Inwiefern unterscheidet sich ADS von ADHS bezüglich der Hyperaktivität?

Dr. med. Ursula Davatz erläutert im vorliegenden Material die Unterschiede zwischen ADS und ADHS bezüglich der Hyperaktivität folgendermassen.

Beim ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperkinetisches-Syndrom) äussert sich die Hyperaktivität nach aussen. Dies kann sich in motorischer Unruhe zeigen, die Dr. Davatz als „Hyperkinese“ oder „Zappelphilipp“ bezeichnet. Sie erklärt, dass diese motorische Unruhe den Betroffenen helfen kann, ihr Gehirn zu aktivieren. Aktivität im Allgemeinen wird als hilfreich für ADHS-Kinder beschrieben. So kann es beispielsweise helfen, wenn sie vor dem Unterricht rennen dürfen, um ihre Aufmerksamkeit danach besser zu fokussieren. Die Aggressivität bei ADHS geht ebenfalls eher nach aussen.

Im Gegensatz dazu richtet sich die Hyperaktivität beim ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) nach innen. Kinder mit ADS sind nach aussen hin vielleicht ganz ruhig, aber innerlich sind sie sehr aktiv im Denken („sie beginnen zu hirnen“). Sie gehen viele Gedankengänge durch und haben oft Mühe mit Entscheidungen, da sie alle möglichen Szenarien und Lösungsvorschläge abwägen. In der Schule werden sie oft als „Träumer“ bezeichnet, da sie bei Desinteresse abschweifen und in ihre Gedankenwelt eintauchen. Dr. Davatz nennt dies eine „gedankliche Hyperaktivität“. Während ADHS-Kinder eher stören, neigen ADS-Kinder dazu zu träumen. Die Ablenkbarkeit ist aber auch bei ADS gross, wenn das Thema nicht genügend Interesse weckt. Bei emotionalen Verletzungen ziehen sich ADS-Kinder eher zurück.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Hyperaktivität bei ADHS primär durch äussere, motorische Unruhe kennzeichnet, während sie sich bei ADS vor allem als innere, gedankliche Aktivität manifestiert, was dazu führen kann, dass Betroffene nach aussen ruhig wirken, aber intensiv im Denken beschäftigt sind.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_Riedtli_13.3.2025.m4a.pdf

Unterschiede zwischen ADHS und ADS: Ein Blick auf die innere und äußere Hyperaktivität

Die Quellen, insbesondere das Interview mit Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die Unterschiede zwischen ADHS und ADS und heben dabei die unterschiedlichen Formen der Hyperaktivität hervor.

Hyperaktivität nach außen vs. Hyperaktivität nach innen:

Dr. med. Ursula Davatz beschreibt den Unterschied zwischen ADHS und ADS anhand der Richtung der Hyperaktivität:

  • ADHS: Menschen mit ADHS zeigen eine nach außen gerichtete Hyperaktivität. Sie sind oft unruhig, impulsiv und haben Schwierigkeiten, still zu sitzen. Diese Hyperaktivität ist sichtbar und führt häufig zu Konflikten mit dem Umfeld.
  • ADS: Bei Menschen mit ADS hingegen richtet sich die Hyperaktivität nach innen. Sie äußert sich in einem intensiven Gedankenfluss, Grübeleien und Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Diese Form der Hyperaktivität ist von außen weniger sichtbar und wird daher oft übersehen.

Zappelphilipp vs. der ewige Zweifler:

Dr. med. Ursula Davatz veranschaulicht den Unterschied zwischen ADHS und ADS mit dem Bild des „Zappelphilipps“ (ADHS) und des „ewigen Zweiflers“ (ADS). Während der Zappelphilipp durch seine Unruhe und Impulsivität auffällt, wirkt der ewige Zweifler eher still und zurückgezogen, ist aber innerlich von seinen Gedanken und Zweifeln geplagt.

Gemeinsame Merkmale: Hohe Sensibilität und schnelle Reaktivität:

Trotz der unterschiedlichen Ausprägung der Hyperaktivität gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen ADHS und ADS. Dr. med. Ursula Davatz nennt als gemeinsame Merkmale die hohe Sensibilität und die schnelle Reaktivität. Menschen mit ADHS und ADS nehmen Reize intensiver wahr und reagieren schneller darauf, was sowohl zu Stärken als auch zu Herausforderungen führen kann.

Ungeklärte genetische Unterschiede:

Dr. med. Ursula Davatz merkt an, dass noch unklar ist, ob ADHS und ADS genetisch tatsächlich unterschiedlich sind oder ob sich die verschiedenen Ausprägungen durch die Interaktion mit dem Umfeld herausbilden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der wesentliche Unterschied zwischen ADHS und ADS in der Richtung der Hyperaktivität liegt. Während ADHS durch eine nach außen gerichtete Hyperaktivität gekennzeichnet ist, richtet sich die Hyperaktivität bei ADS nach innen. Trotz dieses Unterschieds gibt es auch Gemeinsamkeiten, wie die hohe Sensibilität und die schnelle Reaktivität. Ob ADHS und ADS genetisch unterschiedlich sind, ist noch ungeklärt.

https://ganglion.ch/pdf/srf_rec_adhs.m4a.pdf

Die emotionale Funktion der Hyperaktivität bei ADHS-Kindern

Dr.med. Ursula Davatz erklärt in ihrem Vortrag, dass Hyperaktivität bei ADHS-Kindern nicht einfach nur ein Ausdruck von Unruhe oder Überenergie ist, sondern eine wichtige emotionale Funktion erfüllt: die Emotionsregulation.

Hyperaktivität als Ventil:

  • ADHS-Kinder sind hochsensibel und reagieren intensiver auf Reize und Emotionen.
  • Wenn sie Stress, Ärger oder Kränkung erleben, stauen sich diese Emotionen in ihrem emotionalen Gehirn an.
  • Durch die Hyperaktivität, also durch körperliche Bewegung, können sie diese überschüssigen Emotionen abbauen und sich von negativen Gefühlen befreien.

Beispiele für Emotionsregulation durch Bewegung:

  • Zappeln, Stuhlwackeln, Rennen, Springen: Diese Bewegungen helfen den Kindern, ihren Gefühlsstau zu lösen und sich wieder zu beruhigen.
  • Sportliche Aktivitäten: Sport bietet eine gesunde und effektive Möglichkeit für ADHS-Kinder, ihre Emotionen zu regulieren und Stress abzubauen.

Positive Effekte der Bewegung:

  • Verbesserte Konzentration: Studien zeigen, dass ADHS-Kinder nach dem Sportunterricht aufmerksamer sind und sich besser konzentrieren können.
  • Ausschüttung von Dopamin: Bewegung fördert die Ausschüttung von Dopamin, einem Botenstoff im Gehirn, der für Motivation, Konzentration und Wohlbefinden zuständig ist.

Fazit:

Hyperaktivität bei ADHS-Kindern ist also nicht einfach nur ein störendes Verhalten, sondern ein wichtiger Mechanismus zur Emotionsregulation. Eltern und Lehrpersonen sollten dies verstehen und den Kindern ausreichend Möglichkeiten zur Bewegung bieten, um ihnen zu helfen, mit ihren Emotionen umzugehen und ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf