Wie sollte das Umfeld auf System-Overload reagieren?

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Reaktionen von hochsensiblen Menschen auf Überforderung und geben konkrete Empfehlungen, wie das Umfeld angemessen reagieren sollte.

Grundlegendes Verständnis:

  • System-Overload als Schutzmechanismus: Es ist wichtig zu verstehen, dass der System-Overload, der sich in Verhaltensweisen wie Rückzug, Aggression oder anderen Symptomen äußert, kein bewusstes oder manipulatives Verhalten ist. Es handelt sich um einen Schutzmechanismus des hochsensiblen Menschen, der aufgrund seiner intensiven Wahrnehmung schnell überfordert ist.
  • Wahrnehmung und Bedürfnisse respektieren: Anstatt zu versuchen, das Verhalten zu kontrollieren oder zu unterdrücken, sollte das Umfeld die Wahrnehmung und Bedürfnisse des hochsensiblen Menschen respektieren und ihm ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Konkrete Reaktionen des Umfelds:

  • Ruhe bewahren: Hektik und laute Reaktionen verstärken den Stress des hochsensiblen Menschen nur. Das Umfeld sollte versuchen, Ruhe auszustrahlen und dem Menschen Zeit und Raum geben, sich zu regulieren.
  • Kommunikation anpassen: Laute, fordernde oder belehrende Kommunikation kann den System-Overload verstärken. Stattdessen sollte das Umfeld ruhig und verständnisvoll kommunizieren und dem Menschen aktives Zuhören signalisieren.
  • Überforderung reduzieren: Das Umfeld sollte versuchen, Reize zu reduzieren, die den hochsensiblen Menschen zusätzlich belasten. Dies kann z.B. bedeuten, laute Geräusche zu minimieren, grelle Lichter zu dimmen oder soziale Situationen zu vereinfachen.
  • Validierung und Empathie zeigen: Es ist wichtig, dem hochsensiblen Menschen zu signalisieren, dass seine Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden. Sätze wie „Ich verstehe, dass du dich überfordert fühlst“ oder „Es ist okay, dass du eine Pause brauchst“ können helfen, ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben.
  • Beziehung aufrechterhalten: Beziehungsabbrüche, wie z.B. das Ignorieren des Menschen, ihn in sein Zimmer zu schicken oder ihm die Liebe zu entziehen, sind in dieser Situation besonders schädlich. Stattdessen sollte das Umfeld präsent bleiben und dem Menschen verbale Angebote machen, auch wenn er im Moment nicht darauf reagieren kann.
  • Individuelle Bedürfnisse beachten: Jeder hochsensible Mensch ist anders und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Manche brauchen mehr Nähe und Trost, andere bevorzugen Distanz und Ruhe. Das Umfeld sollte versuchen, die individuellen Bedürfnisse des Menschen zu erkennen und darauf einzugehen.
  • Unterstützung anbieten: Wenn der System-Overload anhält oder sich die Situation verschlimmert, sollte das Umfeld professionelle Unterstützung suchen. Therapeuten oder andere Fachleute können helfen, die Ursachen der Überforderung zu verstehen und geeignete Strategien zu entwickeln.

Zusammenfassend: Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle im Umgang mit System-Overload bei hochsensiblen Menschen. Durch Verständnis, Empathie und die Bereitschaft, die Bedürfnisse des Menschen zu respektieren, kann das Umfeld dazu beitragen, dass er sich sicher und geborgen fühlt und die Überforderung bewältigen kann.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf

Unterschiedliche Stressreaktionen bei Frauen und Männern

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag die unterschiedlichen Reaktionen von Männern und Frauen auf Stress, basierend auf den Forschungsergebnissen von Elena Brivio an Ratten.

Brivios Forschung:

  • Weibliche Rattengehirne: Unter Stress bilden weibliche Rattengehirne vermehrt Oligodendrozyten, was zu einer grösseren Vernetzung führt. Dies interpretiert Dr.med Ursula Davatz als aktive Suche nach Lösungen.
  • Männliche Rattengehirne: Im Gegensatz dazu zeigen männliche Rattengehirne unter Stress eine Vereinfachung der neuronalen Strukturen. Dr.med. Ursula Davatz vergleicht dies mit autistischem Verhalten, das durch Rückzug und Vermeidung von Interaktion gekennzeichnet ist.

Interpretation Dr.med Ursula Davatz:

  • Frauen: Dr.med Ursula Davatz stellt die These auf, dass Frauen dazu neigen, unter Stress still zu werden und in Tränen auszubrechen, um ihren Stress abzubauen.
  • Männer: Männer hingegen reagieren auf Stress eher mit Aggression („Krieg machen“) oder entwickeln psychische Probleme („verrückt werden“).

Zusätzliche Anmerkungen:

  • Vereinfachung vs. Komplexität: Die unterschiedlichen Stressreaktionen könnten mit den evolutionär bedingten Rollen von Mann und Frau zusammenhängen. In Stresssituationen war es für Männer möglicherweise vorteilhafter, schnell und zielgerichtet zu handeln (z.B. Kampf oder Flucht), während Frauen eher auf soziale Unterstützung und Kooperation angewiesen waren.
  • Kulturelle Einflüsse: Es ist wichtig zu beachten, dass die beschriebenen Stressreaktionen auch durch kulturelle Normen und Erwartungen beeinflusst werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frauen und Männer laut Dr. Davatz unterschiedlich auf Stress reagieren. Frauen suchen eher nach Lösungen und sozialer Unterstützung, während Männer zu Aggression und Rückzug neigen. Es ist wichtig, diese Unterschiede im Umgang mit Stress zu berücksichtigen.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf