Muttersprache, Vatersprache

Muttersprache, Vatersprache

Tag: Donnerstag, 11. Mai 2017
Zeit: 13.30–17.00 Uhr
Ort: Kultur- und Kongresshaus Aarau

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

11.5.2017
Muttersprache, Vatersprache
Audio

[00:00:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen. Ich freue mich natürlich, hierhin zu
kommen. Ich habe gerne Arbeitsgruppen und gerne Kontinuität.

[00:00:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht. Es ist zum ersten Mal, dass ich das Thema
behandle: Muttersprache, Vatersprache.

[00:00:18.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist für mich auch eine Herausforderung.

[00:00:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer schon für Anthropologie interessiert.

[00:00:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die menschliche Sprache, ist eine riesige Erfindung vom Homo sapiens.

[00:00:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere anderen Verwandte, also die Affen, können nicht reden.

[00:00:37.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Affen können nicht reden, weil sie nicht den Kehlkopf haben, wie wir haben.

[00:00:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können vom Gehirn her den Kehlkopf nicht ennervieren, also nicht manipulieren.

[00:00:48.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vögel können besser reden, aber sie haben nicht das Gehirn. Sie haben nicht das
gleiche Gehirn wie wir.

[00:00:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Affen haben das Gehirn, aber sie können nicht reden.

[00:00:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Beides.

[00:00:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das Gehirn, um das alles zu speichern und wir können reden.

[00:01:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist die Erfindung der Sprache, ein riesiger evolutionärer Schritt gewesen
beim Homo sapiens.

[00:01:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bisschen medizinisch, der läuft über zwei Zentren im Gehirn.

[00:01:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Zentrum ist das Gehörzentrum, das Wernickische Gehörzentrum und das andere
Sprachzentrum, wo man Konzepte erarbeitet und wo man auch denkt.

[00:01:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die beiden tun miteinander gut kommunizieren.

[00:01:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich noch viel komplexer, aber es sind die beiden Zentren.

[00:01:41.750] – Dr.med. Ursula Davatz

Kleine Babys bis zum zweiten Altersjahr hören alle Frequenzen.

[00:01:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können noch alles prozessieren.

[00:01:49.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann älter werden, mit dem Spracherwerb, und das ist eine
Effizienzsteigerung, dann tun sie die Frequenzen, die nicht in der Muttersprache
drinnen sind, rauslöschen.

[00:02:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, dann sind sie nur noch sensibel auf die Frequenzen der Muttersprache.

[00:02:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da passiert eine Selektion im Gehirn bei der Prozessierung.

[00:02:12.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Sprachen, das weiss ich leider nicht mehr, die eine grössere Bandbreite haben
und es gibt Sprachen, die eine engere Bandbreite haben.

[00:02:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schweizerdeutsch hat eine relativ grosse Bandbreite.

[00:02:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hochdeutsch ein bisschen weniger, glaube ich.

[00:02:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die Nuancen.

[00:02:31.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: C'est le ton qui fait la musique.

[00:02:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man hört in der Sprache nicht nur den Inhalt, sondern immer auch das
Mitschwingen.

[00:02:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Sprachen, die schwingungsfähiger sind.

[00:02:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich so beobachtet. Alle Bergsprachen sind viel schwingender.

[00:02:46.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen die in der flachen Ebene sind so ein bisschen flacher.

[00:02:51.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist die Sprache eigentlich?

[00:02:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache ist ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel, das andere nicht haben. Es
gibt natürlich andere Kommunikationsmittel, die sogenannte Körpersprache.

[00:03:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mimik ist ein Kommunikationsmittel.

[00:03:07.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache ist ein sehr differenziertes Kommunikationsmittel für uns Menschen als
soziale Wesen.

[00:03:14.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wachsen ja in Gemeinschaften auf und wir sind soziale Wesen.

[00:03:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist tief in unseren Genen verankert.

[00:03:22.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher hat die Sprache mit sich gebracht, dass über die Sprache sehr viel viel mehr
gelernt werden kann und schnell gelernt werden kann in einer kurzen Zeit.

[00:03:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gesagt, Kinder lernen sehr schnell alle die Sprachen und Sitten.

[00:03:39.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache macht uns um vieles anpassungsfähiger.

[00:03:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man evolutionstechnisch guckt, dann sagt man, wer ist am besten
anpassungsfähig und wer weniger.

[00:03:54.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man zwei Anpassungen anschauen. Es gibt eine schnelle Anpassung und eine
langsamere Anpassung.

[00:04:01.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto schnellster Anpassung sind wir den Viren und den Bakterien unterlegen.

[00:04:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können viel schneller anpassen, aber die sind kopflos.

[00:04:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Viren haben nicht einmal eine Zellhaut.

[00:04:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, die können ihren Gensatz so schnell verändern, dass sie uns voraus eilen.

[00:04:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bakterien zum Teil auch.

[00:04:24.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist heutzutage ein Problem, in der Medizin und in den Spitälern. Man redet von
Hospitalismus.

[00:04:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bakterien tun sich schneller verändern, als wir Antibiotika entwickeln können.

[00:04:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein evolutionstechnisch, punkto Schnelligkeit, sind die schnelle

[00:04:42.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto nachhaltiger Anpassung sind sie natürlich längst nicht so gut wie wir Menschen,
da sind wir ihnen wesentlich überlegen.

[00:04:51.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir am besten von allen eben über die Sprache.

[00:04:56.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auch noch eine schnelle Anpassungsfähigkeit über die Emotionen und den
Reflex, aber über die Sprache wird ja dann das Grosshirn ausgebildet und von daher ist
dann eine sehr vernünftige, nachhaltige, komplizierte Anpassung.

[00:05:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, je mehr Situationen, dass das menschliche Hirn ausgesetzt ist, umso
komplexer wird es und umso anpassungsfähiger.

[00:05:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem müssen wir arbeiten und zu dem werden wir gezwungen, indem wir jetzt so
viele Kulturen untereinander haben.

[00:05:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist gute Anpassung, nicht unbedingt schnelle Anpassung.

[00:05:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet ja oft von Aktivismus.

[00:05:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Aktivismus ist eine schnelle Anpassung, aber nicht immer eine nachhaltige und nicht
immer eine vernünftige.

[00:05:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eher eine kopflose Anpassung.

[00:05:45.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im heutigen digitalen Zeitalter haben wir dann noch mal eine Anpassung.

[00:05:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel von unserer Hirnfähigkeit ausgelagert auf Computer, vom Gedächtnis in die
Cloud.

[00:05:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind unsere Speicher.

[00:06:01.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade gestern habe ich am Fernseher gesehen, wie Garry Kasparov , also der beste
russische Schachspieler, verzweifelt war, als er gegen die Maschine, den
Schachcomputer verloren hat.

[00:06:19.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Schachspiel ist nicht Leben.

[00:06:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Schachspiel ist nur ein Mathematisches Spiel. Das ist viel weniger komplex als das
Leben.

[00:06:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer verfallen immer der geistigen Fähigkeit, gut logisch argumentieren zu
können, aber das ist nicht Leben.

[00:06:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist sogar so weit, dass wenn man Computer möglichst gescheit machen will, dass
Fehler einprogrammieren muss, damit sie lernen.

[00:06:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Fehler lernen sie nicht.

[00:06:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Errare Humanum est. Irren ist menschlich.

[00:06:53.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Fehler lernen wir.

[00:06:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen Fehler machen, damit wir immer wieder neue Anpassungen vornehmen
können.

[00:07:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Die NZZ vom 8.4.2017, "Wir Schönwetterpiloten: Es kommt nicht so sehr auf den Start
an, sondern auf das Korrigieren nach dem Abheben. Das gute Leben gelingt nur durch
ständiges Nachjustieren."

[00:07:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben bringt uns immer wieder Überraschungen und an die müssen wir uns
anpassen.

[00:07:20.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht bei uns um eine Anpassungsfähigkeit und nicht um Gerechtigkeit, Korrektheit,
etc.

[00:07:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon alles auch wichtig, aber schlussendlich, wenn es wenn es um das Leben
geht, geht es immer um die Anpassungsfähigkeit.

[00:07:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die intellektuellen Strukturen, so wie die Schachspieler, die sind zum Teil zu rigide, dass
sie dann mit dem Leben nicht in Gang kommen und falsche Lösungen machen.

[00:07:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne verlangt die digitale Welt von uns noch mal eine Anpassung.

[00:07:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die läuft auch schnell, aber wir dürfen uns von dieser schnellen Anpassung nicht
überrennen lassen, mit unserem menschlichen Hirn, das immer noch sehr viel besser
ist, viel flexibler, viel lernfähiger.

[00:08:06.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gesagt, die schnelle Anpassung ist eher kopflos.

[00:08:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Zur Muttersprache, Vatersprache.

[00:08:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne keine Sprache, wo man Vatersprache sagt.

[00:08:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht. Kennt jemand eine?

[00:08:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt es sicher, aber ich weiss es nicht.

[00:08:28.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache spielt eine sehr wichtige Rolle in der sozialen Vererbung.

[00:08:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sind immer sehr stolz, wenn sie etwas genetisch verankert sehen.

[00:08:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder das Kanaldenken.

[00:08:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann Materie und das ist ganz sicher und so ist es so.

[00:08:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit wir den Gensatz aufschlüsseln können, sind wir auch sehr fokussiert auf die
genetische Forschung.

[00:08:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine interessante Forschung, aber so viel hat sie uns noch gar nicht gebracht.

[00:09:02.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist sehr interessant, sie wird in der Krebsforschung am meisten verwendet.

[00:09:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann personalisierte Medizin, in dem man den Gensatz analysiert und dann
quasi Medikamente entwickelt, welche auf die Gene spezifisch ausgerichtet sind, auf
die Eigenschaften von den Genen.

[00:09:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kennen Sie das Wort Epigenetik.

[00:09:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind nicht nur bestimmt durch die Gene.

[00:09:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht eine lineare Kausalität.

[00:09:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gene haben auch epigenetische Möglichkeiten.

[00:09:39.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der epigenetische Prozess heisst, über die Auseinandersetzung von unseren Genen
und natürlich von dem, wie wir uns verhalten, von unserem Gehirn, mit dem Umfeld,
kann unser Gehirn verändert werden.

[00:09:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, der Mensch ist ein soziales Wesen, das Hirn ist ein soziales Organ.

[00:09:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Organ wird beeinflusst über die Interaktion mit dem Umfeld.

[00:10:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir stellen alle Umfeld dar.

[00:10:03.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird von den meisten Genen, die epigenetisch beeinflussbar sind,
bestimmt.

[00:10:11.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht natürlich wieder Sinn.

[00:10:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dadurch sehr viel anpassungsfähiger.

[00:10:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das anpassungsfähigste Wesen auf lange Zeit raus.

[00:10:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Forschung läuft häufig nur über die Gene und die Somatik.

[00:10:28.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere natürlich jetzt immer für die psychosoziale Interaktion.

[00:10:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die genetische Vererbung und die soziale Vererbung.

[00:10:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache ist ein ganz wichtiges Mittel, um die soziale Vererbung weiterzugeben.

[00:10:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommen wir eben zur Muttersprache.

[00:10:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Lernen von der Sprache, die Motivation zum Lernen, das wird bestimmt über unser
Mittelhirn, über unser emotionales Hirn, ich sage dem: das limbische System.

[00:11:08.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer das Schema von meiner Hand.

[00:11:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Finger sind das Grosshirn, welches beim Menschen am grössten ist, am meisten
ausgebildet ist.

[00:11:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das Mittelhirn. Das ist das emotionale Gehirn, das limbische System.
Das ist angeordnet im Kreis. Er hat viele kleine Zentren, es ist nicht einfach ein
Zentrum.

[00:11:34.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sich entwickelt bei den Säugetieren.

[00:11:39.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, bei den Säugetieren ist die Mutter-Kind Bindung etwas ganz wichtiges,
sonst überlebt das Kind nicht.

[00:11:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bindung wird über das emotionale Gehirn garantiert. Das ist das
Bindungsverhalten.

[00:11:50.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Gehirn ist auch die Motivation. Das motiviert uns, das macht Bindung.
Über die Bindung lernt man auch die Sprache.

[00:12:02.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache wird gelernt über das Bindungsverhalten.

[00:12:05.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist notwendig, dass wir die Sprache lernen wollen.

[00:12:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es weiter. Neurobiologie ist hochinteressant.

[00:12:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind will gesehen werden. Es will wahrgenommen werden.

[00:12:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind gibt Signale von sich, damit die Mutter reagiert.

[00:12:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter auf das Kind reagiert, dann gibt das ein Wohlgefühl beim Kind.

[00:12:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind zeigt das mit einem Lächeln.

[00:12:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier spricht man von Empathie und Spiegelneuronen.

[00:12:48.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter lächelt, lächelt das Kind, wenn das Kind lächelt, lächelt die Mutter.

[00:12:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man tut sich da gegenseitig anstecken.

[00:12:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft alles über das limbische System.

[00:12:57.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt ein Wohlgefühl Verhalten.

[00:12:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn viel von dem Wohlgefühl Verhalten produziert wird, immer wieder zu Stande
kommt, zwischen Mutter und Kind, dann wird das Kind resilienter.

[00:13:12.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Resilienter gegen Stress und von daher fähiger in der Welt zu bestehen.

[00:13:20.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das, was wir wollen.

[00:13:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Untersuchungen von Michael Meany.

[00:13:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Michael Meany ist ein Tierforscher, Zoologe aus Kanada. Er ist jetzt in das
Humanverhalten reingekommen.

[00:13:38.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob sie das schon gehört haben.

[00:13:41.010] – Dr.med. Ursula Davatz
High-licking Mothers, Low-Licking Mothers.

[00:13:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter, die ihre Babys viel schlecken und Mütter, die ihre Babys wenig schlecken, also
viel oder wenig interagieren mit ihren Babys.

[00:13:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Babys von den Müttern, die viel geschleckt haben, die sind Stress resistenter.

[00:14:04.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Babys von den Müttern, die wenig interagieren mit dem Kind, die sind weniger
stressresistent.

[00:14:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man Adoptionen vorgenommen.

[00:14:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Babys von den Low-Licking Mothers, den High-Licking Mothers zur
Adoption gegeben, so wie Romulus und Remus, dort hat die Wölfin – auch ein soziales
Wesen – adoptiert.

[00:14:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Kinder auch stressresistenter geworden.

[00:14:31.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man die Kinder in ein gutes Umfeld rein tut, dann werden sie auch resistenter.

[00:14:40.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Michael Meany gefragt.

[00:14:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Michael Meany hat gesagt, dass Kindergarten genauso hilfreich ist wie High Licking
Mothers.

[00:14:41.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie Kinder von ausländischen Familien oder von Familien, die nicht so viel Zeit
haben für ihre Kinder, indem sie die betreuen, mit denen interagieren, denen zulächeln,
mit denen positive Interaktionen haben, haben sie die gleiche Wirkung, als ob sie eine
High-Licking-Mother wären.

[00:15:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ersetzen die Mutter auf eine Art, mindestens stellvertretend, zeitlich begrenzt.

[00:15:24.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher machen sie natürlich einen ganz, ganz wichtigen Job.

[00:15:29.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre schlimm, wenn das Kind zu Hause wäre und ganz alleine.

[00:15:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem das Kind in die Spielgruppe, den Kindergarten kommen kann, bekommt das Kind
den High-Licking Effekt und wird stressresistenter.

[00:15:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen wichtigen Platz in der Prävention und das dürfen wir ja nicht
unterschätzen.

[00:15:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Spracherwerb geschieht ab zwei bis drei Jahren.

[00:16:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr frühe Kinder sind schon früher dran.

[00:16:15.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint oft, ein Kind kann sich erst erinnern, wenn es schon die Sprache hat.

[00:16:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt aber nicht.

[00:16:34.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Was Musik betrifft, können sie Musikstücke erkennen und was sexuellen Missbrauch
oder sonstigen Missbrauch betrifft, können sie sich daran erinnern.

[00:16:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich auch schon im präverbalen Stadium daran erinnern, einfach nicht mit
Sprache.

[00:16:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch holt es dann im Laufe der Zeit, wenn er begleitet wird, holt er es rein, in
den sprachlichen Bereich und kann es dann ausdrücken.

[00:16:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir machen immer den Fehler, dass wir denken, das Kind kann noch nicht
wahrnehmen, das Kind kann noch nicht erinnern, solange es noch nicht reden kann.

[00:17:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein juristisches Denken.

[00:17:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man es dokumentieren kann, dann ist es wahr. Vorher ist es nicht wahr.
Stimmt natürlich nicht.

[00:17:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas Wichtiges, dass man das weiss als Betreuer von Kindern.

[00:17:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man ein Kind ernst nimmt, auch wenn es sich noch nicht formulieren kann.

[00:17:20.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat doch Erinnerungen an Gerüche, an Bilder.

[00:17:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bildgedächtnis ist schon viel früher da und funktioniert und wird weitergetragen ins
Erwachsenenleben.

[00:17:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede von der sogenannten sozialen Vererbung als Gegensatz zur genetischen
Vererbung.

[00:17:47.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Brocasche Sprachzentrum, werden nicht nur Begriffe, also Wörter und
Bedeutungen, sondern auch Denkweisen, Haltungen, Traditionen,
Glaubensbekenntnisse, Wertvorstellungen und so weiter weitergegeben.

[00:18:13.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir genau schauen, wenn wir irgendein Wort nehmen, dann ist das nicht für jeder
das Gleiche.

[00:18:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann so Spielereien von den Sprachwissenschaftlern: ein Tisch ist ein Tisch ist
ein Tisch.

[00:18:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt einfach immer wieder das Gleiche und will damit sagen: Ich will es jetzt
fixieren.

[00:18:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein bisschen kompliziertere Begriffe nimmt, dann auf einmal tut sich das
verändern.

[00:18:40.530] – Dr.med. Ursula Davatz
In jeder Sprache wird die Welt ein bisschen anders repräsentiert, mit einem anderen
Fokus, mit einer anderen Wichtigkeit, was wichtig ist und was nicht.

[00:18:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran muss man denken.

[00:18:52.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken so wie wir Schweizer denken, auf Schweizerdeutsch, so würden auch alle
anderen Denken.

[00:18:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine türkische Familie gehabt und die hat etwas gestohlen, nichts Wichtiges,
aber sie ist dann krank geworden davon, weil sie polizeilich verfolgt worden ist und den
Job verloren hat, etc.

[00:19:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich das Sprichwort gebraucht: Man soll dem Ochsen der drischt das Maul nicht
verbinden.

[00:19:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Sprichworten, in den Sprachbildern sind oft viele Denkarten enthalten.

[00:19:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie dann gefragt, ob es auf Türkisch auch so ein Sprichwort gibt.

[00:19:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wusste dann aber nichts.

[00:19:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt aus einer Gesellschaft, wo es Höhere gibt, also Gutsbesitzer und Arbeiter,
die arbeiten. Das sind keine freien Bauern. Das kommt wahrscheinlich aus
Deutschland.

[00:19:48.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Knechte, dass die vorzu essen dürfen.

[00:19:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat den Ochsen verwendet und nicht den Arbeiter.

[00:19:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine hohe Schicht und eine tiefe Schicht. Man hat dem Mitarbeiter das zulassen
müssen.

[00:19:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In jeder Firma passiert es, dass Dinge mitgenommen werden.

[00:20:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Vererbung und jetzt bei der materiellen Vererbung, also Geld, Haus, Land, etc.,
da reden wir von patrilinealer Vererbung und matrilinealer Vererbung.

[00:20:34.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das Erbe wird dem Sohn weitergegeben oder das Erbe wird der Tochter
weitergegeben.

[00:20:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz ist das Vererbungsrecht mehrheitlich patrilineal.

[00:20:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Bauern der älteste Sohn, im Emmital der jüngste Sohn.

[00:20:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer ein Sohn bekommt den Hof, weil man denkt, nur der kann den Hof leiten, eine
Frau kann das nicht.

[00:20:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Denkweise stammt aus der Zeit, wo man der Frau nicht zugetraut hat, dass sie
irgendwas verwalten könnte.

[00:21:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland, es gibt Kulturen, wo über tausende von Jahren das Matriarchat
geherrscht hat, dann wurden sie vom Patriarchat überrollt worden.

[00:21:16.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vererbung läuft dann immer noch matrilineal.

[00:21:25.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn die politische Struktur patrilineal ist.

[00:21:31.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in Griechenland so.

[00:21:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland bekommen die Töchter ein Häuschen, die bleiben an Ort und Stellen.
Bei denen weiss man, dass das Kind von ihnen ist, es sind die eigenen Genen.

[00:21:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern weiss man nicht, wo die noch überall Kinder zeugen. Die will man
nicht unterstützen, man will nur seine eigenen Gene unterstützen.

[00:21:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Tochter bekommt ein Haus, damit sie einen festen Sitz hat, damit die Kinder ein
Nest haben. Das ist die Absicherung der Fortpflanzung.

[00:21:56.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es nicht genügend Erbe gibt, bekommt der Sohn nichts. Er muss dann eine
reiche Tochter heiraten. So kommt er dann auch wieder zu Besitz.

[00:22:03.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein türkischer Assistenzarzt hat immer gesagt: Nach aussen in der Politik ist es sehr
patriarchal. Drinnen im Haus sind die Mütter sehr dominant.

[00:22:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche ist zum Teil im Islam.

[00:22:40.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Drinnen im Haus haben die Mütter die Herrschaft und ausserhalb des Hauses tun die
Männer politisieren.

[00:22:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Gesellschaften arbeiten die Frauen auch.

[00:22:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Jägern und Sammlern bringen die Männer nur 20% vom Essenseinkommen
ein, die Frauen 80%.

[00:23:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Jäger eine grosse Beute einbringt, gibt es ein grosses Hallo, ein Freudenfest,
aber bei den Frauen ist das einfach gegeben.

[00:23:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Tradition läuft auch noch bei uns.

[00:23:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz
An einem Vortrag über die Türkei hat jemand gesagt, dass die Türken von China her
eingewandert sind. Dort gab es ein starkes Matriarchat. Die Türken haben das dann
patriarchalisiert. Hinten dran gibt es immer noch das Matriarchat.

[00:23:57.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vererbung läuft matriarchal und das politische System ist patriarchal.

[00:24:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche ist in Griechenland. In der Demokratie In Griechenland, dort sind Frauen
ausgeschlossen gewesen.

[00:24:17.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind so stolz auf den Anfang von der Demokratie, aber für die Frauen ist das gar
nichts gewesen.

[00:24:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vererbung, die hat sich gehalten und die geht weiter matriarchal.

[00:24:30.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden nicht nur die Wertvorstellungen, männlich oder weiblich, weitergegeben,
sondern auch Gegenstände und Besitz.

[00:24:41.670] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer multikulturellen Gesellschaft gibt es natürlich alles durcheinander.

[00:24:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird dann die Muttersprache geredet und Vatersprache, auch wenn man vielleicht
nicht einmal Vatersprache sagt.

[00:24:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Vatersprache werden sehr viele patriarchale Werte durchgegeben.

[00:25:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das höre ich schon von Süditalienern. Ich höre es natürlich von Albanern.

[00:25:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen, der männliche Ehrbegriff ist das Höchste.

[00:25:18.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mann gekränkt wird in seiner Ehre, dann wird er gefährlich.

[00:25:23.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, wenn sie mit Männern zu tun haben von patriarchal denkenden Kulturen,
da müssen sie als Frau unglaublich aufpassen, dass sie den männlichen Stolz nicht
verletzen.

[00:25:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den verletzt, wird es gefährlich.

[00:25:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte schon so Geschichten, wo die Lehrerin dem türkischen Mädchen geholfen hat
in das Frauenhaus zu gehen.

[00:25:45.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fall kam dann zu uns. Ich hatte einen türkischen Assistenzarzt.

[00:25:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben mit dem Vater gesprochen. Der Vater hat gesagt: Ich hätte die Lehrerin
umbringen können. Die Lehrerin hat in seine politische Sphäre, seinen Besitz
eingegriffen.

[00:25:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im patriarchalen Denken gehört die Frau zum Hausrat und Kinder sowieso.

[00:26:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Die besitzt man und über die verfügt man.

[00:26:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab Zeiten, wo man sie so schützen musste.

[00:26:21.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Denken bleibt immer noch im System drinnen.

[00:26:28.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Thurgau ist passiert, dass ein Vater eine Lehrerin erschossen hat, weil sie sich nicht
geachtet hat, was dem seine Kultur ist, weil sie einfach gut Schweizerisch eingriffen hat,
Gleichberechtigung und so weiter.

[00:26:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine andere Geschichte habe ich gehabt, da wurde ein junges 16 jähriges Mädchen
geschlagen. Die Sozialarbeiterin hat eingegriffen, weil sie von ihrem Bruder geschlagen
wurde, patriarchal, das darf der ältere Bruder, der muss für die schauen.

[00:26:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in Griechenland darf das Mädchen nicht alleine ausgehen, es muss immer mit
einem Mann zusammen sein.

[00:27:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In Kasachstan, wenn man eine Gesellschaft hat, muss immer der älteste Mann im
Haus, der muss den ersten Toast machen, alle Gäste begrüssen.

[00:27:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der älteste man im Raum fünf Jahre alt ist und die Grossmutter 80 Jahre alt ist, er
muss das machen, der fünfjährige Bub. Das ist absolut patriarchal.

[00:27:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin hat eingegriffen und sie wurde umgebracht.

[00:27:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser multikulturellen Gesellschaft muss man Rücksicht nehmen auf die sozialen
Werte, auf die ethischen Wertvorstellungen, die mit dieser Sprache weitergegeben
werden.

[00:27:54.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir gegen diese Regelung, gegen diese soziale Regelung verstossen, kann es
gefährlich werden.

[00:28:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mit einem albanischen System zu tun. Wir haben den Grossvater in die
Schweiz geholt, weil ich an die Familie glaube. Die Familie war mir sehr dankbar. Ich
wurde fast albanisiert.

[00:28:35.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der 20-jährige Sohn von dem albanischen Vater ist sehr begabt gewesen. Nach der
Lehre ist ihm irgendwie alles zu viel gewesen.

[00:28:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist in die Psychiatrie gekommen, ist psychotisch geworden.

[00:28:56.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn nie mehr in den Arbeitsprozess hinein gebracht.

[00:29:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn nie wieder rehabilitieren können.

[00:29:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben uns wahnsinnig Mühe gegeben.

[00:29:08.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn begleitet, seine Frau begleitet, den Grossvater begleitet, verschiedene
Spitex-Schwestern, meine Psychiatrie-Schwester damals vom SPD. Ich habe den Sohn
begleitet.

[00:29:24.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat drei Kinder bekommen und die sind alle gut rausgekommen.

[00:29:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention.

[00:29:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn nicht mehr in unsere Schweizerische Arbeitswelt hineingebracht.

[00:29:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder haben wir durchgebracht.

[00:29:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle gute Jobs. Der Sohn hat sogar eine Schweizerin geheiratet.

[00:29:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Problem in der Familie auftaucht, wenden sie sich wieder an mich.

[00:29:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sich der Sohn mal wieder an mich gewendet, wenn der Vater irgendwie zu viel
Geld ausgegeben hat oder zuviel Geld verspielt hat, süchtig gewesen ist.

[00:30:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch schon Enkelkinder.

[00:30:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Das zeigt: ihre Interventionen tragen Früchte.

[00:30:11.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist es wenig und es bewirkt ganz viel.

[00:30:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier mache ich einen schnellen Schwenker zum medizinischen Modell.

[00:30:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin hat man immer eine Diagnose und die wird dann behandelt.

[00:30:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Systemikerin, welche die ganze Familie anschaut, ich sehe zwar da das
Symptom, aber das ist nicht das Wichtige. Ich setze nicht am Kranken an, sondern am
ganzen System.

[00:30:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, das System zu stärken, sodass es gut weitergeht.

[00:30:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser Familie ist mir das gelungen.

[00:30:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Assistenzarzt hat noch mitgemacht.

[00:30:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gar nicht so viel Aufwand gewesen.

[00:30:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen, wenn man dann das kranke Kind in die Psychiatrie tun muss, wie die
Geschichte von einem russischen Knaben zeigt, dann wird alles nur noch schlimmer.

[00:30:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Blick vom 25.4.2017: Kesb schickte Boris (12) mit der Kutsche in die Ferien! Schon die
Bewachung kostet horrende Summen – dazu gibts teure «Erlebnispädagogik».

[00:30:52.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulen sind nicht mit dem Junge in den Gang gekommen.

[00:31:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie hat die Polizei geholt um den Knaben zu beherrschen, kontrollieren.

[00:31:04.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist alles immer schlimmer geworden.

[00:31:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ganze hat CHF 85'000.- pro Monat gekostet. Das ist wahnsinnig.

[00:31:23.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie, die da früher intervenieren, so viel mehr erreichen mit den CHF 85'000.-

[00:31:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg vom medizinischen Modell, hin zum System unterstützen.

[00:31:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Sprache wird auch immer Emotionales weitergegeben.

[00:31:54.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in seiner Muttersprache redet, ist wahrscheinlich der emotionale Transfer,
der authentische Transfer, wie man sich fühlt, der kommt besser rüber in der
Muttersprache.

[00:32:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la Musique.

[00:32:10.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich distanzieren will von einem Problem, ist es sogar hilfreich, in der
Muttersprache zu reden.

[00:32:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man es im Kopf so übersetzen und das gibt schon eine kleine
Distanzierung.

[00:32:26.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Hilfe zum distanzieren.

[00:32:26.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein grosses Problem hat, ist es vielleicht gut.

[00:32:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn meine Grossmutter verrückt war, hat sie plötzlich schönes Hochdeutsch
gesprochen, kein Bayrisch.

[00:32:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss ich jetzt Hochdeutsch sprech, damit ihr das endlich versteht?

[00:32:43.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war für sie ein Distanzierungsinstrument.

[00:32:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen Mutter und Kind wollen wir eigentlich keine Distanzierung.

[00:32:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir wollen High-Licking Mothers.

[00:32:57.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen, dass der emotionale Transfer wirklich funktioniert.

[00:32:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher wird die Frage beantwortet.

[00:33:08.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter nicht Schweizerdeutsch redet oder nicht Deutsch redet, sondern eine
andere Sprache, soll sie dann mit dem Kind schon anders reden?

[00:33:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Soll sie Deutsch reden? Soll sie das forcieren?

[00:33:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sagt man: Nein, sollen wir nicht!

[00:33:25.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Mutter soll ihre Muttersprache reden.

[00:33:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vater soll seine Vatersprache reden, damit der emotionale Transfer ungehindert,
ungefiltert übergeht.

[00:33:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn er verrückt ist, dann darf sie/er, um sich zu beruhigen.

[00:33:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Eltern dann immer machen wenn sie ein Geheimnis vor dem Kind haben, dann
reden sie ihre "Geheimsprache", von der sie meinen, dass das Kind sie nicht versteht.

[00:33:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind versteht alles.

[00:34:00.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann so ein Versteckspiel, wo man sich gegenseitig voneinander distanziert.

[00:34:02.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hört alles mit, versteht alles und die Eltern meinen, es verstehe gar nichts.

[00:34:11.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, wie wenn das Kind an der Türe zuhören geht, wenn die Eltern miteinander
im Schlafzimmer streiten.

[00:34:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychologisch gesehen soll man seine Mutter-/Vatersprache sprechen.

[00:34:21.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht eine Fremdsprache sprechen wollen, damit es das Kind lernt.

[00:34:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mehrsprachigen Familien, sehr sprachbegabte Kinder, die lernen problemlos schnell
zwei, drei, vier Sprachen.

[00:34:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist so flexibel.

[00:34:49.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, die nicht so sprachbegabt sind, die haben mehr Mühe.

[00:34:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss man so ein bisschen heraus spüren.

[00:34:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern, die nicht so sprachbegabt sind, da ist es wichtig, dass man eine
Sprache sorgfältiger, konsequenter spricht, damit sich das Kind zu Hause fühlen kann.

[00:35:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind sich nicht in einer Sprache, sehr gut zuhause fühlt, dann fehlt ihm eine
gewisse innere Kohärenz.

[00:35:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es fehlt ihm eine gewisse Heimat, die Muttersprache.

[00:35:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht die Kohärenz, sich wohlzufühlen.

[00:35:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist es ganz wichtig, dass man bei Kindern, die nicht so sprachbegabt sind,
dass man ganz konsequent die eine Sprache redet.

[00:35:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es halt zwei Sprachen in der Familie gibt, der Vater darf seine Sprache reden,
das Kind seine, ist wichtig, dass man nicht einfach alles durcheinander mischt, einen
halben Satz auf Deutsch, der Rest auf Französisch und noch mal etwas auf Englisch
und alles durcheinander.

[00:35:55.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ständig wechselt von einem System ins andere, dann gibt es auch wieder
keine innere Beheimatung, keine richtige innere Sicherheit, eben keine Kohärenz.

[00:36:06.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kohärenzgefühl ist heutzutage wieder ein Modewort.

[00:36:11.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie redet man von einer kohärenten Narrative.

[00:36:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Sprachwissenschaftler übte Kritik an der Narrative. Er argumentierte nur mit dem
Intellekt.

[00:36:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin, komme auch vom emotionalen System. Die Narrative ist etwas
sehr wichtiges.

[00:36:36.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen, die Probleme haben, die Traumatas haben, wenn die ihre Traumatas
erzählen dürfen – eine kohärente Narrative – wie auch immer die dann ist, die muss
nicht wahrheitsgetreu sein, die ist so, wie wir sie erlebt haben, das ist absolut in
Ordnung.

[00:36:52.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kohärente Narrative, die macht für einem eine integrative Wirkung.

[00:36:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem das Kind sich in einer Sprache sehr wohl fühlt und das kann, dort auch angehört
wird, dort reagiert man drauf, das gibt ihm wieder das Wohlgefühl.

[00:37:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die bessere Resistenz der High-Licking Mothers.

[00:37:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kohärenz innerhalb der Sprache ist ganz wichtig für die seelische Gesundheit.

[00:37:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich ein Kohärenzgefühl geben können.

[00:37:35.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man klar hier die eine Sprache hat und dort die andere Sprache und der redet
nur das und der nur das, dann kann das das Kind sehr wohl integrieren.

[00:37:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ständig mischt, dann wird es ein bisschen schwierig.

[00:37:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sag niemals nie. Keine Regel ohne Ausnahme.

[00:37:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Völker, die nebeneinander gelebt haben, haben voneinander Sprachen übernommen.

[00:38:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil Begriff übernommen.

[00:38:03.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Sprache, die überall in alle Sprachen integriert wird, ist das Englisch.

[00:38:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Englisch ist eine sehr stark zusammengesetzte Sprache, sagt man.

[00:38:12.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Germanisch, Römisch, Lateinisch, Welsch und Gaelisch, sehr vieles
zusammengemischt.

[00:38:29.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mischsprachen integrieren ganz viele Wörter.

[00:38:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weiterentwickelte Kultur oder die höhere Kultur tut sich oft der Kultur, die ein
bisschen weniger entwickelt ist, aufpfropfen. Die Wörter und die
Sprachgebräuchlichkeiten werden zum Teil übernommen.

[00:38:58.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Englischen gibt es viele praktische Wörter.

[00:39:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr viele Sachen, die man nicht so gut, nicht so kurz, nicht so knapp
ausdrücken kann wie auf Englisch.

[00:39:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum hat sich das Englisch so wie die Evolution überall reingesetzt.

[00:39:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie die Gene, welche sich überall verbreitet haben.

[00:39:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal tut auch in der Schweiz die eingewanderte Kultur die Jugend beeinflussen,
punkto der Sprache.

[00:39:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die heutige Jugend redet Albanisch-Schweizerdeutsch.

[00:39:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie inn sein wollen reden sie Albanisch-Schweizerdeutsch.

[00:39:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie machen die Albaner nach, haben den Singsang von den Albanern. Das ist
unheimlich interessant. Irgendwie gilt das als cool, als stark und so wird gesprochen.

[00:39:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache ist natürlich etwas entwicklungsfähiges und es muss sich entwickeln.

[00:39:57.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Regel ohne Ausnahme.

[00:39:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden immer wieder von da, von dort, andere Wörter integriert und gegen das kann
ich nicht sein, das passiert einfach.

[00:40:07.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stellt das Heimatgefühl auch nicht in Frage.

[00:40:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant, das ist cool, das zeigt, dass Sprache etwas Lebendiges ist, was
sich ständig weiterentwickelt.

[00:40:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wenn sie mit Kindern aus verschiedenen Sprachen zu tun haben, ist es
wichtig, dass sie ihre Sprache reden.

[00:40:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fremdsprachigen müssen jetzt natürlich auch Deutsch reden.

[00:40:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben genügend emotionalen Kontakt, dass das rüberkommt.

[00:40:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie mit anderen Sprachen konfrontiert sind, probieren sie ein paar Bilder
rauszuholen aus der Sprache.

[00:40:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessieren sie sich für die andere Sprache.

[00:41:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden sie zu kleinen Sprachwissenschaftlern.

[00:41:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie sich ein bisschen interessieren für die Sprache vom Kind, sie müssen das
wegen dem nicht reden können, gibt es wieder eine Verbindung.

[00:41:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind fühlt sich akzeptiert, das gibt dann das empathische Gefühl, das Wohlgefühl
und das erhöht die Stressresistenz.

[00:41:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das, was wir wollen.

[00:41:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ja die präventive Wirkung, die wir mit unseren Handlungen erreichen wollen.

[00:41:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig ist es für sie sehr interessant, denn sie lernen sich in andere Sprachen
reindenken.

[00:41:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage noch etwas von Jean Piaget.

[00:41:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Jean Piaget ist ein Biologe gewesen, hat aber dann in der Psychologie geforscht.

[00:41:51.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget hat die Entwicklungsstadien vom Kind angeschaut, in verschiedene
Stadien eingeteilt.

[00:41:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sagt er: wir müssen uns dezentrieren.

[00:42:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich kann eine Situation anschauen, wenn ich das aus der schweizerischen
Sicht anschaue und ich kann etwas anschauen wie ich es aus der amerikanischen,
chinesischen Sicht anschaue.

[00:42:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt etwas anderes raus. Ich bin anders programmiert, ich rede eine andere
Sprache und von daher gibt es ein ganz anderes Verständnis.

[00:42:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Um etwas aus der Sicht der Chinesen sehen zu können, muss man dezentrieren
können.

[00:42:33.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man muss von sich weggehen zum anderen.

[00:42:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss kulturell dezentrieren können.

[00:42:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Schweizerisch und das ist Chinesisch.

[00:42:47.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Chinesische hat zum Beispiel den Vorteil, die haben ja noch die Bildersprache.

[00:42:51.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben längstens keine so ausdifferenzierte Sprache.

[00:42:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Begriff und Begriff und die zwei Begriffe zusammen bedeutet dann das.

[00:42:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man herausfinden, aber das wird nicht gesagt.

[00:43:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die komplizierten Satzstrukturen, die wir haben, die haben die Chinese in dem Sinne
nicht.

[00:43:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Chinesische Sprache läuft noch ganz stark über den Klang. Das ist unheimlich
schwer für uns zu lernen, weil wir natürlich alle diese breiten Frequenzen verloren
haben.

[00:43:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Chinesisch muss man richtig üben, wie im Gesangsunterricht.

[00:43:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schneller etwas ausdrücken.

[00:43:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf eine Art kommt das wieder bei uns rein.

[00:43:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir arbeiten am Computer ja sehr viel mit Ikonografie, also Zeichen, Zeichen, Zeichen.

[00:43:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ganze Verkehr läuft über Zeichen.

[00:43:46.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist die chinesische Sprache dann näher an diesen Zeichen.

[00:43:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man schneller etwas rüberbringen.

[00:43:55.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

[00:44:00.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein schreckliches Bild in der Zeitung hat, dann tut uns das so treffen im
Herz. Ein ganzer Roman würde ich es nicht so erfassen.

[00:44:11.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt das Auge wieder rein.

[00:44:11.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache ist der Kehlkopf und das Sprachzentrum aktiv.

[00:44:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verwenden die Sprache auch zum Bilder machen. Wir tun die Bilder in Sprache
umsetzen.

[00:44:25.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sprachbilder sind da natürlich sehr hilfreich und man lernt die Kultur schnell kennen,
wenn man solche Sprachbilder rausholt.

[00:44:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären meine Gedanken zum Thema Vatersprache/Muttersprache.

[00:44:38.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn irgendjemand eine Sprache findet, wo man wirklich von Vatersprache redet,
würde mich das interessieren.