1:1 Beziehung gesprochen, die Beziehungsgestaltung. In der neuen Autorität von
Haim Omer spricht man viel über das Netzwerk.

[00:43:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beginne mit der Zweierbeziehung. Das Netzwerk ist sehr wichtig.

[00:43:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Netzwerk muss man schauen, was hat jeder für eine Rolle in dieser Gruppe. Wenn ein Netzwerk nicht
funktioniert, dann wird einer gemobbt, die anderen gehen alle auf den los. Es wird einer ausgeschlossen
oder einer zieht sich zurück.

[00:43:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche im obigen Beispiel nicht isst, die setzt einen Gruppenprozess in Gang.

[00:44:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat immer ihr eigenes Essen und alle anderen essen etwas anderes.

[00:44:27.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen wir dann schauen, was für verschiedene Rollen die haben.

[00:44:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man die, die sich raushalten oder immer nur dominant sind, die muss man bremsen.
Diejenigen, welche sich raushalten, muss man begleiten, dass sie sich mehr hinein begeben.

[00:44:36.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Google haben sie Untersuchungen gemacht, was ist das Beste, also welches Team funktioniert am
besten.

[00:44:54.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ganz viele Algorithmen durchgelaufen lassen und schlussendlich sind sie auf eine absolut
banale Binsenwahrheit gekommen. Ein Team funktioniert gut, wenn Equal Speaking Time herrscht, also
wenn alle gleich viel Redezeit haben.

[00:45:12.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man natürlich übersetzen mit: alle sind integriert und jeder hat seinen Platz. Der Leiter gibt
dann jedem wieder seinen Platz.

[00:45:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Empathie, wenn gemerkt wird, wie es dem anderen geht.

[00:45:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht einfach an allem vorbeigeht.

[00:45:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir heute alle Leute an ihrem Handy sehen, mit Kinderwagen, dort ist wenig sozialer Kontakt.

[00:45:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sozialkontakt muss gefördert werden und man muss wachsam sein, was läuft.

[00:45:34.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie merken, dass es zwischen irgendjemandem einen Konflikt gibt, dann müssen sie schauen: Was
ist der Konflikt?

[00:45:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist wichtig, dass sie ja nicht die Täter und die Opferrolle verteilen.

[00:45:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: Was ist der Konflikt? Was ist das Problem? Was hast du für ein Problem und was hat der
andere für ein Problem?

[00:46:08.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Und jetzt: wie können wir das Problem lösen?

[00:46:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sinne von Win-Win-Situation.

[00:46:14.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Haim Omer spricht man auch von gewaltfreier Kommunikation.

[00:46:18.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich übersetze das und spreche von bedürfnisorientierter Kommunikation.

[00:46:23.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Leute ihre Bedürfnisse sagen können und dem anderen sagen, was sie brauchen, und nicht
zuerst dreinschlagen, wenn die Bedürfnisse nicht befriedigt worden sind.

[00:46:32.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird alles, vernetzter, harmonischer.

[00:46:41.350] – Bemerkung 6
Was ich sehr spannend finde, ist die Elternarbeit.

[00:46:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar.

[00:46:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Machen sie von sich aus Elternarbeit mit den Jugendlichen?

[00:46:59.430] – Bemerkung 7
Ich weiss nicht, wieviel das gemacht wird.

[00:47:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen das einer Familientherapeutin, die immer mit den Eltern arbeiten will.

[00:47:14.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich die Wohngruppe Guyerweg ins Leben gerufen haben, habe ich allen Mitarbeitern immer gesagt,
dass sie Elternarbeit machen müssen.

[00:47:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müssten wir, gerade bei Jugendlichen, immer wissen, wer die Eltern sind, die auch
kennenlernen.

[00:47:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Dynamik zwischen dem Jugendlichen und den Eltern ein bisschen kennenlernen, damit man nicht ins
gleiche Fahrwasser reinläuft.

[00:47:37.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann auch noch den Eltern irgendwas mitgeben wollen, ihre Erfahrung, was funktioniert und
was nicht funktioniert.

[00:47:47.190] – Bemerkung 8
Das findet im Step-up sicher in einem gewissen Rahmen statt, weil sie ja zum Teil minderjährig sind.

[00:48:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig wäre, dass man die Eltern kennt, dass man weiss, wie sie sind, dass man allenfalls auch ein
bisschen neuralgische Punkte kennt zwischen Eltern und dem Jugendlichen da und dann nicht die
gleichen Fehler macht.

[00:48:24.270] – Bemerkung 9
Im SEMO (Programme für Jugendliche und Junge Erwachsene) findet relativ wenig Elternarbeit statt.

[00:48:24.750] – Bemerkung 9
Im Step-Up ist es ein Sondersetting. Sonst findet das bei uns wenig statt.

[00:48:34.500] – Bemerkung 9
Vielleicht scheitern wir deshalb auch immer wieder.

[00:48:50.020] – Bemerkung 10
Im Coaching-Bereich mit Jugendlichen, finde ich das schon sehr, sehr wichtig, dass man mit den Eltern
zusammenarbeitet. Es ist nicht immer gleich einfach und die Eltern sind auch nicht immer gleich motiviert.
Manchmal merkt man schon, dass sehr grosse Probleme vorhanden sind.

[00:48:54.470] – Bemerkung 10
Manchmal kann man sie lösen in einem Gespräch oder ansatzweise sich herantasten. Manchmal geht es
auch nicht.

[00:49:09.050] – Bemerkung 10
Manchmal muss man auch mit dem KESB arbeiten.

[00:49:09.260] – Bemerkung 10
Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen.

[00:49:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es.

[00:49:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher ist wichtig, dass man eine Ahnung hat, wer die Bezugspersonen sind, dass man sie mal kontaktiert
und ein bisschen sieht, wo die Position ist, dass man auch eine bisschen eine Ahnung hat von der
Interaktion.

[00:49:36.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Jugendlichen selber fragen: Was machst du, wenn der Vater das macht? Was machst
du, wenn die Mutter das macht? Was stört dich am meisten?

[00:49:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Jugendlichen befragen, in Bezug auf die Eltern.

[00:49:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal wollen die Jugendlichen total loyal sind und sagen dann gar nichts.

[00:49:52.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal schimpfen die Jugendlichen nur.

[00:49:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen ganz loyal sind, dann darf man ja nicht gegen die Eltern schimpfen, sonst
schadet man den Jugendlichen.

[00:49:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann man sie dann auch so ein bisschen necken und sagen: willst Du einmal das probieren?

[00:50:09.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich geht es dann um einen Ablösungskampf zwischen dem Jugendlichen und den Eltern.

[00:50:17.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Ablösungskampf passiert eine Auseinandersetzung und die ist nicht immer nur ruhig.

[00:50:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man die Jugendlichen ein bisschen anleiten, wie sie sich mit den Eltern auseinandersetzen
könnten.

[00:50:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sage ich so Sachen wie: Wir Eltern sind schwer von Begriff. Vielleicht müssen sie es ein paar Mal
sagen und immer wieder und auf eine ruhige Art. Nicht abschätzig reden, sondern eben
bedürfnisorientiert reden und nicht: Du bist ein blöder Idiot, Du kommst nicht draus.

[00:50:56.820] – Bemerkung 11
Die Jugendlichen können auf ihre Türe schreiben, woran sie sind. Dann wissen die Eltern, wo die
Jugendlichen stehen.

[00:51:17.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich eine gute Idee, sehr gut, darauf bin ich noch nicht gekommen.

[00:51:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man alle Fantasien haben.

[00:51:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man wahrscheinlich noch sehr kreativ sein. Hier kommt wieder das Kreative zum Zug.

[00:51:44.570] – Bemerkung 12

Im Zusammenhang mit dem Netzwerk, wenn wir den Ansatz vom gewaltlosen Widerstand nehmen, ist es
auch wichtig, dass man Verbündete hat.

[00:51:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Kinder oder Jugendliche in Therapie habe, frage ich: Hast du einen guten Freund, mit wem
kannst Du es gut, mit wem nicht?

[00:52:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich Kinder gemobbt gefühlt haben, habe ich gefragt: Mit wem hast du noch am wenigsten
Probleme? Tu dich doch mit dem Mädchen zusammen, dann seit ihr schon zu zweit, nicht als Mob gegen
die anderen, sondern einfach, dass das Kind nicht so alleine ist.

[00:52:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man die ganze Interaktion ein bisschen abfragt, das Beziehungsnetz ein bisschen abfragt.

[00:52:36.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht mehr jugendlich, sie tun mich gar nicht hochnehmen, veräppeln.

[00:52:50.780] – Bemerkung 13
Das können wir schon.

[00:53:27.430] – Bemerkung 14
Ich würde schliessen. Was mir gefallen hat, was ich insbesondere mitnehme ist, dass die Provokation
eine Kontaktaufnahme ist vom Jugendlichen zu mir und ich das eigentlich als Ehre anschauen darf wenn
ich provoziert werde.

[00:53:45.790] – Bemerkung 14
Das habe ich noch nie so gesehen. Ich habe mich provozieren lassen, auch privat und ich werde das
immer als Wertschätzung anschauen, dass die Person in Kontakt treten möchte mit mir und mich auch
ein wenig foppen möchte.

[00:54:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich sehr gut, dass sie das aufgenommen haben. Das ist eine Kontaktaufnahme und sie können
es als Kompliment anschauen.

[00:54:13.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Der lässt sie nicht einfach links liegen, der will eine Interaktion mit ihnen. Vielleicht macht er es auf eine
Art, wo sie sich zuerst ein bisschen verletzt fühlen. Wenn sie es als Kontaktaufnahme anschauen, dann
ist es wieder schön.

[00:54:33.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben sie sehr gut verstanden.

[00:54:36.410] – Bemerkung 14
Super vielen Dank! Ich freue mich auf das nächste Mal.

[00:54:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen vielen Dank für das Zuhören.