Pseudo-Einigkeit in der Familie mit ADHS/ADS-Kindern

Dr.med. Ursula Davatz benutzt den Begriff „Pseudo-Einigkeit„, um ein dysfunktionales Familienmuster zu beschreiben, das häufig in Familien mit schizophrenen Kindern vorkommt, die den ADHS/ADS-Neurotyp in ihren Genen tragen.

  • Bei der Pseudo-Einigkeit geben die Eltern nach aussen hin vor, einig zu sein, während in Wirklichkeit verdeckte Konflikte und Spannungen existieren.
  • ADHS/ADS-Kinder, mit ihrer hohen Sensitivität, spüren diese Spannungen, auch wenn sie nicht offen ausgesprochen werden.
  • Diese unbewusste Wahrnehmung von Konflikten führt zu Stress beim Kind, was wiederum den „System Overload“ im emotionalen System und letztendlich den „Grenzzerfall“ begünstigen kann.

Dr. Davatz veranschaulicht die Pseudo-Einigkeit am Beispiel eines schizophrenen Patienten, der berichtete, beim Nachhausekommen immer das Gefühl gehabt zu haben, als würde ihm „die Decke auf den Kopf fallen“, obwohl die Eltern nach aussen hin den Eindruck vermittelten, alles sei in Ordnung.

Anstatt die Konflikte zu unterdrücken, empfiehlt Dr. Davatz den Eltern, diese offen anzusprechen und zu klären.

  • Ehrliche Kommunikation und ein Bewusstsein für den eigenen Erziehungsstil, sowie den des Partners, sind essentiell, um eine gesunde und unterstützende Familienatmosphäre zu schaffen.
  • Ein gemeinsames Erziehungskonzept, bei dem beide Elternteile an einem Strang ziehen, gibt dem Kind die nötige Sicherheit und Orientierung, um sich gut zu entwickeln.
  • Es ist nicht notwendig, dass die Eltern in allen Punkten einer Meinung sind, aber es ist wichtig, Uneinigkeit nicht direkt vor dem Kind auszutragen.
  • Klar definierte Zeiten, in denen der jeweilige Elternteil die Verantwortung für die Kinder trägt und seinen Erziehungsstil anwenden kann, können helfen, Konflikte zu minimieren und dem Kind ein klares Bezugssystem zu bieten.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Plädoyer für offene Kommunikation und ein gemeinsames Erziehungskonzept, anstatt Pseudo-Einigkeit, unterstreicht die Bedeutung eines authentischen und transparenten familiären Umfelds für die gesunde Entwicklung von ADHS/ADS-Kindern.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Grenzzerfall_29.11.2024.mp4.pdf

Pseudo-Mutuality: Vorgetäuschte Harmonie und ihre Folgen

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt den Begriff „Pseudo-Mutuality“ im Kontext von Familien mit schizophrenen Kindern und Familien, in denen die Eltern getrennt sind, aber nach aussen den Schein einer intakten Familie wahren. In beiden Fällen herrscht eine vorgetäuschte Harmonie, die die tatsächliche emotionale Dysfunktion verdeckt.

Verbale und nonverbale Kommunikation im Widerspruch:

Während die Eltern verbal Harmonie und Einigkeit vortäuschen, spüren die Kinder die tatsächliche Spannung und Disharmonie im Familiensystem nonverbal. Dieser Widerspruch zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation ist äusserst verwirrend und belastend für die Kinder, die die Situation nicht einordnen können.

Folgen für die Kinder:

  • Misstrauen gegenüber den eigenen Wahrnehmungen: Kinder, die in einem solchen Umfeld aufwachsen, entwickeln möglicherweise ein tiefes Misstrauen gegenüber ihren eigenen Wahrnehmungen. Sie lernen, dass dem, was gesagt wird, nicht immer vertraut werden kann und dass die Realität oft anders aussieht, als sie von den Erwachsenen dargestellt wird.
  • Psychische Belastung: Der Double Bind, also der Widerspruch zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation, erzeugt ein Klima der Unsicherheit und Angst. Kinder fühlen sich möglicherweise schuldig oder verantwortlich für die Spannungen in der Familie, obwohl sie nichts dafür können.
  • Risiko psychischer Probleme: Dr. Davatz bezeichnet das Klima der Pseudo-Mutuality als das „schlimmste“, dem man ein Kind aussetzen kann. Sie warnt davor, dass ein solches Umfeld die Entstehung psychischer Probleme, wie z.B. Schizophrenie, begünstigen kann.

Bedeutung der nonverbalen Kommunikation:

Kinder sind besonders sensibel für nonverbale Signale, wie Mimik, Gestik und Tonfall. Sie können diese Signale noch nicht so gut filtern und unterdrücken wie Erwachsene. Daher reagieren sie oft mit Rückzug oder Überforderung, wenn sie Spannungen im Familiensystem spüren, selbst wenn diese unausgesprochen bleiben.

Handlungsempfehlung:

Dr.med. Ursula Davatz empfiehlt, die unausgesprochenen Konflikte an die Oberfläche zu bringen. Die Eltern sollten offen und ehrlich über ihre Probleme sprechen und dem Kind die Situation altersgerecht erklären. Dadurch wird die Diskrepanz zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation verringert und das Kind kann die Situation besser verstehen und einordnen.

https://ganglion.ch/pdf/Hochstrittige%20Eltern.m4a.pdf