Medikamente und Coaching

Gerne erläutere ich Ihnen die Aspekte von Medikamenten und Coaching im Zusammenhang mit ADHS/ADS, basierend auf den Informationen in den vorliegenden Quellen und unserer Konversation.

Dr. med. Ursula Davatz sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung. Das Gehirn funktioniere einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ ist laut ihr nicht krank.

Medikamente (insbesondere Stimulanzien wie Ritalin):

  • Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse, Focalin und Medikinet werden bei ADHS/ADS eingesetzt. Diese Medikamente wirken im Dopamin-System. Sie sind amphetaminerg, wirken also stimulierend („Uppers“).
  • Früher hiess es oft, sobald ADHS/ADS diagnostiziert wurde, müsse man Medikamente nehmen. Auch Lehrpersonen sagen manchmal, sie könnten ein Kind ohne Ritalin oder Ähnliches nicht beschulen. Dr. Davatz stimmt dem nicht zu; es sei Sache der Eltern, ob ein Kind Ritalin bekommt.
  • Die Einnahme von Medikamenten, die das Dopaminsystem aktivieren, birgt Risiken. Wenn Erwachsene mit ADHS/ADS Ritalin erhalten, werden sie stimuliert und denken noch mehr. Wenn es nicht wirkt und sie mehr nehmen, kann es wie eine Droge verwendet werden und zu psychotischen oder schizophrenen Zuständen führen. Dies geschieht laut Dr. Davatz immer mehr, wenn ADHS/ADSler zu viel mit Amphetaminen behandelt werden. Zu viel Dopamin kann eine Psychose auslösen.
  • Auf der positiven Seite können Medikamente wie Ritalin helfen, den Fokus zu finden, insbesondere bei langweiligen oder mühsamen Aufgaben wie Buchhaltung. Es hilft, sich besser zu fokussieren.
  • Allerdings beobachtet Dr. Davatz, und Patienten berichten es ihr, dass Ritalin neben dem Fokus auch negative Auswirkungen haben kann. Die breite Wahrnehmung geht verloren, die emotionale Wahrnehmung geht verloren, und man ist nicht mehr so kreativ. Architekturstudenten berichten beispielsweise, dass sie mit Ritalin weniger kreativ sind. Wenn jemand spürt, dass das Medikament ihn extrem verändert und ihm Wichtiges (wie das Zwischenmenschliche oder Kreativität) nimmt, rät Dr. Davatz, es nicht zu nehmen.
  • Medikamente wie Ritalin müssen nicht immer eingenommen werden. Anders als SSRI, die immer genommen werden müssen, kann Ritalin gezielt eingesetzt werden. Manche brauchen es beispielsweise nicht an der Universität, wenn der Stoff interessant ist, aber vielleicht zum Lernen zu Hause. Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn passt.

Coaching und Begleitung:

  • Ein ganz zentraler Punkt für Dr. Davatz ist, dass Medikamente wie Ritalin nie ohne eine Begleitung eingenommen werden sollten. Es sei nicht gut, nur mit Medikamenten korrigieren zu wollen. Alleinige Medikamentengabe sieht sie als „Verleugnungstaktik“ oder „Grössenwahn der Mediziner“, die meinen, den Menschen mit einem Medikament korrigieren zu können.
  • Sie empfiehlt dringend, sich Coaching zu holen. Es muss nicht unbedingt eine Therapie sein, aber Coaching.
  • Wichtig ist, einen Coach zu finden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Viele Leute waren in Therapien, wo die Therapeuten nichts von ADHS/ADS verstanden haben. Wenn ein Therapeut ADHS/ADS nicht versteht, versucht er es zu „korrigieren“, was laut Dr. Davatz nicht getan werden sollte.
  • ADHS/ADS kann nicht mit Verhaltenstherapie korrigiert werden. Auch kann man ADHS/ADS nicht „weg erziehen“. Am Schluss muss sich der ADHS/ADSler immer selber erziehen, und dabei kann ein Coach helfen.
  • Coaching oder eine entsprechende Begleitung ist wichtig, um zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Ein Coach kann helfen, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben.
  • Eine Begleitperson, die ein wenig etwas von ADHS/ADS versteht, Selbstironie hat und Reflexionsfähigkeit besitzt, kann als Coach funktionieren. Sie kann dem Betroffenen helfen, indem sie sagt: „Weisst du, das passiert mir auch, aber wir müssen es eben lernen“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass laut Dr. Davatz bei ADHS/ADS das Umfeld und der Umgang entscheidend sind, und eine rein medikamentöse Behandlung ohne Begleitung nicht zielführend ist. Medikamente können gezielt zur Unterstützung bei bestimmten Aufgaben eingesetzt werden, bergen aber auch Risiken und können die breitgefächerten Fähigkeiten beeinträchtigen. Eine fundierte Begleitung durch einen im ADHS/ADS-Bereich versierten Coach ist essenziell, um Selbstverständnis zu fördern, mit den eigenen Eigenschaften umgehen zu lernen und die genetische Veranlagung positiv zu nutzen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

Behandlung von ADHS: Medikamente und Coaching

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Behandlung von ADHS. Es wird deutlich, dass Medikamente eine wichtige Rolle spielen können, aber immer in Kombination mit anderen therapeutischen Ansätzen, wie z.B. Coaching, eingesetzt werden sollten.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente, wie z.B. Ritalin, können helfen, die Symptome von ADHS zu lindern, indem sie die Konzentration und Aufmerksamkeit verbessern und Impulsivität reduzieren. Sie wirken auf den Neurotransmitter Dopamin im Gehirn, der bei Menschen mit ADHS oft nicht ausreichend vorhanden ist.

  • Positive Effekte: Viele Menschen mit ADHS erleben durch Medikamente eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sie können sich besser konzentrieren, ihre Aufgaben erledigen und ihre Emotionen regulieren.
  • Individuelle Anpassung: Die Dosierung und Art der Medikamente muss individuell angepasst werden, da jeder Mensch anders auf die Medikamente reagiert.
  • Begleitung durch Fachpersonen: Die medikamentöse Behandlung sollte immer von einem Arzt oder Psychiater begleitet werden, um die richtige Dosierung zu finden und mögliche Nebenwirkungen zu überwachen.
  • Herausforderungen: Es kann schwierig sein, die richtige Medikamentenkombination und Dosierung zu finden, insbesondere bei Patienten, die an ältere Medikamente gewöhnt sind, die nicht mehr verfügbar sind.
  • Nebenwirkungen: Wie jedes Medikament können auch ADHS-Medikamente Nebenwirkungen haben. Diese sind in der Regel mild und klingen nach Absetzen des Medikaments wieder ab.
  • Nicht als alleinige Lösung: Medikamente sollten niemals als alleinige Lösung für ADHS betrachtet werden, sondern immer in Kombination mit anderen therapeutischen Massnahmen, wie z.B. Coaching oder Therapie.

Coaching und Therapie

Neben der medikamentösen Behandlung spielen Coaching und Therapie eine wichtige Rolle im Umgang mit ADHS. Sie helfen den Betroffenen, ihre Stärken zu nutzen, ihre Schwächen zu kompensieren und Strategien für den Alltag zu entwickeln.

  • Fokusfindung: Coaching kann Menschen mit ADHS dabei unterstützen, ihren eigenen Fokus zu finden und ihre Interessen und Talente zu entdecken.
  • Strukturierung und Organisation: Therapeuten und Coaches können Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu strukturieren und organisieren.
  • Umgang mit Emotionen: Therapie kann Menschen mit ADHS dabei unterstützen, ihre Emotionen besser zu regulieren und mit Stress und Frustration umzugehen.
  • Selbstbewusstsein stärken: Coaching und Therapie können dazu beitragen, das Selbstbewusstsein von Menschen mit ADHS zu stärken und ihnen helfen, sich selbst zu akzeptieren.
  • Kombination mit Medikamenten: Coaching und Therapie können die Wirkung von Medikamenten verstärken und den Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen.

Fazit

Die Behandlung von ADHS ist ein komplexer Prozess, der eine individuelle und ganzheitliche Herangehensweise erfordert. Medikamente können eine wertvolle Unterstützung bieten, sollten aber immer in Kombination mit anderen therapeutischen Massnahmen eingesetzt werden. Ziel der Behandlung ist es, den Betroffenen zu helfen, ihre Stärken zu nutzen, ihre Schwächen zu kompensieren und ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_ADHS_Vortrag_Salmon_Pharma.pdf

NERVENPROBE PUBERTÄT – ADHS im Spannungsfeld zwischen Schule und Beruf

Vortrag zum Anhören:

ELPOS – Familie+Begegnung Lenzburg, Walkenweg 19, 5600 Lenzburg, Donnerstag, 26.April 2012 / 19.30 – 21.00 Uhr

Der Übergang vom Kindesalter ins Erwachsenenalter ist für Eltern und Jugendliche stets eine nervliche Zerreissprobe. Kommt dann noch die Berufswahl dazu, wird es noch schwieriger. Eltern wie Lehrer, aber vor allem die jungen Menschen mit oder ohne ADHS können dabei fachliches Coaching gut gebrauchen in der heutigen Zeit, damit die Weichen nicht falsch gestellt werden. Die Pubertätsphase ist ohnehin eine Zerreissprobe, nicht nur für die Nerven der Eltern, sondern auch für die Eltern-Kind Beziehung. Besteht beim Kind zusätzlich ein ADHS, haben Eltern häufig besondere Angst, denn alles ist extremer bei diesen Kindern, inklusive die Pubertät. Sie können aber plötzlich auch ganz vernünftig sein, dies zum grossen Erstaunen der Eltern.

Einige Grundregeln für das elterliche Verhalten von ADHS-Kindern in der Pubertät

–  Man darf die Kinder in dieser Entwicklungsphase nicht mehr erziehen wollen, Eltern sollen die Beziehung pflegen.

– Die eigene Emotionalität muss gut unter Kontrolle gehalten werden.

– ADHS-Kinder haben ohnehin Probleme mit Ihrer Impulskontrolle.

– Während der Pubertät sollten sie sich eine bessere Kontrolle über ihre Emotionen erarbeiten.

– In der Pubertät ist die Emotionalität aber ohnehin aufgewühlt, auch bei Jugendlichen ohne ADHS.

– Versuchen die Eltern nun, ihre pubertierenden Kinder mit starker eigener Emotionalität auf den richtigen Weg zu bringen, giessen sie Öl ins Feuer, die Situation eskaliert und das Eltern-Kind Verhältnis geht in Brüche, die Beziehung reisst oder das Kind wird krank.

– Im Zweifelsfalle sollen die Eltern das Steuer eher loslassen und dem Kind das Steuer überlassen anstatt zu übersteuern und über einen vernichtenden Machtkampf in einen Schleuderkurs zu geraten.

– Eltern sollen im Machtkampf mit ihrem pubertierenden Kind nicht unbedingt gewinnen wollen. Eltern sollen auch verlieren können. Sie tragen dadurch zum Selbstwertgefühl ihres Kindes bei.

– In der Pubertät geht es um die Übernahme der eigenen Verantwortung, um Selbstkontrolle und Eigenverantwortung und nicht um Fremdkontrolle durch die Eltern.

– Eigenverantwortung muss aber gelernt und geübt werden, sie kann nicht befohlen werden.

Die Berufsfindung

 – Berufs- und Partnerwahl sind zwei wichtige Entscheidungen im Leben eines Menschen.

– Die Berufsfindung beginnt meistens in der Pubertät, die Partnerwahl sollte eher später stattfinden.

– Bei der Berufswahl spielt die schulische Leistung, sprich die Noten, eine nicht unwesentliche Rolle.

– Noch wichtiger ist aber die Persönlichkeitsentwicklung des pubertierenden Kindes.

– Setzen die Eltern zu sehr nur auf schulische Leistungen – bei ADHS-Kindern bestehen ohnehin häufig Lernstörungen – kommt die Persönlichkeitsentwicklung zu kurz.

– Bei ADHS-Kindern sollte deshalb ganz besonders vermehrt auf die Persönlichkeitsentwicklung geachtet werden und weniger auf die schulische Leistung.

– Die Persönlichkeitswicklung findet nur während der Pubertätsphase statt. Lernen kann hingegen noch das ganze Leben lang nachgeholt werden.

– Noten sind in dieser Phase also weniger wichtig, als Eigenverantwortung und Persönlichkeitsentwicklung.

– ADHS-Kinder sind häufig eigensinnig und speziell. Sie haben oft auch besondere Berufswünsche.

– Diese Berufswünsche sollten unbedingt ernst genommen werden und, falls ADHS-Kinder noch nicht wissen was sie wollen, muss man auch zuwarten können bis sie fündig geworden sind.

– Drängen macht sich nicht bezahlt bei ADHS-Kindern, es lohnt sich warten zu können, bis die Entwicklung soweit ist. Ein Zwischenjahr, eine sinnvolle neue Erfahrung ohne bestimmte Berufsabsicht, kann helfen.

Probleme in und mit der Schule

– Viele Lehrer haben Probleme mit pubertierenden Schülern, ganz besonders auch mit ADHS-Pubertierenden.

– Sie neigen dann zum Erziehen durch strafen und ziehen die Eltern mit hinein in diese “negative Motivation“.

– Eltern sollten sich nicht durch die strafende Haltung der Lehrer anstecken lassen.

– Eltern sollen aber auch nicht unablässig gegen die “bösen Lehrer“ kämpfen, um ihr armes Kind zu beschützen, auch dieses Verhalten ist nicht hilfreich für das Kind.

– Die Lehrer sind für die Kinder ein Teil des Lebens, mit dem Eltern wie Kinder umzugehen lernen müssen. Eltern sollen das Gespräch mit dem Lehrer suchen, aber nicht mit der Einstellung, ihn verändern zu wollen.

Schlussbemerkung

Lassen sie sich viel Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung mit ihrem pubertierenden ADHS-Kind, auch für die Berufsfindung. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht und auch nicht höher. Nehmen Sie sich auch immer wieder viel Zeit für sich selbst und tragen Sie ihrem Nervenkostüm Sorge, damit Sie für ihr Kind ein Fels in der Brandung sein können.

Alle Vorträge in einem Überblick findet man hier:

https://docs.google.com/leaf?id=0B5IKCk-WPk46NWVkZGM0MTUtMDk3My00YjE3LWJhZDQtOTdmZjM1YWIxMzRi&hl