Verhaltensunterschiede zwischen ADHS Jungen und Mädchen

Dr.med. Ursula Davatz erklärt in ihren Ausführungen, dass sich ADHS bei Jungen und Mädchen unterschiedlich äussern kann. Während Jungen mit ADHS oft durch auffälliges, aggressives Verhalten in Erscheinung treten, neigen Mädchen eher dazu, ihre Symptome zu internalisieren und sich anzupassen.

ADHS-Jungen:

  • Auffälliges Verhalten: ADHS-Jungen fallen häufiger auf und werden daher auch öfter diagnostiziert. Das Verhältnis wird auf eins zu vier geschätzt, also vier Jungen mit ADHS auf ein Mädchen. Dies liegt jedoch wahrscheinlich daran, dass Mädchen ihre Symptome besser verbergen können, und nicht an der tatsächlichen Prävalenz.
  • Aggressivität: ADHS-Jungen reagieren oft aggressiv, wenn sie verletzt, gekränkt oder blockiert werden. Dieses Verhalten ist sozial nicht akzeptiert und führt oft zu Bestrafungen, was die Situation für das Kind zusätzlich verschlimmert.
  • Impulsivität: ADHS-Jungen zeigen oft impulsive Reaktionen, die auf ihre hohe Sensibilität zurückzuführen sind.

ADHS-Mädchen:

  • Introversion und Anpassung: Mädchen mit ADHS sind oft introvertierter und können sich besser an soziale Normen anpassen. Sie unterdrücken ihr Temperament und ihre Impulsivität, was langfristig zu einem schlechten Selbstwertgefühl und Depressionen führen kann.
  • Internalisierung der Symptome: Mädchen neigen dazu, die Symptome von ADHS nach innen zu richten.. Im Gegensatz zu Jungen, die ihre Gefühle oft äusserlich durch Aggression zeigen, leiden ADHS-Mädchen still und ziehen sich zurück.
  • Träumerisches Verhalten: ADHS-Mädchen werden als „Träumer“ mit grosser Fantasie beschrieben. Dies kann dazu führen, dass ihre ADHS-Symptome weniger offensichtlich sind und seltener erkannt werden.

Diagnose und Umgang:

Es ist wichtig zu beachten, dass die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen mit ADHS nicht bedeuten, dass Mädchen weniger häufig betroffen sind. Vielmehr wird ADHS bei Mädchen oft übersehen oder falsch diagnostiziert, da die Symptome weniger offensichtlich sind. Daher ist es wichtig, im Umgang mit Kindern auf subtile Anzeichen von ADHS zu achten, unabhängig vom Geschlecht. Sowohl Jungen als auch Mädchen mit ADHS benötigen Verständnis, Unterstützung und angemessene Strategien, um mit ihren Herausforderungen umzugehen.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_Kindern_schwierigem_privatem_Umfeld.pdf

 

Die Rolle der Tiere im therapeutischem Ansatz

Tiere spielen in Dr.med. Ursula Davatz‘ therapeutischem Ansatz eine indirekte, aber wichtige Rolle. Obwohl sie keine Tiere direkt in ihre Therapie einbezieht, dienen sie ihr als wichtige Inspirationsquelle und Vergleichspunkt, um menschliches Verhalten besser zu verstehen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Tiere als Modell für objektive Verhaltensbeobachtung:

Dr.med. Ursula Davatz argumentiert, dass die Beobachtung von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum uns helfen kann, menschliches Verhalten objektiver zu betrachten und von kulturellen Vorurteilen zu abstrahieren. Sie betont, dass wir im Umgang mit Menschen oft „Biases“, also Vorurteile haben, die unsere Wahrnehmung verzerren. Indem sie beobachtet, wie Tiere mit bestimmten Situationen umgehen, kann sie neue Perspektiven auf menschliche Verhaltensweisen gewinnen.

Soziobiologie als Grundlage für das Verständnis menschlichen Verhaltens:

Dr.med. Ursula Davatz ist eine Anhängerin der Soziobiologie, einer Disziplin, die das Verhalten von Lebewesen im evolutionären Kontext untersucht. Sie glaubt, dass die Erkenntnisse der Soziobiologie, die sich auf die Beobachtung von Tieren stützt, wertvolle Einsichten in die biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens liefern können. Sie plädiert dafür, die psychiatrische Forschung stärker an die Soziobiologie anzubinden.

ADHS-Forschung an Hunden als Vorbild:

Ein konkretes Beispiel für die Relevanz tierischen Verhaltens für Dr. Davatz‘ Arbeit ist die ADHS-Forschung an Hunden in Finnland. Die Forscher in Finnland untersuchen, ob Hunde ebenfalls ADHS-Symptome zeigen können und welche Rolle die Umwelt bei der Ausprägung dieser Symptome spielt. Dr. Davatz sieht in dieser Forschungsmethode ein Modell für die Untersuchung von ADHS beim Menschen. Sie argumentiert, dass, wenn es möglich ist, Hundebesitzer über die Erziehung ihrer Tiere zu befragen, es auch möglich sein sollte, Eltern von Kindern mit ADHS systematisch zu deren Erziehung und Entwicklung zu befragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Tiere spielen in Dr. Davatz‘ therapeutischem Ansatz keine direkte Rolle, sie werden nicht in die Therapie einbezogen.
  • Tiere dienen ihr als Modell für objektive Verhaltensbeobachtung und als Inspirationsquelle für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze.
  • Dr.med. Ursula Davatz sieht die Soziobiologie, die sich auf die Beobachtung von Tieren stützt, als wichtige Grundlage für das Verständnis menschlichen Verhaltens.
  • Die ADHS-Forschung an Hunden ist für sie ein Vorbild für die Erforschung von ADHS beim Menschen.

https://ganglion.ch/pdf/6_Regierungsraete.pdf

Unterschiede im Verhalten von Frauen und Männern mit ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz beobachtet deutliche Unterschiede im Verhalten von Frauen und Männern mit ADHS/ADS. Sie führt diese Unterschiede vor allem auf die höhere Anpassungsfähigkeit von Frauen zurück.

Frauen mit ADHS/ADS:

  • Anpassungsfähigkeit: Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Frauen generell anpassungsfähiger sind als Männer. Dies führt dazu, dass Frauen mit ADHS/ADS ihre Symptome und Schwierigkeiten oft verbergen und versuchen, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen.
  • Innere Reaktion: Anstatt ihre Schwierigkeiten nach aussen zu tragen, reagieren Frauen mit ADHS/ADS eher nach innen. Sie unterdrücken ihre Bedürfnisse und passen sich übermässig an, was zu emotionalen Problemen wie Depressionen führen kann.
  • Entwicklung von Depressionen: Die ständige Anpassung und Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse kann bei Frauen mit ADHS/ADS zu Depressionen im späteren Lebensalter führen.
  • Fehldiagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung: Dr.med. Ursula Davatz kritisiert, dass Frauen mit ADHS/ADS oft fälschlicherweise mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden. Sie sieht dies als Folge einer zu strengen Erziehung, die den Frauen zu wenig Raum für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit lässt.

Männer mit ADHS/ADS:

  • Äusserliche Reaktion: Männer mit ADHS/ADS reagieren auf Schwierigkeiten eher nach aussen. Sie zeigen ihre Symptome offener und können aggressiv oder impulsiv reagieren.
  • Delinquentes Verhalten: Wenn Männer mit ADHS/ADS nicht lernen, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen, können sie delinquentes Verhalten entwickeln.
  • Flucht vor Konflikten: In Beziehungen neigen Männer mit ADHS/ADS dazu, vor emotionalen Konflikten zu fliehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frauen mit ADHS/ADS ihre Schwierigkeiten eher internalisieren und versuchen, sich anzupassen, während Männer ihre Probleme eher externalisieren. Dies führt zu unterschiedlichen Herausforderungen und Folgeproblemen. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu erkennen, um sowohl Frauen als auch Männer mit ADHS/ADS adäquat unterstützen zu können.

https://ganglion.ch/pdf/nebelspalterinnen_ADHS_ADS_23.9.2024.mp3.pdf