Die Rolle von Selbstverletzungen bei Borderline-Patientinnen

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz, beschreiben Selbstverletzungen als ein häufiges Symptom bei Borderline-Patientinnen. Sie werden als ein dysfunktionaler Mechanismus zur Emotionsregulation und als ein Ausdruck tiefer innerer Not verstanden.

Selbstverletzung als Bewältigungsstrategie:

Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung erleben intensive, oft überwältigende Emotionen und haben Schwierigkeiten, diese zu regulieren. Selbstverletzungen, wie Schneiden oder Ritzen, dienen als ein Weg, mit diesen Emotionen umzugehen. Der körperliche Schmerz lenkt von den seelischen Schmerzen ab und führt zu einer kurzfristigen Entspannung. Betroffene beschreiben, dass das Fliessen des Blutes ihnen ein Gefühl der Kontrolle und Ruhe gibt.

Dr.med. Ursula Davatz erklärt diesen Mechanismus mit der Ableitung von Energie: „Wenn das emotionale Hirn überläuft, muss man etwas machen. Indem sie sich Schmerz zufügen, wird Energie in den Körper abgeleitet.“

Selbstverletzung als Hilferuf:

Neben der Emotionsregulation können Selbstverletzungen auch als ein Hilferuf verstanden werden. Die Patientinnen versuchen durch das sichtbare Zeichen ihrer Verletzung, auf ihre Not aufmerksam zu machen und Unterstützung zu bekommen. Oft fühlen sie sich unverstanden und allein gelassen und hoffen, durch die Selbstverletzung die Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Umgebung zu gewinnen.

Die Bedeutung der Beziehungsgestaltung:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Beziehungsgestaltung in der Therapie von Borderline-Patientinnen, insbesondere bei Suizidalität und Selbstverletzung, von zentraler Bedeutung ist. Eine stabile und tragfähige Beziehung zu einem Therapeuten oder einer anderen Vertrauensperson kann den Patientinnen Halt und Sicherheit geben und ihnen helfen, gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Umgang mit Selbstverletzungen in der Therapie:

Dr.med. Ursula Davatz rät dazu, Selbstverletzungen in der Therapie anzusprechen, aber kein grosses Theater darum zu machen. Wichtig sei es, nach den Gefühlen zu fragen, die hinter der Handlung stehen. „Was hat sie so zu Verzweiflung gebracht? Was hat sie belastet? Was hat sie verrückt gemacht?“ Durch das Verbalisieren der Gefühle kann die emotionale Belastung reduziert werden.

Alternative Strategien zur Emotionsregulation:

In der Therapie lernen die Patientinnen, ihre Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und auszudrücken, ohne auf selbstverletzendes Verhalten zurückzugreifen.

Zusammenfassend spielen Selbstverletzungen bei Borderline-Patientinnen eine komplexe Rolle. Sie dienen als dysfunktionale Bewältigungsstrategie für intensive Emotionen und können gleichzeitig ein Hilferuf sein. Eine verständnisvolle und tragfähige therapeutische Beziehung ist essenziell, um den Patientinnen zu helfen, gesündere Wege der Emotionsregulation zu finden.

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Die Rolle von ADHS und bipolaren Störungen bei Borderline

Dr.med. Ursula Davatz, in ihrem Vortrag über Borderline-Persönlichkeitsstörung, beleuchtet die Verbindung zwischen ADHS, bipolaren Störungen und Borderline.

ADHS als möglicher Faktor bei Borderline:

Dr. Davatz stellt fest, dass viele Frauen, bei denen Borderline diagnostiziert wird, auch Merkmale von ADHS aufweisen. Sie beschreibt diese Frauen als temperamentvoll, sensibel, leicht verletzlich und stark beziehungsorientiert. Diese Eigenschaften, die typisch für ADHS sind, können die Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und im zwischenmenschlichen Bereich verstärken, die bei Borderline oft zu beobachten sind.

Bipolare Störung als Komorbidität:

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt, dass Borderline-Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung auch bipolare Störungen entwickeln können. In diesen Fällen liegen dann drei Diagnosen vor: ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung und bipolare Störung.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

Sowohl bei Borderline als auch bei bipolaren Störungen kommt es zu starken Stimmungsschwankungen. Allerdings sind diese bei bipolaren Störungen in der Regel extremer und länger anhaltend.

  • Während Borderline-Patienten zwischen extremer Begeisterung und tiefer Verzweiflung schwanken können, erleben bipolare Patienten ausgeprägte manische Phasen mit übersteigerter Energie und Aktivität, gefolgt von depressiven Phasen mit Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit.

Bedeutung der Diagnose für die Behandlung:

Die Unterscheidung zwischen Borderline und bipolaren Störungen ist wichtig für die Wahl der geeigneten Therapie.

  • Während bei Borderline der Fokus auf der Beziehungsgestaltung und der Entwicklung von Emotionsregulationsstrategien liegt, stehen bei bipolaren Störungen oft medikamentöse Therapien im Vordergrund.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS ein Faktor sein kann, der die Herausforderungen bei Borderline verstärkt. Bipolare Störungen können als zusätzliche Diagnose auftreten, was die Komplexität der Behandlung erhöht. Die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Störungen ist wichtig, um eine individuell angepasste Therapie zu gewährleisten.

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Die zentrale Rolle der Beziehungsgestaltung in der Suizidalitätsbehandlung bei Borderline-Patienten

Die Quellen betonen die entscheidende Bedeutung der Beziehungsgestaltung in der Behandlung von Suizidalität bei Borderline-Patienten. Dr.med. Ursula Davatz unterstreicht, dass stabile Beziehungen der wichtigste Schutzfaktor gegen einen erfolgreichen Suizid sind.

Beziehungen als zentrales Bedürfnis und gleichzeitig Herausforderung:

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ein starkes Bedürfnis nach Beziehungen, kämpfen aber gleichzeitig mit intensiven Ängsten vor Ablehnung und Verlassenwerden.

  • Dieses Spannungsfeld führt oft zu instabilen Beziehungen und dramatischen Reaktionen auf vermeintliche Zurückweisungen, was wiederum das Suizidrisiko erhöht.
  • Suiziddrohungen und -versuche können als verzweifelte Versuche verstanden werden, Beziehungen aufrechtzuerhalten oder auf die eigene Not aufmerksam zu machen.

Beziehungsorientierte Therapie als tragende Säule:

In der Therapie ist es daher von zentraler Bedeutung, eine stabile und tragfähige Beziehung zum Patienten aufzubauen.

  • Diese Beziehung bietet dem Patienten Halt und Sicherheit und ermöglicht es ihm, seine Ängste und Verletzlichkeiten zu zeigen, ohne befürchten zu müssen, zurückgewiesen zu werden.

Verständnis und Akzeptanz statt Manipulation:

Dr. Davatz warnt davor, Suiziddrohungen als reine Manipulation abzutun. Sie betont, dass hinter diesen Drohungen immer echte Verzweiflung und Leid stecken.

  • Der Therapeut sollte dem Patienten empathisch begegnen und versuchen, seine emotionale Not zu verstehen.

Kontinuität in der Beziehung als wichtiger Faktor:

Beziehungsabbrüche sind für Borderline-Patienten besonders schwer zu verkraften und können das Suizidrisiko deutlich erhöhen.

  • Daher ist es wichtig, dass der Patient, wenn immer möglich, von derselben Bezugsperson betreut wird, sowohl im therapeutischen als auch im beruflichen Umfeld.

Konkrete Empfehlungen für den Umgang mit Suizidalität:

  • Suiziddrohungen ernst nehmen: Niemals bagatellisieren oder als reine Manipulation abtun.
  • Hilferuf erkennen: Suiziddrohungen als Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit verstehen.
  • Beziehung aufrechterhalten: Dem Patienten signalisieren, dass man für ihn da ist und ihn nicht aufgibt.
  • Professionelle Hilfe hinzuziehen: Im Zweifel immer einen Arzt oder Psychotherapeuten kontaktieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beziehungsgestaltung eine zentrale Rolle in der Behandlung von Suizidalität bei Borderline-Patienten spielt. Eine stabile, tragfähige und kontinuierliche Beziehung zu einem Therapeuten oder einer anderen Vertrauensperson kann dem Patienten Halt und Sicherheit geben und das Suizidrisiko deutlich reduzieren.

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Der Unterschied zwischen Borderline-Persönlichkeitsstörung und Hysterie

Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz beleuchtet die historische Entwicklung der Diagnose und betont den Zusammenhang zwischen der Borderline-Persönlichkeitsstörung und der früheren Diagnose der Hysterie.

Die Ablösung der Hysterie durch die Borderline-Persönlichkeitsstörung:

  • Dr.med. Ursula Davatz erläutert, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung im Wesentlichen die Diagnose der Hysterie bei Frauen abgelöst hat.
  • Früher wurde der Begriff „hysterische Frau“ verwendet, um Frauen zu beschreiben, die „übertrieben emotional und impulsiv“ waren.
  • Diese Diagnose wurzelte in einer männlich geprägten Sichtweise, die Frauen als emotional instabil und irrational betrachtete.
  • Mit der Zeit wurde der Begriff „Hysterie“ als stigmatisierend und unwissenschaftlich erkannt und aus dem medizinischen Sprachgebrauch entfernt.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

  • Beide Diagnosen, Hysterie und Borderline-Persönlichkeitsstörung, zeichnen sich durch starke emotionale Schwankungen und Impulsivität aus.
  • Der Unterschied liegt jedoch in der Perspektive und dem Verständnis der zugrundeliegenden Ursachen.
  • Während die Hysterie-Diagnose die emotionalen Ausbrüche von Frauen pathologisierte und auf ihre vermeintliche weibliche Natur zurückführte, versucht die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die emotionalen Schwierigkeiten im Kontext der individuellen Lebensgeschichte und des sozialen Umfelds zu verstehen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung als Folge eines unterdrückten emotionalen Ausdrucks:

  • Dr.med. Ursula Davatz argumentiert, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig aus einem unterdrückten emotionalen Ausdruck in der Pubertät resultiert, insbesondere bei Mädchen, denen nicht erlaubt wird, ihre Emotionen frei auszuleben.
  • Wenn Mädchen in dieser entscheidenden Phase der Persönlichkeitsentwicklung lernen, ihre Emotionen zu unterdrücken, um den Erwartungen ihres Umfelds gerecht zu werden, kann dies zu inneren Konflikten und einer Störung der emotionalen Regulation führen.

Fazit:

  • Die Borderline-Persönlichkeitsstörung kann als eine modernere und differenziertere Diagnose verstanden werden, die die Komplexität der emotionalen Schwierigkeiten von Frauen (und auch Männern) besser erfasst als die veraltete und stigmatisierende Diagnose der Hysterie.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Wir behandeln Menschen und nicht Symptome

Die Psychiatrie lehnt sich noch immer viel zu stark an die somatische Medizin an, in der man an erster Stelle Krankheitssymptome behandelt. In der Psychiatrie beschäftigt man sich mit dem Gehirn, ein soziales und gleichzeitig plastisches Organ, das sehr stark von der Interaktion mit dem Umfeld abhängig ist und dadurch auch verändert und geprägt wird, im Sinne der Epigenetik. Die Familiengeschichte wie auch die persönliche Lebensgeschichte spielen aus dieser Sicht bei psychischen Krankheiten eine enorm wichtige Rolle und dürfen nicht ausgelassen werden. In diesem Sinne sollte immer der Mensch innerhalb seiner Lebensgeschichte behandelt und nicht nur seine Krankheitssymptome bekämpft werden. Nur so ist eine ganzheitliche und persönliche Behandlung möglich.

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