Forschungsansätze zur Verbesserung der psychiatrischen Behandlung

Dr.med. Ursula Davatz verfolgt konkrete Forschungsansätze, die darauf abzielen, die psychiatrische Behandlung zu verbessern, indem sie sich von dem vorherrschenden medizinischen Modell entfernt und die Erkenntnisse der Soziobiologie und der Systemischen Therapie integriert.

1. Integration soziobiologischer Erkenntnisse:

Davatz plädiert dafür, die psychiatrische Forschung stärker an die Soziobiologie anzubinden. Sie ist der Ansicht, dass die Beobachtung von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum uns helfen kann, menschliches Verhalten objektiver zu betrachten und von kulturellen Vorurteilen zu abstrahieren. Die Erkenntnisse der Soziobiologie, die sich auf die Beobachtung von Tieren stützt, können wertvolle Einsichten in die biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens liefern und so zu einem besseren Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen.

2. Systematische Erfassung von sozialen Daten:

Davatz fordert eine sorgfältige Erfassung von sozialen Daten, die die Interaktion des Individuums mit seinem sozialen Umfeld detailliert festhalten. Sie ist der Meinung, dass das soziale Umfeld einen entscheidenden Einfluss auf die psychische Gesundheit hat und die Entstehung von psychischen Erkrankungen begünstigen oder verhindern kann. Die systematische Erfassung dieser Daten soll dazu beitragen, die Krankheitsgenese besser zu verstehen und effizientere therapeutische Interventionen abzuleiten.

3. Fokus auf die Interaktion mit dem sozialen Umfeld:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass therapeutische Interventionen immer auf der zwischenmenschlichen Ebene stattfinden und nur in der Beziehung Veränderungen möglich sind. Sie sieht den Menschen als soziales Wesen, dessen Verhalten und psychische Gesundheit massgeblich von seinen Beziehungen zu anderen Menschen geprägt wird. Daher sollten therapeutische Ansätze nicht nur auf das Individuum, sondern auf das gesamte soziale Umfeld des Patienten fokussieren.

4. ADHS-Forschung und Datenbank:

Ein konkretes Beispiel für Dr.med. Ursula Davatz‘ Forschungsansatz ist ihr Vorhaben, eine Datenbank für ADHS-Betroffene zu erstellen. Anhand von Fragebögen, die an die Betroffenen selbst und ihre Eltern geschickt werden sollen, will sie Daten über Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf die Ausprägung von ADHS sammeln und analysieren. Ziel ist es herauszufinden, welche Erziehungsstile für Kinder mit ADHS förderlich und welche eher schädlich sind. Dieses Projekt verdeutlicht Davatz‘ Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren und die Bedeutung des sozialen Umfelds für die psychische Gesundheit.

5. Systemische Therapie:

Davatz sieht die Systemische Therapie als einen vielversprechenden Ansatz, der den sozialen Kontext des Patienten berücksichtigt. Diese Therapieform betrachtet den Patienten als Teil eines Systems, beispielsweise seiner Familie oder seines sozialen Umfelds, und versucht, Veränderungen im gesamten System zu bewirken. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Bekämpfung von Symptomen, sondern auf der Stärkung der Ressourcen und der Verbesserung der Interaktionen innerhalb des Systems.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Davatz‘ Forschungsansätze darauf abzielen, die psychiatrische Behandlung zu verbessern, indem sie die biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren des menschlichen Verhaltens in ihrer Gesamtheit berücksichtigt. Sie plädiert für eine stärkere Integration der Soziobiologie in die Psychiatrie und betont die Bedeutung des sozialen Umfelds für die Entstehung und Behandlung psychischer Erkrankungen.

https://ganglion.ch/pdf/6_Regierungsraete.pdf

ADHS-Therapie: Ein vielschichtiger Ansatz

Die Quellen, insbesondere das Interview mit Dr.med. Ursula Davatz, bieten einen umfassenden Einblick in die Therapie von ADHS. Es wird deutlich, dass ein erfolgreicher Therapieansatz verschiedene Aspekte berücksichtigen muss, um den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden.

1. Medikamentöse Therapie:

  • Amphetamine: Die gängigste medikamentöse Behandlung von ADHS erfolgt mit Amphetaminen wie Ritalin oder Medikinet.
    • Diese Medikamente wirken stimulierend auf das zentrale Nervensystem und verbessern die Fokussierung und Konzentration.
    • Dr. Davatz vergleicht die Wirkung von Ritalin mit Scheuklappen bei Pferden: Die breite Aufmerksamkeit wird eingeengt, um eine bessere Konzentration auf die gewünschte Aufgabe zu ermöglichen.
    • Nebenwirkungen: Amphetamine können die Persönlichkeit verändern, die Kreativität einschränken und die emotionale Wahrnehmung beeinflussen.
    • Entscheidungsfreiheit der Kinder: Dr. Davatz betont, dass Kinder in die Entscheidung über die Einnahme von Medikamenten einbezogen werden sollten. Sie sollten die Möglichkeit haben, die Medikamente auszuprobieren und selbst zu entscheiden, ob sie die positiven Effekte den möglichen Nebenwirkungen vorziehen.

2. Nicht-medikamentöse Therapie:

  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab, ungewünschte Verhaltensweisen zu verändern und neue, hilfreiche Strategien zu erlernen.
    • Im Fokus stehen dabei beispielsweise die Verbesserung der Impulskontrolle, der Konzentration und der Selbstorganisation.
  • Psychotherapie: Die Psychotherapie kann helfen, die emotionalen und sozialen Folgen von ADHS zu bewältigen.
    • Sie bietet einen geschützten Raum, um über die eigenen Erfahrungen zu sprechen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  • Familientherapie: Die Familientherapie bezieht das gesamte Familiensystem in die Therapie ein.
    • Ziel ist es, die Kommunikation und den Umgang miteinander zu verbessern und so ein unterstützendes Umfeld für den Betroffenen zu schaffen.

3. Alternative Therapieansätze:

  • Neurofeedback: Beim Neurofeedback werden Hirnströme gemessen und dem Patienten rückgemeldet.
    • Durch diese Rückmeldung lernt der Patient, seine Hirnströme zu beeinflussen und so die Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern.
    • Dr.med. Ursula Davatz hat mit dieser Methode unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Bei manchen Patienten war sie hilfreich, bei anderen führte sie zu einer Zunahme der Nervosität.
  • Hobbys: Hobbys, die dem Kind Freude bereiten, können helfen, die Konzentration und Fokussierung zu trainieren und positive Erfahrungen zu sammeln.
  • Klare Strukturen und Rituale: Ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Hausaufgaben und Freizeit bietet Orientierung und Sicherheit.

4. Die Rolle des Umfelds:

Dr. Davatz betont stets die Wichtigkeit eines verständnisvollen und unterstützenden Umfelds für Menschen mit ADHS.

Eltern:

  • sollten ihre Kinder in die Therapie einbeziehen und gemeinsam Lösungen für Probleme erarbeiten.
  • sollten ihre Kinder nicht für ihre ADHS-bedingten Schwierigkeiten beschämen, sondern ihre Stärken und Fähigkeiten anerkennen.
  • sollten ihren Kindern klare Strukturen und Rituale bieten, aber gleichzeitig auch Raum für Flexibilität lassen.

Lehrpersonen:

  • sollten sich über ADHS informieren und die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler berücksichtigen.
  • sollten abwechslungsreiche und interaktive Lehrmethoden einsetzen, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu halten.
  • sollten eine positive Lernatmosphäre schaffen, in der Fehler als Lernchance gesehen werden.

Arbeitgeber:

  • sollten sich ebenfalls mit ADHS auseinandersetzen und ihren Mitarbeitern mit ADHS die notwendige Unterstützung bieten.
  • können beispielsweise flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit zum Homeoffice anbieten, um den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden.

Fazit:

Die Therapie von ADHS ist ein komplexer Prozess, der ein individuell abgestimmtes Vorgehen erfordert. Es gibt keine Patentlösung, sondern es müssen verschiedene Therapieansätze miteinander kombiniert werden, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Dabei ist die aktive Einbeziehung des Betroffenen und seines Umfelds von entscheidender Bedeutung.

https://ganglion.ch/pdf/fachhochschule_ost.pdf