Im Rahmen der Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene betont Dr. med. Ursula Davatz, dass das Gehirn eine ganzheitliche Funktion hat. Im Gegensatz zur Medizin, wo in verschiedene Körperorgane aufgeteilt und unterschiedliche Diagnosen gestellt werden, funktioniert das beim Gehirn nicht so gut. Sie kommt immer weiter weg von starren Diagnosestellungen in der Psychiatrie.
Das Gehirn als Anpassungs- und soziales Organ: Dr. Davatz beschreibt das Gehirn als ein Anpassungsorgan und insbesondere als ein soziales Anpassungsorgan, das immer in Aktion mit dem Umfeld steht. Obwohl Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) eine genetische Veranlagung haben, wird das Gehirn auch durch das Umfeld beeinflusst, bestimmt und verändert. Die Epigenese spielt hier eine wichtige Rolle, indem sie die Interaktion zwischen Genen und Umwelt beschreibt, wodurch sich das Gehirn und die Genexpression verändern können. Die genetischen Anlagen werden durch die Interaktion mit dem Umfeld eingeschränkt und bestimmt.
Synaptisches Pruning und Entwicklung: In der Pubertät findet eine Umstrukturierung des Gehirns statt, die als Synaptic Pruning bezeichnet wird. Dabei werden viele Vernetzungen im Gehirn gekappt, um funktionale Netzwerke zu entwickeln, die für tägliche Aufgaben wichtig sind. Bei Menschen mit ADHS/ADS (und somit auch ASS) kann dieser Prozess verlangsamt sein, da sie mehr Eindrücke zur Verarbeitung aufnehmen. Das emotionale Gehirn bleibt bei ihnen stärker mit dem ganzen Hirn vernetzt.
Breite Aufmerksamkeit und Reaktivität: Menschen mit ASS, ADHS und ADS weisen eine breite Aufmerksamkeit auf, die sie leicht störbar und ablenkbar macht. Emotional sind sie hochreaktiv, und kleine Reize können sie durcheinanderbringen. Sie sind oft ungeduldig und können Verzögerungen schlecht tolerieren. Ihr Hirn mit der starken Vernetzung benötigt Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu einer Entscheidung zu kommen.
Kritik an Diagnosen aus neurologischer Sicht: Dr. Davatz sieht psychiatrische Diagnosen als konzeptuelle Konzepte, die funktionelle Zustände des Gehirns einfrieren, obwohl die Funktion flexibel bleibt. Für den einzelnen Patienten bringen diese starren Diagnosen oft nicht viel, da jeder Mensch anders ist.
Genetische Veranlagung und Interkonnektivität: ASS, ADS und ADHS sind genetisch vererbt. ASS weist dabei die stärkste genetische Vererbung auf. Studien deuten darauf hin, dass diese und andere psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie auf ähnlichen genetischen Veränderungen beruhen, was für Dr. Davatz zeigt, dass alles zusammenhängt. Die genetische Veranlagung kann jedoch durch die Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst werden.
Folgen von nicht neurotypgerechtem Umgang: Wenn nicht persönlichkeitsgerecht und neurotypgerecht mit diesen Menschen umgegangen wird, können sich verschiedene psychische und körperliche Folgekrankheiten entwickeln. Druck erachtet sie als schädlich.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neurologische Ebene in der Autismusdiagnostik von Dr. Davatz als ein dynamisches Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen verstanden wird, das die Entwicklung und Funktion des Gehirns prägt. Starre Diagnosen werden kritisiert, und ein individuelles, verständnisvolles Eingehen auf die neurodivergenten Eigenschaften der Betroffenen wird als entscheidend für deren positive Entwicklung und die Vermeidung von Folgeerkrankungen betrachtet.
Dr.med Ursula Davatz
25.3.2025
Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene
Audio
[00:00:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Titel meines Vortrags heißt: Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene.
[00:00:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.
[00:00:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn hat eine ganzheitliche Funktion.
[00:00:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Gehirn funktioniert immer als ganzheitliches Organ.
[00:00:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin teilt man auf in verschiedene Körperorgane und dann gibt es
verschiedene Diagnosen.
[00:00:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Hirn funktioniert das nicht so gut.
[00:00:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, als Familientherapeutin und Psychiaterin,
komme ich immer weiter weg von diesen starren Diagnose stellen.
[00:00:48.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Anpassungsorgan, ein soziales Anpassungsorgan.
[00:00:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer in Aktion mit dem Umfeld.
[00:00:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird über seine genetisch determinierte Veranlagung, ASS, also Autismus,
gehört zu einer genetischen Veranlagung, wird es immer auch noch über das Umfeld
beeinflusst, bestimmt und verändert sich.
[00:01:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dank der Epigenese – das ist jetzt ein modernes Wort –, früher haben die Ärzte an die
Genetik geglaubt, die ist immer noch wichtig.
[00:01:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Gehirn spielt die Epigenese eine viel größere Rolle.
[00:01:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Hirn kann sich verändern und unser Genom, also unsere Gene, können
sich auch verändern.
[00:01:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bringen viele Anlagen mit sich, die dann eingeschränkt und bestimmt werden
über die Interaktion mit dem Umfeld.
[00:01:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ja jetzt gehört, wie wichtig es ist, dass das Umfeld mit diesen Menschen
umgehen kann.
[00:01:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spielt eben die Genetik eine ganz wichtige Rolle.
[00:02:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Weiteres vom Gehirn.
[00:02:05.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn, und das ist das emotionale Gehirn und ein Teil im emotionalen Gehirn, der
Hippocampus, der produziert neue Nervenzellen bis zum Tod.
[00:02:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wir können lernen bis zum Tod.
[00:02:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat noch gesagt, mit 40 ist ausgelernt und dann kommt nichts mehr
Neues. Das stimmt nicht.
[00:02:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind tatsächlich in der Lage, noch weiterzulernen.
[00:02:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, die wurde schon angesprochen, da lernt man ganz speziell viel,
respektive, was man lernt, wird eingeprägt in die Persönlichkeit dieses Menschen.
[00:02:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man dann ein gesundes Verhalten lernen oder auch krankes Verhalten lernen.
[00:02:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert eine Umstrukturierung des Gehirns.
[00:02:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem Synaptic Pruning.
[00:02:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich ähnlich wie bei den Genen.
[00:03:02.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Vernetzungen im Gehirn.
[00:03:05.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das gesehen in diesem Bild, da haben die Autisten eine viel breitere,
flächenhaftere Beleuchtung gehabt.
[00:03:21.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche über die ADHS/ADSler.
[00:03:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn bleibt stärker vernetzt mit dem ganzen Hirn.
[00:03:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert ein Synaptic Pruning.
[00:03:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Anlagen werden gekappt, also zugemacht, und das Hirn entwickelt eine Autobahn,
entwickelt funktionale Netzwerke.
[00:03:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese funktionalen Netzwerke sind natürlich wichtig für unsere täglichen Aufgaben.
[00:04:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dann schneller.
[00:04:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles immer weiterhin vernetzt bleibt, dann ist es schwierig.
[00:04:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler (also auch Autismus-Spektrum-Störungen) sind verlangsamt in der
Pubertät um das alles zu lernen.
[00:04:23.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen viel mehr Eindrücke mit in das Gehirn zur Verarbeitung.
[00:04:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen Diagnosen sind aus meiner Sicht konzeptuelle Konzepte.
[00:04:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktionelle Zustände des Gehirns werden eingefroren und in einer Diagnose
zusammengefasst.
[00:04:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kritisiere ich.
[00:04:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Funktion geht ja immer weiter und es bleibt flexibel.
[00:04:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diagnosen sind zwar wichtig für uns Ärzte, wir verstehen dann besser, worum es geht.
[00:05:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um den einzelnen Patienten geht oder die Patientin, dann bringt die Diagnose
oft nicht so viel.
[00:05:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie Frau Hedi Wallmüller gesagt hat: jeder Autist ist anders.
[00:05:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Patient ist anders.
[00:05:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Da mache ich immer Witze mit den Ärzten.
[00:05:22.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulmedizin sagt man, die Chirurgen können alles, die Mediziner, die wissen
alles, aber können gar nichts machen. Die Chirurgen wissen nichts, aber sind sehr
potent. Sie sind am höchsten in der Leiter der Beurteilung der Mediziner.
[00:05:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pathologen, die wissen alles, aber zu spät. Der Patient ist schon tot.
[00:05:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Physiater, die wissen nichts und können nichts.
[00:05:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: aber wir lernen täglich.
[00:05:59.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir täglich, bleiben wir offen.
[00:06:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir interagieren mit den Patienten, mit den Eltern.
[00:06:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht kein Tag vorbei, ohne dass wir nicht etwas lernen.
[00:06:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychische Störung, die psychiatrischen Krankheiten, Diagnosen, sind an sich
immer funktionelle Störungen des Gehirns, in Interaktion mit dem sozialen Umfeld.
[00:06:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Störungen in der Beziehungsinteraktion.
[00:06:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie arbeiten mit Patienten täglich oder mit ihren Bewohner täglich, also sie sind ständig
in Interaktion.
[00:06:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es ganz, ganz wichtig, dass sie lernen, mit diesen speziellen Menschen
umzugehen.
[00:06:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche mit der Tierwelt.
[00:06:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Tiere erziehen wollen, dann können ihr dem Elefanten nicht erklären, wie er
den Baum hochsteigen könnte.
[00:07:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.
[00:07:06.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Tierarten umgehen, dann müssen wir auf die Tierart eingehen.
[00:07:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Autisten umgehen, müssen wir lernen, auf diesen Menschen einzugehen,
mit ihm lernen umzugehen, sonst kommen wir nirgendwo hin.
[00:07:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir ja auch von Frau Hedi Wallmüller gehört.
[00:07:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um persönlichkeitsgerechten Umgang mit unserem Gegenüber.
[00:07:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie man „artgerechte Tierhaltung" sagt. Die Tierhaltungen sind auch nicht immer so
toll artgerecht.
[00:07:44.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen persönlichkeitsgerecht mit diesen Individuen umgehen.
[00:07:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS ist Aufmerksamkeitsdefizitstörung.
[00:07:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom.
[00:08:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt die Aktivität nach außen dazu.
[00:08:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS ist Autismusspektrumsstörung.
[00:08:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man nur von Autismus geredet, jetzt sagt man Autismus-Spektrum.
[00:08:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man da mehr reinpacken.
[00:08:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben gemerkt, dass man eben nicht nur ein Modell hat.
[00:08:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger gibt es auch noch.
[00:08:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Kinderarzt, der hat vor dem letzten Weltkrieg versucht, Kinder die
andersartig waren, zu schützen.
[00:08:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man dann gesagt, das sind ganz speziell intelligente Kinder.
[00:08:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktionieren nicht wie normale Kinder und die müssen geschützt werden.
[00:08:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war im dritten Reich in Deutschland.
[00:08:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetisch sind alle drei vererbt: ADS, ADHS und ASS, ist genetisch vererbt.
[00:09:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es handelt sich um einen neurodivergenten Typ, Menschentyp, im Vergleich zu den
Durchschnittsmenschen.
[00:09:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch schon mehrfach gezeigt.
[00:09:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus, die Autismusspektrumsstörung, ist am stärksten genetisch vererbt, ich
sage jetzt mal, 90%.
[00:09:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS ist ungefähr 80% vererbt.
[00:09:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, Autismusspektrumsstörung und ADS sowie auch ADHS haben einige
gemeinsame Reaktionstypen, einige gemeinsame Verhaltensweisen.
[00:09:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind allesamt hochsensibel.
[00:10:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind durch ihre hohe Sensibilität leicht störbar.
[00:10:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Aufmerksamkeitsstörung.
[00:10:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung kommt aus dem Schulbereich.
[00:10:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann nicht gut aufpassen, wenn der Lehrer langweilig ist.
[00:10:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht Störung, ich sage, die haben eine breite Aufmerksamkeit.
[00:10:26.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS-ler haben eine breite Aufmerksamkeit nach außen.
[00:10:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler auch nach außen, aber auch nach innen.
[00:10:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, dann driften die ab in Träumereien. Die Autisten auch.
[00:10:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen dann in Geschichten.
[00:10:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Leute, die erzählen sich dauernd Geschichten, wenn es ihnen langweilig ist.
Die haben da ganze Roman Fortsetzungen.
[00:10:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Über diese breite Aufmerksamkeit sind sie leicht störbar, leicht ablenkbar, haben eine
breite Wahrnehmung.
[00:11:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite, emotional, sind sie hochreaktiv.
[00:11:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Reize können sie schon durcheinanderbringen.
[00:11:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Und der ADHSler, der kämpft dann nach außen, der wehrt sich, der schimpft, der wird
aggressiv.
[00:11:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADSler geht eher nach innen. Der zieht sich eher zurück. Das sind dann auch die
Autisten, die ziehen sich eher zurück.
[00:11:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu sehr in die Enge treibt, dann können auch die explodieren.
[00:11:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es einen Raptus geben.
[00:11:43.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich auch noch sagen muss: alle drei sind ungeduldig.
[00:11:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der ASSler, der Autist etwas will, kann man ihn nicht auf eine Verzögerungsbahn
schicken.
[00:12:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist so gedrängt, es muss etwas gemacht werden.
[00:12:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sowohl beim ADHSler als auch beim ADSler so.
[00:12:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben keine Geduld. Ihre Emotionen gehen so hoch, dass man nichts verzögern
kann.
[00:12:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil können sie es schon lernen, aber nicht gleich am ersten Tag.
[00:12:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Selbstregulierung.
[00:12:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die regulieren ihre Emotionen mit Sport, mit Abenteuer.
[00:12:39.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet dann von Novelty Seeking und Sensation Seeking.
[00:12:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, gehen eher auf Rückzug, Träumereien und auch Hyperfokus.
[00:12:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Idee, ein Interesse gefunden haben, das sie sehr interessiert, das sie
fasziniert, dann können sie daran bleiben, die ganze Nacht durch und sehr gut
fokussieren.
[00:13:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt von Albert Einstein er ist in die Kantonsschule in Aarau gegangen, jetzt heißt
es Einstein Haus, dass er hat die ganze Zeit gerechnet und seine Frau musste ihm
sagen: du musst wieder mal essen oder trinken oder auch schlafen gehen.
[00:13:23.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen sich dann selbst auch nicht mehr recht wahr.
[00:13:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Albert Einstein hat man gesagt, er sei ein ADSler, man könnte auch sagen, ein
Autist, denn er hat bis fünf nicht gesprochen.
[00:13:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld geht natürlich immer vom Normotyp aus.
[00:13:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas sage, muss das Kind das verstehen.
[00:13:51.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas verlange, muss es gehorchen.
[00:13:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war das noch stärker.
[00:13:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein autistisches Kind, das haben wir auch gehört, da kommt die Antwort oft verzögert.
[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt einen Befehl, da kommt nicht gerade was.
[00:14:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann das Umfeld ungeduldig ist und wieder auf das Kind einredet, dann wird der
Autist, ich sage jetzt auch der ADSler, immer mehr zurückgedrängt und am Schluss
redet er gar nicht mehr.
[00:14:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Bezugspersonen müssen lernen, mit ADSlern, mit Autisten umzugehen, indem wir
Geduld haben, etwas warten können und nicht sofort wieder Druck machen.
[00:14:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Druck ist absolutes Gift für diese Menschen.
[00:14:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind braucht Zeit, um zu seiner Antwort anzusetzen, also es überlegt.
[00:14:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört zu diesem Hirn, das wir da gesehen haben, das so stark vernetzt ist.
[00:14:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss zuerst ganz viele Stationen durchmachen, bevor es selbst entscheiden kann.
[00:15:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder, denen muss man immer die Zeit lassen, dass sie intrinsisch entscheiden
können.
[00:15:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit gehorsam, sondern sie müssen zuerst alles überlegen und: aha, ja, dann geht
es.
[00:15:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld, und in diesem Fall, wenn sie solche Autisten haben oder
ADHSler, müssen sie ihrem Gegenüber Raum und Zeit lassen, damit sich diese Person
überlegen kann und dann formulieren kann.
[00:15:39.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch gilt: die sind selber schon sehr stark erregt.
[00:15:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte immer in einem Zustand von "low arousal" mit denen kommunizieren.
[00:15:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich zuerst selber runterholen und erst dann irgendetwas sagen.
[00:15:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hypererregt ist, lieber gar nichts sagen.
[00:16:02.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sowieso nichts einen Sinn.
[00:16:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Müttern sage ich: sagen sie gar nichts. Sie müssen zuerst sich selbst beruhigen
und dann können sie mit dem Kind aus handeln.
[00:16:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht zu viel auf diesen Menschen einreden, denn dann wird er wieder verwehrt und
dann blockiert das Hirn.
[00:16:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ASS, ADHS/ADS muss man sorgfältig und geduldig begleiten, man muss
gut beobachten, damit man merkt, wenn ich das mache, passiert das bei meinem
Gegenüber.
[00:16:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, das geht nicht so gut.
[00:16:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiger Lernprozess und das ist interessant, aber es kostet von ihnen
Geduld und Ausdauer.
[00:17:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person darf nicht gedrängt werden, der Erwachsene darf nicht gedrängt werden,
sonst kann auch beim Autisten ein Raptus passieren, also dass er völlig aggressiv
ausrastet.
[00:17:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS Menschen werden häufig vom erzieherischen Umfeld gebremst. Du machst
das falsch, kannst du dich nicht zurücknehmen und so weiter.
[00:17:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie stehen ständig Kritik gegenüber. Das macht sie aggressiv.
[00:17:39.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wenn sie ganz ausscheren, werden sie delinquent.
[00:17:45.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es viele von denen.
[00:17:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nachvollziehen.
[00:17:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSser scheren eher ganz aus, reden überhaupt nicht mehr.
[00:18:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen ADSler begleitet. Der hat in der frühen Pubertät schwierige Konflikte in
seiner Schulklasse erlebt.
[00:18:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war vorher eine Plaudertasche, die nicht aufgehört hat zu reden.
[00:18:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den einen Schulkameraden und dessen Eltern wurde er moralisch verurteilt.
[00:18:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat aufgehört zu reden und hat jetzt jahrelang Kommunikation verweigert.
[00:18:36.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt beginnt er langsam wieder.
[00:18:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab auch eine sexuelle Situation, wo er sich über ein Mädchen hergemacht hat, weil
er absolut ungeschickt war und unerfahren in diesem Bereich.
[00:18:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist wirklich verschwunden im Autismus, er hat überhaupt nicht mehr kommuniziert.
[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich schon über 40 Jahre mit ADHS/ADS, ich habe auch ein Buch über
Schizophrenie geschrieben.
[00:19:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie.
[00:19:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können in einen schizophrenen Zustand übergehen.
[00:19:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen in diesen Zustand über, wenn ihr emotionales Hirn völlig überlastet ist, über
längere Zeit.
[00:19:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, da die so überlastet sind in ihrem emotionalen Hirn, passiert der System
Overload und dann ein System Overflow.
[00:19:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Systemüberlastung des emotionalen Gehirns stattfindet, dann geht als
erstes eine emotionale Monsterwelle in das Stammhirn.
[00:20:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geschieht die Hyperaktivität.
[00:20:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychiatrie wird dann das Großhirn mit Impulsen überschwemmt, sodass die
Funktion des Großhirns zusammenbricht.
[00:20:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann die Schizophrenie.
[00:20:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kognition funktioniert dann nicht mehr.
[00:20:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden schlussendlich paranoiden Ideen etc.
[00:20:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden Fake News. Sie rücken sich ihre Welt nach ihren Vorstellungen zurecht.
[00:20:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat immer die Funktion, dass sie nicht mehr so unter Gefühlsdruck stehen, also
unter unangenehmen Emotionen.
[00:20:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Komorbidität.
[00:21:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS, ADS, ADHS, ist alles genetisch vererbt.
[00:21:14.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankheiten, die dann entstehen, sind aus meiner Sicht alles Folgekrankheiten.
[00:21:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht, neurotypgerecht mit diesen Menschen
umgegangen wird, dann können sich alle möglichen Krankheiten daraus entwickeln.
[00:21:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht jetzt Statistiken.
[00:21:34.410] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen im Erwachsenenalter, welche die Konstellation von ADHS/ADS
haben, haben eine zusätzliche oder mehrere psychiatrische Diagnosen.
[00:21:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In letzter Zeit kommt auch immer mehr raus: sie haben auch körperliche Diagnosen.
[00:21:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da beginnt man erst, Statistiken zu machen.
[00:22:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher eine Fibromyalgie, Schmerzen und so weiter.
[00:22:08.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer machen eher Herzinfarkte, also solche Krankheiten.
[00:22:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist Erst daran, das statistisch zu erfassen.
[00:22:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht sind das alles Folgekrankheiten.
[00:22:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Weitere Folgekrankheiten sind: Persönlichkeitsstörung bei Frauen.
[00:22:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meistens ADHSlerinnen, hyperaktive Frauen, die zurück gebremst werden.
[00:22:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die entwickeln eine Borderline Persönlichkeitsstörung.
[00:22:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS Frauen ritzen sich. Viele entwickeln Essstörungen.
[00:22:50.660] – Bemerkung 1
Werden Frauen häufiger mit Borderline diagnostiziert?
[00:22:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Diagnose ist eine absolute Frauendiagnose.
[00:23:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Depression wird auch viel mehr bei Frauen gestellt.
[00:23:08.030] – Bemerkung 2
Wieso wird ADHS mehr bei Männern diagnostiziert?
[00:23:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können sich viel besser kontrollieren, die können sich besser anpassen. Die
können ihre Impulsivität besser zurücknehmen. Die haben Gene und Hormone, die
leichter sich anpassen.
[00:23:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen werden dann auch erst mit 35, 45 diagnostiziert, weil sie sich vorher immer
angepasst haben.
[00:23:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann diagnostiziert werden, haben die meisten schon eine Depression.
[00:23:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle ihre Energie in die Anpassung gesteckt. Dann sind sie so erschöpft, dass
sie nicht mehr können und eine Depression haben.
[00:23:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer, die sind eher ADHS und aggressiv nach außen. Das merkt man, das sieht
man, die stören im Unterricht.
[00:24:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung ersetzt die Hysterie.
[00:24:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man den Frauen gesagt, dass sie hysterisch sind.
[00:24:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Diagnose verwendet man nicht mehr. Du bist hysterisch wird nur noch im
Sprachgebrauch verwendet.
[00:24:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern ist eher die antisoziale Persönlichkeitsstörung.
[00:24:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kommen dann ins Gefängnis, die Buben ins Jugendheim.
[00:24:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Geschlechter zeigen Suchtstörungen.
[00:24:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS, die verwenden Suchtmittel, um ihr starkes Temperament
runter zu zähmen.
[00:25:09.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können alle Suchtmittel sein.
[00:25:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwenden auch Medikamente um sich runter zu zähmen.
[00:25:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider werden da bei den Jugendlichen häufig Beruhigungsmittel, starke
Beruhigungsmittel verschrieben, die dann süchtig machen.
[00:25:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie tritt auch bei beiden Geschlechtern auf.
[00:25:29.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es noch etwas komplizierter, was da alles noch dahinter steckt.
[00:25:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bipolare Störung ist auch eine Störung, die bei ADHS/ADSlern auftritt.
[00:25:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu engstirnig erzogen worden sind, dann befreien sie sich mit der Manie, also
mit dem manischen Schub, von ihren Fesseln, von ihren erzieherischen Fesseln.
[00:26:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie bei sich ADHS/ADS Frauen haben und dann noch Diagnose Bipolare
Störung, ist es wichtig, dass sie nicht versuchen, diese zu erziehen.
[00:26:13.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur Beziehung pflegen und auseinandersetzen.
[00:26:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzungen laufen bei diesen viel heftiger als vielleicht beim Normotyp.
[00:26:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich.
[00:26:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Frauen mit der Borderline Persönlichkeitsstörung bekommen, vom
Vorgänger des Töpferhauses.
[00:26:40.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit diesen auseinandergesetzt.
[00:26:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen gibt es unzählige Muskel-Skelettsystem-Probleme, Schmerzen am
ganzen Körper.
[00:26:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Frauen auch noch tun: sie schneiden sich, ritzen.
[00:26:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder schwierig, damt umzugehen.
[00:27:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau, ca. 20 Jahre alt, hatte Probleme in ihrem sozialen Umfeld. Sie ist in eine
Klinik gegangen. Dort ist sie mit fünf Medikamenten rausgekommen.
[00:27:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist sicher ein ADHS.
[00:27:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald Medikamente verwendet werden, um die Emotionen zu kontrollieren, dann greift
man immer nach dem.
[00:27:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, in dieser Umwandlungsphase des Gehirns, ist etwas vom Wichtigsten,
dass der junge Mensch lernt, mit seinen Emotionen umzugehen.
[00:27:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie hier Patienten bekommen, müssen sie natürlich auch lernen, mit ihren und
den Emotionen ihrer Schützlinge umzugehen.
[00:27:52.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann heiß zugehen, aber es lohnt sich, das zu lernen.
[00:27:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht vielleicht etwas länger.
[00:27:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pubertieren etwas länger oder das Hirn reift etwas später, aber es ist durchaus
möglich.
[00:28:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schlussfolgerung von all diesen Ausführungen sage ich: eigentlich müssten Eltern,
Lehrerinnen und Lehrer, Erziehungspersonen, Kindergärten – es beginnt schon dort –
möglichst früh Unterstützung bekommen zu lernen, kompetent, neurodivers-adäquat mit
diesen Kindern umzugehen.
[00:28:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür brauchten sie wahrscheinlich etwas Unterstützung.
[00:28:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wartet, bis diese Menschen psychiatrische Diagnosen erhalten, ist es schon
sehr spät.
[00:28:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Never too late.
[00:28:56.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schwöre auf Prävention, müsste man viel früher dem Umfeld lehren, wie
umzugehen mit ADHS/ADS.
[00:29:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Kinder, die verweigern die Schule, die Eltern sind verzweifelt und ich
muss dann nach irgendwelchen Lösungen suchen, dass diese Kinder, Jugendlichen,
normal durch die Pubertät kommen.
[00:29:21.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind, ein Mädchen, das war dann zwei Jahre zu Hause, bis die
schlussendlich selbst entschlossen hat: ich mache jetzt Homeschooling übers Internet.
[00:29:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht es und der Bruder macht es auch.
[00:29:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt da viel Möglichkeiten, fantasievoll, erfinderisch, kreativ, mit diesen nicht
neurotypischen Menschen umzugehen.
[00:29:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das lernt, ist es interessant.
[00:29:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt immer auch von seinem Gegenüber.
[00:29:57.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir beim Sokratischen Lernen angelangt.
[00:30:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sokrates hat gesagt: nicht nur die Schüler lernen von mir. Ich lerne mehr von ihnen oder
ich lerne viel von ihnen.
[00:30:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie eine solche Haltung diesen neurodiversen Menschen gegenüber einnehmen,
ist ihr Beruf spannend, interessant und sie sind dauernd am Lernen, so wie die
Psychiater.
[00:30:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt dürfen sie noch Fragen stellen.
[00:30:34.540] – Bemerkung 3
Das Spektrum ADHS/ADS ist also alles genetisch?
[00:30:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.
[00:30:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Veranlagung ist genetisch.
[00:30:57.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist ein plastisches Organ, ist epigenetischen Prozessen unterworfen.
[00:31:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese genetische Veranlagung kann in der Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst
werden, zum Guten und zum Schlechten. Die Gene können wir nicht verändern.
[00:31:18.300] – Bemerkung 4
Ist man den Genen somit ausgeliefert?
[00:31:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene interagieren viel mehr miteinander, als wir denken.
[00:31:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum redet man von Epigenetik.
[00:31:37.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben zum Teil Gene, die bei primitiven Tierarten vorhanden sind.
[00:31:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
99% unserer Gene sind gleich wie die vom Schimpansen.
[00:31:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen sind trotzdem ganz anders als die Schimpansen.
[00:31:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Möglichkeiten.
[00:32:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind überhaupt nicht den Genen ausgeliefert.
[00:32:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Flexibilität des Gehirn.
[00:32:25.450] – Bemerkung 5
Meint die Epigenetik nicht die Veränderbarkeit der Gene sondern die Interaktionsweise
der Gene?
[00:32:25.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.
[00:32:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Epigenetik ist die Interaktion unter den Genen.
[00:32:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es noch viele Prozesse. Ich kenne die auch nicht alle.
[00:32:34.700] – Bemerkung 6
Wäre es nicht schön, wenn man nicht einfach immer individuell auf den Menschen
eingehen würde?
[00:32:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Ich bin total einverstanden.
[00:32:56.900] – Bemerkung 6
Schön
[00:32:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was gut ist für ADHS/ADS/ASSler ist gut für alle.
[00:32:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Normotypen hinterlässt es weniger schlimme Spuren.
[00:33:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen bei diesen genetisch vulnerablen Menschen, da hinterlässt es mehr Spuren.
[00:33:20.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre für alle gut. Absolut. Ich kann nur beistimmen.
[00:33:29.180] – Bemerkung 7
Ab welchem Alter empfehlen sie die Abklärung bei den Kindern bei einem Hinweis, dass
es Richtung ASS geht?
[00:33:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Abklären kann man immer.
[00:34:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache keinen Neurotest.
[00:34:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Anamnese auf über drei Generation.
[00:34:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue, was da alles im Familiensystem vorhanden ist und von meinem Gespür her
sage ich: ja, das ist das.
[00:34:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, es wird abgeklärt.
[00:34:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ASS Sprechstunden sind heute überall überlastet.
[00:34:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Und danach, wer macht etwas mit den Kindern? Wer redet mit den Eltern? Niemand.
[00:34:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA im Aargau macht schon bei den kleinen Kindern viele Abklärungen.
[00:34:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man noch Leute finden, welche die Mütter Väter beraten.
[00:34:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es wollen, dürfen sie gerne eine Abklärung machen und jetzt müssen wir
sofort mit dem Coaching beginnen.
[00:35:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit diesen Menschen umzugehen.
[00:35:12.860] – Hedi Wallmüller
Mit einer ADHS/ADS Abklärung kann man in der Schule auch zusätzliche Zeit bei den
Prüfungen verlangen. Im Kanton Aargau gibt es drei Jahre Wartezeit, bis sie einen
Termin kriegen. Im Kanton Aargau ist man mit einem autistischen Kind arm dran.
[00:35:54.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: ja, das Kind hat ADHS/ADS. Ich stelle die Diagnose einfach.
[00:36:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den Psychiatern sagt man: sie stellen ihre Diagnosen in drei Minuten.
[00:36:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schreibe ein Zeugnis und sage: der braucht einen Nachteilsausgleich.
[00:36:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann dürfen die mehr Zeit verwenden und allenfalls an einem ruhigen Ort.
[00:36:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man drei Jahre warten muss, also Hallo.
[00:36:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft das Kind schon davon. Auf Wiedersehen.
[00:37:01.410] – Bemerkung 9
Es geht um die Frühanmeldung bei der IV.
[00:37:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man vom frühkindlichen POS. Dann musste man es bis zum 6.
Lebensjahr anmelden.
[00:37:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche melden an, manche nicht.
[00:37:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es nicht mehr so klar.
[00:37:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer sagen: das Kind hat diese Diagnose. Das ist ein Geburtsgebrechen,
das bleibt ein Geburtsgebrechen. Es ist ja genetisch, kommt mit der Geburt.
[00:38:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wo dann die Leute sind und wer die regionalen Ärztedienste sind, geht es
oder es geht nicht.
[00:38:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da streiten wir dann zwischen IV und Krankenkasse.
[00:38:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat Anrecht auf eine Sonderbehandlung.
[00:38:26.140] – Bemerkung 10
Bei den IV Gutachten wird fast nie das nahe Umfeld angeschaut. Man hat in der
zweistündigen Sitzung Zeit, das nahe Umfeld wird nicht angeschaut.
[00:39:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, IV ist da schwierig.
[00:39:13.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich streite immer mit der IV.
[00:39:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann die PatientIn zehn Jahre begleitet haben.
[00:39:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist behauptet dann ich würde mich nur für den Patienten interessieren.
[00:39:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gutachterarzt, der sieht den Patienten eine Stunde und der hat dann Aussagekraft
[00:39:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir immer wieder am Diskutieren.
[00:39:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen autistischen Jungen.
[00:39:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat immer wieder gesagt: das geht nicht, er muss das und das erreichen.
[00:39:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben den Patienten immer wieder geschützt vor diesem Druck.
[00:40:02.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt macht er den Abschluss in der IT.
[00:40:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind da wie Löwenmütter, welche diese Menschen schützen müssen.
[00:40:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat nicht viel Erfahrung mit ADHS/ADS. Die sagen dann immer: der ist nur faul
und der muss jetzt usw.
[00:40:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine junge Patientin, die wurde mit 15 Jahren zur IV geschickt.
[00:40:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten mit der IV alles abbrechen, die hat jetzt Rente, aber die entwickelt sich
weiter.
[00:40:49.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wen man hat bei der IV sagt man lieber Rente und macht selber weiter
oder man versucht eine berufliche Eingliederung.
[00:40:49.330] – Bemerkung 11
Dort wartet die nächste Schwierigkeit, einen Platz zu finden in der Gesellschaft.
[00:41:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Schritt wäre dann Supported Employment.
[00:41:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist das Training und ein weiteres ist: Supported Employment.
[00:41:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Schizophrenie Patienten. Er war im Töpferhaus, dann jahrelang im KV
Atelier. Er hat noch eine Ausbildung gemacht, eine normale, aber immer bezahlt von der
IV-Rente. Schlussendlich hat er eine Stelle bekommen im IT Bereich und hat 90'000
verdient pro Jahr. Wir haben sehr lange gewartet.
[00:41:56.360] – Bemerkung 12
Eine schöne Geschichte.
[00:42:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Niemals aufgeben. Ich sehe ihn jetzt immer in den sozialen Medien, was er publiziert.
[00:42:10.440] – Bemerkung 13
Wo ist die Abgrenzung zwischen ADHS und ADS?
[00:42:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn ist ein kompliziertes, funktionelles Organ, das
wechseln kann.
[00:42:44.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir auch eine Geschichte durchschauen, dann haben die oft viele Diagnosen.
[00:42:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer auf die Situation und was mache ich mit diesem Menschen?
[00:42:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was rate ich?
[00:42:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Funktion ist nicht, die Diagnose zu behandeln, sondern meine Funktion ist, den
Menschen zu begleiten, dass er sich weiterentwickelt.
[00:43:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache wie eine Berufsberatung.
[00:43:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mit ihnen: würde das passen oder das?
[00:43:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir erfolgreich sind, irgendwann mal findet man es.
[00:43:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte mich dann nicht so fest an die Diagnosen, sondern an die Situation und die
Begabungen.
[00:43:28.830] – Bemerkung 14
Wo werden sie hellhörig bei den Unterschieden zwischen ADHS und ADS?
[00:43:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unterschiede sind nicht so gross.
[00:43:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS kann zu ADS wechseln und umgekehrt.
[00:43:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob es genetisch wirklich so unterschiedlich ist.
[00:43:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beginnen jetzt eine Studie, in der wir die ADHS/ADSler genetisch untersuchen.
[00:44:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In den GWAS war ADHS, Autismus, Schizophrenie, manisch-depressiv und schwere
Depression, die hatten alle den gleichen geänderten Gen-Lokus.
[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es klar, das hängt alles zusammen.
[00:44:42.920] – Bemerkung 15
Bei ADHS/ADS ist die Affektreaktion beeinträchtigt, welche durch Stress dominiert wird.
Dort greifen die Medikamente ein.
[00:45:44.210] – Dr.med. Ursula Davatz
ich weiß nicht, ob ich alles richtig verstanden habe.
[00:45:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie, wenn ein Mensch psychiatrische Symptome hat, die greift an erster
Stelle ein mit Medikamenten.
[00:45:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Akutsituation mache ich das auch, aber langfristig versuche ich eher, dem Umfeld
beizubringen, wie kann man mit diesen Menschen besser umgehen.
[00:46:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ihm natürlich beizubringen: wie kann er mit seinen Emotionsregulationen
besser umgehen?
[00:46:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Studenten mit Schibitis oder Prokrastination, denen gebe ich dann
Tipps.
[00:46:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort spricht man von ADHS/ADS Coaching.
[00:46:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Emotionalität umzugehen.
[00:46:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur vor allem flüchten.
[00:46:49.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen jungen Hund, mit dem geht man Zug fahren, damit der lernt, mit der Situation
umzugehen.
[00:46:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten muss begleiten.
[00:47:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie sorgfältig begleiten. Man kann sie nicht einfach nur rausschicken. Auch
nicht einfach nur sich verkriechen lassen im Zimmer.
[00:47:15.560] – Bemerkung 16
Wenn das genetisch vererbbar ist, über wie viele Generationen kann das laufen?
[00:47:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Über alle.
[00:47:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme immer drei Generationen auf, manchmal auch mehr.
[00:47:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern gehen mit ihrem Kind zur Abklärung. Dann kommt ADHS/ADS raus.
[00:47:32.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denken die Eltern: ich bin ja auch so. Dann beginnen die Eltern zu sehen: ich
habe ja auch diese Eigenschaften. Dann gehen die Eltern sich auch abklären. Dann
kommt es auch raus.
[00:47:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaue ich zurück.
[00:47:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Symptomatik bei ADHSlern, da kann der Grossvater jähzornig gewesen sein. Er
kann ein Alkoholiker gewesen sein.
[00:47:59.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe dann die Symptome in den Generationen.
[00:48:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehen verschiedene Formen weiter.
[00:48:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder lernt etwas ein wenig anders damit umzugehen.
[00:48:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ganz klar ein Autist. Er hat jetzt seinen Größenwahn.
[00:48:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist auch groß, er hat ja viel Geld.
[00:48:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir jetzt zwei am Werk, die beide nicht Normotypen sind.
[00:48:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene werden weitergegeben, aber man sagt, es sind 20 bis 100 Gene, welche
gemischt werden.
[00:48:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Fortpflanzung kommt von zwei Seiten. Irgendeine Form wird weitergegeben.
[00:48:55.620] – Bemerkung 17
Es kann ja auch sein, dass ein Generation davor ganz anders gelernt hat damit
umzugehen und dann kommt es erst drei Generationen später zum Vorschein.
[00:49:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Erziehung noch viel autoritärer und da haben sich die ADHS/ADSler
auch mehr untergeordnet.
[00:49:19.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute mit unserer modernen demokratischen Erziehung, im neuen Lehrplan haben die
ADHS/ADS Kinder oft zu wenig Struktur.
[00:49:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, man soll zurückgehen zur autoritären Befehlsstruktur.
[00:49:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktioniert gar nicht gut.
[00:49:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer eine sehr gute Beziehung hat zu Kind, dann kann er einiges
verlangen.
[00:49:47.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er keine hat, dann kann er gar nicht.
[00:49:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst Beziehung und dann Erziehung.
[00:49:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schule riesige Probleme, zu wenig Lehrer, alle haben Burnout, steigen
aus, man holt Hilfspersonen rein.
[00:50:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel sorgfältiger in die Schulen investieren.
[00:50:12.230] – Bemerkung 18
Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Gesellschaft. Sie sind jetzt eine
Psychiaterin, die sich dem widmet. Man kann auf die Suche gehen, man findet
niemanden.
[00:50:23.670] – Bemerkung 18
Bei uns laufen dann die Leute rein, bei denen alles falsch gelaufen ist.
[00:50:23.770] – Bemerkung 18
Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit. Es sind fantastische Leute, es sind geniale
Leute, aber die wenigsten erhalten die Möglichkeit zum lernen. Sie sind in einem
Umfeld wo sie nie genügen. Unser Schulsystem ist noch nicht bereit dazu. Sie setzen
bei einem kleinen Teil an. Man müsste viel mehr Lehrpersonen ausbilden.
[00:51:09.330] – Dr.med. Ursula Davatz
ich versuche es.
[00:51:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Zeit lang im Kanton Aargau an den Schulen Lehrer unterstützt, etwas
unterstützt. Dann wollte man nichts mehr.
[00:51:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
In Zürich läuft etwas, weil ich dort wohne.
[00:51:30.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
[00:51:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste viel mehr dort rein investieren. Ich bin dran, solange ich noch kann.
[00:51:43.960] – Bemerkung 19
Wenn die Diagnosen alle zusammen verwoben sind, dann sollte man selber dafür ein
Gespür entwickeln? Soll man dazu selber eine kritische Grundhaltung entwickeln, und
nicht zu stark Diagnose gläubig sein?
[00:52:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele diagnostizieren sich heutzutage selbst über das Internet. Mit dem Internet kann
man das.
[00:52:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin sage nicht: das darf man nicht. Das ist keine Charlatanerie. Man
darf sich selber anschauen.
[00:52:44.020] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS sind Persönlichkeitstypen. Ich darf meinen Persönlichkeitstyp analysieren
und sagen: ich passe eher in diese Kategorie oder in diese.
[00:52:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich geht es immer darum, dass man lernt, mit seinen Persönlichkeitszügen
umzugehen.
[00:52:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodivergenten Menschen, die werden immer kritisiert: du bist falsch, nein, so
nicht.
[00:53:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann immer wieder beibringen: du bist richtig, so wie du bist.
[00:53:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Du musst mit der Freundschaft schließen und erst dann kannst du dich handhaben.
[00:53:19.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich allen meinen Patienten sagen.
[00:53:23.350] – Bemerkung 20
Wir sind hier mit Diagnosen konfrontiert. Auch dort ist ein kritischer Blick wichtig.
[00:53:43.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihren gesunden Menschenverstand, auf ihr gesundes, natürliches Gefühl.
Es ist nicht nur Verstand.
[00:53:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss emotionale Fähigkeiten haben, um mit diesen Leuten umgehen zu lernen.
[00:54:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt auch wieder an ihnen.
[00:54:05.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auch auf sich und nicht nur auf die Fachleute. Das ist ganz wichtig.
[00:54:12.180] – Bemerkung 21
Wir als Fachpersonen können auch hinterfragen. Wir haben eine Klientin gehabt, wo wir
hinterfragt haben: stimmt die Diagnose? Jetzt hat sie eine ganz andere Diagnose,
welche ihr mehr entspricht. Sie fühlt sich mit dieser Diagnose viel wohler.
[00:54:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hedi Wallmüller hast das auch gesagt: getrauen sie sich zu hinterfragen!
[00:54:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihre Intuition!
[00:54:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Menschen.
[00:54:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die menschliche Beziehung.
[00:54:53.340] – Hedi Wallmüller
Wenn sie das Gefühl haben, dass es nicht passt, dann passt es wohl auch nicht.
[00:54:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.
[00:55:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auf sich vertrauen.
[00:55:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch eine kurze Reklame für mich.
[00:55:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin daran, ein neues Buch zu publizieren.
[00:55:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vorhergehende war ADHS und Schizophrenie.
[00:55:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das neue Buch heisst:
[00:55:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS und seine Folgekrankheiten, Psychiatrie im Offside.
[00:55:29.140] – Bemerkung 22
Wann wird das Buch publiziert?
[00:55:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann dieses Jahr. Ich hoffe möglichst bald.
[00:55:32.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Zuhören. Ich hoffe sie können etwas davon anwenden. Sonst fragen sie
einfach wieder. Fragen sie sich gegenseitig. Setzen sie sich mit den anderen
auseinander. Sie haben sicher viel Spass.
[00:55:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den ADHS/ADS Kinder hat man eine zeitlagn gesagt: das sind Indigo-Kinder und
die drei treiben eigentlich unsere Entwicklung voran.
[00:56:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.
[00:56:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wir müssen noch genauer hinschauen.
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