Welche Konsequenzen haben Strafen für ADHS/ADS-Kinder?

Dr. med. Ursula Davatz äussert sich im vorliegenden Material explizit zu den Konsequenzen von Strafen für ADHS/ADS-Kinder. Ihrer Aussage nach funktioniert Strafe bei ADHS/ADS-Kindern nicht gut. Im Gegenteil führt sie aus, dass das Kind durch Strafen nur aufmüpfig wird.

Dr. Davatz betont, dass ADHS/ADS-Kinder immer intrinsisch motiviert sein müssen. Sie beschreibt, dass diese Kinder einen „Dickkopf“ haben und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, sie es durchsetzen wollen („mit dem Kopf durch die Wand gehen“). In diesem Zusammenhang erklärt sie, dass sobald man „Nein“ sagt, man in Konkurrenz tritt. Wenn man ADHS/ADS-Kinder bremst, während sie einen starken Drang haben, etwas Bestimmtes zu tun, dann läuft gar nichts mehr.

Dr. Davatz erlebt weiterhin, dass im Schulsystem mit Bestrafung gearbeitet wird. Sie ist jedoch der Überzeugung, dass man ADHS/ADS-Kinder führen und nicht zum Gehorsam bringen sollte. Dies deckt sich mit der Aussage, dass man sie nicht über Gehorsam motivieren kann. Stattdessen sollte man versuchen, ihre Neugier zu wecken und sie ihren Interessen nachgehen lassen.

Zusammenfassend haben Strafen laut Dr. Davatz bei ADHS/ADS-Kindern negative Konsequenzen, da sie nicht zur gewünschten Verhaltensänderung führen, sondern eher Widerstand und Aufmüpfigkeit hervorrufen. Da diese Kinder stark auf intrinsische Motivation angewiesen sind und einen ausgeprägten eigenen Willen haben, ist es effektiver, sie zu führen und ihre Neugier zu nutzen, anstatt auf Bestrafung zu setzen.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_Riedtli_13.3.2025.m4a.pdf

Ansicht zur Bestrafung bei ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz lehnt Bestrafung bei ADHS/ADS-Kindern entschieden ab. Sie ist der Überzeugung, dass Bestrafung bei dieser neurologischen Veranlagung keine positive Wirkung hat und sogar kontraproduktiv sein kann.

Ihre Argumentation stützt sich auf folgende Punkte:

  • Wirkungslosigkeit: ADHS/ADS-Kinder lernen aufgrund ihrer neurologischen Veranlagung nicht durch Bestrafung. Sie können den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und der Strafe oft nicht herstellen und reagieren daher nicht mit dem gewünschten Verhaltensänderung.
  • Schädigung des Selbstwertgefühls: Bestrafung kann das Selbstwertgefühl von ADHS/ADS-Kindern stark beeinträchtigen. Sie fühlen sich missverstanden, ungerecht behandelt und abgelehnt. Dies kann zu Vertrauensverlust gegenüber den Eltern und Lehrern führen und die Motivation zum Lernen weiter schwächen.
  • Verstärkung negativer Verhaltensmuster: In einigen Fällen kann Bestrafung sogar zu einer Verstärkung der negativen Verhaltensmuster führen. Das Kind lernt, dass es durch provokantes Verhalten die Aufmerksamkeit der Erwachsenen bekommt, und setzt dieses Verhalten möglicherweise bewusst ein, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.
  • Alternative Erziehungsmethoden: Dr. Davatz plädiert für alternative Erziehungsmethoden, die auf Verständnis, Geduld und positiver Verstärkung basieren. Anstatt zu bestrafen, sollten Eltern und Lehrer versuchen, das Kind zu ermutigen und seine Stärken zu fördern.

Dr. Davatz vergleicht ADHS/ADS-Kinder, die mit Bestrafung erzogen werden, mit Tieren in nicht artgerechter Haltung. Sie betont, dass diese Kinder „persönlichkeitsgerecht“ gehalten und erzogen werden müssen, um ihre Potenziale entfalten zu können. Statt mit Bestrafung und Belohnung sollten ADHS/ADS-Kinder durch „persönliche Führung“ erzogen werden. Das bedeutet, eine Beziehung zum Kind aufzubauen und ihm Vertrauen und Respekt entgegenzubringen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz Bestrafung als unangemessene und schädliche Erziehungsmethode für ADHS/ADS-Kinder betrachtet. Sie plädiert stattdessen für einen liebevollen und verständnisvollen Umgang, der die individuellen Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt stellt.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf

Warum Bestrafung bei aggressivem Verhalten von Kindern mit ADHS kontraproduktiv ist

Dr.med. Ursula Davatz argumentiert in den Quellen, dass aggressives Verhalten bei Kindern mit ADHS oft eine Reaktion auf eine erlebte Verletzung ist. Aufgrund ihrer hohen Sensibilität nehmen diese Kinder Reize und Signale aus ihrer Umgebung intensiver wahr als neurotypische Kinder. Was für andere vielleicht eine unbedeutende Geste oder Bemerkung ist, kann für ein Kind mit ADHS wie eine tiefe Kränkung wirken. Die schwächelnde Impulskontrolle führt dazu, dass diese Kinder ihre Emotionen, in diesem Fall Wut und Ärger, oft unkontrolliert und impulsiv in Form von aggressivem Verhalten ausdrücken.

Bestrafung verstärkt die Problematik:

Anstatt das aggressive Verhalten zu unterbinden, kann Bestrafung die Situation sogar verschlimmern. Das Kind fühlt sich missverstanden und ungerecht behandelt, was zu noch mehr Frustration und Wut führt. Es lernt nicht, mit seinen Emotionen konstruktiv umzugehen, sondern verbindet Aggression mit negativen Konsequenzen. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem das Kind immer wieder aggressiv reagiert, bestraft wird und sich dadurch in seinem Verhalten bestätigt fühlt.

Was stattdessen helfen kann:

Verständnis und Empathie: Statt zu bestrafen, sollten Bezugspersonen versuchen, das aggressive Verhalten des Kindes zu verstehen. Wichtig ist, die erlebte Verletzung ernst zu nehmen und dem Kind zu vermitteln, dass seine Gefühle verstanden werden.

Hintergründe des Verhaltens erkunden: Versuchen Sie herauszufinden, was dem aggressiven Verhalten vorausgegangen ist. Fragen Sie das Kind: „Was ist passiert? Was hat dich so wütend gemacht?“

Ruhe bewahren: Reagieren Sie selbst nicht mit Wut oder Aggression. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, die Situation zu deeskalieren.

Alternativen zum Ausdruck von Aggression aufzeigen: Helfen Sie dem Kind, alternative Wege zu finden, um mit seinen Emotionen umzugehen. Sprechen Sie mit ihm darüber, wie es seine Wut und seinen Ärger anders ausdrücken kann, zum Beispiel durch Sport, kreative Aktivitäten oder durch verbale Kommunikation.

Problemlösungsstrategien entwickeln: Arbeiten Sie gemeinsam mit dem Kind an Strategien, um Konflikte konstruktiv zu lösen.

Konsequente Begleitung: Kinder mit ADHS brauchen klare Regeln und Strukturen, aber auch liebevolle und geduldige Begleitung.

Positive Verstärkung: Loben und belohnen Sie das Kind, wenn es gelingt, seine Impulse zu kontrollieren und mit seinen Emotionen angemessen umzugehen.

Zusammenfassend: Aggressives Verhalten bei Kindern mit ADHS ist oft ein Hilfeschrei, der Ausdruck einer erlebten Verletzung. Bestrafung ist in diesen Situationen kontraproduktiv und kann die Problematik sogar verstärken. Verständnis, Empathie und die Entwicklung konstruktiver Strategien sind der Schlüssel zu einem besseren Umgang mit aggressivem Verhalten.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf