Eigenschaften des Neurotyps ADHS/ADS

Dr. med. Ursula Davatz beschreibt in ihrem Vortrag ADHS und ADS nicht als Krankheiten, sondern als Neurotypen, also als Persönlichkeitsvarianten mit besonderen Eigenschaften. Diese Eigenschaften machen die Betroffenen anfälliger für psychische und physische Probleme, besonders in Stresssituationen und bei ungünstigen Interaktionen mit ihrem Umfeld.

Zu den wichtigsten Eigenschaften des Neurotyps ADHS/ADS gehören:

  • Hypersensibilität: ADHS/ADS-Betroffene sind besonders empfindsam und nehmen ihr Umfeld sehr intensiv wahr. Sie reagieren stark auf Stress und negative Emotionen, was sowohl positive (schnelle Auffassungsgabe, Empathie) als auch negative (erhöhte Verletzlichkeit, schnelle Überforderung) Seiten haben kann.
  • Breite Aufmerksamkeit: Im Gegensatz zu neurotypischen Menschen, die sich in der Regel auf einen Reiz konzentrieren können, haben ADHS/ADS-Betroffene eine breite Aufmerksamkeit. Sie nehmen viele Reize gleichzeitig wahr, was im Frontalunterricht oder bei monotonen Aufgaben zu Konzentrationsschwierigkeiten führt. Andererseits ermöglicht diese breite Aufmerksamkeit auch eine schnelle Reaktion auf Veränderungen im Umfeld und ist in bestimmten Situationen, z.B. im Handel, von Vorteil.
  • Unterschiedliche Aktivitätsmuster: ADHS-Betroffene zeigen ihre Aktivität eher nach aussen, sie sind zappelig, unruhig und können im Unterricht stören. ADS-Betroffene hingegen sind eher nach innen aktiv, sie denken viel nach, träumen und können in ihrer Gedankenwelt versinken.
  • Impulsivität: ADHS/ADS-Betroffene reagieren impulsiv auf emotionale Verletzungen und empfinden Ungerechtigkeiten besonders stark. ADHS-Betroffene reagieren in solchen Situationen oft mit Wutausbrüchen und verbaler Aggression, während ADS-Betroffene sich eher zurückziehen und in ihre eigene Welt flüchten.
  • Schwierigkeiten mit Impulskontrolle: ADHS-Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren. Dies zeigt sich in ihrer Impulsivität, aber auch in anderen Bereichen, z.B. beim Essen oder beim Konsum von Drogen.
  • Kombination mit anderen Störungen: ADHS/ADS tritt oft in Kombination mit anderen Störungen auf, wie z.B. Wahrnehmungsstörungen, Verarbeitungsstörungen und Lernstörungen. Häufig sind Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie).

Dr. Davatz betont, dass diese Eigenschaften nicht per se negativ sind, sondern dass sie in einem förderlichen Umfeld auch zu Stärken werden können.

Zum Beispiel kann die breite Aufmerksamkeit in Berufen, die schnelles Reagieren und Multitasking erfordern, von Vorteil sein. Die Hypersensibilität kann zu einer erhöhten Empathie und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn führen. Auch die Impulsivität kann in bestimmten Situationen hilfreich sein, wenn schnelles Handeln gefragt ist.

Es ist wichtig, den Neurotyp ADHS/ADS als eine Variante der menschlichen Neurodiversität zu verstehen und die Betroffenen in ihrer Individualität zu unterstützen. Anstatt zu versuchen, sie an ein neurotypisches Normmuster anzupassen, sollten ihre Stärken gefördert und ihre Herausforderungen durch geeignete Strategien und Unterstützungsmassnahmen bewältigt werden.

https://ganglion.ch/pdf/adhs-bei-jugendlichen-wendepunkt-1.3.2022-1.pdf

Die drei Kerneigenschaften von ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt in ihren Ausführungen drei Kerneigenschaften, die den Neurotyp ADHS auszeichnen:

  • Breite Aufmerksamkeit: Anders als oft angenommen, liegt bei ADHS keine Aufmerksamkeitsstörung, sondern eine breite Aufmerksamkeit vor. Menschen mit ADHS nehmen viele Reize gleichzeitig wahr und lassen sich leicht ablenken, besonders wenn die Hauptaufgabe als langweilig empfunden wird. Dies kann sowohl als Störung gesehen werden, wenn es um die Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe geht, als auch als Fähigkeit, da ADHS-Betroffene dadurch oft einen guten Überblick über ihre Umgebung haben.
  • Hohe Sensitivität: Menschen mit ADHS zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität in der Wahrnehmung ihrer Umwelt aus . Sie nehmen Details und Nuancen wahr, die anderen Menschen oft entgehen. Diese Sensibilität bezieht sich sowohl auf die kognitive als auch auf die emotionale Ebene. ADHS-Betroffene sind daher oft sehr empathisch und fühlen die Stimmungen ihrer Mitmenschen intensiv.
  • Starke Reaktivität: Die dritte Kerneigenschaft ist eine starke Reaktivität, die sich in Impulsivität und einer schnellen Emotionsverarbeitung äussert . Dies wird oft als mangelnde Impulskontrolle interpretiert. Dr. Davatz betont jedoch, dass diese Reaktivität auch positive Seiten hat: ADHS-Betroffene sind oft begeisterungsfähig und können andere Menschen mitreissen. Die starke Reaktivität kann sich jedoch auch in aggressiven Abwehrreaktionen zeigen, wenn sich die Betroffenen angegriffen fühlen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS nach Dr.med. Ursula Davatz durch eine breite Aufmerksamkeit, hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet ist. Diese Eigenschaften können sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit ADHS zu berücksichtigen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Stärken entfalten und ihre Herausforderungen bewältigen können.

https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf

ADHS-Eigenschaften: Ein Blick auf Fähigkeiten statt Defizite

Dr.med. Ursula Davatz, eine Psychiaterin mit über 40 Jahren Erfahrung im Bereich ADHS, beschreibt ADHS nicht als Krankheit, sondern als genetisch vererbten Neurotyp mit einer veränderten Hirnfunktion. Sie betont, dass es sich bei ADHS um eine Abweichung vom Normtyp handelt, die jedoch nicht pathologisiert werden sollte.

Anstatt sich auf die Defizite zu konzentrieren, die mit ADHS verbunden sind, lenkt Dr.med. Ursula Davatz den Blick auf die Fähigkeiten, die dieser Neurotyp mit sich bringt. Sie spricht von zwei wichtigen Eigenschaften:

1. Breite Aufmerksamkeit:

  • Was oft als Ablenkbarkeit oder Aufmerksamkeitsstörung bezeichnet wird, beschreibt Dr. Davatz als breite Aufmerksamkeit.
  • Diese kann in bestimmten Situationen von Vorteil sein, beispielsweise beim Suchen oder bei der Erkennung von Gefahren.
  • In der Lehre kann die breite Aufmerksamkeit dazu führen, dass Studierende mit ADHS abschalten, wenn der Unterricht zu langweilig ist.
  • Dozierende sollten daher darauf achten, die Aufmerksamkeit der Studierenden immer wieder zu gewinnen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.

2. Starke Impulsivität:

  • Diese Eigenschaft äussert sich in einer schnellen Reaktionsfähigkeit auf Reize.
  • Menschen mit ADHS haben oft eine schlechtere Impulskontrolle und reagieren schneller mit Reden, Handeln und Neugier.
  • Die Impulsivität kann sich auch in Entscheidungsschwierigkeiten zeigen, da ADHS-ler dazu neigen, lange zu überlegen, was die beste Option ist.

Weitere Eigenschaften:

Neben diesen beiden Hauptmerkmalen nennt Dr. Davatz auch weitere Eigenschaften, die häufig bei ADHS-lern auftreten:

  • Sensibilität: Menschen mit ADHS sind oft hochsensibel und reagieren empfindlich auf Kritik und Verletzungen.
  • Aggression: Als Reaktion auf Verletzungen können ADHS-ler, insbesondere Männer, aggressives Verhalten zeigen.
  • Anpassung: Frauen neigen eher dazu, sich anzupassen und ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, was zu Depressionen und Burnout führen kann.
  • Lernprobleme: Einige ADHS-ler haben zusätzlich Lernprobleme wie Legasthenie oder Dyskalkulie.
  • Zwangsverhalten: Wenn ADHS-ler streng erzogen werden und wenig Raum für Fehler haben, können sie zwanghaftes Verhalten entwickeln, um ihren Eltern zu gefallen und Kritik zu vermeiden.
  • Ess-Störungen: In der Pubertät können ADHS-ler, insbesondere Mädchen, Ess-Störungen wie Anorexie oder Bulimie entwickeln, um ihre Emotionen zu kontrollieren.
  • Suchtverhalten: Sowohl Männer als auch Frauen mit ADHS können zu Suchtmitteln greifen, um ihre Emotionen zu regulieren oder sich von Konflikten mit ihren Eltern abzulenken.

Fazit:

Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen zeigen, dass ADHS nicht auf Defizite reduziert werden sollte. Es ist wichtig, die individuellen Stärken von Menschen mit ADHS zu erkennen und zu fördern. Sie plädiert für einen verständnisvollen und respektvollen Umgang mit ADHS, der auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingeht.

https://ganglion.ch/pdf/fachhochschule_ost.pdf

Die Bedeutung der Akzeptanz eigener Eigenschaften für die Selbstregulation

Die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften, einschliesslich der sogenannten „Uneigenschaften,“ spielt eine zentrale Rolle bei der Selbstregulation, insbesondere für Menschen mit ADHS. Dr. med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag, dass diese Akzeptanz die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und positive Veränderung bildet.

Der erste Schritt zur Selbstregulation besteht darin, die eigenen ADHS-bedingten Eigenschaften nicht als Schwächen oder Makel zu betrachten, sondern als Teil des eigenen Persönlichkeitstyps anzuerkennen. Dieser Perspektivenwechsel weg von einem defizitorientierten Krankheitsmodell hin zur Akzeptanz von ADHS als „Neurotyp“ ist essenziell. Anstatt gegen sich selbst und die vermeintlichen „Uneigenschaften“ anzukämpfen, sollte man lernen, sie als Teil seiner Persönlichkeit zu akzeptieren und zu verstehen, wie sie sich im Alltag auswirken.

Erst durch die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften kann man beginnen, sich selbst zu verstehen und mit sich selbst „Freundschaft zu schliessen“, wie Dr. Davatz es ausdrückt. Diese Selbstakzeptanz ist die Voraussetzung dafür, dass man seine Stärken und Schwächen realistisch einschätzt und lernt, mit den Herausforderungen von ADHS umzugehen.

Die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften ermöglicht es auch, sich von den Erwartungen und Normen der Gesellschaft zu lösen und den eigenen Weg zu finden. Man muss nicht versuchen, „normal“ zu sein, sondern kann den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Rhythmus gerecht werden. Gerade Menschen mit ADHS haben oft das Gefühl, anders zu sein und nicht in die Gesellschaft zu passen. Die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften hilft, diese Gefühle zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Es geht darum, sich selbst immer besser kennenzulernen, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und sich selbst mit all seinen Facetten anzunehmen.

Sobald man die eigenen Eigenschaften akzeptiert hat, kann man gezielt an den Aspekten arbeiten, die im Alltag Schwierigkeiten bereiten. Man lernt, die eigenen Stärken zu nutzen und die Herausforderungen von ADHS zu meistern. Dr. Davatz betont, dass es oft viel Zeit und Energie kostet, wenn man versucht, zuerst seine „Uneigenschaften“ zu verändern. Vielmehr sollte man sich zunächst auf seine Stärken und positiven Eigenschaften konzentrieren. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist und seine Persönlichkeit akzeptiert hat, fällt es leichter, an den Aspekten zu arbeiten, die Schwierigkeiten bereiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Akzeptanz der eigenen Eigenschaften, einschliesslich der sogenannten „Uneigenschaften“, die Grundlage für eine erfolgreiche Selbstregulation ist. Sie ermöglicht es, sich selbst besser zu verstehen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und den eigenen Weg zu finden.

https://ganglion.ch/pdf/selbsterz.m4a.pdf

Die zwei wichtigsten Eigenschaften von Menschen mit ADHS/ADS

Laut Dr.med. Ursula Davatz sind die beiden wichtigsten Eigenschaften von Menschen mit ADHS/ADS starke Sensitivität und hohe Reaktivität.

  • Starke Sensitivität: Menschen mit ADHS/ADS haben eine „grenzüberschreitende Aufmerksamkeit“ und einen „Sucherinstinkt“. Sie nehmen Dinge schneller wahr als andere und suchen ständig nach neuen Reizen. Wenn etwas uninteressant ist, wenden sie sich schnell wieder ab. Dieses Verhalten wird oft fälschlicherweise als Aufmerksamkeitsstörung interpretiert. Dr. Davatz erwähnt auch Hochsensibilität als eine Form der Sensitivität, die bei ADHS/ADS-Menschen vorkommen kann. Diese kann alle Sinne betreffen, zum Beispiel eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen oder Berührungen.
  • Hohe Reaktivität: Die Kehrseite der Sensitivität ist eine hohe Reaktivität, die sich in Impulsivität äußert. Menschen mit ADHS/ADS sind leichter störbar als neurotypische Menschen. Dr. Davatz erklärt dies mit der stärkeren Vernetzung zwischen dem emotionalen Gehirn (limbisches System) und dem Denkhirn (Großhirn). ADHS-Typen reagieren auf Störungen mit Aggression, ADS-Typen mit Rückzug.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

Besonders sensible Eigenschaften bei ADHS/ADS Menschen

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt in ihrem Vortrag, dass ADHS/ADS-Betroffene besonders sensibel in Bezug auf Aufmerksamkeit und Reaktionen sind. Sie bezeichnet diese Eigenschaften als „starke Sensitivität“ und „hohe Reaktivität“.

Starke Sensitivität bedeutet in diesem Zusammenhang:

  • Grenzüberschreitende Aufmerksamkeit: ADHS/ADS-Personen haben eine breite Aufmerksamkeitsspanne und einen ausgeprägten Sucherinstinkt. Sie bemerken Dinge oft schneller als andere und sind ständig auf der Suche nach neuen Reizen. Das führt dazu, dass sie schnell das Interesse verlieren, wenn etwas uninteressant wird. Dieses Verhalten wird oft fälschlicherweise als Aufmerksamkeitsstörung interpretiert.
  • Hochsensibilität: Dr.med. Ursula Davatz ordnet Hochsensibilität als eine besondere Form der Sensitivität ein, die sie häufiger bei ADS-Typen beobachtet. Diese kann sich auf alle Sinne beziehen. Manche sind empfindlich gegenüber Geräuschen, andere gegenüber Berührungen (z.B. Wolle). Auch besondere Essgewohnheiten können ein Zeichen von Hochsensibilität sein.

Hohe Reaktivität bei ADHS/ADS-Menschen zeigt sich durch:

  • Impulsivität: ADHS/ADS-Betroffene reagieren oft impulsiv und haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren.
  • Störbarkeit: Sie sind leichter störbar als neurotypische Menschen, da ihr emotionales Gehirn (limbisches System) stärker mit dem Denkhirn (Grosshirn) vernetzt ist. Schon kleine Störungen können ihren Denkapparat „über den Haufen werfen“.
  • Unterschiedliche Reaktionsmuster: Dr.med. Davatz unterscheidet zwischen ADHS- und ADS-Typen in Bezug auf ihre Reaktionen. Der ADHS-Typ reagiert auf Störungen eher mit Aggression und Hyperaktivität. Der ADS-Typ hingegen neigt zu Rückzug und innerem Grübeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sensibilität von ADHS/ADS-Menschen sich in einer erhöhten Aufmerksamkeit für Reize, einer Neigung zur Hochsensibilität und einer starken Reaktivität auf Störungen äussert.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

Typische Eigenschaften von ADHS/ADS-Kindern

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt in ihrem Vortrag verschiedene typische Eigenschaften von ADHS/ADS-Kindern. Sie betont jedoch auch, dass nicht alle Kinder alle diese Eigenschaften gleichermassen aufweisen und jedes Kind individuell betrachtet werden muss.

Aufmerksamkeitsstörung („Attention Deficit“):

  • „Breite Aufmerksamkeit“: Anstatt von einer Aufmerksamkeitsstörung spricht Dr. Davatz lieber von einer breiten Aufmerksamkeit. Diese Kinder haben einen weiten Radar, nehmen viele Reize gleichzeitig wahr und können sich schwer auf eine Sache fokussieren, wenn sie nicht genügend interessiert sind.
  • „Sensation Seeking“: ADHS/ADS-Kinder suchen starke Reize und Herausforderungen.
  • Schnelle Ablenkbarkeit: Wenn der Unterricht oder die elterlichen Anforderungen nicht interessant genug sind, schweifen ADHS/ADS-Kinder schnell ab und lenken sich und andere ab.
  • Hyperfokussierung: Wenn ADHS/ADS-Kinder an einer Sache stark interessiert sind, können sie sich extrem fokussieren und sind dann nur schwer von dieser Sache abzubringen.

Hyperaktivität („Hyperkinese“):

  • Motorische Unruhe: ADHS-Kinder sind oft motorisch unruhig, können nicht still sitzen und zappeln viel herum.
  • Emotionsregulation: Dr. Davatz sieht die Hyperaktivität als eine Form der Emotionsregulation. Durch Bewegung bauen die Kinder überschüssige Energie und negative Emotionen ab.
  • Dopamin-Ausschüttung: Körperliche Aktivität führt zur Ausschüttung von Dopamin, was die Konzentration verbessert.

Impulsivität:

  • Starke Reaktionen: ADHS/ADS-Kinder reagieren impulsiv und oft heftig auf Reize, die sie als störend oder verletzend empfinden.
  • Aggressivität: Die Impulsivität kann sich in aggressivem Verhalten, Schimpfen oder Unhöflichkeit äussern.
  • Mangelnde Impulskontrolle: In der Situation können ADHS/ADS-Kinder ihre Impulse nur schwer kontrollieren. Ihr Verhalten ist dann nicht durch den Intellekt steuerbar.

Sensibilität:

  • Verletzlichkeit: ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und leicht verletzbar.
  • Aggression als Abwehr: Dr. Davatz betont, dass hinter aggressivem Verhalten oft verletzte Gefühle stecken.
  • „Hochsensibilität“: Die Hypersensibilität von ADHS/ADS-Kindern wird heute oft als „Hochsensibilität“ bezeichnet.

Zusätzliche Eigenschaften:

  • Kreativität: ADHS/ADS-Kinder sind oft kreativ und denken unkonventionell.
  • Schwierigkeiten mit Regeln: ADHS/ADS-Kinder haben oft Mühe, sich an Regeln zu halten, und reagieren mit Widerstand auf strikte Vorgaben.
  • Intrinsische Motivation: ADHS/ADS-Kinder sind am ehesten kooperativ, wenn sie intrinsisch motiviert sind.
  • Schlafprobleme: Viele ADHS/ADS-Kinder haben Schwierigkeiten mit dem Ein- und Durchschlafen.
  • Besondere Sinneswahrnehmungen: ADHS/ADS-Kinder können in einzelnen Sinnesbereichen über- oder unterempfindlich sein, beispielsweise beim Hören, Schmecken oder Tasten.

ADS („Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität“):

  • Verträumtheit: ADS-Kinder fallen oft durch ihre Stille und Verträumtheit auf. Sie ziehen sich in ihre Gedankenwelt zurück und wirken abwesend.
  • „Innere Hyperaktivität“: Während ADHS-Kinder ihre Hyperaktivität nach aussen richten, sind ADS-Kinder „innerlich hyperaktiv“. Ihre Gedanken kreisen ständig und lassen sich nur schwer kontrollieren.
  • Späterkennung: ADS-Kinder werden oft erst spät diagnostiziert, da sie weniger auffällig sind als ADHS-Kinder.

Dr. Davatz‘ Ausführungen machen deutlich, dass ADHS/ADS-Kinder besondere Herausforderungen für Eltern und Lehrpersonen darstellen. Gleichzeitig betont sie aber auch, dass diese Kinder viele positive Eigenschaften besitzen, wie Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und Querdenken. Mit dem richtigen Verständnis und der passenden Unterstützung können diese Kinder ihre Potenziale voll entfalten und zu erfolgreichen und glücklichen Erwachsenen heranwachsen.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf

Zwei wichtige Eigenschaften des Neurotyps ADHS nach Dr.med. Ursula Davatz

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt in den bereitgestellten Quellen zwei zentrale Eigenschaften, die den Neurotyp ADHS kennzeichnen:

1. Hohe Sensibilität:

  • Menschen mit ADHS nehmen mehr Reize und Informationen aus ihrer Umgebung wahr als neurotypische Menschen.
  • Dr. Davatz bezeichnet dies als „breite Aufmerksamkeit“, im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung einer Aufmerksamkeitsstörung.
  • Diese erhöhte Sensibilität kann dazu führen, dass ADHS-Betroffene schnell überfordert und reizüberflutet sind.
  • Sie reagieren empfindlicher auf Kritik und Zurückweisung und sind leichter verletzlich.
  • Davatz betont, dass diese hohe Sensibilität auch eine Gabe sein kann, die in bestimmten Berufen, wie zum Beispiel in der Medizin, von Vorteil sein kann.

2. Schwache Impulskontrolle:

  • Menschen mit ADHS haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren und ihre Emotionen zu regulieren.
  • Dies kann sich in impulsivem und aggressivem Verhalten äussern, besonders wenn sie sich verletzt oder frustriert fühlen.
  • Dr. Davatz spricht in diesem Zusammenhang von „reaktiver Impulsivität“, die besonders bei Jungen häufig zu aggressivem Verhalten führt.
  • Sie betont aber auch, dass diese Impulsivität nicht böswillig ist, sondern aus der Unfähigkeit resultiert, die eigenen Emotionen zu kontrollieren.
  • ADHS-Betroffene müssen erst lernen, mit ihren Impulsen umzugehen und alternative Strategien zur Emotionsregulation zu entwickeln.

Zusammenhang zwischen den beiden Eigenschaften:

Die hohe Sensibilität und die schwache Impulskontrolle bedingen sich gegenseitig. Die intensive Wahrnehmung von Reizen führt zu einer starken emotionalen Erregung, die aufgrund der schwachen Impulskontrolle nur schwer kontrolliert werden kann. Aggressives Verhalten ist dann oft ein Ventil, um die aufgestaute emotionale Spannung zu entladen.

Wichtig: Dr. Davatz betont in den Quellen immer wieder, dass ADHS kein Makel oder eine Krankheit ist, sondern eine andere Art, die Welt zu erleben und zu verarbeiten. Es ist wichtig, ADHS-Betroffene mit Verständnis und Empathie zu begegnen und ihnen zu helfen, ihre Stärken zu entwickeln und ihre Herausforderungen zu meistern.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf