Genetische Aspekte der Autismus-Spektrum-Störung und verwandter Erkrankungen

Dr.med. Ursula Davatz geht in ihrem Vortrag ausführlich auf die genetischen Aspekte der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und verwandter Erkrankungen ein. Sie betont, dass Genetik in der Medizin eine grosse Rolle spielt und verweist auf Genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die die gesamte Gensequenz analysieren.

Zentrale Erkenntnisse aus den GWAS-Studien:

  • Es wurde festgestellt, dass Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus, schwere Depression und ADHS/ADS den gleichen veränderten Genlocus aufweisen.
  • Dies deutet darauf hin, dass diese psychischen Erkrankungen genetisch miteinander verwandt sind.
  • Dr. Davatz schliesst daraus, dass die genetische Konstellation von ADHS/ADS die Grundlage für diese Erkrankungen bildet.

Weitere genetische Aspekte:

  • Dr. Davatz erwähnt den Fall eines autistischen Jungen, der weder sprach noch schrieb, aber nach der Verabreichung von Ritalin, einem Medikament zur Behandlung von ADHS, plötzlich mit dem Schreiben begann.
  • Dieser Fall unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.
  • Dr. Davatz spricht auch von der Genverwandtschaft zwischen Autismus und Schizophrenie und erwähnt Albert Einstein, einen erfolgreichen Autisten, dessen Sohn aus erster Ehe an Schizophrenie litt.

Zusammenfassend:

Die Erkenntnisse aus den GWAS-Studien und die von Dr.med. Ursula Davatz erwähnten Fallbeispiele legen nahe, dass genetische Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von ASS und verwandten Erkrankungen spielen. Die gemeinsame genetische Grundlage könnte erklären, warum diese Störungen oft ähnliche Symptome aufweisen und warum bestimmte Medikamente, wie Ritalin, positive Auswirkungen auf verschiedene Erkrankungen haben können.

https://ganglion.ch/pdf/Wendepunkt-ASS-26.11.2024.m4a.pdf

Die Beziehung zwischen ADHS und ADS

Dr.med. Ursula Davatz erörtert in ihrem Vortrag den Zusammenhang zwischen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung). Sie weist darauf hin, dass beide Störungen eine gemeinsame genetische Grundlage haben. Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) haben gezeigt, dass ADHS/ADS, Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus und schwere Depression denselben veränderten Genlocus aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass diese Störungen genetisch miteinander verwandt sind.

Dr.med. Ursula Davatz räumt ein, dass sie nicht sicher sagen kann, ob ADHS und ADS genetisch unterschiedlich sind. Sie beschreibt jedoch beobachtbare Unterschiede im Verhalten:

  • ADHS: Betroffene reagieren nach außen, was sich in Hyperaktivität und Aggressivität äußern kann.
  • ADS: Betroffene reagieren nach innen, indem sie viel nachdenken.

Gemeinsamkeiten von ADHS/ADS und Autismus:

Sowohl Menschen mit ADHS/ADS als auch Autisten sind hochsensibel. Autisten neigen dazu, viele Dinge miteinander zu verknüpfen und brauchen daher länger, um zu einem Schluss zu kommen. Ähnliches gilt für ADS, da Betroffene viel nachdenken.

Darüber hinaus betont Dr. Davatz, dass Ritalin, ein Medikament zur Behandlung von ADHS, in einem Fall dazu führte, dass ein autistischer Junge, der weder sprach noch schrieb, plötzlich mit dem Schreiben begann. Dies unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.

Dr.med. Ursula Davatz kommt zu dem Schluss, dass das Gehirn ein ganzheitliches Organ ist, in dem alles zusammenkommt und dass man es von verschiedenen Seiten her angehen kann. Die Unterscheidung zwischen ADHS und ADS, sowie zwischen diesen Störungen und Autismus, ist daher möglicherweise nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Zusätzliche Einblicke:

  • Autisten, wie auch Menschen mit ADHS/ADS, brauchen klare Strukturen und sind leicht verunsichert, wenn diese Strukturen verändert werden.
  • Extrinsische Motivation funktioniert bei ADHS/ADS nicht, sie brauchen intrinsische Motivation.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS und ADS eng miteinander verwandt sind und viele Gemeinsamkeiten mit Autismus aufweisen. Die genetische Veranlagung spielt bei allen drei Störungen eine Rolle, und die Grenzen zwischen den einzelnen Diagnosen sind fliessend.

https://ganglion.ch/pdf/Wendepunkt-ASS-26.11.2024.m4a.pdf

Diskussion über die Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Dr.med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin, liefert in ihrem Vortrag wertvolle Erkenntnisse über die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und den Umgang mit betroffenen Personen. Sie betont die genetische Verwandtschaft zwischen ASS, Schizophrenie, bipolarer Störung, schwerer Depression und ADHS/ADS und verweist auf Studien, die einen gemeinsamen veränderten Genlocus bei diesen Erkrankungen zeigen.

Besonderheiten von Autisten:

  • Soziale Zurückgezogenheit: Autisten sind häufig sozial zurückgezogen und es kann schwierig sein, an sie heranzukommen. Im Extremfall bricht die Kommunikation komplett ab. Dies ist vergleichbar mit dem Verhalten von Schizophrenen, die sich ebenfalls zurückziehen können. Der Extremzustand bei Schizophrenie ist die Katatonie, bei der Betroffene zwar noch wahrnehmen, aber handlungsunfähig sind.
  • Fehlende Empathie?: Es wird oft behauptet, dass Autisten keine Empathie haben. Dr. Davatz widerspricht dieser Annahme und erklärt, dass Autisten sehr wohl Empathie empfinden. Allerdings können sie aufgrund von Schwierigkeiten bei der Gesichtserkennung (Agnosie) und Scheuheit die Mimik ihres Gegenübers nicht richtig deuten. Blickkontakt wird von Autisten oft als Bedrohung empfunden, was zu weiterem Rückzug führt.
  • Hypersensitivität: Autisten sind hypersensibel und reagieren empfindlich auf Reize aus ihrer Umwelt.
  • Bedürfnis nach Struktur: Sie brauchen klare Strukturen und Routinen, um sich sicher zu fühlen. Änderungen können zu Verunsicherung und starken emotionalen Reaktionen, bis hin zu Wutausbrüchen, führen.
  • Störungen im Spracherwerb: Manche Autisten haben Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb und sind nicht so gut im Formulieren. Dies kann dazu führen, dass sie weniger kommunizieren, da sie unsicher sind, ob sie sich richtig ausdrücken können.
  • Hyperverbale Bezugspersonen: Oft haben Autisten in ihrem Umfeld Personen, die übermässig viel für sie sprechen, was dazu führt, dass der Autist selbst noch weniger spricht.

Genetische Veranlagung und gesellschaftliche Einflüsse:

Obwohl die Gene sich nicht vermehrt haben, wird die Diagnose ASS heute häufiger gestellt. Dr. Davatz führt dies auf ungünstige gesellschaftliche Entwicklungen zurück. Die zunehmende Beschleunigung und der Fokus auf Effizienz und Leistung in der Gesellschaft lassen weniger Zeit für einen sensiblen Umgang mit Autisten.

Umgang mit Autisten:

  • Teilnehmende Beobachtung: Dr. Davatz empfiehlt die „teilnehmende Beobachtung“ als wichtigen Ansatz im Umgang mit Autisten. Anstatt den Autisten passiv zu beobachten, sollte man in Beziehung zu ihm treten, ohne ihn zu überfordern. Durch aufmerksame Beobachtung und Interaktion kann man seine Bedürfnisse und Signale besser verstehen.
  • Low Arousal State: Im Umgang mit Autisten ist es wichtig, selbst ruhig und gelassen zu sein. Aufgeregte oder ungeduldige Kommunikation kann den Autisten zusätzlich stressen.
  • Authentizität: Autisten spüren Unehrlichkeit. Authentisches Verhalten und ein ehrlicher Ausdruck der eigenen Emotionen schaffen Vertrauen.
  • Kooperation statt Gehorsam: Anstatt Befehle zu erteilen, sollte man Autisten zur Kooperation einladen.
  • Geduld: Autisten brauchen oft mehr Zeit, um Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen. Geduld ist daher essentiell.
  • Worst-Case-Szenario erfragen: Um Ängste und Blockaden zu verstehen, kann es hilfreich sein, den Autisten nach seinem „Worst-Case-Szenario“ zu fragen.

Berufliche Integration:

Die berufliche Integration von Autisten ist eine Herausforderung.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Empfehlungen:

  • Talente erkennen: Man sollte die Talente und Begabungen des Autisten erkennen und fördern.
  • Passendes Arbeitsumfeld: Das Arbeitsumfeld sollte den Bedürfnissen des Autisten entsprechen und ihm Sicherheit und Struktur bieten.
  • Beziehungsaufbau: Eine vertrauensvolle Beziehung zu den Arbeitskollegen ist essentiell.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Autisten besondere Bedürfnisse und Herausforderungen haben. Ein respektvoller, geduldiger und einfühlsamer Umgang, der ihre Individualität und Stärken berücksichtigt, ist entscheidend, um ihnen ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben zu ermöglichen.

https://ganglion.ch/pdf/Wendepunkt-ASS-26.11.2024.m4a.pdf

Autismus Spektrum Störung

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

26.11.2024

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Audio

[00:00:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse alle zu der heutigen Weiterbildung.

[00:00:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Vierteljahrhundert habe ich zusammen mit dem Wendepunkt gearbeitet.

[00:00:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht mein Wissen weiterzugeben. Das versuche ich heute noch ein letztes
Mal.

[00:00:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mich auch gerne zum Thema Jugend einladen.

[00:00:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es toll, dass sie ihren Fokus auf die Jugend legen wollen.

[00:00:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bringt es, wenn man wartet, bis alles schief gelaufen ist und dann kommt man
wieder mit Verbesserungsmethoden rein.

[00:00:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das nur unterstützen.

[00:00:45.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Adoleszentenpsychiatrie war mir immer ein grosses Anliegen, auch wenn ich ein
Psychiater für Erwachsene bin.

[00:00:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit vielen Adoleszenten gearbeitet und viele Familien durch die
Pubertätskrisen begleitet.

[00:00:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heutige Thema ist Autismus Spektrum Krankheit, ASS.

[00:01:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo die Ärzte nicht genau abgrenzen können, in der Psychiatrie kann man das
ohnehin nicht so gut, spricht man von der "Spektrum Krankheit". Das ist eine elegante
Methode, möglichst viel reinzupacken.

[00:01:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist abgeleitet vom Begriff Autismus. Früher hat man auch gesagt Asperger.

[00:01:29.198] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein österreichischer Kinderarzt im letzten Jahrhundert.

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte die intelligenten Kinder vor der Vernichtung durch Adolf Hitler schützen.

[00:01:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die autistischen Kinder hat er gesagt: die sind ganz speziell intelligent.

[00:01:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt nicht, dass alle autistischen Kinder sehr intelligent sind.

[00:02:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Eine ist das Verhalten und das Andere ist die Intelligenz.

[00:02:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt hochintelligente autistische Kinder, Erwachsene.

[00:02:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zeichnet die autistischen Menschen aus? Was für ein Verhalten zeichnet die
autistischen Menschen aus?

[00:02:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sozial zurückgezogen, man kommt nicht gut an sie ran.

[00:02:21.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Im extremen Zustand ist dann die Kommunikation mit ihnen abgebrochen.

[00:02:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich hat man den Begriff Autismus und autistisches Verhalten eigentlich für die
Schizophrenen verwendet.

[00:02:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man auch die Erfahrung gemacht, dass die dann sehr zurückgezogen sind.

[00:02:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Extremzustand bei den Schizophrenen, der extreme autistische Zustand ist eine
Katatonie, wo sie alles noch wahrnehmen, aber völlig handlungsunfähig sind, sich nicht
bewegen können, nichts mehr möglich ist.

[00:03:03.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Fight/Kampf, Flight/Flucht, Freeze/Totstellreflex, das wäre der
Totstellreflex und der vierte Reflex: Tease.

[00:03:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten oder Provokationsverhalten, welches sehr stark im
Pubertätsalter auftritt.

[00:03:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierendes Necken – was sich liebt, das neckt sich – ist ein Annäherungsverhalten.

[00:03:22.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist kann das nicht mehr.

[00:03:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gegenüber den Autisten neckt, zieht sich dieser noch mehr zurück.

[00:03:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der vierte Reflex ist ein spezieller Reflex und tritt bei den Autisten nicht auf.

[00:04:13.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein gutes Verhältnis mit dem Autisten hat, dann könnte man es auch
anwenden aber nur innerhalb von einer Beziehung.

[00:04:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich mit der Genetik. Genetik ist wichtig in der Medizin.

[00:04:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS, Studien, welche die ganze Gensequenz analysieren.

[00:04:42.100] – Dr.med. Ursula Davatz
h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i /
Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.

[00:04:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat versucht die Gensequenz mit psychiatrischen Krankheiten zu korrelieren.

[00:05:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dabei herausgekommen?

[00:05:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie, die bipolare Störung (manisch-depressiv), der Autismus, die
schwere Depression und ADHS/ADS hatten den gleichen veränderten Genlocus.

[00:05:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Daraus schliesse ich: die sind alle miteinander verwandt.

[00:05:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die genetische Konstellation ist das ADHS/ADS.

[00:05:28.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob ADHS/ADS genetisch unterschiedlich sind, kann ich nicht sagen.

[00:05:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind bei sehr sensitiv. Der ADHSler reagiert nach aussen (hyperaktiv,
aggressiv) und der ADSler reagiert nach innen (Nachdenken).

[00:05:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das viele Nachdenken haben die Autisten auch. Sie leisten sehr viel Hirnarbeit und
verknüpfen sehr viele Dinge miteinander. Sie kommen nicht so schnell zu einem
Schluss.

[00:05:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Autisten sind alle sehr sensibel, hypersensibel. Daraus wird eine neue Diagnose
gemacht.

[00:06:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das alles das Gleiche.

[00:06:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Störung im Spracherwerb haben.

[00:06:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind nicht so gut im Formulieren.

[00:07:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat erst im Alter von 5 Jahren sprechen gelernt. Er konnte denken und
hören; sprechen konnte er nicht.

[00:07:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, wenn man gewisse Mühe im Spracherwerb hat, dann
kommuniziert man nicht, weil man nicht weiss, ob man es richtig sagen kann.

[00:07:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So können die anderen Personen ringsum die Kommunikation übernehmen.

[00:07:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Personen haben in ihrem Umfeld oft eine hyperverbale Bezugsperson.

[00:07:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Mutter sein, es kann der Vater sein, es kann ein Geschwister sein.

[00:07:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Je mehr man für sie spricht, desto weniger sprechen sie selber. Das gibt einen
Aufschaukelungsprozess.

[00:08:02.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Je weniger der Autist redet, desto mehr versucht das Umfeld für ihn zu sprechen, desto
mehr deckt man den Autisten zu mit seinem reden.

[00:08:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann verzweifeln. Menschen sind gewohnt zu kommunizieren, wir wollen ein
Feedback vom Gegenüber, wir werden ganz verzweifelt und verrückt, wenn jemand
nicht antwortet.

[00:08:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In Königsfelden wurde ein Film gedreht, wo Pfleger ausgerastet sind, weil die Patienten
nicht gesprochen haben. Die Patienten wurden misshandelt.

[00:08:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir kommen in einen Notstand rein, wenn jemand nicht mit uns kommuniziert. Das ist
ganz schwierig zum aushalten.

[00:08:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Agnosie haben.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man oft: sie haben keine Empathie.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[00:09:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Mimik nicht erkennen, sie können ihr Gegenüber nicht lesen.

[00:09:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind sie so scheu, dass sie einem gar nicht anschauen.

[00:09:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man jemanden nicht anschaut, kann man auch nicht sein Gesicht lesen.

[00:09:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann die Scheuheit sein, es kann die Agnosie sein, dass einem der Autist nicht
erkennt.

[00:09:26.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gewisse Fehlerhaftigkeit in der Bilderkennung.

[00:09:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
https://tu-dresden.de/med/der-bereich/news/neue-erkenntnisse-ueber-die-visuelle-wahrnehmung-bei-autismus-unterschiede-in-einer-pfefferkorngrossen-gehirnstruktur

[00:09:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Schizophrenen sollte man nicht in die Augen schauen. In die Augen zu schauen
kann schon eine Bedrohung sein.

[00:10:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule gibt es Spiele: wer kann dem Anderen länger in die Augen schauen? Wer
kann länger dem anderen in die Augen schauen? Wer muss dann wegschauen?

[00:10:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Hunden in die Augen schaut, fühlen sie sich auch bedroht. Sie beginnen
zu bellen.

[00:10:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man einem Weissbüscheläffchen direkt in die Augen geschaut hat, hat es
begonnen sich zu kratzen.

[00:10:34.928] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2024/Weissbueschelaffen.html

[00:10:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen nesten in den Haaren, wenn wir unsicher werden.

[00:10:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten fühlen sich durch den Blickkontakt oft bedroht. Das direkte Anschauen ist eine
Bedrohung für Autisten.

[00:11:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil sie so sensibel sind, empfinden sie den Blickkontakt schon als Bedrohung.

[00:11:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf Autisten zu stark einredet, dann zieht sich dieser immer mehr zurück.

[00:11:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine aktive Gesellschaft, wir wollen im Rendite, Effizienz, usw.

[00:11:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier laufen die Autisten schnell in eine schwierige Situation rein.

[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man drängt sie immer mehr in einen Rückzug.

[00:11:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie lernt man: never pursue a distancer.

[00:11:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der sich distanziert, den darf man nicht verfolgen.

[00:11:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die fühlen sich dann wirklich verfolgt.

[00:12:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Wir sind es gewohnt, dass es immer schnell gehen muss, immer
effizient gehen muss.

[00:12:12.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nichts zurückkommt, beginnen wir damit, dem hinterher zu rennen.

[00:12:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt natürlich nichts.

[00:12:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Fall, wo ein Autist nicht geschwatzt und nicht geschrieben hat. Diesem
Jungen gab man Ritalin und dann hat er plötzlich mit Schreiben begonnen. Das ist
interessant.

[00:12:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sieht man den Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.

[00:13:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein ganzheitliches Organ. Da kommt immer alles zusammen. Man kann
es von verschiedenen Seiten her angehen.

[00:13:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit wird die Autismus-Spektrum Diagnose viel mehr gestellt.

[00:13:18.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es mehr davon? Haben sich diese Gene vermehrt?

[00:13:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich führe alles auf ADHS/ADS zurück.

[00:13:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene sind nicht mehr geworden.

[00:13:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit diesen Leuten ist ungünstiger geworden.

[00:13:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir durchlaufen eine Beschleunigung.

[00:13:57.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der KI laufen viele schnelle Veränderungen ab.

[00:14:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat nicht mehr genügend Zeit für die Autisten. Das Umfeld kann sich nicht
sorgfältig genug mit den Autisten auseinandersetzen. Man will sie nur vorwärts bringen.

[00:14:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man sie drängt, desto schlechter funktionieren sie.

[00:14:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt das was ich für ADHS/ADS sage: sie müssen intrinsisch motiviert sein.

[00:14:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Extrinsische Motivation funktioniert gar nicht für ADHS/ADS.

[00:14:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen klare Strukturen. Am Tisch wollen sie immer am gleichen Ort
sitzen.

[00:15:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen Kaffee serviert, muss der Kaffeelöffel immer gleich liegen.

[00:15:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lassen sich so leicht verunsichern. Sie haben eine gewisse Zwanghaftigkeit.

[00:15:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind ausgerastet, wenn die Mutter etwas anders hingelegt hat, wenn der
Bruder etwas verlegt hat.

[00:15:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen eine fixe Struktur, die ihnen Sicherheit gibt.

[00:15:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen die zum Teil selber. Wenn sie noch Kinder sind, muss das Umfeld die
Struktur für sie machen.

[00:15:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann ihre Struktur zerstört, werden sie völlig verunsichert und kommen in
eine Kampfreaktion. Dann gibt es ein grosses Theater.

[00:15:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denkt man: was ist los, wieso reagiert der/die so schlimm?

[00:16:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist weil sie die Sicherheit verlieren.

[00:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt häufig, dass sie keine Empathie haben.

[00:16:32.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam hat einen autistischen Sohn und wollte in Lausanne den Autismus mit KI
erforschen.

[00:16:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Markram

[00:16:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam sagt: ja, die Autisten haben Empathie.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie System Overload machen, funktionieren sie nicht mehr.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir überlastet sind, können wir in unserem Umfeld nichts mehr wahrnehmen.

[00:17:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die so sensibel sind, ist ihnen alles schnell zu viel. Dann können sie ihr Umfeld
nicht mehr wahrnehmen.

[00:17:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer beruhigen, runter fahren. Erst dann können die Autisten wieder
wahrnehmen.

[00:17:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich ihnen anpassen.

[00:17:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt sehr erfolgreiche Autisten.

[00:17:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein ist ein erfolgreicher Autist. Aus der ersten Ehe hatte er einen
schizophrenen Sohn. Das ist die Genverwandschaft.

[00:17:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Frau musste ihm sagen wann er schlafen, essen, trinken, auf die Toilette gehen
muss. Sie musste sich um ihn sorgen.

[00:18:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten ihren Focus finden, einen wissenschaftlichen Focus, können sie eine
hohe Leistung erbringen. Sie analysieren alles sehr genau und finden dadurch neue
Dinge heraus.

[00:18:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können besser grenzüberschreitend denken. Somit können sie gut neue
Dinge erfinden.

[00:18:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher erfolgreiche Autisten, Künstlerinnen, Dichterinnen, Malerinnen. Die
Männer sind eher in der Wirtschaft erfolgreich.

[00:18:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher gibt es in vielen Bereichen autistisch veranlagte Menschen, die sehr erfolgreich
sind.

[00:19:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss sie schützen und die Aufgaben, welche sie nicht können, für sie
übernehmen.

[00:19:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz

In der gewöhnlichen Arbeit brauchen Autisten/ADSler länger um eine Entscheidung zu
treffen.

[00:19:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen zuerst alle Bifurkationen durch, bis sie sich für einen Weg entscheiden
können.

[00:19:38.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich in der täglichen Arbeit nicht sehr hilfreich. Dort sind sie stark
verlangsamt.

[00:19:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen länger für eine Arbeit, länger für einen Text. In der Schule brauchen sie
zusätzliche Zeit.

[00:19:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie geht man mit Autisten um?

[00:19:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende einen Begriff, den man kennt aus der Tierforschung, aus der
Soziobiologie kennt.

[00:20:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der teilnehmenden Beobachtung.

[00:20:24.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autisten nicht hinter einem Glasfenster beobachten, denn dann fühlt er
sich nicht wahrgenommen.

[00:20:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen in eine Beziehung treten, ohne dass sie die Autistin, den Autisten
überrennen, überfordern.

[00:20:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man teilnehmende Beobachtung.

[00:20:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Primatenforscher, wie Jane Goodall, die hat Gorillas im Feld beobachtet, hat mit
ihnen interagiert hat mit ihnen kommuniziert.

[00:21:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jörg Hess, ein Schweizer Forscher, hat 50 Begriffe von den Gorillas gelernt.

[00:21:00.361] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.spektrum.de/magazin/menschenaffen-mutter-und-kind/824693

[00:21:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Affen können nicht schwatzen, sie können nur Laute machen.

[00:21:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihren Kehlkopf nicht so anpassen, wie wir das können, weil sie nicht so
verschaltet sind.

[00:21:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren trotzdem miteinander.

[00:21:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat ungefähr 50 Begriffe gelernt.

[00:21:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren sicher auch mit der Mimik.

[00:21:37.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss beobachten: was meint er jetzt, was stört ihn jetzt, was will er jetzt?

[00:21:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal war ein Primatologe.

[00:21:37.246] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

[00:21:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines seiner Bücher heisst: der Affe in uns.

[00:21:42.678] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:22:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich bei den Menschen nicht weiterkam, bin ich zu den Tieren gegangen und habe
dort beobachtet. Dort kann ich besser objektiv sein.

[00:22:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen habe ich natürlich meine Vorurteile und meine Moral.

[00:22:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Tiere beobachtet kann man neutraler sein.

[00:22:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Marte Meo Methode eignet sich sehr gut im Umgang mit Autisten.

[00:22:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA hat ihren Mitarbeitern die Methode beigebracht. Selber habe ich die Methode
nicht gelernt.

[00:22:38.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man interagiert miteinander, man verlangsamt alles und man sagt dann: bin ich richtig in
dieser Annahmen.

[00:22:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man füttert dem Gegenüber die eigene Wahrnehmung zurück und dann kann dieser
korrigieren: nein ich habe eher das gemeint.

[00:22:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verlangsamung der Beobachtung.

[00:23:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe für Ivan Boszormenyi-Nagy von Deutsch auf Englisch und Englisch auf
Deutsch übersetzt.

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Iv%C3%A1n_B%C3%B6sz%C3%B6rm%C3%A9nyi-Nagy

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Beobachtungen hat man zweimal gesagt.

[00:23:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat eine Intensivierung und eine Präzisierung, eine Differenzierung der
Wahrnehmung mit sich gebracht.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft es bei der Marte Meo Methode. Man validiert immer das Gegenüber.

[00:23:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht zu spüren: habe ich es jetzt richtig verstanden?

[00:23:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich selber einbringt, die Interaktion und Beziehung läuft über etwas
einbringen.

[00:23:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich einbringen, ohne dass man etwas will.

[00:23:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt komisch.

[00:23:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Definition der Kommunikation ist, dass man beim anderen immer etwas erreichen
möchte.

[00:24:05.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autisten darf man nichts erreichen wollen. Man kann es ihm nur zur Verfügung
stellen.

[00:24:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur etwas Verfügung stellen.

[00:24:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich sehe es so.

[00:24:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann er es nehmen oder auch nicht nehmen.

[00:24:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom allerschwierigsten in unserem Helferberuf.

[00:24:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind nicht direkt in einem Helferberuf aber sie haben helfende Rollen.

[00:24:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Müttern, welche in der Pubertät Schwierigkeiten mit ihren Kindern haben, sage
ich: sie dürfen ihre Meinung sagen. Sie dürfen nichts wollen.

[00:24:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich selber prüfen, ob man das einfach so in den Raum zur Verfügung
stellen kann oder nicht.

[00:24:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll das Gegenüber nicht zu irgendetwas drängen wollen.

[00:24:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Autisten drängen möchte, gibt es Widerstand und dann geht gar nichts
mehr.

[00:24:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Für uns aktive Menschen ist das etwas vom Allerschwierigsten.

[00:25:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den Worten nicht durch kommt, wenn sie noch Mühe haben im
Spracherwerb, sehr kritisch sind mit sich selber, könnte man auch noch anders
kommunizieren.

[00:25:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann über Musik kommunizieren, über Zeichnen kommunizieren.

[00:25:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer psychiatrischen Tagung konnte man für Familien Instrumente auswählen um
zusammen eine Band zu machen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit allem Musik machen, z.B. Pfannendeckel oder Schwingbesen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht per Wort kommuniziert, kann man über andere Methoden
kommunizieren. Dann ist der Autist nicht mehr so im Nachteil.

[00:26:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit einem Autisten kommunizieren, müssen sie immer im Low Arousal State
sein.

[00:26:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ruhiger sein, als ihr Gegenüber.

[00:26:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie übererregt, nervös und ungeduldig sind, dann geht gar nicht.

[00:26:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich vom Autist wieder zum Schizophrenen gehe: der akute psychotische Zustand
ist an sich ein Zustand von High Arousal; also emotional sehr stark erregt.

[00:26:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Buch geschrieben über die emotionale Monsterwelle, AD(H)S und
Schizophrenie.

[00:27:00.962] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:27:01.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der stark erregte Gemütszustand (High Arousal) macht dann, dass alles
zusammenbricht.

[00:27:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nicht kommunizieren, wenn sie selber erregt sind, warten bis sie runter
kommen, erst dann ruhig kommunizieren.

[00:27:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man jeder Mutter sagen, welche ein hoch emotionales, impulsives Kind hat.

[00:27:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht Impulsivität mit Impulsivität bekämpfen wollen.

[00:27:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Autist ganz zurückgezogen ist und man treibt ihn in die Ecke, kann er auch
einen Raptus haben, hochaggressiv werden und dann geht gar nichts mehr.

[00:27:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich immer zuerst selber runter holen, nicht aufgeregt sein, erst kommunizieren wenn
man die Ruhe hat.

[00:27:50.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Keinen Befehl geben: mach jetzt das.

[00:27:59.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: könntest du mir vielleicht dabei helfen?

[00:28:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können wir zusammen machen; also eher zur Kooperation auffordern als zur
Gehorsamkeit auffordern.

[00:28:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt für ADHS/ADS.

[00:28:22.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind hoch sensibel, sie nehmen alles sehr gut war.

[00:28:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la Musique.

[00:28:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können gar nichts vortäuschen.

[00:28:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen absolut authentisch sein.

[00:28:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sauer sind, dürfen sie das zeigen.

[00:28:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht verwendet werden, um das Gegenüber zu irgendetwas zu bringen.

[00:28:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf authentisch sein. Wir sind auch nur Menschen und manchmal ertragen wir es
nicht mehr so gut und dann darf man auch zu sich stehen.

[00:29:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man bei sich bleibt.

[00:29:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: jetzt musst du endlich vorwärts machen, ich halte es nicht mehr aus. Das
geht gar nicht.

[00:29:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann sie nicht mit den eigenen Emotionen motivieren.

[00:29:15.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind eine sehr gute Schule, um mit den eigenen Emotionen ehrlich und ruhig
umzugehen und auch die eigenen Emotionen besser kennenzulernen. Sie sind ein
Feedback.

[00:29:49.640] – Bemerkung 1
Hat selektiver Mutismus mit Autismus etwas zu tun?

[00:29:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie kann man keine genaue Diagnose stellen.

[00:29:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein lernendes Organ, ein Anpassungsorgan, das sich ständig ändert. Je
nach Gegenüber spiegelt das Gehirn etwas anderes.

[00:30:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit selektivem Mutismus retten sich die Psychiater.

[00:30:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein ganzer Autismus, in gewissen Bereichen funktioniert die Person noch sehr
gut in anderen Bereichen nicht.

[00:30:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man vom selektiven Mutismus.

[00:30:33.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ein Beschiss.

[00:30:43.190] – Bemerkung 1

Es ist also eher eine Form von Autismus.

[00:30:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.

[00:30:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von selektiv spricht, funktioniert die Person gut mit jemandem, die gut mit
Autisten umgehen kann.

[00:30:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei anderen Leuten funktioniert sie gar nicht.

[00:31:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist selektioniert die Leute, mit denen er es kann. Mit denen er es nicht kann,
spricht er gar nicht mehr.

[00:31:28.360] – Bemerkung 1
Er lernt Lastwagenchauffeur und ich bin gespannt wo es selektiv sein wird.

[00:31:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Selektion können sie sehen, wie gut sie es mit ihm machen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo er nicht reagiert, ist ein Fehler drinnen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo es gut läuft, dort pflegt jemand den korrekten Umgang mit ihm.

[00:31:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund folgt auch nicht jeder Person gleich.

[00:31:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist an dieser Stelle nicht anders.

[00:31:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der psychiatrischen Diagnose schaut man immer nur die kranke Person an.

[00:31:56.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Interaktionsorgan.

[00:31:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sich das Gegenüber verhält, hängt immer vom Gesunden ab, wie er mit dem
Autisten umgeht. Das wird immer ausgelassen.

[00:32:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihre eigene Studie machen.

[00:32:20.160] – Bemerkung 1
Ich bleibe dran.

[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche viel Spass dabei.

[00:32:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind gute Lehrmeister, weil sie sehr genau sind.

[00:32:57.930] – Bemerkung 2
Ich arbeite in der beruflichen Integration. Der Autist muss in seinem Gebiet arbeiten
können, den Resten muss das Umfeld übernehmen. Wo sind die Arbeitgeber? Wie
gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sie integriert?

[00:33:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eingliederung ist eingeschränkt.

[00:33:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man rausfinden: wo sind die Talente, Begabungen des Menschen,
bevor man sie irgendwo reindrückt. Was könnte dieser Person entgegen kommen?

[00:34:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sorgfältig suchen gehen.

[00:34:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit ist das eine. Wichtiger sind die Arbeitskollegen im Arbeitsumfeld.

[00:34:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind sehr abhängig von den Arbeitskollegen.

[00:34:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es so verkaufen: anhand von Autisten kann man viel lernen.

[00:34:48.850] – Bemerkung 2
Sie sind auch fähig etwas zu lernen. Ich erinnere mich an die Aussage, dass es keine
Entschuldigung ist, ein Autist zu sein. Auch er kann lernen.

[00:34:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Beziehung herstellen kann, haben sie Vertrauen in einem. Dann kann
man auch mehr fordern.

[00:35:04.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man eine Beziehung hat, kann man fordern.

[00:35:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Fordert man etwas von einem Autisten, bevor man eine Beziehung zu ihm hat, dann
geht gar nichts.

[00:35:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Herausfinden, wo das Talent ist, Beziehung herstellen und dann schauen, wo man die
Person platzieren kann. Es läuft über die Beziehung.

[00:35:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung fühlt sich der Autist sicher.

[00:35:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung sind sie verloren. Dann sind Autisten zwanghaft.

[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten eine Beziehung haben, werden sie flexibler. Dann können sie auch
lernen.

[00:35:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haltung ist wichtig: wir machen das zusammen. Du kannst das lernen. Kleine
Fortschritte kann man loben, sich daran freuen.

[00:35:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn von Autisten ist lernfähig. Sie sind einfach hyper sensibel, dass sie schnell
wieder auf die Flucht gehen, die Flucht nach innen.

[00:36:09.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder machen dann Schulverweigerung.

[00:36:15.140] – Bemerkung 3
Es gab drei Assessments. Beim dritten konnte die Autistin nicht aus dem Auto
aussteigen. Sie möchte in der Chemie Industrie arbeiten. Vor dem Lift ist sie zusammen
gebrochen und musste wieder nach Hause gehen. Es war zuviel neues. Es ist

spannend und herausfordernd. Wo ist die Grenze? Wie kann man die Grenze
erweitern? Alleine das Vorstellungsgespräch kann sehr schwierig sein.

[00:37:02.060] – Bemerkung 3
Einen Autisten ich zur Berufsmesse begleitet. Er ist mir fast in die Hosentasche
gestiegen. Es war gut, um die Arbeitsbeziehung aufzubauen.

[00:37:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:37:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand vor dem Vorstellungsgespräch nicht hin geht, sind hinten dran Bilder,
Vorstellungen. Ich versage wieder.

[00:37:03.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Umgang mit Fehlern, mit Versagen.

[00:37:03.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Fehlerkultur muss man relativieren.

[00:37:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht nichts, du musst die Stelle nicht bekommen.

[00:37:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben einfach. Man relativiert.

[00:37:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss weiter vorne geschehen.

[00:37:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schon dort ist und sie verweigern, dann geht es nicht mehr.

[00:37:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Pferd in den Pferdetransporter bringen möchte und es einfach nicht rein
geht.

[00:37:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es nicht. Man muss aufhören und am nächtsen Tag wieder weiter machen.

[00:37:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind mehrere Versuche notwendig.

[00:38:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorbereitung ist: es darf alles schief gehen.

[00:38:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss gar nichts können.

[00:38:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich Leute auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten sage ich immer: gar nicht
vorbereiten. Einfach sich selber sein. Dann kommt man am besten rüber.

[00:38:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder sind schwierig.

[00:38:56.730] – Bemerkung 3
Es war ein vierstündiges Assessment. Sie hat es beim zweiten Versuch wiederholt und
das Ergebnis war sehr gut.

[00:38:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, interessant.

[00:39:02.340] – Bemerkung 4
Eine junge Frau wurde ein Jahr lang begleitet. Wir haben Fortschritte gemacht. Zuvor
war sie zu Hause isoliert. Sie hat sich im Zimmer zurückgezogen und ihre Bücher
gelesen. Sie war einige, wenige Stunden im Arbeitsbereich am arbeiten. Sobald mehr
Druck entstanden ist und mehr Anforderungen gekommen sind, wurde es schwierig.
Sie hat sich komplett verweigert. Sie hat zu Hause nichts mehr gegessen. Sie gehe ich
mit dieser Person um? Braucht die mehr Zeit? Ich habe die Person sehr bemuttert.

[00:40:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen sehr viel Denkarbeit. Sie machen eine ganze Geschichte darum
herum.

[00:40:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand verweigert, dann würde ich immer nach dem Worst Case Szenario
fragen. Wovor hat sie am meisten Angst, das geschehen könnte?

[00:40:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man in ihr Gehirn rein geht und fragt: was stellst du dir alles vor?

[00:40:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter dem Worst Case Szenario kommt dann hervor: was findet sie schlimm?

[00:41:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in ihre Gedankenwelt reingehen, sie muss ihre Gedankenwelt auf den Tisch
legen dürfen.

[00:41:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man ein anderes Szenario hinlegen und sagen. Das ist eigentlich gar nicht
so schlimm.

[00:41:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir probiert, bis hierher sind wir gekommen, immerhin.

[00:41:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In das Gehirn reingehen, sodass der Autist seine Gedanken äussern muss.

[00:41:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Gefühle in Worte fasst, aufschreibt, formuliert, geht der emotionale
Stress um 50% zurück.

[00:41:33.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Autisten nach ihren negativen Gedanken fragen.

[00:41:55.060] – Bemerkung 4
Sie hat sich extem in ihre Fantasy Romane zurück gezogen. Das war ihre Strategie.

[00:42:01.330] – Bemerkung 4
Ein anderer Autist ist ständig nur am Gamen. Das gibt im Struktur.

[00:42:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:42:31.800] – Bemerkung 4
Ist es zu früh, wenn die mit 16 Jahren in unser Programm kommen? Müssen die nicht
zuerst therapeutisch begleitet werden?

[00:42:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Therapeuten sind genau so aufgeschmissen mit denen.

[00:42:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil. Bei ihnen haben sie eine Arbeit, eine klare Struktur, anhand deren man
üben kann.

[00:42:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Therapeut möchte etwas wissen, was der Patient nicht sagen möchte. Dann gibt es
unangenehme Schweigestunde. Das ist nicht hilfreich.

[00:43:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind an einem besseren Ort, weil sie praktisch etwas tun können.

[00:43:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Pferd kann man nicht nach dem Worst-Case Szenario fragen wenn es bockt. Den
Menschen kann man fragen.

[00:43:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er sagt: nein nichts. Würde ich antworten: das glaube ich nicht. Sie haben sicher
etwas dabei gedacht. Was ist es? Sie müssen es aussprechen können.

[00:43:12.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Worst Case Szenario kann man auch immer vergleichen mit der Vergangenheit.
Wie hat ihr Vater reagiert, wenn sie etwas nicht konnten? Wie die Mutter, wie der ältere
Bruder?

[00:43:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen Muster hervor. Prägungen.

[00:43:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht vorwärts kommen, müssen sie immer fragen gehen.

[00:44:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie "Warum?" fragen!

[00:44:04.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Warum-Frage ist zu eng.

[00:44:04.720] – Bemerkung 4
Sie haben Schwierigkeiten sich einzuordnen, sich selber wahrzunehmen.

[00:44:04.810] – Bemerkung 4
Damit man das selber formulieren kann, muss man auf sehr hohem Niveau sein. Wenn
ich solche Fragen stelle, wie gehe ich damit um?

[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, ob sie Mühe haben, sich wahrzunehmen. Wir sagen das. Stimmt
es wirklich?

[00:44:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Angst, ihre Blösse zu zeigen.

[00:44:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man abwägen: ist es eher das oder das?

[00:44:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Situation kennt, dann hat man vielleicht eine Idee. Da kann man eine
Auswahl geben.

[00:44:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr so oder mehr so? Nein, eher so. Ok.

[00:44:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie weitersuchen gehen.

[00:44:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Geniert sie sich mehr vor ihnen oder vor sich selber. Dann kann man in die Geschichte
zurück gehen. Wie wurde reagiert, wenn sie etwas nicht konnten?

[00:45:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie blossgestellt worden sind vor jemanden, ist das ein Tabu. Das ist ganz
schlimm.

[00:45:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie: was ist in der Vergangenheit geschehen? Sind sie blossgestellt worden, in
welcher Situation?

[00:45:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat wieder einen therapeutischen Wert. Sie haben damit einen Vorteil im Vergleich
zum reinen Psychotherapeut.

[00:45:43.980] – Bemerkung 4
Kann es Sinn machen, wenn man die Person aus seinem Umfeld rausnimmt, wenn zu
Hause die Mutter, der Vater zuviel für den Autisten spricht?

[00:46:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wäre das sinnvoll. Man muss heraus spüren ob die schon dazu bereit sind,
zum weg gehen? Wenn noch eine grosse Abhängigkeit besteht, geht es wieder nicht.

[00:46:45.170] – Bemerkung 5
Hier ist unser Handeln begrenzt.

[00:46:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:46:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe als Familientherapeutin ist es dann die Mutter ein wenig zurück zu
halten und zu sagen: weniger sprechen.

[00:46:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute habe ich einer Mutter gesagt: ihr Kind ist hochsensibel.

[00:46:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter dann X Dinge anbietet, für ihn spricht, gibt es nur noch einen
Ausbruch.

[00:47:07.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr.

[00:47:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern zur Mitarbeit bereit sind, geht es.

[00:47:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jedoch nicht ihr Auftrag.

[00:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autistin fragen: ist sie bereit auszuziehen, in ein betreutes Wohnen?

[00:47:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss die Betreuer wieder instruieren, damit sie nicht für diese Personen spricht.

[00:47:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Teilnehmende Beobachtung.

[00:47:42.940] – Bemerkung 6
Gibt es noch wichtige Fragen?

[00:47:43.100] – Bemerkung 6
Jetzt würden wir sie noch gerne wertschätzen, Frau Dr.med. Ursula Davatz.

[00:48:37.890] – Bemerkung 6
Ich habe 20 von diesen 25 Jahren mit ihnen erleben dürfen.

[00:48:38.790] – Bemerkung 6
1999 hat Hans Peter Scheuzger sie kennen gelernt.

[00:48:40.920] – Bemerkung 6
Sie haben uns die Treue gehalten im Bereich wohnen, bei unserem Beratungsteam,
Sozialdienst, Beratung und Integration.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Es war uns wichtig, dass wir in diesem Mix zusammen arbeiten konnten.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Dafür möchte ich ihnen herzlich danken!

[00:49:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen!

[00:49:15.630] – Bemerkung 6
25 Jahre wirklich Fachkompetenz zu jedem Thema.

[00:49:19.620] – Bemerkung 6
Man spürt, es ist viel Schaffen da, viel Studieren. Auch viel Herz.

[00:49:34.620] – Bemerkung 6
Über ihren wachen Geist habe ich immer gestaunt. Ihre Brillanz.

[00:49:45.480] – Bemerkung 6
Zum Teil sind sie gekommen: was ist das Thema heute?

[00:49:47.340] – Bemerkung 6
Ihr Ärmel scheint unerschöpflich. Ist einfach Klasse.

[00:49:57.020] – Bemerkung 6
Sie leben darin.

[00:50:01.430] – Bemerkung 6
Sie können gut auf die quälenden Fragen eingehen.

[00:50:05.990] – Bemerkung 6
Ein Jahr ist lange.

[00:50:08.210] – Bemerkung 6
Man hat Erwartungen.

[00:50:09.140] – Bemerkung 6
Sie sagen immer: genau so darf man nicht denken.

[00:50:12.530] – Bemerkung 6
Mir bleibt, ich habe immer das Gleiche gehört. Das meine ich positiv.

[00:50:12.830] – Bemerkung 6
Man sieht den Menschen, nicht die Diagnose, nicht die Medikation oder
Krankheitsbilder.

[00:50:21.680] – Bemerkung 6
Man geht mit dem Menschen in eine Beziehung. Sie haben das Wort nach fünf Minuten
erwähnt.

[00:50:49.550] – Bemerkung 6
Sie haben uns immer wieder den Kopf zurecht gerückt. Dran bleiben.

[00:50:58.480] – Bemerkung 6
Danke, dass sie unsere kritischen Rückfragen ausgehalten haben.

[00:51:26.110] – Bemerkung 6
Sie haben nicht nur doziert, sie leben es auch.

[00:51:38.800] – Bemerkung 6
Wir hatten einen gemeinsamen Klienten, den wir abgeben wollten.

[00:51:38.980] – Bemerkung 6
Sie haben damals sehr darauf plädiert, dass wir sie nicht so Angst haben sollen.

[00:51:54.870] – Bemerkung 6
Gute Tipps in der Supervision.

[00:51:55.200] – Bemerkung 6
Der Mann wurde Buschauffeur.

[00:52:05.730] – Bemerkung 6
Er hat immer geschimpft über sie, über uns.

[00:52:05.820] – Bemerkung 6
Sie sind dran geblieben. Er ist dran geblieben.

[00:52:05.910] – Bemerkung 6
Er hat als Buschauffeur Menschen mit Beeinträchtigung herum chauffiert.

[00:52:29.280] – Bemerkung 6
Ganz herzlichen Dank für alles was sie uns gegeben haben.

[00:52:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen. Danke!

Autismus und Psychiatrie – Was wenn nichts mehr geht?

Transkription

 

 

Transkript

Dr.med Ursula Davatz
25.10.2023

Autismus und Psychiatrie: Was wenn nichts mehr geht?
Audio
[00:00:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes möchte ich Ihnen beiden ganz herzlich danken für die ausgezeichneten Referate. Sie waren
sehr gut verständlich. Ich konnte bei allem ja sagen und ich gebe jetzt auf ein paar Fragen eine Antwort
oder bring noch etwas von meiner Seite her.

[00:00:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als passionierte Familientherapeutin, ich sage natürlich nicht stationär behandeln, immer die Familien
zu Hause unterstützen, beraten, ihnen helfen im Umgang mit diesen Kindern.

[00:00:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tu das auch selbst. Also ich habe zum Teil dann kleine Kinder, aber auch große. Ich bin ja spezialisiert
auf Schizophrenie und da berate ich die Eltern und ich mache die größten Fortschritte mit den Eltern,
indem die Eltern lernen.

[00:00:54.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, das stimmt, das kommt aus der Schizophrenie Bezeichnung und eigentlich beschreibt das die
Zurückgezogenheit, den Kommunikationsabbruch.

[00:01:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem hat man dann eine Diagnose gemacht. Man kann das bei Schizophrene beobachten und das ist
quasi die schlimmste Situation.

[00:01:18.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die extremste Form wäre dann die Katatonie, wo das Hirn überhaupt nicht mehr funktioniert.

[00:01:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Diagnose her, viele wissen, dass ich auf ADS und ADHS spezialisiert bin. Ich sage ADS und
Autismus geht für mich ineinander.

[00:01:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eine Basisstörung. Das stimmt. Man hat auch bei der Schizophrenie Basisstörungsbilder
untersucht und die Schizophrenen und die Autisten haben die gleiche Basisstörung.

[00:01:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich das im Hirn anschaue und es wurde von Ihnen das Hirn gezeigt.

[00:02:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vor kurzem bei der psychiatrischen Weiterbildung in Bern, habe ich gehört von einem jungen
Researcher und der hat also im emotionalen Gehirn hat es einen Teil, der heißt Hippocampus.

[00:02:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist verbunden mit allem. Die haben das untersucht in Bezug auf Manie.

[00:02:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Hippocampus ist bei dieser Basis Störung mit viel mehr im Hirn vernetzt.

[00:02:33.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Pubertät spricht, in der Pubertät passiert das Synaptic Pruning.

[00:02:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, der Mensch wird angelegt mit ganz vielen Nervenzellen und Verbindungen.

[00:02:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden von den vielen Verbindungen, werden Autobahnen gemacht, also kürzere, optimalere,
funktionellere Wege.

[00:02:57.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Menschen, die zu Autisten werden, wenn die so viele Verbindungen haben, dann brauchen
die länger, um das alles durchzugehen und dann ihre eigenen Autobahnen zu machen, damit sie dann
funktionieren können.

[00:03:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn werden sie auch erst mit 25 erwachsen.

[00:03:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie stören beim Erwachsen werden, bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung, dann wird alles
gestört.

[00:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kam ja x mal. Man darf sie nicht zu fest stören. Man muss seine Erwartungen runtersetzen. Man
muss wieder lernen zu beobachten.

[00:03:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell der Medizin, One Size Fits All, also eine Methode geht auf alles. Das geht beim Gehirn
sowieso nicht und bei den Autisten noch viel weniger.

[00:03:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst rausfinden: Wer ist dieser Mensch? Wie tickt er? Wie funktioniert der?

[00:03:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man ihn etwas glaubt erkannt zu haben, dann kann man mit ihm arbeiten.

[00:04:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehe ich sogar zurück auf das Sokratische Lernen. Sokrates hat gesagt, ich lerne immer von meinem
Schüler und wir müssen von den Autisten lernen und darum Fehler machen.

[00:04:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir machen Fehler und wir müssen von dem lernen.

[00:04:20.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist es ein ständiges Lernen miteinander. Dann sage ich noch schnell etwas.

[00:04:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten, die, weil die so viel vernetzt sind und so viel durchdenken müssen, bevor sie zum eigenen
Entscheid kommen, ertragen die gar keine Unregelmäßigkeit von außen.

[00:04:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Essen 20 Minuten später kam, hat ihn das aufgeregt.

[00:04:44.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich jetzt vom autistischen Elefanten reden. Also die Elefanten haben ein Elefantengedächtnis.
Als ein Werter das Fressen immer zu spät gebracht hat, hat er ihn an die Wand gedrückt oder
umgehauen.

[00:05:02.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen Dinge im Gehirn, die auch schon bei den Tieren vorhanden sind.

[00:05:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir einfach berücksichtigen.

[00:05:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ein paar Gedanken. Aber jetzt möchte ich dem Publikum die Möglichkeit geben, Fragen zu
stellen. Sie dürfen Schweizdeutsch sprechen.

[00:05:27.530] – Bemerkung 1
Werden auf der Akutstation Autisten anders behandelt? Steht das im Blutgruppenheftchen, damit das
bekannt wird?

[00:05:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.

[00:05:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autismus Diagnose ist heutzutage sogar sehr in Mode. Sie wird viel mehr gestellt als früher. Früher
hat man sie gar nicht so beachtet.

[00:06:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt, der das Bild beobachtet hat.

[00:06:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man Autismus Spektrum Störung.

[00:06:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das steht nicht auf der Stirne.

[00:06:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Fachleute sind gezwungen, das wahrzunehmen.

[00:06:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrnehmung ist heutzutage viel stärker, viel besser. Es wird mehr wahrgenommen, es wird auch
mehr die Diagnose gestellt.

[00:06:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose stellen heißt noch lange nicht, dass man damit umgehen kann.

[00:06:37.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es verlangt von den Therapeuten, von den Fachleuten eine riesige Geduld, eine hohe Sensibilität und ein
darauf eingehen können.

[00:06:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in Amerika Familientherapie gelernt habe, hat man gesagt: Wenn du nicht weiterkommst mit
deinem Patienten, hör auf, ihn zu ändern oder ihm helfen zu wollen. Lerne.

[00:07:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich auch bei den Autisten sagen.

[00:07:08.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen von denen lernen und nicht denen sagen, wie sie sein sollen. Das geht nicht.

[00:07:14.020] – Bemerkung 2
Die Diagnose wir nicht vor Ort gestellt, die ist schon gestellt worden.

[00:07:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterschiedlich. Sie wird zum Teil ambulant gestellt. Die wird dann in der Klinik gestellt. Ganz
unterschiedlich.

[00:07:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensibilität ist heutzutage höher.

[00:07:32.120] – Bemerkung 3
Steht das im Patientenausweis?

[00:07:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, die haben gar keinen Ausweis. Das steht in der Krankengeschichte.

[00:07:40.780] – Bemerkung 3
Die ist ja nicht zugänglich.

[00:07:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unsere Sache als Fachleute, dass wir das merken.

[00:07:47.420] – Bemerkung 4
Ganz konkret zur Diagnosestellung. Wie stellt man denn eigentlich eine Diagnose, wenn sie so
unterschiedlich sind und wenn gerade weibliche Autisten auch so mega gut angepasst sind? Oder der
Jugendliche vielleicht tatsächlich sagt: Nein, ich bin nicht anders und wirklich auch in der Therapeuten
Beziehung alles dafür tut, um nicht aufzufallen.

[00:08:13.670] – Bemerkung 4
Das ist ja alles sehr kontraproduktiv dafür, dass man dann auch wirklich weiß, was dahinter steckt.

[00:08:20.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin jetzt schon über 40 Jahre in der Psychiatrie.

[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich drin bin, umso weniger wichtig ist die Diagnose für mich.

[00:08:31.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, für mich ist wichtig, dass ich sehe, wie dieser Mensch funktioniert, auf welcher Entwicklungs-Ebene
das er ist und dass ich mit ihm kommunizieren kann.

[00:08:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt sonst, Psychiater stellen die Diagnose in drei Minuten.

[00:08:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Erfahrung hat, weiß man gar nicht, was man alles macht, aber man nimmt vieles wahr und
sagt dann so.

[00:08:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und ADS wird heute auch sehr viel mehr gestellt. Früher hat man gesagt, das gibt es gar nicht.
Das kann man auch relativ schnell stellen. Ich mache keinen Neurotest, ich nehme die Anamnese, ich
schaue die Familiengeschichte an, ich höre die Biografie und dann sage ich, jawoll, das ist eine ADHS-
Familie.

[00:09:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Autismus sind vererbt.

[00:09:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind vererbte Hirn-typische Situationen.

[00:09:30.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Cross-Disorder-Studien, da wurde Schizophrenie, manisch-depressiv, ADHS, schwere
Depression und Autismus, die hatten alle die gleichen Gene, also das gleiche Genset.

[00:09:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Locus innerhalb der Gene war verändert und da haben die überlappt.

[00:09:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich, die Bezeichnung Autismus ist die Basis, die stimmt.

[00:10:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sagen ADHS oder ADS ist die Basis. Dann streiten sich die Ärzte und sagen Komorbidität und
dann soll man zuerst behandeln und das nachher.

[00:10:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar: der Autismus oder das ADS, das ist die Grundlage, das ist die neurologische
Grundlage, da muss man mit diesen Leuten lernen umzugehen, wahrzunehmen und dann schauen, was
geht und was nicht.

[00:10:28.380] – Bemerkung 5
Das kann man ja nicht behandeln. Das habe ich ja schon richtig verstanden?

[00:10:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit ihm interagieren und man kann mit diesem interagieren, ohne dass man ihn stört, sondern
fördert.

[00:10:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Also es geht nicht um Behandlung, dass man den behandelt.

[00:10:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm kommunizieren. Man muss mit ihm interagieren.

[00:10:49.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch gesagt. Verbal geht oft nicht.

[00:10:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne eine Musiktherapeutin, die hat einen Jungen, der ist unglaublich wild. Die Mutter konnte sich
nicht konzentrieren, also nicht beruhigen.

[00:11:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt, sie müssen ruhig bleiben.

[00:11:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann hat sie gesagt, das kann ich nicht.

[00:11:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, Ja wie beruhigen sie sich sonst? Sie hört irgendeinen Podcast.

[00:11:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, dann stecken sie den Podcast in die Ohren und hören und sind ruhig neben dem
Kind.

[00:11:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit diesen umzugehen, nicht sie behandeln und verändern wollen.

[00:11:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da zitiere ich immer zwei Piloten, die gesagt haben, im Zweifelsfall überlässt man das Flugzeug sich
selber.

[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aerodynamisch, es steuert sich selber.

[00:11:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir versuchen viel zu viel die autistisch veranlagten Menschen zu steuern und wir übersteuern.

[00:11:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleich wie wenn wir mit dem Auto auf dem Eis sind, dann übersteuern wir, dann dreht es im Kreis und
alles geht schief.

[00:11:52.410] – Bemerkung 6
Ich bin Asperger.

[00:11:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, schön. Gratuliere.

[00:12:01.090] – Bemerkung 6
Ich bin 35 Jahre, ich wurde sehr spät diagnostiziert. Was sie gesagt haben, wie finden wir es denn
heraus? Wichtig ist vor allem, dass wir Vertrauen haben zum Psychiater und zu dem, der uns therapiert.
Mit der Zeit erzählen wir dann immer mehr und mit der Zeit kommt dann das Bild. Da ist auch wichtig, wir
erzählen am Anfang nicht so viel, wir sind ziemlich zugeknöpft, zumindest ich bin so gewesen, aber dann
mit der Zeit, wenn wir immer mehr Vertrauen haben und immer mehr und mehr gehen wir auf. Das ist

richtig, was sie gesagt haben, nicht verändern wollen. Gebt uns das Gefühl, dass wir normal sind. Das ist
das Wichtigste. Dann bekommen wir Vertrauen haben und dann erzählen wir ihm mehr und dann mit der
zeit kommt das Bild, Vertrauen und Normalität.

[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Wort, was sie gebraucht hat, validieren. Man muss das Gegenüber validieren in dem, wie
es ist und was es wahrnimmt.

[00:13:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Person validiert hat, dann hat man sie akzeptiert. Erst dann kann man schauen, was
man allenfalls ein bisschen verändern könnte, aber nicht als erstes verändern wollen.

[00:13:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch bei den ADHS Kinder, die müssen viel mehr sich selber steuern dürfen.

[00:13:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht noch so, man wollte vielleicht irgendetwas, aber das ADHS Kind muss das selber übernehmen
in seinen Computer und dann machen, wenn man drängt und stößt, dann geht alles falsch.

[00:13:41.050] – Bemerkung 7
Das ist sehr interessant, wie die ADHS Problematik zeigt, wie man überhaupt mit Menschen umgehen
sollte.

[00:13:48.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, klar.

[00:14:01.320] – Bemerkung 1
Das wäre die ideale Methode, wie man mit Menschen umgeht.

[00:14:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man mit Autisten umgehen soll, die Art und Weise wie man erziehen soll, respektive sie begleiten,
wäre für alle Leute gut.

[00:14:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den anderen hat es nicht so viele Konsequenzen. Bei denen schlägt es riesig aus. Das ist das
Problem.

[00:14:33.200] – Bemerkung 8

Sie haben gesagt, dass die Struktur vom Gehirn bei Autismus und Schizophrenie gleich ist?

[00:14:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn hat ein Intake und ein Output.

[00:15:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch mehrmals gesagt von den Autisten. Sie haben eine sehr differenzierte Wahrnehmung,
eine genaue, man könnte sogar sagen eine pedantische Wahrnehmung.

[00:15:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pedantische, differenzierte Wahrnehmung, die braucht sehr viel Prozessierung.

[00:15:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Während sie da wahrnehmen und wir kommen hinein und stören sie, dann gibt es ein System Overload.

[00:15:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der System Overload geschieht im emotionalen Hirn.

[00:15:36.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es im emotionalen Hirn ein System Overload gibt, dann sendet das Hirn viel zu viele Impulse raus.

[00:15:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese vielen Impulse in das Großhirn gesendet werden, macht es dort einen Zusammenbruch und
dann haben wir die Schizophrene.

[00:15:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ins somatische, also in den Körper hinein gesendet wird, dann gibt es alle möglichen,
körperliche Zustände, also eine Angstattacke, ein Zusammenbruch und weiß ich nicht was alles.

[00:16:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es lange läuft, gibt es psychosomatische Erkrankungen.

[00:16:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn reagiert ein bisschen anders. Ob es jetzt da das Großhirn überlastet oder ob es ein Raptus hat,
also ja, das hängt dann von der Situation und auch wieder von der Person ab.

[00:16:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben ja nicht nur ADHS oder Autisten Gene, wir haben ja noch viele andere und das bestimmt alles.

[00:16:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, wenn in einer Familie ein Kind sehr hyperaktiv ist und beide haben wahrscheinlich so ein
bisschen autistische ADS-ADHS-Gene, dann zieht sich das autistische eher zurück.

[00:16:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eigentlich ein Rückzugsverhalten, a Flight.

[00:16:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde vorher gesagt, Fight, das ist Kampf, ADHSler, die kämpfen nach außen.

[00:16:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen Flucht nach innen und das sind oft ADSler.

[00:17:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight und Freeze, das wäre dann Totstellerreflex.

[00:17:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenen ist dann das Katatonie, wo sie sich gar nicht mehr bewegen können, aber voll bei
Bewusstsein sind. Das wäre Freeze.

[00:17:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tue jetzt immer noch eine vierte Kategorie dazu und das ist Teasing.

[00:17:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten, mokieren, Spaß machen und alle Jungtiere arbeiten mit Teasing.

[00:17:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie schauen, wie Hündchen miteinander spielen, sie tun einander necken und je nachdem tut so
ein ADS Autisten Kind einen anderen vielleicht ein bisschen stören.

[00:17:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich immer eine Aufforderung für Interaktion.

[00:17:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssten viel mehr lernen, wieder mit dem Teasing zu arbeiten.

[00:17:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie arbeiten wir mit dem und man nennt es dann paradoxe Intervention.

[00:18:05.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verschreiben ein Symptom. Wir sagen, das ist wunderbar, dass du das hast, das musst du noch ganz
lange behalten.

[00:18:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt dann das Kind, Nein, das will ich nicht mehr.

[00:18:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: hör auf mit dem, benimm dich nicht so blöd, dann mach es weiter.

[00:18:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade jetzt in der Psychiatrie sollten wir viel mehr wieder das Teasing lernen, wie man mit ihnen
umgehen kann.

[00:18:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch aufpassen. Man darf nicht sarkastisch sein. Das vertragen sie gar nicht. Das Vertragen
sie gar nicht.

[00:18:37.720] – Bemerkung 9
Schizophrenie und Autismus sind in dem Fall nicht das Gleiche?

[00:18:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, das Hirn nicht zu erklären. Unser Hirn wird bestimmt von ganz vielen Genen und es hat
ganz viele Fähigkeiten, die nie verwendet werden.

[00:18:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Stress kommt, dann reagiert es auf das und entweder werden dann die Fähigkeiten abgedrosselt
oder es kommt irgendwas anderes heraus.

[00:19:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist eben anders.

[00:19:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kritisiere immer wieder, dass die Psychiater zu sehr sich an die somatische Medizin anhängen und
eine fixe Diagnose wollen. Dabei ändert sich das Hirn im Laufe der Zeit, die ganze Zeit. Es ändert sich
mit der Therapie, es ändert sich mit den Interaktionen, es ändert sich auch mit dem Medikament.

[00:19:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will natürlich am liebsten der Person helfen, dass sie ihr Hirn selber steuern kann.

[00:19:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie umgehen kann mit dem Umfeld und lernt, langsam lernt.

[00:19:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute mit Autismus, die brauchen ein bisschen länger und die brauchen ein bisschen ein sorgfältigere
Umgebung, sonst macht man sie kaputt.

[00:19:55.460] – Bemerkung 10
Sie plädieren für eine anpasste Versorgung, also eine Alternative. Haben sie gute Beispiele in der
Schweiz oder in einem anderen Land?

[00:20:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß nicht, was in der Schweiz alles existiert. Ich weiß nur, ich bin sehr für nach Hause gehen und
den Leuten zu Hause helfen also einfach halt den Eltern helfen damit umzugehen.

[00:20:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite sehr viel auch mit Schulen, aber manchmal habe ich Riesenprobleme denen zu zeigen, dass
man mit diesen Kinder anders umgehen muss.

[00:20:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss erfahrene Fachleute haben, welche die Systeme beraten, sei es die Schule, sei es Familie, sei
es der Kindergarten und so weiter.

[00:20:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht etwas Fixes sagen und bei jedem Kind muss man etwas anders suchen.

[00:20:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Kinder, ich ein ganzes Jahr zu Hause behalten habe, einfach zum Druck wegnehmen.

[00:20:58.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben in der Schweiz Schulpflicht und zum Teil werden die Kinder dann mit der Polizei abgeholt,
wenn sie nicht in die Schule gehen, was ich gar nicht gut finde.

[00:21:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müsste man den Kindern dann einen Schutz geben, dass sie ein bisschen reifen können, man muss
das System beruhigen, damit sie sich dann entwickeln können.

[00:21:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk haben sie ja gesehen, er ist ganz klar ein Autist gewesen. Ein Albert Einstein ist auch ein
Autist gewesen.

[00:21:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle haben dann die Chance, dass sie so viel Durchsetzungskraft haben und dass irgendwie das
Umfeld doch noch einigermaßen ihnen die Freiheit lässt.

[00:21:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt irgendein Sänger und Gitarrenspieler, der hat auch geschrieben, er ist mal in einer Sendung
gekommen und der hat die ganze Nacht irgendwelche Sendungen gehört und er hat ein wildes Leben
gehabt und irgendwann hat er dann eine Frau geheiratet. Dann ist er runtergekommen und hat sich
beruhigt und berühmt geworden.

[00:21:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden nicht alle berühmt.

[00:22:00.570] – Bemerkung 11
Wie kommt man zu einer guten Fachperson?

[00:22:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss ich nicht, ich kann nicht alle nehmen. Ausprobieren.

[00:22:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Fachperson wählen, müssen sie die Haltung haben, sind sie bereit, mit mir zusammen zu
lernen?

[00:22:26.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer den Witz: Man sagt Mediziner wissen alles und können aber nichts machen. Die
Chirurgen können alles und wissen nichts und die Psychiater wissen nichts und können nichts, aber
lernen viel.

[00:22:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Pathologen, die sezieren sie, die wissen alles, aber zu spät. Die Psychiater wissen und können nichts
aber darum müssen sie jeden Tag mit jedem Patient neu lernen.

[00:22:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie jemanden wählen, der nichts versteht oder nicht genug, probieren sie ihr Gegenüber dazu zu
bringen, dass der oder die mit ihnen zusammen lernt, bereit ist, flexibel ist und nicht meint er wisse schon
alles.

[00:23:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz wichtig.

[00:23:16.050] – Bemerkung 12
Wäre es nicht hilfreich, wenn man eigentlich schon von Anfang an mit Aufklärung helfen würde. Das Kind
kommt auf die Welt, dass irgendwie der Hausarzt Bescheid weiß? Dann gäbe es auch eine Beruhigung
für die Betroffenen.

[00:23:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, doch, das wäre ideal.

[00:23:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht nur mit dem medizinischen System beginnen.

[00:23:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde bei den Kindergärtnern und dann bei der Schule, bei der Kita, bei all diesen
Erziehungsberufen.

[00:23:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man müsste mehr aufklären.

[00:23:56.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis man mit diesen Kinder umgehen kann, muss man ein bisschen lernen.

[00:24:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle lernfähig.

[00:24:09.970] – Bemerkung 13
Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber müsste man auch mit einbeziehen.

[00:24:13.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Arbeitgeber müssten auch informiert werden.

[00:24:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Patienten begleite, dann frage ich natürlich immer, wo sie arbeiten, dann lasse ich mir
beschreiben, wie die sind und so weiter.

[00:24:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient das zulässt, frage ich auch, darf ich mit dem Arbeitgeber reden?

[00:24:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitgeber ist natürlich auch Umfeld und das Umfeld muss man auch beraten.

[00:24:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiatrie, Gehirn, es geht immer Interaktion.

[00:24:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Interaktion spielt auf beiden Seiten eine Rolle. Da muss man helfen, ein bisschen interpretieren, das ist ja
auch gesagt worden.

[00:24:55.360] – Bemerkung 14
Man soll die Leute stärken.

[00:25:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitnehmer fühlt sich nicht richtig behandelt vom Arbeitgeber. Dann passiert oft, dass man dann
über den Flucht und schimpft und weiß ich nicht was weiß ich was alles.

[00:25:18.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nichts. Man darf sagen, ich funktioniere so und so, wenn sie so und so mit mir umgehen, dann
fällt bei mir alles zusammen und dann mache ich einen Meltdown, dann funktioniere ich überhaupt nicht
mehr. Dann haben sie nichts davon und ich natürlich auch nicht.

[00:25:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche das und das.

[00:25:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch den jungen Leuten, sie müssen ihren Eltern die Gebrauchsanweisung geben, wie sie
funktionieren, damit es besser geht.

[00:25:51.450] – Bemerkung 15
Was macht jemand, der in den Notfall reinkommt?

[00:26:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Notfallsituation, da muss man es halt so laufen lassen, wie der Notfall läuft.

[00:26:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt dann immer davon ab, wer gerade Notfalldienst hat.

[00:26:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nichts drüber machen.

[00:26:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hintendran, kann man hingehen, wer immer man dann ist und schauen, wie könnte es allenfalls gesteuert
werden.

[00:26:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin laufte jetzt so ein bisschen eine Bewegung.

[00:26:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Hausärzte alle Notfall bearbeitet. Heutzutage macht das niemand mehr, wir haben auch
keine Hausärzte mehr. Es geht alles in Klinik.

[00:26:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt fangen sie wieder an, multidisziplinäre ambulante Praxen zu machen, wo es dann auch
verschiedene Leute hat, wo sie auch je nach dem Notfälle bedienen können.

[00:26:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eigentlich besser als eine riesige Klinik.

[00:26:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesundheitswesen ist absolut noch verbesserungsfähig.

[00:27:12.760] – Bemerkung 16
Gerade der Notfall ist so eine Situation, sie haben gesagt, man soll Verständnis zeigen, von ihnen lernen.
Die Gesellschaft ist aber nicht bereit dazu. Der Schaffner, der Lehrer, der Hausarzt versteht es je nach
dem nicht.

[00:27:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einem Autisten arbeitet, dann tut man ihn zuerst validieren, ist klar und dann wenn er
schon so weit ist, kann man sagen: Ja, du funktionierst so, aber wenn du da draußen bist, was kannst du
dann machen?

[00:27:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Leuten schon auch Sachen beibringen. Es ist nicht so, dass sie gar nichts lernen.
Sie reifen ein bisschen später und sie sind diffiziler und sensibler.

[00:28:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein junger Hund, der kann noch nicht Zug fahren, der wird ganz nervös.

[00:28:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man mit dem Zug fahren und beruhigt ihn, mit der Zeit kann er es dann.

[00:28:15.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für einen autistischen Menschen.

[00:28:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihn zu schnell in die Norm hinein drücken will, dann geht alles kaputt.

[00:28:23.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht die Welt verändern. Ich verändere nur dort, wo ich kann und ich begleite die, damit sie
langsam angewendet werden an das Leben.

[00:28:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Kurzem sagte mir jemand: sie haltet das alles gar nicht aus.

[00:28:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir daran gearbeitet, dass man so ein bisschen innere Scheuklappen macht und nicht denkt,
oh je, die schreckliche Menge, sondern dass man so in sich hinein geht und jetzt kann sie es schon ein
bisschen besser.

[00:28:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist auch schon 40 oder 50 Jahre alt.

[00:28:54.180] – Bemerkung 17
Sie sagen man muss sie fördern. Ich bin schulische Heilpädagogin. Für eine Förderung brauche ich eine
Diagnose. Im Frühling hat es geheissen ein Jahr Wartefrist.

[00:29:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose in einer Stunde.

[00:29:13.600] – Bemerkung 17
Wo finde ich sie denn?

[00:29:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht alle nehmen.

[00:29:18.060] – Bemerkung 17
Ja, das ist das andere. Das ist so frustrierend.

[00:29:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hinkt unser bürokratisches System absolut der Entwicklung hinten drein.

[00:29:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht können sie Kinderärzte finden. Sie müssen auf die Suche gehen. Kinderärzte finden,
Kinderpsychiater.

[00:29:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die offiziellen Stellen, die haben zum Teil ein halbes Jahr oder acht Monate Wartefrist, weil sie so überfüllt
sind.

[00:29:49.210] – Bemerkung 18
Ich muss jetzt handeln können.

[00:29:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sie probieren, ihr Schulsystem ein bisschen zu erreichen und sagen: ich will jetzt mit dem
arbeiten, das ist notwendig, sie haben es dann einfacher in der Schule, da sparen wir alle Geld und
Nerven. Die Diagnose liefern wir hinten dran.

[00:30:13.790] – Bemerkung 19
Ja, das ist dann aber eine Ressourcen Frage, die ganz schwierig ist.

[00:30:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Problem habe ich auch.

[00:30:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem kleinen Örtchen, wo wir halt sind, das Beste machen.

[00:30:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den bürokratischen Regeln die Kurven schneiden so gut es geht. Das sage ich jeweils den Personen.

[00:30:37.720] – Bemerkung 20
Gibt es vielleicht auch versteckte Formen von Autismus, die natürlich sehr schwer auch zu erkennen sind,
vor allem für nicht Fachpersonen?

[00:30:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sowieso, die passen sich besser an, die opfern sich auf. Die haben dann dafür eine
Depression mit 40.

[00:31:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich meine, wenn ich den Menschen als Ganzes wahrnehme und wenn ich so etwas in die weiteren
Bereiche gehe und ich schaue natürlich immer noch, wer in der Familie ist.

[00:31:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man das schon rausfinden. Das ist der Kliniker.

[00:31:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte, wir haben keine exakte Kunst. Es ist eine Kunst. Es ist kein wissenschaftliches Wissen.

[00:31:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir holen das dazu. Aber schlussendlich liegt die ärztliche Kunst in der Beziehung und im Wahrnehmen
und dann stellt man die Diagnose.

[00:31:49.960] – Bemerkung 21
Die Hochbegabten, die sind doch auch autistisch?

[00:31:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben viel zu viel das medizinische Modal im Kopf.

[00:32:02.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn macht alles und das Hirn kann hochbegabt sein in gewissen Bereichen und in anderen
Bereichen eine Störung haben.

[00:32:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann hochbegabt sein mathematisch, man kann eine Legasthenie haben und dann ist das so ein
sehr breites, ungleiches Leistungsprofil.

[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Hochbegabte, ich sage jetzt Autisten, ADS, ADHS oder was auch immer.

[00:32:30.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft gehen ganz spezielle Leistungen einher mit all diesen Eigenschaften.

[00:32:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, ich sage dem die breite Wahrnehmung, die breite Wahrnehmung bringt natürlich
auch mit, dass man ganz viele Daten prozessiert.

[00:32:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man viele Daten prozessiert, dann lernt man auch viel, dann weiß man auch viel.

[00:32:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann alles zusammen gehen. Man kann es dann so nennen oder so, das ist mir eigentlich egal.

[00:32:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einfach mit dieser Person lernen umzugehen und auf ihre Eigenschaften eingehen und
möglichst diese fördern.

[00:33:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn so Menschen, die so hochsensibel sind, wenn die zu fest hinein gedrückt worden sind in ein
Schema zu rigide erzogen wurden, dann sind das wie zerdrückte Ofenküchlein.

[00:33:13.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ihre Fähigkeit gar nicht entwickeln können.

[00:33:22.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann mit 50 noch helfen sich zu entfalten und wissen, wer sie sind.

[00:33:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wissen dann gar nicht, wer sie sind.

[00:33:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzieht, also ich sage dann auch, Erziehungsgeschädigte.

[00:33:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzogen hat, dann sind sie verzogen, aber nicht so im üblichen Sinn, verdrückt.

[00:33:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen viel mehr an Mensch und seine Fähigkeiten glauben.

[00:33:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht natürlich eine gewisse Toleranz.

[00:33:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ängstlicher die Gesellschaft ist, umso weniger ist sie tolerant.

[00:33:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen diese unterschiedlichen Leute, die sind sehr hilfreich.

[00:34:00.240] – Bemerkung 22
Sie sprechen über Hochsensibilität. Das ist ja jetzt auch so eine Wunder-Diagnose. Sind das die gleichen
Symptome wie beim Asperger?

[00:34:07.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:34:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger, ASS, die sind alle hochsensibel.

[00:34:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen ihrer hohen Sensibilität, nehmen sie so viele Inputs rein. Dann gibt es einen System Overload und
dann ziehen sie sich zurück.

[00:34:29.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja gesehen, die Frau, die gesagt hat: Das ist mir alles zu viel, ist mir zu viel laut.

[00:34:32.790] – Bemerkung 22
Das ist keine Basisdiagnose?

[00:34:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich nicht, nein.

[00:34:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Eigenschaft. Hochsensibilität ist nicht eine Diagnose, das ist eine Eigenschaft.

[00:34:42.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können Lernstörungen haben, die können Hochbegabungen haben.

[00:34:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, da ist auch gesagt worden, sie haben nicht gern fremde Kleider.

[00:34:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Essen sind sie oft auch sehr sensibel und wenn etwas krazt auf der Haut, schrecklich. Wolle geht
gar nicht.

[00:35:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil Kunstfaser geht nicht.

[00:35:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hochsensibilität ist auch auf der Haut und im Geschmack, in den Ohren, in der Nase, sie haben nicht
gerne Lärm.

[00:35:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensibel kann man auf ganz verschiedene Gebieten sein.

[00:35:19.510] – Bemerkung 23
Wenn man auf den Notfall kommt, was soll man dann machen? Es gibt einen Ausweis von Autismus
Schweiz. Die Autisten können den auf der Notfallstation zeigen, in Italien, Griechenland, zum anstehen im
Museum, etc.

[00:36:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, habe ich nicht gewusst.

[00:36:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist das wie allergisch auf Penicillin.

[00:36:21.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ausweis vorzeigen. Super!

[00:36:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Abschluss möchte ich noch ganz etwas kurz sagen zu uns Medizinern.

[00:36:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mediziner und alle, die im Helferberuf sind, wir holen uns die Genugtuung, indem wir helfen können.

[00:36:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist macht es uns nicht so leicht zum helfen.

[00:37:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir hilflose Helfer werden, dann werden wir verzweifelt und manchmal auch böse oder ignorant.

[00:37:13.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Helfern: lernt aus euren Fehlern.

[00:37:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Spruch: errare humanum est. Irren ist menschlich.

[00:37:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie auch gesagt worden ist, wir können aus euren Fehlern lernen.

[00:37:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem der Helfer ist, dass sie es eigentlich recht machen wollen, dass sie helfen wollen und wenn
sie nicht helfen können, dann werden sie verzweifelt und manchmal sogar sadistisch.

[00:37:37.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hoffe auf viele lernfreudige Helfer.

Anlass im Zentrum Karl der Grosse, 2.12.2023 ADHS20+

Flyertext für den Anlass vom 2. Dezember 2023 im Karl dem Großen, organisiert von ADHS20+ zum Thema ADS, ASS, Hypersensibilität, Asperger Syndrom etc. Das Diagnose stellen von Erscheinungsbildern und Verhaltensweisen hat eine große Bedeutung in der medizinischen Behandlung. Die korrekte Diagnose bzw. Benennung der Symptome verspricht schon eine erfolgreiche Behandlung. In der Psychiatrie trifft diese Annahme aber nicht zu. Psychiatrische Erscheinungsbilder sind sehr stark von ihrem sozialen Umfeld beeinflusst. ADHS, ADS, ASS, Hochsensibilität etc. Zeichnen sich allesamt aus durch eine hohe Sensitivität. Deshalb ist ein neurotypgerechter Umgang mit ihnen besonders wichtig. Der Fokus in diesem Referat soll somit an erster Stelle auf einer kritischen Betrachtung des sozialen Umfelds im Umgang mit diesen Menschen liegen. Was schadet Ihnen und was brauchen Sie, damit Sie sich entwickeln können?

KarlDerGrosse_2.12.2023