Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

13.3.2025
Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS
Audio

[00:00:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen zu dem heutigen Abend.

[00:00:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde 20 Minuten Vortrag halten und dann gibt es eine Fragestellung.

[00:00:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin der Überzeugung, dass wenn man Fragen stellen darf und so interagiert, lernt
man eigentlich mehr, als wenn ich einfach einen Magistralvortrag halte.

[00:00:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, als erstes, und das ist für die Eltern und das gilt auch für die Lehrer.

[00:00:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist es sehr schwierig, Jugendliche zu erziehen.

[00:00:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine grosse Herausforderung.

[00:00:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Achtung für die Lehrer und auch für die Eltern.

[00:00:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher schwieriger als früher.

[00:00:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie haben eine riesige Konkurrenz von den elektronischen Medien und von der ganzen
Unterhaltungsindustrie.

[00:00:50.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich irgendwie mit denen Konkurrenzieren respektive interessanter
gestalten, als was da Büchsenmässig vorfabriziert, verbreitet wird.

[00:01:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeit von den Kindern – man sagt, die Aufmerksamkeit geht eher ein
bisschen zurück.

[00:01:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind nur noch auf kurze Aufmerksamkeit ausgerichtet und ein bisschen
längere Aufmerksamkeit braucht schon ein bisschen mehr Interaktion und immer wieder
Akzent, den man setzen muss.

[00:01:23.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen kann man heutzutage vom Internet abholen.

[00:01:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann irgendeine Frage stellen, schauen und dann kommt eine Antwort.

[00:01:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch wieder, man kann das nicht genau kontrollieren, ob das alles richtig ist,
aber es ist sehr viel Wissen auf dem Internet vorhanden und in dem Sinn wurde das
Wissen demokratisiert.

[00:01:47.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wusste der Lehrer, der Pfarrer und der Arzt im Dorf alles.

[00:01:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren die Leitfiguren.

[00:01:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommen die alle übers Internet rein.

[00:02:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man nicht vom Internet holen kann, das ist die Persönlichkeitsentwicklung.

[00:02:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist es enorm wichtig und am wichtigsten, dass sowohl die Schule als auch
die Eltern helfen dem speziellen Individuum, ihr Kind, ihr Schüler, die eigene
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit kann kaputt gemacht werden durch all das Konservendenken,
Konservenbilder, Konserveninformation.

[00:02:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte ihnen eigentlich heute Abend Mut machen, ihren Kindern zu helfen, ihre
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft nicht über gehorsam.

[00:02:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das nicht mehr so.

[00:02:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über intrinsische Motivation.

[00:02:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind neugierig ist, wenn man die Neugier des Kindes wecken kann, dann
lernt es auch gerne.

[00:02:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Mensch, dem Kind, dem Jugendlichen ist eine natürliche, eingeborene Neugier
gegeben.

[00:03:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch will lernen.

[00:03:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein lernfreudiges Wesen.

[00:03:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Interesse am Lernen kann auch kaputt gemacht werden, wenn man ständig
korrigiert wird.

[00:03:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Schulbesuch meiner ältesten Tochter hat ein Junge eine Frage gestellt.

[00:03:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson hat geantwortet: das passt jetzt nicht zu dem Thema, vielleicht später.

[00:03:38.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neugier des Kindes wurde abgeklemmt.

[00:03:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir die Neugier beim Kind beibehalten können.

[00:03:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind von Natur aus neugierig.

[00:03:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum ADHS/ADS.

[00:03:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:04:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile in ADHS und ADS auf.

[00:04:10.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater und Ärzte beurteilen immer nach der Störung.

[00:04:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich benenne das um und sage: die ADHS/ADS-Kinder haben eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:04:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind neugierig.

[00:04:30.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie interessiert alles.

[00:04:32.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer nicht genügend interessant ist oder der Stoff sie nicht genügend
interessiert, oder sie denken, ich kenne das schon, ich habe es schon auf dem Internet
angeschaut, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:04:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht die Aufmerksamkeit zum Fenster raus, sie geht zum Nachbar, sie schaut
irgendwelche Details an.

[00:04:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne lassen sich ADHS/ADS Kinder leicht ablenken.

[00:04:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur eine Störung in Bezug auf den Unterricht. Es ist nicht eine Störung
allgemein.

[00:05:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Hundehalter sind oder schon Hunde gesehen haben, wenn die in den Raum
reinkommen, dann schmecken die alles ab, schauen was da alles ist.

[00:05:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann wissen sie, was ihr Territorium ist, dann kann sich der Hund hinlegen.

[00:05:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sogenannte Aufmerksamkeitsstörung ist aus meiner Sicht eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:05:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben sie auch zusammen mit dieser breiten Aufmerksamkeit eine schnelle
Auffassungsgabe.

[00:05:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht oft einher mit Intelligenz.

[00:05:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine schnelle Auffassungsgabe haben, dann wird es ihnen schnell langweilig.

[00:05:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hatte ein intelligentes, mathematisch begabtes Kind in Basel. Der hat schon von
Selbstmord gesprochen, weil es ihm in der Schule zu langweilig war.

[00:05:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde zu sehr in ein Käfig gesperrt und hat das fast nicht mehr ausgehalten.

[00:05:59.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter musste ich sagen: geben sie dem Kind mehr Nahrung. Das hat sie in der
Ferien gemacht. Dann ging es dem Kind gut.

[00:05:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es auch dem Lehrer gesagt. Der Lehrer antwortete: das könne er nicht oder nur
bis zu einem gewissen Grad.

[00:06:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht unbedingt, dass man in die Begabtenförderung gehen muss.

[00:06:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auch vom normalen Klassenlehrer gemacht werden.

[00:06:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:06:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS-Kinder muss man herausfinden, sind sie unterfordert, weil es ihnen
schnell langweilig wird?

[00:06:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas können, haben sie das Gefühl: ich weiss jetzt das, ich muss nicht mehr
zuhören.

[00:06:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder weil sie überfordert werden.

[00:06:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was oft mit ADHS/ADS einhergeht ist eine Lernstörung in einem Gebiet.

[00:06:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von der Legasthenie, heute spricht man von der Lese- und
Rechtschreibestörung (LRS).

[00:06:56.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Dyskalkulie, das ist ein Problem in der Mathematik.

[00:07:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben beides: Dyskalkulie und Legasthenie.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr speziell begabt in einem dieser Gebiete.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können im Sportlichen sehr begabt sein.

[00:07:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort können sie ihre Emotionen und ihre Aktivität gut ausleben.

[00:07:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das nicht können und immer still sitzen müssen, dann verzappeln sie fast und
halten das gar nicht aus.

[00:07:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Lehrpersonen welche damit umgehen können sagen: jetzt rennst Du dreimal um das
Schulhaus und dann kommst Du wieder. Dann geht es.

[00:07:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Kinder nach dem Turnunterricht wieder in die Stunde gehen, dann ist
ihre Aufmerksamkeit besser. Dann machen sie besser mit und machen auch bessere
Noten.

[00:07:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aktivität ist hilfreich.

[00:07:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn muss der Lehrer oder die Lehrperson oder die Eltern immer ein bisschen
der Neugier voraus sein, denn sonst müssen sie das Kind immer bremsen und das ist
nicht gut.

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finden sie auch in meinen 13 Thesen.

[00:08:16.736] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nie Nein sagen.

[00:08:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer sagen wie man es möchte.

[00:08:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man Nein sagt, ist man in Konkurrenz.

[00:08:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben den grossen Drang: Ich habe jetzt etwas im Kopf. Sie sind dickköpfig.

[00:08:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie dann bremst, dann läuft gar nichts mehr.

[00:08:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen voraus sein und sehen, was könnte jetzt kommen und dann
muss man sie auf das hin führen.

[00:08:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Nein sagen, sondern sagen, was man will.

[00:08:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto Struktur ist es auch wichtig, dass man am Anfang sagt, wie man es gerne will.

[00:08:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viele Regeln, eher wenig Regeln, aber diese klar und konsequent.

[00:08:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst aber nicht, wenn das Kind die Regeln nicht einhält, dass man das Kind
bestrafen soll.

[00:09:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafe funktioniert nicht gut beim ADHS/ADS Kind. Im Gegenteil, dann muss das Kind
nur aufmüpfig werden.

[00:09:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein. Sie haben einen Dickkopf.
Wenn sie etwas im Kopf haben, gehen sie mit dem Kopf durch die Wand.

[00:09:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss früh genug in den Prozess reinkommen, damit man sie leiten kann.

[00:09:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie eher führen und nicht zum Gehorsam bringen.

[00:09:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer noch, wie in der Schule, im Schulsystem mit Bestrafung gearbeitet
wird. Es muss Konsequenzen geben.

[00:09:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss das Kind führen.

[00:09:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Regeln, die man hat, immer wieder anmahnen.

[00:09:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, das ist die Hyperkinese.

[00:10:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H ist die Hyperkinese.

[00:10:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, der Zappelphilipp, welcher schon Dr. Hoffmann beobachtet
hat, ohne dass er von ADHS/ADS geredet hat.

[00:10:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, die bringt mit sich, dass sie ihr Hirn aktivieren können.

[00:10:18.900] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Sinn wird heute bei der Lernmethode auch gesagt, man lernt besser, wenn man
noch irgendeine Bewegung machen kann, ein Sprüchlein sagen kann, irgendeine
Zeichensprache.

[00:10:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Sinne beansprucht werden um etwas zu Lernen, umso besser wird das im Hirn
integriert.

[00:10:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen oft noch zusätzliche Bewegung, um sich zu aktivieren.

[00:10:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse zeichnen, andere grübeln an etwas herum.

[00:10:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen das um sich zu aktivieren.

[00:10:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz unterschiedlich.

[00:10:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder lernen gern im grössten Lärm, andere müssen in ihrem Zimmer sein
und es muss ruhig sein.

[00:11:06.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft wird oft übergangen.

[00:11:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe, sensible Wahrnehmung.

[00:11:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich eine Mutter frage: welches von ihren Kindern merkt zuerst wenn es ihnen
nicht gut geht, dann sagt sie immer: das ADHS/ADS-Kind.

[00:11:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern nehmen Stimmungen wahr, sie nehmen kleine Veränderungen
wahr.

[00:11:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine sehr sensible Wahrnehmung.

[00:11:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sensible Wahrnehmung, die kann natürlich mit sich bringen, dass sie schnell
verletzt werden.

[00:11:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder und speziell Buben, wenn die dann verletzt werden, dann reagieren
sie aggressiv darauf.

[00:11:47.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es einen riesigen Streit, dann wird gestritten miteinander, dreingeschlagen
etc.

[00:11:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann immer nur den der dreinschlägt.

[00:11:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung vorne dran, die sieht man nicht und die wird oft auch nicht angeschaut.

[00:12:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in Gefängnissen gearbeitet, ich bin in der Strafvollzugskommission gewesen.

[00:12:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war letzte Woche an einer Tagung über Kriminologie.

[00:12:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Menschen.

[00:12:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wollen wir dann immer oben herunterholen mit Bestrafung.

[00:12:20.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau das funktioniert nicht.

[00:12:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in der Pause Streit gibt oder unter den Geschwistern Streit gibt, geht es
darum, dass man nie den Täter und das Opfer darstellt, sondern dass man immer auf
den Prozess eingeht: Was ist das Problem?

[00:12:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dein Problem, was ist sein Problem? Was finden wir für eine Lösung?

[00:12:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern mit dem Kind zu mir kommen, wird das Problem geschildert und ich
frage immer auch das Kind: was siehst du als Lösung?

[00:12:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage nicht die Mutter oder den Vater: was ist die Lösung? Ich frage das Kind.

[00:13:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich will das Kind beteiligen am Prozess und an der Lösungsfindung.

[00:13:14.050] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich denke, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.

[00:13:16.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft, das steht aber nicht in der ADHS/ADS-Nomenklatur.

[00:13:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr empathisch und sie wollen gerne mitarbeiten.

[00:13:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen und die ADHSler sind sehr soziale Wesen.

[00:13:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie verletzt, dann werden sie bösartig, verrückt, aggressiv und sind zu
einigen Sachen fähig.

[00:13:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir natürlich nicht.

[00:13:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie weiter noch haben, ist ein sehr hoher Gerechtigkeitssinn.

[00:13:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen auch alle.

[00:13:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ertragen es überhaupt nicht, wenn irgendwo Ungerechtigkeit abläuft.

[00:13:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern auch in Bezug auf ihre
Klassenkameraden.

[00:14:02.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind im Aargau, ein Mädchen, und die hat gefunden, die Lehrerin macht
das nicht gut mit den Schülern und sie tut immer jemandem bevorzugen.

[00:14:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lässt immer einen Jungen zu, dass der die ganze Klasse beherrscht.

[00:14:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat wirklich die Schule verweigert und für immer.

[00:14:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich mussten wir Homeschooling machen.

[00:14:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wegen ihr gewesen, dass sie nicht zuschauen konnte. Es war wegen der
gesamten Atmosphäre in der Klasse.

[00:14:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gerechtigkeitssinn ist etwas ganz, ganz Wichtiges auch bei den ADHS/ADS
Kindern.

[00:14:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich nicht gesagt habe, die mangelnde Impulskontrolle, das ist wieder negativ.

[00:14:51.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verletzt werden, dann reagieren sie schnell aggressiv.

[00:14:56.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aggressive, sie sind nicht von sich aus böse, überhaupt nicht.

[00:15:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Aggressivität ist immer eine Selbstverteidigung.

[00:15:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man wissen.

[00:15:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man immer einmal zurückgehen und fragen: was hat dich verletzt, dass du so
ausgerastet bist?

[00:15:15.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen wir zum ADS.

[00:15:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ist keine Krankheit, sondern es ist ein Genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind vererbte Eigenschaften.

[00:15:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es statistisch anschaut: 80 bis 85% ist alles vererbt und darum kann man
das nicht einfach umerziehen oder weg behandeln.

[00:15:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS geht die Aggressivität, die Hyperaktivität nach aussen.

[00:15:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS geht es nach innen.

[00:16:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADS, die sind nach aussen vielleicht ganz ruhig, aber sie beginnen zu hirnen.

[00:16:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen viele Gedankengänge durch und haben dann Mühe mit Entscheidungen.

[00:16:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken alles Mögliche durch, was alles passieren könnte, was sie tun könnten. Sie
gehen X Lösungsvorschläge durch.

[00:16:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule werden sie Träumer genannt. Sie haben einen Anhaltspunkt und dann
wird darüber nachstudiert.

[00:16:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist eine gedankliche Hyperaktivität.

[00:16:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht interessant ist, schweifen ADSler ab, beginnen zu träumen.

[00:16:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler stört eher.

[00:17:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADSler, welche riesige Geschichten erfinden. Sie unterhalten sich mit
Geschichten erfinden.

[00:17:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablenkbarkeit ist auch gross, wenn wieder das Thema nicht interessant genug ist.

[00:17:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei emotionalen Verletzungen, wenn man sie kränkt, ziehen sie sich eher zurück.

[00:17:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz extrem wird, kommt es zur Kommunikationsverweigerung.

[00:17:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von Autismus.

[00:17:40.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie werden immer wieder neue Kategorien daraus gemacht.

[00:17:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden nicht so leicht aggressiv.

[00:17:43.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu stark verletzt oder in die Enge treibt, dann können sie je nachdem
auch aggressiv werden.

[00:17:54.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADS-Menschen sich wohlfühlen in der Umgebung, in ihrem Umfeld, dann können
sie auch reden ohne Punkt und ohne Koma.

[00:18:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft die gedankliche Aktivität über die Kommunikation nach aussen.

[00:18:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für mich ganz, ganz wichtig ist und das wäre für die Lehrer wichtig und das ist auch
für die Eltern wichtig. ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein.

[00:18:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihre Neugier packen können.

[00:18:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht über Gehorsam motivieren, man muss sie fordern können.

[00:18:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ihre Interessen wecken können.

[00:18:38.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat die Psychiatrie gesagt, das gibt es gar nicht, ADHS/ADS.

[00:18:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Kinderärzte haben gesagt, das gibt es nicht.

[00:18:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte waren die Ersten, die angefangen haben es anzuschauen.

[00:18:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist es in aller Munde.

[00:18:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nach wie vor als Krankheit angeschaut.

[00:19:00.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Krankheit hat, dann nimmt man Medikamente.

[00:19:07.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente sind alles Stimulanzien. Das sind alles Medikamente, die das Gehirn
stressen.

[00:19:14.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Über motorische Aktivität, über Turnen, über sich bewegen, macht der Mensch das
selber. Mit Sport wird selber Adrenalin und Dopamin gefördert.

[00:19:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit künstlich zugeführten Medikamenten, da wird es dann von aussen her gefördert.

[00:19:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente helfen nur um sich fokussieren zu können auf das, was die Schule einem
bietet oder vielleicht die Lehrer, das Schulmaterial.

[00:19:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin hilft überhaupt nicht, die Persönlichkeit zu fördern.

[00:19:54.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass in einer individualisierten Gesellschaft die verschiedenen
Persönlichkeiten gefördert werden und dass die ihre Talente ausleben können.

[00:20:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Wenn man sie nur an die Ärzte ab delegiert, wird an
erster Stelle nur mit Medikamenten gearbeitet.

[00:20:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur mit Medikamenten arbeitet, wird der emotionale Hirnteil nicht gefördert,
der wird eher ausgeblendet.

[00:20:12.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist dazu da, zum sozialen Lernen.

[00:20:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir werden emotional unzufrieden oder glücklich. Unser emotionales Gehirn reagiert
auf alle Inputs, die von aussen kommen als erstes.

[00:20:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das prozessiert alles.

[00:20:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man Medikamente nimmt, wird das emotionale Hirn eher unterdrückt.

[00:20:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schade. Da fällt etwas weg. Es fällt eine gewisse Menschlichkeit weg.

[00:20:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse ADHS/ADSler sagen das auch.

[00:21:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Medikamente nicht gerne. Dann spüre ich mich nicht mehr so gut, ich
spüre die anderen nicht mehr so gut.

[00:21:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Wissenschaft rutscht immer mehr in Richtung kognitiv. Ich sehe, wie
das emotionale Gehirn vernachlässigt wird.

[00:21:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe wie Ärzte die Patienten behandeln. Ich höre viele Patienten, die klagen: der
Arzt schaut mich gar nicht mehr an, er schreibt nur noch am Computer. Es sind nur
noch Tests.

[00:21:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr dafür, dass man die Menschlichkeit fördert und dass wir in unseren
Kindern auch die Menschlichkeit und das emotionale Hirn, die Sozialkompetenz, die
Social Skills, dass das mehr gefördert wird, dass man auf das achtet.

[00:22:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wo sind ihre grössten Stolpersteine? Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren
neurodivergenten Kindern?

[00:22:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren eigenen Kindern oder die Freunde ihrer
Kinder, welche dann ihre Kinder stören?

[00:22:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von den Problemen, können wir immer gucken, wie können wir besser lernen
damit umzugehen.

[00:22:37.300] – Bemerkung 1
Ich befasse mich 10 Jahre weniger lang mit ADHS/ADS als sie, also erst 30 Jahre aber
intensiv, zum Teil auch wissenschaftlich. Ich habe Symposien besucht zu diesem
Thema, Literatur gelesen zu diesem Thema.

[00:22:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sie auch als Quelle verwenden.

[00:22:54.230] – Bemerkung 1
Ihre Ausführungen haben vieles in mir vibrieren lassen.

[00:23:00.000] – Bemerkung 1
Ich bin doppelt betroffen. Ich habe einen 37-jährigen Sohn, der an ADHS/ADS gelitten
hat, der heute noch leidet unter den Folgen.

[00:23:13.790] – Bemerkung 1
Vor allem unter den Erfolgen von dem, was er erlebt hat an Schulen und Institutionen
und mit Beratungspersonen und Sozialdienst und schulpsychologischer Dienst und,
und, und.

[00:23:24.990] – Bemerkung 1

Mein Sohn wurde kaputt therapiert.

[00:23:25.200] – Bemerkung 1
Zur Zeit habe ich einen 13-jährigen Sohn, der an der Schule ist. Beim Eintritt hat er
auch Probleme verursacht.

[00:23:33.790] – Bemerkung 1
Er hatte heftige Reaktionen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Dann ist er
angeeckt.

[00:23:41.500] – Bemerkung 1
Er fühlt sich zum ersten Mal seit dem Kindergarten an der Schule zu Hause.

[00:23:58.900] – Bemerkung 1
Das ist vielen Massnahmen zu verdanken, nicht zuletzt der Schule selber.

[00:24:09.040] – Bemerkung 1
Die Schule hat versucht Möglichkeiten zu schaffen, dass er mit seinen speziellen
Bedürfnissen irgendwie in die Gänge kommt.

[00:24:18.180] – Bemerkung 1
Das hat eine deutliche Besserung gebracht.

[00:24:40.000] – Bemerkung 1
Ich bin Naturwissenschaftler von der Ausbildung her. Ich habe 32 Jahre mit einer
Psychotherapeutin zusammen gelebt. Ich kenne auch diese Seite vom Leben.

[00:24:48.020] – Bemerkung 1
In der zweiten Klasse hat es geheissen: wir sind nun am Ende von unserem Latein. Das
geht einfach nicht. Wann nimmt das Kind endlich Ritalin?

[00:24:48.180] – Bemerkung 1
Das war an einem Elterngespräch, 10 Tage vor den Sommerferien. Meine Frau war im
Ausland. Mir gegenüber sind sechs Personen gesessen. Das war ein bisschen viel.

[00:24:58.260] – Bemerkung 1
Wann schmeissen sie endlich Ritalin rein?

[00:25:21.220] – Bemerkung 1
Der Lehrerin habe ich gesagt, dass sie eine Grenze überschritten hat. Es steht ihr nicht
zu irgendwelche medizinischen Diagnosen zu stellen oder irgendwelche Therapien zu
empfehlen.

[00:25:37.920] – Bemerkung 1
Als empathischer Mensch sehe ich auch die Situation der Lehrerinnen und Lehrer. Die
müssen Ordnung in der Klasse haben mit 24 Schülern.

[00:25:42.880] – Bemerkung 1
Es muss ein geordneter Unterricht möglich sein und man möchte jedem Kind entgegen
kommen. Kein Kind kann den ADHS/ADSler beanspruchen die ganze Zeit.

[00:26:01.720] – Bemerkung 1
Das geht auch nicht.

[00:26:24.140] – Bemerkung 1
Die Schlüsselfrage für mich ist: wie erreicht man es, dass man auf diese besonderen
Bedürfnisse von den Kindern eingeht, das Verstehen von diesen besonderen
Bedürfnissen möglich ist und andererseits doch eben der sozial nötige geordnete
Klassenbetrieb möglich ist?

[00:26:54.310] – Bemerkung 1
Das finde ich schwer lösbar.

[00:26:54.400] – Bemerkung 1
Dort verstehe ich, wenn die Lehrerinnen und Lehrer sagen: ich bin am Ende von
meinem Latein. Ich weiss nicht, was ich noch machen kann.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Überforderung ist nie gut, für keinen Menschen gut und angenehm.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Ich habe jetzt zwei Mal erlebt, dass über lange, lange Strecken sehr viel Unverständnis
kommt, eigentlich auf den Punkt gebracht heisst es immer: das geht nicht, das müssen
sie abschaffen.

[00:27:28.480] – Bemerkung 1
Ich bin es müde geworden, das zu hören.

[00:27:43.760] – Bemerkung 1
Um das zu demonstrieren habe ich meinen Sohn knapp an der Schmerzgrenze an den
Haaren gezogen.

[00:27:52.810] – Bemerkung 1
Er hat mir eines in die Fresse gehauen, mein Brille demoliert und gesagt: du
verdammtes Hurenarschloch.

[00:27:52.940] – Bemerkung 1
Das war eine bewusste übergriffige Provokation meinerseits. Ich wollte der Lehrerin
zeigen, wie es ausarten kann.

[00:28:33.640] – Bemerkung 1
Das Dilemma ist für die Lehrkräfte eine Schlüsselfrage. Ich vermisse über die dreissig
Jahre einen Fortschritt. Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule und
Gymnasium.

[00:28:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin mit Ihnen einverstanden. Es ist eine schwierige Sache, darum habe ich am
Anfang auch gesagt: es gibt verschiedene Möglichkeiten.

[00:29:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein, sage ich: die Lehrer werden zu wenig unterstützt.

[00:29:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell, welches man verwendet, man verwendet für jedes Kind dann noch einen
Sozialpädagogen/Heilpädagogen, Lernbegleitung etc.

[00:29:14.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADHS/ADS Kind, das ging genau an dem Tag nicht in die Schule, wo es
einen Heilpädagogen hatte, weil es dadurch aus der Klasse ausgeschlossen wird.

[00:29:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall eine medizinische Person anhängen ist keine Lösung.

[00:29:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen mehr unterstützt werden.

[00:29:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler, die Präsidentin der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer sagt, es müssen
immer zwei Lehrpersonen pro Klasse sein.

[00:29:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Geld rausnehmen würden aus der Justiz, aus der Medizin und in die Schule
stecken würden, hätten wir Geld gespart.

[00:30:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Überlegung ist noch nicht da.

[00:30:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was schlagen die Eltern als Konsumenten der Schule vor?

[00:30:22.260] – Bemerkung 2
Ich habe zwei Jungs, 1. Sekundarklasse und 6. Pirmarklasse. Beide haben eine ADHS/
ADS Diagnose.

[00:30:22.310] – Bemerkung 2
Wie haben uns für den Medikamentenweg entschieden. Ich bin sehr froh darüber, mit
seinen Nachteilen.

[00:30:50.100] – Bemerkung 2
Ich fände auch schöner, wenn die Schule anders wäre.

[00:30:52.740] – Bemerkung 2
Unsere Kinder sind hier in diesem Schulhaus. Wir können nicht zaubern.

[00:30:52.830] – Bemerkung 2
Ich habe viel gekämpft auf verschiedenen Ebenen. Es ging nicht. Entweder nehme ich
die Kinder aus der Schule oder die Kinder nehmen eine niedrige Dosierung der
Medikamente. Ich habe keinen anderen Weg gesehen.

[00:32:11.640] – Bemerkung 2
Ich wünsche mir, dass meine Kinder einen Beruf finden, das Umfeld haben, wo sie
darauf verzichten können, weil sie ihre Fähigkeiten und ihre Vorzüge, die sie haben, so
brauchen können, dass es nicht notwendig ist.

[00:32:28.440] – Bemerkung 2
Ich bin selber ADHS/ADS. Ich habe auch die Abklärung gemacht.

[00:32:45.290] – Bemerkung 2
Ich nehme auch punktuell Medikamente und kann darum mit gewissen Situation besser
umgehen. Wenn ich mit den Kindern lernen muss, kann ich das nicht ohne
Medikamente tun. Sonst haben wir zu Hause sofort Chaos. Es ist ein Dämpfen.

[00:33:22.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verstehe sie sehr gut. Ich verweigere niemandem die Medikamente.

[00:33:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse immer die Eltern entscheiden, ob sie wollen, dass ihr Kind Medikamente
nimmt oder nicht. Ich verweigere es nie.

[00:33:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Wunder wirken, die Noten gehen hoch. Wir leben in diesem Schulsystem. Das
kann man schon sagen. Wir können das nicht ändern.

[00:33:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut ein Entscheid.

[00:33:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern von ADHS/ADS Kinder lassen sich auch abklären und sehen dann, dass sie
die gleichen Gene haben.

[00:34:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Leuten, welche eine zweite Ausbildung machen, denen verschreibe ich es auch für den
Schultag. Man kann besser aufpassen. Es ist so.

[00:34:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Medizinstudenten Ritalin genommen und die Prüfungen zu bestehen.
Damals war es noch verboten.

[00:34:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich brauche immer mehr Betäubungsmittelblöcke, weil einfach so viele Leute das
brauchen und wollen.

[00:34:41.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente zu geben ist nicht alles.

[00:34:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch das Umfeld begleiten, den Lehrer begleiten.

[00:34:57.100] – Bemerkung 3
Beim jüngsten Sohn sind wir immer nur am kämpfen, dass die Lehrpersonen seinen
Charakter einfach nur akzeptieren. Ich höre immer nur: es geht nicht, zuviel Aufwand.
Es sind kleine Dinge. Hausaufgaben im Thek etc.

[00:35:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind noch weitere Lehrpersonen anwesend?

[00:35:29.680] – Bemerkung 4
Ich bin schulische Heilpädagogin und begleite auch in der Schule seit Jahren diese
Thematik, mit Medikamenten, ohne Medikamente. Unser Tochter ist auch diagnostiziert.

[00:36:09.810] – Bemerkung 4
Ich finde es sehr wichtig, dass die Schule und die Eltern im Austausch sind und
versuchen zusammen das Kind zu begleiten. Das braucht viel und es braucht von
beiden Seiten Verständnis um das Kind zu fördern.

[00:36:10.130] – Bemerkung 4
Die Belastungen sind hoch, bei den Eltern und bei den Lehrpersonen.

[00:37:21.250] – Bemerkung 4
Die Bandbreite bei der Schule ich hoch. Es ist wichtig, dass die Lehrpersonen wissen,
was ein ADHS/ADS ist, wie wirkt sich das aus?

[00:37:21.530] – Bemerkung 4
Medikamente erlebe ich sehr unterschiedlich. Ein Kind hat gesagt: jetzt habe ich endlich
kein Radio mehr im Kopf. Jetzt verstehe ich, was erzählt wird.

[00:37:53.730] – Bemerkung 4
Als Mutter und als SHP muss man schauen, was im Moment das Beste ist für das Kind.

[00:39:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind ist anders, jede Situation ist anders. Jede Lehrperson verwendet andere
Methoden. Die Lehrperson und das Kind müssen zusammen rausfinden wie es geht.

[00:39:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagen andere Lehrervertreter dazu?

[00:39:38.960] – Bemerkung 5
Was ich von ihnen gehört habe, das ist unser Alltag. Das kennen wir gut.

[00:39:39.310] – Bemerkung 5
ADHS/ADS ist heute in aller Munde, man kennt es.

[00:39:39.490] – Bemerkung 5
Was klar zugenommen hat, sind die Medikamente.

[00:39:59.480] – Bemerkung 5
Wenn wir Jugendliche haben, welche von der Tagesschule abgemeldet werden, weil sie
über den Mittag keinen Hunger haben, denke ich: Um Himmels Willen. Essen wollen sie
doch. Das ist immer das Erste.

[00:40:34.720] – Bemerkung 5

Es gibt Medikamente, welche es ermöglichen, dass der Jugendliche am Unterricht
teilnehmen kann, alle sind froh darum. Er hat aber keinen Appetit mehr beim
Mittagessen, dann denke ich: etwas stimmt nicht.

[00:41:04.870] – Bemerkung 5
Sie haben mir aus dem Herzen geredet: wir sind soziale Wesen. Gemeinschaft ist
etwas Wichtiges. Zusammen eine Klasse sein, dass 24 Schüler zusammen etwas
lernen können, finde ich extrem wichtig.

[00:41:26.430] – Bemerkung 5
Unterschiedliche Schüler haben unterschiedliche Bedürfnisse. Das ist ein Clinch.
Gewisse wollen ins Gymnasium, andere nicht. Es ist schwieriger geworden. Wir
müssen Lösungen finden, wie wir das bewerkstelligen können.

[00:42:22.680] – Bemerkung 5
Es braucht einfache Rezepte.

[00:42:24.210] – Bemerkung 5
Wir haben eine Spezialistin für Bewegungspausen. Wir brauchen etwas, das allen gut
tut.

[00:42:30.600] – Bemerkung 5
Die Eskalation geschieht. Dann muss man eine Pause machen.

[00:43:05.240] – Bemerkung 5
Schmiede das Eisen wenn es kalt ist.

[00:43:05.260] – Bemerkung 5
Wir wissen wie wir die Eskalation mit einem ADHS/ADS Kind anheizen können. Jetzt
sollte ich der Profi sein im Umgang mit ADHS/ADS. Mit den eigenen Kindern kann es
schwieriger sein, einen Schritt zurück zu treten.

[00:44:10.870] – Bemerkung 5
In der Konfliktsuche geht es dann immer um: was sind die Optionen gewesen, wie
könntest du es anders machen?

[00:44:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:44:31.170] – Bemerkung 5
Die dritte Ebene sind die Kündigungen. Gewissen Lehrpersonen ist es zu streng.

[00:44:34.260] – Bemerkung 6
Gewissen Leuten ist es heute auch zu streng Bundesrat zu sein.

[00:44:37.140] – Bemerkung 7
Die intrinsische Motivation ist auch wichtig, inkl. der individuellen Lernzeit. Dort haben
wir den Stundenplan angepasst. Zu Beginn der Lernzeit muss man sich sammeln. 30
Minuten sind lange. Die Qualität ist liegt weit auseinander.

[00:46:53.100] – Bemerkung 8
Die integrative Schule hilft uns sehr. Wir haben eine kombinierte Sekundarschule. Die
unterschiede in den Klassen gehen stark auseinander. Wir haben ein sehr breites
Spektrum. Es können nicht alle das gleiche tun. Das ist die grosse Herausforderung für
die Lehrpersonen. Die müssen auch entsprechend ausgebildet werden.

[00:47:32.120] – Bemerkung 8
Die jungen Lehrpersonen investieren sehr viel. Zum Teil braucht es auch eine
Bewegungspause. Die Kinder sollen auch ein Uno spielen dürfen, falls sie das wollen.
Junge Lehrpersonen setzen sich auch sehr viel Druck selber auf.

[00:48:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr. Wir sind immer darauf ausgerichtet: schneller, besser, effizienter.

[00:48:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe akademische Leute, die akademisch weit gekommen sind. Emotional sind sie
stehen geblieben. Das bringt es nicht.

[00:48:45.610] – Bemerkung 9
In den Lehrmitteln geht man nur von einem Lernverhalten aus. Gewisse Dinge können
gewisse Kinder nicht.

[00:48:56.160] – Bemerkung 9
Oft meint man, dass alle das Gleiche tun müssen. Das finde ich schwierig. Wenn man
das loslassen kann, wird es für das Kind auch einfacher. Dann kann man vieles
loslassen.

[00:48:56.380] – Bemerkung 10
Wenn man meint, dass man eine Abkürzung nehmen kann, dann landet man auf dem
viel längeren Weg. Abkürzungen sind selten konstruktiv.

[00:49:07.280] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist nicht ohne Nachteile.

[00:49:51.090] – Bemerkung 10
Mein jetziger Junge ist stark untergewichtig. Am Wochenende ist er ganz anders, in den
Ferien ist er ganz anders. Es gibt Nebenwirkungen. Methylphenidat macht den
Menschen zum Zombie.

[00:50:12.160] – Bemerkung 10
Es kann ein Hilfsmittel sein. Unser Arzt hat bei grösseren Schwierigkeiten einfach die
Dosis erhöht.

[00:50:51.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja ich weiss.

[00:50:51.250] – Bemerkung 10
Das ist für mich völlig der falsche Weg. 10mg, 20mg, 80mg.

[00:50:53.150] – Bemerkung 10
Den grössten Fortschritt haben wir immer mit einer menschlichen Interaktion erzielt. Mit
der Klassenlehrperson, mit dem Turnlehrer, mit einem psychomotorischen Training, mit
einer hervorragenden Trainerin, die geduldig, empathisch und einfühlsam war.

[00:51:28.300] – Bemerkung 10
Man muss seine Zuschauer gerne haben, man muss seine Schüler gerne haben. Der
didaktische Eros hat nichts mit Pädophilie zu tun.

[00:51:32.480] – Bemerkung 10
Mein Sohn hat jetzt einen sehr guten Therapeuten.

[00:52:20.050] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist kein Wundermittel. Es stimuliert und dämpft.

[00:52:22.830] – Bemerkung 10
Das Ziel ist nicht, dass der Mensch einfach funktioniert wie eine Maschine. Wir sind
keine Maschinen.

[00:52:30.120] – Bemerkung 10
Das Ziel ist, dass der Mensch seine Persönlichkeit entwickeln, entfalten kann; zu einem
reifen, verantwortungsbewussten Menschen wird, der auch in der Gesellschaft seine
Position und seine Rolle kann spielen kann und seine Aufgaben wahrnehmen kann.
Das braucht Geduld, Geduld und Liebe und nochmals Geduld und Liebe.

[00:52:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt mit dem Lehrer. Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:52:54.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss immer einen Kontakt herstellen zum Kind. Dann lernt das Kind auch mit.

[00:53:16.040] – Bemerkung 11
Ich habe eine Frage zum Vorgehen in der Schule. Unser Sohn fand es gar nicht lustig,
dass er einen Nachteilsausgleich bekommt. Er fand das sehr stigmatisierend. Wie wird
das in der Klasse gehandhabt mit den Heilpädagogen?

[00:54:20.640] – Bemerkung 12
Wir versuchen möglichst viele Ressourcen in der Klasse einzusetzen. Wir fragen, wer
Lust hat hinten am Tisch die Aufgaben zu lösen. Dann kommen die Kinder immer.

[00:55:13.340] – Bemerkung 12
Kinder die viel Unordnung haben zu denen gehen wir regelmässig und packen mit
ihnen die Tasche aus. Warum ist die Agenda leer? Das schauen wir auch nach der
Schule an.

[00:55:35.920] – Bemerkung 13
Ich war mir darüber nicht sicher.

[00:55:49.620] – Bemerkung 14
Gewisse Förderressourcen kann man direkt dem Kind zuordnen. z.B. Deutsch als
Zweitsprache.

[00:55:49.640] – Bemerkung 14
Es gibt andere, die haben einen Status als integrierte Sonderschüler in der
Regelklasse, die auch ein Päckchen an Ressourcen mitbringen.

[00:56:16.140] – Bemerkung 14
Diese Ressourcen möchten wir möglichst in der Klasse einsetzen.

[00:56:16.580] – Bemerkung 14

Wir haben noch ein Kontingent an Förderstunden, welche wir dort einsetzen, wo wir es
brauchen. Das wird im pädagogischen Team entschieden.

[00:56:59.250] – Bemerkung 14
Zum Teil kann auch ein Hortmitarbeiter übernehmen, weil dort die Beziehung am besten
läuft, den Kosmos pflügen und Tee trinken. Dieser Schüler hat in dem Moment kein
Französisch.

[00:57:38.870] – Bemerkung 15
Wir wirken sich die Nachteile der Medikamente im Alltag aus?

[00:57:47.640] – Bemerkung 16
Zum Beispiel Appetitlosigkeit. Wenn man nicht niedrig dosiert merkt man es sofort. Mein
Sohn hat eine Depression entwickelt, als die Medikamente zu hoch dosiert waren vom
Psychiater. Das war schlimm, bis wir das verstanden haben, dass es wegen dem
Medikament war. Danach hat er das Medikament verweigert.

[00:58:00.400] – Bemerkung 16
Sie sind gedämpft und es gibt am Abend einen Rebound Effekt.

[00:58:43.160] – Bemerkung 16
Gut ist, wenn die Kinder am Abend noch Sport haben. Wir können am Abend nicht mehr
lernen mit den Kindern. Das ist unmöglich. Am Mittwoch Nachmittag ok. Ab 16 Uhr geht
es nicht mehr mit lernen.

[00:59:21.120] – Bemerkung 16
Ich weiss nicht ob man nach einem langen Schultag noch lernen kann, wenn man
ADHS/ADS hat und Medikamente nimmt. Bei uns geht das nicht.

[00:59:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Kinder sagen: ich will keinen Nachteilsausgleich, ich will nicht ausgrenzt werden
aus der Gruppe. Damit das Kind einen Nachteilsausgleich bekommt muss es offiziell die

Diagnose haben und die Diagnose muss noch neu sein, sie darf nicht älter als ein Jahr
sein. Dabei ist genetisch. Das bleibt ein Leben lang. Es wird trotzdem noch so
angeschaut, als ob sich das ständig verändern würde.

[00:59:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Nachteilsausgleich macht, kann man es eleganter machen. Bei der
Lehrabschlussprüfung, da bekommen sie dann einfach weniger Aufgaben und für das
wird Noten gegeben.

[01:00:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hätte schon noch Möglichkeiten um das anders zu handhaben.

[01:00:31.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule könnte zum Beispiel nur die guten Aufgaben bewerten und die anderen
nicht. Man möchte immer nur korrekt und genau sein und man getraut sich nicht.

[01:00:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle oft fest, dass die Lehrer ihren Freiraum gar nicht ausnützen. Sie dürfen noch
mehr ihren Freiraum ausnutzen. Die Lehrpersonen dürfen die Kinder individueller
behandeln. Das wäre gerechter.

[01:01:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur einer Mutter sage ich: sie müssen nicht alle Kinder gleich behandeln. Das geht gar
nicht. Jedes Kind ist individuell.

[01:01:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind wird nach seinen Bedürfnissen behandelt.

[01:01:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde allen Lehrern versuchen den Mut zu geben, dass sie individueller behandeln
und die Notengebung individuell gestalten.

[01:01:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gerechtigkeit, dass alles gleich ist funktioniert ohnehin nicht.

[01:01:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Biologie, im Lebendigen ist es nie sogenannt gerecht.

[01:01:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind stark von der Juristerei geleitet, dass alles gerecht sein muss.

[01:01:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zu jeder Mutter: sie dürfen ihre Kinder so behandeln, wie es für jedes Kind
passt, und das ist unterschiedlich.

[01:02:05.910] – Bemerkung 17
Haben sie nicht gesagt, dass ADHS/ADSler Ungerechtigkeiten als ganz schlimm
empfinden?

[01:02:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, aber man kann es ihm erklären.

[01:02:18.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler ist keine Maschine und kein Gesetz.

[01:02:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle dich so, wie es für Dich geht. Von der anderen Person kann ich mehr
verlangen. Wenn das Kind, welches es gut kann reklamiert, sage ich: der andere kann
es noch nicht, du kannst es.

[01:02:52.750] – Bemerkung 18
Das ist beim Abwaschen aber schwierig.

[01:02:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle viele Familien mit Konflikten. Derjenige, der es noch nicht kann, muss
noch mehr üben. Hier kann man als Autorität hinstehen und sagen: ich habe das Recht
unterschiedlich zu behandeln.

[01:02:59.150] – Bemerkung 19
Ich habe eine Frage zum Umgang mit Misserfolgen. Es wird sehr schwierig, wenn eine
schlechte Note reinkommt. Ich finde es schwierig danach die intrinsische Motivation
wieder anzuregen.

[01:03:07.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Fehlerkultur und Umgang mit Misserfolg.

[01:03:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die stossen ohnehin immer an. Wenn sie dann noch einen
Misserfolg in den Noten haben, dann ist das ein Weltuntergang.

[01:03:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden, weil er einen Fehler gemacht
hat. Er hat die Agarplatte draussen stehen lassen und dann ist Penicillin drauf
gewachsen.

[01:04:14.717] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[01:04:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entstehen neue Sachen.

[01:04:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Genetik anschauen, dann entsteht durch Fehlerkombinationen etwas
neues.

[01:04:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist aus einem missratenen Affen entstanden. Er wurde aus dem Urwald
vertrieben, war schwächer, er konnte es nicht so gut. So ist etwas neues Entstanden.
Aus Fehlern entstehen neue Dinge.

[01:04:31.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist im Leben absolut wichtig, dass man lernt, mit Misserfolgen umzugehen.

[01:04:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch die super intelligenten Sechser-Schüler, dann kommen sie an die Uni, dort
ist alles frei und dann bricht alles zusammen.

[01:04:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas vom Wichtigsten im Leben ist, dass man auch mit Fehlern und Misserfolgen
umgehen kann.

[01:05:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man so auch den Kindern verkaufen.

[01:05:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Irren ist menschlich. Fehler machen ist menschlich.

[01:05:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Tisch ist wahrscheinlich von einer Maschine gemacht.

[01:05:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein von Hand gemachter Tisch ist wohl weniger gerade, der ist viel lebendiger.

[01:05:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler gehören zum Lernen und zum Leben.

[01:05:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar die Kinder sind einem Wettkampf.

[01:05:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss validiert werden in seinen Gefühlen.

[01:05:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sagen: ich verstehe, dass das schrecklich ist für dich. Es gibt andere
Kinder, die nie Fehler machen und immer Sechser haben.

[01:06:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht einem verrückt.

[01:06:04.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können dann diejenigen sein, welche scheitern, wenn dann alles frei ist.

[01:06:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst den Frust validieren und dann mit seiner Lebensweisheit kommen.

[01:06:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für Sie?

[01:06:19.550] – Bemerkung 20
Ja.

[01:06:19.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Kind gehen. Das Kind darf enttäuscht sein, es darf ein Theater machen. Wenn
sich das Kind beruhigt hat, darf man das andere sagen. Wenn man es sofort sagt, wird
es nicht gehört.

[01:06:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinder müssen immer validiert werden in ihren Gefühlen.

[01:06:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Kinder validiert hat, dann kann man sagen: was könnte man das
nächste Mal an dem Punkt anders machen?

[01:06:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man abzweigen?

[01:06:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Erwachsenen sage ich: tun sie etwas, wenn das Wasser beim Hals steht und
nicht wenn das Wasser bei den Augen steht. Dann versteht man nichts mehr.

[01:06:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen früher merken, dass etwas nicht gut läuft für die Kinder.

[01:07:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewaltfreie Kommunikation ist bedürfnisgerechte Kommunikation.

[01:07:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man von seinen Bedürfnissen redet, dass man die zuerst einmal wahrnimmt und
dann sagt und erst dann kommt die Änderung oder das Lernen.

[01:07:20.890] – Bemerkung 20
Ich bin aus Interesse gekommen. Ich höre gerne ihre Podcasts. Ich höre ihnen gerne
zu.

[01:07:55.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen. Wir müssen unsere Sozialkompetenz lernen und immer
verbessern.

[01:08:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Je dichter wir zusammenwohnen, je komplexer, je multikultureller die Gesellschaft ist,
umso mehr müssen wir soziales Lernen haben.

[01:08:29.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder, dass wenn Kinder miteinander streiten und die Mädchen sind
dort noch gut, die können so ein bisschen necken und kein Mensch merkt es und der
Junge rastet dann aus und schlägt zu.

[01:08:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppendynamik wird aus meiner Sicht ein bisschen zu wenig angeschaut und zu
wenig damit umgegangen.

[01:08:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Tagesschule und mit dem Mittagstisch, dort läuft alles wild durcheinander. Dort
hat es das Personal, das nichts gelernt hat über Gruppendynamik.

[01:09:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geschieht, dass so Alpha-Tiere ein bisschen übernehmen und beherrschen.

[01:09:11.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau gab es Klassen mit 80% Ausländer Kindern, 20% Schweizer oder sogar nur
10%.

[01:09:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Sprache hat man gemerkt, die Schweizer Kinder haben begonnen Deutsch zu
sprechen wie Albaner Kinder.

[01:09:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache der Albaner hat dominiert.

[01:09:41.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kann passieren.

[01:09:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser ganzen Durchmischung von Kulturen braucht es wieder ein bisschen mehr
Führung von den Lehrpersonen und vom Hort, die sagt, was bei uns die Regeln sind
und wie wir miteinander umgehen wollen.

[01:10:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können wir Schweizer uns noch viel verbessern.

[01:10:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist komplizierter heutzutage. Ich erlebe das bei Mischehen und den verschiedenen
Erziehungen. Ich denke, da müssen wir uns noch ein bisschen sorgfältiger mit
unterschiedlichen sozialen Werten und Sozialverhalten auseinandersetzen.

[01:10:28.540] – Bemerkung 21
Bei uns hat der Psychiater gesagt, dass es erschreckend häufig ist, dass bei Mädchen
viel zu spät erkannt wird, dass sie ADHS/ADS haben. Sie nimmt jetzt Medikamente und
ist sehr zufrieden damit. Wie kann man Mädchen mit ADHS/ADS früher helfen?

[01:11:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt immer noch, dass ADHS/ADS eine Krankheit ist. Niemand will krank sein.
Wenn man sagt: das ist ein Persönlichkeitstyp, dann ist es eine Variante unter anderem
und dann könnte man auch besser damit umgehen.

[01:12:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es als Krankheit anschaut, dann macht man zu.

[01:12:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer will schon psychisch krank sein?

[01:12:26.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Leute haben Angst vor so einer Diagnose.

[01:12:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, es ist einfach ein Persönlichkeitstyp, dann denke ich können sich die
Leute besser damit anfreunden.

[01:12:46.860] – Bemerkung 22
Man musst zuerst darauf kommen. Es ist bequem, wenn das Kind ruhig ist und sich
selber beschäftigt.

[01:13:03.060] – Bemerkung 23
Wir haben es nicht erkannt, die ganzen Lehrerinnen und Lehrer davor haben es nicht
erkannt?

[01:13:13.160] – Bemerkung 24
Man kann nicht jedes Kind auf ADHS/ADS untersuchen nur weil es ruhig ist.

[01:13:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage lassen sich die Eltern auch abklären, wenn die Kinder eine ADHS/ADS
Diagnose bekommen habe. Früher hat man das gar nicht angeschaut.

[01:13:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute tritt immer mehr die Gender Unterschiedlichkeit bei allen Diagnosen auf.

[01:14:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS ist es ganz stark.

[01:14:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben haben zusätzlich noch Testosteron, die Mädchen haben weniger.

[01:14:34.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei den Knaben merkt man es schneller, weil sie aggressiv werden, wenn sie verletzt
werden.

[01:14:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen haben mehr Kuschelhormone, Oxytocin. Als Mutter von einem Kind noch
mehr. Das hilft den Mädchen sich mehr anzupassen.

[01:14:46.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich viel mehr an und unterdrücken ihr ADHS/ADS.

[01:15:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werden oft erst mit 35 bis 45 mit ADHS/ADS diagnostiziert. Davor merkt
niemand etwas.

[01:15:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie passen sich an, sie können sich besser anpassen.

[01:15:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Als freche Bemerkung sage ich: Mädchen sind einfacher in der Schule.

[01:15:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu Reiten als Hengste.

[01:15:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, es ist ein anderes Sozialverhalten.

[01:15:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialkompetenz der Mädchen überdeckt das ADHS/ADS.

[01:15:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe Frauen die haben erst mit 45 Jahren ihre ADHS/ADS Diagnose bekommen.
Viele haben noch X andere psychiatrische Diagnosen.

[01:15:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt auch immer mehr hervor, dass sie auch somatische Diagnosen haben. Ein
Mensch mit ADHS/ADS ist sensibler, ist leichter erregbar, regt sich mehr auf. Das kann
alles auch in die somatischen Krankheiten reingehen.

[01:16:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr in die Schule investieren, weniger in die Juristerei, weniger in das
Medizinische, um Folgekrankheiten von ADHS/ADS verhindern zu können.

[01:16:52.660] – Bemerkung 25
Was sind somatische Krankheiten?

[01:16:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Körperliche Krankheiten.

[01:17:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS, die haben oft Fibromyalgie, also überall Schmerzen,
Gelenkschmerzen, sind hyper, sind hochsensibel, haben Allergien, unruhige Beine und
so weiter.

[01:17:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass 85% der Erwachsenen, die eine ADHS/ADS Diagnose haben, haben
zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen.

[01:17:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss man jetzt zuerst behandeln?

[01:17:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer: das ADHS/ADS ist die Grundproblematik.

[01:18:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die lernen mit ihrem ADHS/ADS umzugehen, wenn ihre Partner lernen damit
umzugehen, dann muss man nicht krank werden.

[01:18:11.060] – Bemerkung 26
Braucht es dazu immer eine Therapie? Oder kann man selber auch einfach ein wenig
entschleunigen?

[01:18:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss nicht immer in eine Therapie gehen. Man muss lernen mit sich selber
umzugehen.

[01:18:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn all das Wissen vorhanden ist und man weiss auf was man achtgeben muss, kann
man das auch selber lernen.

[01:18:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu fest ansteht und speziell im Beruf, kann man auch anstehen.

[01:18:43.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben ADHS/ADSler dann das Problem, dass sie sich zu stark ausgeben.

[01:18:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind unglaublich einsatzbereit und am Schluss hat man das Burnout.

[01:18:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss ich sagen: sie müssen immer wieder eine Pause machen.
Sie müssen gut lernen auf sich zu hören und auch lernen "Nein" zu sagen.

[01:19:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Empathie versus Selbstfürsorge.

[01:19:07.910] – Bemerkung 27
Das erinnert mich an einen sehr guten Doc-Film über ADHS/ADS. Dort sagt die
Expertin über ADHS/ADS: es gibt Sachen, die ich einfach nicht gut kann, das musste
ich begreifen. Diese Dinge muss ich delegieren. Zum Beispiel die Steuererklärung zu
machen. Das liegt mir einfach nicht.

[01:19:07.980] – Bemerkung 27
Ich muss herausfinden wie und wo kann ich mich unterstützen lassen und diese
Unterstützung holen. Ich muss deswegen auch keine Schamgefühle haben. Jeder
Mensch hat Stärken und Schwächen. Die Schwächen muss man dann auf eine gute Art
und Weise kompensieren.

[01:20:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zur Lücke und Mut zur Pause.

[01:20:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste Menschen auch schon sagen: sie dürfen eine Pause machen, sie dürfen
sagen: nein, das ist mir zu viel.

[01:20:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Chef kann man auch sagen: nicht über meine Leiche.

[01:21:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft fordert immer mehr Leistung, immer schneller.

[01:21:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man den Menschen schützen. Der Mensch darf sagen: nein,
nicht mehr weiter.

[01:21:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich zitiere Martin Luther: hier stehe ich und kann nicht anders.

[01:21:41.110] – Bemerkung 28
Sie haben gesagt 85% ist genetisch.

[01:21:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Statistiken sind Statistiken. Die zeigen immer nur den Durschnitt.

[01:22:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt.

[01:22:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist am meisten genetisch vererbt und ADHS kommt an zweiter Stelle.

[01:22:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus kommt häufig noch eine zusätzliche Störung im Spracherwerb. Das gibt
dann eine höhere Zahl.

[01:22:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behaupte, das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt, aber es kann natürlich
unterschiedlich kombiniert sein.

[01:23:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen merkt man es weniger als bei den Männern.

[01:23:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt, fünf oder vier Buben auf eine Frau. Heute sagt man 1.5 Knaben
auf ein Mädchen.

[01:23:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistiken ändern, weil man immer nur einen Durchschnitt hat.

[01:23:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer vererbt.

[01:23:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig finden sich auch ADHS/ADSler als Paar.

[01:24:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus sagt: they find each other, they bind with each other and they
reproduce with each other.

[01:24:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.menschen-mit-adhs.de/

[01:24:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen scheiden auch mehr, weil es mehr Konflikte gibt. Sie finden sich
und sie können sich auch aufschaukeln. Es gibt auch Ehen, die gut funktionieren.

[01:24:13.290] – Bemerkung 29
Ich finde es wichtig, dass die Eltern das ADHS/ADS angehen. Je mehr ich mich damit
auseinandergesetzt habe, desto besser konnte ich auch mit den Kinder umgehen. Mir
geht es auch so. Ich kann auch nicht so lernen, wie es andere können.

[01:25:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Symptom zuerst akzeptieren, Freundschaft schliessen mit seinem
Symptom.

[01:25:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen das Symptom kämpft, kämpft man ständig gegen Windmühlen.

[01:25:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mit sich und seinem Symptom Freundschaft schliessen. Dann kann man
besser damit umgehen. Dann kann man auch andere besser handhaben, die ähnlich
sind.

[01:26:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS verlangt viel Selbstreflexion und Lernen.

[01:26:10.180] – Bemerkung 30
Mit dieser Geschichte, dass ADHS/ADS eigentlich immer genetisch bedingt ist, wäre für
mich die Lösung, dass es eine Frühaufklärung, also mehr Frühaufklärung bei den Eltern
bräuchte. Gerade weil bei ADHS/ADS die schwierigen Jahre, in der Regel die
Schuljahre sind.

[01:26:34.600] – Bemerkung 30
Es ist mein Wunsch an die Schulleitung im Austausch mit den Primarschulen, noch mal
mit einer Weiterbildung bei den jungen Eltern anzusetzen, dass die mehr sich selber
reflektieren, um früher erkennen zu können, dass die Kinder vielleicht auch ein Problem
haben werden. Nicht dass man es erst in der Sekundarschule merkt.

[01:27:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beim Kindergarten anfangen. Absolut.

[01:27:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die schon am ersten Schultag total frustriert worden sind, weil
man ungeschickt mit ihnen umgegangen ist.

[01:27:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kindergarten Kind, das hatte Probleme mit der lauten Stimme der
Kindergärtnerin. Das Kind ist dann immer abgehauen. Es hat ein grosses Theater
gegeben. Das Kind wurde schlussendlich in einem Heim platziert, nur weil es im
Kindergarten nicht gut gelaufen ist.

[01:27:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ersten Lehrerin hat es geklappt. Mit der nächsten Lehrperson hat es nicht
funktioniert, die hat auch zu laut geredet. Dann ist das Kind davon gelaufen. Dann
wurde er per Polizei abgeholt und in das Heim gesteckt.

[01:27:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht die Lösung. Man müsste viel früher beginnen.

[01:28:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte viel Geld und Leid sparen, wenn man früher damit beginnt sein ADHS/ADS
zu verstehen.

[01:28:18.840] – Bemerkung 31
Kannst du bitte noch ein paar Worte sagen zu der Drei-Generationen-Analyse?

[01:28:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin. Ich nehme immer drei Generationen auf.
Dann sehe ich natürlich verschiedene Symptome.

[01:28:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe ein Beispiel.

[01:28:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater war ein Adoptivkind. ADHS/ADS Kinder werden häufiger fremdplatziert. In
ADHS/ADS Familien gibt es mehr Streit. Er war jähzornig, hatte ein Tochter, die sich
angepasst hat an den jähzornigen Vater. Als Kind war er ein braves Pflegekind. Sein
Enkel hat auch von diesen Genen geerbt und ist in einem Schullager davon gelaufen,
als er enttäuscht war über seine Liebe. Die Lehrer haben Angst bekommen,
Suizidprophylaxe und haben ihn in die Psychiatrie gesteckt. Dort hat gar nichts gut
funktioniert. Am Schluss hat die Grossmutter mich wieder reingeholt. Ich habe die Eltern
gestützt, sie haben das Kind wieder rausgeholt, er war ein Wilder. Am Schluss hat sich
alles beruhigt und er hat eine Lehre begonnen.

[01:30:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat überreagiert und es hätte daraus eine psychiatrische Karriere geben
können.

[01:30:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufmerksam sein und schauen, dass es nicht eskaliert.

[01:30:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es steht immer wieder in der Zeitung, dass die Jugendpsychiatrie völlig überfordert ist.

[01:30:55.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.luzernerzeitung.ch/ostschweiz/ressort-ostschweiz/psychische-gesundheit-das-ist-ein-riesiges-problem-immer-mehr-junge-menschen-sind-psychisch-krank-im-kanton-stgallen-fehlt-es-an-fachkraeften-zur-behandlung-ld.2716871

[01:30:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS braucht es viel mehr Beratung des Umfelds, Unterstützung der
Lehrpersonen, Unterstützung der Eltern, damit das nicht schief läuft. Nicht einfach nur
eine medikamentöse Behandlung des Kindes.

[01:31:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das medizinische Modell, welches so funktioniert.

[01:31:28.810] – Bemerkung 32
Herzlichen Dank!

Geschwisterliebe – Geschwisterstreit

Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz in der Heilpädagogischen Schule Wettingen, am 08. März 2011

Einleitung:
Die Beziehung unter Geschwistern ist in der Regel die längste menschliche
Beziehung, die es überhaupt gibt in unserem sozialen Dasein. Sie
beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Sie kann ganz speziell
intim, aber auch von Rivalität geprägt sein. Wie kommt es dazu?

Schlussfolgerung:
Handelt es sich um einen bösartigen Geschwisterstreit, müssen die Eltern
immer zuerst den Blick auf das eigene Verhalten und das partnerschaftliche
Interaktionsmuster richten und sich fragen, wo die eigenen
ungelösten Probleme versteckt sind und wie sie diese selbst direkt angehen
können, ohne dass das Kind als Problemlöser oder als parentifiziertes
Kind missbraucht wird.

Geschwisterliebe – Geschwisterstreit (PDF zum Vortrag)

Kampf zwischen Medizin und Recht oder eine ergänzende Zusammenarbeit

Audiodateien zur Weiterbildungsveranstaltung, Dienstag, 26. Oktober 2010 im TRAFO Baden Therapeutische Jurisprudenz: Medizin_und_Recht_Vortrag_26.10.10_08:48 (MP3) – Medizin_und_Recht_Workshop_26.10.10_14_03_(MP3)

Siehe auch: Programm (PDF) und http://schizo.li/2010/09/21/kampf-zwischen-medizin-und-recht-oder-eine-erganzende-zusammenarbeit/

Aargauer Zeitung, 27.10.2010: Richter_und_ihre_Psychiater (PDF)

Jugendliche mit ADHS – Unterstützung im Übergang von der Schule ins Berufsleben

Unterstützung im Übergang von der Schule ins Berufsleben wurde am 23.10.2010 um 13.50 Uhr in Luzern gehalten.

Der Veranstalter war die elpos: Schweizerischer Elternverein for POS / ADHS-Betroffene Regionalverein Zentralschweiz.

Die Vortragsnotizen Jugendliche mit ADHS_23.10.2010 (PDF)

Vortrag anhören:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

23.10.2010
Jugendliche mit ADHS/ADS, ihre Bedürfnisse und
Unterstützungsmöglichkeiten durch Psychotherapie und Coaching.
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt der Vortrag vom 23. Oktober 2010 zum Thema: Jugendliche mit ADHS/
ADS, ihre Bedürfnisse und Unterstützungsmöglichkeiten durch Psychotherapie und
Coaching.

[00:00:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Veranstaltung ist von der ELPOS organisiert und findet in Luzern statt.

[00:00:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema lautet: Jugendliche mit ADHS/ADS, ihre Bedürfnisse und
Unterstützungsmöglichkeiten durch Psychotherapie und Coaching.

[00:00:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das erst jetzt so genau gelesen. Ich werde mich versuchen, an den Titel zu
halten.

[00:00:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee ist, dass ich Ihnen ein paar Gedanken mitgebe.

[00:00:45.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Verständnisfragen vorhanden sind, kann man nach meinem Vortrag noch ein
paar Fragen stellen. Ich werde bis zum Schluss hierbleiben, sodass sie sich die Fragen
notieren können.

[00:01:13.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit dem ADHS/ADS, mit Unterschieden, mit
Unterbrüchen.

[00:01:32.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde es nicht ADHS/ADS nicht genannt, sondern POS, also
psychoorganisches Syndrom, frühkindliches, psychoorganisches Syndrom.

[00:01:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird es unter dem Begriff vom ADHS/ADS zusammengefasst, das heisst
Aufmerksamkeitsdefizitstörung.

[00:01:46.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Während früher die Ärzte, also Psychiater, das noch abgelehnt haben, viele
Psychologen, viele Ärzte haben gesagt: das gibt es gar nicht. Ein Psychiater hat mal
gesagt, Psychopathologie ohne Signifikanz.

[00:01:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt natürlich nicht. Man kann es heute nachweisen. Von dort ist die ganze
Medizin jetzt darauf aufgesprungen.

[00:02:05.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem der Mediziner ist, dass sie immer die Pathologie findet.

[00:02:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin zwar auch Medizinerin und Psychiaterin, aber ADHS/ADS ist an sich eine
Normvariante.

[00:02:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, es ist ein Mensch, der ein bisschen aus der Norm herausfällt, der nicht
genau in der Mitte der gaussischen Glockenkurve liegt, aber deswegen muss man ihn
noch nicht krank machen.

[00:02:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Und deswegen muss man auch nicht immer gleich mit Medikamenten einfahren. Man
kann unterstützen, man muss aber nicht.

[00:02:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Was schlussendlich die Krankheit ausmacht, ist Interaktion zwischen Umfeld und dem
Menschen.

[00:02:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Interaktion zwischen Umfeld und Mensch nicht gut läuft, dann gibt es eine
Krankheit daraus.

[00:02:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt, das ADHS/ADS wächst sich einfach aus in der Pubertät und
dann ist der Mensch gesund und normal.

[00:03:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weiss man, dass das nicht stimmt. Der Mensch behält immer gewisse spezielle
Eigenschaften.

[00:03:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage redet man auch vom ADHS/ADS bei Erwachsenen.

[00:03:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wieder von der Pathologie ausgeht, sagen Psychiater, 75% der
erwachsenen ADHS/ADS Patienten haben eine zweite Krankheit.

[00:03:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine zweite psychiatrische Krankheit. Das ist absolut erschreckend.

[00:03:28.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage dem, das müsste nicht sein. Nur 25% werden normal.

[00:03:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
75% entwickeln eine sekundäre Krankheit. Diese sind manisch-depressiv,
Schizophrenie, Drogenkrankheit, Delinquenz gibt es viele und des vielen mehr.

[00:03:51.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da funktioniert der Umgang mit diesen ADHS/ADS Kindern nicht gut.

[00:03:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann die anderen extremen Formen, die sehr berühmt werden, also Künstler
werden, Politiker werden, Ärzte werden, berühmte Leute werden.

[00:04:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bill Gates, Mozart, Churchill, und so weiter.

[00:04:16.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte viele aufzählen.

[00:04:18.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort haben die Eltern irgendetwas richtig gemacht und das Erziehungssystem hat es
recht gemacht, dass sie so gut raus gekommen sind.

[00:04:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte bei diesen gesunden Verläufen schauen, was man machen müsste, damit es
gut rauskommt.

[00:04:30.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das als Einleitung.

[00:04:32.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Zur Pubertät. Jugendliche sind in der Pubertät. Die Pubertät wird heutzutage immer
etwas länger. Sie fängt früher an, sie hört später auf.

[00:04:41.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern mögen es fast nicht mehr, weil sie so lange dauern.

[00:04:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist die Phase des Erwachsenwerdens, der Persönlichkeitsentwicklung.

[00:04:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Pubertät mit dem ADHS/ADS nicht artgerecht umgeht, dann
entwickelt man mit Sicherheit sekundäre Störungen.

[00:05:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Respektive, dann kann es auch eine Persönlichkeitsstörung geben.

[00:05:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine der Diagnosen, Persönlichkeitsstörungen, die sich aus dem ADHS/
ADS heraus entwickeln können, wenn man denen nicht gerecht wird.

[00:05:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ein Pferd oder einen Hund nicht artgerecht halten, dann wird der zu einem
Krüppel. Wenn man einen Menschen nicht artgerecht oder persönlichkeitsgerecht mit
dem interagiert, den stützt, sich nicht persönlichkeitsgerecht mit dem Menschen
auseinandersetzt, dann kann er eine Fehlentwicklung machen.

[00:05:44.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir natürlich um alles in der Welt verhindern und darum sind wir ja heute so
miteinander zusammen.

[00:05:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich gehe jetzt kurz durch, was ganz wichtig ist in der Pubertät. Das ist natürlich
überhaupt nicht erschöpfend.

[00:05:57.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fange bei den Emotionen an.

[00:05:59.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss der Mensch lernen, mit seinen eigenen Emotionen umzugehen.

[00:06:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine der wichtigsten Aufgaben.

[00:06:09.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertätsliteratur sagt ja: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.

[00:06:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Deutsch liest man: die Leiden des jungen Werthers.

[00:06:18.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei gewissen Kindern eskaliert es und es kommt zum Selbstmord. Dann ist es nicht gut
gelaufen im Umgang mit diesen Emotionen.

[00:06:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der eigene Umgang mit den Emotionen ist etwas Wichtiges und das braucht einen
Lernprozess und das braucht auch eine Auslaufmöglichkeit.

[00:06:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer sind in Bezug auf Emotionen eher zurückhaltend, im Vergleich zu
Griechen, Italienern, Franzosen, Spanier. Alle Mittelmeerländer tolerieren mehr
Emotionen.

[00:06:58.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer und Deutsche wahrscheinlich auch nicht, tolerieren nicht so viele
Emotionen. Es sei denn, in einem Kontext.

[00:07:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autorität, die darf die Emotionen negativ verwenden, aber das Kind darf sie nicht
verwenden, obwohl dem Kind die Emotionen viel mehr zustehen.

[00:07:18.330] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sind ADHS/ADS Kinder ganz speziell emotional. Man sagt, sie seien
impulsiv. Sie können ihre Emotionen nicht so gut steuern. Sie haben sehr stark
überschiessende Emotionen.

[00:07:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verfügen über eine schnelle, starke, emotionale Reaktionsbereitschaft.

[00:07:40.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht sie sehr herzlich, liebevoll, wenn es positiv ist.

[00:07:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verrückt werden, dann macht es es ein bisschen schwieriger. Dann können
sie stark reinfahren, böse Dinge sagen. Gegenstände zerstören. Das Zimmer
zusammen schlagen, die Türe schletzen, sodass der Türrahmen rausfällt. Lauter
solcher Dinge.

[00:07:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben dann die Tendenz zu sagen: das geht doch nicht, das kann ich nicht
zulassen, das darf ich ihm nicht erlauben, sonst meint er, er/sie könne das immer
machen.

[00:08:17.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr emotionale Mädchen, die da auch sehr wild sein können.

[00:08:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo die Emotionen so hoch schlagen, wo die Emotionen riesigen Wellen
machen, können sie nicht erziehen. Dann müssen sie aufhören zu erziehen. Wenn sie
dann dem Kind eine erzieherische Barriere setzen, dann gibt es nur eine Springflut.

[00:08:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel aus der Chaostheorie.

[00:08:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Chaostheorie schaut man Wellen an.

[00:08:53.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zum Beispiel eine Welle hat auf dem Meer, die keine hohe Amplitude hat, aber
eine lange Wellenlänge, dann schiebt sich die über das Meer, und wenn sie an den
Rand kommt, also an das Ende des Meeres, an das Ufer kommt, und wenn dort eine
Mauer ist, dann peitscht sich die auf und es gibt eine Springflut.

[00:09:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihrem erregten ADHS/ADS Kind eine Mauer vor die Nase stellen, dann gibt es
einen Springflut.

[00:09:17.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wehrt sich das Kind so stark dagegen, dass sie überrollt werden, dass das Kind
zerstörerisch wird. Das ist nicht gut.

[00:09:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick des emotionalen Ausbruchs, dürfen sie nicht erziehen, sondern sie
dürfen nur beruhigen. Sie dürfen dort nicht mit den Regeln kommen. Sie dürfen auch
nicht sagen: das geht doch nicht. Alle diese Sätze können sie weg lassen. Sie müssen
nur sich selber beruhigen und ruhig mit dem Kind Kontakt haben.

[00:09:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: geh weg, das toleriere ich nicht. Das ist Beziehungsabbruch und das
macht auch wieder Angst.

[00:09:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Liebesentzug macht Angst. Die Kinder sind angewiesen auf Beziehung zu uns Eltern
oder Erziehern. Darum sollte man eigentlich keinen Beziehungsabbruch machen,
sondern an erster Stelle sich selber beruhigen und ruhig im Kontakt bleiben.

[00:10:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen kann man nicht erziehen. Emotionen kann man nur beruhigen.

[00:10:12.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Wissen, müssen wir auch in der Psychiatrie verwenden. Wenn ein Patient
absolut ungepflegt und emotional aus dem Häuschen herein stürmt, kann man nicht
sagen: das geht nicht. Man muss selber ruhig mit ihm Kontakt aufnehmen.

[00:10:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen sind in dem Moment, wo sie so stark Wellen schlagen, nicht mehr der
Kognition unterstellt. Dann kann man auch nicht argumentieren. Dann muss man
aufhören mit argumentieren.

[00:10:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Pferd wild tut, kann man auch nicht sagen: das geht nicht, das erlaube ich dir
nicht. Man muss sie eher ein bisschen laufen lassen und dann wieder zu sich nehmen.

[00:10:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind, einen Jugendlichen, im Augenblick, wo er emotional aufgewühlt ist,
erziehen möchte, dann gießt man Öl aufs Feuer, bläst ins Feuer hinein und erhöht das
Feuer.

[00:11:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Extremfall sage ich, sie bringen in dem Moment ihr Kind nicht zum Folgen. Sie
können es nicht führen. Sie müssen es zuerst beruhigen, bevor sie es wieder führen
können.

[00:11:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie rigid, also zu streng dahinter gehen, können sie ihr Kind tot schlagen und es
folgt trotzdem nicht.

[00:11:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht dann auch um Leben und Tod.

[00:11:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird ja selber je nachdem so verrückt, dass man es fast nicht mehr aushaltet.

[00:11:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sich an die Regeln halten, halt, jetzt, stopp, nichts mehr erziehen, nur
noch sich selber beruhigen und dadurch dann auch das Kind beruhigen.

[00:11:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann der emotionale Sturm mal vorbei ist, wenn sich beide wieder beruhigt
haben, dann macht man eine sogenannte Nachbesprechung.

[00:12:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soll nicht eine Stunde später sein, es soll aber auch nicht zwei Wochen später sein.
Dann ist alles wieder vergessen. Es kann ein oder zwei Tage später sein. Es kommt
darauf an, wie es einem selber geht.

[00:12:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: ich möchte gerne nochmals auf diesen Vorfall zurück kommen.

[00:12:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soll nicht am Mittagstisch sein. Nicht zwischen Tür und Angel.

[00:12:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie eine Sitzung mit ihrem Kind.

[00:12:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie in ein Zimmer, machen sie die Türe zu. Der Partner dar nicht zuhören. Der
mischt sich sonst ein. Die anderen Geschwister dürfen auch nicht zuhören. Es ist eine
private Sitzung, zwischen ihnen und ihrem Kind.

[00:12:52.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Probleme werden nur in der Dual Beziehung gelöst, nicht wenn es noch Spektatoren
hat, Voyeure, die sich dann sogenannt vermeintlich hilfreich, reinmischen.

[00:13:02.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht abgeschlossen, aber Türe zu. Nicht gestört von irgendetwas. Auch nicht vor dem
Computer, du kannst sprechen und ich mache hier weiter. Das geht auch nicht.

[00:13:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick können sie sagen: ich möchte gerne nochmals zurück kommen auf
die Situation. Dann nochmals die Situation schildern.

[00:13:28.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist dann und dann nach Hause gekommen. Nicht: du bist zu spät nach Hause
gekommen. Das ist schon eine Wertung.

[00:13:28.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Situation absolut wertfrei schildern.

[00:13:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist um halb vier morgens nach Hause gekommen, ich habe die ganze Nacht
gewartet. Oder ich habe geschlafen, ich bin aufgewacht. Ich bin aufgestanden, es ist

mir das und das durch den Kopf gegangen. Ich habe das und das gesagt, du hast das
und das gemacht. Ich habe das und das, ich habe so reagiert und so weiter.

[00:13:48.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach nur die Abfolge, wie das passiert ist.

[00:13:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man auch eigene Fehler eingestehen. Ich glaube, das nächste Mal bleibe
ich nicht mehr auf.

[00:13:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich aufwache, dann warte ich bis am nächsten Morgen. Dann reden wir
miteinander. Das und das war von mir her ein Fehler.

[00:14:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man die Regeln durchgeben.

[00:14:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte, dass wenn du später nach Hause kommst, wie du mir gesagt hast, dass du
mir ein SMS schickst oder was auch immer.

[00:14:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann halt einfach seine Regeln durchgeben.

[00:14:22.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Kannst du das noch vollziehen?

[00:14:26.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du einen Vorschlag für eine andere Regel? Also man handelt dann aus, was für
eine Regel.

[00:14:32.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schildert die Situation, man sagt dann seinen Wunsch.

[00:14:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du musst. Sondern: ich möchte.

[00:14:40.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf keinen Befehl mehr durchgeben, denn es sollte ja ein Erwachsener werden.
Er sollte lernen, mit sich selber umzugehen. Man sagt seine Regel und dann fragt man,
was seine Problemlösung ist.

[00:14:54.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sogar sagen, dass das nicht so gut war, was man da gemacht hat.

[00:14:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist deine Problemlösung?

[00:15:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst den Jugendlichen einen Vorschlag machen lassen und erst dann die eigenen
Regel durchgeben.

[00:15:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Therapeutin frage häufig zuerst den Jugendlichen, das und das Problem haben
wir. Wie siehst du es und was ist dein Lösungsvorschlag.

[00:15:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn man den Jugendlichen zuerst fragt, dann muss er mitdenken. Dann
kann er nicht einfach "Nein" sagen. Dann muss er selber einen Vorschlag machen.
Dann können sie antworten: das genügt mir nicht ganz, ich möchte noch ein bisschen
mehr. Meine Vorstellung ist so und so.

[00:15:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann kann man aushandeln.

[00:15:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann landet man irgendwo, wo beide zufrieden sind.

[00:15:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur befehlen: ich will das nie mehr, das geht nicht und sonst geschieht
das. Nicht mit befehlen, bedrohen und Bestrafung erziehen, sondern sie wirklich als
herangehende Erwachsene anschauen.

[00:15:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht noch ein weiterer Punkt, das haben sie schon bei ADHS/ADS Kindern
gemerkt als sie klein waren.

[00:16:07.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr stark von innen her gesteuert. Sie haben einen eigenen
Pilot, wenn sie etwas im Kopf haben, muss das durchgesetzt werden. Sie haben einen
Starrkopf oder sind eigensinnig.

[00:16:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo sie als Eltern sagen: nein, das geht nicht, bauen sie eine Mauer auf
und dann macht er seine Springflut.

[00:16:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus diesem Grund sollte man den ADHS/ADS Kindern nie sagen: nein, das geht nicht.
Das Nein kann man gleich weglassen. Das "Nein" unterbricht sie in ihrer Zielstrebigkeit.

[00:16:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder und Jugendliche sind hyper motiviert, wenn sie etwas gefunden
haben, das ihnen gefällt.

[00:16:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man von Ihnen etwas verlangt, das sie nicht mögen, sind sie überhaupt nicht
motiviert.

[00:16:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas gefunden haben, das ihnen gefällt, und das finden sie, denn sie haben
immer Dinge, welche sie interessieren. Dann bremst man sie ab, dann löst das einen
Wutanfall aus.

[00:16:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb nicht "nein" sagen, sondern sie dort abholen, wo sie sind. Aha, ich sehe du
machst das und das gerne.

[00:16:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: mir ist wichtig, dass du das und das machst. Ich hätte es gerne so.

[00:17:11.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das "Nein" überspringen, um die riesige emotionale Auflehnung zu verhindern. Es gibt
trotzdem noch eine Reaktion.

[00:17:23.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort sagen, wie man es möchte. Man muss gar nicht sagen, wie man es nicht möchte,
sonder man muss sagen, wie man es gerne hätte. Im Augenblick, wo man sagt, wie
man es gerne hätte, dann versteht einem das Kind auch besser.

[00:17:37.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben wir Regeln von unseren Eltern übernommen und wir wissen das gar nicht.

[00:17:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir merken erst, wenn das Kind irgendwelche Regeln überschreitet, dass wir das nicht
wollen.

[00:17:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Augenblick, wo wir sagen müssen, wie wir es gerne hätten, müssen wir uns unseren
Regeln bewusst werden und müssen die ausdrücken.

[00:17:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das ist eine sehr heilsame Angelegenheit. Das tut einem gut, wenn man sich
selber bewusst werden muss, was will man eigentlich? Nicht nur: was will man nicht.

[00:18:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Beruf ausgewählt hat, wusste man immer besser, dass will man nicht,
das will man nicht. Was man wollte, wusste man nicht richtig.

[00:18:19.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwieriger zu sagen, was man will, als was man nicht will.

[00:18:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Umgang mit ADHS/ADS Kinder das Nein weg lassen und sagen, was man will.
Sofort das Positive sagen.

[00:18:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man man die Regeln sagt, wie man es gerne hätte, das sagen mir die Eltern
immer: ich habe es ihm schon gesagt, aber er hört nicht auf mich.

[00:18:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann frage ich: wie haben sie es gesagt?

[00:18:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt meistens ein Beispiel, dass sie mit emotionalem Nachdruck etwas sagen.

[00:18:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr sensibel. C'est le ton qui fait la musique, sie hören, was
hinten dran an Emotionalität läuft. Wenn man zu viel Druck aufsetzt, dann machen sie
nur Gegendruck und hören gar nichts.

[00:19:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Eltern: sie müssen selber überzeugt sein von dem was sie sagen, von der
Regel, welche sie sagen. Nicht das Kind überzeugen wollen.

[00:19:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Je weniger man überzeugt ist, umso mehr will man es Gegenüber überzeugen.

[00:19:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will das Gegenüber zu einer Kooperation zwingen, das geht nicht.

[00:19:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber überzeugt sein. Das mit einem überzeugten Standpunkt sagen. Dann
ein bisschen warten können. Dann ist es oft erstaunlich, wie gut das Kind übernimmt.

[00:19:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dem Kind ihre Regeln den Hals runter stopfen wollen, nimm hier, friss endlich,
dann gibt es nur Abwehr und dann haben sie gar nichts.

[00:20:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas sehr schwieriges für Eltern, dass sie lernen eine eigene Überzeugung zu
haben. Die Eltern müssen eine mentale Kraft entwickeln. Bevor sie zum Kind hingehen
müssen sie wirklich überlegen: kann ich das, möchte ich das, will ich das, setzte ich
mich durch und das dann mit der notwendigen Überzeugung sagen.

[00:20:21.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zögern und sagen: es geht sowieso nicht, ich erreiche das nicht, dann
müssen sie gar nichts sagen.

[00:20:26.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das den Eltern beizubringen, ist manchmal ein bisschen schwierig.

[00:20:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich den Eltern versuche, Rückenstütze zu geben und zu sagen, was ihre Regeln
sind, dann sagen sie, dass ich es schon kann, aber es geht sowieso nicht.

[00:20:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dann sage, dass sie es so oder so machen können, dann sagen sie: ja, ja
schon versucht, das geht aber nicht.

[00:20:43.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Haltung hat, dass es nicht geht, dann geht es nicht. Dann müssen auch
gar nicht erst damit beginnen. Man muss wirklich überzeugt sein.

[00:20:59.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme wieder mit einem Beispiel aus der Tierwelt. Wenn man reitet und man denkt:
ich kriege das Pferd nicht dorthin wo ich möchte oder nicht über das Hindernis, dann
geht es sicher nicht. Das Pferd spürt über den Körperkontakt der Beine: die ist unsicher.
Die weiss nicht was sie möchte, dann macht das Pferd was es möchte.

[00:21:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine gewisse innere Kraft entwickeln und dann die Regeln sagen.

[00:21:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich die Eltern frage: was geht nicht, dann sagen die: alles. Dann antworte ich: das
geht nicht. Sie müssen etwas heraus wählen.

[00:21:21.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur ein paar wenige Dinge dran nehmen und die eine nach der anderen
durchsetzen, also 100'000 Dinge und alle gehen nicht. Sie müssen sich reduzieren auf
ein paar wenige Dinge und dann langsam an den Feinheiten schleifen.

[00:21:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich frage die Eltern: was sind für sie die drei wichtigsten Dinge? Dann müssen die
Eltern wählen.

[00:21:38.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaut man und arbeitet daran.

[00:21:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Kinder auf verschiedene Arten erziehen. Mit Befehlen, mit Bestrafung oder
mit Emotionalität und Schuldgefühlen.

[00:22:16.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Schuldgefühle, da bin ich ganz scharf drauf, ist keine gute Sache.

[00:22:16.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich viele Patienten, die unter ihren Schuldgefühlen leiden, wo es dann
wirklich einen Krankheit daraus gibt. Das ist nicht gut.

[00:22:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät ist man sehr impulsiv und emotional aufgewühlt. Man hat aber auch ein
sehr großes soziales Gefühl. Eein riesiges Gerechtigkeitsgefühl.

[00:22:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn ein Kind noch so aggressiv ist, noch so impulsiv ist, hinten dran sind
trotzdem riesige Schuldgefühle.

[00:22:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, die ist wie verrückt über ihre Mutter hergefallen. Hinterher,
wenn sie die Mutter so schlecht behandelt hatte, hatte sie riesige Schuldgefühle. Die
Mutter dachte, es sei ihr völlig egal, der macht das gar nichts.

[00:23:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Operieren sie nicht mit ihrem eigenen Leiden.

[00:23:09.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du so böse bist, dann geht es mir schlecht.

[00:23:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du so böse bist, dann macht der Vater einen Herzinfarkt.

[00:23:12.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kleine Bruder hat keinen Platz mehr.

[00:23:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie nicht die Krankheiten rein, nicht die eigenen, nicht die von einem
Geschwister, nicht die vom Partner um das Kind zum Gehorsam zu bringen.

[00:23:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine gute Methode.

[00:23:35.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie selber hinstehen und sagen, was sie wollen.

[00:23:40.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstaunlich, wenn sie hinstehen und sagen, was sie wollen.

[00:23:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn das Kind nicht sofort gefolgt. Ein paar Jahre später hat es alle ihre Regeln
doch sehr gut aufgenommen.

[00:23:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mal eine jüdische Mutter mit einem ADHS/ADS Jungen.

[00:23:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter hat gesagt, ihr Sohn mache nichts von dem, was sie will.

[00:23:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: glauben sie mir, er wird wahrscheinlich mehr von ihren Regeln
aufnehmen. In fünf Jahren werden sie es sehen. Fünf Jahre später ist sie gekommen
und hat gesagt: sie hatten recht.

[00:24:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat die Regeln besser aufgenommen als seine Geschwister, obwohl er sich zuerst
fürchterlich dagegen gewehrt hat.

[00:24:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verlange viel von den Eltern. Selbstverständlich dürfen sie auch mal menschlich
sein und ausrasten und auch alles falsch machen.

[00:24:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so schlimm. Kinder sind auch Menschen und die können das auch sehen.

[00:24:28.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist das sogar notwendig, dass sie sehen, meine Mutter, mein Vater ist nur ein
Mensch, auch er verliert manchmal die Pedale.

[00:24:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Nich auf das Kind zu schiessen, wenn man emotional wird, sondern in die Luft zu
schiessen. Ich bin so verrückt, ich halte es nicht mehr aus. Ich weiss nicht mehr, was.
Nicht: du bist der Hinterletzte und Unmögliche. Also nicht auf die Person losgehen.

[00:24:57.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Denken sie immer daran: es geht um die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Wir
wollen die stärken, nicht schwächen.

[00:25:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie dürfen schon schwach sein, aber mit dieser Schwäche nicht ihr Gegenüber
erdonnern, sondern die Schwäche einfach zeigen, ein hysterischer Anfall haben, das
macht alles nichts.

[00:25:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Davonlaufen in der Wut und für sich selbst schauen.

[00:25:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell, das sage ich natürlich den Eltern: versuchen sie den Fels in der Brandung zu
sein.

[00:25:31.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind älter, sie sind erfahrener, sie haben ihren Job, sie haben ihre Position. Seien
sie daher nachsichtig, wenn das Kind ein bisschen daneben schlägt.

[00:25:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das drücke ich wiederum mit einem Satz aus: Sie müssen dem Kind Welpenschutz
geben.

[00:25:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nicht gleich zurück schiessen, wie das Kind gegen sie schiesst.

[00:25:48.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in die Versuchung kommen, dann schiessen sie bitte in die Luft.

[00:25:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht auch Eindruck und ist weniger zerstörerisch.

[00:25:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ganz schnell ein Beispiel.

[00:26:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem ADHS/ADS Kind wurde die Diagnose erst mit 15/16 Jahren gestellt. Die
Kinderärztin hat mir die Familie geschickt. Der Sohn hatte noch keine Lehrstelle, hat
sich in der Schule daneben benommen, gefehlt, die Noten nicht erreicht, usw. Er hat
dann eine Lehrstelle gefunden. Ich habe ein einziges Mal mit dem Lehrmeister
telefoniert. Der Lehrmeister hat gesagt. doch es ist alles in Ordnung, ich nehme ihn
gerne, aber irgendetwas ist komisch mit ihm. Ich antwortete: ja, sie haben Recht, der
hat ein ADHS/ADS.

[00:26:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: nehmen sie den ganz nahe an sich ran, dass sie ihn führen, er
akzeptiert nur den Chef. Wenn jemand anderes ihm Befehle gibt, dann geht das nicht
so gut. Ok, verstanden.

[00:27:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chef hat ihn zu sich genommen, der Junge war sehr stolz, dass er immer für den
Chef arbeiten darf. Er war sehr motiviert.

[00:27:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sind vor seinem Stellenantritt zusammen in die Ferien gefahren. An der
Grenze zu Italien erhalte ich eine Telefon von den Eltern. Grosse Verzweiflung. Der
Junge ist davon gelaufen, das Auto ist zusammen gebrochen. Der Junge ging nach
Hause.

[00:27:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte an ein Konzert gehen. Er ist nur wegen der Mutter mitgekommen, eigentlich
wollte er nach Hause. Diskussion am Telefon, hin und her, Krisenintervention,
schlussendlich sind sie mit ihm nach Hause gegangen und er durfte sein Konzert
besuchen. Es war ein grosses Durcheinander.

[00:28:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat die Lehre angefangen. Vor einem Monat habe ich mit der Mutter gesprochen. Sie
hatte grosse Freude an ihrem Sohn, er hat sich sehr gut entwickelt. Ich habe die Mutter

noch ein paar Mal beraten, wie sie mit ihrem Sohn umgehen soll. Sie hat es gelernt. Der
Vater hat es noch nicht ganz so gut gelernt. Die Mutter hat es gelernt. Der Sohn hat
sich sehr gut entwickelt. Er hat aufgehört mit Haschisch rauchen und sucht jetzt einen
anderen Lehrmeister, weil es zu Ende gelaufen ist.

[00:28:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem möchte ich sagen: auch wenn etwas ganz schreckliches gelaufen ist, nach
fürchterlicher Eskalation ausgesehen hat die Mutter hat wirklich gelernt mit dem
umzugehen und sagt jetzt, dass er ein gefreuter junger Mann ist, sie sei so stolz auf ihn.
Davor sagte sie: ich könnte ihn auf den Mond schiessen.

[00:29:01.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel zum Umgang mit den Emotionen.

[00:29:08.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt zum Thema: Umgang mit dem Lernverhalten, der Schule und der beruflichen
Laufbahn.

[00:29:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, sollte man wenn man nicht weiter in den Schule geht, z.B. ins
Gymnasium, entscheiden, was man werden möchte, was man lernen möchte.

[00:29:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADHS/ADS Kinder, die sehr intelligent sind, eine schnelle Auffassungsgabe
haben und dann einfach wieder in die Schule gehen. Das ist einfach für die. Dort
kommen die Probleme erst später. Es gibt Kinder, die eher praktisch begabt sind, die
vielleicht noch eine Lernstörung dazu haben, die gehen dann eher in eine Lehre.

[00:29:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Luzern kenne ich das System nicht. Ich komme aus dem Kanton Aargau.
Dort haben wir Realschule, Sekundarschule oder Bezirksschule.

[00:29:37.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Übertritt von der Primarschule oder Sekundarschule in die Bezirksschule oder
Lehre, da haben die Eltern wahnsinnig Angst, der ist nicht gut in dem Fach und in dem
Fach, dann findet er keine Lehrstelle, er hat eine schlechte Note im Betragen, was
mache ich jetzt, oh Schreck.

[00:30:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern machen Panik, wenn die Kinder abgehängt werden.

[00:30:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät interessieren sich die Kinder oft für andere Dinge, mit dem anderen
Geschlecht, mit sozialen Dingen. Die Schule kann dann langweilig und sekundär sein.

[00:30:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Lehrer, denen es gelingt, die Schule attraktiv und interessant zu behalten. Dann
gehen die Kinder gerne in die Schule. Falls das nicht gelingt, lassen sie das einfach
hängen.

[00:30:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls die Kinder noch eine Lernstörung haben, sieht man immer wieder die Eltern,
welche mit den Kindern lernen.

[00:30:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu sage ich prinzipiell: tun sie das nicht.

[00:30:46.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollten Mutter und Vater sein. Sie sollten kein Lerncoach sein.

[00:30:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz gut geht, dann sicher nicht aufhören. In der Regel klappt das nicht so
gut. Man verliert die Geduld, das Kind möchte von der Mutter oder vom Vater sich nichts
sagen lassen.

[00:30:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie sich ihre Beziehung nicht kaputt durch das Lernen mit dem Kind, bis Nachts
um 12 Uhr, beide sind müde, am Morgen müde, etc.

[00:31:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verantwortung für das Lernverhalten dem Kind abgeben, auf eine ruhige Art, als
Ritual. Nicht im Sinne von: du regst mich auf, blas mir in die Schuhe, ich tue jetzt nichts
mehr, du musst selber schauen.

[00:31:39.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einen guten Moment finden, vielleicht in der Sommerferien oder in den
Frühlingsferien oder in den Weihnachtsferien, jetzt beginnt die Schule wieder, ich habe
mir das überlegt. Wir hatten immer Streit zusammen, ich finde jetzt, dass du alt genug
bist, ich übergebe dir deine Lernverantwortung.

[00:31:47.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Eltern man soll die Lernverantwortung mit einem kleinen Talismann
übergeben. Mit einem Schlüsselring, mit einer Halskette oder sonst einem Gegenstand,
einem schönen Stein, irgendetwas mit einer symbolischen Kraft, im Sinne von der
Selbstverantwortungsübergabe.

[00:32:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um die Verantwortungsübergabe.

[00:32:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: wenn du Hilfe von mir möchtest, dann stehe ich dir gerne zur
Verfügung aber nicht mehr nach der 22 Uhr Abends und du musst es einen Tag vorher
anmelden. Sonst kann ich nicht.

[00:32:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich muss es in meinem Kopf auch einplanen, sonst bin ich nicht geduldig und habe
vielleicht noch andere Dinge im Kopf und dann geht es nicht. Das Kind muss lernen zu
planen.

[00:32:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter oder der Vater stehen nicht mehr jederzeit zur Verfügung, auch Nachts um
12 Uhr, einfach damit es eine gute Note gibt.

[00:32:52.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen dann: er verpasst den Übertritt, dann hat er keine Chance.

[00:32:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: dann muss er es halt verpassen, er oder sie lernt so besser, als wenn
sie ständig hinten dran stehen. Das geht nicht.

[00:33:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft schwierig aber ich behaupte, die Kindern lernen besser, wenn die Eltern das
so übergeben.

[00:33:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst wenn die Kinder einmal repetieren müssen oder provisorisch werden, die Eltern
sind die schlechtesten Lerncoaches.

[00:33:30.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen Eltern bleiben.

[00:33:30.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls es nicht reicht, kann man jemanden externes organisieren, der speziell für das
ausgebildet ist. Das kostet natürlich Geld, wenn es nicht innerhalb von der Schule ist.

[00:33:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut investiertes Geld und sie schonen dadurch ihre Nerven.

[00:33:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihre Nerven kaputt gehen, zahlt das zwar die Krankenkasse, aber alles in allem
angeschaut, ist es gut investiertes Geld, wenn sie jemanden Professionelles reinholen.

[00:34:02.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verantwortung für das Lernen dem Kind übergeben, aber nicht durch ein
Hinschmeissen in der Wut, aus Verzweiflung und Ohnmacht, sondern eine ganz klare
Stab Übergabe, so wie bei der Stafette, als Ritual.

[00:34:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Punkt ist Umgang mit Lernen. Das braucht zum Teil sehr lange. Manchmal
glauben es die Eltern nicht und sie können es nicht lassen, sie sind halt ehrgeizig mit
ihrem Kind. Dann sage ich immer wieder das Gleiche, an dieser Stelle muss ich dann
die Geduld haben, bis die Eltern verstehen, dass es besser geht.

[00:34:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit Geld.

[00:34:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind Kinder, die impulsiv sind und viele davon geben ihr Geld auch
impulsiv aus. Es wird impulsiv gekauft, es wird vielleicht impulsiv verschenkt, es wird
impulsiv eingeladen, man kauft sich zum Teil auch Gunst bei den Kollegen oder solche
Dinge. Das Geld fliesst einfach davon.

[00:35:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Eltern: er/sie kann noch nicht mit dem Geld umgehen, ich muss das
Geld für die Kinder verwalten.

[00:35:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich falsch: damit das Kind lernt, mit dem Geld umzugehen, muss es Geld
verwalten dürfen.

[00:35:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin eine Vertreterin von Taschengeld ab 12 Jahren oder früher. Eltern sagen dann:
ich gebe das Taschengeld lieber jeden Tag, er kann mich ganz schlecht fragen.

[00:35:44.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim kleinen Kind kann man das Taschengeld pro Woche geben. Ab 12 Jahren würde
ich das Taschengeld pro Monat geben, damit das Kind lernt, sein Geld selber zu
verwalten. Dann sieht das Kind, wenn das Geld weg ist. Wenn am ersten Tag schon
alles ausgegeben ist, dann hat das Kind kein Geld mehr.

[00:36:01.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird häufig gesagt: dann fährt das Kind schwarz, dann hat das Kind nichts zu
essen, dann gebe ich dem Kind einfach wieder Geld.

[00:36:13.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ganz klar eine Summe pro Monat. Es wird kein Vorbezug gemacht. Die Kinder
dürfen nicht zu Mutter oder Vater das Geld ausleihen gehen. Ich muss auf den Zug,
gibst du mir fünf oder zehn Franken. Ich gebe es dir dann wieder zurück. Solche Dinge
nicht tun. Am Schluss hat man so keine Übersicht mehr.

[00:36:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein festes Taschengeld, nicht pumpen, nicht Vorschuss geben.

[00:36:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das fällt den Müttern meistens schwer, manchmal auch den Vätern. Sie schieben
immer Geld hinterher.

[00:36:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt Geld, man schiebt Geld hinterher, man lässt das Kind Übergriffe auf einem
machen und man macht Übergriffe auf das Kind. Dann sagt man: du musst dann, du

solltest dann, du musst sparen, hast du schon wieder, was hast du schon wieder
gemacht?

[00:37:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts.

[00:37:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
All das Gerede der Eltern dem Kind gegenüber bringt gar nichts. Nur die Handlung
bringt etwas.

[00:37:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Eltern: er fährt schwarz und wird erwischt. Das wird notiert.

[00:37:22.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sagen die Eltern: ich möchte nicht, dass er einen Eintrag im Strafregister bekommt,
als chronischer Schwarzfahrer. Wenn es weiter geht, kommt die Juga, die
Jugendanwaltschaft.

[00:37:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendanwaltschaft ist auch noch keine Gefahr. Mit denen kann man
zusammenarbeiten und die können einem dann eine juristische Hilfe geben, sodass
man ein bisschen stärker ist als Eltern.

[00:38:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss man nicht Angst haben vor der Strafe und der Jugendanwaltschaft. Die sind
eigentlich eine Hilfe für einem.

[00:38:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind freikauft, damit es nicht mit dem Gesetz in Kontakt kommt oder
Gesetze übertritt, dann tut man dem Kind einen schlechten Dienst und man macht eher
weiter.

[00:38:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Fixes Taschengeld, kein Vorschuss und nicht Nachzahlen. Verhungern muss das Kind
nie. Das Kind wohnt zu Hause, hat ein kostenloses Bett. Wenn es zum Mittag nichts zu
essen hat, kann das Kind ein Brötchen mitnehmen. Dann verhungert das Kind auch
nicht. Man muss nicht Angst haben, das Kind wird nicht existentiell bedroht.

[00:38:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit dem Schwarzfahren lösen dann viele, indem sie ein Abonnement kaufen. Das
ist auch eine Möglichkeit. Die Kinder vergessen das immer, lassen es irgendwo liegen.
Dann macht man am besten ein Doppel.

[00:38:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Schulden bezahlen. Sie beginnen Geld auszuleihen bei ihren Freunden. Der
bedroht mich, der macht das. Dann kann man immer noch sagen: dann kann er zu mir
kommen, dann spreche ich mit ihm, nicht bezahlen.

[00:39:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Schulden bezahlen und keinen Vorschuss geben. Keine Löcher stopfen.

[00:39:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit der eigenen Sexualität. Je nachdem wie man
selber aufgewachsen ist, was man für eine Moral hat, ist man zugeknöpfter oder
offener.

[00:39:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit der eigenen Sexualität ist natürlich etwas ganz, ganz Wichtiges, auch
für ADHS/ADS Kinder.

[00:39:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr gut wenn sie eine Freundin oder einen Freund haben. Anhand von einer
Freundin oder einem Freund, lernt man auch wieder seine Hörner abstoßen.

[00:40:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind sie dann dort auf einmal sehr zuvorkommend, nett und freundlich, im
Gegensatz zur Mutter oder zum Vater.

[00:40:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch toll.

[00:40:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen wir, die können ja das. Es ist ja gar nicht so, dass sie so rüppelhaft sind.

[00:40:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Sexualität anbetrifft, ist auch wieder wichtig, dass man nicht die Sexualität
kontrollieren will, sondern dass man auch dort wieder seine Wertvorstellungen sagt,
ohne dass man befiehlt.

[00:40:37.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wertvorstellungen sagt, lebt, wenn man selber eine Affäre hat und dem Kind sagt, das
gehört sich nicht, dann kommt das natürlich nicht so gut rüber.

[00:40:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Kinder, die dann selber herausfinden, dass ihre Eltern eine Affäre haben.
Dann ist es mit dieser moralischen Erziehung ein bisschen schwierig.

[00:40:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder hören dann auch nicht richtig hin.

[00:41:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie ihre eigene Moralvorstellung präsentieren, mit Überzeugung
darlegen, ohne dass sie überzeugen wollen.

[00:41:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Die kann unterschiedlich sein. Die kann auch zwischen Mann und Frau unterschiedlich
sein. Das macht nichts.

[00:41:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Wertvorstellungen, können sich die Kinder orientieren. Das tut den Kindern
gut. Auch dort wieder dem Kind Eigenverantwortung übergeben, so wie für das
Lernverhalten, auch für die Sexualität Eigenverantwortung übergeben.

[00:41:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuletzt noch der Umgang mit Drogen. Drogen sind heute allgegenwärtig. Ich habe vor
Jahren an der Kantonsschule Luzern einen Vortrag gehalten über Drogenprävention:
Viel Wissen über Krankheit, macht noch nicht gesund.

[00:41:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen, dass Drogen schädlich sein können, hindert nicht daran, dass man sie
nimmt.

[00:42:04.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder nehmen eher häufiger Drogen.

[00:42:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nehmen häufig Drogen als Selbstmedikation.

[00:42:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe an einer ELPOS Weiterbildung gehört wo die Mutter gesagt hat: ich bin froh,
wenn er Haschisch raucht, dann ist er besser zu haben.

[00:42:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt natürlich, das hyperaktive Verhalten der ADHS/ADS Kinder kommt ein wenig
herunter, wenn sie Haschisch rauchen. Im Cannabis hat es einen Stoff, der beruhigt.
Das macht sie ein wenig ruhiger. Dann sind sie ein bisschen angenehmer. Sie sind ein
bisschen zu und es ist ihnen alles ein bisschen egal. Das ist natürlich nicht so gesund.

[00:42:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sollte man lernen, sich mit dem Umfeld auseinandersetzen.

[00:43:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychosoziale Entwicklung läuft über die Auseinandersetzung mit dem Umfeld.

[00:43:08.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man Drogen nimmt, setzt man sich nicht mehr so gut auseinander.

[00:43:12.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man Haschisch nimmt, ist einem alles ein bisschen wurscht und dann setzt man
sich nicht mehr auseinander und dann lernt man nicht. Man bleibt ein Kindskopf.

[00:43:20.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt noch dazu, und das weiss man heute, ich habe am Anfang gesagt: die
genetische Veranlagung und das Umfeld, das zusammen ergibt die Krankheit.

[00:43:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es auch Untersuchungen, wo man das beweisen kann.

[00:43:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, die bei Haschisch Konsum eine Psychose machen, also einen
schizophrenen Schub machen.

[00:43:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss man vorher nicht.

[00:43:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke sogar, dass ADHS/ADS Kinder ein wenig mehr gefährdet sind mit Cannabis
einen psychotischen Schub zu machen, als andere die kein ADHS/ADS haben.

[00:43:51.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen damit nicht Angst machen.

[00:44:01.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss trotzdem mein Wissen irgendwie weiter geben. Deshalb ist es wichtig, dass
man in Bezug auf Drogen auch wieder eine klare Haltung hat.

[00:44:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft in Kalifornien, Luxemburg, Zürich, wo sie sagen, dass Haschisch gar nicht
gefährlich ist. Bei gewissen Kinder macht es nichts ausser, dass man sich psychosozial
nicht entwickelt, man bleibt ein Kindskopf.

[00:44:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute aus den 1968er Jahre, welche ständig Haschisch geraucht haben, sind zum
Teil sehr kindlich zurück geblieben.

[00:44:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme auch aus den 1968er Jahren, aber ich kann nicht rauchen.

[00:44:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beraubt sich seiner psychosozialen Entwicklung.

[00:44:49.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gewisse genetische Prädisposition hat, wo man noch nicht genau
weiss, was das ist, aber es gibt eine, wenn man Cannabis raucht, kann es zu einer
Schizophrenie führen.

[00:45:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir in der Psychiatrie haben viele erlebt und die Psychose hat zugenommen mit dem
vermehrten Cannabis Konsum.

[00:45:13.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jammerschade.

[00:45:14.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann sagt, Cannabis macht einfach nichts, ist das falsch.

[00:45:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch bei den Drogen dürfen sie als Eltern kein Verbot aussprechen: du darfst das nicht.

[00:45:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es schädlich, ich finde es nicht gut für dich, ich möchte das nicht.

[00:45:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nicht verbieten.

[00:45:35.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verbiete dir das, das geht nicht.

[00:45:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss Eigenverantwortung übernehmen und selber schlussendlich
beschließen, das es nicht geht.

[00:45:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte solche, die Cannabis geraucht haben, die psychotisch wurden.

[00:45:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Fast alle, mit ganz wenigen Ausnahmen, die ich nicht von Anfang an hatte, haben
gelernt, innerhalb von zwei Jahren damit umzugehen. Das heisst, zu sagen: nein, das
ist für mich kein Thema mehr. Ich will es nicht mehr, ich mache es nicht mehr.

[00:46:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Die lernen schlussendlich, keinen Cannabis mehr zu rauchen.

[00:46:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen es nicht verbieten.

[00:46:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht müssen sie noch ein paar Mal reinfallen, aber sie müssen es nicht verbieten.

[00:46:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht einfach nicht.

[00:46:16.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch bei den Drogen gilt die gleiche Haltung, die gleiche Regelung. Eine klare Haltung
haben. Diese klar zum Ausdruck bringen. Nicht überzeugen wollen, sondern selber
überzeugt sein.

[00:46:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Vorträge gehalten über Drogen und so weiter. Meine Teenager Tochter hat
immer zu mir gesagt: du bist hinter dem Mond zu Hause, du verstehst nichts.

[00:46:32.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle Haschisch versucht.

[00:46:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt, es sei mir egal, wenn du findest, ich sei hinter dem Mond zuhause.
Das ist meine Haltung. Ich finde, Haschisch muss man nicht unbedingt konsumieren.

[00:46:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bleibt ein Kindskopf.

[00:46:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe ein Buch heraus gegeben: wie bewahren wir unsere Kinder vor der
Drogensucht.

[00:46:51.376] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.buchfix.ch/contents/de-ch/p15497_Wie-bewahren-wir-unsere-Kinder-vor-der-Drogensucht.html

[00:46:51.430] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Buch sage ich: es macht Jugendalzheimer.

[00:47:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verblödet früh.

[00:47:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann verblöden wir alle einmal vielleicht, weil das Gehirn mit der Zeit abbaut.

[00:47:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Jammerschade, wenn ein Jugendlicher sein Gehirn schon mit 16 Jahren abbaut.

[00:47:23.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es Untersuchungen, wenn chronische Cannabis Konsumenten, in Nordafrika heisst es
"Quads", es ist die gleiche Wirkstoffsubstanz.

[00:47:34.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn chronische Quads Konsumenten Autounfälle gemacht haben, man hat ihre
Gehirne angeschaut, dann war das Gehirn geschrumpft.

[00:47:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bei den Schizophrenen eine Hirnanalyse macht, da hat man nicht operieren
müssen, man kann ja das heute so darstellen, die Schizophrenen hatten dann auch ein
geschrumpftes Hirn. Das hat verschiedene Ursachen, weil die meistens sehr isoliert
leben und keine Stimulierung mehr haben.

[00:48:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche schizophren waren und Cannabis geraucht haben, deren Hirn ist am
meisten geschrumpft.

[00:48:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt klar: Cannabis zusammen mit Schizophrenie ist schädlich für die Entwicklung
eines Menschen.

[00:48:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir tut es immer unglaublich leid, wenn ich Jugendliche sehe, die in eine chronische
Laufbahn laufen, über Cannabis konsumieren und dann eine Psychose haben.

[00:48:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber wie gesagt, nicht kontrollieren, nicht nachspionieren, eine klare Haltung und mit
jemandem zusammenarbeiten, der ihnen dann vielleicht hilft und Unterstützung gibt.
Dann lernen die Jugendlichen innerhalb von einem halben Jahr, spätestens nach zwei
Jahren, von dem wieder abzusehen. Mit ganz wenigen Ausnahmen.

[00:48:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich zur Schlussbemerkung.

[00:48:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich parodiere einen Satz, den ich in meiner medizinischen Laufbahn gehört habe, mal
von einem Chef von mir. Man sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

[00:49:07.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nein. Im Umgang mit dem ADHS/ADS Kind sage ich genau das Gegenteil. Kontrolle
ist schlecht, Selbstkontrolle ist besser.

[00:49:18.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem ADHS/ADS Kind früh Selbstkontrolle zu übergeben ist besser.

[00:49:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft weiß das ADHS/ADS Kind selber besser, was gut für es ist. Lernt es auch besser,
als wenn man ständig rein redet.

[00:49:33.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich und man soll sich mit einem ADHS/ADS Kind auseinandersetzen, aber
nach Möglichkeit auf eine ruhige gute Art, wo man gut bei sich selber bleibt und sich
nicht immer wieder in einen emotionalen Sturm begeben.

[00:49:54.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine authentische, ehrliche, standhafte Auseinandersetzung ohne rigide dabei zu sein.

[00:50:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hilft dem ADHS/ADS Kind besser sich zu einer gesunden, interessanten
Persönlichkeit zu entwickeln als ständig an ihm rum zu machen.

[00:50:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder muss man früher loslassen, im Sinne von, sie wissen besser, was
für sie gut ist, als wir.

[00:50:26.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe zum Abschluss nochmal so ein Beispiel aus der Chaostheorie von den
Turbulenzen.

[00:50:32.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste mal anstehen für einen Abflug. Da habe ich zwei Piloten miteinander reden
gehört und die haben gesagt: im Notfall, wenn das Flugzeug in Turbulenzen kommt, das
Steuer dem Flugzeug übergeben. Das Flugzeug weiss es besser als wir Piloten.

[00:50:51.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Flugzeug passt sich den Strömungen an und schaukelt so durch.

[00:50:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir eingreifen, haben wir die Tendenz zu Übersteuern. Dann übersteuern wir
auch das ADHS/ADS Kind. Dann gibt es eine Schleuderbewegung. Dann schleudert es
uns und das Kind raus. Das ist nicht so gut.

[00:51:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche lernt man beim Fahren auf Eis. Ich habe noch nie einen Schleuderkurs
gemacht. Aber ich bin manchmal ein wenig zu schnell gefahren auf dem Schnee.

[00:51:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Schleuderkurs macht, sollte man das Steuerrad mit einem Finger
halten können, damit man nicht übersteuert.

[00:51:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Also sanft halten, denn auf rutschigen Flächen, wenn man dort übersteuert, dann
versperrt es sich und dann schleudert man viel mehr.

[00:51:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind so ein paar Bilder, die man für die ADHS/ADS Kinder verwenden kann.

[00:51:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erzieher haben häufig die Tendenz ADHS/ADS Kinder zu übersteuern und das
kommt nicht gut.

[00:51:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber ihnen das Steuer früher übergeben mit Haltungen und Regeln. Das ist der
Gartenzaun.

[00:51:59.000] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Kinder muss man die Feinsteuerung selber machen lassen, als sie
übersteuern und dann Persönlichkeitsstörungen oder psychische Krankheiten daraus
zu machen.

[00:52:08.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es eine brennende Verständnisfrage?

[00:52:18.340] – Bemerkung 1
Können sie noch etwas zum Schlaf sagen?

[00:52:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schlaf steht im Zusammenhang mit Aktivphase und Ruhephase.

[00:52:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind natürlich sehr aktiv. Es gibt solche, die dann ein bisschen
weniger Schlaf brauchen als andere.

[00:52:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie am Tag dann zu fest übersteuert und zu weit hoch treibt, dann können
sie auch nicht mehr schlafen.

[00:52:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlaf kann man nicht befehlen.

[00:53:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Du musst jetzt schlafen.

[00:53:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das beim Kind probieren, geht es nicht.

[00:53:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei ADHS/ADS Kinder ist es wichitig, bevor man ins Bett geht, oben runter fahren.

[00:53:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Computer muss man auch runter fahren. Man macht Fenster um Fenster zu.

[00:53:16.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen den Kindern Rituale beibringen, welche das Kind runterfahren.

[00:53:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann verschieden sein.

[00:53:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines, das ein Musikinstrument spielt, geht immer noch Klavier spielen.

[00:53:36.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sohn hat immer Tagebuch geschrieben. Das macht er heute noch, seine Sachen
aufschreiben.

[00:53:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendein Ritual herausfinden, das gut ist.

[00:53:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher nicht am Abend noch irgendwelche riesigen Diskussionen haben.

[00:53:58.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mehr so. Keine Bestrafung, kein Theater. Runterfahren, beruhigen.

[00:54:03.130] – Bemerkung 2
Wie sieht es beim Ausgang aus?

[00:54:15.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist die Handhabung des eigenen Schlafs.

[00:54:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin eher liberal. Ich habe immer gefragt: wann bist du zu Hause?

[00:54:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich übergebe dem Kind die Verantwortung für den Ausgang. Wenn das Kind sagt: ich
bin um "halb" zu Hause. Um halb wieviel?

[00:54:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht findet man dann einen Kompromiss.

[00:54:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin in der Nacht nie wach geblieben. Andere Eltern haben mir das nicht geglaubt.
Die anderen Kinder, habe das auch nicht geglaubt. Was bringt es mir? Ich ändere
nichts. Ich beginne sicher keinen Krach in der Nacht. Ich frage am nächsten Morgen:
wann bist du nach Hause gekommen? Aha. Was ist gewesen? Dann kann ich wieder
sagen: ich möchte, dass du dann und dann zu Hause bist.

[00:55:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mahne immer wieder die Regeln an. Ich übergebe eher früh die Verantwortung.

[00:55:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles schief läuft, das Kind jede Nacht weg ist, dann greife ich auch ein und sage:
jetzt möchte ich das nicht, du hattest die Freiheit, du konntest deine Freiheit nicht
handhaben. Dann stehe ich selber vor die Türe.

[00:55:30.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann natürlich nicht selber in den Ausgang gehen und sagen: du musst zu Hause
bleiben.

[00:55:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann muss ich physisch vor der Tür stehen, damit sie nicht rausgehen.

[00:55:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wach ist, gehen die Kinder zum Fenster raus und solche Dinge.

[00:55:43.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss präsent sein.

[00:55:50.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind erfinderisch, das ist natürlich eine Mühe.

[00:55:51.260] – Bemerkung 3
Was sagen sie zu Medikamenten?

[00:55:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das viel gelobte Ritalin.

[00:56:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das Hirn Modell anhand meiner Hand.

[00:56:10.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Daumen ist das emotionale System vom Gehirn. Das emotionale System vom
Gehirn schaukelt sich einfach auf, insbesondere bei den ADHS/ADS Kindern.

[00:56:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bahnen des Grosshirns sind nicht so richtig aktiviert.

[00:56:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Dopamin ist eine Übertragungssubstanz.

[00:56:37.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Ritalin ist ein Amphetamin, ist an sich eine Droge, auch der Gasse, ein Upper, ein
Stimulans.

[00:56:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Ritalin aktivieren wir die Bahnen und dann können sie besser aufpassen.

[00:56:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch das Ritalin werden die Noten in der Schule besser.

[00:57:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat natürlich auch immer Nebenwirkungen.

[00:57:03.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Appetit geht weg. Man verwendet Ritalin auch als Appetitzügler.

[00:57:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Ritalin sind die ADHS/ADS Kinder eingeschränkter. Sie sind nicht mehr so lebendig
und so spontan und so gefühlsmäßig.

[00:57:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sagen dann, ich bin ein Zombie, ich bin nicht mich selber, ich will das
nicht.

[00:57:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, die es verweigern und es gibt Eltern, die es verweigern.

[00:57:24.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere es nicht, aber ich schlage es nicht als erstes vor.

[00:57:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weiß ja jeder, was Ritalin ist.

[00:57:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es die Eltern wollen, dann verschreibe ich es auch.

[00:57:36.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird es auch den Erwachsenen verschrieben. Da bin ich eher vorsichtig.

[00:57:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, man sollte lernen, mit seinem ADHS/ADS umzugehen.

[00:57:44.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erwachsenenalter sollte man es können und sich dann nicht noch mit Ritalin
nachhelfen müssen.

[00:57:51.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird heutzutage auch viel bei den Erwachsenen verschrieben.

[00:57:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil können die dann ihren Job behalten oder machen sonst bessere Leistungen.

[00:57:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung kann sehr stark mit dem Ritalin verbessert werden.

[00:58:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist heute eines der meisten verschriebenen Medikamente.

[00:58:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat riesig zugenommen.

[00:58:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Man sagt glaube ich, 20% bis 40% der Studenten gehen nicht mehr an die Prüfung
ohne Ritalin.

[00:58:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich verrückt.

[00:58:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Als wir als Medizinstudenten die Prüfungen gemacht haben als Medizinstudenten, ist
man durchgefallen, wenn man ein Medikament genommen hat. Heute gehen sie alle mit
Medikamenten.

[00:58:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss man lernen, mit seinen Emotionen umzugehen.

[00:58:43.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen riesigen Trend, wenn man die Emotionen nicht im Griff hat, man nimmt ein
Medikament.

[00:58:48.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Medikament zum Runterfahren.

[00:58:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Medikament zum Aufputschen.

[00:58:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Medikament zum Aufpassen, ein Medi zum Schlafen.

[00:58:53.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist fürchterlich. Da bin ich sehr kritisch.

[00:58:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Jugendliche haben zum Teil schon viele Medikamente: Ritalin, Antidepressiva
(SSRI), ein Neuroleptikum, eine ganze Batterie von Medikamenten.

[00:59:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
So lernen die Jungendlichen nicht selber mit den Emotionen umgehen, sondern die
Chemie macht es.

[00:59:13.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was gibt denn das für einen Persönlichkeit?

[00:59:20.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher gebe ich den Teenagern oft ungern Medikamente.

[00:59:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugenlichen kriegen vom Hausarzt, vom Psychiater Medikamente.

[00:59:32.060] – Bemerkung 4
Die Lehrpersonen verlange das auch zum Teil

[00:59:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu sage ich: wenn die Eltern das nicht wollen, die haben das Recht.

[00:59:45.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind rausfällt, dann muss man eine neue Schullösung finden.

[00:59:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören das im nächsten Referat.

[00:59:52.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hilft diesen Kindern auch noch?

[00:59:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was ritualisiert.

[00:59:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Regelmässiges tun.

[01:00:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Regelmäßig Sport, regelmäßig ein Instrument, regelmäßig schreiben.

[01:00:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss gute Rituale haben.

[01:00:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Rhythmen, man muss sie rhythmisieren.

[01:00:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt Halt, Stabilität und das holt die Jungendlichen auch runter.

[01:00:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was heute auch gemacht wird, ist Neurofeedback.

[01:00:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
So lernen die Jugendlichen sich selber zu beruhigen.

[01:00:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jonglieren kann einen beruhigen.

[01:00:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendein Geduldsspiel.

[01:00:30.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Gewisse Personen machen Sudoku um sich zu beruhigen.

[01:00:30.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendetwas das die Aufmerksamkeit fasziniert.

[01:00:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich nicht bei jedem Kind gleich.

[01:00:42.960] – Bemerkung 5
Die Jugendlichen sollen selber entscheiden, ob sie Ritalin nehmen wollen oder nicht.

[01:00:43.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sagt, nein, das will ich nicht, dann akzeptiere ich das, dann machen wir
es anders. Es hat niemand das Recht, dem Kind Ritalin aufzuzwingen.

[01:01:56.720] – Bemerkung 6
Sie haben von Welpenschutz gesprochen?

[01:01:56.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Welpen sind die kleinen Hunde. Alle Jungtiere haben einen komischen Pelz.

[01:01:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht gleich zurück schiessen, wie das Kind gegen einem schiesst.

[01:02:07.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Eltern sagen: der ist so frech, dann darf ich auch.

[01:02:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Väter machen das häufig.

[01:02:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist nicht gut.

[01:02:13.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind viel schwächer als wir.

[01:02:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder blasen sich mit Imponiergehabe auf. Man darf nicht gleich zurück schlagen.

[01:02:17.580] – Bemerkung 7
Kann Ritalin abhängig machen?

[01:02:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Ritalin kann abhängig machen.

[01:02:34.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man steigert es dann immer mehr, um den Aufmerksamkeitseffekt zu haben.

[01:02:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es eine Droge.

[01:02:45.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der gleichen Dosierung, wenn mann einfach ein bisschen mehr wach ist, besser
funktioniert, dann nicht.

[01:02:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene oder so Jugendliche steigern es.

[01:02:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in der Sucht drinnen.

[01:02:56.720] – Bemerkung 8

Wie merkt man das?

[01:02:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass es der Körper dann braucht, um wach bleiben zu können.

[01:03:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ein Verlangen danach, dass man immer mehr davon nehmen möchte.

[01:03:25.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rennen uns zum Teil die Bude ein, weil sie es einfach wollen. Sie machen Panik,
wenn sie es nicht haben.

[01:03:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Sucht, es gibt Entzugserscheinungen.

[01:03:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob das psychologisch oder körperlich ist, das ist schwierig zum auseinandernehmen.

[01:03:52.430] – Bemerkung 9
Kann Ritalin zu Muskelzuckungen führen?

[01:03:52.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine Hyperinnervation der Muskeln, die dann wie unter Strom sind.

[01:04:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gut. Das kenne ich nicht. Das muss ich mir genauer anschauen.

[01:04:19.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte die Dosis immer tief. 20, 40. Gewisse geben 80 und 100. Das getraue ich mich
nicht. Das finde ich zu hoch.

[01:04:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche eine schöne Pause und einen schönen Nachmittag.