Dr. med. Ursula Davatz beleuchtet in ihren Ausführungen auch das Autismus-Spektrum (ASS) und betont, dass bei diesen Menschen oft eine stärkere Beteiligung in bestimmten Hirnarealen vorliegt. Häufig betrifft dies den Bereich des Spracherwerbs und -ausdrucks. Manche Autisten können gut lesen, aber nicht gut sprechen, während andere gut sprechen, aber Schwierigkeiten mit der schriftlichen Sprache haben. Dr. Davatz sieht in der Beteiligung der Sprachzentren eine der Hauptursachen für die Herausforderungen, denen Autisten im Alltag begegnen.
Ursprünglich wurde der Begriff „Autismus“ im Zusammenhang mit der Schizophrenie verwendet, um einen Zustand zu beschreiben, in dem die Kommunikation stark beeinträchtigt ist und Betroffene sich zurückziehen. Dr. Davatz zieht eine Parallele zwischen diesem ursprünglichen Verständnis von Autismus und den Schwierigkeiten im Spracherwerb und -ausdruck, die bei ASS häufig auftreten. Die Beeinträchtigung der Kommunikation, so Dr. Davatz, führt zu Missverständnissen und Stress sowohl für Autisten als auch für ihr Umfeld.
Regelmäßigkeit und Struktur spielen für Menschen mit ASS eine wichtige Rolle. Gerät diese Regelmäßigkeit durcheinander, kann dies zu starken Reaktionen führen, wie Dr. Davatz anhand eines Beispiels mit einem Kind illustriert, das einen Fragebogen aufgrund eines Fehlers nicht weiter ausfüllen konnte.
Dr. Davatz ordnet das ASS in ihren Ausführungen dem ADS-Spektrum zu und betont, dass ASS eine zusätzliche kognitive Verarbeitungsstörung mit sich bringt. Sie räumt jedoch ein, dass ihr Bedürfnis nach Ordnung sie dazu veranlasst, diese Zuordnung vorzunehmen.
Im Umgang mit Menschen mit ASS empfiehlt Dr. Davatz ähnliche Strategien wie bei ADHS und ADS:
- Beobachtung und Zuhören: Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Kommunikationsweisen von Autisten zu verstehen und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen.
- Geduld: Autisten brauchen Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu reagieren. Geduld und Verständnis sind unerlässlich.
- Klare Kommunikation: Aufgrund der Herausforderungen in der Kommunikation ist es besonders wichtig, klar und deutlich zu kommunizieren und Missverständnisse zu vermeiden.
- Einbeziehung in Problemlösungen: Anstatt Lösungen vorzugeben, sollten Autisten in die Problemlösungsprozesse einbezogen werden.
- Kreativität: Kreative Lösungsansätze, die über vorgefertigte Muster hinausgehen, sind wichtig, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen machen deutlich, dass das Autismus-Spektrum vielfältig ist und jeder Autist einzigartige Bedürfnisse und Herausforderungen hat. Ein respektvoller und verständnisvoller Umgang ist entscheidend, um Autisten die bestmögliche Unterstützung zu bieten.
https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Hypersensibilitaet_und_Autismus.m4a.pdf
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