Empathie vs. Selbstfürsorge: Ein Plädoyer für die Balance

Die Kernaussage des Vortrags von Dr. med. Ursula Davatz zum Thema Empathie vs. Selbstfürsorge lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zwischen der Empathie für andere und der Fürsorge für sich selbst zu finden.

Menschen sind soziale Wesen und auf Beziehungen angewiesen. Empathie ermöglicht es uns, die Bedürfnisse und Gefühle anderer zu verstehen und darauf einzugehen. Allerdings besteht die Gefahr, dass man sich im Bemühen, es allen recht zu machen, selbst vergisst und die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Dies kann, besonders bei Frauen, zu Überanpassung, Depression und Krankheit führen.

Daher ist es wichtig, sich selbst zu kennen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihnen Raum zu geben. Selbstfürsorge ist in diesem Kontext kein Egoismus, sondern eine notwendige Voraussetzung dafür, dass man langfristig für sich selbst und andere sorgen kann.

Dr. Davatz verwendet den Vergleich der Sauerstoffmaske im Flugzeug: Im Notfall muss man zuerst die eigene Maske aufsetzen, bevor man dem Kind helfen kann. Genauso wichtig ist es im Alltag, zuerst auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, um dann in der Lage zu sein, für andere da zu sein.

Gerade für Menschen mit ADHS ist diese Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge besonders wichtig. Sie neigen oft dazu, sich anzupassen und die Erwartungen anderer zu erfüllen, auch wenn dies ihren eigenen Bedürfnissen widerspricht.

Der erste Schritt zur Selbstfürsorge ist die Akzeptanz der eigenen ADHS-Eigenschaften. Anstatt gegen die eigenen „Uneigenschaften“ anzukämpfen, sollte man sie als Teil der eigenen Persönlichkeit annehmen und lernen, mit ihnen umzugehen.

Die Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge ist ein dynamisches Gleichgewicht, das immer wieder neu justiert werden muss. Mal steht die Anpassung im Vordergrund, mal die Selbstverwirklichung. Wichtig ist, dass man sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst ist und immer wieder reflektiert, wo man steht und was man braucht.

Zusammenfassend plädiert Dr. Davatz für ein achtsames und bewusstes Leben, in dem sowohl die Bedürfnisse anderer als auch die eigenen Bedürfnisse ihren Platz haben. Nur so kann man ein erfülltes und authentisches Leben führen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

https://ganglion.ch/pdf/selbsterz.m4a.pdf

Selbstfürsorge und Empathie: Ein Balanceakt für Menschen mit ADHS

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die enge Verbindung und den potenziellen Konflikt zwischen Selbstfürsorge und Empathie, insbesondere bei Menschen mit ADHS.

Empathie als Stärke und Herausforderung:

  • Menschen mit ADHS zeichnen sich häufig durch eine ausgeprägte Empathie aus. Sie spüren die Emotionen und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen sehr intensiv und reagieren stark darauf.
  • Diese hohe Sensibilität ist eine wertvolle Eigenschaft, birgt aber auch die Gefahr, dass ADHSler ihre eigene Bedürfnisse vernachlässigen, während sie sich für andere aufopfern.
  • Dr. Davatz beschreibt, wie ADHSler aufgrund ihrer Empathie dazu neigen, sich übermässig in ihr Umfeld zu investieren. Sie setzen sich für soziale Belange ein, kämpfen gegen Ungerechtigkeiten und versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden.

Die Folgen mangelnder Selbstfürsorge:

  • Die ständige Fokussierung auf das Aussen und die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse kann zu einem emotionalen Ungleichgewicht führen.
  • ADHSler laufen Gefahr, sich selbst auszubeuten, ihre Ressourcen zu erschöpfen und in einen Zustand von Burnout oder Depression zu geraten.
  • Dr. Davatz verwendet die Metapher des Sauerstoffs im Flugzeug: Um anderen helfen zu können, müssen wir zuerst sicherstellen, dass wir selbst genügend Sauerstoff, also Energie und Ressourcen, haben.

Selbstfürsorge als Notwendigkeit:

  • Um der Gefahr des Ausbrennens entgegenzuwirken, ist Selbstfürsorge für Menschen mit ADHS unerlässlich.
  • Selbstfürsorge bedeutet, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu respektieren und ihnen Raum zu geben.
  • Es geht darum, bewusst Zeit für sich selbst einzuplanen, Dinge zu tun, die Freude bereiten und Energie spenden, und klare Grenzen zu setzen.

Den Balanceakt meistern:

  • Die Herausforderung besteht darin, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Empathie und Selbstfürsorge zu finden.
  • Dr. Davatz betont, dass Empathie nicht unterdrückt werden sollte, sondern dass es darum geht, bewusst mit der eigenen Empathie umzugehen.
  • Statt sich in jeder Situation emotional zu involvieren, können ADHSler lernen, zwei Schritte zurückzutreten und die Situation aus einer neutraleren Perspektive zu betrachten.
  • Dieses bewusste Distanzieren ermöglicht es, die eigenen Grenzen zu wahren und sich vor emotionaler Überforderung zu schützen.

Der Weg zur Balance:

  • Selbstkenntnis: Der erste Schritt zur Balance besteht darin, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennenzulernen.
  • Achtsamkeit: Achtsamkeitsübungen können helfen, die eigenen Emotionen und Bedürfnisse besser wahrzunehmen und bewusster mit ihnen umzugehen.
  • Kommunikation: Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse klar und deutlich zu kommunizieren und auch „Nein“ zu sagen, wenn es notwendig ist.
  • Unterstützung: Der Austausch mit anderen Menschen mit ADHS, sei es in Selbsthilfegruppen oder mit vertrauten Personen, kann wertvolle Unterstützung auf dem Weg zur Balance bieten.

Zusammenfassend:

Selbstfürsorge und Empathie sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Für Menschen mit ADHS ist es wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen zu finden. Indem sie lernen, ihre Empathie bewusst einzusetzen und gleichzeitig auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, können sie ein erfülltes Leben führen, ohne sich selbst zu vernachlässigen.

https://ganglion.ch/pdf/Depression%20ist%20der%20Anfang%20zur%20Selbstfindung.m4a.pdf