Das Autismus-Spektrum: Ein Einblick in die Besonderheiten

Dr. med. Ursula Davatz beleuchtet in ihren Ausführungen auch das Autismus-Spektrum (ASS) und betont, dass bei diesen Menschen oft eine stärkere Beteiligung in bestimmten Hirnarealen vorliegt. Häufig betrifft dies den Bereich des Spracherwerbs und -ausdrucks. Manche Autisten können gut lesen, aber nicht gut sprechen, während andere gut sprechen, aber Schwierigkeiten mit der schriftlichen Sprache haben. Dr. Davatz sieht in der Beteiligung der Sprachzentren eine der Hauptursachen für die Herausforderungen, denen Autisten im Alltag begegnen.

Ursprünglich wurde der Begriff „Autismus“ im Zusammenhang mit der Schizophrenie verwendet, um einen Zustand zu beschreiben, in dem die Kommunikation stark beeinträchtigt ist und Betroffene sich zurückziehen. Dr. Davatz zieht eine Parallele zwischen diesem ursprünglichen Verständnis von Autismus und den Schwierigkeiten im Spracherwerb und -ausdruck, die bei ASS häufig auftreten. Die Beeinträchtigung der Kommunikation, so Dr. Davatz, führt zu Missverständnissen und Stress sowohl für Autisten als auch für ihr Umfeld.

Regelmäßigkeit und Struktur spielen für Menschen mit ASS eine wichtige Rolle. Gerät diese Regelmäßigkeit durcheinander, kann dies zu starken Reaktionen führen, wie Dr. Davatz anhand eines Beispiels mit einem Kind illustriert, das einen Fragebogen aufgrund eines Fehlers nicht weiter ausfüllen konnte.

Dr. Davatz ordnet das ASS in ihren Ausführungen dem ADS-Spektrum zu und betont, dass ASS eine zusätzliche kognitive Verarbeitungsstörung mit sich bringt. Sie räumt jedoch ein, dass ihr Bedürfnis nach Ordnung sie dazu veranlasst, diese Zuordnung vorzunehmen.

Im Umgang mit Menschen mit ASS empfiehlt Dr. Davatz ähnliche Strategien wie bei ADHS und ADS:

  • Beobachtung und Zuhören: Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Kommunikationsweisen von Autisten zu verstehen und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen.
  • Geduld: Autisten brauchen Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu reagieren. Geduld und Verständnis sind unerlässlich.
  • Klare Kommunikation: Aufgrund der Herausforderungen in der Kommunikation ist es besonders wichtig, klar und deutlich zu kommunizieren und Missverständnisse zu vermeiden.
  • Einbeziehung in Problemlösungen: Anstatt Lösungen vorzugeben, sollten Autisten in die Problemlösungsprozesse einbezogen werden.
  • Kreativität: Kreative Lösungsansätze, die über vorgefertigte Muster hinausgehen, sind wichtig, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen machen deutlich, dass das Autismus-Spektrum vielfältig ist und jeder Autist einzigartige Bedürfnisse und Herausforderungen hat. Ein respektvoller und verständnisvoller Umgang ist entscheidend, um Autisten die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Hypersensibilitaet_und_Autismus.m4a.pdf

Diskussion über die Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Dr.med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin, liefert in ihrem Vortrag wertvolle Erkenntnisse über die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und den Umgang mit betroffenen Personen. Sie betont die genetische Verwandtschaft zwischen ASS, Schizophrenie, bipolarer Störung, schwerer Depression und ADHS/ADS und verweist auf Studien, die einen gemeinsamen veränderten Genlocus bei diesen Erkrankungen zeigen.

Besonderheiten von Autisten:

  • Soziale Zurückgezogenheit: Autisten sind häufig sozial zurückgezogen und es kann schwierig sein, an sie heranzukommen. Im Extremfall bricht die Kommunikation komplett ab. Dies ist vergleichbar mit dem Verhalten von Schizophrenen, die sich ebenfalls zurückziehen können. Der Extremzustand bei Schizophrenie ist die Katatonie, bei der Betroffene zwar noch wahrnehmen, aber handlungsunfähig sind.
  • Fehlende Empathie?: Es wird oft behauptet, dass Autisten keine Empathie haben. Dr. Davatz widerspricht dieser Annahme und erklärt, dass Autisten sehr wohl Empathie empfinden. Allerdings können sie aufgrund von Schwierigkeiten bei der Gesichtserkennung (Agnosie) und Scheuheit die Mimik ihres Gegenübers nicht richtig deuten. Blickkontakt wird von Autisten oft als Bedrohung empfunden, was zu weiterem Rückzug führt.
  • Hypersensitivität: Autisten sind hypersensibel und reagieren empfindlich auf Reize aus ihrer Umwelt.
  • Bedürfnis nach Struktur: Sie brauchen klare Strukturen und Routinen, um sich sicher zu fühlen. Änderungen können zu Verunsicherung und starken emotionalen Reaktionen, bis hin zu Wutausbrüchen, führen.
  • Störungen im Spracherwerb: Manche Autisten haben Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb und sind nicht so gut im Formulieren. Dies kann dazu führen, dass sie weniger kommunizieren, da sie unsicher sind, ob sie sich richtig ausdrücken können.
  • Hyperverbale Bezugspersonen: Oft haben Autisten in ihrem Umfeld Personen, die übermässig viel für sie sprechen, was dazu führt, dass der Autist selbst noch weniger spricht.

Genetische Veranlagung und gesellschaftliche Einflüsse:

Obwohl die Gene sich nicht vermehrt haben, wird die Diagnose ASS heute häufiger gestellt. Dr. Davatz führt dies auf ungünstige gesellschaftliche Entwicklungen zurück. Die zunehmende Beschleunigung und der Fokus auf Effizienz und Leistung in der Gesellschaft lassen weniger Zeit für einen sensiblen Umgang mit Autisten.

Umgang mit Autisten:

  • Teilnehmende Beobachtung: Dr. Davatz empfiehlt die „teilnehmende Beobachtung“ als wichtigen Ansatz im Umgang mit Autisten. Anstatt den Autisten passiv zu beobachten, sollte man in Beziehung zu ihm treten, ohne ihn zu überfordern. Durch aufmerksame Beobachtung und Interaktion kann man seine Bedürfnisse und Signale besser verstehen.
  • Low Arousal State: Im Umgang mit Autisten ist es wichtig, selbst ruhig und gelassen zu sein. Aufgeregte oder ungeduldige Kommunikation kann den Autisten zusätzlich stressen.
  • Authentizität: Autisten spüren Unehrlichkeit. Authentisches Verhalten und ein ehrlicher Ausdruck der eigenen Emotionen schaffen Vertrauen.
  • Kooperation statt Gehorsam: Anstatt Befehle zu erteilen, sollte man Autisten zur Kooperation einladen.
  • Geduld: Autisten brauchen oft mehr Zeit, um Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen. Geduld ist daher essentiell.
  • Worst-Case-Szenario erfragen: Um Ängste und Blockaden zu verstehen, kann es hilfreich sein, den Autisten nach seinem „Worst-Case-Szenario“ zu fragen.

Berufliche Integration:

Die berufliche Integration von Autisten ist eine Herausforderung.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Empfehlungen:

  • Talente erkennen: Man sollte die Talente und Begabungen des Autisten erkennen und fördern.
  • Passendes Arbeitsumfeld: Das Arbeitsumfeld sollte den Bedürfnissen des Autisten entsprechen und ihm Sicherheit und Struktur bieten.
  • Beziehungsaufbau: Eine vertrauensvolle Beziehung zu den Arbeitskollegen ist essentiell.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Autisten besondere Bedürfnisse und Herausforderungen haben. Ein respektvoller, geduldiger und einfühlsamer Umgang, der ihre Individualität und Stärken berücksichtigt, ist entscheidend, um ihnen ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben zu ermöglichen.

https://ganglion.ch/pdf/Wendepunkt-ASS-26.11.2024.m4a.pdf

Autismus Spektrum Störung

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

26.11.2024

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Audio

[00:00:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse alle zu der heutigen Weiterbildung.

[00:00:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Vierteljahrhundert habe ich zusammen mit dem Wendepunkt gearbeitet.

[00:00:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht mein Wissen weiterzugeben. Das versuche ich heute noch ein letztes
Mal.

[00:00:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mich auch gerne zum Thema Jugend einladen.

[00:00:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es toll, dass sie ihren Fokus auf die Jugend legen wollen.

[00:00:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bringt es, wenn man wartet, bis alles schief gelaufen ist und dann kommt man
wieder mit Verbesserungsmethoden rein.

[00:00:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das nur unterstützen.

[00:00:45.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Adoleszentenpsychiatrie war mir immer ein grosses Anliegen, auch wenn ich ein
Psychiater für Erwachsene bin.

[00:00:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit vielen Adoleszenten gearbeitet und viele Familien durch die
Pubertätskrisen begleitet.

[00:00:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heutige Thema ist Autismus Spektrum Krankheit, ASS.

[00:01:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo die Ärzte nicht genau abgrenzen können, in der Psychiatrie kann man das
ohnehin nicht so gut, spricht man von der "Spektrum Krankheit". Das ist eine elegante
Methode, möglichst viel reinzupacken.

[00:01:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist abgeleitet vom Begriff Autismus. Früher hat man auch gesagt Asperger.

[00:01:29.198] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein österreichischer Kinderarzt im letzten Jahrhundert.

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte die intelligenten Kinder vor der Vernichtung durch Adolf Hitler schützen.

[00:01:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die autistischen Kinder hat er gesagt: die sind ganz speziell intelligent.

[00:01:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt nicht, dass alle autistischen Kinder sehr intelligent sind.

[00:02:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Eine ist das Verhalten und das Andere ist die Intelligenz.

[00:02:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt hochintelligente autistische Kinder, Erwachsene.

[00:02:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zeichnet die autistischen Menschen aus? Was für ein Verhalten zeichnet die
autistischen Menschen aus?

[00:02:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sozial zurückgezogen, man kommt nicht gut an sie ran.

[00:02:21.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Im extremen Zustand ist dann die Kommunikation mit ihnen abgebrochen.

[00:02:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich hat man den Begriff Autismus und autistisches Verhalten eigentlich für die
Schizophrenen verwendet.

[00:02:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man auch die Erfahrung gemacht, dass die dann sehr zurückgezogen sind.

[00:02:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Extremzustand bei den Schizophrenen, der extreme autistische Zustand ist eine
Katatonie, wo sie alles noch wahrnehmen, aber völlig handlungsunfähig sind, sich nicht
bewegen können, nichts mehr möglich ist.

[00:03:03.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Fight/Kampf, Flight/Flucht, Freeze/Totstellreflex, das wäre der
Totstellreflex und der vierte Reflex: Tease.

[00:03:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten oder Provokationsverhalten, welches sehr stark im
Pubertätsalter auftritt.

[00:03:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierendes Necken – was sich liebt, das neckt sich – ist ein Annäherungsverhalten.

[00:03:22.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist kann das nicht mehr.

[00:03:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gegenüber den Autisten neckt, zieht sich dieser noch mehr zurück.

[00:03:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der vierte Reflex ist ein spezieller Reflex und tritt bei den Autisten nicht auf.

[00:04:13.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein gutes Verhältnis mit dem Autisten hat, dann könnte man es auch
anwenden aber nur innerhalb von einer Beziehung.

[00:04:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich mit der Genetik. Genetik ist wichtig in der Medizin.

[00:04:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS, Studien, welche die ganze Gensequenz analysieren.

[00:04:42.100] – Dr.med. Ursula Davatz
h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i /
Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.

[00:04:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat versucht die Gensequenz mit psychiatrischen Krankheiten zu korrelieren.

[00:05:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dabei herausgekommen?

[00:05:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie, die bipolare Störung (manisch-depressiv), der Autismus, die
schwere Depression und ADHS/ADS hatten den gleichen veränderten Genlocus.

[00:05:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Daraus schliesse ich: die sind alle miteinander verwandt.

[00:05:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die genetische Konstellation ist das ADHS/ADS.

[00:05:28.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob ADHS/ADS genetisch unterschiedlich sind, kann ich nicht sagen.

[00:05:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind bei sehr sensitiv. Der ADHSler reagiert nach aussen (hyperaktiv,
aggressiv) und der ADSler reagiert nach innen (Nachdenken).

[00:05:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das viele Nachdenken haben die Autisten auch. Sie leisten sehr viel Hirnarbeit und
verknüpfen sehr viele Dinge miteinander. Sie kommen nicht so schnell zu einem
Schluss.

[00:05:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Autisten sind alle sehr sensibel, hypersensibel. Daraus wird eine neue Diagnose
gemacht.

[00:06:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das alles das Gleiche.

[00:06:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Störung im Spracherwerb haben.

[00:06:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind nicht so gut im Formulieren.

[00:07:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat erst im Alter von 5 Jahren sprechen gelernt. Er konnte denken und
hören; sprechen konnte er nicht.

[00:07:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, wenn man gewisse Mühe im Spracherwerb hat, dann
kommuniziert man nicht, weil man nicht weiss, ob man es richtig sagen kann.

[00:07:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So können die anderen Personen ringsum die Kommunikation übernehmen.

[00:07:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Personen haben in ihrem Umfeld oft eine hyperverbale Bezugsperson.

[00:07:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Mutter sein, es kann der Vater sein, es kann ein Geschwister sein.

[00:07:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Je mehr man für sie spricht, desto weniger sprechen sie selber. Das gibt einen
Aufschaukelungsprozess.

[00:08:02.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Je weniger der Autist redet, desto mehr versucht das Umfeld für ihn zu sprechen, desto
mehr deckt man den Autisten zu mit seinem reden.

[00:08:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann verzweifeln. Menschen sind gewohnt zu kommunizieren, wir wollen ein
Feedback vom Gegenüber, wir werden ganz verzweifelt und verrückt, wenn jemand
nicht antwortet.

[00:08:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In Königsfelden wurde ein Film gedreht, wo Pfleger ausgerastet sind, weil die Patienten
nicht gesprochen haben. Die Patienten wurden misshandelt.

[00:08:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir kommen in einen Notstand rein, wenn jemand nicht mit uns kommuniziert. Das ist
ganz schwierig zum aushalten.

[00:08:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Agnosie haben.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man oft: sie haben keine Empathie.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[00:09:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Mimik nicht erkennen, sie können ihr Gegenüber nicht lesen.

[00:09:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind sie so scheu, dass sie einem gar nicht anschauen.

[00:09:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man jemanden nicht anschaut, kann man auch nicht sein Gesicht lesen.

[00:09:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann die Scheuheit sein, es kann die Agnosie sein, dass einem der Autist nicht
erkennt.

[00:09:26.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gewisse Fehlerhaftigkeit in der Bilderkennung.

[00:09:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
https://tu-dresden.de/med/der-bereich/news/neue-erkenntnisse-ueber-die-visuelle-wahrnehmung-bei-autismus-unterschiede-in-einer-pfefferkorngrossen-gehirnstruktur

[00:09:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Schizophrenen sollte man nicht in die Augen schauen. In die Augen zu schauen
kann schon eine Bedrohung sein.

[00:10:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule gibt es Spiele: wer kann dem Anderen länger in die Augen schauen? Wer
kann länger dem anderen in die Augen schauen? Wer muss dann wegschauen?

[00:10:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Hunden in die Augen schaut, fühlen sie sich auch bedroht. Sie beginnen
zu bellen.

[00:10:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man einem Weissbüscheläffchen direkt in die Augen geschaut hat, hat es
begonnen sich zu kratzen.

[00:10:34.928] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2024/Weissbueschelaffen.html

[00:10:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen nesten in den Haaren, wenn wir unsicher werden.

[00:10:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten fühlen sich durch den Blickkontakt oft bedroht. Das direkte Anschauen ist eine
Bedrohung für Autisten.

[00:11:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil sie so sensibel sind, empfinden sie den Blickkontakt schon als Bedrohung.

[00:11:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf Autisten zu stark einredet, dann zieht sich dieser immer mehr zurück.

[00:11:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine aktive Gesellschaft, wir wollen im Rendite, Effizienz, usw.

[00:11:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier laufen die Autisten schnell in eine schwierige Situation rein.

[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man drängt sie immer mehr in einen Rückzug.

[00:11:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie lernt man: never pursue a distancer.

[00:11:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der sich distanziert, den darf man nicht verfolgen.

[00:11:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die fühlen sich dann wirklich verfolgt.

[00:12:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Wir sind es gewohnt, dass es immer schnell gehen muss, immer
effizient gehen muss.

[00:12:12.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nichts zurückkommt, beginnen wir damit, dem hinterher zu rennen.

[00:12:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt natürlich nichts.

[00:12:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Fall, wo ein Autist nicht geschwatzt und nicht geschrieben hat. Diesem
Jungen gab man Ritalin und dann hat er plötzlich mit Schreiben begonnen. Das ist
interessant.

[00:12:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sieht man den Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.

[00:13:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein ganzheitliches Organ. Da kommt immer alles zusammen. Man kann
es von verschiedenen Seiten her angehen.

[00:13:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit wird die Autismus-Spektrum Diagnose viel mehr gestellt.

[00:13:18.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es mehr davon? Haben sich diese Gene vermehrt?

[00:13:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich führe alles auf ADHS/ADS zurück.

[00:13:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene sind nicht mehr geworden.

[00:13:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit diesen Leuten ist ungünstiger geworden.

[00:13:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir durchlaufen eine Beschleunigung.

[00:13:57.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der KI laufen viele schnelle Veränderungen ab.

[00:14:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat nicht mehr genügend Zeit für die Autisten. Das Umfeld kann sich nicht
sorgfältig genug mit den Autisten auseinandersetzen. Man will sie nur vorwärts bringen.

[00:14:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man sie drängt, desto schlechter funktionieren sie.

[00:14:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt das was ich für ADHS/ADS sage: sie müssen intrinsisch motiviert sein.

[00:14:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Extrinsische Motivation funktioniert gar nicht für ADHS/ADS.

[00:14:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen klare Strukturen. Am Tisch wollen sie immer am gleichen Ort
sitzen.

[00:15:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen Kaffee serviert, muss der Kaffeelöffel immer gleich liegen.

[00:15:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lassen sich so leicht verunsichern. Sie haben eine gewisse Zwanghaftigkeit.

[00:15:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind ausgerastet, wenn die Mutter etwas anders hingelegt hat, wenn der
Bruder etwas verlegt hat.

[00:15:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen eine fixe Struktur, die ihnen Sicherheit gibt.

[00:15:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen die zum Teil selber. Wenn sie noch Kinder sind, muss das Umfeld die
Struktur für sie machen.

[00:15:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann ihre Struktur zerstört, werden sie völlig verunsichert und kommen in
eine Kampfreaktion. Dann gibt es ein grosses Theater.

[00:15:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denkt man: was ist los, wieso reagiert der/die so schlimm?

[00:16:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist weil sie die Sicherheit verlieren.

[00:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt häufig, dass sie keine Empathie haben.

[00:16:32.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam hat einen autistischen Sohn und wollte in Lausanne den Autismus mit KI
erforschen.

[00:16:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Markram

[00:16:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam sagt: ja, die Autisten haben Empathie.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie System Overload machen, funktionieren sie nicht mehr.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir überlastet sind, können wir in unserem Umfeld nichts mehr wahrnehmen.

[00:17:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die so sensibel sind, ist ihnen alles schnell zu viel. Dann können sie ihr Umfeld
nicht mehr wahrnehmen.

[00:17:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer beruhigen, runter fahren. Erst dann können die Autisten wieder
wahrnehmen.

[00:17:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich ihnen anpassen.

[00:17:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt sehr erfolgreiche Autisten.

[00:17:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein ist ein erfolgreicher Autist. Aus der ersten Ehe hatte er einen
schizophrenen Sohn. Das ist die Genverwandschaft.

[00:17:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Frau musste ihm sagen wann er schlafen, essen, trinken, auf die Toilette gehen
muss. Sie musste sich um ihn sorgen.

[00:18:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten ihren Focus finden, einen wissenschaftlichen Focus, können sie eine
hohe Leistung erbringen. Sie analysieren alles sehr genau und finden dadurch neue
Dinge heraus.

[00:18:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können besser grenzüberschreitend denken. Somit können sie gut neue
Dinge erfinden.

[00:18:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher erfolgreiche Autisten, Künstlerinnen, Dichterinnen, Malerinnen. Die
Männer sind eher in der Wirtschaft erfolgreich.

[00:18:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher gibt es in vielen Bereichen autistisch veranlagte Menschen, die sehr erfolgreich
sind.

[00:19:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss sie schützen und die Aufgaben, welche sie nicht können, für sie
übernehmen.

[00:19:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz

In der gewöhnlichen Arbeit brauchen Autisten/ADSler länger um eine Entscheidung zu
treffen.

[00:19:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen zuerst alle Bifurkationen durch, bis sie sich für einen Weg entscheiden
können.

[00:19:38.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich in der täglichen Arbeit nicht sehr hilfreich. Dort sind sie stark
verlangsamt.

[00:19:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen länger für eine Arbeit, länger für einen Text. In der Schule brauchen sie
zusätzliche Zeit.

[00:19:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie geht man mit Autisten um?

[00:19:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende einen Begriff, den man kennt aus der Tierforschung, aus der
Soziobiologie kennt.

[00:20:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der teilnehmenden Beobachtung.

[00:20:24.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autisten nicht hinter einem Glasfenster beobachten, denn dann fühlt er
sich nicht wahrgenommen.

[00:20:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen in eine Beziehung treten, ohne dass sie die Autistin, den Autisten
überrennen, überfordern.

[00:20:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man teilnehmende Beobachtung.

[00:20:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Primatenforscher, wie Jane Goodall, die hat Gorillas im Feld beobachtet, hat mit
ihnen interagiert hat mit ihnen kommuniziert.

[00:21:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jörg Hess, ein Schweizer Forscher, hat 50 Begriffe von den Gorillas gelernt.

[00:21:00.361] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.spektrum.de/magazin/menschenaffen-mutter-und-kind/824693

[00:21:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Affen können nicht schwatzen, sie können nur Laute machen.

[00:21:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihren Kehlkopf nicht so anpassen, wie wir das können, weil sie nicht so
verschaltet sind.

[00:21:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren trotzdem miteinander.

[00:21:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat ungefähr 50 Begriffe gelernt.

[00:21:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren sicher auch mit der Mimik.

[00:21:37.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss beobachten: was meint er jetzt, was stört ihn jetzt, was will er jetzt?

[00:21:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal war ein Primatologe.

[00:21:37.246] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

[00:21:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines seiner Bücher heisst: der Affe in uns.

[00:21:42.678] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:22:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich bei den Menschen nicht weiterkam, bin ich zu den Tieren gegangen und habe
dort beobachtet. Dort kann ich besser objektiv sein.

[00:22:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen habe ich natürlich meine Vorurteile und meine Moral.

[00:22:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Tiere beobachtet kann man neutraler sein.

[00:22:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Marte Meo Methode eignet sich sehr gut im Umgang mit Autisten.

[00:22:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA hat ihren Mitarbeitern die Methode beigebracht. Selber habe ich die Methode
nicht gelernt.

[00:22:38.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man interagiert miteinander, man verlangsamt alles und man sagt dann: bin ich richtig in
dieser Annahmen.

[00:22:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man füttert dem Gegenüber die eigene Wahrnehmung zurück und dann kann dieser
korrigieren: nein ich habe eher das gemeint.

[00:22:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verlangsamung der Beobachtung.

[00:23:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe für Ivan Boszormenyi-Nagy von Deutsch auf Englisch und Englisch auf
Deutsch übersetzt.

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Iv%C3%A1n_B%C3%B6sz%C3%B6rm%C3%A9nyi-Nagy

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Beobachtungen hat man zweimal gesagt.

[00:23:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat eine Intensivierung und eine Präzisierung, eine Differenzierung der
Wahrnehmung mit sich gebracht.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft es bei der Marte Meo Methode. Man validiert immer das Gegenüber.

[00:23:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht zu spüren: habe ich es jetzt richtig verstanden?

[00:23:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich selber einbringt, die Interaktion und Beziehung läuft über etwas
einbringen.

[00:23:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich einbringen, ohne dass man etwas will.

[00:23:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt komisch.

[00:23:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Definition der Kommunikation ist, dass man beim anderen immer etwas erreichen
möchte.

[00:24:05.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autisten darf man nichts erreichen wollen. Man kann es ihm nur zur Verfügung
stellen.

[00:24:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur etwas Verfügung stellen.

[00:24:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich sehe es so.

[00:24:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann er es nehmen oder auch nicht nehmen.

[00:24:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom allerschwierigsten in unserem Helferberuf.

[00:24:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind nicht direkt in einem Helferberuf aber sie haben helfende Rollen.

[00:24:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Müttern, welche in der Pubertät Schwierigkeiten mit ihren Kindern haben, sage
ich: sie dürfen ihre Meinung sagen. Sie dürfen nichts wollen.

[00:24:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich selber prüfen, ob man das einfach so in den Raum zur Verfügung
stellen kann oder nicht.

[00:24:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll das Gegenüber nicht zu irgendetwas drängen wollen.

[00:24:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Autisten drängen möchte, gibt es Widerstand und dann geht gar nichts
mehr.

[00:24:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Für uns aktive Menschen ist das etwas vom Allerschwierigsten.

[00:25:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den Worten nicht durch kommt, wenn sie noch Mühe haben im
Spracherwerb, sehr kritisch sind mit sich selber, könnte man auch noch anders
kommunizieren.

[00:25:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann über Musik kommunizieren, über Zeichnen kommunizieren.

[00:25:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer psychiatrischen Tagung konnte man für Familien Instrumente auswählen um
zusammen eine Band zu machen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit allem Musik machen, z.B. Pfannendeckel oder Schwingbesen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht per Wort kommuniziert, kann man über andere Methoden
kommunizieren. Dann ist der Autist nicht mehr so im Nachteil.

[00:26:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit einem Autisten kommunizieren, müssen sie immer im Low Arousal State
sein.

[00:26:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ruhiger sein, als ihr Gegenüber.

[00:26:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie übererregt, nervös und ungeduldig sind, dann geht gar nicht.

[00:26:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich vom Autist wieder zum Schizophrenen gehe: der akute psychotische Zustand
ist an sich ein Zustand von High Arousal; also emotional sehr stark erregt.

[00:26:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Buch geschrieben über die emotionale Monsterwelle, AD(H)S und
Schizophrenie.

[00:27:00.962] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:27:01.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der stark erregte Gemütszustand (High Arousal) macht dann, dass alles
zusammenbricht.

[00:27:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nicht kommunizieren, wenn sie selber erregt sind, warten bis sie runter
kommen, erst dann ruhig kommunizieren.

[00:27:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man jeder Mutter sagen, welche ein hoch emotionales, impulsives Kind hat.

[00:27:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht Impulsivität mit Impulsivität bekämpfen wollen.

[00:27:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Autist ganz zurückgezogen ist und man treibt ihn in die Ecke, kann er auch
einen Raptus haben, hochaggressiv werden und dann geht gar nichts mehr.

[00:27:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich immer zuerst selber runter holen, nicht aufgeregt sein, erst kommunizieren wenn
man die Ruhe hat.

[00:27:50.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Keinen Befehl geben: mach jetzt das.

[00:27:59.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: könntest du mir vielleicht dabei helfen?

[00:28:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können wir zusammen machen; also eher zur Kooperation auffordern als zur
Gehorsamkeit auffordern.

[00:28:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt für ADHS/ADS.

[00:28:22.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind hoch sensibel, sie nehmen alles sehr gut war.

[00:28:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la Musique.

[00:28:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können gar nichts vortäuschen.

[00:28:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen absolut authentisch sein.

[00:28:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sauer sind, dürfen sie das zeigen.

[00:28:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht verwendet werden, um das Gegenüber zu irgendetwas zu bringen.

[00:28:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf authentisch sein. Wir sind auch nur Menschen und manchmal ertragen wir es
nicht mehr so gut und dann darf man auch zu sich stehen.

[00:29:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man bei sich bleibt.

[00:29:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: jetzt musst du endlich vorwärts machen, ich halte es nicht mehr aus. Das
geht gar nicht.

[00:29:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann sie nicht mit den eigenen Emotionen motivieren.

[00:29:15.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind eine sehr gute Schule, um mit den eigenen Emotionen ehrlich und ruhig
umzugehen und auch die eigenen Emotionen besser kennenzulernen. Sie sind ein
Feedback.

[00:29:49.640] – Bemerkung 1
Hat selektiver Mutismus mit Autismus etwas zu tun?

[00:29:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie kann man keine genaue Diagnose stellen.

[00:29:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein lernendes Organ, ein Anpassungsorgan, das sich ständig ändert. Je
nach Gegenüber spiegelt das Gehirn etwas anderes.

[00:30:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit selektivem Mutismus retten sich die Psychiater.

[00:30:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein ganzer Autismus, in gewissen Bereichen funktioniert die Person noch sehr
gut in anderen Bereichen nicht.

[00:30:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man vom selektiven Mutismus.

[00:30:33.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ein Beschiss.

[00:30:43.190] – Bemerkung 1

Es ist also eher eine Form von Autismus.

[00:30:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.

[00:30:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von selektiv spricht, funktioniert die Person gut mit jemandem, die gut mit
Autisten umgehen kann.

[00:30:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei anderen Leuten funktioniert sie gar nicht.

[00:31:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist selektioniert die Leute, mit denen er es kann. Mit denen er es nicht kann,
spricht er gar nicht mehr.

[00:31:28.360] – Bemerkung 1
Er lernt Lastwagenchauffeur und ich bin gespannt wo es selektiv sein wird.

[00:31:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Selektion können sie sehen, wie gut sie es mit ihm machen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo er nicht reagiert, ist ein Fehler drinnen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo es gut läuft, dort pflegt jemand den korrekten Umgang mit ihm.

[00:31:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund folgt auch nicht jeder Person gleich.

[00:31:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist an dieser Stelle nicht anders.

[00:31:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der psychiatrischen Diagnose schaut man immer nur die kranke Person an.

[00:31:56.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Interaktionsorgan.

[00:31:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sich das Gegenüber verhält, hängt immer vom Gesunden ab, wie er mit dem
Autisten umgeht. Das wird immer ausgelassen.

[00:32:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihre eigene Studie machen.

[00:32:20.160] – Bemerkung 1
Ich bleibe dran.

[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche viel Spass dabei.

[00:32:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind gute Lehrmeister, weil sie sehr genau sind.

[00:32:57.930] – Bemerkung 2
Ich arbeite in der beruflichen Integration. Der Autist muss in seinem Gebiet arbeiten
können, den Resten muss das Umfeld übernehmen. Wo sind die Arbeitgeber? Wie
gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sie integriert?

[00:33:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eingliederung ist eingeschränkt.

[00:33:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man rausfinden: wo sind die Talente, Begabungen des Menschen,
bevor man sie irgendwo reindrückt. Was könnte dieser Person entgegen kommen?

[00:34:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sorgfältig suchen gehen.

[00:34:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit ist das eine. Wichtiger sind die Arbeitskollegen im Arbeitsumfeld.

[00:34:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind sehr abhängig von den Arbeitskollegen.

[00:34:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es so verkaufen: anhand von Autisten kann man viel lernen.

[00:34:48.850] – Bemerkung 2
Sie sind auch fähig etwas zu lernen. Ich erinnere mich an die Aussage, dass es keine
Entschuldigung ist, ein Autist zu sein. Auch er kann lernen.

[00:34:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Beziehung herstellen kann, haben sie Vertrauen in einem. Dann kann
man auch mehr fordern.

[00:35:04.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man eine Beziehung hat, kann man fordern.

[00:35:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Fordert man etwas von einem Autisten, bevor man eine Beziehung zu ihm hat, dann
geht gar nichts.

[00:35:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Herausfinden, wo das Talent ist, Beziehung herstellen und dann schauen, wo man die
Person platzieren kann. Es läuft über die Beziehung.

[00:35:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung fühlt sich der Autist sicher.

[00:35:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung sind sie verloren. Dann sind Autisten zwanghaft.

[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten eine Beziehung haben, werden sie flexibler. Dann können sie auch
lernen.

[00:35:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haltung ist wichtig: wir machen das zusammen. Du kannst das lernen. Kleine
Fortschritte kann man loben, sich daran freuen.

[00:35:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn von Autisten ist lernfähig. Sie sind einfach hyper sensibel, dass sie schnell
wieder auf die Flucht gehen, die Flucht nach innen.

[00:36:09.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder machen dann Schulverweigerung.

[00:36:15.140] – Bemerkung 3
Es gab drei Assessments. Beim dritten konnte die Autistin nicht aus dem Auto
aussteigen. Sie möchte in der Chemie Industrie arbeiten. Vor dem Lift ist sie zusammen
gebrochen und musste wieder nach Hause gehen. Es war zuviel neues. Es ist

spannend und herausfordernd. Wo ist die Grenze? Wie kann man die Grenze
erweitern? Alleine das Vorstellungsgespräch kann sehr schwierig sein.

[00:37:02.060] – Bemerkung 3
Einen Autisten ich zur Berufsmesse begleitet. Er ist mir fast in die Hosentasche
gestiegen. Es war gut, um die Arbeitsbeziehung aufzubauen.

[00:37:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:37:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand vor dem Vorstellungsgespräch nicht hin geht, sind hinten dran Bilder,
Vorstellungen. Ich versage wieder.

[00:37:03.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Umgang mit Fehlern, mit Versagen.

[00:37:03.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Fehlerkultur muss man relativieren.

[00:37:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht nichts, du musst die Stelle nicht bekommen.

[00:37:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben einfach. Man relativiert.

[00:37:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss weiter vorne geschehen.

[00:37:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schon dort ist und sie verweigern, dann geht es nicht mehr.

[00:37:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Pferd in den Pferdetransporter bringen möchte und es einfach nicht rein
geht.

[00:37:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es nicht. Man muss aufhören und am nächtsen Tag wieder weiter machen.

[00:37:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind mehrere Versuche notwendig.

[00:38:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorbereitung ist: es darf alles schief gehen.

[00:38:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss gar nichts können.

[00:38:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich Leute auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten sage ich immer: gar nicht
vorbereiten. Einfach sich selber sein. Dann kommt man am besten rüber.

[00:38:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder sind schwierig.

[00:38:56.730] – Bemerkung 3
Es war ein vierstündiges Assessment. Sie hat es beim zweiten Versuch wiederholt und
das Ergebnis war sehr gut.

[00:38:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, interessant.

[00:39:02.340] – Bemerkung 4
Eine junge Frau wurde ein Jahr lang begleitet. Wir haben Fortschritte gemacht. Zuvor
war sie zu Hause isoliert. Sie hat sich im Zimmer zurückgezogen und ihre Bücher
gelesen. Sie war einige, wenige Stunden im Arbeitsbereich am arbeiten. Sobald mehr
Druck entstanden ist und mehr Anforderungen gekommen sind, wurde es schwierig.
Sie hat sich komplett verweigert. Sie hat zu Hause nichts mehr gegessen. Sie gehe ich
mit dieser Person um? Braucht die mehr Zeit? Ich habe die Person sehr bemuttert.

[00:40:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen sehr viel Denkarbeit. Sie machen eine ganze Geschichte darum
herum.

[00:40:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand verweigert, dann würde ich immer nach dem Worst Case Szenario
fragen. Wovor hat sie am meisten Angst, das geschehen könnte?

[00:40:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man in ihr Gehirn rein geht und fragt: was stellst du dir alles vor?

[00:40:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter dem Worst Case Szenario kommt dann hervor: was findet sie schlimm?

[00:41:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in ihre Gedankenwelt reingehen, sie muss ihre Gedankenwelt auf den Tisch
legen dürfen.

[00:41:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man ein anderes Szenario hinlegen und sagen. Das ist eigentlich gar nicht
so schlimm.

[00:41:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir probiert, bis hierher sind wir gekommen, immerhin.

[00:41:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In das Gehirn reingehen, sodass der Autist seine Gedanken äussern muss.

[00:41:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Gefühle in Worte fasst, aufschreibt, formuliert, geht der emotionale
Stress um 50% zurück.

[00:41:33.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Autisten nach ihren negativen Gedanken fragen.

[00:41:55.060] – Bemerkung 4
Sie hat sich extem in ihre Fantasy Romane zurück gezogen. Das war ihre Strategie.

[00:42:01.330] – Bemerkung 4
Ein anderer Autist ist ständig nur am Gamen. Das gibt im Struktur.

[00:42:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:42:31.800] – Bemerkung 4
Ist es zu früh, wenn die mit 16 Jahren in unser Programm kommen? Müssen die nicht
zuerst therapeutisch begleitet werden?

[00:42:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Therapeuten sind genau so aufgeschmissen mit denen.

[00:42:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil. Bei ihnen haben sie eine Arbeit, eine klare Struktur, anhand deren man
üben kann.

[00:42:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Therapeut möchte etwas wissen, was der Patient nicht sagen möchte. Dann gibt es
unangenehme Schweigestunde. Das ist nicht hilfreich.

[00:43:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind an einem besseren Ort, weil sie praktisch etwas tun können.

[00:43:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Pferd kann man nicht nach dem Worst-Case Szenario fragen wenn es bockt. Den
Menschen kann man fragen.

[00:43:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er sagt: nein nichts. Würde ich antworten: das glaube ich nicht. Sie haben sicher
etwas dabei gedacht. Was ist es? Sie müssen es aussprechen können.

[00:43:12.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Worst Case Szenario kann man auch immer vergleichen mit der Vergangenheit.
Wie hat ihr Vater reagiert, wenn sie etwas nicht konnten? Wie die Mutter, wie der ältere
Bruder?

[00:43:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen Muster hervor. Prägungen.

[00:43:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht vorwärts kommen, müssen sie immer fragen gehen.

[00:44:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie "Warum?" fragen!

[00:44:04.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Warum-Frage ist zu eng.

[00:44:04.720] – Bemerkung 4
Sie haben Schwierigkeiten sich einzuordnen, sich selber wahrzunehmen.

[00:44:04.810] – Bemerkung 4
Damit man das selber formulieren kann, muss man auf sehr hohem Niveau sein. Wenn
ich solche Fragen stelle, wie gehe ich damit um?

[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, ob sie Mühe haben, sich wahrzunehmen. Wir sagen das. Stimmt
es wirklich?

[00:44:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Angst, ihre Blösse zu zeigen.

[00:44:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man abwägen: ist es eher das oder das?

[00:44:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Situation kennt, dann hat man vielleicht eine Idee. Da kann man eine
Auswahl geben.

[00:44:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr so oder mehr so? Nein, eher so. Ok.

[00:44:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie weitersuchen gehen.

[00:44:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Geniert sie sich mehr vor ihnen oder vor sich selber. Dann kann man in die Geschichte
zurück gehen. Wie wurde reagiert, wenn sie etwas nicht konnten?

[00:45:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie blossgestellt worden sind vor jemanden, ist das ein Tabu. Das ist ganz
schlimm.

[00:45:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie: was ist in der Vergangenheit geschehen? Sind sie blossgestellt worden, in
welcher Situation?

[00:45:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat wieder einen therapeutischen Wert. Sie haben damit einen Vorteil im Vergleich
zum reinen Psychotherapeut.

[00:45:43.980] – Bemerkung 4
Kann es Sinn machen, wenn man die Person aus seinem Umfeld rausnimmt, wenn zu
Hause die Mutter, der Vater zuviel für den Autisten spricht?

[00:46:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wäre das sinnvoll. Man muss heraus spüren ob die schon dazu bereit sind,
zum weg gehen? Wenn noch eine grosse Abhängigkeit besteht, geht es wieder nicht.

[00:46:45.170] – Bemerkung 5
Hier ist unser Handeln begrenzt.

[00:46:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:46:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe als Familientherapeutin ist es dann die Mutter ein wenig zurück zu
halten und zu sagen: weniger sprechen.

[00:46:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute habe ich einer Mutter gesagt: ihr Kind ist hochsensibel.

[00:46:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter dann X Dinge anbietet, für ihn spricht, gibt es nur noch einen
Ausbruch.

[00:47:07.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr.

[00:47:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern zur Mitarbeit bereit sind, geht es.

[00:47:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jedoch nicht ihr Auftrag.

[00:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autistin fragen: ist sie bereit auszuziehen, in ein betreutes Wohnen?

[00:47:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss die Betreuer wieder instruieren, damit sie nicht für diese Personen spricht.

[00:47:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Teilnehmende Beobachtung.

[00:47:42.940] – Bemerkung 6
Gibt es noch wichtige Fragen?

[00:47:43.100] – Bemerkung 6
Jetzt würden wir sie noch gerne wertschätzen, Frau Dr.med. Ursula Davatz.

[00:48:37.890] – Bemerkung 6
Ich habe 20 von diesen 25 Jahren mit ihnen erleben dürfen.

[00:48:38.790] – Bemerkung 6
1999 hat Hans Peter Scheuzger sie kennen gelernt.

[00:48:40.920] – Bemerkung 6
Sie haben uns die Treue gehalten im Bereich wohnen, bei unserem Beratungsteam,
Sozialdienst, Beratung und Integration.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Es war uns wichtig, dass wir in diesem Mix zusammen arbeiten konnten.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Dafür möchte ich ihnen herzlich danken!

[00:49:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen!

[00:49:15.630] – Bemerkung 6
25 Jahre wirklich Fachkompetenz zu jedem Thema.

[00:49:19.620] – Bemerkung 6
Man spürt, es ist viel Schaffen da, viel Studieren. Auch viel Herz.

[00:49:34.620] – Bemerkung 6
Über ihren wachen Geist habe ich immer gestaunt. Ihre Brillanz.

[00:49:45.480] – Bemerkung 6
Zum Teil sind sie gekommen: was ist das Thema heute?

[00:49:47.340] – Bemerkung 6
Ihr Ärmel scheint unerschöpflich. Ist einfach Klasse.

[00:49:57.020] – Bemerkung 6
Sie leben darin.

[00:50:01.430] – Bemerkung 6
Sie können gut auf die quälenden Fragen eingehen.

[00:50:05.990] – Bemerkung 6
Ein Jahr ist lange.

[00:50:08.210] – Bemerkung 6
Man hat Erwartungen.

[00:50:09.140] – Bemerkung 6
Sie sagen immer: genau so darf man nicht denken.

[00:50:12.530] – Bemerkung 6
Mir bleibt, ich habe immer das Gleiche gehört. Das meine ich positiv.

[00:50:12.830] – Bemerkung 6
Man sieht den Menschen, nicht die Diagnose, nicht die Medikation oder
Krankheitsbilder.

[00:50:21.680] – Bemerkung 6
Man geht mit dem Menschen in eine Beziehung. Sie haben das Wort nach fünf Minuten
erwähnt.

[00:50:49.550] – Bemerkung 6
Sie haben uns immer wieder den Kopf zurecht gerückt. Dran bleiben.

[00:50:58.480] – Bemerkung 6
Danke, dass sie unsere kritischen Rückfragen ausgehalten haben.

[00:51:26.110] – Bemerkung 6
Sie haben nicht nur doziert, sie leben es auch.

[00:51:38.800] – Bemerkung 6
Wir hatten einen gemeinsamen Klienten, den wir abgeben wollten.

[00:51:38.980] – Bemerkung 6
Sie haben damals sehr darauf plädiert, dass wir sie nicht so Angst haben sollen.

[00:51:54.870] – Bemerkung 6
Gute Tipps in der Supervision.

[00:51:55.200] – Bemerkung 6
Der Mann wurde Buschauffeur.

[00:52:05.730] – Bemerkung 6
Er hat immer geschimpft über sie, über uns.

[00:52:05.820] – Bemerkung 6
Sie sind dran geblieben. Er ist dran geblieben.

[00:52:05.910] – Bemerkung 6
Er hat als Buschauffeur Menschen mit Beeinträchtigung herum chauffiert.

[00:52:29.280] – Bemerkung 6
Ganz herzlichen Dank für alles was sie uns gegeben haben.

[00:52:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen. Danke!

Umgang mit und Unterstützung von Autisten: Lösungsansätze

Dr.med. Ursula Davatz offeriert in ihrem Vortrag diverse Lösungsansätze für den Umgang mit und die Unterstützung von Autisten. Sie betont die Wichtigkeit von Verständnis, Geduld und Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Menschen im Autismus-Spektrum.

Grundlegende Prinzipien im Umgang mit Autisten

  • Teilnehmende Beobachtung: Anstatt vorschnell zu urteilen oder zu handeln, plädiert Davatz für eine aufmerksame und wertschätzende Beobachtung des Gegenübers. Dies ermöglicht ein besseres Verständnis der individuellen Bedürfnisse und Verhaltensweisen des Autisten.
  • Validierung: Es ist entscheidend, die Perspektive des Autisten anzuerkennen und zu bestätigen, auch wenn sie von der eigenen abweicht. Dies vermittelt dem Autisten das Gefühl, verstanden und ernst genommen zu werden.
  • Emotionale Neutralität: Autisten reagieren sehr sensibel auf emotionale Signale. Ein ruhiger und neutraler Tonfall in der Kommunikation ist daher essenziell, um Überforderung und Abblockreaktionen zu vermeiden.
  • Verzicht auf Befehle und Druck: Direkte Anweisungen und Druck erzeugen bei Autisten oft Stress und Widerstand. Stattdessen sollten Alternativen angeboten und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.
  • Authentizität: Autisten haben ein feines Gespür für Unaufrichtigkeit. Ehrlichkeit und Transparenz in der Kommunikation schaffen Vertrauen und erleichtern den Umgang.

Konkrete Strategien zur Unterstützung

  • Schaffung klarer Strukturen: Klare Strukturen und Routinen geben Autisten Sicherheit und Orientierung. Dies kann durch feste Zeitpläne, definierte Aufgabenbereiche und eine übersichtliche Gestaltung der Umgebung erreicht werden.
  • Anpassung der Kommunikation: Die Kommunikation sollte auf die individuellen Bedürfnisse des Autisten abgestimmt sein. Indirekte Kommunikationswege, z.B. über Musik, gemeinsame Aktivitäten oder Dritt-Objekte, können hilfreich sein.
  • Förderung von Stärken und Interessen: Jeder Autist hat spezifische Talente und Interessen. Diese sollten erkannt und gefördert werden. Ein Arbeitsumfeld, das die individuellen Stärken berücksichtigt, ermöglicht es dem Autisten, sein Potenzial zu entfalten.
  • Akzeptanz von Fehlern: Autisten haben oft Angst vor Fehlern und streben nach Perfektion. Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Fehler zum Lernprozess gehören und nicht verurteilt werden.
  • Geduld und Langsamkeit: Autisten benötigen oft mehr Zeit, um Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen. Geduld und Langsamkeit im Umgang mit ihnen sind daher unerlässlich.

Bedeutung des Umfelds

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass das Umfeld eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden und die Entwicklung von Autisten spielt. Ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld kann dazu beitragen, dass sich Autisten sicher und akzeptiert fühlen und ihre Stärken entwickeln können.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf

 

Einfluss des Umfelds auf das Verhalten von Autisten

Dr.med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag den entscheidenden Einfluss des Umfelds auf das Verhalten von Autisten. Sie betrachtet Autismus nicht als starres Persönlichkeitsmerkmal, sondern als Verhaltensweise, die stark durch die Umgebung geprägt wird.

Überforderung durch ein überaktives Umfeld

Autisten sind hochsensibel und nehmen Reize aus ihrer Umwelt intensiver wahr als neurotypische Menschen. Autistisches Verhalten, insbesondere der Rückzug, entwickelt sich als Reaktion auf ein überforderndes Umfeld. Sie beobachtet häufig, dass Autisten in Familien mit hyperaktiven Müttern oder Geschwistern aufwachsen, die dem Kind wenig Raum für eigene Entscheidungen und Äusserungen lassen. In solchen Umgebungen kann sich das Kind überfordert und verunsichert fühlen und sich deshalb zurückziehen.

Bedeutung von Struktur und Vorhersehbarkeit

Autisten haben oft den Wunsch nach klaren Strukturen und Vorhersehbarkeit. Diese Fixierung auf Routinen ist laut Dr.med. Ursula Davatz ein Ausdruck ihrer Verunsicherung und dem Bedürfnis nach Orientierung in einer Welt, die sie als chaotisch und unberechenbar erleben. Ein strukturiertes Umfeld kann Autisten helfen, sich sicher und geborgen zu fühlen und ihr Verhalten zu regulieren.

Kommunikation und Interaktion

Die Kommunikation mit Autisten stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar, da sie nonverbale Signale oft nicht richtig deuten können und direkte Kommunikation als Übergriff empfinden. Dr.med. Ursula Davatz empfiehlt daher, indirekte Kommunikationswege zu nutzen, z.B. über Musik, gemeinsame Aktivitäten oder Dritt-Objekte. Wichtig ist zudem eine emotionale Neutralität und ein ruhiger Tonfall.

Zusammenfassung

Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle für das Verhalten von Autisten. Ein überforderndes Umfeld, mangelnde Struktur und unangepasste Kommunikationsformen können zu Rückzug, Verunsicherung und Verhaltensauffälligkeiten führen. Ein verständnisvolles Umfeld, das Sicherheit, Struktur und angepasste Kommunikationsformen bietet, kann Autisten helfen, ihre Stärken zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf

 

Autismus-Spektrum Persönlichkeit

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

19.11.2024
Autismus-Spektrum Persönlichkeit
Audio

[00:00:00.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie alle ganz herzlich zu dem zweitletzten Mal.

[00:00:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme dann noch einmal und ich bin natürlich sehr neugierig, wie sie es
weitermachen mit der Weiterbildung. Das nimmt mich wunder. Ich hoffe jemand sagt mir
noch etwas darüber.

[00:00:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heute ist Autismus-Spektrum-Krankheit.

[00:00:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt Autismus-Spektrum, wenn man nicht so genau das Krankheitsbild in ein
Schema rein tun kann. Dann spricht man von Spektrum.

[00:00:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man mehr rein tun und es muss nicht so genau abgegrenzt sein.

[00:00:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es ein bisschen einfacher.

[00:00:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich erkläre die Krankheiten immer funktionell.

[00:00:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie bin, umso weniger achte ich auf die Diagnose.

[00:01:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist eigentlich etwas, um unter Fachleuten miteinander zu reden.

[00:01:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Umgang mit dem Menschen ist es immer eine gewisse Stigmatisierung und es
grenzt einem ein.

[00:01:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort Autismus wurde ursprünglich für Schizophreniekranke verwendet und hat
beschrieben, dass man zurückgezogen ist, dass man nicht mehr kommuniziert, dass
man nicht mehr an den Menschen heran kommt, dass er ein autistisches Verhalten
zeigt.

[00:01:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.

[00:01:49.633] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:01:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte im letzten Weltkrieg die Kinder vor der Vernichtung schützen.

[00:02:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat gesagt: die Asperger-Kinder sind ganz speziell gescheite Kinder und die dürft ihr
doch nicht vernichten, sonst geht euch etwas verloren.

[00:02:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat man Asperger immer zusammen mit höherer Intelligenz in Verbindung gebracht.

[00:02:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus gibt es auch sehr intelligente Personen.

[00:02:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch autistisches Verhalten haben, ohne dass man hochintelligent ist.

[00:02:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Wort Autismus-Spektrums-Störung, da redet man auch nicht von der Intelligenz,
sondern nur vom Verhalten.

[00:02:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verhalten kann bei geistig Behinderten auftreten und das Verhalten kann aber auch
bei Hochintelligenten auftreten.

[00:02:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere immer wieder die genetische Studie, die Genome Wide Association Studies
(GWAS).

[00:02:56.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man fünf Krankheitsbilder, genetisch untersucht.

[00:03:01.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist herausgekommen, dass Autismus und ADHS/ADS, dass die den gleichen
veränderten Genlocus haben.

[00:03:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Offiziell unterscheidet man in der Genetik noch nicht zwischen ADHS und ADS.

[00:03:23.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man das überhaupt unterscheiden oder nicht? Haben die das gleiche Genom?

[00:03:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Das unterschiedliche Verhalten, der ADHSler, der ist eher nach aussen aggressiv,
extrovertiert und geht auf die Leute los. Der packt alles an.

[00:03:44.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADSler ist eher der scheue Typ, wartet, überlegt. Er hat seine Hyperaktivität im
Kopf.

[00:03:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind ADSler. Sie ziehen sich zurück, sie denken viel.

[00:04:15.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und Autismus haben den gleichen veränderten Genlocus. Somit liegt es auf der
Hand, dass die zusammen gehören.

[00:04:21.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Diagnose "Autismus" stellt, haben die Autisten neben dem starken
Nachdenken auch noch Probleme im Spracherwerb.

[00:04:39.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine leichte Störung im Sprachzentrum, sie erwerben die Sprache nicht so
leicht. Dadurch können sie auch nicht so gut kommunizieren.

[00:04:56.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht weiss, was man sagen möchte oder länger prozessieren muss, um zu
wissen, was man sagen will, dann ist das ein Problem. Dann gibt es eine Verzögerung
in der Kommunikation.

[00:05:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Buch von Franca Parianen.

[00:05:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Franca_Parianen

[00:05:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
„Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?"

[00:05:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können viel denken, aber wenn wir es noch nicht ausgesprochen haben, wird es im
Hirn noch nicht so registriert.

[00:05:25.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es entweder aussprechen oder aufschreiben.

[00:05:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In der verbalen Kommunikation, wenn dann der ADSler, Autist, wenn er/sie sich noch
nicht getraut haben auszusprechen, weiss er auch nicht genau was er denkt. Dann
kann er/sie sich nicht so genau orientieren. Dann kann keine Entscheidung getroffen
werden.

[00:05:46.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man auch: sie wollen immer alles sehr genau haben.

[00:06:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Löffel und Kaffeetasse müssen immer am gleichen Ort sein.

[00:06:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stuhl in der Familie ist immer am gleichen Ort.

[00:06:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gerne eine fixe Struktur.

[00:06:31.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Ausdruck von einer schnellen Verunsicherung.

[00:06:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen sehr viel Struktur um sich orientieren zu können.

[00:06:51.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann passieren, wenn man die Struktur spontan ändert, dass es zu einem
Wutausbruch kommt oder eine Verweigerung oder beides.

[00:06:52.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch zu einer Agnosie kommen.

[00:07:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nehmen das Gegenüber nicht so gut wahr. Sie können die Mimik nicht so gut lesen.

[00:07:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Autisten haben eine Agnosie.

[00:07:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das noch zusätzlich haben, erschwert dies natürlich noch mal die
Kommunikation.

[00:07:15.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist relativ schwierig, mit sogenannten Autisten zu kommunizieren, weil sie nicht so
klar sind für einem. Man weiss nicht so genau, was bei ihnen vorgeht.

[00:07:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Autisten spielt das Umfeld eine grosse Rolle.

[00:07:43.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Katrin Terwiel hat gesagt, sie fände das nicht hilfreich, dass man extrovertiert und
introvertiert unterscheidet, also dass man die Typologie macht.

[00:07:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist ist introvertiert.

[00:07:59.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann sich auch verändern.

[00:08:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage mich: leben Autisten so stark zurückgezogen, weil ihr Umfeld so überaktiv ist?

[00:08:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wo ich autistisches Verhalten beobachten kann, hat es oft im Umfeld eine
hyperaktive Mutter gehabt, die immer für das Kind redet, die alles für das Kind
entscheidet, sodass das Kind nicht mehr zum Reden kommt; oder ein hyperaktives
Geschwister.

[00:08:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld bestimmt das Verhalten von dem Autisten stark mit. Das ist nicht einfach
ein Charakter, der durch das ganze Leben gleich bleibt, also ein Persönlichkeitstyp, der
immer gleich bleibt.

[00:08:50.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher liegt etwas zu Grunde. Sie sind eher vorsichtig, eher scheu.

[00:08:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer Studie hat man die Kinder ab sieben Monaten untersucht. Man hat ein Video
gesehen. Ein Kind ist durch die Türe reingekommen und hat gleich alles angeschaut,
das ist der extrovertierte Typ, ADHS.

[00:08:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere Kind wollte nicht durch die Türe gehen.

[00:09:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter wollte brav sein und das Kind vorführen wollen und hat das Kind
reingerissen.

[00:09:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man sicher nicht tun mit Autisten.

[00:09:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind sehr sensibel auf Fremdbeeinflussung und reagieren bei der
Fremdbeeinflussung mit Rückzug, Verweigerung. Wenn man sie allzu stark stösst,
können sie auch aggressiv werden. Dann kann es auch zu einem Sturm kommen.

[00:09:32.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer: Autisten haben keine Empathie. Sie können die Mimik des anderen
nicht lesen.

[00:09:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markram hat einen Autistischen Sohn.

[00:09:48.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Markram

[00:10:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markram wollte herausfinden was bei den Autisten läuft. Er kam zum Schluss,
dass Autisten sehr viel Empathie haben, sie haben vielleicht sogar zu viel Empathie.

[00:10:35.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass ADSler keine gute Filterfunktion, keine Reizabschirmung haben. Sie
haben ein sehr offenes Wahrnehmungsfeld. Hier spreche ich von der breiten
Wahrnehmung. ADSler nehmen immer alles wahr. Sie nehmen die Stimmung in einem
Zimmer sofort wahr.

[00:10:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man keine Reizabschirmung hat und so eine offenes Wahrnehmungsfeld, kann
es passieren, dass die Autisten schnell überfordert sind.

[00:10:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der breiten Wahrnehmung. System Overload.

[00:11:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Zustand der Systemüberhitzung ist, wenn das limbische System, wenn
das Gefühlshirn überladen ist mit der Verarbeitung aller Eindrücke, dann kommt die
Systemüberhitzung und dann wird gar nichts mehr wahrgenommen.

[00:11:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie auch bei sich beobachten, wenn ihnen etwas zu viel wird, wenn sie
zuviele Reize haben, zu viele Aufgaben, zu viel Stress, dann sagt man: geh weg, ich
mag nicht mehr. Dann muss man sich abschirmen.

[00:11:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten müssen sich schneller abschirmen und mehr abschirmen, weil sie eine
breitere Wahrnehmung haben.

[00:11:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche gerne mit der Tierwelt.

[00:12:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd ist auch ein sensibles Wesen. Das Pferd ist ein Fluchttier. Wenn Pferde auf
der Strasse einen Wagen ziehen, zieht man dem Pferd Scheuklappen an.

[00:12:23.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten haben keine guten Scheuklappen. Die merken alles.

[00:12:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Das führt schnell zu einem System Overload. Dann funktioniert ihr System nicht mehr
richtig. Dann nehmen sie auch nichts mehr war.

[00:12:26.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler einen Hyperfokus haben, ist das fast wie Scheuklappen. Dann sind
sie nur noch auf das fokussiert und sehen auch wieder nichts mehr, sind nicht mehr
empathisch, weil sie so auf ihre Sache fokussiert sind.

[00:12:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann das auch selber machen, wenn sie sich mit etwas beschäftigen.

[00:13:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der zerstreute Professor nimmt den WC-Deckel mit anstatt seine Brieftasche.

[00:13:53.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird die Autismus-Spektrum-Krankheit (ASS) viel mehr diagnostiziert.

[00:14:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde das nicht so viel diagnostiziert.

[00:14:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute diagnostizieren sich die Laien gegenseitig.

[00:14:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe häufig, dass mir die Frauen sagen: mein Mann ist ein wenig ein Autist. Der
hört mich nicht, wenn ich etwas brauche. Der nimmt gar nichts wahr. Der nimmt auch
nichts von den Kindern wahr. Der ist nur bei seiner Sache.

[00:14:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar ein Mann mit einer anspruchsvollen Arbeit, der fokussiert sich nur auf seine Arbeit.
Das wirkt auf die Frau autistisch.v

[00:14:39.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Volksmund höre ich, dass man es mehr über die Männern sagt. Die Frauen sagen
es meistens von den Männern.

[00:14:51.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht haben Frauen und Männer auch eine etwas andere Wahrnehmung.

[00:14:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Elena Brivio hat Rattenhirne unter Stress untersucht.

[00:14:57.910] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:14:57.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weibliche Rattenhirn hat vermehrt Oligodendrozyten gemacht, das heisst, hat eine
grössere Vernetzung gemacht, es hat nach Lösungen gesucht.

[00:15:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männliche Gehirn wurde mehr autistisch.

[00:15:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männliche Gehirn hat eine Vereinfachung gemacht.

[00:15:34.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache mich immer darüber lustig: die Frauen Suchen nach Lösungen und die
Männer fahren gegen die Wand oder machen Krieg.

[00:15:47.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Krieg haben wir nur ein Ziel: man will den anderen besiegen.

[00:15:53.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Das geht heute in der globalisierten Welt nicht mehr.

[00:15:53.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt aber noch genügend Männer, die das versuchen.

[00:15:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt hier eine unterschiedliche Reaktivität beim Mann und der Frau.

[00:16:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann sich ändern, dann muss nicht so bleiben. Hier ist genetisch etwas
vorprogrammiert.

[00:16:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werden eher still und brechen in Tränen aus, so bauen wir unseren Stress ab.

[00:16:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer machen eher Krieg oder werden verrückt.

[00:16:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Autisten mit Argumenten in die Ecke treibt, kann er auch ausrasten.
Dann ist er nicht mehr ruhig, dann macht er einen Raptus. Das ist Selbstverteidigung.

[00:16:34.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Stress Reflexe, welche über das emotionale Hirn, das Kleinhirn, Reptilienhirn
ablaufen sind: Kampf, Flucht, Totstellreflex, Necken.

[00:16:48.849] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist macht den Totstellreflex.

[00:16:48.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken tut der Autist höchstens auf sehr intellektueller Ebene, feiner Spass.

[00:17:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistisches Verhalten gleicht dem Todesstellreflex.

[00:17:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Todstellreflex nimmt man alles wahr, aber reagiert nicht mehr.

[00:18:01.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrnehmung ist nicht getrübt. Man befindet sich nicht in einem Koma drinnen. Der
Autist nimmt alles genauestens wahr, ist aber nicht mehr handlungsfähig, nicht mehr
kommunikationsfähig.

[00:18:31.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum wird heute so viel mehr Autismus diagnostiziert?

[00:18:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich so ein bisschen in die Welt hinaus schaue, in die Berufswelt, sind wir sehr auf
Effizienz, auf Geschwindigkeit aus, es muss alles immer rendieren, es muss geleistet
werden. Wir sind sehr schnell unterwegs.

[00:18:48.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Geschwindigkeit blockiert der Autist.

[00:18:55.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche wieder mit dem ADHS/ADSler.

[00:19:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie analysieren die Dinge sehr genau, bevor sie entscheiden.

[00:19:06.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Quali-Gespräch wird man immer nach Quantität und Qualität gefragt.

[00:19:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind punkto Geschwindigkeit nicht so gut. Wenn man sie drängt, dann blockiert
es.

[00:19:40.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die moderne Welt ist auf Geschwindigkeit aus.

[00:19:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
So fallen die ADSler aus dem Netz oder sind Sand im Getriebe. Das ist ein Problem.

[00:19:41.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Scheue Kinder werden in der Schule schnell zum Mobbing Opfer.

[00:19:41.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wunderbare Projektionsobjekte, man kann alles auf sie projizieren, man weiss,
sie wehren sich nicht. Sie ziehen sich nur zurück.

[00:20:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ziehen sich zurück, sie reagieren nicht.

[00:20:21.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen dann Schulverweigerung und dann werden sie bestraft für das.

[00:20:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen, welche heutzutage vermehrt, viel denken, schön, langsam, denken, werden
eher überfahren.

[00:20:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat bis er fünf Jahre alt war nicht gesprochen. Er ist wohl ein Autist
gewesen. Kinder die nicht sprechen, werden als Autist bezeichnet.

[00:20:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Albert Einstein gearbeitet hat, hat er vergessen zu trinken zu schlafen, zu essen.

[00:20:59.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Frau musste ihm sagen: jetzt musst du Essen kommen, schlafen gehen, trinken
gehen, etc. Das ist der Hyperfocus, welcher die Autisten haben können.

[00:21:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein intelligenter Autist kann in der Forschung sehr viel leisten, weil er so gut fokussieren
kann. Man darf ihn aber nicht stören.

[00:21:19.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der zerstreute Professor.

[00:21:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft hat nicht viel Verständnis für Langsamere Menschen. Die
langsameren Menschen werden gejagt, dann blockiert es und dann werden diese
Menschen krank.

[00:21:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde uns gut tun, dass wir von selbst wieder ein wenig verlangsamen; nicht mit
dem Stress und der Kompetition drauf los rennen.

[00:21:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie soll man mit Autisten umgehen?

[00:21:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Teilnehmende Beobachtung.

[00:22:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz

Verstehen sie diesen Begriff?

[00:22:21.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Begriff verwendet man beim Sozialverhalten der Tiere.

[00:22:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Tier kann nicht sprechen.

[00:22:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren untereinander. Wir verstehen ihre Sprache nicht so gut.

[00:22:37.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gorillaforscher Jörg Hess hat von den Gorillas 50 Zeichen gelernt. So konnte er mit
ihnen sprechen.

[00:23:01.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Elefant kann 60 Wörter lernen. Hund und Katze können auch Wörter lernen, jedoch
niemals so reich wie unsere Sprache.

[00:23:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Tiere beobachtet und verstehen möchte, muss man eine teilnehmende
Beobachtung machen. Man muss mit ihnen zusammen leben, man muss sie
beobachten und schauen, wie man mit ihnen kommunizieren kann. Man muss von
ihnen abschauen, wie sie kommunizieren.

[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Um eine teilnehmende Beobachtung zu machen, muss man zuerst hinschauen.

[00:23:34.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gleich behandeln und sie in eine Richtung drängen.

[00:23:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie zuerst verstehen lernen.

[00:23:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel von einer Heilpädagogin.

[00:23:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Heilpädagogin sollte für ein Kind ein Programm machen. Die Lehrerin hat das
verlangt.

[00:23:49.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Heilpädagogin hat gesagt: ich kann doch kein Programm machen. Ich kenne das
Kind noch gar nicht.

[00:24:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin hatte die Vorstellung: man kann einfach ein Programm machen, für jedes
Kind das Gleiche und das geht dann.

[00:24:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht eben genau nicht!

[00:24:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an dieser Stelle mit einer Durchschnittsgrösse für alle operiert, funktioniert
es nicht.

[00:24:08.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns zuerst verlangsamen, wir müssen beobachten können und dann
allmählich in die Kommunikation reinkommen.

[00:24:12.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt interessante Beobachtungen aus der Tierwelt. Man nennt das Soziobiologie.

[00:24:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Jane Goodall, Frans De Waal, Dian Fossey, alles sehr gute BeobachterInnen der
Tierwelt.

[00:24:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Tieren müssen wir beobachten. Dort können wir nicht fragen: was ist eigentlich
dein Problem? Wie müssen schauen und beobachten und dann unsere Schlüsse
ziehen.

[00:24:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Marte Meo Methode.

[00:24:54.182] – Dr.med. Ursula Davatz
https://martemeo.ch/was-ist-marte-meo/

[00:25:09.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Marte Meo Methode wurde bei Behinderten Kindern angewendet, aber man kann
sie überall anwenden.

[00:25:14.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Marte Meo Methode schaut man genauer hin. Das was man meint verstanden
zu haben, das sagen.

[00:25:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gegenüber wird validiert.

[00:25:23.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auch beim Autist anwenden.

[00:25:30.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Man interagiert irgendwie und fragt: verstehe ich dich jetzt richtig, möchtest du lieber
das als das? Möchtest du das lieber nicht?

[00:25:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht auf die emotionale Kommunikation und muss auch auf diese hören. Man
muss sie spüren.

[00:25:36.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Marte Meo Methode wird das sehr sorgfältig gemacht.

[00:25:40.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe für eine gewisse Zeit für Ivan Boszormenyi-Nagy Deutsch auf Englisch und
Englisch auf Deutsch übersetzt.

[00:25:40.265] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Iv%C3%A1n_B%C3%B6sz%C3%B6rm%C3%A9nyi-Nagy

[00:25:40.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war Familientherapeut. Alles wurde zwei Mal gesagt. Das ist interessant. Das hat
den ganzen Prozess verlangsamt.

[00:25:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hilft einem sorgfältiger zu beobachten, sorgfältiger zu analysieren.

[00:26:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man vielleicht zu einem besseren Resultat.

[00:26:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den anderen validieren, man kann ihm nicht einfach ein Konzept
überstülpen.

[00:26:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich selber einbringen.

[00:26:25.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe allen Müttern immer bei: sie dürfen etwas sagen, aber nicht erziehen wollen.
Nichts erreichen wollen. Nur eine Haltung haben, etwas sagen, wie man es sieht und
dem Gegenüber überlassen, damit das Gegenüber darauf reagieren kann. Das ist
schwierig.

[00:26:58.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Kommunikation ist darauf ausgerichtet beim anderen etwas zu bewirken.

[00:27:07.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Autisten müssen wir das zurück nehmen. Wir müssen ins Leere
kommunizieren. Den anderen nicht beeinflussen wollen.

[00:27:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch ihre Hochsensibilität fühlen sie sich sofort überrannt, in die Ecke gedrückt. Dann
gibt es wieder Rückzug.

[00:27:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommunizieren ja, aber nicht beeinflussen wollen.

[00:27:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was sie beeinflussen wollen, ist schon zuviel für die.

[00:27:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es auch über andere Kommunikationsmittel versuchen.

[00:27:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man autistische Kinder hat, kann man es mit Musik versuchen.

[00:27:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Musiktherapeuten.

[00:27:58.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sagen: welches Instrument willst du heute oder er wählt gleich selber aus
und dann wählt man etwas dazu und dann wird nonverbal über die Musik kommuniziert.

[00:28:08.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können nicht alle in ihrem Job.

[00:28:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch über die Arbeit kommunizieren.

[00:28:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: heute muss ich das machen, was davon möchtest du gerne
übernehmen?

[00:28:23.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.

[00:28:23.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: mach das, mach das, mach das.

[00:28:35.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Befehle sind schon ein Übergriff, weil die so eine dünne Wand haben.

[00:28:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mit einem Autisten auch kommunizieren über: welchen Filmstar findest du
gut? Welches Lied?

[00:28:53.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man über ein Objekt geht.

[00:28:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: was willst du?

[00:28:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: was hörst du gerne?

[00:28:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mache ich mit Personen, die nur sehr schwierig erreichbar sind.

[00:28:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage sie eher nach Fernseh Serien oder TikTok und lasse mir erzählen, was sie dort
sehen.

[00:29:11.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst ja: sage mir, mit wem du gehst und dann weiss ich, wer du bist.

[00:29:20.048] – Dr.med. Ursula Davatz
Johann Wolfgang von Goethe.

[00:29:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht über ein Drittes Objekt. Das ist oft hilfreich.

[00:29:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der direkte Kontakt wird nicht gut ausgehalten. Je nachdem halten sie auch den
direkten Blickkontakt nicht aus.

[00:29:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht über ein drittes Objekt. Das ist oft hilfreich.

[00:29:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Hunden darf man auch nicht in die Augen schauen, sonst kriegen sie Angst.

[00:29:40.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Weissbüscheläffchen werden verlegen, wenn man sie direkt anschaut. Sie kratzen
sich dann.

[00:29:41.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen machen etwas mit den Haaren, oder sonst etwas.

[00:29:41.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kontakt darf nicht so konfrontativ sein, sondern vielleicht über etwas anderes.

[00:30:06.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Autisten kommuniziert darf man nie in einem stark erregten Zustand
sein.

[00:30:12.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie emotional unruhig sind, dann geht gar nichts mehr. Die sind selber schon so
schnell in dem übererregten Zustand, wenn sie selber erregter sind, dann blockiert es.
Es blockiert oder das Gegenüber wir aggressiv.

[00:30:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer emotional neutral sein, wenn man mit Autisten kommuniziert. Die
merken den feinsten Ton in der Kommunikation. Man sagt: c'est le ton, qui fait la
Musique. Das merken die sofort und dann blockiert es oder sie werden aggressiv. Es
gibt beides.

[00:30:58.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich über etwas aufregen, lieber nichts sagen, warten bis sie beruhigt sind
und dann absolut ruhig etwas sagen.

[00:30:58.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie etwas in einem aggressiven Tonfall sagen. Das blockiert die Kommunikation.

[00:31:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich: nicht dem Kind etwas befehlen, wenn sie noch in einem erregten
Zustand sind. Dann giesst man nur Öl ins Feuer. Warten bis sie sich beruhigt haben und
dann ganz ruhig etwas sagen. Dann dürfen sie alles sagen.

[00:31:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie zur Mithilfe bitten aber nicht befehlen. Befehlen wird als Übergriff
angeschaut. Wenn man zeigt, was es zu tun gibt und was man vielleicht selber macht,
kann man fragen: wo machst du mit?

[00:32:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Möglichkeit den Befehl auslassen und sagen: für mich wäre es gut, wenn du das
übernehmen könntest. Man muss auf Augenhöhe sein. Nicht Chef und Untergebener.

[00:32:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man selber authentisch ist. Man kann denen nichts vorspielen. Die
merken, wenn man lügt, wenn man so tut, als ob man ganz zufrieden wäre, aber hinten
dran kommt ein anderer Unterton.

[00:32:40.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel auf alle Zwischentöne. Sie hören das raus.

[00:32:45.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal interpretieren sie dann auch falsch.

[00:32:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man fragen: hast du das so verstanden?

[00:32:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das kann ich nachvollziehen. Ich habe es aber so gemeint.

[00:32:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hören auf Töne, die vielleicht gar nicht so gemeint sind und nehmen das sofort
persönlich. Sie nehmen vieles persönlich.

[00:33:37.350] – Bemerkung 1
Nichts befehlen oder vorschreiben. Fällt ein Rahmen abstecken unter das Gleiche?
Kann man den Handlungsrahmen definieren? Dann ist es ok?

[00:34:05.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja das ist sehr gut. Wenn man alles zu offen lässt, werden sie überfordert. Wenn man
den Rahmen absteckt und sagt: in dem Rahmen arbeiten wir jetzt. Ich übernehme diese
Rolle, welche übernimmst du?

[00:34:23.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gar nicht gern, wenn man zu schnell wechselt oder alles offen lässt.

[00:34:27.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer fragen: was willst du, was willst du, was willst du? Das geht auch nicht.
Einen Rahmen abstecken ist sehr hilfreich. Dann können sie sich besser orientieren.

[00:34:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben auch selber gerne, wenn es immer gleich läuft.

[00:34:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind der Vorgesetzte. Es liegt an ihnen den Rahmen abzustecken. Man kann nicht
sagen: was möchtest du jetzt machen? Das geht gar nicht.

[00:34:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein klarer Rahmen abstecken, das gibt Sicherheit. Wenn es unklar ist, sind sie unsicher.
Deshalb sind sie zum Teil pedantisch. Pedanterie gibt ihnen Sicherheit. Sie müssen es
klar wissen.

[00:35:30.680] – Bemerkung 2
Arbeitet man bei Autisten auch mit Medikamenten?

[00:35:31.470] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie werden natürlich immer Medikamente verwendet.

[00:35:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe nicht sehr viel Hilfe bei den Medikamenten.

[00:35:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die modernen Antidepressiva, Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die machen,
dass man ein bisschen eine dickere Haut hat.

[00:35:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass wenn ein Autist SSRI nimmt, dass er dann ein bisschen mehr
geschützt ist, dass er nicht mehr so stark alle Reize aufnimmt.

[00:36:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sagen: das hilft mir.

[00:36:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipiell ändern SSRI das hochsensible Gehirn nicht.

[00:36:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sagen auch: ich spüre mich nicht mehr so recht. Ich mag es nicht so gerne.

[00:36:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz

SSRI kann man verwenden.

[00:36:33.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipiell setze ich immer mehr auf das Lernen, als auf das Abstumpfen mit
Medikamenten. Gewisse wollen Medikamente, damit sie weniger Reize von aussen
spüren, dann verweigere ich die Medikamente nicht.

[00:36:53.620] – Bemerkung 3
Wir arbeiten oft mit externen Arbeitgebern zusammen. Wie kann man einem
Arbeitgeber die Stärken eines Autisten erklären?

[00:37:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Interessen der Person kennen. Nicht jeder Autist hat die gleichen
Fähigkeiten und Interessen. Wo ist sein Fokus? Sie müssen seinen Fokus finden.

[00:37:32.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie dem Arbeitgeber sagen: das kann und macht er sehr gut. Gib ihm dort
eine Aufgabe. Dann ist es wichtig, dass der Chef nicht zuviel drein redet. Das stört ihn
wieder und dann läuft es nicht.

[00:37:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein gewisses Vertrauen haben.

[00:38:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man findet, dass man wieder mehr kontrollieren muss, kann man sagen: ich gebe
dir jetzt das und du darfst das in deinem Regime machen. Wenn du eine Frage hast,
dann darfst du kommen. Man muss ihm Vertrauen geben.

[00:38:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch schon die Situation erlebt, wo die Person Angst hatte vor dem Fehler
machen. Der Chef war morgens nicht da und die Person sass einfach vor dem
Computer und hat nichts gemacht, weil sie nichts falsch machen wollte. Das muss man

auch wieder merken. Der Chef war sauer und dachte die Person sei faul. Er wollte
einfach keine Fehler machen.

[00:38:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben vielleicht bei einer Aufgabe ein wenig länger, beim lernen haben sie länger,
weil sie gewisse Stationen durchlaufen müssen. Wenn sie es einmal können, dann
können sie es gut.

[00:38:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Fokus finden und der Chef muss es dann wissen, wie er mit dem
Autisten umgehen muss.

[00:38:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Regelmässig ein Gespräch machen: wie läuft es dir und wie finde ich, dass es dir läuft.

[00:39:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vorgesetzte muss das Gespräch ansetzen und fragen: wie läuft es für dich?
Danach muss der Chef auch Rückmeldung geben. Nicht einfach die Rückmeldung
irgendwo im Gang machen. Es muss in einer ruhigen Atmosphäre sein, nicht vor
anderen Leuten.

[00:39:34.920] – Bemerkung 4
Es ist ok wenn der Vorgesetzte direkt das Feedback gibt?

[00:40:00.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Man muss immer zuerst den Autisten validieren. Nicht gleich sagen, was man nicht
gut findet. Zuerst den Autisten validieren und danach sein Feedback gegen. Sonst sagt
er später gar nichts mehr. Dann es geht alles nach innen und wird verdrängt.

[00:40:00.270] – Bemerkung 5
Gewisse Autisten reagieren sehr stark auf Gerüche. Sie assoziieren Personen und
Situationen mit Gerüchen.

[00:40:23.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann schon ein traumatischer Geruch.

[00:40:50.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben zum Teil ganz hohe Sensibilität bei den Sinnen. Das kann bei den Gerüchten
sein. Es kann im auditiven Bereich sein. Es kann beim Tastsinn sein. Bei sämtlichen
Sinnen, können sie hypersensibel sein.

[00:41:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir riechen es kaum und für sie stinkt es wahnsinnig. Auch dort können sie sich ein
wenig sensibilisieren.

[00:41:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht einfach sagen: tu nicht so blöde. Sie spüren es einfach stärker.

[00:41:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mensch mit einem absoluten Musikgehör, wenn man da ein wenig daneben spielt,
tut ihm das weh.

[00:41:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es auch bei den Gerüchten. Die Sinne können hypersensibel sein.

[00:41:38.930] – Bemerkung 6
Ich kenne jemanden, der ist extrem strukturiert. Die Person muss alle Dinge immer für
sich in Ordnung bringen, damit er es versteht und aufnehmen kann. Er musste eine
Prüfung machen. Er hat 600 Fragen durchgearbeitet. Ich war sehr beeindruckt. Er ist
nicht introvertiert. Er geht auf die Leute zu. Er kann gut kommunizieren.

[00:43:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Katrin Terwiel sieht das ja anders als ich.

[00:43:44.958] – Dr.med. Ursula Davatz
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[00:43:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganz exakte Verhalten ist sicherlich ein wenig autistisch. Der Typ ist nicht immer
gleich. Das exakte Verhalten gibt Sicherheit. Autisten haben dieses Verhalten. Hier
kommt der Spruch: Mut zum Fehler machen.

[00:44:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen alles richtig machen, damit man sie ja nicht kritisiert, damit es keinen Fehler
gibt. Das kann sie sehr verlangsamen und das Leben wahnsinnig anstrengend machen.
Das ist zwanghaft. Das zwanghafte sich schützen vor Fehlern kann lebensbehindernd
sein.

[00:44:24.370] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss ich den Personen sagen: sie dürfen auch Fehler machen. Sie
können dann auch nicht entscheiden: was ist richtig, was ist falsch. Sie entscheiden
innerhalb von einem vorgegebenen Rahmen.

[00:45:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist nicht so strukturiert.

[00:45:15.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: es gibt keine falsche Entscheidung. Ihre Entscheidung ist immer richtig.
Aus jeder Entscheidung lernt man wieder etwas daraus.

[00:45:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Personen muss ich ermutigen: Mut zum Fehler machen. Mut zur Lücke.

[00:45:43.170] – Bemerkung 6
Externe Einflüsse, die geschehen, damit müssen sie klar kommen können.

[00:45:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage prinzipiell: unser Gehirn ist unser anpassungsfähigstes Organ. Wenn man
immer nur gleich durch die Welt geht und sich nicht neue Dinge aneignet und beim
neuen Lernen macht man Fehler, dann ist man nicht so anpassungsfähig. Man muss
ihnen den Mut geben, Fehler machen zu dürfen.

[00:46:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so einfach. Die sind relativ zwanghaft.

[00:46:33.250] – Bemerkung 6
Es wirft ihn total aus der Bahn. Ich zeige ihm auf: es ist alles nicht so schlimm.

[00:46:44.920] – Bemerkung 6
Meine Strategie ist zu Fragen: ist es das Schlimmste was für dich passieren kann?

[00:46:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein gute Sache zu fragen: was ist jetzt für dich ganz schlimm?

[00:47:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage die Eltern immer: wovor haben sie am meisten Angst? Man steckt so die
Extreme ab.

[00:47:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel aus der Natur: aus Fehlern lernt man.

[00:47:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat die Agarplatte draussen stehen lassen und dadurch per Zufall
das Penicilin erfunden.

[00:47:36.817] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[00:47:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entstehen neue Dinge.

[00:47:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein missratener Affe. Wir waren nicht so stark wie die Gorillas, wir
wurden vertrieben. Wir wurden aus dem Paradies (Urwald) vertrieben. Wir haben den
aufrechten Gang uns angeeignet, hatten die Hände frei. Es ist etwas aus uns
geworden. Aus Fehlern kann man immer lernen.

[00:48:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das Chinesische Zeichen: wéijī 危机.

[00:48:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_word_for_crisis

[00:48:42.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Chance. Ein Fehler ist immer auch eine Chance.

[00:48:52.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die biologische Welt kennt viel mehr Interaktion als nur von eins bis zehn zählen.

[00:48:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus den Fehlern der Gene, kann es wieder etwas Neues geben. So lernt man etwas.

[00:49:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Errare Humanum Est.

[00:49:18.268] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wiktionary.org/wiki/errare_humanum_est

[00:49:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget war ein Biologe. Er hat die Entwicklungspsychologie angeschaut.

[00:49:18.458] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

[00:49:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat seine Kinder und deren Fehler beobachtet und so ihr Denken daraus abgeleitet.

[00:49:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo bin ich falsch abgebogen? Dann lernt man seinen Entscheidungsprozess ein
bisschen besser kennen. Fehler sind kreativ.

[00:50:03.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Werbung war es mal ein Trend immer Fehler zu machen.

[00:50:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Japaner können das R nicht sagen.

[00:50:25.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler generieren Aufmerksamkeit.

[00:50:25.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie unsere Kleidung an. Früher hatte man schöne Kleider. Heute kauft man
zerrissene Hosen mit Löchern usw. Das ist dann interessant.

[00:50:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Fehlern kann man auch Aufmerksamkeit holen.

[00:50:52.610] – Bemerkung 7
Es gibt immer mehr Youtuber, die absichtlich Tippfehler einbauen, damit die Leute auf
das Video klicken und sie somit mehr Besucher erhalten.

[00:51:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Das ist auch ein Verkaufstrick.

[00:51:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe nicht auf den Verkaufstrick ein.

[00:51:16.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Fehler lernen wir.

[00:51:22.480] – Dr.med. Ursula Davatz
So würde ich es kommunizieren: Fehler gehören dazu. Anhand von Fehlern lernt man.

[00:51:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Anpassungsorgan.

[00:51:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr wir uns neuen Dinge aussetzen und auch Fehler machen, umso mehr lernen
wir. Je mehr wir lernen, desto komplexer wird unser Gehirn, desto anpassungsfähiger
wird unser Gehirn.

[00:51:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns vor allen Fehlern zurückhalten, dann lernen wir nichts. Dann fahren wir im
gleichen Zug weiter.

[00:51:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der künstlichen Intelligenz baut man auch Fehler ein.

[00:51:56.879] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.businessinsider.com/ai-synthetic-data-industry-debate-over-fake-2024-8

[00:51:57.195] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.theguardian.com/technology/2022/jun/18/is-fake-data-the-real-deal-when-training-algorithms

[00:52:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fehler sind der Motor zum lernen.

[00:52:12.830] – Bemerkung 8
Wir kriegen über die IV mehr Jugendliche. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen den
Interessen der Jugendlichen und den verfügbaren Angeboten. Das passt nicht immer
sehr gut zusammen. Die Leute mit Autismus haben dann noch viel mehr Probleme, sich
mit dieser Umgebung abzufinden.

[00:52:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist ein grosses Problem. Die Jugendlichen sind noch gar nicht orientiert und die
IV drängt.

[00:53:24.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes schütze ich meine Klienten immer vor dem Drängen. Das bringt gar nichts.
Das Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht.

[00:53:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lieber eine lange Periode von: Suchen, Üben, Machen, als schnell
rausgeschickt und missraten.

[00:53:54.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jugendlichen kann man sagen: ja, das ist vielleicht nicht das Angebot, was du du
wolltest, vielleicht wolltest du etwas ganz anderes. Was wir zusammen lernen können,

ist etwas zusammen zu tun. Vielleicht auch etwas, das du nicht so gerne tust. Das
kannst du später in jedem Beruf nutzen.

[00:54:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwischenmenschliche läuft auch ab.

[00:54:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde sagen: jetzt üben wir zusammen. Ich lerne, du lernst, vielleicht kommt dir im
Laufe der Zeit in den Sinn, welchen Weg du einschlagen möchtest.

[00:54:26.230] – Dr.med. Ursula Davatz
So würde ich es tun. Ich würde nicht sagen: man kann nicht immer wählen.

[00:54:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja ich weiss, es ist nicht dein Traumberuf aber wir können zusammen wachsen und
lernen. Du sagst mir wie und was und ich sage es dir.

[00:54:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusammen auf eine Reise gehen.

[00:54:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn?

[00:55:03.320] – Bemerkung 8
Ja.

[00:55:10.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht für alle Sinn.

[00:55:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Autisten sagen es einem oft nicht. Man spürt, sie wollen nicht. Dann werden sie
krank. Das soll man ansprechen: passt dir das nicht?

[00:55:20.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Personen, die hatten immer eine psychotische Episode, als sie nicht arbeiten
gehen wollten.

[00:55:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort war immer: ja, der Vorgesetzte hat das und das gemacht. Ich mochte es gar
nicht. Man muss immer dahinter schauen.

[00:55:51.250] – Bemerkung 9
Für mich ist es wichtig zu wissen: wie merke ich, dass jemand autistisch ist? Wie gehe
ich damit um. Wie merke ich es? Es muss nicht automatisch Autismus sein.

[00:57:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich auf ihre Sinne verlassen. Sie müssen keine Diagnose erstellen. Sie
müssen merken, wie der Mensch tickt.

[00:57:13.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen etwas und sie kommen nicht durch.

[00:57:23.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die teilnehmende Beobachtungen sind wichtig.

[00:57:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen was sie spüren. Hören sie gut auf ihre Sinne.

[00:57:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch mal fragen: kann es sein, dass du das nicht so gerne hast? Habe ich dich dort
verletzt? Bin ich zu stark dreingefahren?

[00:57:39.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie ihre Sinne wach! Spüren sie was abläuft.

[00:57:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Diagnose müssen sie keine stellen.

[00:57:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt für alle Menschen und für die Autisten gilt es noch mehr. Sonst überfährt man
sie und dann kann man mit ihnen nicht mehr kommunizieren, dann blockieren sie.

[00:57:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Verlassen sie sich auf ihr Gespür. Keine Diagnose stellen.

[00:58:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sensibler vorgehen.

[00:58:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Mitmachen und viel Spass beim Lernen mit ihre Klienten.