Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS

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Dr.med. Ursula Davatz

13.3.2025
Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS
Audio

[00:00:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen zu dem heutigen Abend.

[00:00:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde 20 Minuten Vortrag halten und dann gibt es eine Fragestellung.

[00:00:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin der Überzeugung, dass wenn man Fragen stellen darf und so interagiert, lernt
man eigentlich mehr, als wenn ich einfach einen Magistralvortrag halte.

[00:00:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, als erstes, und das ist für die Eltern und das gilt auch für die Lehrer.

[00:00:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist es sehr schwierig, Jugendliche zu erziehen.

[00:00:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine grosse Herausforderung.

[00:00:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Achtung für die Lehrer und auch für die Eltern.

[00:00:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher schwieriger als früher.

[00:00:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie haben eine riesige Konkurrenz von den elektronischen Medien und von der ganzen
Unterhaltungsindustrie.

[00:00:50.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich irgendwie mit denen Konkurrenzieren respektive interessanter
gestalten, als was da Büchsenmässig vorfabriziert, verbreitet wird.

[00:01:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeit von den Kindern – man sagt, die Aufmerksamkeit geht eher ein
bisschen zurück.

[00:01:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind nur noch auf kurze Aufmerksamkeit ausgerichtet und ein bisschen
längere Aufmerksamkeit braucht schon ein bisschen mehr Interaktion und immer wieder
Akzent, den man setzen muss.

[00:01:23.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen kann man heutzutage vom Internet abholen.

[00:01:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann irgendeine Frage stellen, schauen und dann kommt eine Antwort.

[00:01:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch wieder, man kann das nicht genau kontrollieren, ob das alles richtig ist,
aber es ist sehr viel Wissen auf dem Internet vorhanden und in dem Sinn wurde das
Wissen demokratisiert.

[00:01:47.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wusste der Lehrer, der Pfarrer und der Arzt im Dorf alles.

[00:01:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren die Leitfiguren.

[00:01:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommen die alle übers Internet rein.

[00:02:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man nicht vom Internet holen kann, das ist die Persönlichkeitsentwicklung.

[00:02:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist es enorm wichtig und am wichtigsten, dass sowohl die Schule als auch
die Eltern helfen dem speziellen Individuum, ihr Kind, ihr Schüler, die eigene
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit kann kaputt gemacht werden durch all das Konservendenken,
Konservenbilder, Konserveninformation.

[00:02:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte ihnen eigentlich heute Abend Mut machen, ihren Kindern zu helfen, ihre
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft nicht über gehorsam.

[00:02:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das nicht mehr so.

[00:02:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über intrinsische Motivation.

[00:02:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind neugierig ist, wenn man die Neugier des Kindes wecken kann, dann
lernt es auch gerne.

[00:02:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Mensch, dem Kind, dem Jugendlichen ist eine natürliche, eingeborene Neugier
gegeben.

[00:03:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch will lernen.

[00:03:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein lernfreudiges Wesen.

[00:03:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Interesse am Lernen kann auch kaputt gemacht werden, wenn man ständig
korrigiert wird.

[00:03:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Schulbesuch meiner ältesten Tochter hat ein Junge eine Frage gestellt.

[00:03:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson hat geantwortet: das passt jetzt nicht zu dem Thema, vielleicht später.

[00:03:38.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neugier des Kindes wurde abgeklemmt.

[00:03:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir die Neugier beim Kind beibehalten können.

[00:03:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind von Natur aus neugierig.

[00:03:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum ADHS/ADS.

[00:03:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:04:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile in ADHS und ADS auf.

[00:04:10.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater und Ärzte beurteilen immer nach der Störung.

[00:04:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich benenne das um und sage: die ADHS/ADS-Kinder haben eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:04:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind neugierig.

[00:04:30.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie interessiert alles.

[00:04:32.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer nicht genügend interessant ist oder der Stoff sie nicht genügend
interessiert, oder sie denken, ich kenne das schon, ich habe es schon auf dem Internet
angeschaut, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:04:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht die Aufmerksamkeit zum Fenster raus, sie geht zum Nachbar, sie schaut
irgendwelche Details an.

[00:04:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne lassen sich ADHS/ADS Kinder leicht ablenken.

[00:04:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur eine Störung in Bezug auf den Unterricht. Es ist nicht eine Störung
allgemein.

[00:05:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Hundehalter sind oder schon Hunde gesehen haben, wenn die in den Raum
reinkommen, dann schmecken die alles ab, schauen was da alles ist.

[00:05:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann wissen sie, was ihr Territorium ist, dann kann sich der Hund hinlegen.

[00:05:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sogenannte Aufmerksamkeitsstörung ist aus meiner Sicht eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:05:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben sie auch zusammen mit dieser breiten Aufmerksamkeit eine schnelle
Auffassungsgabe.

[00:05:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht oft einher mit Intelligenz.

[00:05:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine schnelle Auffassungsgabe haben, dann wird es ihnen schnell langweilig.

[00:05:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hatte ein intelligentes, mathematisch begabtes Kind in Basel. Der hat schon von
Selbstmord gesprochen, weil es ihm in der Schule zu langweilig war.

[00:05:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde zu sehr in ein Käfig gesperrt und hat das fast nicht mehr ausgehalten.

[00:05:59.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter musste ich sagen: geben sie dem Kind mehr Nahrung. Das hat sie in der
Ferien gemacht. Dann ging es dem Kind gut.

[00:05:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es auch dem Lehrer gesagt. Der Lehrer antwortete: das könne er nicht oder nur
bis zu einem gewissen Grad.

[00:06:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht unbedingt, dass man in die Begabtenförderung gehen muss.

[00:06:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auch vom normalen Klassenlehrer gemacht werden.

[00:06:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:06:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS-Kinder muss man herausfinden, sind sie unterfordert, weil es ihnen
schnell langweilig wird?

[00:06:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas können, haben sie das Gefühl: ich weiss jetzt das, ich muss nicht mehr
zuhören.

[00:06:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder weil sie überfordert werden.

[00:06:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was oft mit ADHS/ADS einhergeht ist eine Lernstörung in einem Gebiet.

[00:06:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von der Legasthenie, heute spricht man von der Lese- und
Rechtschreibestörung (LRS).

[00:06:56.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Dyskalkulie, das ist ein Problem in der Mathematik.

[00:07:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben beides: Dyskalkulie und Legasthenie.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr speziell begabt in einem dieser Gebiete.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können im Sportlichen sehr begabt sein.

[00:07:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort können sie ihre Emotionen und ihre Aktivität gut ausleben.

[00:07:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das nicht können und immer still sitzen müssen, dann verzappeln sie fast und
halten das gar nicht aus.

[00:07:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Lehrpersonen welche damit umgehen können sagen: jetzt rennst Du dreimal um das
Schulhaus und dann kommst Du wieder. Dann geht es.

[00:07:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Kinder nach dem Turnunterricht wieder in die Stunde gehen, dann ist
ihre Aufmerksamkeit besser. Dann machen sie besser mit und machen auch bessere
Noten.

[00:07:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aktivität ist hilfreich.

[00:07:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn muss der Lehrer oder die Lehrperson oder die Eltern immer ein bisschen
der Neugier voraus sein, denn sonst müssen sie das Kind immer bremsen und das ist
nicht gut.

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finden sie auch in meinen 13 Thesen.

[00:08:16.736] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nie Nein sagen.

[00:08:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer sagen wie man es möchte.

[00:08:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man Nein sagt, ist man in Konkurrenz.

[00:08:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben den grossen Drang: Ich habe jetzt etwas im Kopf. Sie sind dickköpfig.

[00:08:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie dann bremst, dann läuft gar nichts mehr.

[00:08:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen voraus sein und sehen, was könnte jetzt kommen und dann
muss man sie auf das hin führen.

[00:08:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Nein sagen, sondern sagen, was man will.

[00:08:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto Struktur ist es auch wichtig, dass man am Anfang sagt, wie man es gerne will.

[00:08:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viele Regeln, eher wenig Regeln, aber diese klar und konsequent.

[00:08:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst aber nicht, wenn das Kind die Regeln nicht einhält, dass man das Kind
bestrafen soll.

[00:09:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafe funktioniert nicht gut beim ADHS/ADS Kind. Im Gegenteil, dann muss das Kind
nur aufmüpfig werden.

[00:09:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein. Sie haben einen Dickkopf.
Wenn sie etwas im Kopf haben, gehen sie mit dem Kopf durch die Wand.

[00:09:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss früh genug in den Prozess reinkommen, damit man sie leiten kann.

[00:09:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie eher führen und nicht zum Gehorsam bringen.

[00:09:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer noch, wie in der Schule, im Schulsystem mit Bestrafung gearbeitet
wird. Es muss Konsequenzen geben.

[00:09:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss das Kind führen.

[00:09:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Regeln, die man hat, immer wieder anmahnen.

[00:09:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, das ist die Hyperkinese.

[00:10:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H ist die Hyperkinese.

[00:10:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, der Zappelphilipp, welcher schon Dr. Hoffmann beobachtet
hat, ohne dass er von ADHS/ADS geredet hat.

[00:10:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, die bringt mit sich, dass sie ihr Hirn aktivieren können.

[00:10:18.900] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Sinn wird heute bei der Lernmethode auch gesagt, man lernt besser, wenn man
noch irgendeine Bewegung machen kann, ein Sprüchlein sagen kann, irgendeine
Zeichensprache.

[00:10:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Sinne beansprucht werden um etwas zu Lernen, umso besser wird das im Hirn
integriert.

[00:10:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen oft noch zusätzliche Bewegung, um sich zu aktivieren.

[00:10:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse zeichnen, andere grübeln an etwas herum.

[00:10:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen das um sich zu aktivieren.

[00:10:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz unterschiedlich.

[00:10:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder lernen gern im grössten Lärm, andere müssen in ihrem Zimmer sein
und es muss ruhig sein.

[00:11:06.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft wird oft übergangen.

[00:11:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe, sensible Wahrnehmung.

[00:11:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich eine Mutter frage: welches von ihren Kindern merkt zuerst wenn es ihnen
nicht gut geht, dann sagt sie immer: das ADHS/ADS-Kind.

[00:11:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern nehmen Stimmungen wahr, sie nehmen kleine Veränderungen
wahr.

[00:11:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine sehr sensible Wahrnehmung.

[00:11:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sensible Wahrnehmung, die kann natürlich mit sich bringen, dass sie schnell
verletzt werden.

[00:11:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder und speziell Buben, wenn die dann verletzt werden, dann reagieren
sie aggressiv darauf.

[00:11:47.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es einen riesigen Streit, dann wird gestritten miteinander, dreingeschlagen
etc.

[00:11:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann immer nur den der dreinschlägt.

[00:11:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung vorne dran, die sieht man nicht und die wird oft auch nicht angeschaut.

[00:12:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in Gefängnissen gearbeitet, ich bin in der Strafvollzugskommission gewesen.

[00:12:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war letzte Woche an einer Tagung über Kriminologie.

[00:12:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Menschen.

[00:12:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wollen wir dann immer oben herunterholen mit Bestrafung.

[00:12:20.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau das funktioniert nicht.

[00:12:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in der Pause Streit gibt oder unter den Geschwistern Streit gibt, geht es
darum, dass man nie den Täter und das Opfer darstellt, sondern dass man immer auf
den Prozess eingeht: Was ist das Problem?

[00:12:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dein Problem, was ist sein Problem? Was finden wir für eine Lösung?

[00:12:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern mit dem Kind zu mir kommen, wird das Problem geschildert und ich
frage immer auch das Kind: was siehst du als Lösung?

[00:12:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage nicht die Mutter oder den Vater: was ist die Lösung? Ich frage das Kind.

[00:13:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich will das Kind beteiligen am Prozess und an der Lösungsfindung.

[00:13:14.050] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich denke, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.

[00:13:16.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft, das steht aber nicht in der ADHS/ADS-Nomenklatur.

[00:13:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr empathisch und sie wollen gerne mitarbeiten.

[00:13:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen und die ADHSler sind sehr soziale Wesen.

[00:13:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie verletzt, dann werden sie bösartig, verrückt, aggressiv und sind zu
einigen Sachen fähig.

[00:13:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir natürlich nicht.

[00:13:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie weiter noch haben, ist ein sehr hoher Gerechtigkeitssinn.

[00:13:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen auch alle.

[00:13:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ertragen es überhaupt nicht, wenn irgendwo Ungerechtigkeit abläuft.

[00:13:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern auch in Bezug auf ihre
Klassenkameraden.

[00:14:02.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind im Aargau, ein Mädchen, und die hat gefunden, die Lehrerin macht
das nicht gut mit den Schülern und sie tut immer jemandem bevorzugen.

[00:14:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lässt immer einen Jungen zu, dass der die ganze Klasse beherrscht.

[00:14:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat wirklich die Schule verweigert und für immer.

[00:14:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich mussten wir Homeschooling machen.

[00:14:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wegen ihr gewesen, dass sie nicht zuschauen konnte. Es war wegen der
gesamten Atmosphäre in der Klasse.

[00:14:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gerechtigkeitssinn ist etwas ganz, ganz Wichtiges auch bei den ADHS/ADS
Kindern.

[00:14:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich nicht gesagt habe, die mangelnde Impulskontrolle, das ist wieder negativ.

[00:14:51.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verletzt werden, dann reagieren sie schnell aggressiv.

[00:14:56.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aggressive, sie sind nicht von sich aus böse, überhaupt nicht.

[00:15:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Aggressivität ist immer eine Selbstverteidigung.

[00:15:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man wissen.

[00:15:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man immer einmal zurückgehen und fragen: was hat dich verletzt, dass du so
ausgerastet bist?

[00:15:15.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen wir zum ADS.

[00:15:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ist keine Krankheit, sondern es ist ein Genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind vererbte Eigenschaften.

[00:15:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es statistisch anschaut: 80 bis 85% ist alles vererbt und darum kann man
das nicht einfach umerziehen oder weg behandeln.

[00:15:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS geht die Aggressivität, die Hyperaktivität nach aussen.

[00:15:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS geht es nach innen.

[00:16:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADS, die sind nach aussen vielleicht ganz ruhig, aber sie beginnen zu hirnen.

[00:16:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen viele Gedankengänge durch und haben dann Mühe mit Entscheidungen.

[00:16:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken alles Mögliche durch, was alles passieren könnte, was sie tun könnten. Sie
gehen X Lösungsvorschläge durch.

[00:16:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule werden sie Träumer genannt. Sie haben einen Anhaltspunkt und dann
wird darüber nachstudiert.

[00:16:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist eine gedankliche Hyperaktivität.

[00:16:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht interessant ist, schweifen ADSler ab, beginnen zu träumen.

[00:16:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler stört eher.

[00:17:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADSler, welche riesige Geschichten erfinden. Sie unterhalten sich mit
Geschichten erfinden.

[00:17:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablenkbarkeit ist auch gross, wenn wieder das Thema nicht interessant genug ist.

[00:17:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei emotionalen Verletzungen, wenn man sie kränkt, ziehen sie sich eher zurück.

[00:17:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz extrem wird, kommt es zur Kommunikationsverweigerung.

[00:17:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von Autismus.

[00:17:40.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie werden immer wieder neue Kategorien daraus gemacht.

[00:17:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden nicht so leicht aggressiv.

[00:17:43.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu stark verletzt oder in die Enge treibt, dann können sie je nachdem
auch aggressiv werden.

[00:17:54.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADS-Menschen sich wohlfühlen in der Umgebung, in ihrem Umfeld, dann können
sie auch reden ohne Punkt und ohne Koma.

[00:18:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft die gedankliche Aktivität über die Kommunikation nach aussen.

[00:18:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für mich ganz, ganz wichtig ist und das wäre für die Lehrer wichtig und das ist auch
für die Eltern wichtig. ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein.

[00:18:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihre Neugier packen können.

[00:18:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht über Gehorsam motivieren, man muss sie fordern können.

[00:18:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ihre Interessen wecken können.

[00:18:38.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat die Psychiatrie gesagt, das gibt es gar nicht, ADHS/ADS.

[00:18:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Kinderärzte haben gesagt, das gibt es nicht.

[00:18:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte waren die Ersten, die angefangen haben es anzuschauen.

[00:18:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist es in aller Munde.

[00:18:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nach wie vor als Krankheit angeschaut.

[00:19:00.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Krankheit hat, dann nimmt man Medikamente.

[00:19:07.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente sind alles Stimulanzien. Das sind alles Medikamente, die das Gehirn
stressen.

[00:19:14.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Über motorische Aktivität, über Turnen, über sich bewegen, macht der Mensch das
selber. Mit Sport wird selber Adrenalin und Dopamin gefördert.

[00:19:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit künstlich zugeführten Medikamenten, da wird es dann von aussen her gefördert.

[00:19:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente helfen nur um sich fokussieren zu können auf das, was die Schule einem
bietet oder vielleicht die Lehrer, das Schulmaterial.

[00:19:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin hilft überhaupt nicht, die Persönlichkeit zu fördern.

[00:19:54.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass in einer individualisierten Gesellschaft die verschiedenen
Persönlichkeiten gefördert werden und dass die ihre Talente ausleben können.

[00:20:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Wenn man sie nur an die Ärzte ab delegiert, wird an
erster Stelle nur mit Medikamenten gearbeitet.

[00:20:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur mit Medikamenten arbeitet, wird der emotionale Hirnteil nicht gefördert,
der wird eher ausgeblendet.

[00:20:12.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist dazu da, zum sozialen Lernen.

[00:20:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir werden emotional unzufrieden oder glücklich. Unser emotionales Gehirn reagiert
auf alle Inputs, die von aussen kommen als erstes.

[00:20:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das prozessiert alles.

[00:20:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man Medikamente nimmt, wird das emotionale Hirn eher unterdrückt.

[00:20:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schade. Da fällt etwas weg. Es fällt eine gewisse Menschlichkeit weg.

[00:20:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse ADHS/ADSler sagen das auch.

[00:21:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Medikamente nicht gerne. Dann spüre ich mich nicht mehr so gut, ich
spüre die anderen nicht mehr so gut.

[00:21:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Wissenschaft rutscht immer mehr in Richtung kognitiv. Ich sehe, wie
das emotionale Gehirn vernachlässigt wird.

[00:21:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe wie Ärzte die Patienten behandeln. Ich höre viele Patienten, die klagen: der
Arzt schaut mich gar nicht mehr an, er schreibt nur noch am Computer. Es sind nur
noch Tests.

[00:21:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr dafür, dass man die Menschlichkeit fördert und dass wir in unseren
Kindern auch die Menschlichkeit und das emotionale Hirn, die Sozialkompetenz, die
Social Skills, dass das mehr gefördert wird, dass man auf das achtet.

[00:22:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wo sind ihre grössten Stolpersteine? Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren
neurodivergenten Kindern?

[00:22:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren eigenen Kindern oder die Freunde ihrer
Kinder, welche dann ihre Kinder stören?

[00:22:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von den Problemen, können wir immer gucken, wie können wir besser lernen
damit umzugehen.

[00:22:37.300] – Bemerkung 1
Ich befasse mich 10 Jahre weniger lang mit ADHS/ADS als sie, also erst 30 Jahre aber
intensiv, zum Teil auch wissenschaftlich. Ich habe Symposien besucht zu diesem
Thema, Literatur gelesen zu diesem Thema.

[00:22:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sie auch als Quelle verwenden.

[00:22:54.230] – Bemerkung 1
Ihre Ausführungen haben vieles in mir vibrieren lassen.

[00:23:00.000] – Bemerkung 1
Ich bin doppelt betroffen. Ich habe einen 37-jährigen Sohn, der an ADHS/ADS gelitten
hat, der heute noch leidet unter den Folgen.

[00:23:13.790] – Bemerkung 1
Vor allem unter den Erfolgen von dem, was er erlebt hat an Schulen und Institutionen
und mit Beratungspersonen und Sozialdienst und schulpsychologischer Dienst und,
und, und.

[00:23:24.990] – Bemerkung 1

Mein Sohn wurde kaputt therapiert.

[00:23:25.200] – Bemerkung 1
Zur Zeit habe ich einen 13-jährigen Sohn, der an der Schule ist. Beim Eintritt hat er
auch Probleme verursacht.

[00:23:33.790] – Bemerkung 1
Er hatte heftige Reaktionen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Dann ist er
angeeckt.

[00:23:41.500] – Bemerkung 1
Er fühlt sich zum ersten Mal seit dem Kindergarten an der Schule zu Hause.

[00:23:58.900] – Bemerkung 1
Das ist vielen Massnahmen zu verdanken, nicht zuletzt der Schule selber.

[00:24:09.040] – Bemerkung 1
Die Schule hat versucht Möglichkeiten zu schaffen, dass er mit seinen speziellen
Bedürfnissen irgendwie in die Gänge kommt.

[00:24:18.180] – Bemerkung 1
Das hat eine deutliche Besserung gebracht.

[00:24:40.000] – Bemerkung 1
Ich bin Naturwissenschaftler von der Ausbildung her. Ich habe 32 Jahre mit einer
Psychotherapeutin zusammen gelebt. Ich kenne auch diese Seite vom Leben.

[00:24:48.020] – Bemerkung 1
In der zweiten Klasse hat es geheissen: wir sind nun am Ende von unserem Latein. Das
geht einfach nicht. Wann nimmt das Kind endlich Ritalin?

[00:24:48.180] – Bemerkung 1
Das war an einem Elterngespräch, 10 Tage vor den Sommerferien. Meine Frau war im
Ausland. Mir gegenüber sind sechs Personen gesessen. Das war ein bisschen viel.

[00:24:58.260] – Bemerkung 1
Wann schmeissen sie endlich Ritalin rein?

[00:25:21.220] – Bemerkung 1
Der Lehrerin habe ich gesagt, dass sie eine Grenze überschritten hat. Es steht ihr nicht
zu irgendwelche medizinischen Diagnosen zu stellen oder irgendwelche Therapien zu
empfehlen.

[00:25:37.920] – Bemerkung 1
Als empathischer Mensch sehe ich auch die Situation der Lehrerinnen und Lehrer. Die
müssen Ordnung in der Klasse haben mit 24 Schülern.

[00:25:42.880] – Bemerkung 1
Es muss ein geordneter Unterricht möglich sein und man möchte jedem Kind entgegen
kommen. Kein Kind kann den ADHS/ADSler beanspruchen die ganze Zeit.

[00:26:01.720] – Bemerkung 1
Das geht auch nicht.

[00:26:24.140] – Bemerkung 1
Die Schlüsselfrage für mich ist: wie erreicht man es, dass man auf diese besonderen
Bedürfnisse von den Kindern eingeht, das Verstehen von diesen besonderen
Bedürfnissen möglich ist und andererseits doch eben der sozial nötige geordnete
Klassenbetrieb möglich ist?

[00:26:54.310] – Bemerkung 1
Das finde ich schwer lösbar.

[00:26:54.400] – Bemerkung 1
Dort verstehe ich, wenn die Lehrerinnen und Lehrer sagen: ich bin am Ende von
meinem Latein. Ich weiss nicht, was ich noch machen kann.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Überforderung ist nie gut, für keinen Menschen gut und angenehm.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Ich habe jetzt zwei Mal erlebt, dass über lange, lange Strecken sehr viel Unverständnis
kommt, eigentlich auf den Punkt gebracht heisst es immer: das geht nicht, das müssen
sie abschaffen.

[00:27:28.480] – Bemerkung 1
Ich bin es müde geworden, das zu hören.

[00:27:43.760] – Bemerkung 1
Um das zu demonstrieren habe ich meinen Sohn knapp an der Schmerzgrenze an den
Haaren gezogen.

[00:27:52.810] – Bemerkung 1
Er hat mir eines in die Fresse gehauen, mein Brille demoliert und gesagt: du
verdammtes Hurenarschloch.

[00:27:52.940] – Bemerkung 1
Das war eine bewusste übergriffige Provokation meinerseits. Ich wollte der Lehrerin
zeigen, wie es ausarten kann.

[00:28:33.640] – Bemerkung 1
Das Dilemma ist für die Lehrkräfte eine Schlüsselfrage. Ich vermisse über die dreissig
Jahre einen Fortschritt. Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule und
Gymnasium.

[00:28:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin mit Ihnen einverstanden. Es ist eine schwierige Sache, darum habe ich am
Anfang auch gesagt: es gibt verschiedene Möglichkeiten.

[00:29:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein, sage ich: die Lehrer werden zu wenig unterstützt.

[00:29:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell, welches man verwendet, man verwendet für jedes Kind dann noch einen
Sozialpädagogen/Heilpädagogen, Lernbegleitung etc.

[00:29:14.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADHS/ADS Kind, das ging genau an dem Tag nicht in die Schule, wo es
einen Heilpädagogen hatte, weil es dadurch aus der Klasse ausgeschlossen wird.

[00:29:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall eine medizinische Person anhängen ist keine Lösung.

[00:29:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen mehr unterstützt werden.

[00:29:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler, die Präsidentin der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer sagt, es müssen
immer zwei Lehrpersonen pro Klasse sein.

[00:29:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Geld rausnehmen würden aus der Justiz, aus der Medizin und in die Schule
stecken würden, hätten wir Geld gespart.

[00:30:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Überlegung ist noch nicht da.

[00:30:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was schlagen die Eltern als Konsumenten der Schule vor?

[00:30:22.260] – Bemerkung 2
Ich habe zwei Jungs, 1. Sekundarklasse und 6. Pirmarklasse. Beide haben eine ADHS/
ADS Diagnose.

[00:30:22.310] – Bemerkung 2
Wie haben uns für den Medikamentenweg entschieden. Ich bin sehr froh darüber, mit
seinen Nachteilen.

[00:30:50.100] – Bemerkung 2
Ich fände auch schöner, wenn die Schule anders wäre.

[00:30:52.740] – Bemerkung 2
Unsere Kinder sind hier in diesem Schulhaus. Wir können nicht zaubern.

[00:30:52.830] – Bemerkung 2
Ich habe viel gekämpft auf verschiedenen Ebenen. Es ging nicht. Entweder nehme ich
die Kinder aus der Schule oder die Kinder nehmen eine niedrige Dosierung der
Medikamente. Ich habe keinen anderen Weg gesehen.

[00:32:11.640] – Bemerkung 2
Ich wünsche mir, dass meine Kinder einen Beruf finden, das Umfeld haben, wo sie
darauf verzichten können, weil sie ihre Fähigkeiten und ihre Vorzüge, die sie haben, so
brauchen können, dass es nicht notwendig ist.

[00:32:28.440] – Bemerkung 2
Ich bin selber ADHS/ADS. Ich habe auch die Abklärung gemacht.

[00:32:45.290] – Bemerkung 2
Ich nehme auch punktuell Medikamente und kann darum mit gewissen Situation besser
umgehen. Wenn ich mit den Kindern lernen muss, kann ich das nicht ohne
Medikamente tun. Sonst haben wir zu Hause sofort Chaos. Es ist ein Dämpfen.

[00:33:22.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verstehe sie sehr gut. Ich verweigere niemandem die Medikamente.

[00:33:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse immer die Eltern entscheiden, ob sie wollen, dass ihr Kind Medikamente
nimmt oder nicht. Ich verweigere es nie.

[00:33:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Wunder wirken, die Noten gehen hoch. Wir leben in diesem Schulsystem. Das
kann man schon sagen. Wir können das nicht ändern.

[00:33:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut ein Entscheid.

[00:33:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern von ADHS/ADS Kinder lassen sich auch abklären und sehen dann, dass sie
die gleichen Gene haben.

[00:34:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Leuten, welche eine zweite Ausbildung machen, denen verschreibe ich es auch für den
Schultag. Man kann besser aufpassen. Es ist so.

[00:34:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Medizinstudenten Ritalin genommen und die Prüfungen zu bestehen.
Damals war es noch verboten.

[00:34:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich brauche immer mehr Betäubungsmittelblöcke, weil einfach so viele Leute das
brauchen und wollen.

[00:34:41.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente zu geben ist nicht alles.

[00:34:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch das Umfeld begleiten, den Lehrer begleiten.

[00:34:57.100] – Bemerkung 3
Beim jüngsten Sohn sind wir immer nur am kämpfen, dass die Lehrpersonen seinen
Charakter einfach nur akzeptieren. Ich höre immer nur: es geht nicht, zuviel Aufwand.
Es sind kleine Dinge. Hausaufgaben im Thek etc.

[00:35:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind noch weitere Lehrpersonen anwesend?

[00:35:29.680] – Bemerkung 4
Ich bin schulische Heilpädagogin und begleite auch in der Schule seit Jahren diese
Thematik, mit Medikamenten, ohne Medikamente. Unser Tochter ist auch diagnostiziert.

[00:36:09.810] – Bemerkung 4
Ich finde es sehr wichtig, dass die Schule und die Eltern im Austausch sind und
versuchen zusammen das Kind zu begleiten. Das braucht viel und es braucht von
beiden Seiten Verständnis um das Kind zu fördern.

[00:36:10.130] – Bemerkung 4
Die Belastungen sind hoch, bei den Eltern und bei den Lehrpersonen.

[00:37:21.250] – Bemerkung 4
Die Bandbreite bei der Schule ich hoch. Es ist wichtig, dass die Lehrpersonen wissen,
was ein ADHS/ADS ist, wie wirkt sich das aus?

[00:37:21.530] – Bemerkung 4
Medikamente erlebe ich sehr unterschiedlich. Ein Kind hat gesagt: jetzt habe ich endlich
kein Radio mehr im Kopf. Jetzt verstehe ich, was erzählt wird.

[00:37:53.730] – Bemerkung 4
Als Mutter und als SHP muss man schauen, was im Moment das Beste ist für das Kind.

[00:39:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind ist anders, jede Situation ist anders. Jede Lehrperson verwendet andere
Methoden. Die Lehrperson und das Kind müssen zusammen rausfinden wie es geht.

[00:39:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagen andere Lehrervertreter dazu?

[00:39:38.960] – Bemerkung 5
Was ich von ihnen gehört habe, das ist unser Alltag. Das kennen wir gut.

[00:39:39.310] – Bemerkung 5
ADHS/ADS ist heute in aller Munde, man kennt es.

[00:39:39.490] – Bemerkung 5
Was klar zugenommen hat, sind die Medikamente.

[00:39:59.480] – Bemerkung 5
Wenn wir Jugendliche haben, welche von der Tagesschule abgemeldet werden, weil sie
über den Mittag keinen Hunger haben, denke ich: Um Himmels Willen. Essen wollen sie
doch. Das ist immer das Erste.

[00:40:34.720] – Bemerkung 5

Es gibt Medikamente, welche es ermöglichen, dass der Jugendliche am Unterricht
teilnehmen kann, alle sind froh darum. Er hat aber keinen Appetit mehr beim
Mittagessen, dann denke ich: etwas stimmt nicht.

[00:41:04.870] – Bemerkung 5
Sie haben mir aus dem Herzen geredet: wir sind soziale Wesen. Gemeinschaft ist
etwas Wichtiges. Zusammen eine Klasse sein, dass 24 Schüler zusammen etwas
lernen können, finde ich extrem wichtig.

[00:41:26.430] – Bemerkung 5
Unterschiedliche Schüler haben unterschiedliche Bedürfnisse. Das ist ein Clinch.
Gewisse wollen ins Gymnasium, andere nicht. Es ist schwieriger geworden. Wir
müssen Lösungen finden, wie wir das bewerkstelligen können.

[00:42:22.680] – Bemerkung 5
Es braucht einfache Rezepte.

[00:42:24.210] – Bemerkung 5
Wir haben eine Spezialistin für Bewegungspausen. Wir brauchen etwas, das allen gut
tut.

[00:42:30.600] – Bemerkung 5
Die Eskalation geschieht. Dann muss man eine Pause machen.

[00:43:05.240] – Bemerkung 5
Schmiede das Eisen wenn es kalt ist.

[00:43:05.260] – Bemerkung 5
Wir wissen wie wir die Eskalation mit einem ADHS/ADS Kind anheizen können. Jetzt
sollte ich der Profi sein im Umgang mit ADHS/ADS. Mit den eigenen Kindern kann es
schwieriger sein, einen Schritt zurück zu treten.

[00:44:10.870] – Bemerkung 5
In der Konfliktsuche geht es dann immer um: was sind die Optionen gewesen, wie
könntest du es anders machen?

[00:44:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:44:31.170] – Bemerkung 5
Die dritte Ebene sind die Kündigungen. Gewissen Lehrpersonen ist es zu streng.

[00:44:34.260] – Bemerkung 6
Gewissen Leuten ist es heute auch zu streng Bundesrat zu sein.

[00:44:37.140] – Bemerkung 7
Die intrinsische Motivation ist auch wichtig, inkl. der individuellen Lernzeit. Dort haben
wir den Stundenplan angepasst. Zu Beginn der Lernzeit muss man sich sammeln. 30
Minuten sind lange. Die Qualität ist liegt weit auseinander.

[00:46:53.100] – Bemerkung 8
Die integrative Schule hilft uns sehr. Wir haben eine kombinierte Sekundarschule. Die
unterschiede in den Klassen gehen stark auseinander. Wir haben ein sehr breites
Spektrum. Es können nicht alle das gleiche tun. Das ist die grosse Herausforderung für
die Lehrpersonen. Die müssen auch entsprechend ausgebildet werden.

[00:47:32.120] – Bemerkung 8
Die jungen Lehrpersonen investieren sehr viel. Zum Teil braucht es auch eine
Bewegungspause. Die Kinder sollen auch ein Uno spielen dürfen, falls sie das wollen.
Junge Lehrpersonen setzen sich auch sehr viel Druck selber auf.

[00:48:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr. Wir sind immer darauf ausgerichtet: schneller, besser, effizienter.

[00:48:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe akademische Leute, die akademisch weit gekommen sind. Emotional sind sie
stehen geblieben. Das bringt es nicht.

[00:48:45.610] – Bemerkung 9
In den Lehrmitteln geht man nur von einem Lernverhalten aus. Gewisse Dinge können
gewisse Kinder nicht.

[00:48:56.160] – Bemerkung 9
Oft meint man, dass alle das Gleiche tun müssen. Das finde ich schwierig. Wenn man
das loslassen kann, wird es für das Kind auch einfacher. Dann kann man vieles
loslassen.

[00:48:56.380] – Bemerkung 10
Wenn man meint, dass man eine Abkürzung nehmen kann, dann landet man auf dem
viel längeren Weg. Abkürzungen sind selten konstruktiv.

[00:49:07.280] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist nicht ohne Nachteile.

[00:49:51.090] – Bemerkung 10
Mein jetziger Junge ist stark untergewichtig. Am Wochenende ist er ganz anders, in den
Ferien ist er ganz anders. Es gibt Nebenwirkungen. Methylphenidat macht den
Menschen zum Zombie.

[00:50:12.160] – Bemerkung 10
Es kann ein Hilfsmittel sein. Unser Arzt hat bei grösseren Schwierigkeiten einfach die
Dosis erhöht.

[00:50:51.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja ich weiss.

[00:50:51.250] – Bemerkung 10
Das ist für mich völlig der falsche Weg. 10mg, 20mg, 80mg.

[00:50:53.150] – Bemerkung 10
Den grössten Fortschritt haben wir immer mit einer menschlichen Interaktion erzielt. Mit
der Klassenlehrperson, mit dem Turnlehrer, mit einem psychomotorischen Training, mit
einer hervorragenden Trainerin, die geduldig, empathisch und einfühlsam war.

[00:51:28.300] – Bemerkung 10
Man muss seine Zuschauer gerne haben, man muss seine Schüler gerne haben. Der
didaktische Eros hat nichts mit Pädophilie zu tun.

[00:51:32.480] – Bemerkung 10
Mein Sohn hat jetzt einen sehr guten Therapeuten.

[00:52:20.050] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist kein Wundermittel. Es stimuliert und dämpft.

[00:52:22.830] – Bemerkung 10
Das Ziel ist nicht, dass der Mensch einfach funktioniert wie eine Maschine. Wir sind
keine Maschinen.

[00:52:30.120] – Bemerkung 10
Das Ziel ist, dass der Mensch seine Persönlichkeit entwickeln, entfalten kann; zu einem
reifen, verantwortungsbewussten Menschen wird, der auch in der Gesellschaft seine
Position und seine Rolle kann spielen kann und seine Aufgaben wahrnehmen kann.
Das braucht Geduld, Geduld und Liebe und nochmals Geduld und Liebe.

[00:52:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt mit dem Lehrer. Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:52:54.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss immer einen Kontakt herstellen zum Kind. Dann lernt das Kind auch mit.

[00:53:16.040] – Bemerkung 11
Ich habe eine Frage zum Vorgehen in der Schule. Unser Sohn fand es gar nicht lustig,
dass er einen Nachteilsausgleich bekommt. Er fand das sehr stigmatisierend. Wie wird
das in der Klasse gehandhabt mit den Heilpädagogen?

[00:54:20.640] – Bemerkung 12
Wir versuchen möglichst viele Ressourcen in der Klasse einzusetzen. Wir fragen, wer
Lust hat hinten am Tisch die Aufgaben zu lösen. Dann kommen die Kinder immer.

[00:55:13.340] – Bemerkung 12
Kinder die viel Unordnung haben zu denen gehen wir regelmässig und packen mit
ihnen die Tasche aus. Warum ist die Agenda leer? Das schauen wir auch nach der
Schule an.

[00:55:35.920] – Bemerkung 13
Ich war mir darüber nicht sicher.

[00:55:49.620] – Bemerkung 14
Gewisse Förderressourcen kann man direkt dem Kind zuordnen. z.B. Deutsch als
Zweitsprache.

[00:55:49.640] – Bemerkung 14
Es gibt andere, die haben einen Status als integrierte Sonderschüler in der
Regelklasse, die auch ein Päckchen an Ressourcen mitbringen.

[00:56:16.140] – Bemerkung 14
Diese Ressourcen möchten wir möglichst in der Klasse einsetzen.

[00:56:16.580] – Bemerkung 14

Wir haben noch ein Kontingent an Förderstunden, welche wir dort einsetzen, wo wir es
brauchen. Das wird im pädagogischen Team entschieden.

[00:56:59.250] – Bemerkung 14
Zum Teil kann auch ein Hortmitarbeiter übernehmen, weil dort die Beziehung am besten
läuft, den Kosmos pflügen und Tee trinken. Dieser Schüler hat in dem Moment kein
Französisch.

[00:57:38.870] – Bemerkung 15
Wir wirken sich die Nachteile der Medikamente im Alltag aus?

[00:57:47.640] – Bemerkung 16
Zum Beispiel Appetitlosigkeit. Wenn man nicht niedrig dosiert merkt man es sofort. Mein
Sohn hat eine Depression entwickelt, als die Medikamente zu hoch dosiert waren vom
Psychiater. Das war schlimm, bis wir das verstanden haben, dass es wegen dem
Medikament war. Danach hat er das Medikament verweigert.

[00:58:00.400] – Bemerkung 16
Sie sind gedämpft und es gibt am Abend einen Rebound Effekt.

[00:58:43.160] – Bemerkung 16
Gut ist, wenn die Kinder am Abend noch Sport haben. Wir können am Abend nicht mehr
lernen mit den Kindern. Das ist unmöglich. Am Mittwoch Nachmittag ok. Ab 16 Uhr geht
es nicht mehr mit lernen.

[00:59:21.120] – Bemerkung 16
Ich weiss nicht ob man nach einem langen Schultag noch lernen kann, wenn man
ADHS/ADS hat und Medikamente nimmt. Bei uns geht das nicht.

[00:59:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Kinder sagen: ich will keinen Nachteilsausgleich, ich will nicht ausgrenzt werden
aus der Gruppe. Damit das Kind einen Nachteilsausgleich bekommt muss es offiziell die

Diagnose haben und die Diagnose muss noch neu sein, sie darf nicht älter als ein Jahr
sein. Dabei ist genetisch. Das bleibt ein Leben lang. Es wird trotzdem noch so
angeschaut, als ob sich das ständig verändern würde.

[00:59:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Nachteilsausgleich macht, kann man es eleganter machen. Bei der
Lehrabschlussprüfung, da bekommen sie dann einfach weniger Aufgaben und für das
wird Noten gegeben.

[01:00:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hätte schon noch Möglichkeiten um das anders zu handhaben.

[01:00:31.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule könnte zum Beispiel nur die guten Aufgaben bewerten und die anderen
nicht. Man möchte immer nur korrekt und genau sein und man getraut sich nicht.

[01:00:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle oft fest, dass die Lehrer ihren Freiraum gar nicht ausnützen. Sie dürfen noch
mehr ihren Freiraum ausnutzen. Die Lehrpersonen dürfen die Kinder individueller
behandeln. Das wäre gerechter.

[01:01:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur einer Mutter sage ich: sie müssen nicht alle Kinder gleich behandeln. Das geht gar
nicht. Jedes Kind ist individuell.

[01:01:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind wird nach seinen Bedürfnissen behandelt.

[01:01:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde allen Lehrern versuchen den Mut zu geben, dass sie individueller behandeln
und die Notengebung individuell gestalten.

[01:01:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gerechtigkeit, dass alles gleich ist funktioniert ohnehin nicht.

[01:01:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Biologie, im Lebendigen ist es nie sogenannt gerecht.

[01:01:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind stark von der Juristerei geleitet, dass alles gerecht sein muss.

[01:01:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zu jeder Mutter: sie dürfen ihre Kinder so behandeln, wie es für jedes Kind
passt, und das ist unterschiedlich.

[01:02:05.910] – Bemerkung 17
Haben sie nicht gesagt, dass ADHS/ADSler Ungerechtigkeiten als ganz schlimm
empfinden?

[01:02:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, aber man kann es ihm erklären.

[01:02:18.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler ist keine Maschine und kein Gesetz.

[01:02:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle dich so, wie es für Dich geht. Von der anderen Person kann ich mehr
verlangen. Wenn das Kind, welches es gut kann reklamiert, sage ich: der andere kann
es noch nicht, du kannst es.

[01:02:52.750] – Bemerkung 18
Das ist beim Abwaschen aber schwierig.

[01:02:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle viele Familien mit Konflikten. Derjenige, der es noch nicht kann, muss
noch mehr üben. Hier kann man als Autorität hinstehen und sagen: ich habe das Recht
unterschiedlich zu behandeln.

[01:02:59.150] – Bemerkung 19
Ich habe eine Frage zum Umgang mit Misserfolgen. Es wird sehr schwierig, wenn eine
schlechte Note reinkommt. Ich finde es schwierig danach die intrinsische Motivation
wieder anzuregen.

[01:03:07.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Fehlerkultur und Umgang mit Misserfolg.

[01:03:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die stossen ohnehin immer an. Wenn sie dann noch einen
Misserfolg in den Noten haben, dann ist das ein Weltuntergang.

[01:03:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden, weil er einen Fehler gemacht
hat. Er hat die Agarplatte draussen stehen lassen und dann ist Penicillin drauf
gewachsen.

[01:04:14.717] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[01:04:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entstehen neue Sachen.

[01:04:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Genetik anschauen, dann entsteht durch Fehlerkombinationen etwas
neues.

[01:04:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist aus einem missratenen Affen entstanden. Er wurde aus dem Urwald
vertrieben, war schwächer, er konnte es nicht so gut. So ist etwas neues Entstanden.
Aus Fehlern entstehen neue Dinge.

[01:04:31.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist im Leben absolut wichtig, dass man lernt, mit Misserfolgen umzugehen.

[01:04:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch die super intelligenten Sechser-Schüler, dann kommen sie an die Uni, dort
ist alles frei und dann bricht alles zusammen.

[01:04:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas vom Wichtigsten im Leben ist, dass man auch mit Fehlern und Misserfolgen
umgehen kann.

[01:05:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man so auch den Kindern verkaufen.

[01:05:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Irren ist menschlich. Fehler machen ist menschlich.

[01:05:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Tisch ist wahrscheinlich von einer Maschine gemacht.

[01:05:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein von Hand gemachter Tisch ist wohl weniger gerade, der ist viel lebendiger.

[01:05:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler gehören zum Lernen und zum Leben.

[01:05:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar die Kinder sind einem Wettkampf.

[01:05:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss validiert werden in seinen Gefühlen.

[01:05:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sagen: ich verstehe, dass das schrecklich ist für dich. Es gibt andere
Kinder, die nie Fehler machen und immer Sechser haben.

[01:06:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht einem verrückt.

[01:06:04.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können dann diejenigen sein, welche scheitern, wenn dann alles frei ist.

[01:06:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst den Frust validieren und dann mit seiner Lebensweisheit kommen.

[01:06:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für Sie?

[01:06:19.550] – Bemerkung 20
Ja.

[01:06:19.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Kind gehen. Das Kind darf enttäuscht sein, es darf ein Theater machen. Wenn
sich das Kind beruhigt hat, darf man das andere sagen. Wenn man es sofort sagt, wird
es nicht gehört.

[01:06:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinder müssen immer validiert werden in ihren Gefühlen.

[01:06:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Kinder validiert hat, dann kann man sagen: was könnte man das
nächste Mal an dem Punkt anders machen?

[01:06:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man abzweigen?

[01:06:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Erwachsenen sage ich: tun sie etwas, wenn das Wasser beim Hals steht und
nicht wenn das Wasser bei den Augen steht. Dann versteht man nichts mehr.

[01:06:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen früher merken, dass etwas nicht gut läuft für die Kinder.

[01:07:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewaltfreie Kommunikation ist bedürfnisgerechte Kommunikation.

[01:07:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man von seinen Bedürfnissen redet, dass man die zuerst einmal wahrnimmt und
dann sagt und erst dann kommt die Änderung oder das Lernen.

[01:07:20.890] – Bemerkung 20
Ich bin aus Interesse gekommen. Ich höre gerne ihre Podcasts. Ich höre ihnen gerne
zu.

[01:07:55.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen. Wir müssen unsere Sozialkompetenz lernen und immer
verbessern.

[01:08:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Je dichter wir zusammenwohnen, je komplexer, je multikultureller die Gesellschaft ist,
umso mehr müssen wir soziales Lernen haben.

[01:08:29.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder, dass wenn Kinder miteinander streiten und die Mädchen sind
dort noch gut, die können so ein bisschen necken und kein Mensch merkt es und der
Junge rastet dann aus und schlägt zu.

[01:08:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppendynamik wird aus meiner Sicht ein bisschen zu wenig angeschaut und zu
wenig damit umgegangen.

[01:08:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Tagesschule und mit dem Mittagstisch, dort läuft alles wild durcheinander. Dort
hat es das Personal, das nichts gelernt hat über Gruppendynamik.

[01:09:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geschieht, dass so Alpha-Tiere ein bisschen übernehmen und beherrschen.

[01:09:11.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau gab es Klassen mit 80% Ausländer Kindern, 20% Schweizer oder sogar nur
10%.

[01:09:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Sprache hat man gemerkt, die Schweizer Kinder haben begonnen Deutsch zu
sprechen wie Albaner Kinder.

[01:09:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache der Albaner hat dominiert.

[01:09:41.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kann passieren.

[01:09:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser ganzen Durchmischung von Kulturen braucht es wieder ein bisschen mehr
Führung von den Lehrpersonen und vom Hort, die sagt, was bei uns die Regeln sind
und wie wir miteinander umgehen wollen.

[01:10:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können wir Schweizer uns noch viel verbessern.

[01:10:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist komplizierter heutzutage. Ich erlebe das bei Mischehen und den verschiedenen
Erziehungen. Ich denke, da müssen wir uns noch ein bisschen sorgfältiger mit
unterschiedlichen sozialen Werten und Sozialverhalten auseinandersetzen.

[01:10:28.540] – Bemerkung 21
Bei uns hat der Psychiater gesagt, dass es erschreckend häufig ist, dass bei Mädchen
viel zu spät erkannt wird, dass sie ADHS/ADS haben. Sie nimmt jetzt Medikamente und
ist sehr zufrieden damit. Wie kann man Mädchen mit ADHS/ADS früher helfen?

[01:11:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt immer noch, dass ADHS/ADS eine Krankheit ist. Niemand will krank sein.
Wenn man sagt: das ist ein Persönlichkeitstyp, dann ist es eine Variante unter anderem
und dann könnte man auch besser damit umgehen.

[01:12:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es als Krankheit anschaut, dann macht man zu.

[01:12:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer will schon psychisch krank sein?

[01:12:26.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Leute haben Angst vor so einer Diagnose.

[01:12:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, es ist einfach ein Persönlichkeitstyp, dann denke ich können sich die
Leute besser damit anfreunden.

[01:12:46.860] – Bemerkung 22
Man musst zuerst darauf kommen. Es ist bequem, wenn das Kind ruhig ist und sich
selber beschäftigt.

[01:13:03.060] – Bemerkung 23
Wir haben es nicht erkannt, die ganzen Lehrerinnen und Lehrer davor haben es nicht
erkannt?

[01:13:13.160] – Bemerkung 24
Man kann nicht jedes Kind auf ADHS/ADS untersuchen nur weil es ruhig ist.

[01:13:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage lassen sich die Eltern auch abklären, wenn die Kinder eine ADHS/ADS
Diagnose bekommen habe. Früher hat man das gar nicht angeschaut.

[01:13:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute tritt immer mehr die Gender Unterschiedlichkeit bei allen Diagnosen auf.

[01:14:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS ist es ganz stark.

[01:14:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben haben zusätzlich noch Testosteron, die Mädchen haben weniger.

[01:14:34.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei den Knaben merkt man es schneller, weil sie aggressiv werden, wenn sie verletzt
werden.

[01:14:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen haben mehr Kuschelhormone, Oxytocin. Als Mutter von einem Kind noch
mehr. Das hilft den Mädchen sich mehr anzupassen.

[01:14:46.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich viel mehr an und unterdrücken ihr ADHS/ADS.

[01:15:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werden oft erst mit 35 bis 45 mit ADHS/ADS diagnostiziert. Davor merkt
niemand etwas.

[01:15:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie passen sich an, sie können sich besser anpassen.

[01:15:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Als freche Bemerkung sage ich: Mädchen sind einfacher in der Schule.

[01:15:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu Reiten als Hengste.

[01:15:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, es ist ein anderes Sozialverhalten.

[01:15:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialkompetenz der Mädchen überdeckt das ADHS/ADS.

[01:15:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe Frauen die haben erst mit 45 Jahren ihre ADHS/ADS Diagnose bekommen.
Viele haben noch X andere psychiatrische Diagnosen.

[01:15:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt auch immer mehr hervor, dass sie auch somatische Diagnosen haben. Ein
Mensch mit ADHS/ADS ist sensibler, ist leichter erregbar, regt sich mehr auf. Das kann
alles auch in die somatischen Krankheiten reingehen.

[01:16:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr in die Schule investieren, weniger in die Juristerei, weniger in das
Medizinische, um Folgekrankheiten von ADHS/ADS verhindern zu können.

[01:16:52.660] – Bemerkung 25
Was sind somatische Krankheiten?

[01:16:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Körperliche Krankheiten.

[01:17:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS, die haben oft Fibromyalgie, also überall Schmerzen,
Gelenkschmerzen, sind hyper, sind hochsensibel, haben Allergien, unruhige Beine und
so weiter.

[01:17:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass 85% der Erwachsenen, die eine ADHS/ADS Diagnose haben, haben
zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen.

[01:17:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss man jetzt zuerst behandeln?

[01:17:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer: das ADHS/ADS ist die Grundproblematik.

[01:18:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die lernen mit ihrem ADHS/ADS umzugehen, wenn ihre Partner lernen damit
umzugehen, dann muss man nicht krank werden.

[01:18:11.060] – Bemerkung 26
Braucht es dazu immer eine Therapie? Oder kann man selber auch einfach ein wenig
entschleunigen?

[01:18:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss nicht immer in eine Therapie gehen. Man muss lernen mit sich selber
umzugehen.

[01:18:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn all das Wissen vorhanden ist und man weiss auf was man achtgeben muss, kann
man das auch selber lernen.

[01:18:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu fest ansteht und speziell im Beruf, kann man auch anstehen.

[01:18:43.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben ADHS/ADSler dann das Problem, dass sie sich zu stark ausgeben.

[01:18:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind unglaublich einsatzbereit und am Schluss hat man das Burnout.

[01:18:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss ich sagen: sie müssen immer wieder eine Pause machen.
Sie müssen gut lernen auf sich zu hören und auch lernen "Nein" zu sagen.

[01:19:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Empathie versus Selbstfürsorge.

[01:19:07.910] – Bemerkung 27
Das erinnert mich an einen sehr guten Doc-Film über ADHS/ADS. Dort sagt die
Expertin über ADHS/ADS: es gibt Sachen, die ich einfach nicht gut kann, das musste
ich begreifen. Diese Dinge muss ich delegieren. Zum Beispiel die Steuererklärung zu
machen. Das liegt mir einfach nicht.

[01:19:07.980] – Bemerkung 27
Ich muss herausfinden wie und wo kann ich mich unterstützen lassen und diese
Unterstützung holen. Ich muss deswegen auch keine Schamgefühle haben. Jeder
Mensch hat Stärken und Schwächen. Die Schwächen muss man dann auf eine gute Art
und Weise kompensieren.

[01:20:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zur Lücke und Mut zur Pause.

[01:20:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste Menschen auch schon sagen: sie dürfen eine Pause machen, sie dürfen
sagen: nein, das ist mir zu viel.

[01:20:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Chef kann man auch sagen: nicht über meine Leiche.

[01:21:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft fordert immer mehr Leistung, immer schneller.

[01:21:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man den Menschen schützen. Der Mensch darf sagen: nein,
nicht mehr weiter.

[01:21:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich zitiere Martin Luther: hier stehe ich und kann nicht anders.

[01:21:41.110] – Bemerkung 28
Sie haben gesagt 85% ist genetisch.

[01:21:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Statistiken sind Statistiken. Die zeigen immer nur den Durschnitt.

[01:22:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt.

[01:22:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist am meisten genetisch vererbt und ADHS kommt an zweiter Stelle.

[01:22:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus kommt häufig noch eine zusätzliche Störung im Spracherwerb. Das gibt
dann eine höhere Zahl.

[01:22:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behaupte, das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt, aber es kann natürlich
unterschiedlich kombiniert sein.

[01:23:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen merkt man es weniger als bei den Männern.

[01:23:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt, fünf oder vier Buben auf eine Frau. Heute sagt man 1.5 Knaben
auf ein Mädchen.

[01:23:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistiken ändern, weil man immer nur einen Durchschnitt hat.

[01:23:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer vererbt.

[01:23:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig finden sich auch ADHS/ADSler als Paar.

[01:24:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus sagt: they find each other, they bind with each other and they
reproduce with each other.

[01:24:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.menschen-mit-adhs.de/

[01:24:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen scheiden auch mehr, weil es mehr Konflikte gibt. Sie finden sich
und sie können sich auch aufschaukeln. Es gibt auch Ehen, die gut funktionieren.

[01:24:13.290] – Bemerkung 29
Ich finde es wichtig, dass die Eltern das ADHS/ADS angehen. Je mehr ich mich damit
auseinandergesetzt habe, desto besser konnte ich auch mit den Kinder umgehen. Mir
geht es auch so. Ich kann auch nicht so lernen, wie es andere können.

[01:25:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Symptom zuerst akzeptieren, Freundschaft schliessen mit seinem
Symptom.

[01:25:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen das Symptom kämpft, kämpft man ständig gegen Windmühlen.

[01:25:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mit sich und seinem Symptom Freundschaft schliessen. Dann kann man
besser damit umgehen. Dann kann man auch andere besser handhaben, die ähnlich
sind.

[01:26:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS verlangt viel Selbstreflexion und Lernen.

[01:26:10.180] – Bemerkung 30
Mit dieser Geschichte, dass ADHS/ADS eigentlich immer genetisch bedingt ist, wäre für
mich die Lösung, dass es eine Frühaufklärung, also mehr Frühaufklärung bei den Eltern
bräuchte. Gerade weil bei ADHS/ADS die schwierigen Jahre, in der Regel die
Schuljahre sind.

[01:26:34.600] – Bemerkung 30
Es ist mein Wunsch an die Schulleitung im Austausch mit den Primarschulen, noch mal
mit einer Weiterbildung bei den jungen Eltern anzusetzen, dass die mehr sich selber
reflektieren, um früher erkennen zu können, dass die Kinder vielleicht auch ein Problem
haben werden. Nicht dass man es erst in der Sekundarschule merkt.

[01:27:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beim Kindergarten anfangen. Absolut.

[01:27:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die schon am ersten Schultag total frustriert worden sind, weil
man ungeschickt mit ihnen umgegangen ist.

[01:27:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kindergarten Kind, das hatte Probleme mit der lauten Stimme der
Kindergärtnerin. Das Kind ist dann immer abgehauen. Es hat ein grosses Theater
gegeben. Das Kind wurde schlussendlich in einem Heim platziert, nur weil es im
Kindergarten nicht gut gelaufen ist.

[01:27:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ersten Lehrerin hat es geklappt. Mit der nächsten Lehrperson hat es nicht
funktioniert, die hat auch zu laut geredet. Dann ist das Kind davon gelaufen. Dann
wurde er per Polizei abgeholt und in das Heim gesteckt.

[01:27:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht die Lösung. Man müsste viel früher beginnen.

[01:28:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte viel Geld und Leid sparen, wenn man früher damit beginnt sein ADHS/ADS
zu verstehen.

[01:28:18.840] – Bemerkung 31
Kannst du bitte noch ein paar Worte sagen zu der Drei-Generationen-Analyse?

[01:28:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin. Ich nehme immer drei Generationen auf.
Dann sehe ich natürlich verschiedene Symptome.

[01:28:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe ein Beispiel.

[01:28:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater war ein Adoptivkind. ADHS/ADS Kinder werden häufiger fremdplatziert. In
ADHS/ADS Familien gibt es mehr Streit. Er war jähzornig, hatte ein Tochter, die sich
angepasst hat an den jähzornigen Vater. Als Kind war er ein braves Pflegekind. Sein
Enkel hat auch von diesen Genen geerbt und ist in einem Schullager davon gelaufen,
als er enttäuscht war über seine Liebe. Die Lehrer haben Angst bekommen,
Suizidprophylaxe und haben ihn in die Psychiatrie gesteckt. Dort hat gar nichts gut
funktioniert. Am Schluss hat die Grossmutter mich wieder reingeholt. Ich habe die Eltern
gestützt, sie haben das Kind wieder rausgeholt, er war ein Wilder. Am Schluss hat sich
alles beruhigt und er hat eine Lehre begonnen.

[01:30:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat überreagiert und es hätte daraus eine psychiatrische Karriere geben
können.

[01:30:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufmerksam sein und schauen, dass es nicht eskaliert.

[01:30:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es steht immer wieder in der Zeitung, dass die Jugendpsychiatrie völlig überfordert ist.

[01:30:55.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.luzernerzeitung.ch/ostschweiz/ressort-ostschweiz/psychische-gesundheit-das-ist-ein-riesiges-problem-immer-mehr-junge-menschen-sind-psychisch-krank-im-kanton-stgallen-fehlt-es-an-fachkraeften-zur-behandlung-ld.2716871

[01:30:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS braucht es viel mehr Beratung des Umfelds, Unterstützung der
Lehrpersonen, Unterstützung der Eltern, damit das nicht schief läuft. Nicht einfach nur
eine medikamentöse Behandlung des Kindes.

[01:31:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das medizinische Modell, welches so funktioniert.

[01:31:28.810] – Bemerkung 32
Herzlichen Dank!

Recht und Psychiatrie

Vortrag vom 13.12.2018, PUK Zürich

Justiz und Psychiatrie kümmern sich um die gleichen Menschen mit gestörten krankhaften Verhalten. Für die Psychiatrie sind es Patienten, „arme Menschen“, für die Justiz Delinquenten, „böse Menschen“. Die Psychiatrie versucht mit Therapie den Menschen zur Verhaltensveränderung zu bringen. – Die Justiz versucht mit Strafe und Strafmassnahmen den Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bringen.

Vortrag zum Anhören:

PDF: Vortrag PUK Zürich Recht und Psychiatrie Therap. Jurisprudenz