Ein Gespräch zwischen Dr.med. Ursula Davatz und Dagmar Rösler, Präsidentin Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.
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Transkript
Dr.med. Ursula Davatz, Dagmar Rösler
10.7.2021
Welche Schulen brauchen die Kinder von heute?
Audio
[00:00:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler, es freut mich sehr, dass Sie zu diesem Interview gekommen sind. Ganz herzlich
willkommen. Ich habe mir ein paar Fragen ausgedacht. Ich mache vorher immer kleine Einleitungen, aber
wir können dann auch über andere Dinge sprechen. Ich habe vor Jahren im Kanton Aargau in der
Arbeitsgruppe Gesundheitserziehung mitgemacht. Das war im Rahmen von Lehrplanrevision. Ich war in
der Untergruppe Gesundheitserziehung. Zuerst haben wir immer darüber gesprochen, was die Kinder
müssen, die Kinder sollen,, was sie alles lernen müssen. Schlussendlich haben wir alles
rausgeschmissen und gesagt, "Leben und leben lassen". Wir sind auf eine ganz freie Schiene gegangen.
Als ich meine Kinder in der Schule begleitete, dass die Kinder, und ganz allgemein sehe ich, dass die
Kinder von Natur her sehr neugierig sind und lernbegierig sind. Die Kinder wollen lernen. Es ist nicht so,
dass sie lernen abweisen. Als Psychiaterin treffe ich immer wieder Menschen an, die in der Schule eine
unerfüllte Schulkarriere hatten und die dann nicht mehr lernen wollen und sich zurückziehen. Ich möchte
sie als erstes fragen, was macht das Schulsystem, was macht man in der Schule heutzutage, um die
natürliche Neugier der Kinder aufrechterhalten zu können, respektive das nutzen zu können, dass die
Lernbegeisterung nicht unterdrückt oder abgetötet wird. Ich habe natürlich nur die Patienten, die
Menschen, die darunter gekommen sind. Es sind längstens nicht alle, das ist ganz klar.
[00:02:00.960] – Dagmar Rösler
Ich denke, wenn man von früher spricht, wie es früher war, als eure eigenen Kinder in die Schule gingen,
da ist mittlerweile sehr viel passiert. Es hat nicht nur mit dem Lehrplan 21 zu tun, es hat auch mit einem
neuen Bewusstsein zu tun gegenüber den Kindern. In der Schule versucht man heute, dort anzuknüpfen,
wo man Kinder begeistern kann. Das kann man gut machen, z.B. in Natur Mensch Gesellschaft (NMG).
Das kann das mit Liedern und Musik machen, das kann man im Sport machen, in der Bewegung. Aber
man muss auch immer sehen, dass man in der Schule den Auftrag hat, Kindern etwas beizubringen, die
für spätere Übergänge notwendig sind. Nicht alle Kinder mögen rechnen und doch müssen sie es
machen. Nicht alle Kinder mögen Deutsch oder Französisch oder nicht alle Kinder mögen turnen. Es ist
der Auftrag der Schule, den Kindern in einem gewissen Bereich etwas beizubringen. Man versucht, dort
anzuknüpfen, um Kinder neugierig zu behalten und um Kinder neugierig zu machen, wenn sie es nicht
sind. Aber selbstverständlich sind nicht alle Kinder in jedem Bereich gleich. Gleich offen, gleich neugierig.
[00:03:16.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre von Eltern, dass sie sagen, dass ein Kind zum Beispiel gerne Fussball spielt, dann hat es aber
im Französisch eine schlechte Note. Dann sagen Eltern, dass das Kind erst wieder Fussball spielen darf,
wenn es in den Noten hochgekommen ist. Das ist die falsche Strategie. Man muss das Kind machen
lassen, was es gerne macht. Das, was dann noch Pflicht ist, dazu. Aber nicht das, was es gerne macht,
was es motiviert, wegnehmen. Viele Eltern meinen, indem sie das wegnehmen, sei das Kind mehr
motiviert. Das stimmt aber nicht. Wie haben Sie das erlebt?
[00:03:55.690] – Dagmar Rösler
Das sagen Sie genau richtig. Man darf das Kind nicht bestrafen, indem man etwas wegnimmt, wo dafür
lebt und wo es dafür aufblüht. Für eine schlechte Leistung in der Schule. Ich behaupte, kein einziges Kind
und keine Jugendliche, darüber können wir noch diskutieren, macht extra schlechte Leistungen in der
Schule. Da steckt ja etwas dahinter. Entweder nicht verstanden, nicht so interessiert. Etwas ist schlecht
gelaufen ist und wenn man es dann noch bestraft, indem es nicht Fussball spiele gehen darf nicht reiten
gehen darf, das ist sicher kontraproduktiv. Dann hat man Angst, vor dem nächsten Mal wieder eine
schlechte Leistung zu machen. Das Gleiche gilt übrigens auch für eine gute Leistung zu belohnen, z.B.
Monetär mit Geld. Das erleben wir viele in der Schule, dass Kinder zu Tode betrübt sind, wenn sie nur
Note fünf gemacht haben. Man könnte hier noch ein Feld aufmachen, was Noten für Sinn und Unsinn
Noten sind. Aber dann ist für Kinder nur eine gute Leistung nicht mehr gut genug. Dann kommt das Kind
so unter einen starken Druck, weil es das Gefühl hat, nur Note sechs ist gut, weil dann erhalte ich 50
Franken. Das sind sicher Strömungen in die falsche Richtung.
[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war auch immer dagegen, dass man den Kindern Geld gibt für eine gute Note. Man hat Freude an
einer guten Note, an einer guten Leistung, an einer etwas tieferen Note. Es kommt immer darauf an, wie
das Kind begabt ist und wie es Fortschritte macht.
[00:05:26.440] – Dagmar Rösler
Genau, man muss sehen, was das Kind geleistet hat, um dort hinzukommen. Nicht das Endresultat ist
wichtig, sondern der Weg dorthin. Wenn sich das Kind extrem gut vorbereitet hat, vielleicht hat es nicht
einen Sechser oder ein Fünfeinhalber, dann kann man doch sagen, dass man gut vorbereitet war und
nicht mehr machen konnte. Jetzt hast du diese Leistung erbracht und es ist okay.
[00:05:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie auch nicht unbedingt dafür, dass wir mit Geld bezahlt. Auf keinen Fall. Da sind wir uns
einig. Das freut mich. Jetzt habe ich eine weitere Frage. Die Schweiz hat sehr viele Einwanderer, sehr
viele Migranten. Von dort her gibt es ganz viele unterschiedliche Kulturen. Zum Teil hat man gemerkt,
dass die Kinder Albanisch, Schweizerdeutsch sprechen. Wir sind ein offenes Land, wir wollen die
Kulturen auch willkommen heissen. Da frage ich: Wie geht man damit um in den Schulen und was macht
man, damit die schweizerische Kultur nicht untergeht, unter dieser ganzen Varianz?
[00:06:52.220] – Dagmar Rösler
Man muss ja immer sehen, die Volksschule ist ja der Spiegel der Gesellschaft. So wie die Gesellschaft
aussieht und die Politik funktioniert, Das ist direkt übertragbar in der Volksschule. Ich finde, wir haben
grosse Ressourcen mit den verschiedenen Kulturen, die wir nutzen können. Z.b. indem man
Sprachunterricht nutzt. Indem man sagt, wie sagt man in eurer Sprache «Grüezi»? Oder was habt ihr für
Traditionen hat. So wie wir Weihnachten oder Ostern feiern. Dass das ja auch eine Öffnung für zukünftige
Erwachsene gibt oder für zukünftige Menschen, die unsere Gesellschaft prägen werden. Ich finde das
sehr wichtig und das muss man nutzen, im Wissen darum, dass es nicht immer ganz einfach ist. Wir
haben ein schweizerisches Schulsystem, das sich auf die Schweiz ausrichtet. Da passen nicht immer alle
Kulturen 100%ig rein. Es gibt uns auch eine Chance, spontan zu bleiben, offen zu bleiben, flexibel zu
bleiben. Wenn man das richtig nutzt, ist das nur eine Chance für unsere zukünftige Gesellschaft.
[00:07:58.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bin ich ganz mit Ihnen einverstanden. Können die Lehrer damit umgehen oder brauchen sie mehr
Unterstützung? Man hat ja auch Kulturübersetzer. Die Kinder lernen sich oft gut anzupassen, aber zu
Hause ist es dann wieder eine ganz andere Kultur. Dann müssen die Kinder zwischen der
schweizerischen Kultur und der Kultur zu Hause hin und her gehen. Auch für die Kinder kann das sehr
interessant sein. Sie werden sehr flexibel. Aber manchmal ist es auch schwierig. Was macht man da?
[00:08:36.180] – Dagmar Rösler
Das ist meine Beobachtung. Dass die Kinder damit am wenigsten Mühe haben. Es ist für die Lehrerinnen
und Lehrer eine grosse Herausforderung. Diese Brücke zu schlagen und diese Gratwanderung zu
begehen. Das gelingt sicher nicht allen gleich gut. Das muss man offen und ehrlich sagen. Wir haben 1
Mio. Schülerinnen und Schüler in der Schweiz. Nur auf der obligatorischen Stufe. Dass hier immer alles
reibungslos geht, das ist nicht möglich. Wenn man als Lehrerin und Lehrer offen ist, dem Gegenüber und
im Wissen darum, dass man nicht alles genau gleich machen kann bei jedem einzelnen Schüler, dann
funktioniert das. Es ist aber ein grosser Aufwand, gerade bei Eltern, die vielleicht gar nicht so interessiert
sind, was in der Schule läuft oder was ihre eigenen Kinder in der Schule machen und wo vielleicht den
Sinn hinter einem Elternabend und einem Elterngespräch nicht so sehen. Das ist sicher mit grossem
Aufwand verbunden und da muss man auch ein bisschen Verständnis haben für die Lehrerinnen und
Lehrer, dass man da zwischendurch auch ein bisschen an die Grenzen stösst.
[00:09:38.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Bekommen die Lehrer Unterstützung in diesem Umgang mit den Eltern?
[00:09:47.440] – Dagmar Rösler
In der Regel ja.
[00:09:49.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich Hilfe?
[00:09:50.220] – Dagmar Rösler
In der Regel, um das vorsichtig auszudrücken, wollen sie es sicher zum ersten Mal alleine probieren.
Einige Lehrerinnen und Lehrer fürchten sich vor dem Scheitern, etwas nicht zu schaffen. Vielleicht ist eine
Tendenz da, dass man zu spät Hilfe holt. Aber in vielen Schulen gibt es heutzutage Schulsozialarbeiter,
die man holen kann. In vielen Schulen läuft die Zusammenarbeit mit Schulleitern und Schulleiterinnen
gut. Wenn man einen Konflikt mit Eltern hat, muss man nicht lange zögern und mit den Schulleitern
Kontakt aufnehmen und das Dritte an einem Tisch setzen. Versuchen, den Konflikt zu lösen. Irgendwann
muss man vielleicht auch sagen, wenn kein Willen von seinen Eltern vorhanden ist, dann muss man auch
nicht nach mehreren Versuchen nicht mehr zu viel Energie aufwenden und das Nötige machen. Aber
immer das Kind im Zentrum haben und für das Kind denken.
[00:10:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja, ich glaube, es war in einer Sonntagszeitung, wo Sie gesagt haben, die Eltern kommen zum
Teil wie Flaggschiffe. Wie Kriegsschiffe in die Schule. Das stimmt. Die Eltern wollen das Beste und sie
sehen nur ihr Kind. Die Lehrer fühlen sich von dem bedrängt. Als Eltern hat man manchmal das Gefühl,
man sei wie ein Schüler in der Schule. Wie könnte man diese Eltern Lehrer Beziehung noch optimieren?
[00:11:23.660] – Dagmar Rösler
Das ist eine gute Frage. Das ist eine Aufgabe, die man immer pflegen und vorwärts treiben muss. Man
muss sich darum bemühen. Das ist eine Beziehung. Wir wissen, dass jede Beziehung Pflege braucht.
Immer wieder gibt es Höchs und Tiefs. Ich glaube, es ist komplett falsch, wenn man sich gegenseitig
Schuldenzuweisungen macht. Man muss sich in der Mitte treffen, man muss sich mit Respekt begegnen,
sowohl von der Lehrerschaft als auch von Elternseite. Ich habe mal die Aussage im "Fritz und Fränzi"
gemacht, das stimmt. Man wird oft mit Forderungen konfrontiert. "Ihr müsst und ihr solltet, das macht ihr
falsch." Dann muss sich immer vor Augen führen, Seiten der Eltern, dass man vielleicht 25 Kinder in der
Klasse hat, mit 25 verschiedenen Anforderungen und dass man in der Volksschule Regeln hat, an die
man sich halten muss und dass es nicht immer allen gleich passt. Das liegt auf der Hand. Aber man muss
sich mit Respekt begegnen. Seitens der Eltern, ist man in der Schule willkommen, wenn man mit diesem
Respekt auch Aufrecht erhält und sagt, ich habe ein Problem können wir an einem Tisch darüber
sprechen?
[00:12:44.500] – Dagmar Rösler
Das mit Respekt auf den Tisch legt, dann ist das richtig. Ich muss auch noch betonen, der Grossteil von
Eltern erleben wir als Lehrerschaft als Critical Friends. Ich werde die Begriffe immer wieder erwähnen.
Die meisten Eltern begegnen Lehrerinnen und Lehrern respektvoll und wissen um die Arbeit, die
Lehrerinnen und Lehrer in der Schule leisten.
[00:13:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeitete mal mit einer Beziehungsschule zusammen, wo ich mehrere Lehrer unterstützte, bei
schwierigen Kindern. Ich fragte die Lehrerin, was sie gemacht hat, um die Beziehung Eltern – Lehrer zu
verbessern. Sie haben gesagt, sie hätten einen Stammtisch gemacht. Das verlangt von der Schule her,
dass die Eltern einen Stammtisch haben. An diesem Stammtisch können sie dann einen Lehrer dazu
einladen und ein fundiertes Thema miteinander besprechen. Da sei vieles besser geworden. Kennen Sie
dieses Modell?
[00:13:43.680] – Dagmar Rösler
Das hat mit Elternmitwirkung zu tun. In vielen Schulen nimmt das jetzt Schwung auf. Zeitlang dachte
man, Elternmitwirkung, von seiten der Schule, man könne die Eltern einsetzen für das Kuchenbacken am
Sporttag. Von Seiten der Eltern wurde es so verstanden, dass man sagen konnte, man könne mehr
Parkplätze machen. Mittlerweile hat sich das etwas angenähert. Ich betone das gerne noch einmal, wenn
man sich auf Augenhöhe begegnen kann, dann ist dieses Projekt mit Erfolg gekrönt. Aber es muss von
beiden Seiten auf Augenhöhe passieren.
[00:14:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich eine weitere Frage. Zu meiner Zeit gab es das noch nicht. Früher war der Lehrer eine
interessante Person, die alles Mögliche liefern konnte. Heute hat er sehr viel Konkurrenz vom Internet,
von den Games usw. Bei vielen Eltern ist es ein riesiges Problem, mit diesen elektronischen Spielsachen
umzugehen. Aber die Kinder müssen heutzutage auch Computer verwenden können. Man kann es nicht
einfach wegbehalten. Wie geht man damit um und wie macht man sich attraktiver als all diese
elektronischen Begegnungen und Interaktionen?
[00:15:16.180] – Dagmar Rösler
Das ist eine sehr gute Frage, ich glaube nur auf der menschlichen Ebene. Sie sprechen zwei Dinge an.
Das eine ist, dass das ganze Internet eigentlich so quasi den Wissensvorsprung, den man früher
vielleicht als Lehrerin oder Lehrer hatte, ein bisschen infrage gestellt und auch ein bisschen bedroht. Ich
glaube, da darf man heutzutage als Lehrerin oder Lehrer sagen, ich weiss es nicht, das weiss ich jetzt
genau nicht, aber ich kann es nachschauen für morgen und morgen können wir wieder darüber reden.
Ich glaube, das ist absolut legal. Das Zweite ist, die ganzen Spiele, Online, Instagram, YouTube, Sachen,
die man in der Schule brauchen muss, Aber ich denke, eine wichtige und auch eine ganz schwierige
Aufgabe der Schule ist, nicht nur auf der Primarstufe, sondern auch auf der Oberstufe, dass man das
analoge Lernen verbindet mit dem digitalen Lernen. Also das eine darf das andere nicht irgendwie
verdrängen. Weil wir wissen, es geht ja übrigens wahrscheinlich auch euch so, wenn man etwas liest,
ausdruckt, kann man es sich besser merken, als wenn man es auf einem Bildschirm liest. Wenn man
etwas mit der Hand schreibt, dann ist es anders als wenn man es mit der Tastatur schreibt. Es hat einen
anderen Zugang ins Hirn.
[00:16:37.920] – Dagmar Rösler
Damit muss man in der Schule spielen. Das muss man wissen. So wie ich die Schule erlebe, ist man
offen für die digitale Transformation in der Schule. Im Wissen aber darum, dass man das Haptische nach
wie vor nicht vernachlässigen darf. Singen, Turnen, das kann man nicht ersetzen durch digitale
Erlebnisse. Das sind ja alles Vorteile, die man in der Schule hat. Wo bietet man noch so viel Abwechslung
und Möglichkeiten, wie es die Schule heutzutage hat?
[00:17:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich denke, das könnte ich so unterstützen. Es ist ein persönlicher Kontakt, der nie über das Internet
gleich ist.
[00:17:24.440] – Dagmar Rösler
Das haben wir in der Corona Krise gemerkt. In diesen zweieinhalb Monaten Lockdown haben wir
gemerkt, wie wichtig auch die Begegnung ist und die Menschen vor Ort um nachhaltig lernen zu lernen.
[00:17:35.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Sie sagen, erlebe ich auch so. Wenn man etwas von Hand aufschreibt, hat es eine andere Wirkung,
als wenn man es mit der Schreibmaschine aufschreibt.
[00:17:45.460] – Dagmar Rösler
Ja, und es geht kleinen Kindern wahrscheinlich noch viel mehr so als den Erwachsenen.
[00:17:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Lehrplan 21 gibt es ein Konzept. Ich repetiere jetzt das Wort, das ich aufgeschnappt habe. Das heisst
Binnendifferenzierung. So wie ich das verstand, interpretiere ich das für mich, dass man die einzelnen
Individuen, also Kinder innerhalb des Kollektivs, Individuum sein lässt. Dass man sowohl auf das
Einzelne Rücksicht nimmt, aber natürlich auch auf die Gruppen. Wie würden Sie als Lehrerin das Wort
noch ein bisschen besser definieren?
[00:18:33.480] – Dagmar Rösler
Sie beschreiben das sehr gut. Ich vermeide bei Binnendifferenzierung das Individualisieren.
Individualisieren impliziert, dass man jedes Kind separat betreut, behandelt oder mit Stoff versorgt. Das
ist innerhalb einer Klasse in diesem Rahmen gar nicht möglich. Aber Binnendifferenzierung macht etwas
ganz Wichtiges, was der Lehrbahn 21 vorangetrieben hat, aber auch schon die Inklusion oder die
schulische Integration. Dass man anerkennt, dass es verschiedene Leistungsniveaus in einer Klasse gibt.
Dass man die Leistungsniveaus berücksichtigt in der Vorbereitung des Unterrichts. Man ist heutzutage
davon weggekommen, dass am Schluss des Tages, am Schluss der Lektion oder am Schluss des
Quartals alle am selben Ort sind. Das ist gar nicht möglich. Spätestens seitdem verschiedene Kinder mit
verschiedenen Anforderungen, Möglichkeiten und Niveaus in einer Klasse sind. Wir haben zum Teil
Sonderschüler in der Klasse. Wir haben Kinder mit Teilschwächen in der Klasse, mit Dyskalkulie, Dyslexie
usw. Denen muss man ja irgendwie Rechnung tragen in einer Klasse. Das kann man nur, indem nicht alle
am gleichen Ort am Ende des Tages sind. Binnendifferenzierung ist auch, dass man einem Kind mal sagt,
das musst du jetzt nicht machen. Dass man einem anderen Kind sagt, mach doch noch weiter, da hat es
noch Zusatzmaterial hat. Oder versuch mal, diese anspruchsvolle Aufgabe zu lösen und den anderen zu
erklären.
[00:20:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dürfte man da auch andere Noten machen? Wenn man Noten macht, muss man die Einteilung, also die
Bewertung des Kindes immer nach dem Klassendurchschnitt machen? Oder könnte man auch Noten
machen, du bist zwar nicht so gut, aber du hast dich sehr angestrengt und man macht dann eine
Fortschrittsnote. Ist das möglich?
[00:20:35.530] – Dagmar Rösler
Ich glaube, das wäre dann wirklich das langzeitige Ziel.
[00:20:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte man eigentlich?
[00:20:40.770] – Dagmar Rösler
Lehrerinnen und Lehrer haben zunehmend ein bisschen, wenn man das sagen darf, Schwierigkeiten,
Noten zu setzen in diesem Umfeld, in dem sie jetzt sind. Ein gutes Beispiel ist Eintritt in die erste Klasse.
Es gibt Kantone, dort wird in der ersten Klasse bereits benotet. Jetzt haben wir aber im Lehrplan 21
Zyklus 1, der geht vom ersten Kindergarten bis in die zweite Klasse. Jetzt können Kinder in die erste
Klasse, die bereits rechnen, lesen und schreiben können. Warum auch immer, vielleicht weil sie zu Hause
gefördert sind, vielleicht aber auch weil sie sich selber beigebracht haben, weil sie drei ältere Geschwister
zu Hause haben, wo sie das einfach abgeschaut haben. Dann gibt es Kinder, die haben im Eintritt in die
erste Klasse noch kein einziges Buch in der Hand gehabt haben, von zu Hause aus. Wie benotet man
jetzt diese? Die, die schon rechnen und lesen und schreiben, haben eine 6 und die, die es noch nicht
können, was haben die für eine Note? Ich habe das immer so versucht beizubringen oder zu erklären. Es
ist definitiv ein grosser Widerspruch in der Schule, innerhalb von Binnendifferenzierung und Integration,
gleichzeitig Kinder mit Noten zu beurteilen, indem man am Schluss eines Themas alle mit dem gleichen
Test bedient.
[00:21:57.250] – Dagmar Rösler
Jetzt könnte man sagen, es sei einfach, es gibt drei verschiedene Tests mit drei verschiedenen Niveaus.
Aber das geht auch nicht, weil wir zuerst die Eltern aufs Boot holen müssen.
[00:22:11.140] – Dagmar Rösler
Das wurde versucht, mit den drei verschiedenen Niveaus. Das ist nicht verstanden worden von den
Eltern, wenn ihr Kind immer im untersten Niveau den Test machen muss.
[00:22:22.440] – Dagmar Rösler
In Sachen Beurteilung, jetzt auch mit dem Lehrplan 21, mit einer kompetenzorientierten Beurteilung,
muss noch ganz viel passieren, damit man dort auch kindgerecht beurteilen kann.
[00:22:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist man dran?
[00:22:38.500] – Dagmar Rösler
Ja, man versucht es. Ist ein langer Weg.
[00:22:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das glaube ich schon. Sind die Eltern da hauptsächlich der Knackpunkt oder der Bremser?
[00:22:50.560] – Dagmar Rösler
Auch, es gibt natürlich auch Lehrerinnen und Lehrer, die sagen, dass sie auf der sicheren Seite sind,
wenn sie ein Bewertungssystem mit Zahlen von eins bis sechs brauchen können. Aber ich denke schon,
dass das Umdenken in der Gesellschaft passieren muss. Noten sind etwas Bewährtes und ein einfaches
System, aber es hat überhaupt nichts mit Gerechtigkeit zu tun.
[00:23:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Aber viele meinen, es gehe um Gerechtigkeit.
[00:23:21.960] – Dagmar Rösler
Es ist ein Thema, das die Gesellschaft spaltet. Nicht nur innerhalb der Elternschaft, sondern auch
innerhalb der Lehrerschaft.
[00:23:32.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das sehr schön gesagt. Wir dürfen nicht mehr das Ziel erreichen, dass alle gleich weit sind am
Schluss. Ich gehe immer in die Biologie und sage, eine homogenetische Gesellschaft überlebt weniger
gut als eine heterogenetische. Es ist ein Vorteil, wenn die Kinder verschiedene Talente haben und sich
gegenseitig ergänzen können und jedes kann von dem anderen wieder etwas lernen. Als Ganzes sind sie
dann stark.
[00:24:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat immer so die Tendenz, man meint es sei einfacher, wenn man immer den gleichen
Leistungslevel verwendet. Ich denke, da ist das Recht zu fest. Sie sprechen immer von Gerechtigkeit,
aber es geht überhaupt nicht um Gerechtigkeit.
[00:24:23.640] – Dagmar Rösler
Nein, es geht darum, das Kind als Individuum anzuschauen. Das geht uns auch so. Ich bin auch nicht
überall gleich gut. Ich glaube, es ist auch der Perfektionismus, wo drinnen stecken. Überall müssen wir
gut sein und überall den Stress, den wir uns anmachen, perfekt sein und erfolgreich sein. Hervorzuragen.
Man muss auch dem Kind zuliebe davon wegkommen. Jeder Mensch kommt auf die Welt und hat seine
Stärken. Die Schule hat dort eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die Kinder dort zu stärken, wo sie gut
sind. Sie dort zu fördern, wo sie noch Förderbedarf haben. Aber es ist okay, wenn nicht jeder ein
Spitzensportler ist oder hochbegabt in Musik oder Mathematik oder an der ETH studieren geht. Das ist
völlig okay. Diese Erkenntnisse muss man noch weiter und vorwärts treiben. Nicht jeder muss studieren
können, damit unsere Gesellschaft funktioniert.
[00:25:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie gab es einen Familientherapeut, Ivan Boszormenyi-Nagy, in den USA,
ursprünglich aus Ungarn. Er hat den Begriff "multiparteiliche Gerechtigkeit" geprägt. Innerhalb eines
Familiensystems sind ja alle verschiedene Individuen. Man kann es für jeden gerecht machen, aber für
jeden ist eine andere Gerechtigkeit. Ich denke, das muss der Lehrer auch lernen, dass er sagen kann,
von dir kann ich das anfordern, von ihm nicht. Sei doch froh, dass du es schon kannst, und er kann es
noch nicht. Ich muss ihn ja nicht dafür bestrafen, dass er noch nicht kann.
[00:26:10.530] – Dagmar Rösler
Was ich erlebe, ist das schon sehr in den Schulen ankommen.
[00:26:17.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Schön.
[00:26:17.900] – Dagmar Rösler
In Weiterbildungen, die Lehrer jährlich machen, freiwillig und obligatorisch, wird das viel mehr
angeschaut, wie man in einer Klasse das Klima gut hält, wie man die Stärken und Schwächen der
Schüler gut nutzen kann. Oder wenn man z.B. Gruppenarbeiten macht, weiss man ganz genau, wer man
zusammen tun muss. Da gibt man bestimmten Schülern gewisse Aufgaben. Nicht immer den gleichen,
den Gruppenleadern. Sondern man weiss ganz genau, wenn ich den dort einsetze, funktioniert das in
dieser Gruppe hervorragend. Ich wehre mich immer ein wenig, gegen allgemeine Aussagen, die sagen,
die Schulen tun ja nicht. Dann hat man im Hinterkopf die Schule, wie man sie von früher kennt. Aber wir
sind im 21. Jahrhundert und in der Volksschule ist unglaublich viel passiert in den letzten 20 Jahren.
[00:27:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer mit denen zu tun, die rausfallen oder schwierig sind. Sie wissen wahrscheinlich, ich
interessiere mich speziell für ADHS Kinder. Da erlebe ich dann immer wieder Kinder, die nicht gut
reinpassen, respektive die Lehrer wissen nicht, wie man mit ihnen umgeht. Die Schule hat den Auftrag,
ein gewisses Normverhalten, eine Sozialisierung wieder zu bringen. ADHS Kinder sind oft schwieriger zu
sozialisieren. Das heisst, sie brauchen länger, bis sie die Regeln lernen und verstossen zum Teil auch
mehr gegen die Lehrer. Da habe so Sachen erlebt, dass ein Kind, das waren Ausländerfamilien. Das Kind
lief immer davon, weil eine Lehrerin so laut sprach und er es nicht ertragen hat. So hat er es erzählt. Die
Mutter brachte es nicht fertig, dass das Kind in die Schule ging. Am Morgen kam dann die Polizei, holte
das Kind ab und brachte es in ein Heim. Es ging dann weiter. Der Vater ging mit dem Kind ins Ausland,
also ins Heimatland. Der Vater hat dann den Pass weggenommen und das Kind konnte nicht mehr
zurückkommen. Das lief alles über die KESB. Ausser Spesen nichts gewesen. Dem Kind und der Mutter
war nicht gedient. Ich habe noch mitgemacht oder unterstützt von der KESB, dass man hier eine
professionalisierte Institution hat, die bei sozialen Problemen hilft.
[00:29:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dann passiert, dass bei vielen Problemen, gibt man alles an die KESB und die sind auch
überfordert. Wie könnte man die Sozialisierung der ADHS Kinder in den Schulen verbessern. Wenn ich
als erfahrene Psychiaterin mein Wissen der Heilpädagogischen Schule (HPS) anbieten wollte, z.B. als
Weiterbildung, bin ich immer auf Granit gestossen. Es heisst immer, wir haben das alles, wir brauchen
das nicht. Da möchte ich Sie jetzt mal gerne fragen, als Präsidentin des Schweizerischen
Lehrerverbandes. Was könnte man noch machen, damit man das Know-How besser in die Schule tragen
kann? Ich habe über 40 Jahre Erfahrung im Umgang mit ADHS Kindern und Eltern. Ich bekomme dann
auch Eltern, die sagen, wir waren beim KESB, wir haben einen Lerncoach bekommen, wir haben das
bekommen. Es hat alles nichts gebracht, weil sie nicht gewusst haben, wie man mit den ADHS Kindern
umgehen muss. Wenn ich die Eltern berate und sie lernen, wenn ich die Lehrer berate und sie lernen, mit
ADHS Kindern umzugehen, dann ist es auf einmal relativ einfach. Was sagen Sie dazu?
[00:30:25.200] – Dagmar Rösler
Das ist jetzt ein bisschen viel. Wo soll ich anfangen? Ich glaube, die Schulen bzw. die Lehrerinnen und
Lehrer sind viel mehr sensibilisiert als früher, wenn es um ADHS Kinder geht. Heutzutage gibt es in der
Regel gut ausgebildete Heilpädagoginnen und Heilpädagogen in den Schulen, die in der Ausbildung
gelernt haben, wie man mit solchen Kindern umgeht. Im besten Fall funktioniert die Zusammenarbeit
zwischen Klassenlehrperson und Heilpädagogin gut. Man unterstützt sich so. Im noch besseren Fall holt
man die Kinder an den Tisch und die Eltern und versucht, zusammen Lösungen zu finden. Man ist sich
heute gut und stark bewusst, dass man die Kinder in der Schule ein bisschen anders behandeln muss,
ohne dass es in einer Klasse gerade so offiziell wirkt in einer Klasse. Aber es ist und bleibt eine
Herausforderung in einer Klasse, ein ADHS Kind richtig zu betreuen. Sie brauchen sehr viel positive
Verstärkung, obwohl es manchmal schwierig ist. Sie brauchen sehr viel individuelle Betreuung und ganz
feine Botschaften, damit man sie auf seiner Seite hat.
[00:31:52.100] – Dagmar Rösler
Sie fragen jetzt, wie sie ihr Wissen an die Schule weiterbringen könnt. Vielleicht ist es nicht ganz unrecht,
wenn Sie von den Institutionen Rückmeldungen erhalten, wir sind eigentlich gut abgedeckt. Denn es gibt
wirklich wahnsinnig viele Fachleute, die sich diesem Thema annehmen. Es gibt auch
Lehrerweiterbildungen, die sich diesem Thema annehmen. Es gibt viel Fachliteratur. Ich würde einfach
versuchen, mit einem guten Angebot auf die Schule zuzugehen. Es dürfte bei Lehrerinnen und Lehrern
oder in der Schule auf keinen Fall belehrend wirken. Nicht, dass ich euch so erlebe. Aber es dürfte bei
Lehrerinnen und Lehrern nicht so überkommen, wie, du hast bis jetzt einfach alles falsch gemacht, hast
keine Ahnung und ich sage dir jetzt, wie es geht.
[00:32:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist klar.
[00:32:43.610] – Dagmar Rösler
Ich glaube, dann macht man relativ schnell wieder die Türe zu. Aber ich unterstelle euch das nicht, dass
ihr das gemacht habt. Ich erlebe euch überhaupt nicht so.
[00:32:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann so den Spruch gemacht "Never teach a teacher". Ich habe schon Lehrerfortbildungen
gemacht. Ich habe schon bei Lehrerfortbildungen mitgemacht. Das ist ganz klar. Man darf sie nicht
einfach belehren. Ich wurde von verschiedenen Schulen angefragt. Dann lief es sehr gut. Das Problem
beim ADHS ist, dass man von der medizinischen Seite her sagt, dass das eine Krankheit ist. Dann hört
man schon von Eltern, die sagen, der/die LehrerIn sagt, wenn das Kind nicht Ritalin nimmt, kann ich es
nicht beschulen. Ritalin fokussiert nur die Aufmerksamkeit. Das ist gut für die Schule. Aber es fördert alle
anderen Eigenschaften der Kinder nicht. Ich hatte ein Beispiel eines Schulverweigerungskindes. Das
Kind kam in die Klinik. Die Mutter musste noch in der Klinik schlafen mit dem Kind. Es funktionierte alles
nicht. Die Kinder kamen zu mir. Ich nahm das Kind sogar für eine kurze Zeit aus der Schule genommen.
Dann wieder eingeschult nach den Skiferien. Ich habe dann veranlasst, dass der Lehrer nach Hause
geht, dass es ihn kennenlernt, zu dem es neu gehen muss. Das hat dann auch geklappt. Am Montag hat
es dann nie geklappt. Wissen Sie warum? Dort war die Heilpädagogin. Es wollte nicht aus dieser Gruppe
herausgenommen werden, Spezialbehandlung. Das haben die oft gar nicht gerne. In diesem Sinne würde
ich sagen, dass man viel mehr die Lehrer unterstützen muss. Vielleicht in der Klasse unterstützen. Zum
Teil hat man auch die Schulassistenten. Ich habe solche begleitet, die sehr gute Arbeit gemacht haben.
Man muss viel mehr das Umfeld unterstützen, als sich nur auf das Kind fokussieren.
[00:34:50.130] – Dagmar Rösler
Ja, unbedingt.
[00:34:51.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mögen die Kinder gar nicht. Sie wollen ja nicht krank sein, sie wollen nichts Spezielles. Eigentlich
muss das Umfeld lernen besser mit dem Kind umzugehen. Ich nehme die Kinder auch gar nicht in die
Therapie. Ich berate nur die Eltern, damit sie mit dem Kind besser umgehen lernen. Wenn sie das lernen,
werden sie belohnt, und dem Kind geht es auch noch besser.
[00:35:11.560] – Dagmar Rösler
Die Schwierigkeit ist, dass sich zwei Ebenen, zwei Gebiete miteinander vermischen. Die Eltern, das
Zuhause und die Schule. Die Schule kann auf Schulebene, auf Klassenebene und auf Schülerebene
arbeiten. Ich denke, man ist sich da recht bewusst. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass es ein
Kind ist, ein Kind in einer Klasse, und es sind vielleicht noch 19 oder 22 andere, die noch Bedürfnisse
haben. Das ist die Schwierigkeit in der Schule. Vielleicht gibt es wirklich Situationen, in denen man als
Lehrerin oder als Lehrer ansteht und nicht mehr weiter weiss. Dann muss man in der Schulstruktur
Möglichkeiten haben, wie man sich Rat holen kann, wie man mit jemandem zusammenarbeiten kann,
dass es in der Klasse und mit dem Schüler, mit der Schülerin besser läuft. Aber es bleibt eine
Herausforderung in der Schule, auch für Eltern.
[00:36:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich allen Lehrern raten, dass sie eher früher Hilfe holen. Dass man die ganze Dynamik
wahrnimmt und vielleicht punkto Sozialkompetenz in der Klasse etwas ändern kann. Ich hatte ein sehr
sensibles ADS Kind. Mit der Lehrerin hatte das kein Problem. Aber die Lehrerin hatte mit den schwierigen
Schülern Probleme. Dann lief eine Dynamik ab, die sehr viel Zeit, also sehr viel Energie aufsaugte. Das
Kind ging aus Protest nicht mehr in die Schule. Es hat das Klassenklima nicht ertragen. Schlussendlich
ist das Kind das Problem, weil es eine Schulverweigerung macht. Gerade ADHS Kinder sind sehr
sensibel und sehr gerechtigkeitsliebend. Nicht nur ihnen gegenüber, sondern auch im ganzen Kollektiv.
Wenn sie etwas sehen, das nicht recht ist, dann fangen sie an zu reagieren. Die Schulverweigerung ist
eins. In dieser Schule hätte ich auch beraten wollen, aber sie hatten alle Programme voll und ich muss
das einzelne Kind versuchen wieder in die Schule zu bringen. Ich hoffe, wir bringen es hin mit einer
neuen Lehrerin und es ist alles vorbereitet. Hier fände ich es schön, wenn die Schule früher schon
Unterstützung holt, um ein anderes Know-How reinzubringen. Dass man nicht nur mit dem medizinischen
Modell geht, dass das Kind eine Diagnose hat, muss Medikamente nehmen und dann ist alles in
Ordnung.
[00:37:44.270] – Dagmar Rösler
Ja, unbedingt früh genug eingreifen oder handeln. Das ist ganz sicher wichtig. Das sehe ich auch so. Ich
habe es vorhin schon etwas angetönt. Es ist natürlich ein bisschen weit… Es wird eben auch als
Scheitern angeschaut, wenn man sich Hilfe holen muss.
[00:38:07.390] – Dagmar Rösler
Lehrerinnen und Lehrer können heute die gesellschaftlichen Probleme nicht mehr alleine lösen. Es gibt
ein Konzept, das Fahrt aufnimmt, das heisst Bildungslandschaften. Man sieht, dass es um ein Kind zu
erziehen, braucht es mehr als nur die Schule. Es braucht eine Landschaft, die die Kinder und die Schüler
und die Lehrerinnen stützt. Mittlerweile gibt es so viele Themen, die die Schule lösen sollte. Das ist gar
nicht mehr möglich alleine. Wir begrüssen jede Schule, die Schulsozialarbeit hat, die gut ausgebildete
Heilpädagoginnen und Heilpädagogen anstellt, damit man das zusammen stützen kann, bevor solche
Kinder als Verhaltensauffällung abgestempelt werden.
[00:39:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde dafür plädieren, dass die Lehrer sich getrauen Hilfe zu holen, dass sie nicht so einsam
kämpfen und verzweifeln.
[00:39:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich eine weitere Frage. Kinder bilden ja Beziehungen innerhalb der Klasse. Gewisse haben
Best Buddies, also eine ganz enge Freundschaft. Da habe ich, als meine Kinder zur Schule gingen, aber
auch jetzt, habe ich ab und zu festgestellt, dass man versucht hat, diese Freundschaften zu trennen. D.h,
wenn ein Klassenwechsel kam, hat man alles neu aufgemischt und dann so enge Freundinnen
auseinandergenommen. Ich frage mich, was die Motivation der Lehrerschaft ist, dass man so etwas
macht. Eine gute Beziehung wäre ja etwas Schönes.
[00:39:53.240] – Dagmar Rösler
Das Wichtigste fast. Ganz sicher ist, dass es keine Motivation der Lehrerschaft gibt, Kinder bewusst zu
trennen, um ihnen etwas Böses zuzufügen. In den allermeisten Fällen hat das mit der Schulorganisation
zu tun. Es sind nicht nur die Lehrer, die das machen, sondern die Lehrer, die es ausführen müssen. Es
hat damit zu tun, dass die Klassen eine bestimmte Grösse haben müssen. Wenn sie diese Grösse
unterschreiten oder überschreiten, muss man sie trennen. Es hat damit zu tun, dass man vielleicht in
einem grossen Ort mit mehreren Schulhäusern Klassen auffüllen muss, damit sie die Mindestgrösse
erreichen. In einem anderen Ort die Klassen verkleinern muss, damit sie nicht zu gross sind. Das sind
immer organisatorische Angelegenheiten, in denen man sagt, dass man zwei dritte Klassen hat. Eine ist
15 Schüler gross und die andere 30. Dann muss man die 30iger Klasse aufteilen. Sonst ist es nicht
gerecht. Das hat meistens mit dem zu tun. Oder es hat mit Schulwegen zu tun. In den
Quartierschulhäusern sieht man einen Jahrgang. In diesem Quartier gibt es eine grosse Klasse und in
einem anderen Quartier eine kleine Klasse. Also muss man Schüler dieses Quartiers, ein paar davon,
rüber nehmen. Das hat nie damit zu tun, dass man Freundschaften auseinandernehmen will. Ganz sicher
nicht. Das wäre pädagogisch höchst fragwürdig.
[00:41:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre falsch. Bei Kindern aus der Klasse meiner Kinder hat man extra gesagt, man trenne sie.
Vielleicht macht man das jetzt nicht mehr. Ich habe mich schon mal eingemischt bei einem sehr scheuen
Kind. Es war eine schwierige Familie. Ich habe gefragt, ob es nicht geht, mit dem anderen Kinder
zusammen in die Schule zu gehen, das kennt es schon und dann hat es einen besseren Übertritt. Da ist
die Schulleiterin nicht so erfreut, dass ich mich eingemischt habe. Mir ging es natürlich um das Wohl
dieses Kindes. Es war einerseits eine schwierige Familie mit drohender Heimplatzierung. Aber ich glaube,
sie hat es dann doch gemacht.
[00:42:16.960] – Dagmar Rösler
Wisst ihr, wenn man natürlich diese Türen öffnet und sagt, ihr dürft sagen, wo euer Kind ist, dann hat man
wohl nichts anderes zu tun für den Resten vom Schuljahr.
[00:42:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir auch bewusst.
[00:42:34.160] – Dagmar Rösler
Sie wissen ja, dass alle Eltern für ihre Kinder nur das Beste wollen. Aber jeder hat einen ganz anderen
Zugang.
[00:42:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich eine Büchse der Pandora. Genau. Das dürfen die Lehrer von Anfang an nicht zulassen.
Aber wenn ich eine schwierige Situation sehe, versuche ich mich einzusetzen. Manchmal komme ich
auch durch. Dann bin ich sehr froh. Wenn ich sehe, wie die Kinder, wenn ein wichtiger Übertritt nicht recht
läuft, was das für Folgen haben kann, für Lawinen und schlussendlich im Gesundheitswesen für Kosten
verursacht, dann denke ich, ich muss eingreifen, damit es gut läuft.
[00:43:18.440] – Dagmar Rösler
Das ist sicher nicht falsch.
[00:43:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben Sie nichts dagegen?
[00:43:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei delinquenten Gruppen will man aufteilen, weil sie sonst zu stark sind. Solches kann es wahrscheinlich
auch geben. Bei eieiigen Zwillinge ist die Frage, nimmt man sie zusammen, nimmt man sie auseinander?
Wann nimmt man sie auseinander? Da habe ich auch schon einige Familien begleitet.
[00:43:48.180] – Dagmar Rösler
In der Schule macht man das immer in Zusammenarbeit mit den Eltern.
[00:43:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mich fragen die Eltern, was ich denke. Bei jedem Zwilling ist es wieder etwas anders. Aber das ist immer
eine heikle Sache. Das muss man mit den Eltern zusammen machen.
[00:44:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt frage ich Sie als Lehrerin. Sie haben vorher schon etwas gesagt. Ich versuche nicht, allzu belehrend
zu sein, aber manchmal kann man nicht anders. Was schlagen Sie uns, Psychiater und
Familientherapeuten, vor? Was schlagen Sie mir vor? Wie soll ich vorgehen, damit ich von der Schule
akzeptiert werde? Gerade jetzt, auch bei einem schwierigen Kind. Ich merke natürlich, ich setze mich für
die Familien und das Kind ein, weil ich eine schlechte Entwicklung sehe. Oft fühlen sich die
Schulbehörden sehr auf die Füsse getrampelt. Man kann es natürlich nicht bei jedem machen, etc. Aber
wenn ich denke, ich kann da etwas Wichtiges verändern und etwas verhindern, also ich sage, Prävention
ist richtig Handeln im kritischen Augenblick. Ich sehe einen kritischen Augenblick, was schlagen Sie mir
vor, was ich noch verbessern könnte, damit ich besser Zugang zum Schulsystem bekomme.
[00:45:22.060] – Dagmar Rösler
Zuerst steht sicher ein Verständnis für die Situation der Schule, der Lehrerin oder vom Lehrer. In welcher
Situation sich die befinden. Ihr befasst euch mit einem Kind, mit einer schwierigen Situation, in der
vielleicht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht alles richtig gelaufen ist in der Schule. Aber es ist ein
Kind in einem Klassenverband, wo es vielleicht noch andere Herausforderungen hat. Dann muss man
auch immer sehen, dass Lehrerinnen und Lehrer sind keine Psychologen sind, sie sind Pädagogen. Aber
sie haben nie das Wissen, das ihr habt. Sie haben einen anderen Auftrag. Sie haben den Auftrag, Kinder
in einem Klassenverband oder in einer Gruppe stofflich, aber auch ein bisschen erzieherisch oder im
gesellschaftlichen Sinn weiterzubringen. Ich würde anklopfen und offen sein und sagen, das Kind sei bei
euch in Behandlung. Ein Gespräch suchen, ob man zusammen an einen Tisch sitzen kann. Nicht im
Sinne von "Ich muss euch weiterbilden, weil ihr etwas nicht verstanden habt". Sondern "Können wir
zusammen sitzen und ein Gespräch zusammen suchen"? Dann sind die Lehrerinnen und Lehrer in der
Regel offen. Denn sie sind in der Regel bestrebt, den Konflikt oder die schwierige Situation zu lösen. Ich
glaube, ich habe es vorgesagt, auf keinen Fall belehrend.
[00:46:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mache ich auch. Ich nehme Kontakt auf mit Lehrerinnen, mit Schulleiterinnen, mit
Schulsozialarbeiterinnen, mit Schulpsychologinnen, in Bezug auf das Kind. Wenn ich das Kind habe und
die Eltern, frage ich auch immer nach der Dynamik in der Klasse. Ich habe auch schon Kinder beraten,
Mobbing ist auch ein Thema, wenn sich Kinder gemobbt fühlen. Ich versuche, das Kind zu beraten, wie
es vorgehen kann, damit es wieder besser in die Klasse kommt. Ich habe auch einmal in einer Schule ein
Kind, das immer abgehauen ist, den Vorschlag gemacht, zusammen mit den Klassenlehrern, dem
Schulleiter und den Eltern haben wir abgemacht, dass das Kind von einem anderen Kind jede Woche
begleitet wird. So haben alle Kinder die Möglichkeit, das Kind besser kennenzulernen. Es hätte das Kind
beschützen dürfen, aber es hätte auch sagen dürfen, wenn etwas nicht ganz so gut ist. Das lief dann gut
und er war wieder gut integriert. Das war ein Bub, der immer davon gerannt ist. So bin ich frei, also offen,
alle möglichen Dinge auszuprobieren. Aber ich muss immer aufpassen, dass ich nicht auf den
Widerstand stosse.
[00:48:19.720] – Dagmar Rösler
Ja, das kann ich ein bisschen schon verstehen. Dann muss man ja auch immer all den betroffenen
Kindern sagen. Man darf es nicht zu hoch hängen, man muss es ernst nehmen, aber man darf es nicht
als alleiniges Thema machen. Manchmal braucht es einfach Zeit, bis sich die Schülerinnen und Schüler in
einer neuen Situation gefunden haben. Aber ich glaube nicht, dass wenn man auf Augenhöhe mit
Lehrerinnen und Lehrern spricht, man Widerstand bekommt, ausser sie sagen, sie hätten schon die
Schulpsychologin, die Heilpädagogin und die Schulsozialarbeiterin drin. Das reicht, oder?
[00:49:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen die zum Teil auch und dann sage ich, ja, aber ich bin Systemtherapeutin und ich schaue das
Ganze an. Ich will eben nicht das Singulare und das Kind immer rausnehmen und alle auf das Kind. Die
Kinder mögen es ja gar nicht. Ich will ja eigentlich wirklich das System stärken. Ich sage dann auch, sie
können mich jederzeit anrufen, wenn sie wieder Schwierigkeiten haben, dann analysieren wir es, dann
kann ich auch wieder einen Tipp geben. Also ich denke, es wäre wahrscheinlich wichtig, Ja, schön, wenn
die Lehrer sich nicht so auf den Fuss getrampelt fühlen. Ich will nur die Lehrer unterstützen, ich will sie
nicht belehren.
[00:49:40.920] – Dagmar Rösler
Das ist sicher der richtige Ansatz.
[00:49:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich noch eine Frage. Kennen Sie das? Ich bin erst letztens darauf gestossen, das heisst
Evolutionspädagogik.
[00:49:54.580] – Dagmar Rösler
Ich kenne es zu wenig.
[00:50:01.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Ärztin… Wir haben ja Biologie studiert. Wenn ich mit krankhaften Sachen umgehen muss, gerade in
der Psychiatrie, dann schaue ich bei allen Symptomen, was die für einen evolutiven Wert innerhalb des
ganzen Prozesses haben. Von dort her habe ich es nicht gekannt. Von der Anpassung zur Entfaltung. Ist
ein guter Begriff. Ich gehe zurück zu den ADHS Kindern. Mädchen passen sich dann zu oft an, oft gegen
ihr eigenes Naturell. Wenn man sich zu oft anpasst, dann beutet man sich aus und wird im erwachsenen
Alter krank, in der Schule ging es gerade noch. Stichwort Binnendifferenzierung, ich meine nicht nur die
Individualisierung, sondern dass die Talente innerhalb einer Klasse gut zum Tragen kommen. In dem
Sinne hat mich die Evolutionspädagogik noch interessant gedünkt. Ich schaue es mal an, was sie so
machen. Evolution ist ja ein sehr interessanter Lehrmeister. Da kann man schauen, wie sich Dinge
entwickelt haben und wie aus zum Teil schwierigen Dingen neue Sachen sich entwickeln, die dann wieder
einen neuen Weg zeigen.
[00:51:33.120] – Dagmar Rösler
Das hat ja auch ein wenig mit lebenslangem Lernen zu tun. Wir sind nie fertig mit Erkenntnissen.
Vielleicht sagt man in fünf Jahren, man habe eine ganz neue Erkenntnis mit ADHS Kindern, wie man mit
ihnen umgehen muss. Das wissen wir nicht. Ich glaube, wichtig ist einfach, dass man offen bleibt für
Neues und dass man immer interessiert bleibt und neugierig bleibt, wie man auf seinem Berufsweg oder
in seinem Lebensweg weitergehen kann.
[00:51:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war einmal an einer Lehrertagung in Heidelberg gewesen. Ich durfte einen Vortrag halten. Ich weiss
nicht mehr genau, wie er hiess. "Hintergründe zum Lernprozess". Wenn es langweilig ist, lernt man nicht
viel, wenn es zu stressig ist, lernt man auch wieder nichts mehr. Man muss immer gleich den richtigen
Level von Interessen wecken können, beim Kind und bei den Lehrern. Der Lehrer und die Lehrerin sind
immer auch ein bisschen ein kleiner Unterhalter. Er muss die Aufmerksamkeit immer wieder holen. Dort
ist mir aufgefallen, das ist natürlich auch schon lange her, das ist jetzt vielleicht anders; der ganze Abend
war durch strukturiert. Ich hätte so gerne spontane Interaktionen mit verschiedenen Leuten gehabt. Aber
ich denke, da ist es jetzt auch ein bisschen anders.
[00:52:55.300] – Dagmar Rösler
Es ist ein bisschen anders, ja. Man versucht ja, die Pause einzuweben. Die Networking Pausen sind sehr
wichtig. Sie sind auch für die Lehrerinnen und Lehrer wichtig. Man weiss zum Teil, dass an solchen
Lehrertagen die Leute auch wegen dem kommen. Nicht nur wegen der interessanten Referaten. Einfach
einander sehen, austauschen, Ideen holen. Wie machst du das? Da wird viel über den Beruf gesprochen.
Obwohl es eigentlich eine Pause ist. Aber das ist eminent wichtig.
[00:53:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Dann sind wir am Ende. Ich möchte Ihnen nur noch mitgeben, dass Sie alle Ihre lieben
Kollegen aufmuntern, dass sie sich alle früher Hilfe holen, im Sinne des sozialen Kontexts zu verstehen
und daraus zu lernen.
[00:53:41.220] – Dagmar Rösler
Ganz genau. Das würde ich selbstverständlich machen. Das ist eigentlich schon bekannt. Aber ich muss
noch etwas hinzufügen. Manchmal macht man viel und lässt sich helfen und kommt dann manchmal
doch nicht dort hin, wo man gerne möchte. Das gehört auch zum Leben.
[00:54:00.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke, dass Sie gekommen sind und danke Ihnen, dass Sie so offen auf meine Fragen geantwortet
haben.
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